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Wiener Morgenzeitung · 1922-04-06 · Heft 1144 (6.4.1922) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1144 (6.4.1922)
Date
1922-04-06
Page
– (sequence 1)
Language
German
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SInseinammer K so Wißö: Zum Abholen, in der lixpsdiäbn, ll/faborstr. 1—3,;{Kler in einer Versohleißstelle '{Trafik) monatlich K 1400. kit Postversand ffirWien und .PesterrHchmonatlich Kl400. 's e h e c li o-Slowafcei Man. ,vron& 2Ö* Ungar«: Monat!. Kronen 12p; .Jugoslawien: Monati.. Dinar. 20. Polen:. Monat!. Mark 700; Deutschland: 'Monatlich' Mark 35. Pr an kr eich: Monat!. Frcs.6. rener Ni*. 1144 Wien, Donnerstag, S. April 1922 Tseee)io>Siaw9k« i»h. K 1 Italien: Monatlich Ure Qj Rumänien: Monat!. Lei 4Q| Schweiz und das übrige Ausland monatlich Francs 3f . * ■ > Redaktion u. Administration Wien JL, Taborstrasse 1—3b Telephone: 44-0-38, 43-3-iSfj ab 6 Uhr abends!7-9-3ol Telegrammadresse: „Morgen* zeitung", Wien. Oesterreichisches. Pbstsparkassenkonto 150.993 4.Jahrgang W'tSfitim Mit Galgen und Bomben. f - k-- ' -'.'Jiy, Wien, 6. April. In Budapest wurde am Montag abends im. Lokal des Elisabethsiädter-Klubs in -der Tabäkgasse::etne Höllenmaschine zur Explosion gebracht, durch die acht1 iLeute getötet und etwa 12^ .verletzt wurden. Die Täter, die zur Anbringung der-;Maschine, viel Zeit gebraucht, haben müssen, sind noch ihnbekanrit; Die* Polizei veH hörte .allerlei. . VerdWtige, 'konnte-,/ aber„nochkeine sichere, Spur finäen^Zut näheren MMuüg; sei, Ibsige- Füigr, ..daß;in dem (jiberfalienen Lpkal ein Bankett liberaler Politiker' hätte stattfinden sollen/ zu dem sich an sßchshuddert Personeh, in dpr Mehrzahl jüdische Bürger, eingefunden hatten. Dieses Attentat, .dessen politischer Zweck mithin fesfsteht, ist der Regierung,, wie :süe 'versichert, sehr unangenehm. Gräf Bethlen erklärterer sei eirschtittert. Das; Ereignis müsse; "sägte; er, ein avschrtzckehdes, Beispiel biläeri; gegen jede .extreme Agitatipp,. diei zwischen den Gesellschaftsklassen . und Konfessionen Gegensätze "schüre und bis zum .äußersten zuspitze, Die Regierung habe bisher alles getan " und werde auch in der Zukunft gegenüber einer solchen Agitation und Aufreizung ihre -Pflicht tun. Sagt Graf Bethlen.. . . ‘7. . - ... , * Es mag sich ja wirklich so verhalten, daß er die Geister; die .er gerufen hat,; nicht/.mehr bannen, kann, aber . dies i doett wenigstens markieren möchte.; Die; Ententemissfonen, die - bisher zu allen Niederträchtigkeiten des christlichnationalen Kurses, zu allen atiti- - semitischen Verbrechen geschwiegferi haben, * sollen; dieser Tage Budapest, verlassen. Aber das Bombbnaiteiitat , könnte diesen Abschied aufschieben; Dpr, Leiter der 'amerikanischen Hilfsmission," Kapitän Pedlöw; der sich 'zurzeit -des tJeberfalles in der Nähe des Schlacht-, leides bMnch äußerte 'sofort; die Absicht, seihe Re-’ gierung ,voni4pni Vorfall, zu verständigen,Er wandte sich auch an : die: übrigen Ententemissfonen . mit der Aufforderung,* diesen Ereignissen - mehr Aufmerksamkeit; zu schenken,- Me alle Fälle .ließ - er die - Zerstörungen phMMMrisM fMteNeiL W' MMtzMReMung,; IN Gesonäerie Konferenzen äer.kleinen und großen Entente. Müssen^ irgend ZiT ^luh; /des Hejjas dazu einholen. / Eine Äenderurig des Kurses steht nicht zu erwärtem?Üngaro »befindet-;sictt in W^hlerreguhg und es •fi$t schön jetzt. Zu erkennen, daß die Grafen und - der Reichsverweser mitsamt» seiner bewaffneten Garde genau wissen» wen .sie zu' fürchten haben. Die Sozialdemokraten führen den Kampf sehr sordiniert. Dagegen haben die Legitimisten in dem Tod des Exkönigs und in dem •zweideutigen Benehmen der regierenden Offiziere und ihrer Exekutive, die. sich Regierung nennen; darf, eine Menge , des schönsten Agitatiönsstoftes; und finden in: ihren Vorstößen gegen die Clique pathie aller Elemente, die den Kurs der Erwachenden verabscheuen oder zu fürchten haben. Da aber die Gewalt im Besitz der Regierung ist, kann sich die Opposition nicht frei entwickeln. 1 Die Lurapokratie wehrt sich .mit. - Zähnen und . Klauen.. Bis heute . ist die Wahlkreiseinteiiung noch nicht bekannt gegeben < worden, dieoppositionellen: Kandidaten' wissen also fiiöch?gar nicht; wo . sie um;die Stimmen betrogen werden sollen. Sicher ist, daß. die Regierung mit .einem Sieg rechnet, und daß sie in naher Zukunft dem Ausländ wird vorschwindeln können, ihre politische , und . wirtschaftliche j Richtung sei von der Nation in den Wahlen sanktioniert vworden. Der Lärm der Explosion in' der Tabakgasse stört diese Hoffnung? sehr stark .und es, ist begreiflich, wenn Graf Bethlen seinen Unmut äußert Man; sieht sehr tief hinter die Kulissen und erkennt die Kräfte, die da am Werke sind, und die das wahre magyarische Programm des christlichen Nationalismus unbekümmert um Verlegenheiten der Regierung so durchführen, wie sie es ,i geternt haben. Dieses Programm, von dem sich - heute seine Schöpfer vort Appönyi bis zum Bischof Prochaska;nicht gerne öffentlich grüßen lassen, lautet: ‘ Hoch der . PogrOm! Ausrottung der Juden l . wäre töricht, sich darüber Zweifeln und trügerischen Hoffnungen hingeben zu wollen.. Esist güte und gründliche Vorarbeit geleistet worden,, um die durch den I^rieg und die Revolution aufgewühlten » Massen der Stellenlosen, deklassierten Offiziere und verschuldeten Kleinadeligen dorthin zu dirigieren, wo sie am besten verwendbar waren in dem Kampf; gegen, , öeiSt,t: Vernunft und -rettende Arbeit. Um. das jkultur-1 leben Ungarns zu Verderben, alle schaffenden und . vom: Bestreben - des . Aufbaues beseelten Kräfte niederzuj knüppeln, konnte gär nichts, anderes gefunden werden, als diese hemmungslose Hbrde von Mördern, Zuhältern, Kartenspiejom und Panamisten. Sie' haben die Auf-' träge einer von dem alten Kalksburgef Zögling Apponyi politisch erzogenen Gesellschaft pünktlich befolgt, gehenkt, geschändet, geplündert, ohne daß ihnen däs Gesetz hindernd in den Weg - getreten' wäre. , Vor diesem Gesindel hat sich alles 1 gebeugt,' weil Paris, 5. April. ,(Tel.-Komp.). Trotz der verschiedenen Dementis werden, dem „Petit Paristen“ zufolge, in Genua esti^; oder mehrere vorbereitende Versammlungen^dör teilnehmenden Staaten stattfinden. Am 8. d. M. werden die Vertreter der k lei st e « E n t e h t e sich zur Ausarbeitung eines gemeinsamen Aktionsplanes versammeln^ am 9. d; M. werden die Vertreter Frankreichs, Englands, Italiens, Belgiens und Japans sich ßber die Tagesordnung der Konferenz beratet!. Man hofft, daß eine voll s t ändi ge U eb e r e instimmung zwischen den Ansichten der Vertreter der kleinen und der großen Entente zustande kommen wird. Kein amerikanischer; „Beobachter^ in ' Genua. ' Washington, 5. April. (Tel. r Komp.) Präsident H ar di n g dementierte gestern das Gerücht, wonach er die Absicht habe, den amerikanischen Botschafter in London, Harvay, als Beobachter nach Genua zu entsenden, und erklärte, daß Amerika in Genua in keiner Form vertreten sein werde. Die rassische Delegation für Genua. Innsbruck, 5. April. (Intel.) Heute nachmittags passierte der aus drei Waggon bestehende Sonderzjtg , der russischen Delegation für Genua, aus München kommend, die österreichische Grenze bei Kufstein, wo die Delegation von dein‘Vertreter der russischen Regierung in Wien, Doktor, Brönski und dem Sekretär der ukrainischen Mission empfange]^ und zur Ttälfenischen: Grenze begleitet wurde. Im Namen der öäterteichischfeh; Regierungj erschien Bezirkshauptmänm G i b y au£ii. el LI,' der die Delegation bis ztun Besiesch nach Genua aäferd^t. i .. , Prag,: Z. April. Ministerpräsident Dr. Bene sch ist heu-td nach'G'enua abgereist.;In seiner Begleitung be-1 finden sich,, u. a. der tschechische: sozialdemokratische*' ' Abgeordnete -B e c h'i ri e und der Pressechef .im Außenministerium'. H äj e k. '; . v Bayrische Politik. Der Ministerpräsident gegen (He Ostjitden. München^ 5. April. (Wolff.) Im bayrischen Landtag Wies Ministerpräsident Graf L c r c h e n f e 1 d in r. seiner , Rede zum Etat des Ministeriums des Aeußern; . zunächst die Vorwürfe zurück, die gegen die bayrische " J;;u s t! z erhoben werden. Sodann erklärte er, daß ein Abbau des bisherigen Ministeriums .aupgeschlössen; sei. Die Länder hätten 'nicht aufgehört,- selbständige, vollberechtigte Subj ekte' zu sein. Sie - liättfen die Pflicht, auf die auswärtige .Politik ^|nen gewissen Einfluß. auszu- Übeil. ' -! 0; ■ :•'• . Weiters führte der Mimsterpräsident a daß durch das Koälitionsprogrämm eine Erweiten^A;.' nach der linken .‘Seite ausgeschlosseh :sei. Wir 'häb'en die;Pflicht, sagte er, an dst Zusammengehörigkeit .Bayerns mit dem Reiche festzuhalten. Redner ' müsse aber die in den Blättern der Linken vorgebrachten Verleumdungen :gegen* die bayrischen Verhältnisse, das; Märchen, der V:e r b.r e che rschl u*p fyvi nk.el unter-den Augen ■der Behörden,zurüc-kweiserr^Sie; werden die Hoheitsrechte des bayrischen Staates mit Entschiedenheit wahren, sie werde aber auch dem Reiche geben, was des Reiches ist. Di e R e; g! e r’u n g hä be die P f l.Lc h t, a ,u c h d i'e j'ü d'i s e h e n" S täVt s b'ü.r g e r, z Ü s c h ü t z e n, aber e i n e E i n w ah d e r u n g o s t j ü .d! s c h.e r El emen te sei auf j e deh Fall zti verhüten. (Weißgardisten" und Baltikumer sind erwünschter. Die Red;)'- ' , i! Die Landespo'Uzei dürfe Bayern sich nicht aus der Hand, schlagen lassen. Dem Ausland gegenüber sei mit „ Ruhe und Sachlichkeit aufzutreten.; - Zweite und Dritte Internationale* Berlin, 4. -April. (Telegramm der »Wiener . Morgenzeitung«.) Der ^bisherige Verlauf der Konferenz der sozialistischem. Parteien, läßt wenig Hoffnung auf eine Einig'uing aufikommen. Die kommu- . nistische TaktiSc, die sich gegen die andersgerichteten Sozialisten am schärfsten afkzeintuiert, wird von allen Seiten abgelehnt'und es scheint, daß siejh-.eine Isolierung der1 russischen Pantei •vorbereitet;“' Räm*; say M a c d o in a l'd hat heu>te bestimmte•■Erk-larqh'i-. gen der Moskauer über das SeJ’b.stbestimnnwigsrecht .Georgiens und die Freilasstuhg der veirhafteten Menschewiken und : Sozialrevölutibinären ' geforderuj. R a d e k, der sich in.'.die Eiige getrieben saßi, 'ant«i worfele wieder mit Vorwürfe«. - und', -nannite - die ■ Labour Party den He 1 fersfcelfer däs •:engfiedhen Imf perialisinuis. Er schloß mit .der Efkläin^jgii-Idaß di« Dritte Infenn-ationiaile - keime. Beidfingunigen. .aulhehme.. Otto B.a u e r, vens-uichte ..vergebens^' die Motwe-ndigkeit - der Einheit zm betonen, Er trat für, eine:; neu« internationale Konferenz ein und . bot• die;!ungder Wieaier Arbeitsgemeinschaft-in ailien^Diifer renizen a«v . ■ J,.: Frankreichs Schulden,,-.u :; Paris,. 5. April. Wie die Blätter melden, verlang« England von Frankreich ' die Rückzahlung der’ Inter*« essen der während .-des Krieges gewährten Änifeih^n. Die französische Regierung, dürfte in ihrer Antwort auf die englische 'Note darauf hinweisen, . daß die. englische französische Angelegenheit mit; .der Frage sämtlicher interalliierten.' Verbindlichkieiten Zusammenhänge unddaß eine Gesamtregelüng ünerläßlch sei. Die Annexion Beßarabiens. 5 Bukarest, 4. April. (Orient-Radio.) Der Senat bat das? Protokoll, betreffend die- Vereinigung B e 6 a r ab l e n 8 mit Rumänien, einstimmig genehmigt.. > ... - •} Eine Zwangsanleihe in"" Griecliehlahd« ■ Paris, 51 April. (Funkspruch*). Die . griechische Regierung beabsichtigt, eine ZwängsaUleihe durch Einziehung der Hälfte des Papiergeldes und Konvertierung desselben in Schuldverschreibungen, aufzunehmen. Der diesbezügliche Gesetzentwurf wurde , dem Ausschuß zur Prüfung S ilber«. gesell.. * .... . . . iwid der Zioni8MttSL?< London, 4. April. (Tel. der „Wiener- Möfg^* zeitung*.) „Der Führer der englischen ArbeiterparÖ O b e r s i W e d g w o o d wurde in der letzten Zeit vielfach wegen seiner zionistenfreündlichen Mtüng angegriffen und ihm der Vorwurf gemacht, daß dei Zionismus: mit der äußersten demokratischen Richtung der Arbeiterpartei unvereinbar ' sei. Wedgwoöd' änt< ' wortet nun mit dem Nachweis, daß gerade di« Prinzipien seiner Partei ihn dazu v e r p f 1 i c h te m an der Verwirklichung eines so schönen und historisch berechtigten Zieles, wie es dem Zionismus vorschwehtj helfend mitzuarbeiten. W e d g w o 3 d erklärte daß ei abgesehen von seinen demokratischen Grundsätzen] sich aus Rech t s ,g r ü n d e n g e z w u n g e n sehe,; zu fordern, daß in der zu schaffenden Legislative für Palästina keine g e wähl t e Majors t ä t sei und daß dieser Zustand so lange aufrecht ‘a ‘erhaben wäre, bis ' di^ jÜ d en in Palästina di« M e h r h e i t der Bevölkerung bilden und auf die^l Weise vor den Verfolgungen und Massakers* durch di* Araber geschützt sein werden. . . . , , . Die Hungersnot In Rußland. ' Moskau, 4. April. (J. C. B.) Die „i s w e s t i a* veröffentlicht ein Interview mit deni Moskauer Rabb.{n|f Dr. M a z e über die-Hungersnot in Rußland. Doktof Maze sagte unter anderem, daß täglich Flüchtlinge au« den nahen und entlegensten Hungergebieteti in Moskau eintreffen. Große Scharen strömen sogar, von den/at Polen und Rumänien grenzenden Gebieten zu. Vieh von ihnen haben nicht bloß vom Hunger, sonder« auch von Pogromen gelitten. Rabbiner- :Maz« -machte'Mitteilungen über das von ihm eingeleitett Hilfswerk und erklärte, daß alle S y n ag o g e n auf; gefordert wurden, eine ausgedehnte Hilfstätigkeit" füü die Hungerleidenden zu organisieren. ■ Auch der Minsker Rabbiner R a b i n o w i erklärte gegenüber einem Mitarbeiter der „iswestia^ -daß angesichts der Hungersnot alle: politischen unq religiösen Differenzen verschwinden müssen und däfl die Synagogen und Bethäuser einen Teil ihrer.. Gegen» stände verkaufen, um den Hungernden zu helfen. Staatsidee, der christlichen Gesellschaftsordnung geschah. Daß dabei die wirtschaftliche Entwicklung,bis in ihre Grundlagen vergiftet wurde und daß Ungarn heute ein einzige* stinkender Korruptionssumpf geworden ist, in welchem es sich bei einem Mord immer nur um die Bezahlung dreht, ficht die Gesellschaft nicht weiter an. Sie rottet alles aus, was Ungarn auf die Bahn des Gedeihens bringen könnte;. das;ist vornehmlich das jüdische Element. Die Juden träten die* dieses Treiben im Sinne der höheren magyarischen Wirtschaft, die Literatur, die Kunst j sie stützen die Bildung und sie allein verbinden - Ungarp m.it: den Ausland. Sie wollen positiv arbeiten und : in Ungaril sowie überall in der Welt für die Versöhnung und d Aufbau wirken. Sie sind Menschen der Tat „und. d Willehs. Ihnen steht der christliche Nationalisma gegenüber. Und um sie aus der$ Weg zu räumeri braucht er die " Höllenmaschine und Wahlen, wie s1( jetzt Graf Bethlen ttber Befehl der Hejjas, Zadrävt» Vangha und Gömbös macht.

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