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Wiener Morgenzeitung · 1922-04-03 · Heft 1141 (3.4.1922) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1141 (3.4.1922)
Date
1922-04-03
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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K 4ö vy L Wien: Zum Abho.en in der Expedition, II.,Taborstr.J—3» ü 1er >. etTterVerschleißstelle ^Trafik) ,mphatjjch K 1400. Mit Postversan .1 fürWfen und Oesterreich monatlich K14Ö0. Ts c h ec h 6-S I$w a k e i: Mon. Kronen 29. Ungarn: Monatl. Kronen 121 Iu g o s 1 a w i e n: Monat!. Dinar 20. Polen: Monat!. Mark 700. Deutsch- 1 a n d: Monatlich Mark: 35. Frankreich: Monatl. Frcs.6. rener Tstö&efto-siowafcä ftscfi. sc i Italien: Monatlich Lire Ä Rumänien: Monatl. Lei 40, Schweiz und das übrige Ausland’monatlich Francs L Redaktion u. Administration; Wien U., ’Saborsträsse 1—4, Telephone: 44-0-38, 43-3-19* ab 6 Uhr abends 17-9-34 Telegrammadresse^Morgen^ zeitung“, Wien. ,. 7 . Oesterreichisclies . Postsparkassenkontö 150.694 Nr. 11.41 mmmmmnm 'äm »iäm Wien, Montag, .3. April 1922 4. Jahrgang Der Tod des Exkaisers. Bundeskanzler 8 c h o -b e r ist erst gestern abends aus dem Bürgenlande: nach W i e n - zürückgekehrt, so daß Verhandlungen bezüglicheiner etwaigen Beisetzung.'. der: Leiche des Exkaisers- K a r l Jn der Käpuzi^ergrufl erst in den nächsten Tagen- -begiiirienJ kannten. Welchen Verlauf immer diese Verhandlungen nehmen werden, so ,ist damit,.zu rechnen, daß .de. Leiche Karls nach erfolgter Einbalsamierung zunächst in F u n c h a 1 provisorisch, beigesetzt werden , wird. Aller Wahrscheinlichkeit nach .dürfte das Provisorium jedoch längere Zeit: dauern; zumal die Ueberführung der Leiche Karls, sei es nach der Kapuzinergrüft in Wie n, sek es nach der .Matthiaskirche in Budapest,* mindest einen Betrag von 50 Millionen österreichischen Kronen in Anspruch nehmen würde, für deren Aufbringung umsomehr erst. Sorge getragen werden, müßte, ■als der'Nachlaß Kärfs höchstens auf 10 Millionen österreichische. Kronen - geschätzt wird. Vas Testament Karls soll nach hiesigen Informationen auch eine Reihe von politischen Bestimmungen enthalten, die sich in erster' Linie'auf .den Anspruch Karls auf den ungarischen Thron für seine Erben beziehen. Von. den ungarischenlegitimistischen Kreisen wird für den , als künftigen König anerkannten ältesten - Sohn des Verstorbenen, öen .zehnjährigen Otto, zweifellos eine R e g e n t- 8 c hak t eingesetzt werden. Man glaubt, daß hiefür, ln ' erster Linie die ungarischen; Grafen A p p o n y i und Äird r a s sy in Betracht kommen. Die. schwere; Erkrankung hatte das Aussehen KaW' sehr verändert ■ und soll der Exkaiser' stark abgemagert und Bei seinem Ableben ergraut gewesen «ein. ' V'/.V. . .' ‘ ' " . "; Man hält es für Sicher, daß nach den Beisetzungsfeierlichkeilen in F u h.c h a 1. und nach der für Ende M a i oder anfangs . n i erwarteten. Niederkunft der Exkaiserin . Z i t a diese mit . ihren ' Kindern * einen '8W^^ÄÜfÄthal^t^ltzckMrd^'-wMr-r^ reiche' Verhandlungen -aller iri Betracht kömmenden Kke!s< notwendig sein werden. ■ Exkaiserin Zita Kt,, wie - aus Meldungen aus ihrer Umgebung hervor- ' geht, - ganz gebrochen. Die Aerzte haben ihr schon mit Rücksicht auf ihren gesegneten Zustand die größte Schonung empfohlen, y Eine Anzahl von Wiener Monarchisten hat Trauerfahnen 'gehißt* In der Kanzlei' des hiesigen Vertreters - des verstorbenen Exkaisers, Sektionschefs Doktor S e h a g e r,;wurde ein KöndJlenzbogen aufgelegt, auf dem sich bereits heute vormittags zahlreiche Persönlichkeiten eintrugeh. ,. x Die Partei der sch wa r z - ge Iben Le giti- Äiisten wird im Laufe dieser Woche eine große Traüerkimdgeburig veraristalten. Am 11. d. M. findet hi der Kapuzinerkirche ein feierliches Requiem , statt. Die Partei der schwarz-gelben Legitimisten erklärt, bezüglich der rechtlichen Nachfolge des verstorbenen Exkaisers iri Oe^erreich auf demselben Standpunkte *u stehen,wie, die Legitimisten in Ungarn, und.erklärt, denältesten Sohn des Exkaisers, O tto, als rechtmäßigen Nachfolger in Oesterreich anzuerkennen und In diesem Sinne i h r e A r b e i t; f o r t z u s e t z e n. Trauerflagge auf dem ungarischen;■; Gesandtschaftspalais in Wien. An dem Gebäude der ungarischen Gesandtschaft Wurde Samstag abends aus Anlaß des Hinscheidens des Exkaisers Karl eine Trauerfahne aufgezogen. Die provisorische Beisetzung auf Madeira. Funchal, 1. April; (Havas.) Die Leiche des Exkaisers, wird nach der Einbalsamierung im Sterbegemach attfgebahrtund ausgestellt werden, Die-Leichenfeier wird am Montag in der Maria-Emptängnis-Kapelle stattfiuden,v die Beerdigung am Dienstag auf dem Friedhöfe von . Gapomente. Der Standpunkt der Legitimisten. Budapest, 2. .April.- In hiesigen-., legitimistischen Kreisen vertritt man in staatsrechtlicher Beziehung folgenden Standpunkt : Nach dem. Gesetz -vom Jahre 1867 ist O 11 o der ungekrönte-;minder jährige König von Ungarn. Bis zütft'-Vjfähfe T867y';yvär* - der» Palatin berufen, "den minderjährigem;^ erkrankten- oderim Ausland befindlichen König; böi' der Ausübung -der Regierungsgewalt zu vertreten. D wr c h d e n .A r-- tf k e 1 7 ä%;s Gesetze s vo-ui j 'a li re- 1887 ist* die Stellung des. Palatin abgeschäfft, infplgedessen vertreten ‘die legitimistischen Politiker die Anschauung,5 daß der ileugewählte ^Reichstag sofort nach seinem Zusammentritt einen Beschluß zu fassen haben werde,-, wer als Vormundschaftsregent In- Betracht komme und wie seine Wirksamkeit gesetzlich 'festzulegen sei. Nach dem ‘ habsbui-gischen 'Fämllienstätut erlangt eiriJ minderjähriger Erzherzog’ mit dem 16.;Lebensjahre die: Volljährigkeit, daher werde Otto im Jahre 1928 die- Herrscliergewält selbst ausüben können; : j;; Erzherzog Otto. Paris, 2. April. (Havas.) Wie der „Eclair“ meldet, 5 ist es wahrscheinlich, daß der Tod des Exkaisers, die j Botschafterkonferenz veranlassen, werde, eine , Entschließung bezüglich des Erz h e rz ogsOtto zu ■ •fassen.; ' ■■'. .. . - ••;•• - ’ -' * ■ - ' AMMU-ÄMM in einem Artikel, Otto sei jetzt König auf Grund der Pragmatischen Sanktion. Da es heutzutage keinen Palatin gibt, . sei entsprechend ‘ der alten Tradition die Königin der Vormund de£ minderjährigen Königs. Die „Times" gegen die Habsburger. London, 2. April. (Reuter.) Die „Times“ machen eine Anspielung auf die Frage der Nachfolgeschaft des Exkaisers, und spricht die Hoffnung aus, daß Exkaiserin Zita und ihre Anhänger sich darüber Rechenschaft ablegen werden, daß Europa niemals die Wiederbesteigung des Thrones durch 'ein Mitglied des Hauses Habsburg dulden werde und daß jeder Versuch in diesem Sinne nur unglücklich ausgehen könne. Französische Blätterstimmen. Paris, 2. April. (Havas.) Wenn die Blätter auch an die vom Exkaiser Karl infolge seiner Schwäche be- ■gangenen Fehler und namentlich an seine ungarischen Abstecher erinnern, geben' sie dem Mitgefühl Ausdruck, das ihnen das traurige Ende des jungen ehemaligen , Herrschers einflöße. „Figaro“ sagt, es sei unmöglich, s i c h v or soviel U ri g 1 ü dk des Mitgefühl s . z u er. we lire n. „Echo National“ 'befürchtet, daß der Tod Karls neue K o m p 1 i k a t i o n e n herbeiführen könnte, und meint, Europa dürfe nicht neuen Unbesonnenheiten Ungarns ausgesetzt sein. 1 Ein Schweizer Kredit für die Tschechoslowakei. Prag, 2. April. Dem »Prager Tagblattzufolge Ist das Anlelheaogebot der Schweiz an die Tscheche-Slowakei auf 60 'Millionen Kronen erhöht worden. Ein Kredit von 5 Millionen Schweizer Franken wurde bisher fest abgeschlossen. < , Die Konferenz der Donaustaaten. Bukarest» 1. April. (Orient-Radio,) Heute ist hieb die Konferenz der Donaustaaten eröffnet worden. An ihr nehmen Vertreter der Tschechoslowakei, Jugoslawiens, Ungarns, Deutschlands, Geste r r e ich s und Bulgariens teil. Den Vorsitz führt der erste'Delegierte Rumäniens P o p e s c u. Die Beratungen werten drei Tage dauern. Das Konferenzprogramm umfaßt die Fragen der Schiffahrt aiilf der Donau, die Regulierung des Stromes und die Errichtung von radiotelegraphischen Stationen entlang der , Donau. Die Beschlüsse der Konferenz vo;v Bukarest werden in Preß b.urg, dein Sitze der Internationalen D o n a u - Korn mission, f a 11 If I z i e 11 w e r d u. Eine Grubenkatastrophe. . Zahlreiche Tote und Verwundete. Breslau, 3. April. (Tel.-Komp.) Ein schwerer Grubenbrand brach gestern im Ansolm-Schacht in Peter sdorf im Kreise Ratibor aus, der bereits zahlreiche Tote und Verletzte forderte. Annähernd 400 Bergleute befinden sich noch im brennenden Schacht elngeschlossen, doth sind die^Rettungsarbeiten bereits im Gange. Nach den bisher vorliegenden Nachrichten Ist es den Rettungsmannschaften gelungen, 16 Tote und 38 Verletzte zu bergen. Auszahlung der Postsparkasseforderungen in tschechischen Kronen. Präg, 2. April. Wie das „Prager, Tagblatt“ meldet, ist die Liquidation der Forderungen tschechoslowakischer Staatsbürger bei der W i e n e r Pos 1sparkasse bereits beendet. Die Forderungen werden in tschccho-slowa'dscheii Kronen ausbezahlt mit einem Abzug von un gef äh reinem. Dritte 1 des Betrages, so däß rund zwiei Drittel zur Auszahlung gelangen werden. Gestempelte Krone —.07 Auszahlung Wien ----- —.O6V4 in Zürich notierte: die österreichische Krone —.063/v die österr. gesL Krone . . —.07 die tschechische Krone. . 9.67 die Mark . . . . . . . 1.67 Agram. 1.56 Bukarest . r. . . . . . — Budapest . . . V . . —.60 Warschau. . . . . . —.13 Centimes. Centimes. (—.068/4 am 31. (—.07 am 31. ( 9.75 (1.75 ( 1:55. (—.59 (-.13 am 31. am 31,. 'am 31; März) März) März). März) März) am 31, - März) am 31. März) am 31. März) Die Sowjetdelegation in Berlin. Deutsch-russisches; Einvernehmen - für ■ ’ üenua. -;• ... Berlin, 3. April. (Tel.-Komp.) Die r u s sisch e D eleg at ion für G enu a hielt gestern in der hiesigen^ Sbwjetmissioitf eine Reihe von Besprechungen ab, die von vormittag bis in die späten Abendstunden andauerten« v Bei den Besprechungen. handelte es gich in der Hauptsache um; eine Orientierung der pefegierteri über die politische" imd wirtschaftliche. Lage Deutschlands und um ‘die’ Er- ÖrterUng der russischen Wirtschaftsangelegen-, heitey. Die mit der-Konferenz von Genua zu-, sammehhängenden Eragön würden niclit"T)e- 'rührt,', da diese erst unter dem Vorsitzs. K r ä 8 s i n s behandelt Werden sollen, der. heute mittags, in; Berlin eintrifft und in) Laufe desr Nachmitiägs mit der ' Reichsregierung Fühlung nehmen - wird. Aus s Öen Mitteilungen der beteiligten Kreise war zu entnehmen, daß! Krassin der deutschen Regierung neue ybr- -sOmäge unterbreiten wird, um in Genua ge-: wisse Wirtschaftsfragen auf gerne i n* s a m e r Basis zu behandeln/;; ' F'rankrgich und QenM. ' -w - ' ’T .'Foincaräs -Vorbehalten^ Paris, 2. März. (Havas.) In seiner in der Kämmer gehaltenen Rede erklärte ‘ P o. i n c a r 6: Weder die Reden des DL Wirths oder Dr. Rathenaus* noch die Abstimmung im Reichstag würden die vollkommen klare Politik Frankreichs ändern.’ Nachdem Poincare die Unantastbarkeit des' Versa i 1 i e r Vertrages sowie den Entschluß^ betont hatte, jegliche Erörterung der Beschlüsse der R e p ar a t i o n s k o m m i s i o n iri Genua aüszuSchließen, erklärte er, daß er, wenn man -darüber hinwegginge, seine. Handlungsfreiheit wieder gewinnen würde; er sei jedoch überzeugt, daß die Verbündeten mit Frankreich darin einig seien, daß nicht darüber hinweg gegangen werden soll./. Et habe hervorgehoben, daß die Konferenz - von- Genua k eine p e r in a n e n t e E i ri r i c h t u n g werden dürfe, die sich unmerklich an die Stelle des" Völkerbundes setze. Redner würde' die ‘ Bildung' eines . neuen Völkerbundes mit B e t e i 1 i g u n g D e u t s c h* l a n d s und Ru ß l a n ds nicht zulassen, ohne daß deren •' Zulassungsgesuche geprüft würden. ' Die" A ne r k enn ung der S o w j hf re gier ung dürfe nicht vor deren ausdrücklicher Annahme der Bedingungen von Cannes .geprüft' werden. Die Frage werde erst am Schlüsse der Konferenz verhandelt werden. Frankreich werde e^ freistehen, sich, dem Berf Schluß, der gefaßt werden wird, anzuschließen oder nicht. Unter .dieser Voraussetzung werde Frankreich nach Genua gehen, nicht bloß um die in Cannes ejnge-, gangenen Verpflichtungen zu erfüllen, sondern weil es den Willen habe, so gut als möglich mit den anderen Nationen an einem Werke mitzuarbeiten, dessen Gefahren dem Redner nicht unbekannt seien, das jedoch nicht ohne Größe sei. Frankreich werde sich, aller Schwierigkeiten ungeachtet, bemühen, es fruchtbar und dauerhaft zu gestalten. —Die Kammer nahm diöse} Rede mit langandauernden O v a t i 6 n e n auf. B ri and. beglückwünschte Poincarö. > Zweite und Dritte Internationale. Vandervelde gegen die Kommunisten. Berlin, 3. April. (Wolff.) Auf > der Konferenz der drei sozialistischen Internationalen im Reichstage hielt Friedrich Adler (Wien) die Eröffnungsrede. Er betonte, daß die Konferenz nicht die organisatorische Verschmelzung der drei Internationalen zum Zwecke habe, sondern nur ein erster Versuch sei,- um ) in gewissen, alle Arbeiter berührenden Fragen zu gemeinsamen Aktionen zu gelangen. Hierauf verlas namens der Delegation der Dritten Internationale Klara Zetkin eine Erklärung, . wonach die Dritte .Internationale die Einheitsfront de^ ge- 1 samten Proletariats für die dringendste Forderung des Tages halte, da die Bourgeoisie Deutschland dureb

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