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Wiener Morgenzeitung · 1922-03-30 · Heft 1137 (30.3.1922) · p. Seite 8

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1137 (30.3.1922)
Date
1922-03-30
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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Seife 8 Wien, Donnerstag WIENER' MOROENZETTTTNCr 30. März 1923 Nr. 113? Asphalt kommt im Libanon bei Hasbeia sowie lei Latakijeh und an einigen Orten vor, so besonders ■m Toten Meer. Von großer Bedeutung sind zahlreiche Asphaltkalke mit to bis 25 Prozent Bitumengehalt in der oberen Kreide, die im Steinbrucfrsbetrieb gewonnen werden. Die Hauptvorkömmen sind am Toten Meer; fco wie bei Berseba und in Gali'.äa, wo während des Krieges Oeldestillationen eingerichtet worden sind, die tauch jetzt Aussicht auf wirtschaftliche Weiterentwicklung haben. Der Steim wurde mit Holz vermischt zur Eisenbahnfeuerung verwendet. Auch die Verwertung tals Siampfasphalt zum Straßenbau kommt in Frage. In Verbindung mit diesen Kalken ist Erdöl im schwachen Spuren beobachtet worden, doch scheinen größere Vorkommen, nach denen zum Beispiel im Jordantal sowie, lei Kafrane am der Hedsclmbahn und bei Konub (70 Kilometer südlich Hebron) gebohrt worden ist, nicht wahrscheinlich. , Ebenfalls an die oberste Kreide gebunden sind (Phosphatlager im Westjordanland und östlich lei E« Salt., Die besseren Vorkommen enthalten etwa 80 Prozent phosphorsauren Kalk, die geringeren 50 bis 60 Prozent. Die Mengen werden auf 60.000 Tonnen guten und 200.000 Tonmen mittleren Phosphatgesteins im Gesamtwert von 8 Millionen Mark geschätzt, die als pungemittel im Lande selbst Absatz finden können. Kleinere Schwefelvorkommen finden sich $n de<r Gegend der Toten Meeres, desgleichen Gips im Jordantal. ferner Marmor, der als Baustein, jedoch von geringerer Güte, verwertet wird. Salz wird aus den Salseen bei Dschelul, östlich Aleppo, etwa 10.000 Torunen -jährlich vor dem Kriege gewonnen, sowie am Nord- und Südufer des Toten Meeres und ferner an der Küste des Mittelländischen Meeres in den Salzpfannen von Der-el-Baian südlich tyon Gaza. _ Einigung in der Öberösterreichischen Textilindustrie. Linz, 29. März. Bei den vom Bezirfcssekretariat der Textilarbeiter in Linz angebahnten Einigüngsverhandlurigen zur Beilegung des Konflikts in der Textilindustrie hat sich,- wie das „Tagblatt“ meldet, das Schiedsgericht einstimmig dahin ausgesprochen,, daß die dem Fachverband „der Textilindustrie angehörigen Unternehmer ihrer Arbeiterschaft vom 1. d. M. an eine 187°/gige Erhöhung der Teuerungszulage auszuzahlen haben. Die Arbeit wurde, nach einer der schiedsgerichtlichen Verhandlung folgenden Aussprache zwischen dem Industriellenverband und den Textilarbeitern, in allen Betrieben wieder ausgenommen. Banknotenumlaaf an 15. Mftfz t/271*758 Milliarde«. Nach dem Ausweise der Oesterreichisch-ungarischen Bank vom 29. d. M. betrug der Notenumlauf am 15. Mirz 271-758 Milliarden, das ist um 5*94 Milliarden mehr als in der Vorwoche. Der Verkauf der Wörther-Werke Und die staatlichen Holzabstoc&angsverträge. Der Reichsverband der Holzhändier hat für Mittwoch den 3. April' 1922, pünktlich Vjö Uhr nachmittags, im großen Sitzungssaal des Gremiums der Wiener Kaufmannschaft, IV., Schwarzenbcrgplatz 16, 1. Stock, eine Vollversammlung einberufen. Die Tagesordnung ist: 1. Die staatlichen Holzverkäufe und die 'Wörther-Werke (Referat erstattet von Herrn Adolf A. Schwarz). 2. Die Ungesetzlichkeit der öffentlichen Straßenabgaben (Referat erstattet von Herrn Siegfried Levisohn). 8. Die Nichteinberufung der Verkehrsbeirates (Referat erstattet von Herrn Ingenieur Bogjanaky). 4. Die bevorstehende Erhöhung der Telephon- und Telegraphengebühren (Referat erstattet von Herrn Kammerrat Friedmann). 5. Gründung einer Zentralstelle der Holzhändl'erschait (Referat erstattet von Herrn Adolf A. Schwarz). Die Abstempelung der Effektenbörsekarteil (Kontrollbezeichnung über die bezahlte Börsebesuchsabgabe für April 1922) findet hi der bisher geübten Weise am Samstag den 1. April, Montag den 3. April und Dienstag den 4. April 1922, immer in der Zeit von 9 Uhr vormittags bis 2 Uhr nachmittags, im Sitzungssaal der Wiener Börsekammer statt. Zur Abstempelung sind bloß die mit - B (bezahlt) bezeichnten Börsekarten einzureichen, wobei der postamtlich erledigte Postsparkassenerlagschein über die bezahlte Börsebesuchsabgabe firr April 1922 vorzuweisen ist. Die mit G (Gesuch) oder mit „frei“ bezeichnten Börsekarten werden keiner weiteren Kontrollbezeichnung unterzogen, sondern berechtigen in der bisherigen Form auch weiterhin zum Betreten des Börsesaales. Postsparkassenerlagscheine sind im Dienerzimmer erhältlich. Angabe des wirklichen Wertes in den Zollinhaltserklärungen. in den Zollinhaltserklärungen zu Postpaketen nach den N i e d e r 1 a n den ist, wie das Gremium der Wiener Kaufmannschaft mitteilt, der wirkliche Wert in Kronen oder holländischen Gulden anzugeben. Dieser Wert braucht nicht mit der Wertangabe auf dem Paket' und der Begleitadresse Übereinzustimmen. Expositar des Oestcrrcichisehen Hfandeismuseams In der Schweiz. Das Handelsmuseum teilt mit, daß es seine Korrespondenzstelle in Zürich, die österreichische Handelskammer. in der Schweiz, mit Rücksicht auf die große Bedeutung für den österreichischen Außenhandel und den Umfang der übernommenen Agenden zu einer Expositur umgewandelt hat. Börse ffir landwirtschaftliche Produkte. (Eigenbericht der „Wiener Morgenzeitung“.) Trotz sehr starken Besuches zeigte das Angebot keine Zunahme und blieb der Umsatz bei sehr fester Grundtendenz bescheiden. Das M.efcloffert beschränkt sich auf im Besitze der zweiten Hand befindliche Warenmengen. Ungarisches Mehl erzielte je nach Qualität ungar. K 68 bis 71 Wien. Jugoslawisches Mehl war zu K 560 ab Spielfeld und österreichisches i« der gleichen Preislage ab Wien erhältlich. Infolge der jüngsten Regierungsverordnung, welche^ den amtlichen Mehlpreis erheblich hinaufgesetzt. hat, haben die Produzenten von -Getreide heimischer Erzeugung ihre Forderungen erhöht. Der Absatz stockt vollkommen, da die hohen Forderungen nicht durchzusetzen sind. Hafer verzeichnte ruhigen Verkehr in der Preislage von K 295 Wien. Rumänhafer ist b> - dumpfigen Sorten reichlichst offeriert und findet zu K 240 bis 250 Wien Unterkunft, Mixed M a i s erzielte K 300 bis 320 Wien. In B o h n e n hat das Geschäft eine Einschränkung erfahren, da die Deutschen infolge des Tiefstandes der Mark nicht kaufen können. Der Reisabsatz ist etwas günstiger. Saigoonreis nach Wien rollend ist zu K 560 Wien transit offeriert. In Rauhfutter ist das Geschäft von sehr geringem Umfang. Der Konsum scheint gegenwärtig versorgt zu sein. Die Forderungen für Öberösterreichisches Heu stellen sich auf K 185 ab Station, für burgenländisches Heu auf K 140 Wien und für S t r 0 h auf K 110 Wien. Wiener Warenbörse. (Eigenbericht der „Wiener Morgenzeitung*.) Zum öffentlichen Verkaufe gelangten laut Art. 343 des H.-G.-B. ein Waggon Drahtstifte ab Werk Waidhofen an der Ybbs. Oeffentliche Verkäufe finden statt am 31. d. M., */«l Uhr: 145 Kisten gezuckerte Magermilch Wien, sowie 200 Stück Madapolan rigato transit ab Lager Wien. Wiener Holzbörse. (Eigenbericht der „Wiener Morgenzeitung*.) An der gestrigen Holzbörse war das Angebot mäßig bei geringer Kauflust infolge Stagnation der Industrie und nicht zuletzt durch Geldmangel. Von Abschlüssen wurden nur bekannt von Brennholz harte Buchenscheiter und -prügel trocken zu K 230.000 Wien, sowie gemischtes frisches Brennholz zu K 160.000 ab niederösterreichischer Station, von Laubholz-Shhnlttmaterial Esche von 60 mm aufwärts zu K 98.000 (mährischer Provenienz). Exekutiv wurde ein Waggon Brennholz gemischt trocken zu K 240.000 Wien gedeckt. Ausgeboten'wurden von Nadelholz- <5ehnlttmaterlal 20-mm-Bretter von 7 bis 16 cm zu K 33.000 prompt Wien, von Laubholz-Rundholz Ahorn zu K 29.000 Wien, von Laubholz-Schnittmaterial Buche ungedämpft inländisch (60, SO, 100) 14 cm au K 36.000 ab niederösterreichischer Station, Eiche inländisch 40 cm aufwärts zu K 70.000 Wien, Holzkohle zu tschech. K —.90 prompt Grenze. Geld war am Markte für Blochholz 20 cm aufwärts K l6;000 ab niederösterreichischer Station, von Nadelholz-Schnitlmaterial Kantholz geschnitten 10/I2an aufwärts zu K32.009ab niederösterrelchischerStation, Tischlerw&re Fichte zu K 38.000 ab oberösterreichischer Station. Berliner Börse. Berlin, 29. März. An der heutigen Börse setzte der Verkehr anfangs in fester Haltung bei ziemlich lebhaftem Geschäft ein. Einen ausgiebigen Gesprächsstoff bildete natürlich die gestrige Regierungserklärung. Sie hatte, da sie den Erwartungen entsprach, keinen besonderen Einfluß auf die'Kursbüdung. Es überwogen Kursbesserungen im Ausmaß von 20 bis 30°/«. wenn auch in vereinzelten Werte« ebendieselben Kursnachlässe festzustellen waren. Nach Festsetzung der ersten Kurse lenkte das Geschäft in ruhige Bahnen ein und da manche Position wegen der immer noch nicht ganz glatten Geldversorgung anläßlich des Ultimo gelöst werden mußte, bröckelten die Kurs« mäßig ab. Lebhaftere Umsätze hatten lediglich Phönixsowle einige Textil-und Maschinenfabriks-Aktien zu verzeichnen. Mit starken Kurssteigerungen sind zu erwähnen Gebrüder Böhler (4- 200), Stöhr (4- 100), Staatsbahn-: Aktien (4- 80), Kali- und der größte Teil der oberschlesischen Papiere. Besonders Kattowitzer- und Laurahütte-Aktien lagen schwächer. Westeregl.-Aktien verloren 150°/,. Im Gegensatz hiezu stand der Einheitskursmarkt, auf dem die Beteiligung des Publikums ziemlich lebhaft blieb, so daß hier Kursbesserungen überwogen. Bemerkenswert blieb die fortgesetzt starke Kurserhöhung für österreichische, ungarische sowie für türkische und bulgarische Werte, wozu zum Teil die anhaltenden starken böhmischen Käufe beitrugen und dies umso mehr, als das noch vorhandene Material wegen der bereits zur Anmeldung gelangten Stücke .ziemlich knapp blieb. Budapester Börse. Budapest, 29. März. Die Börse eröffnte ln zu-ersieht-, lieber Stimmung. Besonders lebhaftes Geschäft war in der Kulisse, wo insbesondere Staatsbahn-, Sälgo-, Rima- und Südbahn-Aktien zu steigenden Kursen gehandelt wurden.. Gegen Schluß ließ die Kauflust etwas nach und die Kurse, gingen zurück, schlossen aber noch immer höher als gestern. ' Der Bänkerimarkt war ruhig, der Mühlenmarkt freundlich' und fest.' Der Valutenmarkt war infolge der gestrigen’' höheren Züricher Abendnotierung flau, was sich besonders1 beim Dollar bemerkbar machte, dessen Kurs bei geringer Fluktuation stets abnahm. Deutsche Mark lagen fest, die übrigen Valuten wurden zu fallenden Kursen gehandelt. Auf dem Devisenmarkt war das Geschäft besonders int Wiener, Berliner und Prager Auszahlung bei steigenden Kursen lebhaft. Prager Börse. Prag, 29. März. An der heutigen Börse machte def- Abbröcklungsprozeß ln Industriewerten, von denen nur einige ihr gestriges Niveau behaupten konnten, weitere. tFortschritte. Von Wiener Bankwerten haben sich Anglo-' k und Bankvereins-Aktien abgeschwächt. Tschechische' e Kreuz-Lose verloren serbische waren 5 Punkte billiger angeboten. Anlagewerte haben sich heute in der Mehrzahl gebessert. Von Staatspapieren befestigten sich Prämienanleihen um '///<,, während die übrigen um 5 bis 20 Heller nachgaben. Die Aktien der Buschtehrader Eisenbahn vermochten den anfänglichen Verlust wieder wettzumachen und konnten sich gegen Schluß sogar um K 5 bessern. Von Industriewerten zogen Böhmisch - Mährische-, Prager Papier- und Nestomitzer-Aktien im Kurse an, die übrigen lagen insgesamt niedriger. Alpine-Aktien gewannen auf Meldungen von Wien weitere K 12. Von Exoten erfreuten sich Bulgaren großer Nachfrage. Die Schlußtendenz war abgeschwächt. Westdevisen lagen insgesamt schwächer.' Im freien Valutenhandel gaben Belgrad und Sofia im Kurse nach, während die übrigen anzogen. Die Devisenkurse. Zürich, 29. März. (Devisenkurse. — Mitgeteilt voä. der Schweizerischen Kreditanstalt.) Berlin 1.54 (1.52), Holland 194.50 (194.10), New York' 515.- (516.-), London 22.52 (22.46), Paris 46.45 (46.10), Mailand 26.05 (25.92), Brüssel 43.25 (42.95), Kopenhagen. 108.50 (108.50), Stockholm 134.75 (134.20), Christiania 91.50 (91.—), Madrid SO.- (79.—). Buenos Aires 185.— (187.—). Prag 9.32 (9.25), Budapest —.57 (—.57), Agram 1.55 (1.55), Bukarest - (-—.—), Warschau—.13 (—.13), Wien Geld—.06*/, (—.OS3/,), Wien Ware —.— (—.—), Oesterr. gest. Kronen Geld —.07 (—.07), Oesterr. gest. Kronen Ware v Berlin, 29. März. (Devisenkurse.) Wien altes —.— (—.—), Wien abgestempelt 4.38 (4.48), Prag 605.35 (613.35), Budapest 36.66 (37.56). Berlin, 29. März. (Kurse der Devisenzentrale.) Noten: Dollar 327.65 (337.65), Pfund 1447.25 (1479.—), Italienische 1676.25 (1678.25), Polnische 8.10 (8.27'/,), Tschecho-slowakische 003.25 (609.25), Alte österreichische —(—.—), Oesterr. gestempelte 4.40 (4.35). Prag» 29. März. (Devisenkurse. — Mitgeteilt vom Bankamte des tschecho-slowakischen Finanzministeriums.) Berlin 16.25(16.12«/.), Zürich 1068.- (1070.50), Belgrad 66.50 (66.87), Bukarest (-.—), Wien 0.62'/, (0.62'/,), Warschau 1.28 (1.25), Agram —(—.—), Budapest 5.85 (5.70), Jugoslawische Noten 66.50 (66.87), Oesterr, gestemp., Kronen 0.62'/, (0.62'/,), Poln. Noten 1.28 (1.25), Ungar. Noten 5.85 (5.70). Der Min. Von Leopold Kompert. Auf schwanker Woge schwimmt jenes sonderbare Wesen einher, das wir Glück nennen. Von allen gesehen, an allen vorübergleitend, oft so nahe, daß es ein zarter Lufthauch wegzuwehen droht, ist es doch nur einer, an den cs kommt. Wie man das Fischlein im Wasser berücke, daß es der Angel folgt, das Vögle!» fjn^ Walde umgarne, daß es nicht entrinnen kann, dem Wilde nachstelle, daß es dem schlauen Menschen zur Beute werden muß — das erzählen wunderbarerweise Bücher auf Bücher, und. wer es besser versteht, ist der geistert Aber wie man jenem sonderbaren Wesan den Weg verrammt, daß es stehen und sieh halten lassen; muß, kan« nicht gelernt werden: Keine Kunst offen- Sbart, wie sich das Glück fangen läßt. Tausende stehen am Ufer, sehen es mit leiblichen Augen, greifen danach. wie sie nach dem Messer greifen: denn tausendfältig und taüsendgestaltig, wie der Menschen Seele und Sinn, spricht sich die Art aus, wie sie das Glück erzwingen. Der wirft sich mit weit ausgestreckten Armen in die hochgehende Flut und will «eben, wer etärkar sei: die Weile oder seine Kraft. Der andere »cheut solche Mühe; in sich gebückt, unscheinbar, furchtsam, in steter Sorge, es könnten ihn Augen erblicken, die nicht zu schweigen verstehen, tritt er leise auf, lugt nach allen Seiten, und das Glück ist sein, bevor der starke Schwimmer noch erreicht hat. Wenn die Menschen erzählen wollten und dürften, Voie jeder von ihnen an das Glück herangekommen: tfer eine mit heiler Haut, der andere zerscblagn und abgeworfen, man hörte dann Geschichten, wie sie noch nie gehört wurden. Aber nicht nur den mutige« Schwimmer und Jäger müßte man erzähl:*) lassen, die aller Künste voll sind und mit Fretkugeln und ( Freiangela umzugehen wissen, vielmehr den stiU in sich gebückten, scheanlos Dahinwandelnden, dem niemand « abfragen will, warum zuweilen «in 90 leuchtender 0Unz aus seinen Augen fällt, warum «In so eigentümlich vtrgnügtes Lächeln manchmal um dby ßpielL Mit einem Worte: einen »Mi»«* Es ist doch gut, daß jeder ein >zu Hause« hat, i und wahrhaftig, nicht gerade darum, um damit seine!( »Gemeindezuständigkeit« aufweisen zu können. Aber ' bei mir zu Hause, in Böhmen, werden die Leute sogleich wissen, was so ein »Min« zu bedeuten hat, und ich habe ihnen so gut als gar keine Erklärung zu geben. Wieviel besser ist das, als die anderen erst auf ein vielleicht nicht befriedigtes Warten vertrösten zu müssen! In der langen und ziemlich gedehnten Gasse, die sich vom »Ring« bis zum »Wasser« hinabzieht, hart am äußersten Ende derselben, steht ein altes, einschichtiges Haus. 'Es ist eines jener Bauwerke aus einer ferneliegenden Zeit, in der die »Baupolizei« noch nicht den Maurer auf Kosten des Zimmermanns begünstigt hatte. Das Haus ist nämlich ganz aus rohen Balken zusammengezimmert, zwischen deren Fugen der gelbe Lehm ai-lcim beweist, daß hier nicht ausschließend die Axt gewaltet. .Drei weit schattige Nußbäume stehen davor. Wer sie gepflanzt? Wer überhau-pt da* Haus gebaut hat? Für die Leute in der Gasse wäre da« eine müßige Frage gewesen: «ie wußten nur das eite, daß in dem Haus: immer »einerlei« Menschen gewohnt hatten: es hatte für sie keine Geschichte. Seit undenklichen Zeiten räm’ich war jeder, der aus diesem Hause kam, von dem Kanben an, der «ich am Trenderl»piel ergötzte, bis zum Greise herab, den d Todesengel in merkwürdiger Vergeßlichkeit s‘ehen gelassen hatAe, denn sie wurden in diesem Hause alle sehr alt, also alles und jedes, was da drin lebte, und webte, selb?t die Frauen mit eingeschlossen, war den Leuten — ein »Min«. Wenn sich einmal die Maschen *i.nes Zunamens um eine Familie gelegt, dann gehört die Riesenstärke himmlischer Geister dazu, ein solches Netz zu zerreißen Unsichtbar über allen Lagen und Verhä1tni*$e.n. des Lebens hängt und schwebt es, um alles Tun schlingt es sich klammert «ich an Leib und Sec'e. begleitet den Kommenden und den Gehenden, das Geborene und das Sterbende. Das stärkste Schiffstau ist dagegen ein dünner Spinnfaden Im Sturme. Ein solches Netz war über jenes Haus geworfen .. . . «s hieß eban »Min«. Es wäre schwer, an sagen, was ^1-les in dem engen Nehmen dieser wenigen Laut« liest. Vor allem meine« die Leute in der Gasse darunter einen stillen Menschen ohne Schein und Bedeutung, ohne das geringste Gel-, tendniachen seiner Person, einen, der auf der gera« desten Straße, wo ihrer zehn Raum haben, ausweicht, damit der Nachbar nur nicht beengt und am Ellenbogen gestreift werde. Das hätte den Leuten noch gefallen; denn wo wird einer gefunden, dem es nicht fast stolz ans Herz greift, daß sich der andere niederer dünkt als er selbst? Dazu gehört das volle und ganze Wissen vom eigenen Mcnschtum, wenn das anders sein sollte, als es wirklich ist. Was aber die Leute Nachträgen jenem Hause, war eben gerade, daß jeder darin .; . ein »Mine war. Hinter jener Stille und Bedeu-, tungalosigkeit, meinten sie, lag etwas Lauerndes und* Verstecktes; man müsse immer auf seiner Hut sein» könne sich mit ihnen nicht tief einlassen, nie wisse. man, wie das endige, ob im guten oder im bösen. So durchscheinend die Lebensverhältnisse in der »Gasse« gewöhnlich sind, so sehr auch alles vor aller Auge«- li »gt, wa* man doch nicht verbergen ka-an — von jenem Hause konnte man das nicht sagen. War Wolf »Min« reich? Ging es ihm gut? Ma« sah keine Regsamkeit, man hörte keinen Lärm, der weder das eine noch das ander? behaupten ließ Der »Min« blieb sich immer gleich. Die drei alten, weit.'chattigen Nußbäume, die vor dem Hause ein so undurchdringliches Grün ausbreiteten, wer hatte sie gepflanzt? Wahrscheinlich der, def das Haus gebaut, und schon war er e'n »Mint!; Und warum ließ sie der Sohn, und wieder der Solun die?es Sohnes stehen? Etwa, weil sie so gute Früchte gaben? Es kam nicht der zehnte Teil davon auf de« Tisch und in die Tasche des Hauses; Koppel Friedmanns Sohn, das wilde »Davidl«, der jetzt nach den letzten Berichten aus Amerika »Mayor« in einer Stadt am Ohio ift (da« wilde Davidl!) schlug sie herab, wenn si« noch in der grünen Hülle steckten. Also nicht, darum, sondern weil »sie« nicht wollten, daß man ihnen durch die Fenster sehe. Die Welt hätte dann erfahren, wie Wolf »Min« und seine Familie innerhalb seiner vier Wände lebe! (F»rts«kuflg leigt)

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