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Wiener Morgenzeitung · 1922-03-28 · Heft 1135 (28.3.1922) · p. Seite 8

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1135 (28.3.1922)
Date
1922-03-28
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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Seite 8 Men, Dienstag WIENER MORGENZEITUNG 8. Fortsetzung. 28. Min 1922 Nr. 113$ Eislks Brille. Von Leopold Komport. r . »Ja,c sagte sie, »gelben Sie our hinein, er Ist,; ganz allem . in'"seiner Staäbe.« Das war mir mc&t recht, denn mit Joel Bids-chof hätte ich gerne vpr. der ganzen Welt gesprochen, um ihm zu beweisen, iWer ich und wer *er* sei. Indessen da dies nicht; anging, kl-opf’ idh beherzt an die Türe und trete ei.n.- j Im ersten Angen&lidk bfemerküe ich iä der Stt&tär «kein lebendes Wesen. Auf-einmal ihöre ich aus einem^’’ »Winkel eine dünne Stimme sagen: »GottWwfpä kumm«. Ich sehe hin, woher die Stimme kOmÄM - und erblicke ein kleines Männchen, mit einem SaÄE' »Bin ich-recht bei Herrn. Joel Bidschof?c fraglich ganz beherzt. “ . ' . ' . . 'Ar- »Ja,« ruft die dünne Stimme des Mämiiaien-s; Lmd das dreht sieh nicht einmal, nach mir rrrn, scn-- ‘dem fährt im Geldzählen fort. Eine'Weile darauf' sagt' er: L »Wer bist du und was willst du?« .M Dieses »du« hat mich gewaltig verdirossen. Way-- hat Joel Bidsdbof mit . mir, den er nicht einnWF trennt, »d*u«* zu reden? Darum antwort’ ich itM/ einer Keckheit ohnegleichen: M »Ich. bim Rebb An selbe! Maiers Sohn und bit# gekommen, um mit Ihnen zu spredhen.« »Bringst du Geld mit?« fragt Joel - BMscpbf; mit seiner spitzigen Stimme. »Nein!« sagte ich darauf. Da schiebtT »rei!nVJ. Rebb Joel den..Stuhl, wtüra'uf «er. sitzt, .mat seiner Kraft zuruck, wie ich sie dem iddnen »KruppjC nicht zugetraut hätte, und mir einem Male springt-^; i=»r tniarfvrv am w'crf- Jr»Vi it-ir» er war,, hat er doch ein Angesicht'gehabt wie! SIN Wolf; ein Paar Augen haben darin gefunkelt-umtzär-. buschigen Auigenibraiuen. wie von einer Katze’ in!derr Nacht;: man hat sich; Ordentlach, davor, fürchten"' müssen. Mit diesen Augen sieht mich der kleine!. Joel Bidschotf vom Kopf bis zu den Füßen.an, als wollt’ er mich von innen imd von außen wie einen Sack Wolle mustern und sagt dann mif -seiner Fistelstimme: . »Du bringst also kein Geld mit, Jüngeihc »Nein,«' antwortete ichnoch einmal 'uind gar ', sicht keck,'»aber der Vater will sich mit Ihnen vor-' gleichen.« . ■ . - Da wird der kleine Krupp Feuer -und Flammen,; sein Gesicht rot 'und die Augen sipeien ordentlich .ein grünes Gift auf mich. Dann buber' am; »Und dich hai dein Vater zu mir geschickt, um sich mit mir pi vergleichen, mit Joel Bidschof? Diah keckes Junge! mit der Brill’ auf der Nas’ schickt der Schnorrer zu mir und meint, er Wird was aus- .richten? Hat er gemeint, ich bin selbst, so ein Schnorrer wie er? Einer, der. mich fußfällig .bitten •.sollt’, schickt mir "so' ein .grünem Jüngelchen' mit meiner Brill’ auf ..der Nase? jetzt, mach’/daß diu fortkommst, und sag’ deinem Väter: vom Vergleich, ist keine Rede! Ins Kriminal muß .er».und, das.hat Joel -Bidschof gesagt, der, npeh niemals sein 'Wotrt gebrochen hat« Gott der Lebendige weiß es, wie idh' aus der Stube und von dem grimmigen Wolf fortgekommen bin, idh weiß es noch' heutzutage'nicht Es hätfimich -aber pine solche Furcht vor den Äugen Joel Bidschofs gepackt, ein soltdh.es Zittern'und Zagen, .daß ich zur Tür draußen war und zum Hause hinaus, noch ehe ich an eine Gegenrede hätte denken können. Und selbst wie ich wieder in der Gasse rstand, wirkte; die Furcht vor dem schrecklichen-Joel ■in mir fort. Ich bin gelaufen, so, weit.als midi meine Füßfc tragenkennten; erst bei dem Wirtshaus, in .welchemich eiiigekehirt war, machte ich /Halt! Aber, /lebendiger*’Gott l in welchem Zustande! Zerschlagen ..•und zerbrochen von der großen Kränkung, die, ioh soeben 'erlebt, beschämt und - gedemiitigt wie ein Hühd» den man mit dem Stocke verjagt hat, so war -mem Zustand. Ich rannte auf meine Stiube, ich »glaubte noch ■ immer die Stimme des kleinen Joel hinter mir zu hören. Dort warf ich mich der Länge -nach.aufs.-.'Bett .und vergrub mein Gesicht in den ■^Kissen.. Dann aber hat. der. Schmerz über die crjtittene Kränkung in mir aufgeschrien; wie ein kleines Kind l^abe ich angefangen zu weinen und unaufhaltsam sind meine Tränen geflossen. Ich habe jmidh hingewünscht, wo mich kein. Menschen äuge »mehr gesehen hätte, und hab’ mein Leiben verflucht. 'Mich so zu behandeln, mich, Anschel Maiers Sohn! Wenn das die gute Mutter gewußt hatte; was mir in dieser*Stunde geschehen war!. Meine Tränen sind immer stärker geflossen; ich habe geglaubt, mein Lehen wird mit ihnen dahinfließen. Aber sie haben doch aufgehört, wie das immer geschieht, wenn sich das ,Herz zu sehr an strengt. Dafür ist aber, in mir ein anderes Gefühl aufgekommen; ich .habe mich rächen wolle;! an, Joel Bidschof. Da bin ich aufgesprungen und Gott hätte ihn schützet] mögen, den hartherzigen Menschen, wenn Ich ihn iit! diesem' Augenblick vor mir gehabt hätte. Einmal •hatte dclr sogar schon die Tür aufgerissen, um zu Joef Bidschof zu eilen. ‘ Aper dabei ist es. audh' verblieben. Weiter all bis zur Türe bin ich nicht gekommen,-und daß ich es mir geradezu heraüssage: idh'1habe mich ge* * fürchtet! Üann habe 'idh mich wieder aufs Bett geworfen und habe’ geweiht 'uiad ’gejaimimeft und mir ‘das L*eb,eH: verwünscht. Däzwischdn bin ich au dir auf- - ^espryngen und habe gegen:Joel. Bidsohof die Faust1 gebalit..,So habe, iah es die. halbe Nacht .getrieben, biks 'icäji gegen Mitternacht, tfor,lauter Weinen und , Klagen ln einen tiefen Schlaf verfiel. Wie lange ich so. gesöhlafen habe, weiß ich nicht; aber atuf einmal •> ist -,es/mir, als ob iohmeines Vaters Stimme neben., jrtir vernähme, und der spricht: ' »Siehst du, Eisi'k, das aUfs haben wir deine-;B,nUeyzu verdanken. Daß Joel Bidschof sich nicht/ erweichen läßt und,, daß iah ins Kriminal komme; wer ist daran anders sdhüld als du und dein®, Brille?« . - ' . ” ,?• vMjib einem - Schrei,' den ich noch jetzt höre, bis ich änifg^wachtyfnein Körper war eiskalt, ein solabT\ Entsetzen hatte midh erfaßt. Die Stimme des Vaters ha6e|. ich; so' deutlich vernommen, daß iehQelbst, als ich äültgjewadln utn-d suif ‘ Besinnung gekommen war, nicht 'glauben wollte, daß. ichgeträumt hatte. Aber , cs war--nur meine-/eigene-Stimme gewesen, dis Stimme.,meiner eigenen, Seele, die während -meines . . Schlaffes-mit siah/sfeibst gesprochen hatte. Ich konnte »nicht .'.mehrein schlafen. Die Worte meines Vaters, di^* eigentlich meine eigenen wären, tönten mif immer wieder in den Ohren. Idh mit meiner Brille ' war.,,also wirklich schuld! Das ist mir jetzt nach und1 uäch immer klarer und Jh-eller' geworden. Und, je deutlicher sich mir 'die ganze Narretei mit der Brille ,vorstellte, desto mehr ist meine Verzweiflung gew^ebsen. Wenm ■ ich in dieser Nacht nicht grau» tund weiß geworden bin, so ist das ein Wunder. Abei um ,zwanzig Jahre wenigstens bin ich älter ge- - wordenin dieser'Nacht. In der Stille dieser Verzweiflung, die kein AugS geseh-era-hat als, der heilige Gott im Himmel, -bin ioh zu einem neuer, Leben erwacht. Idh hab’ es ge- . spürt, wie eine eigene Kraft durch meinen ganzen; Kopf geflossen ist, wie es' stoßweise vorn Herzen zum Köpfe hinaufarbeitete. (Schluß folgt.) " ' Theater von heute Aafan* 7 6 V,8 */36 7 7 7 to Burgtheater: Unterwegs Staatsoper: Lohengrin Redoutensaal: Der Barbier von Sevilla Volksoper: Siegfried DeatschesVolkstheater: Mama Neue Wiener Bühne: General Geldschein Wr. Kammersplele: Reigen — Das Fräulein aus gutem. Hause Josefstädter Theater: Die Schule der Kokotten Wr. Staditheater: Die Kindsfrau Renaissance-Bühne: Dö Wörwblf Raimund-Theater: Die Schauspieler Carl-Theater: Die Bajadere Theater an der Wien: Der letzte Walzer J.ohann-Strauß-Theater: Das Sonntagskind 7 Wiener Bürgertheater: Pipsi _ 7 Wr, Komödienhaus: Die fromme, Helen® 7 LasfcspieltJieater: Der Prisiw — Tojwje, der Milchiger — Die Ejze V98 e» 7 Erstklassig« HerrscHaftsweine UDlD.W 7I.1P1 nn:OT mn 9302 fisch-, Dessert», Ausbruch- und Süßwein, rot und weiß, wJe auch Meth in großer Auswahl. 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April L J. einzubringenden Gesuchen sind beizulegeir: Geburtsschein,. Heimatsschein, ein Zeugnis vollständiger Mittel— losigkeit;<and ein Sittenzeugnis. Außerdem; haben die Bewerberinnen um die Kurkostenbeiträge per tschech. K 100 eiir ärztliches Zeugnis Uber ihre Kurbedürftiffkeit beizulegen. 9918 Dar Pröflfdent: Cr» Als!« Hilf ■ B B a » S jQisper. ladtsit s.^Ieider S ■ aas teidatiikof und Stplfea £ S ISr Engros-Expwl ■ nusgt ia eigener " “ werbMtt!- B S B l'Rmmmi s m ll \ n 2 KarlMsiBlslraBfi i 2 b RaitesUHeWdieosteiaplsh:', BBB3, 6, IS, 31 BBB mi ein Wleg,ll.,Miasu » »MWM I « Stets große Auswahl von Möbeln aller Art zu massigen Preise^ Für ital. Rotes Kreuzlos K5500, serb. Tabakl K1250, für sämtüehe iau. ausl. Ldse zahlt höchste Preise Wechselstube, XV. Mfcriahilferstr. 158. (Tramway wird vergütet.) 52 RtllBVIBSBBBBIBlBBBIBRHaRBBilHIBIBBBRiaflSBBI 1 Nadlerwaren! 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