Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1134 (27.3.1922)
- Date
- 1922-03-27
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Üinzoinummer K 40 Wien: Zum Abhoien in der Expedition, ll.,Taborstr.I— 3, ©der Jn einer Verschlelßstelle (Trafik) monatlich K 1400. MitPqstversand'fürWien und Oesterreich monatlich K1400. Tscheeho-Siowakeit-Mon. Kronen 20. Ungarn: Monatl. Kronen 120. j| u gös I a w i e n: Monatl. Dinar 20. Polen: Monatl. Mark tOO. Deutschland: Monatlich' Mark 35. Frankreich: Monatl. Frcs.6. ul irnrr VIeEiiSEMrMÄMSRA »sch. K 1 Italien: Monatlich Lire Qgf Rumänien: Monatl. Lei 40^ Schweiz und das übrigd* Ausland monatlich Francs 3fjj Redaktion u. Administration Wien ILi Tabprstrasse . 1—Ä Telephon e :~44-0-38, 43-3-19^ ab o Uhr abends 17-9-ZH Telegrammadresse: „Morgen-! zeitung“, Wien. Oesterreichisches ' Postsparkassenkonto 151X0^, Nr. 1134 Wien, Montag, 27. März 1922 '■in Lloyd Georges Warnung vor einem Diktatfrieden. * Eine heftige Polemik des „Temps*. London, 24. März, (Wolff.) Heute ist als offizielles Dokument eine Denkschrift Lloyd Georges veröffentlicht worden, die dieser am 21. April 1919 der Friedenskonferenz vorgelegt hatte. Die Denkschrift ist iiberschrieben „Einige Erwägungen für den Friedensvertrag vor der endgültigen Redaktion der Friedensbedingungen*. Es heißt darin unter anderem: Der Friedensvertrag dürfe nicht wie der von Frankfurt einen neuen Krieg in sich tragen, sondern er müsse einen dauernden Frieden sichern und die verschiedenen Nationen müßten so weif als möglich ihrem Mutterlande zugeführt werden. Die ' Zahlung der Reparationen Müsse womöglich mit dem Verschwinden der Kriegsgeneration beendet sein. Die deutsche Regierung müsse bei der Unterzeichnung des Friedehsvertrages das Bewußtsein haben, daß sie die übernommenen Verpflichtungen erfüllen könne. ,SobaId. Deutschland die Frjedensbed.ingungen angenommen habe,, müßten ihm die Weltmärkte auf der Grundlage der Gleichberechtigung geöffnet werden und sein wirtschaftliches,,Wiederaufleben müsse mit allen möglichen Mitteln erleichtert werden. Das Dokument enthält weitere Bemerkungen über die bolschewikische Gefahr und einen Hinweis auf die Notwendigkeit einer amerikanisch-englischen Garantie für Frankreich,' bis der Völkerbund bewiesen habe, daß er imstande sei, den Frieden und. die Freiheit der Welt aufrechtzuerhalten. , Der „Temps“ bespricht heute ,1m Leitartikel das Memorandum Lloyd Georges vom 27. März 1919. Nach Ansicht des Blattes bedeute die Erklärung, die »Daily Chrönicle“ dem Memo- —w—iBmBsmmmmtamasaBamaa randum gibt, daß das Abkommen von Boulogne vergessen Ist und daß LloydGeorge verlangt, den Versailler Vertrag zu revidieren* Er wolle auf der Konferenz von Genua hiezu die Mittel liefern. Das Blatt meint, wenn man dieses Programm erörtern wolle, fehle es nicht an Beweisgründen, um es zu bekämpfen. Man könne den „Daily Chrönicle“ und seinen Inspirator an die Gedanken von 1918 erinnern, die nicht gerade den Gedanken ähnelten, mit denen Frankreich jetzt bedroht werde. Im Dezember 1918 habe Lloyd George Wahlen gemacht unter dem Rufe: Henkt den Kaiser und laßt Deutschland bezahlen! Habe er das vergessen? ln Lloyd Georges Memorandum von 1919 sei der beherrschende Gedanke die Furcht. Damals habe Lloyd George Angst davor gehabt, daß Deutschland boischewikisch werde und sich* mit Rußland verbünde. Diese Angst erscheine im Memorandum wie ein Leitmotiv. Ein Jahr nach der Abfassung dieses prophetischen Dokuments, wie es „Daily Chrohlcle“ nennt, sei Deutschland nicht vom Bolschewis- /•mus, sondern vom monarchistischen Staatsstreich Kapps bedroht worden. Das beweise, daß man als Prophet auch außerhalb seines Landes nichts gelten könne. Lloyd George wolle, daß die Deutschen ihm verzeihen, d a ß er Sieger sei. Er wolle in Genua auf dem Gebiete" der-Außenpolitik ein Wahlprogramm schaffen. Hoffen wir, so schließt der „Temps“, daß diese Kombination weder Europa noch unserem englischen Alliierten teuer zu stehen kommt. tionskommission. London, 25. März. Das Reutersche Bureau erfährt aus Washington, im Weißen Hause werde erklärt, daß Präsident Harding den Kongreß ersuchen wolle, zur Ernennung eines amerikanischen Mitgliedes der Reparationskommission die Ermächtigung zu erteilen. Vermutlich werden sich die Parteiführer im Senat einem solchen Ersuchen nicht widersetzen. — Wie dem Vertreter der „Associated Press“ aus Washington mitgeteilt wird, habe die jüngste Entwicklung der Lage in Europa, besonders die Forderung von 241 Millionen Dollar für die amerikanischen Besatzungstruppen, die leitenden»Stellen der Regierung zur Ansicht gebracht, daß den Interessenten Amerikas in besserer Weise als bisher gedient werde, wenn ein offizieller Vertreter in die die deutschen Angelegenheiten behandelnden Alliiertenkommissionen entsendet werde. Die Botschafterkonferenz. Paris, 25. März. (Havas.) Die Botschafterkonferenz hat verschiedene Dokumente über die Vermögenslage Karls von Habsburg zur Kenntnis genommen. Die Konferenz hat die Frage des Anfalles mehrerer Jenseits der Weichsel gelegener Gemeinden an Polen bis nach der Regelung, der Rechtsverhältnisse bezüglich des Flusses vertagt ) Die Orientkonferenz. Paris, 25. März. Die Agence Havas glaubt zu Wissen» daß die Außenminister das Finanzregime der Türkei auf Grund eines Vergleichs zwischen den ottomaniächen Forderungen und den Wünschen der Alliierten nach Beibehaltung gewisser Bürgschaften geregelt haben. Man sei so ziemlich zu der ehemaligen Organisation der D e 11 e Ottomane zurückgekehrt, doch verbleibe Italien eine weitgehende Teilnahme an der Kontrolle der türkischen Finanzen. Die Konferenz der Außenminister hat weiters die Frage der Freiheit der Meerengen einer Lösung zugeführt Danach werde das anatolische Ufer neutralisiert, ohne jedoch der Kontrolle der Meerengen- Kommission unterstellt zu werden. Die Halbinsel Galüpoli werde bei Griechenland belassen. Hinsichtlich der Grenze Thraziens seien die Engländer nicht geneigt, der Linie Enos-Midia zuzi'stimmen. Adrianopel würde demnach bei Griechenland verbleiben. Bezüglich Armeniens wurde entschieden, den Schutz der chrUtllchenMinderheiten ln Kidtiaskn ebenso wie jenen der Muselmanen in Europa "dureh^^kien f zt# gewährleisten.; ‘ - ‘ . ’ . 9 ■- Abtransport der russischen Flüchtlinge aus Konstantinopel. Paris, 26. März. (Wolff.) Der Völkerbund hat sich heute vormittags und nachmittags mit der Angelegenheit der russischen Flüchtlinge .in Ko nstantinopel befaßt und beschlossen, die alliierten Regierungen aufzufordern, dem' Oberkoinmissär Dr. Nansen rollendes Eisenbahnmaterial und Nahrungsmittel zur Verfügung zu stellen, damit die russischen Flüchtlinge nach den slawischen Ländern abtransportiert werden können. Für che Uebersiedlung hat die englische Regierung 10.000 Pfund Sterling zur Verfügung gestellt. Die englische Regierung erklärte auch ihre Bereitwilligkeit, daß russische Flüchtlinge nach Aegypten, Zypern und Malta abtransportiert werden. — Der Völkerbundrat wird morgen seine Delegierten für die G e n u e s e r Konferenz bestimmen. Interparlamentarische Union. Bern, 25. März. (Schweizerische Depeschenagentur.) Im Bundeshause tagte heute unter dem Vorsitze des Nationalrates Scherrer-Füllemann die Schweizerische Sektion der Interparlamentarischen Union. Es wurde mitgeteilt, daß der. nächste Kongreß der Union im kommenden August i n Wien abgehalten werden wird. Als Aufgabe der Union wurde unter anderem die Einführung der parlamentarischen Kontrolle über die äußere Poli ik der Regierungen und die Abrüstungsfrage bezeichnet. Den Zusammenhang mit dem Internationalen Arbeitsamt soll eine besondere Kommission herstelien. Die tschechische F^fund-Anleihe. Prag, 25. März. Nach dpr „Ceskoslovenska Republika“ heißt es in dem Motivenberlclit zu dem Gesetzentwurf, betreffend die e n g I i s c h e A n l e i h e, die Pfund-Anleihe werde zum Teif in Amerika aufgelegt, damit der tschecho-slowakische Kreditden englischen und amerikanischen Markt gewinne. Die Regierung verlange die Erledigung des Gesetzentwurfes innerhalb 24 Stunden mit der Begründung, daß die englische Bankengruppe, die den Kredit gewährt, eine möglichst rasche Erledigung wünscht Kommunistische Wahlsiege in Paris. Paris, 26. März. (Intel.) Die heutigen Stadtratswahlen verliefen infolge der lebhaften Agitation äußerst erregt. Es handelte sich um Neuwahlen ln den Arrondissements Charonne und La Santö, wo' die Mandate der früher gewählten Schwarz e-M e e r-M atrosen Marly und B a d i n a, welche gegenwärtig eine wegen Meuterei verhängte Freiheitsstrafe von 15 Jahren verbüßen, von dem Staatsrat annulliert werden waren. Beide wurden wieder gewählt' Gestempelte Krone - —.07 Centimes. Auszahlung Wien =» —.07 Centimes. In Zürich notierte: die österreichische Krone -.07 (-.07V* am 25. MärZ) die österr. gest Krone . . —.07 (-.07 am 25. März) die tschechische Krone. . 9.15 ( 8.87 am 25. März) die Mark ,. . . . . . . 1.58 ( 1.74 am 25. März) Agram ........ 1.58 ( 1.55 am 25; März) Bukarest .. (-.- am 25. März)' Budapest . .. -.59 (-.64 am 25. März); Warschau....... -.13 (-.13 am 25. März) Eine Donaukonferenz in Bukarest. Bukarest, 24. März. (Orient-Radio.) Ende "April tritt hier eine internationale Konferenz zur Regelung, verschiedener Fragen der Don a u s ch i f f a h r t zusammen, an der England; Frankreich, Italien,; Deutschland, Rumänien, O e s t e r r e I c h, - Jugoslawien, die Tschecho-SIowakei, Ungarn und Bulgarien .teilnehmen. Gegenstand der Beratung wird auch die Herstellung einer raschen telegraphischen Verbindung längs der Donau bilden. Die Beschlüsse der Konferenz“ werden der im Juni in Preßburg stattfindenden Voll-, Konferenz unterbreitet werden. , Die Aktion für Oesterreich. Sir Goode In Amerika. New York, 27. März. Sir William G o o d e ist vor»' gestern nach Europa abgereist. Wie, verlautet, haben die Besprechungen zwischen ihn* und den führenden Finanz« . Ieuten in New York und Washington befriedigende Er« : gebnlsse gehabt. Goode erklärt, er habe überall den; Wunsch vorgefunden, bei der W’i e d e r a uf riehtung;O e s terreichs Hilfe zu leisten. Schmuggler an der ungarischen Grenze. Feuergeiecht. — Ein österreichischer Gendarm ‘ ■ ' . , gefallen. Amtlich wird aus Sauer b r un n berichtet: AI* einem Patrouillengang befanden, bemerkten sie in einem Teile des Meierhofes M e x i k o ■ Leute mit schußbereiten Gewehren im Anschlag. Der Anruf der Patrouille wurde mit dem Worte „Schmuggler“ erwidprt Als Patrouillenführer J ü 11 n e r seine elektrische Laterne in Funktion setzte, traf ihn ein Lungenschuß, an dem er nach einigen Minuten verschied. Der begleitende Probegendarm zog sich, als nach diesem Schuß die Bande Schwarmlinienf e u e r eröffnete, zürück und alamierte die ' übrigen Gendarmen, worauf sich die Angreifer in die neutrale Zone zurückzogen. Hiezu erfährt die amtliche Nachrichtenstelle: Sofort nach Einlangen dieser Meldung wurde über Weisung der Bundesregierung ein Streifkorps der Gendarmerie aufgestellt, ferner wurden die Gendarmerieposten im Grenzgebiet verstärkt. Ueberdies wurden über Veranlassung des Bundeskanzlers die gegenwärtig im Burgenland dislozierten Truppen des Bundesheeres an die Grenze vorgeschoben und werden im Bedarfsfall in ihren bürgenländischen Garnisonsorten durch Truppen aus den übrigen Bundesländern ersetzt Diese Maßnahmen erweisen sich als nötig, um zu» nächst eine etwa beabsichtigte Wiederholung der Vorgänge vom vorigen Herbst schon im Kenn zu ersticken und auch aller Weit den entschlossenen Willen Oesterreichs zu zeigen, von dem ihm zugewiesenen Gebiet nichts preiszugeben und sich in seinem ruhigen Besitz in Zukunft durch keinerlei Bandenangri ff e stören zu lassen. Weiters hat die österreichische Regierung in Budapest s c h a r f en Protest erhoben. Schließlich wurden die Ententemächte voü diesem blutigen Vorfall verständigt lind auf die Gefährdung des Friedens durch Ungarn aufmerksam gemacht Die Atiglisierung der Anglobank. London, 25. März. „Times“ melden, daß diS Organisation der Anglo-Oesterrei c h Ischen Bank nunmehr vollendet sdi. Die neue englische Gesellschaft, die den Namen A n g 1 o - A u Stria» Bank führen wird, soll im Laufe der nächsten Woche mit einem Aktienkapital von zwei Millionen Pfund Sterling Nominale in die Register eingetragen werden. Die Gesellschaft wird die Geschäfte der Wiener Anglo-Oesterreichischen Bank übernehmen. Die Aktionäre des österreichischen Unternehmen» werden im Austausch für die vorhandenen Aktien solche der neuen englischen Bank erhalten, und zwar im Verhältnis .von 15 Schilling für je K 240 voll eittgezahlter Aktien. Das deutsche Goldaufgeld. Berlin, 25. März. (Wc’ff.) Das Goldaufgeld wird mit Wirkung vom 1. April bi» auf weitere» mit 5000 .. festgesetzt