Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1133 (25.3.1922)
- Date
- 1922-03-25
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 Wien, Samstag WIENER MORGENZEITÜNCI 25. MMrz mf Nr. i m tourden Aenderungen der im Organisatlonsstatut für die städtischen Unternehmungen für die Zuständigkeit der einzelnen Gemeindeorgane festgesetzten -ziffernmäßigen Grenzen beschlossen und eine Erhöhung der Tarifsätze für die Prüfungsanstalt für Baustoffe genehmigt. Als hiemit die Tagesordnung erschöpft war, sollte ein Dringtichkeitsantrag des Christlichsozialen Haid e r wegen Aufnahme von Bediensteten bei der Straßenbahn tzur Diskussion gelangen. Da dem Antrag aber von der Majorität die Dringlichkeit nicht zuerkanrit und in eine Beratung deshalb nicht eingegangen wurde, begleiteten die Christlichsozialen die Enunziation des Bürgermeisters mit stürmischen Entrüstungsrufen, welche von der Majorität demonstrativ erwidert'wurden. Schließlich gelang es dem Bürgermeister, die Ruhe herzustellen und die Sitzung zu schließen. _ Papierpreise und Zeitüflgskrise. Das Organ der Zeitungsbeamten Oesterreichs »Der ieitungsbeamte“ schreibt über die ungeheuerliche Steigerung der Papierpreise, welche die Existenz der Zeitungen und damit tausender Familien bedroht: »Im November vorigen Jahres kostete 1 kg kontingentiertes Druckpapier K 25.50, im März 1922 günstigenfalls K 250. Das macht auf sechs Waggons eine Mehrausgabe von rund 13*5 Millionen pro Monat Hiezu kommt zumeist noch eine Reihe von Millionen für das nichtkontingentierte Papier, welches sich ln der gleichen Zeit von K 45 auf 380 gehoben hat. Die große Oeffentlichkeit genau so wie alle Arbeitnehmer unsere? Industrie haben das Recht, zu erfahren, warum die Unternehmerschaft der Papierindustrie seit November vorigen Jahres eine fast 1000%ige Preissteigerung des Rotationspapiers hat eintreten lassen. Wohl begreifen wir, daß die Herstellung des Papiers heute, ausgedrückt in der entwerteten Valuta, einen bedeutend höheren Betrag ausraacht als in der Valuta des November. Jedoch beträgt die Spannung im Stande der Valuta nicht 1000, sondern höchstens 300 bis 400°/o. In Deutschland kostet ein Kilogramm Rotationsdruckpapier Im freien Handel 7*5 Mark, und zwar ist das Papier garantiert nicht übergewichtig und stofflich unvergleichlich besser als unsere Papiere. Unsere Papierfabrikanten verlangen dagegen nicht weniger als 350 Kronen und jammern, daß sie noch bei diesem Preise daraufzahlen. Dabei zahlen unsere Papierfabrikanten ihren Arbeitern wesentlich niedrigere Löhne wie in Deutschland und haben für ihre eigenen Holzschleifereien und Papierfabriken eine Wasserkraft zur Verfügung, wie sie die Deutschen gleichfalls nicht besitzen. Unsere Papierfabrikänten verlangen, gestützt auf die staatliche Preisprüfungsstelie, K 350, in Deutschland zahlt man Mark 7 5 K 225, also K 125 .weniger per Kilogramm, was bei uns schon bei sechs Waggon 7'5 Millionen monatlichen Mehraufwand gegen den Weltmarktpreis ausmacht.“ Wie man in Ungarn Dichter ehrt. ' - . (Eine Reminiszenz an Josef Kiss.) Aus Budapest wird ums berichtet: Im der fetzten Sitzung der israelitisch-ungarischen LiteratUTgesellschaft 'hielt der Redakteur 'des »Mult .es jjövö« Dr. Josef Pattai eine Gedenkrede üh&r d)en vor kurzem vorstGtübeoern Diitih/berr‘Josef Ki ss, EWen-n man von der sehr feinen Behandlung des Lebenswerks des ungarisch-jüdischen Poet an absieht, wac diese Gedenkrede eine sensationelle Enthüllung jener peinlichen Situation, in der sich die {Familie des Verstorbenen nach .dem Ableben ihres {Familienhauptes befunden hatte. Pattai sagte hier* lüber: »Hier zwischen den vier Wänden unserer literarischen Gesellschaft darf vielleicht die Wahrheit festgestellt werden, daß es ntir einem unwesentlichen launenhaften Zufall zu danken war, laß wir (Josef K! s s vom Hause der Petöfi-Gsel-llsobaft und »icht von sennei Zimfikföisemme der Josefst-dlt auf, dem. letzten Weg geleiteten. Drei Tage lag der Dichter Sls Leiche auf seinem Totenbett und über seine Bestattung wurde keinerlei »Disposition« getroffen.. Pie Akademie der Wissenschaften erklärte' rurndv/egr bWir kenn cm ihn nicht«, das Hationalmuseivn: »Er. ist nicht meine Reliquie«, die literarischem Gesellschaften hinwiederum duckten, sich stumm, bewegungslos wie die Eulen, anstatt stolz zu wetteifern1 jum den Leichnam des großen Dichters, wie einst die sieben Städte um Homer. Da geschah es nun,; daß A-ndor Peter di, der noch zu einer Zeit,-als 5das Beiwort' »destruktiv« noch nicht erfunden war, Mitglied der Petöfi-Gesellschaft .wurde, sich, zum Kiutastminister V a s s und zuhi Staatsseikrötär Pdkair als Leiter der Petöfi-Gesellschaft begab und ihnen die unerhörte Situation darlegte. Er setzte iihmen» aluseihiainidiar, wie fifbstttoßend eis Am Ausland winken müsse, daß keimte ungarische littejrarisöhe Gosel'tecihfaft sich >zu dtem Rjulhim und1 Stoilfe 'der ungatr.iisiclien Literaitutr beikemmien wolle* bloß deshalb, weil! er Jude ist. Stataibssokretär' Jufos P e ik ar -schöiug die Hamdte .zutsairnnnetn. Er gtatb’ seine? jV'erwum-d'enung Aiusd'nudk und' war uingeh'alven darüber, diaß man {Hin niiicht vemständliigt hialbfie, daß (Josef Kiitsis knanlk sei (?). Die geaatmite tongair-isiche Presse wiar Monate hmidlwrdh von Befürchtungen lür dien totknarken Dicbiter erfüllt und atlis die JCaihaistroipjhe ein getreten war, wurde in 'träuierpmrändjemben Naohtrufetn und Ldbgesängem Tage hindurch sein. Niaine veiiherrliiiCht — und in die Höhen hes Kuiuisministeriums war auf wundtenhaire Weise feie Kunde vom dier schweren Krankheit Josef Kiss' b®cht hflin auf gedrungen . . . Allterdlimigs soll} festge* ffcölllt werden, daß JuiHius Pelcar dann altes aufbtot, Letzte Nachrichten. Der Vorschuß für Oesterreich. Paris,'24. März. (Havas.) Bei der Feststellung der Tagesordnung der Kammer erklärte der . Vorsitzende der Finanzkommission, daß die Kammer die Ferien nicht antreten würde, ohne vorher den Gesetzentwurf, betreffend den. Vorschuß für Oesterreich, erledigt zu haben. Rückkehr Dr. Schiffers nach Deutschland. Genf, 24. März. (Wolff.) Da Oßzowski trotz der Bitte Calonders, die jäh abgebrochenen Einigungsverhandlüngen in der Liquidationsfrage aufzunehmen, plötzlich den Einwand der Unzuständigkeit erhoben hat, ist zurzeit die Grundlage für weitere Verhandlungen über diesen Punkt entfallen. Reichsminister Dr. S c h i f f e r hat daher beschlossen, nur diejenigen Mitglieder seiner Abordnung, die für die Beratungen über die Redaktion und Uebersetzung des Vertragsentwurfes erforderlich sind, in Genf zu belassen und sich mit den übrigen Mitarbeitern nach Deutschland zurückzubegeben. Er wird dem Reichskanzler und dem Reichsminister des Aeußeru über die nunmehr kritisch gewordene Sachlage berichten und erst nach Genf zurückkehren, wenn günstigere Voraussetzungen für neue Verhandlungen über die Liquidationsfrage gegeben sind oder der Schiedsspruch Calonders zu erwarten ist. Denis Cochin gestorben. Paris, 24. März. (Wolff.) Denis Cochin ist heute km Alter von 72 Jahren gestorben. Der Viermächtevertrag über den Stillen Ozean ratifiziert. Washington, 24. März. (Reuter.) Der Senat hat den Viermächtevertrag über den Stillen O z e a a mit 67 gegen 27 Stimmen ratifiziert. daß dös Ixkhten'begänigrfjs des Didlilüans in wündlig-em Formen vor sich gehe. So tat das Pefcöfi-H'aiuü Josef Kisis emipfatnigetn'.« Zynismus in Persien. Wie „Haarez“ meldet, erhielt das Emigrationsdepartement der Zionistischen Exekutive in Palästina von dem zionistischen Zentralkomitee in Persien ein Schreiben, in dem mitgäteilt wird, daß eine größere Anzahl von Familien gegenwärtig über Batum und Baku, den einzigen freien Weg, nach Palästina auswandern wollen. Das Emigrationsdepartement wird ersucht, alle nötigen Schritte zur Erlangung einer Einreisebewilligung für diese Familien zu unternehmen. Ferner wird mitgeteilt, daß die zionistische Organisation in Teheran eine Reihe von Versammlungen veranstaltet hat, in denen über die gegenwärtige Lage im Zionismus referiert wurde. Ebenso fand vor kurzer Zeit eine Feier des fünfjährigen Bestandes der Landesorganisation statt. Im allgemeinen sei in der letzten Zeit eine bedeutende Stärkung des zionistischen Gedankens in der persischen Judenschaft zu verzeichnen. Das Neueste ist ... Das Neueste ist nämlich die Frühjahrsmesse. Der Wiener genießt sie in vollen Zügen. Von nah und fern strömen die Schaulustigen zu den Messegebäuden, wenigstens bis zum Eingang hin, bis zu dem auch die ungebändigteste Neugierde gar nichts kostet. Denn gottlob sind die Fremden noch nicht auf den Einfall gekommen, im Wege irgendeiner Reparationskommission von uns Bezahlung für die Besichtigung ihrer Person im Namen des urewigen Völkerrechtes einzuheben. So dürfen unsere Maturanten und Maturantinnen, die die Sprache Shakespeares und Voltaires an Wiener Mittelschulen in allen Feinheiten studierten, richtig und ungestört Wetten; abschließen, ob sifch der beturbante Herr der englischen 1 oder französischen Sprache bedient habe. Meistens hat doch einer der . beiden Kenner immerhin recht, so daß nnan von einem fünfzigprozentigen Erfolg unseres Sprachunterrichts zu sprechen berechtigt ist. Allerdings kommt es auch vor, daß die Belauschten hamburgerisch sprechen, während die Sachverständigen ganz deutlich „How do you do“ oder »Vöus dltez, monsieur* verstehen. Für den zahlungskräftigen Teil der Wiener Bevölkerung bringt die Messezeit noch ein weiteres Vergügen: sie können die Rund-um-Wien- Fahrten mitmachen und so um wenig Geld nicht nur ihre Vaterstadt, sondern auch noch interessante Messefremde kennen lernen. Die letzte Spekulation erweist sich zwar nicht immer als ganz glücklich. Denn man ist zumeist ganz unter sich. Die Aegypter, Türken, Inder, Perser, Holländer und andere Edelvalutarier sind in der Bruchrechnung doch nicht tüchtig genug, um eine Fahrt zu unternehmen, die K 800 kostet. Sie finden Wien im allgemeinen ebenso schön wie erstaunlich. Denn das erste Vokabel, daß sie von der Wiener Sprache, auch deutsch genannt, lernen müssen, ist »freibleibend*. Bestellungen werden Herne angenommen. Aber die Preise sind freibleibend, freibleibender am freibleibendsten ... Kater Murr. * Vom Jüdischen Pädagogium. Im. Sommersemester 1921/22 werdan neue Schüler und Schülerinnen nur in die O b e r s t u f e und in die d r i 11 e Klasse der Unterstufe aufgenommen; in letztere Klasse jedoch keine Schülerinnen,die Kindergärtnerinnen werden, sondern nur solche, die im kommenden Schuljahr in die Oberstufe (Lehricursj aufsteigen wollen. Anmeldungen für die Aufnahmsprüfungen bis 31. d. M. -täglich von 10 bis 12 vormittags im Sekretariat 1 des Jüdischen Pädagogiums, II., Obere Donaustraße 91, 2. Stiege, 2. Stock, woselbst auch mündliche Informationen erteilt werden. Wasserdichte Regenmäntel für Herren und Damen * Fünfzig Jahre »Extrablatt*. Das »Illustrierte Wiener Extrablatt“ hat gestern den 50. Jahrestag seines Bestandes gefeiert. Die Idee zur Gründung einer »Bildlzeitung“ ging von dem in den Siebzigerjahren po-* pulärsten Wiener Lokalschriftsteller O. F. Berg aus. Der Mann hatte eine feine Nase für journalistische Fjuktifizierungsmöglichkeiten der Volksinstinkte und schuf auch noch den »Kikeriki“. Verdiente er hei dem illustriertet» Tagblatt und auf der Bühne — mit der Posse »Einer vont unsere Leut’“ — mit einem dick aufgetragenen, Liberalismus, so machte er in dem berüchtigten Witzblatt sein Geschäft mit blutrünstigem Antisemitismus, ein lebendiger Beweis, wie ungerecht es ist, den Schmock als spezifisch jüdischen Typus aufzufassen ... Mitbegründer des »Extrablatt* war der vormalige Administrator der „Morgenpost“ und Erfinder des Kolportageromans in Lieferungen F. J. S i n g e n Der jetzige Chefredakteur des Blattes, Herr Julius Bauer, gehört wohl zu den witzigsten Köpfen der Journalistik; Karl Kraus hat ihn, auf seine Herkunft aus Raab anspielend, einen — Raabelais genannt... * Dr. Eugen Täubler — Professor der Universität Zürich. Dr. Eugen Täubler, früher Leiter des Gesamt-» archivs der deutschen Juden und Direktor der Akademie für die Wissenschaft des Judentums in Berlin, wurde als Professor für alte Gesdhichte an die Universität Zürich berufen. Professor Täubler, welcher als Forscher wie als Zionist bekannt ist, wird seine Vorlesungen mit der Geschichte des alten Orients beginnen. * Rabbiner Zlotnlk gestorben. Wie aus Warschau gemeldet wird, ist der Rabbiner von P 1 0 c k, J. M. Z1 o tn i k, gestorben. Ziotnik war einer der einigsten zionistischen Vorkämpfer in Polen und einer der regsten Rabbiner, > die sich der Idee Theodor Herzls anschlossen. Bel der Besetzung von Plock durch die Polen wurde er von, den polnischen Soldaten gezwungen, der Hinrichtung des Rabbiners Schapira beizuwohnen. Sein Tod ist ein schwerer Verlust für die jüdische Sache in Polen.* * Personalnachricht. Fräulein Olga K n 0 t e fc* Wien, XX., hat sich mit Herrn Fritz Goldberger/ Petrowitz bei Wagstadt, Schlesien, verlobt. , •* Die Not der jüdischen Heimkehrer in Polen. Aus Warschau wird1 uns gemeldet: Infolge der «■oh<recklichen Lage der jüdischen Heimkehrer hat der j ü.ti i s c h e N a 't i o ti al r at einen Aufruf an die pol-, titsche Gesamtjudenheit erlassen, im dem auf die schrecklichen Leiden der Heimkehrer aus Rußland,und deren verwahrlosten Zustand hingewiesen umd um eine kräf*s tige Sammeltätigkeit zu ihren Gunsten appelliert wird. * Eine Demonstration bulgarischer Studenten in Wien. Hundertzwanzig bulgarische Hochschüler, die hier an der Universität und an der Technik inskribiert sind, versammelten sich gestern vormittags gegen 11 Uhr vor dem Gebäude der Technik und veranstalteten einen Zug zur bulgarischen Gesandtschaft in der Gußhausstraße. Auf dem Wege dahin trat ihnen Sicherheitswache entgegen und verhinderte den Weitermarsch des Zuges. Die Bulgaren wählten eine Deputation, die sie zur Gesandtschaft schickten. Als Zweck der Demonstration wurde von den Studenten angegeben, sie beabsichtigten einen P rötest gegen die von der bulgarischen Regierung angeordnete Schließung der Sofioter Universität. * Zionistische Versammlung im Prater. Mittwoch den 22. d. M. fand Im Caf6 Löffler die Versammlung der Zionisten des Pratersprengels statt. Herr Schächter eröffnte die. Sitzung und besprach die jetzige Lage der Organisation im Sprengel. Darauf sprach Herr L e w a n 0 n über die besondere Notwendigkeit einer straffen und ausaebaüten Organisation im gegebenen Augenblick. Jedes Miiglied ist uns wertvoll und keines ist so gering, daß es nicht einen Einflußkreis besäße. Herr Lewanon sprach noch über die augenblickliche politische Lage in Palästina, die rasche und energische Arbeit erfordert Zum Schluß schlug Redner der Versammlung vor, einen Arbeitsau s-1 schuß zu wählen, und legte eine Kandidatenliste vor. die per Akklamation angenommen wurde. Es sind dies die Herren Adlör, Alster, Jakobowicz, Oh. A. Fuß, Gerstl, Horowitz, Krochmal, E. Krämer, Neumann, Isidor Roth sen., M. Schächter, Witiin. Herr Schächter besprach sodann die Aufgaben des Ausschusses. Nach einer kurzen, kernigen Ansprache des Herrn Nebenzahl schloß der Vorsitzende die Versammlung. * Eine Schneekatastrophe In Böhmen. Wie uns au» Prag gemeldet wird, sind in Böhmen infolge des zweitägiger, Sclmeefalles große Verkehrsstörungen eingetreten. In Prag liegt der Schnee fußhoch. Die Eisenbahnzüge erleiden mehrstündige Verspätungen. * Jahresversammlung der Organisation der Wienef Presse. Sonntag den 3. April um 7*10 Uhr vormittags, findet im großen Sitzungssaals der Handels- und Gewerbekammer die ordentliche Generalversammlung der Organisation der Wiener Presse statt. 0 Demonstrationszug der streikenden Buchhandf« Iungsgehilfen. Der Streik der Gehilfenschaft der Buch-, Kunst- und Musikalienhändler dauert an. Die Verhandlungen zwischen ihr und dem Arbeitgeberverband haben zu kein e r Einigung geführt. Gestern vormittags veranstalteten die Angestellten einen Umzug, der gegen die Eröffnung der Bücherstube in der Grünangergasse protestierte. Die Buch-, Kunst- und Musikaiienhand-* iungen bleiben vorläufig noch geschlossen. " Selbstmord des Landschaftsmalers Albert SingeA Aus Schliersee wird gemeldet: Der Kunst- und Landschaftsmaler Albert Singer wurde in seinem Atelier auf dem Ledersberg erschossen aufgefunden. Aus hinterlassenen Briefen geht hervor, daß er in dem Wahn lebte, an einem unheilbaren Herz- und Lungenleiden zu kranken, das ein langwieriges Siechtqm bedinge. Finanzielle Sorgen waren nicht vorhanden. * Betrug mit vergoldeten Silbermünzen. Wie be* richtet, wurde am 3. d. M. der Kaufmann Schechtel Pfeffer dem Laudesgericht unter der Beschuldigung eiigeliefert, mehrere Personen dadurch betrogen zu haben, daß er ihnen vergoldete Silbermünzen zu 20 Kreuzer für Goldstücke verkaufte. Am 18. d. M. wurden nunmehr der 31 jährige Maurergehilfe Johann T i 11 n er, Nauseagasse 19 wohnhaft, und sein Neffe, der 22jährige Wehrmann Alfred Stampfl, Wilhelminenstraße 51 wohnhaft, unter dem dringenden Verdachte verhaftet, an den Betrügereien Pfeifers mitgewirkt zu haben. Sie wurden dem Landesgericht eingeliefert. * Ein rascher Griff. Gestern abends hat ln derNäha der Straßenbahnhaltestelle beim Nordbahnhof ein etwa 2Öjähriger Bursche der Manipulantin Emilie Fuchs, XVI., Gaul lach ergasse 20, in das; Handtäschchen gegriffen und eine Börse mit 6000 Tschechenkronen und 4700 österreichischen Kronen herausgefischt. Damit verschwand der Gauner. _ * Dem Wunsche unserer P. T. Parteien Rechnung fragend, finden während der Messe bei 'uns täglich Verladungen statt. Internationales Speditionsbureau Schnür, Fall & Co.. Wien, II., Taborstraße 11b, Telephon 40-6-50. Siehe Inserat. Richard Sorer"«SZw ü