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Wiener Morgenzeitung · 1922-03-24 · Heft 1132 (24.3.1922) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1132 (24.3.1922)
Date
1922-03-24
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Feite 4 Wien, Freitag WIENER MORGENZEITUNO Gestern fand nun beim Leiter der Sektion VII des tyerkehrsministeriums eine Besprechung statt, zu derdie Mitglieder des Präsidiums des Vereines für Post-, Telephon- und Verkehrsinteressen erschienen waren. Die Telephonverwaltung steht auf dem Standpunkt, daß noch weit höhere Telephon gebühren eingestellt werden müßten, um das gesamte bisherige Defizit der Telephonverwaltung beheben zu können. Die Telephonabonnenten bähen somit die schönsten Aussichten. Bekämpfung der Arbeitslosigkeit. In der heutigen Sitzung des Gemeinderates werden 13 Zuschußkredite, die ausschließlich die Gruppe der städtischen Unternehmungen betreffen, zur Beratung^ und Beschlußfassung kommen. Die städtischen Elektlzitätswerke beanspruchen für die Herstellung von .Verteilleitungen, Hausanschlüssen und Transformatorenantageh einen Sachkredit von 180 Millionen Kronen. Weitere 120 Millionen Kronen werden für die Bestellung von 32 Stück Drehstrom-Trockentransformatoren und 10 Stück Wechselstrom-Trockentranstormatoren beantragt. Für den Ausbau der Schlackenförderanlage des Kraftwerkes Engerthstraße ist die Anschaffung einer Greiferlauffcatze samt den dazugehörigen Eisenkonstruktionen, ferner die Durchführung entsprechender baulicher Abänderungen erforderlich, was mit einem Aufwand von 18 Millionen Kronen verbunden ist Die Braunkohlengewerkschaft Z i 11 i n g d o r fx errichtet eine explosionssichere Anlage für Benzin, die L 3 g erliäuser nehmen Stockwerksaufsetzungen in Magaa^aen vor und vollziehen den Ankauf von Eisenbahn-Oberbaumaterial. Das Brauliaus ersucht um - Genehmigung der baulichen Ausgestaltung'der Bierniederlage im Baumgartner Kasino und will im Sudhaus einen Schwadenkondensator einbauen. Das Gaswerk verlangt K 29,600.003 für die Beschaffung von Kesselwagen und Eisenfässern für den Versand von Benzolprodukten und K 5,301003 für Gasrohrlegungen im XXL Bezirk. Es sind zusammen an 400 Millionen Kronen, deren Verausgabung heute beschlossen werden wird. Verhaftung eines Abenteurers. Am 29. Jänner 1921 hat sich im HL.Bezirk eine blutige 'Tragödie abgespielt deren eigentlicher ' Verlauf bisnun ein Rätsel geblieben ist und die wohl niemals aufgeklärt werden wird. In einer Wohnung des Hauses III., Rasumofskygasse I, wurde gegen 7*6 Uhr abends der frühere. Besitzer des Etablissements Rjdeanius und Inhaber der Gastwirtschaft des Zentralpalast der 54jährige Kohiengrubenbesitzer Theodor F r i e d m a n n, mit zwei Kugeln Im Kopfe tot aufgefunden.' Sein Privatsekretäf Franz Josef Liber war durch Schüsse an der Unterlippe und am Ohr teicht verletzt. Liber gab damals an, daß Friedmann aus Eifersucht ihn und sich selbst angeschossen habe, wurde jedoch wegen Mordverdachts verhaftet Das Verfahren gegen ihn mußte aber aus Mangel an Beweisen wieder eingestellt werden. Am 19. d. M. wurde Liber wieder verhaftet, und zwar deshalb, weil er dem Bankbeamten Egon 8 t u d n i c k a drei wertvolle Antiquitäten herausgelockt hätte, deren Wert von Fachleuten auf 20 Millionen Kronen geschätzt wird; Bei seiner Einvernahme müßte Siber einbekennen, die drei Raritäten um ein Darlehen von K 400.000 dem Zimmerchef *des Hotels Münchnerhof, W q 1 f, verpfändet zu haben. Außerdem hat. Siber auch die Exportfirma D e c k e r <& Ci e>, Maria- Iiilferstraße 81, geschädigt, indem er sich für die Vermittlung eines Kaffeehauses im XIIL Bezirk einen Betrag von K 350.000 geben ließ, wahrscheinlich ohne einen Finger zu rühren. Ferner dürfte die Speditionsfirma »Bal ka n“, Strohgasse 24, durch Siber einen Schaden von einer Million Kronen erleiden. Für sie hatte er eine Hotelpachtung Im Gesäuse eingeleitet, doch war diese nicht genügend finanziert. Es ist zweifellos, das der Abenteurer eine Anzahl anderer Personen um hohe Beträge geschädigt hat. Sie werden ersucht, sich beim Kommissariat Josefstadt zu melden. Siber wurde gestern dem Landesgericht eingeliefert. Mitteilungen aus dem Publikum. ik J. Spira Feine ' M. U. UMWW I—1 Wohnungseinrichtungen. (Ecke Karl Schweighofergassc) Telephon 15-5-33 Telephon 15-6-35 Knisbacher& Windsthauer, M. LUsteN» 6 Export nach allen Staaten I •Ra Zur Früh]ahrsmssse: Hof bürg, Stand 4982, Gruppe K i HBBI ■ ■ ■ ■ Q B B Tiefreduslerte Preise für Nesselsesiieiter! Dameniacken KinderkleidicliGn Jumper DamenmSnlal BBusen Schals ejtc. alles aus feinster Schafwolle und Kunstseide Wirk-und Strickwarenfabrili: 512 HEM ROStiER, Wien. H, «MW« 17 Telephon 80-1-90 ' Straßenbahnlinien 8» 18 uud 57 BIBBnSBBBBBBBBBBBBB KB BBBBBBBnBBBBBBBB IBS B B B B B Q a B B B Messebesucher! Siiiinnlii Flor-n. 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McktSNÄSrJw für Peßadi Email- und AliimlniumgeschlrT, Olas- und Porzellanwarcn, Bcrndorfer Alpatoa-Eßhesiccke - 651 KARg.WOB.FEB, ,!!., TABORSTRASSE Nr. 50 * Trauerandacht nach Dr. Martin Förster. Ueber Veranlassung des Bethausvorslandes lür den XVI. und XVII. Bezirk, des Herrn 8. W e i t z m a n n, fand Dienstag den 21. d.M. im Gemeindetempel des XVI. Bezirkes eine Gedenkfeier nach weiland Dr. Martin Förster statt, an welcher die Kultusgemeinde, der Gesamtvorstand der Zionistischen Sektion Ottakring-Hernals, ferner die Mitglieder des Bethausvorstandes und der Bezirkskommission, Vertreter aller Wohltätigkeitsvereine des XVI. und XV1L Bezirkes und zahlreiche Gemeindemitglieder tei.nahmen. Nachdem erster Kantor K o g a n mit Chor- und Harmoniumbegleitung den Psalm 49 äußerst wirkungsvoll zum Vortrag gebracht hatte, hielt Rabbiner Dr. J. M. B a c h die Gedenkrede, in welcher derselbe die Persönlichkeit des allzu früh Verblichenen, der als Mensch, 'Arzt und Jude Großes geleistet hat, würdigte. * Eine Propagandatoümee des Oberrabbiners Glasner vorl Klausenburg. Der greise Oberrabbiner Glas n er von Klausenburg, der sich in orthodoxen Kreisen des größten Ansehens, erfreut und dessen Mutiges Auftreten gegen die Hetzereien der Agudfcten und für die jüdische Zusn-mmenarbeit für den Aufbau Palästinas allgemein bekannt ist, hat trotz seiines hohen Alters feine Vortragstourn.ee durch Deutschland unternommen. Am 8. d. M. sprach er mit größtem Erfolg in einer vom Misrachi verunstalteten Versammlung in Berlin über »Palästina und das religiöse Judentum«. Er. wird in Köln, Frankfurt, Breslau, Hamburg und Leipzig sprechen und am 2. April in Wien ein-treffen. Der Wiener Misrachi bereitet einen entsprechenden Empfang vor und beabsichtigt, Oberrabbiner Glasmer »u einem öffentlichen Vortrag aufzufordern. * Dank des Bundesministeriums für Heerwesen an die Eisenbahnen. Gelegentlich der Beendigung der Truppenbewegung im .Burgenland hat das Bundesministerium für Heerwesen dem Bundesministerium für Verkehr, allen beteiligten Bahnverwaltungen und dem gesamten Verkehrspersonaj seinen Dank für die klaglose Durchführung der Truppentransporte ausgesprochen. Leopoldsgasse Nr.31 655 WEIN IN FLASCHEN mmnnmmmmMm T S Hy t!lWlf!HlifiIlll!Ilf!llll!llilIf!Iin(lllIiK!UilimH!]!IIUiiin!iiKffniJiffHH!m«l aller Holz- und Warten zu mäßigen Preisen für 3 Inland und Enporf | 5 Nl&BEl-EXS»OS?r§3AUf S S MAX BERGMANN | A , WIEN! I. BEZIRKj§ N ^ral®r8traßa 33 Welnir&ubefigasse 2 ggj H Telepfean G4r. 43«T-70 M N Bllligkeibnimmel nhnn 3 Am ,lur fluten llerran-u.Damenonnß LOCKprUSSQ- -ioffsn. telnümvarsn. 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Sprache, von denen a 5, l e utendsren hervorgehoben zu werden, verdienen: »Jüdischer: Einfluß ■ auf chrjstlich^ ReformbewegungenCj. »Studien über die' PafaRelismen der Bibel«, »Das Judentum und der Puritanismus in Amerika« u. a. m. Nevvman, der auch ordentliches Mitglied der Gesellschaft' für biblische Literatur-und Exegese ist. i^t das et sie jüdische Mitglied der Gesellschaft für Kirchen* geschieht«..’ * Chile und Bolivia für jüdisch^ Einwanderung ungeeignet. Einer Erklärung des Direktors der »Ica«, der* vofj einer: Reise durch die südameriikanischen Staaten zufnekkehrte, zufolge eignen sich Chile und Bolivia nich.t für eine jüdische Einwanderung. Besonder^9 Chile macht jetzt eine Krisis mit, die in Verbindung mit der Arbeitslosigkeit das wirtschaftliche Leben des Landes' paralysiert. 'Einzelne qualifizierte Arbeiter könnten eventuell Unterkommen.Bolivia komme dagegen für eine jüdische Einwanderung überhaupt nicht in Betracht. i * Antiscrhitische Hetzschriften an der Klausen* burgqr Universität Aus Klausenburg wird uns beichtet: Vp'r, einigen Tagen wurden an der hiesigen .Universität und in den medizinischen^ Instituten anonyme- Elugzette! .verteilt und an die Wände geklebt, ' in .deren, die. rumänische Studentenschaft gegen die judey-und gegen die Professoren, welche die angebliche ' Uphenwü'ph«r'dng.;'i-M^yiiii}r^rsität' mit. Juden 'dulden, in : aufreizendster Wei^eaufgehetzt wird. Diese Flugzettel : tragen 'hx Marke Budapest, wenn sie auch!,n runm-nische" Sprache abgefaßt werdend Es sind offenbar magyarische Studenten,, geheime Spitzel der Buda*pester Erwachenden, die die -rumänische Studentenschaft als - * Sturm bock; geg^en die JUden ben ützen mochten. Selbstveinstä-ndlich wird in der Schmutzschrift die Einführung de» Kumm u? clausus gegen die Juden gefordert und von den Studenten verlangt, daß sie d'e Nationalisierung des Uniyers?tätsst^diums mit allen Mitteln durchsetzen. <!Jüdische Waitenküchen in der Ukraine. Die Exekutive der jüdischen WelthilLskonferenz erhielt vom jüdischen Hilfskomitee-im fernen Osten (Charbin) einen. Betrag von 18p.000 Franc? für die einiährige Erhaltung von 5QÖ jüdischen Waisenkindern in der Ukraine. Die jüdische Wfelthnf-konferenz veranlaßte hierauf die Eröffn ung, einer jüdischen Waisenküche in Kiew durch die »Intfcrnaitionale Union für Kiinderc.Die 500 jüdis -hen, Waiscr, worden auch bekleidet und beschuht werden. # Die Jerusalemer hebräische Tageszeitung »»Haarez« Itritt gegenwärtig in das vierte Jahr ihres Erscheinens und will aus diesem Anlaß eine Vergrößerung ihres Umfanges vornehmen. Sie wird wöchentlich eine spezlel'e Handelsbeilage, ebenso auch eine spezielle Beilage über Wissenschaft und Technik erscheinen lassen. Im ganzen Lande wurde gegenwärtig eine großzügige Propaganda für die Verbreitung der Zeitung ein gefettet. * Jüdische Altertümer. Freifrau Mathilde v. Roth* sch i 1 d feierte kürzlich in Frankfurt ihren neunzigsten Geburtstag. I Die hochbetagte Matrone wurde auf alle erdenkliche Weise gefeiert. Den Glanzpunkt der Festlichkeiten bildete aber die Eröffnung eines Museums jüdischer Altertümer! In der Fahrgasse, im Gemeindehaus zu Frankfurt, wurden im ehemaligen Bankhaus der Rothschild die hochinteressanten A tertümer zur Schau gestellt. Diese Ausstellungsobjekte boten durch ihren Kunstwert unerwartete Sensationen. Die Sammlungen setzen sich zusammen aus Leihgaben des Frankfurter städtischen historischen Museums, aus Raritäten aus demRothschildschen Familienbesitz, ferner aus den gesamten Bestände» der Gesellschaft zur Erlörschung der Geschichte jüdischer Kulturdenkmäler. . Besonders reizvoll wirkten eine Sammlung jüdischer Brautringe aus dem 16. und 17. Jahrhundert, eine Bibel aus getriebenem Silber aus dem 17. Jahrhundert sowie die Privilegienurkunden Leopolds I* und Karls VI. Das Arbeitszimmer der beiden letzten Inhaber des Frankfurter Bankhauses, die Schreibtisch» der Freiherren Mayer Karl und Wilhelm Rothschild fanden besonderen BeHgll, denn die berühmte Bruderfehde wurde jahrzehntelang zwischen den beiden Dickköpien in einem und demselben Zimmer ausgelochten. Die feindlichen Brüder leiteten gemeinsam das Welthaus, ohne je ein Wort miteinander zu wechseln. Die Schreibtische wurden durch grüne Seidenvorhänge voneinander getrennt, der not-, wendige Geschäftsverkehr aber durch Briefe abgewlckel^ die der Diener von einem Schreibtisch zum anderen trug. Jedenfalls hat Frankfurt mit diesem Museum eine ganz außerordentliche Attraktion gewonnen. Ml., Windmühl, iu. aasse Nr. 2 9 91348815

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