Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1131 (23.3.1922)
- Date
- 1922-03-23
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Srnsemiffr.iiier 8t 50" Wien: Zum Abhoien in der Expedition, Il.,Taborstr. .1—3, oder in einer VerschleißsteIle (Trafik) monatlich K 1400. lener MitPostversand fitrWien und^ Pestefreichimonatlich K 140(3.1 Ts c h e c h o- S1 ow äk e i: Mön. Kronen 20. U n gar n; Monat!.: Krotten ,120: Jugoslawien: Monat!. 'Dinar 20. Polen: Monat!. Mark 700. Deutschland:. Monatlich Mark 33. Fr ä n kV eic h: Monat!. Eres. 6. Nr. 1131 ftsch. K l 1 Italien: Monatlich Lire Rumänien: Monat!. Lei 4Y Schwei25 und. das übrige Ausland monatlich Francs 3j Redaktion u. Administrati Wien n., Taborstrasse 1 Telephone: 44-0-38* 43*3-1 ab 6 Uhr abends 17-9- T elegrammadresse: „Morgen* Zeitung“, Wien: Oesterrefehiscbes , Posfepärkassenkonto INKOSßi Wien, Donnerstag, 23. März 1922 Jahrgang Das Unrecht von Saint-Germain. f ' —-y. Wien, 23. März. ' Der Bericht des Finanzausschusses der französischen Kammer über die Kredite an Oesterreich ist, von dem Referenten, dem Deputierten Noblemaire, zü einer ätzenden Kritik an dem Friedensvertrag von St Germain gestaltet worden. Er schiebt die Grundr läge dieses Vertrages fort, die die österreichische Republik mit der ungeteilten Verantwortung für die Monarchie belegte, und aus dieser Argumentation, zu den Fesselbestimmungen des Vertrages gelangte. Die Verfasser des Friedensvertrages haben sich, was jetzt wieder bestätigt wird, ihre Sache leicht gemacht ,* Sie haben mechanisch die ’ in Versailles für . Deutschland -iure'ehtgeschusterten Vorschriften:' abgeschrieben, und ein ganz undurchführbares Dokument verfertigt, das zum Fluch Mitteleuropas geworden ist und den Zwergstaat von kaum .sechseinhalb Millionen Einwohnern, dessen Verbindungen nach aufeh?- durchschnitten wurden, v als ein von t wirtschaftlicher Titänenkräft beseeltes Gebiet erscheinen fließen. Die; drei Jahre, die seither verflossen sind, haben diesen (Wahnsinn.-,. längst #enbari "gemacht. Oesterreich war .und blieb blockiert und mußte das; Werk; des 'Wiederaufbaues' immer wieder vertagen. Alle Kraft mußte , es der Fristung des kümmerlichsten Lebensunterhaltes widmen und alle Gelder, die ihm geliehen wurden; zur Stillung des. leiblichen Hungers verwenden. Hs Sind ansehnliche Summen, die in dieser Zeit verzehrt wurden^, ohne daß es zur Schaffung von Werten hätte kommen können.' Nach einer im November des Vorjahres fertiggestellten Gebersicht hat Oesterreich erhalten:. Von Dänemark 1,111.252 dänische Krönor, von Holland 16,304.727 holländische Gulden, von Norwegen'. lx/a Millionen norwegische Kroner, von jder Schweiz,; 25 Millionen Schweizer; Franken, von Amerika 25. Millionen Dollar •*? den jetzt; gestundeten Mehikredji , 4^,; von England. 6'.4, Millionen Pfund, ferner 16 Millionen Dollar von. dem an- Oesterreich, FraHrdidh und ( Italien gewährte« amerikanischen 48-MilHonenrKredit und von Italien 19 Millionen Llref Nach diesem Termin hat Oesterreich von Frankreich und England je eine Viertelmillion Pfund für den Ankauf von Lebensmitteln erhalten. , Diese Ziffern sind Tatsachen, deren laute Polemik gegen den Friedensvertrag nicht überhört werden sollte. Sie ^beweisen, daß die Entente den Vertrag selbst mißachtet hat und sie , lassen es erklärlich werden, wenn die österreichische Qeffentlichkeit immer wieder gegen dieses Diktat anrennt, und vielfach das Schlagwort von der Lebensunfähigkeit als Gesetz hinnahm. Auch die Kreditvorschüsse von zusammen 4V4 Millionen Pfund, die jetzt im Mittelpunkt der politischen Diskussion stehen, können den berechtigten Ansprüchen Oesterreichs nicht genügen. Sie haben nur dann Sinn und Wirkung, wenn sie die Vorläufer eines großen Arbeitskredits sind und politisch aüsgebaut werden. Oesterreich ist als unabhängiger Staat anerkannt worden und erfüllt als solcher eine sehr wichtige Funktion, im wirtschaftlichen Leben Europas. Es beherrscht die Handelsverbindungen zwischen allen Teilen des Kontinents, kann aber nicht'-voll wirken, solange es das verachtete Bettlerdasein führen muß. Das Aittel zur energischen Abhilfe hat Oesterreich selbst gefunden, indem es durch den Prager Vertrag seine Verbindung mit dem Norden sicherte. Aber es hat dieses Werk nicht .fortführen können, weil ihm die Unterstützung der 'Westmächte fehlt Herr Noblemaire empfindet in seinem Bericht diesen Mangel, indem er der Schaffung eines mitteleuropäischen Zollvereins das Wort redet, derja nur unter der Sanktion der Qroßstaaten zustande kommen kann. Aber es ist ein weiter Weg nach Tipperary. Die Entente zeigt sich weit davon entfernt, diesen fruchtbaren Gedanken zu fördern. Sie selbst hat sich keine einheitliche Meinung über das zentraleuropäische Problem bilden können und geht disharmonisch vor. Frankreich und Italien auf der einen Seite, England auf der anderen Seite, trachten für sich aus der Situation das möglichste an diplomatischen Erfolgen herauszuholen und die Folge ist die von Noblemaire beklagte Balkanisierung. Es ist nie zu spät für das Gute. Eine Beherzigung der Vorschläge des Kammerberichts in dem Sinn, daß man die Paßschranken und die Zpllbalken zwischen den Kleinstaaten niederreißt und das durch 600 Jahre bestandene Wirtschaftsgebiet von der Adria bis zur Ostsee und zum Schwarzen Meer erweitert, könnte das Unglück bannen. Aber das setzt eine gründliche Wandlung in den Stimmungen der. Kabinette voraus. Oesterreich hat durch seine Geduld und Mäßigung den Sturmlauf des sozialen Radikalismus aufgehalten und die Reaktion des Rechtsradikälismus von sich abgewehrt. Dadurch hat es der Ruhe Europas unendliche Dienste erwiesen, die aber nur sehr unzulänglich honoriert wurden. Es Ist kein Zweifel, daß Oesterreich jetzt in die entscheidende Phase des Kampfes um seine Existenz eingetreten ist Die Entente handelt nur in konferenz. Das Moratorium an Rußland« — Die Wiederaufnahme der Handelsbeziehungen^ London, 22. März, (Wolff.) Wie gemeldet'wird, Die italienischen Delegiertem waren' ebenso wie die wurde bei den gestern vormittags und nachmittags abgehaltenen Sitzungen der hier tagenden. Sachverstän- 'digenkojnferetnz für Genua die ' ru ssisd'lve.Frage ‘.weiter behandelt. Dem »Paily Tdfle'gra^h« zufolge ist die ■. Frage des industriellen Wiederaufbaues Rußlands bis- « hem nicht erörtert worden';' Dies wird erst geschehen können, wenn die'vön den französischen;u:hd beigischen Delegierten entworfenen Pläne erneut vorgelegt worden sind. Inzwischen wurde die Prüfung, 'def* britischen Vorschläge, von'denen die meisten auch in. den itailionivSchcn Plänen wiederkehrein, fortgesetzt. Die Hau p t-;g’ r ti ndl a g e n des b r i t! s c h e, n - PI ä 11 ejs zur Liquidation der verschiedenen l^ategoriein russischer . Schulden; Schelmen, wie ’ das Blatt erfüll rt, allgemein' gebilligt worden zu sei«, darunter auch die Vorschläge betreffend das f um f j a h ri g e M o r a t o r i ü nu Die: italienischen Sachverständigen haben andererseits. besondere Aufmerksamkeit der Frage zugewendet, mit welchen Mitteln, gesetzlichen oder anderen', am beste» mehr oder yyvmger .normale H a n.d,e 1 s b e z i.e hü n gen mit Rußland wieder; angeknüpft werden können. Die italienischen Sachverständigen «i.nd ebenso wie. die britischen der*Ansicht, daß .keinerlei ‘ unuötige/Einschrärikurigeji bestehen bleiben dürfen, und däß die Garantien, die gegebenenfalls von Rußland gefordert werden, keinen Eingriff in die Souveränität Rußlands darstelieh, dürfen und auf dem Gebiete das; Rechte auf ein System , des ' schiedsgerichtlichen Verfahrens beschränkt bleiben müssen. Die italienischen Sach verständigen sind ersucht •worden, diese Frage eingehend zu -prüfen. Sie unterbreiteten auch, eine Anzahl, von besonderen Vorschlägen, beispielsweise einen Vorschlag'betreffend das k o m m e r z i e 11 e T a u s c h v e rfahre^ für das ein besonderes Zollabkommen notwendig werden, würde, sowiebetreffend die' Entsendung der Ansicht, daß einige der italienischen Vorschläge Sache, der m Frage kommenden Regierungen seien und entsprechend ihren Bedürfnissen uin-d Auffassungen entschieden werden müßten. - --..ie dld britischen mehr als die französischen dazu bereit, auf Formalitäten zu verzichten und bestehende Handelst und sonstige Schranken niederzureißen., . Die russische Schuld« - London, 22. März. (Reuter.) Die Sachverständige^ der Alliierten sind über die Ausgabe von Obligationen, zur Artiörtisierung der russischen Schuld und über ein Moratorium von fünf Jahren übereingekommen. Die Orientkonferenz. BflgHsch-französische Annäherung. Paris, 22. März. Minister' des Aeußern Schanzet teilte einem Mitarbeiter des „Matin“ mit,, er glaube*! daß zwischen der französischen und' der englischen Regierung in den Orienifragen heilte keine .wesentlicher! Meinungsverschiedenheiten mehr bestehen. Lörä Curzon habe sich der französischen Ansicht be* deutend genähert und P 0 i n c a r £ scheine ent-! schlossen zu sein, die Forderungen der Kemallsten äiifj Rechtsansprüche. zu beschränken. Schanzer werde' hauptsächlich zwei Programmpunkte : geltend machen i Reine territorialen Annexionen und Möglichkeit der wirtschaftlichen. Expansion in Kleinasien. Auch betreffs des griechisch-türkischen Problems werde did Konferenz" ohne Schwierigkeiten zu einem Einver^ nehmen gelangen. - Konferenz der AußeniüSnlster. Paris, ,12. März. „Excelsior“ meldet, die Kohfereat .der Äußenniiriisier werde sich mit folgenden; Fragen! -W»'-- ^eftifdgeirr dV Grirechiseli-türkiseher'konflikt^' HÜd' RevISfölif* des Vertrages von LLvres. 2. Abkommen "von Aiifgcrä ult^j französich-e»glische Meinungsverschiedenheiten. 3. Ahnend sehe Frage. 4. Einvernehmen der Alliierten ln den MltteP meerfragen. aamwweffiwaatamimak ihrem eigenen Interesse, wenn sie Oesterreich diesen Kampf erleichtert und ihm den Aufstieg aus seinem Elend freimacht. Mit Kreditvorschüssen ist dieses Ziel aber nicht zu erreichen. Die Sitzung des Zionistischen Aktionskomitees in Berlin. ^(Offizielles Ccmssumqud.) 'Zweiter Tag: Ziu Begiimn dar Lwvitau SÄbnumgersbaiüfceite d'als' Mitglied* dlar Exelkuitkv« Herr Lichtheim dia<s Referat über »Inunisgriatioti iiwd OrgHsittisatiion« und berkhteibe üfoetr ’dliie Vorliegtung dter IiMimigr'ait.i'omiAzeniUraüe naicth Piafläsitiim Es sei eine K o n f e 5 en >z der Palast in a - Aemtcr in Wien g’qpflianft, dbch sei es <sidhwen, ilm g^egearwärtijgen umgeMärtcm Stadriuim die ipraildMistcbein Finaigen- -defdn'iitw -zm regelltn. Lichitheiim errörtentie idliie Fliailitnung •der' palästtinmsiiisdhien Behördten, die S'dhir ird g o tr o t, sied, utntd barichtete' über die- BenpülDtüntgein der Exe- Ikiutt&ve, dde Konftirolle der zmanii s»ti * idheui Oirgainiiisat-iiorn über die Einwamdannin-g wieder 'herziutsitieilflen. Die V ertfuairrdflluingcin miit dler englischen Regienumg sch weihten noeih-, db die Regiimitn-g die Ein-wainidienuimgisfiriatg'e nieiht olhine Zitisiä'mimienhang miit der Konstitution (behiamdie-lln wotlile. Der Redner iscMidieirt die Sc*h wieriigikeiten der Adb-eitisibeisehaiffiung für die Ohatliuiziim in Pailäätöna, •besontdens wenn 'unigeeigmiete Eimiw-anidierer kämen» was niohit verbitndieirt wandten könnlöe, isolanige diais Zertifillöaitsyisiteim niiicihit wieder eingefüihrt sei. Tavt Besipre-dhaiing oirgainiiisiatoriisiclhter Fragen- {Übergebend, er<k'länte Lichtiheiim die N*o>twendiitgikait ein-er i n-1 en-s i v ein. -Sc>h.e(k e 1a k t i 0 m und ein-eis Somderlbeitnaigs für orgatnisatoriische Zwedko der Exekutive, da- -dlie Galidier dies Keren Hia-jes'sod für diesen Zweclk üAcftiit heriaingazogen’ werden (könntan-. Zum Sdhiliuisise ging der. Referent auf dlie F-ra^e ein, welldhje Maißiregellri die Organisation rnadh der Erteilung dteis M-amdlafs zu engreifen hßlb-e, um die M i t a,r ib e i tö aInl e r Ju»dl e a beim Aufbau Ptailät'tinais zu sichern. Hierauf berichtete Herr N a i d i t ©c b über die Tätigkeit des F inan zu n d-' W i r t s c haftsrate», iwsbasoudere über dlie Aktion für dde Hypothek enfbamik . und die Voirlbereittuingen dar Pncpagaindfaialktion für die Jüdisdi# KoiloneaiKbainl«. Er berichtete üibeT die finanzielle Situation und ^rEdärte die bisüifiniffeii -Erfolse des Karen Hateod für ungenügend. Insbesondere jualbteAi einige Länder de$ Ostens n-oeb llsnuge nicht ihre Pflicht getan* Reidkieül charaikterdsiieate die Opposition, die v>cm ©eifcen detz Marmore-k-Gnutppe gemacht werde, uim dien'KNe ir e us( Ha* j e'ssod z u. sch ädi g e Damit der Kercsa( Haje»s*cd asum Erf<% geführt wende, anüöbea gek rfide•die beste** Menoehe« ki de« Dianist; dteai OnganHsatfon treten; dlas aber wendie dluwch quialifiiziarbar« Agitation1 gegen die Beamter» möglich genradit. ■ v Das Mltg^-ed der iPMstmW-ExeKutÜvie RMDM R o se n(b 1 a 41,' der sifch auf d'cir Rei'se vm AimterücW nach Faläsi.ttinja -befinidet, berichtete hierauf, auisfühkM lieh über die Siituteifckm in> Armerilkia und teilte Ettriizem beiiten von dter dlcrtigm Kerm-Haijessod-Afffoe it Er etriWltäirtbe, daß dlifö . amerükianiiscihien Ziicmüsten* dfd Idiee des Keren Hälfessed sehr e-rti:st n*.ä hm ei%' während er. in einigten europäischen L ä äw der n. dSei&en* Errns-t rnachi ver m! fit e. Das Geld wende in Amerika von dem, mtitbljercn1 rmdl untiereinl Schichten, -aiufgebriaicht,, während dlie reiLdhien Judiehf b-iisher rerstagt hatten. 'Roisenbd'atlt betomfee, -'dlaß dii«( Oipipoi-'n'tiiion dler Branidteis-Gruipipe gamiz amdters sei als( dlie der Miatimxwek-Gruppe, dienu die BrandieisK Gruppe atriboiifce nicht gegen, dlemr Keren HaßeisisoE Der Keren H-aijosoid müsse aß© Steiuier edkflärlij wer-i -diem.; dlaihier dürfe miain auich (keinen Gewiitnn in Am©« ^iciht steilen-. Im weiteren Verkauf laeilmer Rodle trägtf Ro'S'enbliatt seiine Anschauungen über dlie Nötwen-i diigkcdt. einer Reorigainisaftion' dies Apparats vor. Da-« nach solfl -die Exekutive mach Bailästinia überciiiedldlri mnid nur die pciliilfische Vertretung in London fofteiSbetb Auch im Budget sei eine Reorganisation erfomdter-- lieh, z>um Beispiel müßte d'as Bchu,lweric adiimüBiM zum Teile vom Jlischuw erhallten werden. Herr B t u im e m f e 1 d sertizibe die Nbt wemldti-gV heit einer Stärkung der zioniistiii;»clhien* Grgiainiisatiiom auseinander-, dienur mit Hiilfe des Ausbaues 1 dies! Beamteinapparats erfolgen (könne. D-r, Barth, beantragte Einsetzung einer Koimim'iisisiion zur Umitefxuehung dler Mögliclilkeilt von Eirstpiannas,sein'. Formet! beantragte er, an Ste'We dler nädhisten Aflrticinist Icomiteesilteung eine Sitzung dies Zentnalllktoiniiteea; ‘ einizaiberufen-, dlie s»i«öh mit dler Frage des jüdfisclnestt1 Weltkongresiseis beschäftigen -soille. In der Nhch-mattäigsgitaung, die Ibis ün dis kß»§dSr^ Abendstunden fotrtdauert, wird d!i* GerteraldebautO ülber die P|oiiti,k und üb^rdie .SöwdHbesricihts..; f gesetizjfcg