Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1130 (22.3.1922)
- Date
- 1922-03-22
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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^nielnunsmer K Sv Wien: Zum Abholen in der Expedition, li.,Taborsir. 1—3, oder in einer VerschleißsteHe (Trafik). monatliclr K l400. Wt Bo5'tyersand fürWlen und Öeslerreic'h möna flieh Kl400. T;. i xv ' . fsc he c ho-S! ow ak'ei: Mon. Kronen 20.* U »gar n?: Mcfratl. Kronen 120. Jugoslawien: Moriätl. Dinar 20.“ Poilen: Moriatl, Mark 700. Deutschfän d: Monatlich Mark . 35. Fr a n k r e i c h: Monatl. Frcai 6. Ts<KgiHo>£(0äraKe 7 iscii. k i; ' Italien: Monatlich Lire 6.) TRumänien: Monatl. Lei 40fc Schweiz und das übrig« Ausland monatlich Francs M 'Redaktion U. Administration Wien 11., Tabörstrasse 1—Äl Telephone: 44-0-38, 43-3-19* ab* 6 Uhr abends 17-9-334 Telegrammadresse: „Morgen« zeitung*, Wien, v iik 7 OesterreicHisches. . Tsostsp’arkaasenkontol30.69ft Nr. 1130 Wien, Mittwoch, 22. März 1922 4. Jahrgang Hunger und Typhus. —y. Wien, 22. März. Ueber Initiative des Völkerbundes ist in Warschau Line Sanitätskonferenz zusammengetreten, ihr Programm gilt zunächst einer Einigung über die Bekämpfung der aus dem Innern Rußlands und der Ukraine he^ankommenden Volksseuchen, dann aber auch der Herstellung einer einheitlichen Sahitätsgesetzgebuhg, die durch den Krieg in Verwirrung geraten ist Die Einberufung dieser Konferenz ist . von Polen angeregt worden. Dieser Staat ist in erster Linie bedroht lind hat; seit seiner Aufrichtung einen schweren Kampf gegen *, die .% Seuchen führen Müssen, der sich in der letzten Zeit infolge der’ Heimkehrerbewegung noch verschärft* hat Man empfindet es deshalb In Polen als eine dringende Angelegenheit zu internationalen Maßnahmen zu gelängen und die Wissen- I Schaft .der ganzen Welt zur Eindämmung der Gefahr het;anzuzieheä. Die Bedrohung Polens ist die Bedrohung Europas, dessen "Kräfte so geschwächt sind, daß* sie einer derartigen Invasion nicht gewachsen wären. Es handelt sich um einen sehr wichtigen Teil des Aufbaupröblenis, dessen Lösung die intensivste Aufmerksamkeit erfordert. Wie alle Fragen, die sich aus dem Kriege herausgebildet haben, trägt auch diese politischen. Charakter, insofern, als die alles .überwuchernde Politik jede Menschlichkeit „ äbgestreift hat Auch die Volksseuchen unterliegen der Klassifizierung, nach Siegern und Besiegten. Die Hilferufe Rußlands sind an eine vom Kriege berauschte Welt gerichtet worden, deren Schicksal in den Händen von seelenlosen Bureaukraten liegt. Als im Vorjahr Nansen seine ersten Warnungen an die Kabinette richtete, antwortete man ihm, er habe sich von der Sowjetregierung düpieren lassen. Der Völkerbund leitete die Sache an die Hilfskonferenz in Brüssel? und, diese verlangte, Rußland sqjle zuerst; seine Schuldenbezahlen., Der Fluch*; der kommenden Generationen., wird für diese Dinge dje richtige Be- ,, Zeichnung finden.. v; v,-1 , Aus der russischen Kriseist die Gefahr entstanden, die heute vor Europa steht Vor kurzem hat, der Völkerbund den Bericht des Leiters des Hygienekomitees, Dr. Reichmann, publiziert. Darin wird geschildert, wie der Strom der Flüchtlinge . aus Rußland nach Polen den Sanitätskordon geschwächt hat. Für das Frühjahr sei mit der Ankunft von 700.000 Auswanderern yaus Rußland , zu rechnen. Dies. erklärt sich aus der Verschlimmerung der Zustände in Rußland,, dessen Regierung der Auflösung ganzer Gebietsteile mit der gleichen Kaltherzigkeit zusieht wie die Westmächte. Auch für die Sowjetdiktatoren steht das Politikum im Vordergrund und sie sind vor allem darauf bedacht gewesen, daß sich in das allrussische Hilfskomitee keine gegenrevolutionären Bestrebungen eirtschleichen. Für die Ausbreitung der, Hungerkatastrophe machen sie alle Welt, den Kapitalismus, die Dürre, den Mangel an Saatgut verantwortlich, nur nicht ihre eigene Lässigkeit Mit den Kräften, die ihnen zur Verfügung stehen, hätten sie vielleicht das Elend lokalisieren können. Sje haben es vorgezogen, diplomatische Noten zu schreiben. Wenn sich nun die Führer der ärztlichen Wissenschaft in Warschau zusammenfinden, so werden auch sie die Forderung stellen müssen, daß man be\ der Politik nicht daran vergißt, daß sie sich auf Menschen bezieht und daß die höchste. Eile das erste Gebot Ist. Alle Kräfte, die Mitwirken wollen, müssen zugelassen werden. Es muß in diesem Zusammenhang an den Pranger gestellt werden, daß die Universitäten in Krakau und Lemberg aus antisemitischen, also nichtigen Gründen die Anerkennung von 200 jüdischen Aerzten verhindern, die ihre. Studien in Wien beendet haben und nach Galizien zurückkehren wollen. Ein Attentat gegen den chinesischen Gesandten in Paris. Paris, 21. März. (Havas.) Der chinesische Student L e s h o li n g gab heute auf das Automobil des chinesischen Gesandten vier Revolverschüsse ab. Ingenieur T s c h a n g u, der sich in Gesellschaft des Gesandten befand, wurde am Kopfe getroffen. Der Attentäter stellte sich selbst der Polizei. Er behauptete, daß der Gesandte die Interessen der Chinesen in Paris schlecht vertrete. Arabische Preßhetze. Jerusalem, 18. März. (Tel. der „Wiener Morgenfceftung“.) Die arabische Zeitung „Felestine" hat eine neuerliche Kampagne gegen die Juden eingeleitet. Dia jüdische Presse lenkt die Aufmerksamkeit der Behörden auf diesen Zwischenfall und verlangt von der palästinensischen Ra-* gierung Schutz Kr die Juden während der kommenden Otterf eUrtass, Der italienische Plan zum Wiederaufbau Rußlands. London, 21. März. (Wolff.) „Daily Telegraph* meldet zur gestrigen Nachmittagssitzung der Sachverständigen, es habe sich auf keiner Seite die Neigung gezeigt, Rußland irgendwelchen; übertriebenen Eingriffen auszusetzen. Morgen werde die italienische Abordnung den italienischen Plan zum Wiederaufbau Rußlands unterbreiten. Es verlautet,' daß der französische Plan über die Entwicklung der Ukraine, des Donez- und Kuban'gebiets sowie des Kaukasus nicht unbedingt unterbreitet werden soll. Es werde auch die . Frage erörtert werden, in welcher Währung Rußland die privaten Schulden zurückzahlen solle. Man sei übereingekommeri, daß die Angehörigen des einen Landes nicht aus dem Besitze bezahlt werden sollen, der vorher Angehörigen eines anderen Landes gehörte. Die russischen Schulden. London, 21. März. (Reuter.) Die Sachverständigen der verbündeten Mächte befaßten sich mit der Frage der russischen Schulden. Die Grundlage der Erörterung bildete der englische Bericht. Betreffs der Staatsschulden schlägt der Entwurf die Ausgabe von Schuldscheinen vor, Gelegentlich der zweiten Legung des Krtedltfonidsges'etizös; detssen' Eriedägiumg.' fcdkjpn^iidh eine VoraiustiebziU'hg; f ür ,diie LioipidfieirMrsig dies ’ engiisclien Knedlibs isitv i'egtie FLnaiDizminfelier . Dir., ‘ Q u r fc 1 e r gcÄeni ' Jrn , Niatianialteait .. seinen Samüenunigicipülatn vor. Darnach' muß map. sich , auf eine, sehr eiitiTiscP.Jniciiidieiihite Verlauft prfeise’ ä$S Tfei>alfüinidv Ssilizrnianscpo'ls gefaßt miadhieh. Dösäi 'kcanant rvoch ^ÄfeitÄsebMinig einer Reihte «OSn '.bssHch^endsr. .rmd. E' Fic.haffüng mshrcrer neuer, Steuern — totaüim.* <Le' nötigen Mittel für diais Satndemuingswerlk stcilßien aiu*s dter Verteuerung dfeir LefotensIhüRuing auf gebracht werdtan. .AmKlerer*. seits machte der 'Minister :aiuich nodh. etwas, oelbiuilios klingende Angaben - über. den g^lP'1 amten Aerator- und RöamiteniaJbbau, worauf msmefber noch)- geraume Zeit wind «cheimfbair wiairlben müsse!». : Zu Beginn dtor HiaiüsisShzuinig wiudte dla<s- Geisette über dliie. VerlEngorong <d>efr Voreinzribluingsfrilst a-.rf ■die Vermögenisabga'bfe in dritter Lesung ange-* n o m m euv. Beleiht erstattet Dr. M s t a) & retfotderte über \ das Kreditfondsgesetz. . Er Sdömstiaitierte, daß die ztuir V erfügiuimg stehenden Kredite weder für Zwecke dies Staiaitisfoiawstafesmiarih su Imvest/fiioninz wecken, sontdemn 'oRitssdliUcßliich ztir Regehunig dies .Mairfkltes. in aiuisilähidlDScben 'Zalhßiuing'S - mttelin vietnvemidet wenden dürfen*. v BumdesiministeT für ' Finiamizetn Dr. Gur tf e r : Aiflie Kireias dter öffenifclkhem mnd Firmtwiirtsdhaft stelhien unter dem H*iindlruidk dler Gewähirutng. dter K r e d i t v o r s c h ü s s e. NrcHiir niur die mmroittteL bar Infteresisdeirtem', sondern*, aiuich die.weitere Oeffemt- Ilcihlkeit sind tcq einer •Stpiaminiuimg erfaßt, dloren Umiüerton diie ziaghafte Hioffniumg iist, daß düe Krödi:IUa(kltrcjn den Wendepunkt in'der EnitvvicMiuing mniscirer wirbscjiatPtli'aren Vemhal'tniiii?isie. 'bedieuitet. - Eiinen niemem Iimpniilis erhielt *dliese Empfiinidiumg durch dliie Naohrlcihit von einer Entschließung des amerikanischen Senats, d‘aß Oeister<reidh eine neiue .Amflieilhie von* 50 Mil honen' Dollar gewährt wemdem soll!. Eine t*>oflidhie BnltisichiHessung iist wertvoll wegen ibres Imibailttis und <ailis Dokument für diiie Syimipiafthiiem des laimcirik'aniiis'chein. Vo^llkes utnid destaen Verstäntd.nisses für cmiseire, Lage. Witr (bedürfen dies iin dter Resolution verlengiben Kredits für unsere Wiieideinatuifiri'cihtiumg. Doch wird ülin ciirite reale'.Fiimam'zipoiiiiti'k enst dann in Retcfinnumg zd^ien., wenn «einte Gewälhmumg Tattsaidhe geworden islt. Die Art dter Verwemditt.ng der aiuisländ-ii cihien Kred*ibe iist i*n dem in Benaiüumg stehendien Gesetzentwurf niiiedter*. geltegib. Wir wolilen diaim.it uns-e.en ermis ten Will len dokumentieren, die uns vom Ausland gewährten KredltQ'-miidit einfadi auir Abdcdcutng des Abgangs unserer Staalttiwirtsebaft ctufziuizehren, «cmidtem au. einer Sanierung umisoier getsamten Staiat&wir.tschaft zu befliützen. Es iist der enmstie W-iillie alilier für die .osten eich flöhe Fmamizipoliitilk venamtwoirt* liiicÄien Faktoren, dws Budget selftwst diumcft uws-erc eigene Kms-ft mii dem .Wege «dw 5v!!oiMÄfc bWen. die erst nach 20 Jahren eitizulösen wären. Nach Ablauf dieser Frist würden durch diese Schuldscheine die staatlichen Vorkriegsschulden und die Gemelndeschülden, die gegenüber den Verbündeten eingegangen worden sind, sowie die Kriegsschulden amortisiert werden. Die Engländer haben die Zahlung in Pfund Sterling vorgeschlägen, jedoch ist die.Zahlung in anderen Währungen gleichfalls in Aussicht genommen. Was die P r i v a t s c h u Iden anbelängt, so ist eine Rückzahlung an ausländische Gläubiger in Bargeld oderin Waren ins Auge gefaßt. Die Sachverständigen beschäftigten sich auch mit der Wieder-, herstellung der Haa deisbe z 1 e hungen zu. Sowjetrußland. Lloyd George kommt nach Genua. * Berlin, 21. März. (Tel.-Komp.) Wie „United Telegraph* aus London meldet, gilt die Teilnahme Lloyd. Georg e s an der Genueser .Konferenz für die ersten 14 Tage als gesichert. In seiner für Ende dieses Monats zu erwartendem Rede im Unterhaus wird Lloyd peorge die von der britischen Delegation in Genua zu vertretenden Richtlinien für den. wirtschaftlichen Wiederaufbau Europas bekänntgeben. Der tschecbo-slowakische Kredit,. wi»rd dteo Gegensitemd ei*n.eif eigewanr Ragienj^gsiyc^' 'feige bilden. Sein Vür.wentdtiiing'sizwedlv iisitfeisibgelegt. ' Die. dlumclh diosen Kredit 'verliangtein Giithaiben/ tsöna. •vefntiragisimäßiig. za Zafhiliuinigem* für Iimipcirbe >anjis die«, TsebHÄvv-Älviiv'älysf '.bestiinwnik. D;ais ibsd^uitzeh für. .nnH -;. n^ffet aftle'än*"temte --(/dies*-^'V’ÄSw*öehl&nfairik4ie®3 i an dehn überdies aiuich elbei E^scbrärikruing der Inw .?rä^((twcteilhtmte. 'der; N*pt.efippe®se.. . Die Kredite werden; d!ie SfCigenteimniteiii Kuirigveetf^ Iluiste im. Btuidigtet' vermianidiertn, .dlie dienzdit rechmnngiSH mäßig mit ziiriki?. 200 M i.'l 1 iar4e.ni. Kronen;amv. zurmehnTen sind. Bisher rraufifein sidh;ailil'e'uineer^ . Maßnahmen eigenW'ikb , mur in .«dem Zwecke etfd «ichöp-ferr, dtem gäntz'Ticiluen.. V/erf-aN.des. Steiaib^kaiDkienf enfgegenizurwiärken. . Idh, bafbe vor kiiirzeni im Finanzlunld, Budget**. aiU'Stsielnüß. dlie wichtigsten Maßnahmen im einizelnetn wrgefühiitt, welche von der. Retgisnung innerihaÜb eines Jahres zntr Verbesserung der si^aiafbsfiknatitzfelliftri Lage getroffen wurden. Ihr. Effekt bestieht fe fast 300 Milliarden Kronen Mebreinnahmen. ’ Eine '«ngeheiure Leistnrng dieses blkaimen Shaiaite-sl Uirnd dkxh konnten ameb so große Opfer .alilteiin di1« Besserung ntitdh* herb cif übren.. Nun, wo miAn eimsbi liidh an die Stabiles ie nun*g 'dies GeilidWerteis i schreiben! bannt, iisit diiie Voraiuissetziuing gegeben', -dfiie fi.nainizpiolljti-sdhien Ma^ma'hmm' auf dliie Hearlbtedfühlnung des,- budgetären Gleichgewichts, auf düe' Gesiundiuing-dtezf staahsfimaintoieililien Lage einiziuisftelfen. \ Neue Steuern Und Gebühren. Gkkhisiaim aiis Vorläufer der duirch die, K-rtddiitf, inauguirierten. Entwicklumg liegen beireflltis einige Re* gi-enungsivicirl'agetn dem 'Nialtionlaflira^ vor, ulRld1^ zwMs betreffend Erb ö-hn-h g der f e s teo StOOTpe>' g eb ü h r e« mit sidhätznungsweiisteni Äfehreihnaihimciri •von jälhr.Wch 1500 Mi'l'Iiitotmen Kironem, Einführung deal -K a.p fta*1 gewinn s t euer mit einem sohät-; •zufligsweiisten Jalhres*e.ntrag von 1000 iMiillilicmon nndl Einführuintg der Waremnmsatztsteni'er mR einiem sdhätiznunigswei^ien Jalhresiertinag van 12.00a Millionen Kranen. Weitere Maßnahmen i&imtd iffll Aussicht genommen und! bereite teclmiisch ^vorb-e-i reitöti. Gesetzentwürfe über die Erhöhung dter G e-; träinflcestenern miift jährlidhien Mclhtreiinnialhtniieli^ van'tnumid 23.000 Miillionten Kronen, dlie Einfühniiingi der. inneren Aiv,sgl e ic h.*s..ab galb e für vor-* zielmun^ssteuieiripifl iichtige Gegenstände. mit ernienf Jalhrescirtraig voji miöhreren Miilliandten, die Einfü'H*4 rumg* der M'inerailölisitieuter mit Melhtreilmnialhimtem vojn^ 1000 MiiiDiionen' Kronen, dlie Einfü'hinuinig eniets ref-otq-, miertien vollen . G o 1 d z o 111 ar i f s. * Doroh aid.mimi'straitive Verfügung niilb Genehmig, gwng des Hnupitan5«chu'Ssos: Eine üffhohuug der Tahakpreise mit jähdiidhem Einmalhmet^ Überschuß von mindestens 50.000 Millionen Kinonvenv eine Erhöhung der Salzpreiae mit jähw liehen M«hrekiniahmcn Vtcn muntd 8000 MilWonsn Kranaett. , 5cWti«ßlidi müssen wir an eine Erhöh*u ia gj SteN Ftp*s.t-# T.p 1 e«rahewuA