Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1128 (20.3.1922)
- Date
- 1922-03-20
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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JlnMlnummer K 40 Wien; Zum Abhoien ln der Expedition, ll.',Taborstr. 1—3, ©der <n einer Verschleißstelle (Trafik) monatlich K 1200. Mit Ppstversand fUrWien und Oesterreich monatlich K1200. Tsch sc h o-Sl owakei: Mon. Kronen20. Ungarn: Monatl. Kronen 120. Jugoslawien: Monatl. Dinar 18. Polen: Monatl. Mark 600. Deutschland: Monatlich Mark 30. Frankreich: Monatl. Frcs. 6. lener iseh. K fl Stallen: Monatlich Lire ü Rumänien: Monatl. Lei 40k Schweiz und das übrige^' Ausland monatlich Francs E Redaktion u. Administration' Wien JL, Taborstrasse l~3£f Telephone: 44-0-38, 43-3-1* ab 6, Uhr abends 17-9-3S; T elegrammadresse :„ Morgeozeitung“, Wien. N Oesterreichisches Poateparkassenkonto 15QjG&k. Nr. 1128 Wien, Montag, 20. März 1922 4. Jahrgang Die Konferenz der Neutralen. Stockholm, 19. März. (Wolff.) Wie die Schwedische Telegraphenagenlur erfährt, wurde bei der am 18. d. M. abgehaltenen Besprechung zwischen Ministerpräsident B r a n t i n g, dem norwegischen Ministerpräsidenten und dem dänischen Minister des Aeußern sowie den Gesandten mehrerer anderer neutraler Mächte über das Genueser Programm eine wesentliche U ebereinstimmung bezüglich der Stellungnahme der vertretenen Länder festg es teilt. Es Wird ein weiterer Meinungsaustausch zwischen den für die Konferenz gewählten Sach verständigen der in Betracht kommenden Staaten stattlinden. Dem „Svenska Dagblädei“ zufolge waren außer den skandinavischen Vertretern auch Holland, die Schweiz und Spanien bei der Besprechung vertreten. Nationalistische Kundgebungen in Kairo. Kairo, 19. März. (Wolff.) Als der ägyptische König von einer Parade zurückkehrte, kam es zu feindseligen Kundgebungen. Die Menge bewarf die Polizei mit Steinen, die von der Schußwaffe Gebrauch machte. Mehrere Personen wurden verletzt Die Forderungen der Türkei, Izzet Pascha in London und Paris. London, 18. März. (Reuter.) Der Außenminister der Konstanlinopler Regierung, Izzet Pascha, der von seinen Besprechungen mit Lord C u r z o n befriedigt ist, wird sich morgen nach ParU begeben, ln großen Zügen sind die Forderungen und Zugeständnisse der Konstantinopler Regierung: y Pie Marltza-Linie als Grenze der Türkei, Räumung ganz Kleinasiens einschließlich Smyrnas sowie Konstantinopels, '^ " Freiheit der Meerengen unter Voraussetzung, daß die Sicherheit Konstantinopels zuverlässig gewährleistet und nicht einigen griechischen Schiffen preisgegeben werde,’ weiters Schutz der Minderheiten und Annahme der Bestimmungen der Verträge von Neuilly, frianon und St. Germain über die Minderheiten. Iswolskys Kriegsschuld. Berlin, 18. März. Wie das „Berliner Tageblatt" meldet, ist der erste Band einer Dokumenter.sanimlung in Paris erschienen, in der Rend March and unter dem Titel „Ein schwarzes Buch“ die in den Ministerien in Moskau aufgefundenen diplomatischen Aktenstücke der Vorkriegszeit zusammengestellt hat. Das Buch bringt die Berichte des damaligen russischen Botschafters in Paris, I s w o 1 s k y, vom Jänner 1911 bis Dezember 1912, die zum Teile bereits veröffentlicht worden sind. In einem Bericht spiele die Verteilung von russischen Bestechungs- und Animiergeldern an die französischen Z ei jt u-n ge n eine große Rolle. Französische Kolonialpolitik. Paris, 19. März. (Wolff.) In der Kammer stand Beute die Interpellation des Abgeordneten von Guadeloupe B o i s n e u f über die Vorgänge bei der Liquidierung der deutschen Güter in den französischen Kolonien, namentlich in Togo, und über die schlechte Behandlung der Eingeborenen zur Debatte. Der Interpellant teilte unter anderem mit, daß der französische Staat der Gesellschaft zur Ausbeutung Togos sehr umfangreiche Gebiete auf 175 Jahre abgetreten habe. Boisneuf erklärte, daß in der Kolonialverwaltung von Togo nicht - alles am besten stehe. Der Kolonialminister selbst habe ihm dies vor zwei Tagen zugegeben. Auf den Widerspruch Sarrauts zitierte Boisneuf mehrere Dokumente, aus denen hervorgehe, daß die Bevölkerung von .Togo in einem wahren Sklaven zustande lebe. Ferner stellte -er fest, daß die französische Regierung entgegen den Bestimmungen des Versailler Vertrages unter den Eingeborenen militärische Z w a n gsrekrulierungen vorgenommen habe. Vertrauensvotum für Gunaris." Athen, 18. März. (Havas.) Nach Entgegennahme der Erklärungen des Ministerpräsidenten Gunaris sprach die Kammer der Regierung mit 164 gegen 86 Stimmen bei 63 Stimmenthaltungen das Vertrauen aus. Der neue Kurs In Indien. Ahmedabad, 18. März. (Reuter.) Der Führer der Nationalisten Kanker ist zu einem Jahre Gefängnis verurteilt worden. Ende des südafrikanischen Streiks. Johannesburg, 18. März. (Reuter.) Die W i e d e raufnähme der Arbeit hat heute morgens insbesondere ln den Bergwerken des Randgebietes im äußensten Osten bedeutend zugenommen. Hier konnte die Förderungstätigkeit wieder aufgenommen werden. Verschiedene Bergwerke haben zahlreiche Angebote zur Dienstaufnahme erhalten. Man ist bemüht, alle sich einfindenden Leute zu beschäftigen. Der Streik im Randgebiete ist beendet Entstaatlichung der tschechischen Eisenbahnen? Prag, 19. März. Die „Narodni Listy" melden zum amerikanischen Anleiheangebot, daß eine amerikanische Finanzgruppe bereit sei, das Kapital für. den Ausbau der tschechoslowakischen Eise n ba hnen unter der Bedingung zur Verfügung zu^steilen, daß die Eisenbahnen, herausgehoben aus der staatlichen Verwaltung, verwaltet würden oder daß die betreffende Finanzgruppe die Bahnen pachten würde. Die Einlösung der Kriegsanleihen in der Tschecho-Slowakei. Prag, 19. März. Nach der „Gazette de Pragüe* sei es wahrscheinlich, daß die Frage der Einlösung der Österreichischen und der ungarischen Kriegsanleihen nicht auf die Tagesordnung des ersten Abschnittes der Parlamentssession kommen werde, also vor der Abreise des Ministerpräsidenten Dr. Bene s c h »ach Genua nicht werde verhandelt werden. * Neue Schwierigkeiten des Kabinetts Benesch. Die tschechische Nationalversammlung. Prag, 1.9. März. Die Blätter berichten über Schwierigkeiten, dje in den Beratungen des Ministerrates über die Fortsetzung des" ProgramM"^Mk die - F r ü h J a h r st a g u n g zutage treten, und knüpfen daran Meldungen Über einen bevorstehenden Wechsel ia einige» Ministerien. Die Meinungsverschiedenheiten im Ministerrate sollen sich, wie die „Närodni Politika“ berichtet, hauptsächlich auf die Frage der Trennung der Kirche vom Staat, da» Mieterschutzgesetz und die Enteignung der Wälder beziehen. Pogromplakate in Wien. Wie die Riehl-Partei die Wiener Messe eröffnet. ln der Nacht vom Samstag auf Sonntag sind an verschiedenen Stellen der Straßen Wiens Plakate affichiert worden, die zu Judenpogromen auffordern. Die Plakate «sind in auffallendem Druck, schwarz auf gelb gehalten, und laden zu einer am Dienstag den 21. März in K a d r m a n n s Saal im Prater stattfindenden Versammlung ein, in welcher Protest gegen das Verbleiben der Ostjuden, dererfZahl mit einer Viertel Million Köpfe .angegeben wird, erhoben werden soll. Das Plakat wurde an einer Meng© staatlicher Anstalten angebracht. Es ist unterschrieben von Dr. Walter Riehl und einem Bezirksrat F i s e h e r als Einberufern der Versammlung. Tagesbericht. Gestempelte Krone —.078/4 Centimes. Auszahlung Wien -- —.0TU: Centimes. ln Zürich notierte: die Österreichische Krone die Österr. gest Krone . . die tschechische Krone. . die Mark ....... Agram. Bukarest.. . Budapest . .. Warschau ....... ~.077a (-.07-/, -.07-/4 (-.07-/, 8.87 ( 8.92 1.80 ( 1.83 1.55 ( 1.60 -.67 (-.03 -.13 (-.13 am 18 März) am 18. März) am 18. März) am 13. März) am 13. März) am 18. März) am 18. März) am 18. März) Die Eröffnung der Wiener Frühjahrsmesse, Gestern vormittags hat Bundespräsident Doktor H a I n i s c h die II. Wiener Internationale Messe eröffnet. Zu der Feier hatten sich die Spitzen der Behörde» und das diplomatische Korps eingefunden. In der Rotunde herrschte in den frühen Morgenstunden reges Leben. Die eisernen Rollbalken des Südportals waren, noch herabgelassen, als schon eine riesige Anzahl von Automobilen sich vor der Rotunde staute. Um l/*l0 Uhr gab Oberbaurat Kopensteiner das Zeichen zum Einlaß und sofort wäre* die Räume der Retuude und das ] anschließende Gelände von einer zahlreichen Käuferschar aus aller Herren Länder belebt. Amerikanische und italienische Reisegesellschaften sprachen im Messebureau Dolmetsche an und begannen sogleich ihren. Rundgang. Schon ln den ersten Vormittagsstunden hatte das amtliche Messeamt Vidierungen zu verzeichnen. Eier großer Teil der ausgestellten Maschinen war bereits!»- vollen Betriebe, ebenso funktionierten die Beleuchtungseffekte, darunter originelle und neuartige Lichtreklamen, fast HurchWegs schon in den Vormittagsstunden mit Präzision. Bezeichnend ist, daß eine Firma Messeaufträge schon vor der Messe erhalten hat, bloß auf Grund der Reklame, die sie für die Messe machte. Auf dem freien Gelände war der große Greifkra» der Deutschen Maschinenfabriks-Aktiengesellschaft von einer zahlreichen Menge umgeben. Die Deutschen Werke, di® zum ersten Male in Wien ausstelien, hatten bereits zahlreiche Anfragen von Käufern zu verzeichnen, ebenso di« österreichischen Werke (Arsenal). Obwohl die Zahl der Einkäufer sehr groß war, fcttö es doch nirgends zu Störungen des Verkehrs, vielmehr wickelte sich dieser in ruhigster Weise ab. Die Qualitätsschau des Mess e p a I a s t e s.. hat naturgemäß unmittelbar nach Eröffnung des Gebäude» zahlreiche Interessenten, die sich allerdings vorerst, wie. dies auf jeder Messe üblich ist, auf Orientierung beschränkten, an sich gezogen. Uip die Mittagsstunde konnte, bereits eine größere Anzahl von Abshslüssen, hauptsächlich in der Lader-, Silberwaren- und Parfumeriebranche festgestellt werden. Die Rauchrequisitenerzeuger erfreuen sich gleichfalls eines starken internationalen Zuspruchs. Auch die Stockbranche wurde von alten und neuen Kunden aufo gesucht; hier ist ebenfalls eine größere Anzahl von Abschlüssen zu verzeichnen. Gegenüber der Abteilung K n n s t g e w e r b e verhalten sich die Interessenten vorläufig' noch abwartend, was wohl in erster Linie seinen Grund darin haben dürft## daß die Reichhaltigkeit und Vielfältigkeit .der zur Schau gebotene» Erzeugnisse längere Ueberiegung erfordert lm allgemeinen habe» die Darbietungen im Messepalast seitens der ausländischen Einkäuferschaft ungeteilte» Beifall gefunden. Bis auf wenige Ausnahmen waren, die Koljen, die diesmal vielfach Architekten zur Ausschmückung über! asset Wörden latfren, Hx und fertig und boten /eipe® Eindruck, den man, ohne Uebertreibung, einen ästhetischen nennen darf. Auch dte P a p i e r m e s s e in der Stiftakasern# hatte starken Besuch aufzuweisen. Die Nachfrage nach Flachpapier und Papierkonfektion war groß, es wurde» schon am Vormittag eine Anzahl größerer Kaufabschluss® getätigt. Unter de« Interessenten waren die Ungarn . besonders stark vertreten. , Aber auch Einkäufer aus Uebersee sprachen vor und ließen sich vielfach orientierten. Die Papierbranche hofft, nach dem heutigen eindrucksvolle» Auftakt zu schließen, auch diesmal auf ein starkes Geschäft sowie auf die Neuanknlipfüng zahlreicher Auslandsverbindungen. Die Vorbedingungen hiezu sind i» dem diesmaligen tatsächlich internationalen Besuch der Messe gegeben. '_ Was 120 Leute bei sich tragen. Kfcffeehatisrazzia. Die Korrespondenz Wilhelm meldH: Dem Kriegs* wucheramt gingen in der letzten Zeit wiederholt v erfreulich e 'M i t/t. e i 1 u a g e n zu, denen zufolge in zwei Cafäs im. I. Bezirk Gäste verkehren, die bich'mit allerlei bedenklichen Geschäften befassen und insbesondere mit fremden Zahlungsmitteln auf unerlaubte Welse Handel treiben. Freitag mittags schritt daher ein# Anzahl Erliebungsbeamte unter Führung, von Konzepts-, beamten in den beiden Kaffeehäusern (deren Namen nicht angegeben werden) ein. Es wurden Insgesamt rund 250 Personen angetroffen, von denen 120 dem Amte überstellt wurden. Die letzteren wurden im Kriegswucheramte einvernoniinen. Es wurde eine Anzahl von Amtshandlungen vom Standpunkte der Bekämpfung des Kriegswuchers eingelaitet. Ferner wurde - im Laufe. der von den Beamte« der Finanzbehörden durchgeführten Amtshandlungen festgestellt, daß die Angehaltenen folgende. Geldbeträge bei sich trugen : , . Ungefähr 10 Millionen österreichische Krone«, I0p00 ungestempelte österreichische .Kronen, 13.000 Reichsmark, 32.003 polnische Mark, 25CQ Lei. 330 französisch« Francs, 20 Pfund, 10.000 tschechische Kronen, 20.000 ungarische Kronen, 500 Lire, 3 Dinars, 463 Dollar, 1 Silberrubel, 38 diverse Münzen, 100 Krone« in Gold, 2 Dukaten, 1 Scheck auf 2'/4 Millionen Österreichische Kronen, 1 Scheck auf 500 französische Francs und 1 Scheck auf 10 Pfunde Charakteristisch ist der Umstand, daß. in dem einen Caf& 34.000 österreichische Kronen, 300 Reichsmark, 59 Dollar und 1 Pfund gefunden wurden, -als deren Eigentümer sich keiner der Anwesenden bekannte. Auf die Qualität der im anderen Caf6 abgeschlossene» Geschäfte deutet auch dis Tatsache, daß der Fußbode« dieses Kaffeehauses nach dem Einschreiten mit einer Unzahl von Zettelnübersap wfir, deren sich die Gäste beim Einschreiten der Kommission entledigten. (Was stand auf diesen Zetteln?) Eine große Anzahl von Personen hatte . sich in der ersten Bestürzung über das Erscheine« der Amtsorgane größerer Beträge entledigt und es . wurden unter Geschirr, alten Zeitungen sowie unter Sitzpo!1 «rn diverse Valuten von einer Million österreichischen Krumen sowie Sclieks im Gesamtwerte vo® fast drei Millionen österreichischen Kronen vorgofund#», zu denen sich bisher keine Eigentümer 'bekannt haben. Von den z«h» Millfoaen österreichischen Kronen wurde» durch die Steuerbehönle zur Sicherstellung von Steuer«