Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1922-03-19 · Heft 1127 (19.3.1922) · p. Seite 10

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1127 (19.3.1922)
Date
1922-03-19
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2979076-2980129-2980207--10590-2996955
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

11 entity mentions

'Seite 10 Wien, Sonntag .Wiener morgenzeituncT Ein Rundgang durch die Messegebäude. Heute um 10 Uhr vormittags wird in der Neuen Hof-» bürg die II. Wiener Internationale Messe eröffnet. Die Wiederkehr dieser Veranstaltung, die Im Herbst mit großem Erfolg für unsere Industrie und unser Gewerbe abschlleßen konnte, hat schon in den letzten Tagen der abgelaufenen Woche unserer Stadt ein neues Gesicht verliehen. Jeder. Ankommende Zug brachte eine große Zahl von Fremden aus aller Herren Ländern nach Wien* Das Straßenbild wurde wieder lebhafter, das Tempo unseres Lebens beschleunigter* Gestern'machten Vertreter der in- und ausländischen Presse einen Rundgang durch die Messegebäude. Die Führung übernahmen der Vizepräsident der Wiener Messe, Staatssekretär Z e r d i k, und der Direktor Baurat Ingenieur Ernst Schlfferes und in den einzelnen Messehäusern die Bauleiter. Der Rundgang begann. in der Rotunde. Das Bild, das das Innere der Rotunde bietet, ist nicht, neu. Es ist diesmal der Versuch unternommen worden, nicht nur die Konzentration innerhalb der einzelnen Branchen straffer zu gestalten, sondern durch die Zusammenfassung verwandter Branchen auch für die vier zur Verfügung stehenden Messegebäude Sammelbegriff? zu schaffen. In der Rotunde und auf ihrem Gelände ist tatsächlich alles zusammengeschlossen, was in den Rahmen einer technischen Messe gehört. Auf dem Gelände. fallen viele neugebaute und zum Teil gegenüber der Herbstmesse vergrößerte Pavillons einzelner Ausstellerfirmen auf. In der Stiftskaserne* Die Päpiermesse ist ebenso wie im Herbst in der Stiftskaserne untergebracht Auch hier zeigt sich das Bestreben nach erhöhter Verfeinerung der Innenausstattung, Man sieht ganz geschmackvolle kleine Bauten, besonders von den verschiedenen österreichischen Zigarettenpapierfabrikanten, die vollzählig erschienen sind. Die überall von der Decke herabhängenden buntfarbigen Wimpel mit den Reklamen unserer Papier- und Bureauartikel firmen geben dem Ganzen ein charakteristisches, lebhaftes Gepräge. Um einen Begriff von der Vielfältigkeit der ausgestellten Waren zu geben, sei erwähnt daß das Warenverzeichnis der Papiermesse allein zirka 200 verschiedene Warenbezeichnungen enthält Der Gesamtumsatz der vorjährigen Papiermesse de> trug nach vorsichtigen Schätzungen von Fachleuten zirka 4 bis 5 Milliarden österreichische Kronen. Es ist bei der regen Auslandspropaganda, welche die Messeleitung entfaltete und bei der hervorragenden Qualität der ausgestellten Erzeugnisse zu erwarten, daß diese Umsätze heuer mindestens erreicht werden. Im Messepalast. Hier*sind vorwiegend jene Artikel ausgestellt, welche die spezifisch wienerische Note verkörpern, Kunstgewerbe, Juwelen, Gold- und Silberwaren, Galanterie- und Drechslerwaren, Lederwaren, Schirme, Stöcke. Daneben Glas, Porzellan und Steingut (Luxuswaren), Rauchartikel, eine nach allen Weltteilen gehende Wiener Spezialerzeugung, Seifen, Kerzen und Parfümerien. Die Schauplätze im Messepalast sind diesmal so ziemlich dieselben wie bei der Herbstmesse. Bei einem Rundgang durch die schönen Hallen, in denen überall große, deutlich lesbare Tafeln leichte Orientierung ermöglichen, fällt sofort die Entwicklung, die die Inneneinrichtung und der Schmuck der Kojen genommen haben, angenehm auf. Sichtlich ist das Bestreben vorhanden, größere, 2 Fortsetzung. Eisiks Brille. Von Leopold Kompert. f »Weggeschnappt 'hat er es euch nicht, Daniel.« bemerkte Rebb Eisik nuihig, »und ich denke, die Gemeinde läßt es euch an nichts fehlen. Euer Brot habt' ihr doch, Daniel.« »Was hab’ ich vom Brot,« rief der abgesetzte' Gern ein desänger mit kläglich«" Stimme, »wenn ich.' nicht mehr singen darf? Soll rmr das. also nicht das Herz absboßen, wenn ao einer mit seinem Chor in derselben Schul’ singt, die mich mehr als dreißig Jahre kennt?« »Das ist's, was euch so mager macht, Daniel?« meinte Rebb Eisilk wieder mit seinem ruhigen Lächeln. »Daniel Kremsier, sei kein Narr auf eure alten Tage, und zieht auch ihr die Brill’ einmal ausVI »Wie heißt, Rebb Eisik?« fragte der pensionierte Gern«ndesängbr ganz verblüfft. »Schenkt euch erst ein, Daniel,« meinte Eisik 'kaltblütig, »ich will.euch dann sagen, was das heißt«; Trotz seines Kummers ließ das klägliche Opfer einer Uebergangszeit diese Mahnung nicht zweimal wiederholen. Mit auffallender Hast griff er nach: dem Glase, und sein vom Kummer abgezehrtes Amt-r litz begann eine leise Röte anzunehmen. - »Daniel Kremsier,« sagte hierauf RelwP-Eisik, der mit Wohlgefallen die Veränderung bemerkt hatte, die mit seinem Gesellschafter vorgegangem; »Daniel, ihr wißt, ich bin keiner von denen, die sich das »Judsein« auf die leichte Achsel laden. Ich kenne euch, Daniel, seit dreißig Jahren, und immer hat sich mein Herz an eurem Gesang und euren »Stückeln« ergötzt., Wenn ich euch am Jom Kipur mit nüchternem Mägen habe so gewaltig schreien hören, daß die ganze Schul’ gezittert hat, da ist mir das Herz vor Freude aufgegangen. Ich hab’ es immer gespürt: Der weiß, was er von Gott will, iWas wollt ihr aber, Daniel, wenn die Zeit andere Ohren bekommen hat? Für mich schreit und singt ihr gut genug. Was könnt ihr tun, wenn sich, die junge .Welt die Brille aufgesetzt hat?« freundliche, zum Besuch einladende Räume statt der früheren engen Kojen zu schaffen, und wo die Mittel der einzelnen Firma nicht ausreichen, ’ haben sich Genossenschafter der gleichet! Branche zusammengetan, uiy die Anlage, eines großen, einheitlich wirkenden Ausstellungsraumes ihrer Branche zu ermöglichen. Eine große Zahl der ausgestellten Objekte dient nicht nur der Schaustellung der Warenmuster, sondern zugleich als behaglicher und eleganter Empfangsraum für die Besucher. Wieder ist in dpr großen Reitschule eine Fülle der erlesensten kunstgewerblichen Erzeugnisse ausgebr^itet. Es sind durchwegs hochqualifizierte Erzeugnisse, die hier zur Schau gestellt werden, die den Vergleich mit keiner Auslandsarbeit zu scheuen haben. Erstklassig ist natürlich auch wieder die Ledergalanterie vertreten. Sämtliche Wiener Firmen dieser Branche von Bedeutung sind am Platze und das Arrangement und der (Geschmack, die sich in diesen Pavillons, Vitrinen und Schrankständen ausleben, können wohl kaum übertroffen; werden, Eine Ueherrasehung wird wohl auch die Gruppe Parfümerie, Seifen und kosmetische Artikel bilden, die ln elegantester und meist von Künstlerhand geleiteter Aufmachung erscheint, Neu Ist in dieser Gruppe das Auftreten erster Pariser Firmen auf dem Gebiete der Erzeugung von Luxusparfüms, In der Neuen Hofburg. •Einen schöneren Raum für die Vorlülirung der Muster ihrer exquisiten Modeschöpfungen hätte man sich whhl kaum aussuchen können als die Neue Hofburg. Der prunkvolle Bau hat einen sinngemäßen prunkvollen Inhalt bekommen \ edelste Wiener Luxuserzeugnisse aus den Gebieten des Bekleidungswesens, der Pebwaren und der . Schuh waren. — ' Von dem Prachtbau Oberbaurat Baumanna, dem Segmenttrakt, hat die Messe das große monumentale ' Treppenhaus in allen drei Etagen, das Mittelvestibül und den Gartentrakt wie den Anschlußtrakt in Anspruch genommen. Im Parterre konnten nur der Mitteltrakt und Teile d,er beiden anschließenden Seitentrakte von der Messe be- ■ legt werden, da der größte Teil des Parterres noch den ausländischen Hilfsaktionen gehört. Hier sind die . Meistererzeugnisse der Wiener Schuhindustrie exponiert. Im Mezzanin stellt die Bekleidungsindustrie alle Arten Ihrer Erzeugung zur Schau. Um einige.Artikel zu erwähnen: Gummimäntel, Handschuhe, Hüte und Mützen,; Krawatten, Luxusbekleidung, Pelzwaren etc. Das ersteStockwerk enthält die Gruppe der Textilien: Garne und Gespinste, Gewebe aller Art, Kurz-, Weiß- und Wollwaren, Wäsche usw. Hier ist auch die P 1 ä k a t s c h a u untergebracht, die bei den kommenden Veranstaltungen zu einer R eklamemesse ausgestaltet werden soll Sc hu hfabri kanten haben sich Luxuspavillons bauen lassen und der von einer unserer ersten Wäschefirmen gewählte Raum sieht fast aus wie der Empfangssalon einer eleganten Dame. Hier wie im Messepalast, überall das Bestreben, Zweckmäßigkeit mit Eleganz, Gebrauchswert mit Kunstwert der Ware und des Arrangements zkverbinden. Der Handelsmiolster Dr, Griinberger hielt in Anwesenheit der Pressevertreter über die Bedeutung der Presse eine Rede, in der er unter anderem betonte, unsere Zukunft heiße Export. BBBwawBMMrowiWMeii yv ,infnmn »Wieder'ihre Brille, Robb Eisilk!« meinte der Gemeindesänger mit einem Anflug von Verdrießlichkeit im Tone. i »Helft euch, Daniel, anders,« ■sagte der Alte, ungerührt. »Ich kann euch nur 'den einen Rat geben: Nehmt auch ihr eure Brille herunter, «und ihr werdet einsehn, daß ihr für dis. Jetzige Welt nicht mehr paßt.«' 1 "" Daniel Kremsier neigte wehmütig sein Haupt; er mußte dem, Rate des Alten 'beistimmen, wie schwer dies immer dem 0<pfer d&r neuen Zeit fiel. Und in der Tat, der abgesetzte Gemeindesänger zehrt noch heutzutage am Gnadenbrot der Gemeinde und hat die Brille heruntergenommen, ganz wie Rebb Eisik es ihm angeraten hat. , So wie dem Gemeinde<$änger Daniel Kremsier, erging es noch vielen anderen, denen Rebb Eisik mit seiner Brille kam. Nicht jeder lachte darüber, manchem fuhr sie wie eiri spitzer Pfeil in die Seele. Selbst der neue Prediger entging ihr nicht. Der junge , Manm hätte im ersten' Eifer seiner Stellung an gar manches'in der «Gasse die Axt gelegt und hatte ins Feuer geworfen, was gar nicht abgestorben oder gar tot war, sondern bei einiger Nachsicht sogar .. ein schöneres Nachleben versprach. »Gebt gut acht, Daniel,« sagte einmal Rebb Eisik zu seinem aibgesetzten Gern ein de sänger, »gebt gut asht: Der Prediger wird auch bald seine Brille ablegen!« ■ »Leider Gottes aber,«' klagte Daniel, in dessen Gemüt trotz allen Weines noch ein bitterer Tropfen lag, »leider 'Gotisi er hat sie aber noch auf. Soll’ man warten, bis kein Judenfeind mehr in der »Gasse« sein wird? Dann wird er sie gewiß herunternehmen.« »Schadet nichts, Daniel, schadet gar nichts,« bemerkte dagegen Rebb Eisik. »Die JudenSkinder hören sobald nicht abf; aber der Prediger wird bald auf hören. Auch er hat die Brill’ noch auf, und da meint er, er sieht jedes Fledkchen und jedes schwarze Pünktchen in unserer heiligen Religion doppelt so groß als sie sind. Er Ist das Gegenteil von jenem Bräutigam! Der hat zu viel Schönes an «seiner Braut £ es eben und unser Prediger... der f9, März im /Nr, 1127 Besserung der Lage in Odessa. Die Genera?«! ageptur des Lloyd Trlestino in Wien teilt uns HhsbdiH, Entwicklung def wirtschaftlichen. Verhältnisse, in Odessa^ zu Ende Februar folgendes mit: Infolge, der seitens Regierung gemachten Zugeständnisse -^Anerkennung: des Privateigentums, freie. KaitdylchyMgqirg.^gjzeW seitens Privater. Rückgabe der Fabriken an die Eigen- , tütner, Bewilligung zur Gründung «privater Aktien*, gesellschaftdl, auch ausländischer rhat sich die sllgsmeine wirtschaftliche Lage, einigermaßen gebessert. Es existiert bereits eine sehr bedeutende Aktiengesellschaft, deren Aktien zu 55 Prozent dem Staate gehören, währofffl 45 Prozent an Banken und an Private ab-- gegeben wurden. Das Vere ich er u n gsges^b ä'f t ist nach wie vor monoipolisiert. Auf Grund besonderen! Uebereinkommens werden die vom Lloyd Triestlno für Odessa übernommenen Transporte auch anderweitig versichert werden können, In Odessa nähert sich dasj' Handels- und Industrieleben langsam wieder den normalen Formell der Vorkriegszeit, doch hat diese, wenn , gleich bedeutende Besserung, Infolge des Mangels, an Rohstoffen mehr lokalen Charaikter. In großen, Lagern sind zirka 6000 Tonnen Exportware angehäuft, undzwar Tabak, Wolle, tierische Haare, Därme, Holz, Fell© . usw. Diese Waren werden nach England und Deutsche : Und ausgeführt, da dies die einzigen Staaten sind, die ' in Rußland Handelsvertretungen haben, Auch von Nikolajew wird ein bedeutender Export möglich sein^ und zwar handelt es sich besonders um Eisenerz, Bruoheisen, Wolle, FeMe, welche Artikel gleichfalls vorderhand den Weg nach England und .Deutschland : nehmen werden. Bedeutende Mengen von Getreijjesamem aus Bulgarien und Amerika machen günstige Schlüsse für die nächste Ernte. möglich- Selbstredend wird. bei , dem enormen Bedarf 'des Inlandes an einen Getreide* oder Mehlexport nicht gedacht werden können. Die ■ Fr achten, wie überhaupt alle Geschäfte, werden auf Gruhd von Goldrubelkursen abgeschlossen, die monafci lieh seitens der Regierung fixiert werden- Der derzeitige ' Kurs ist 150.000 Paipierrubel für einen Goldru'bel, Hatw. delsübllch ist aber der Kurs um 100 Prozent höher.; Das türkische Pfund wird offiziell dem Goldrubel gleich« gehalten, am Flat* selbst aber anders gehandelt, Der, .Landverkehr ist unbedeutend- .Trotzdem bestehe>n\ ' tägliche Verbindungen mit Charkow und Moskau, abe^ in erster Linie dienen dieselben, der Beförderung V 0 n. Persönlichkeiten und behördlichen 0 rganen. In-Odessa selbst sind alle Restaurants,; Cafes, Hotels und. auch der größte Teil der Verkaufsläden offen. Es verkehren Tramways, Wagen und; Autos.' Die Theater sind offen und ebenso die Ver-; r gnugungslokale. Für die Vertreter fremder Staaten und für ausländische Kaufleute wurde von der Regierung- - ein eigenes mit allem Komfort ausgestattütes Hotel» reserviert. ' '_' Die Devisenkurse. Zürich, IS. März. (Devisenkurse, — Mitgeteiit voa der Schweizerischen Kreditanstalt) Berlin 1.83 (1.86). Holland 194.50 (193.75), New York 513.— (515.—). London 22.47 (22.35), Paris 46.30 (46.10), Mailand 26.22 (26.-0, Brüssel 43.30 (42.75), Kopenhagens 107.73 (107.50), Stockholm 134.50 (134.—); , ChHstiania r89.5(fc> (89,—), Madrid 80.19 (80.—), Buenos Aires 184.— (184.—V> Prag 8.92 (9.-), Budapest -.63 (—63t Agram 1.60, (1.60), Bukarest —(—.—), Warschau—.13 (—.12), Wietf Geld -.07°/. (-.07‘|9), Wien Ware —Oesterr. gest. Kronen Geld -.07»/4 (-,07‘/a), Gestern gest. Kronen Ware Berlin, 18. März. (Kurse der Devisenzentrale.): Noten: Dollar 281.90(276.50), Pfund 1242.25 (1208,25V Italienische 1453.50 (1403.50), Polnische 7.05 (6.85). Tschechoslowakische 486.75 (479.-). Alte österreichische —(—.—), Oesterr. gestempelte 4.02'/, (3.39'/.). Berlin, 18. März. (Devisenkurse.) . Wien altes —(—.—), Wien abgestempelt 4.08 (3.98). Prag 486.25 (478.-), Budapest 34.86 (33.86). sieht wieder zu viel Schwarzes. Der eine hat schon! die Brille heräbgezogen; der andere wird es auch tun. Und je länger er dauert, Daniel, desto besser,. Denn je hastiger einer eine Sache in sidi aufnimmt,' je fester er überzeugt ist, daß er in der Sache rechtN hat, desto gründlicher ist dann seine Besserung.1 Nur die Menschen nicht zwingen! nur abwarten/ bis das Nachdenken 'sicVvon ■selbst einstelUl Ich' möchte mit euch eine Million wetten, Daniel, daß wir beide es noch erleben, wie der Prediger, seine, Brille herunternimmt.« \ ' Offenherzig gestanden, so gut sonst Dame» Kremsier die Briilen-sip'rache seines Freundes verstand, diesmal war sie ihm zu »hoch«. Noch fühlte er sich zu tief, in seiner Ehre, gekränkt, an die ihm' jener »Hergelaufene« mit seinem Chore so freventlich griff, als daß er «ich so leicht zur Weltanschau-' uitvg Rebb Eisiks hätte erheben können. Dennoch ..War er zu gescheit, «um gegen ihn Einspruch zu erhoben; Rebb Eisik hatte etwas von der Hälstsarrig- Öceit kluger Leute, d-iq auf einen einmal erprobten' Lebenssatz kein Stäubchen der Widerrede wehen lassen. Vielleicht war , dies mit der Grund, daß, Daniel ICremtsier der “Aeußerung seines Freundes über, den neuen Prediger eine größere Verbreitung verschaffte, als Robb Eisilk selbst wünschte,, So gelangte sie auch ans Öhr des neuen Predigers; et! ward davon, lebhaft getroffen. Der junge Man.nl mußte sich gestehen, daß sie zwar nicht neu war, aber eine Art Wahrheit enthielt, die er am wenigsten aus dem Munde eines alten Mannes erwartet hatte. Glühend vom Eifer ■ für dasjenige, was er für das Bessere hielt, war er der Meinung, in jedem alten Mahne der Gemeind? lauere ein Feind,, der die frisch ■ ausgestreute Saat au vernichtend strebe, W ie jedes eifrige und entbrannte Gemüt im Grunds von Nichtduldung des ihm entgegengesetzten Stoffes ausgeht, den cs ,miederzuring?n sucht, so hatte auch der j-unge Prediger vergessen, duldsam zu sein. Jetzt hörte er aus dem Munde eines der ältesten Männer der Gemeinde die Mahnung, mit ihm selbst, dem Prediger, Geduld und Nachsicht' sh gebrauchen, (Fortsetzung folgt)

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.