Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1922-03-19 · Heft 1127 (19.3.1922) · p. Seite 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1127 (19.3.1922)
Date
1922-03-19
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2979076-2980129-2980207--10585-2996950
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

nr.TTZT ' wrewrSöftnßg' WIENER MöEÜEF2EfTt3rNdr! 9. März 1922 Seite 5 ferzt berufen, er spräche sicherlich höflicher und würde es auch gewiß nicht unterlassen, dem Arzt für seinen. Besuch zu danken. Als Kassenpatient hat aber jeder einzelne das Gefühl, seiner Würde durch Freundlichkeit etwas zü vergeben, glaubt imponieren zu -müssen und zeigen zu sollen, daß er »jemand« ist. Keine Nummer, kein gleichgültiger irgendwer, kein gewöhnlicher, landläufiger Kassenpatient. Zumeist fallt diese .Würdebetonung ein bißchen zu stramm aus, und •wenn der Arzt nicht auch gleichzeitig ein guter Psychologe und ein verstehender Mensch ist,-, kann das Verhältnis sehr verbittert werden. Aus denselben Motiven ergibt sich auch die scharfe Kritik an allen Maßregeln des Arztes Der geistige Arbeiter will sich um jeden Preis als Herr der Situation erweisen. Und selbstverständlich versteht doch jeder Laie von Medizin viel mehr als; der 'Arzt. Der hat ja »nur« gelernt, was in den Büchern steht, der andere aber hat. die praktische Erfahrung, den gesunden Menschenverstand u-sw. Also nur wacker jedes Rezept übdrprüft, jede Verschreibung mit einem kritischen: warum und wozu? beantwortet, kurz dem Arzt gezeigt, daß man auf seinen Schwindel nicht hineinfällt. Und bei der geringsten Komplikation, ja auch nur beim Schatten einen- Komplikation, m-uß der Spezialist heran. Natürlich trägt dieses Verhalten nicht gerade dazu bei, den Arzt, der ja schließlich auch nur ein Mensch ist, (besonders freundlich zu stimmen. Wenn der Hand-- arbqiter als Patient im allgemein-en von geradezu rührender Dankbarkeit und Anspruchslosigkeit ist, läßt der geistige Arbeiter —• Ausnahmen sind natürlich ^doppelt lobenswert — im großen und ganzen auch die bescheidenste Einsicht vermissen.. Er hat auch noch leicht gelernt, im Arzt den Arbeiter, und zwar einen gesagten Arbeiter, zu sehen und zu respektieren, und betrachtet ihn viel’ zu sehr, als Feind, der, bekämpft werden' muß. Die allgemeine Wiener Disziplinlosigkeit verschärft natürlich diese Mißstände. Aber die Haupt- «rsache des wenig erfreulichen Verhältnisses, das in vielen —< gewiß nicht in allen — Fällen zwischen dem Kassenarzt und dem geistigen Arbeiter herrscht, liegt wohl in einem Mißverständnis. In dem Mißverständnis, daß ein Arzt einen Kranken, der leidet, mit weniger Sorgfalt, Liebe, Vorsicht, betreuen könnte, als einen Anderem, weil er — ein Kassenpatient ist. Der büßende Pogromheld. Der Oberrabbiner von Satoralj.aujhely, Samuel Aoth, sendet an den Klausenburger »U j K e 1 e t« das folgende Schreiben-: Es war!m vorigen Monat. Ich sitze in meiner iKanzlei und lese eine Zeitung. Ich lese gerade von einem Budapester Straßentumult. Unwillkürlich entringt sich meiner Brust ein Seufzer. »Mein Gott, wie schwer können doch, die Menschen in sich gehen!« Da werde ich durch einen unerwarteten Besuch gestört. Der Eintretende ist ein junger Mensch von herkulischer Gestalt. Schon der erste Blick verriet, mir, daß mein Gast nicht zur -»syrischen Rasse«, wie der Budapester Ausdruck lautet, gehört. Er stellt sich mir vor, ein. gebürtiger Satoraljaujhdyer, römisch-katholisch, Polizei-konzipidn-t. »Ich möchte« -7fährt* er fort »ini-t Hochwürden vertraulich sprechen.« Ich kläre ihn. auf, daß ich jüdischer Geistlicher bin und daß er vielleicht picht mich Suche. Er aber erwidert,, daß er'diesmal des jüdischen Rabbiners und nicht des Pfarrers bedürfe, weshalb er zu mir gekommen sei. Er habe eine große Bitte an mich und ich möge ihn anhören. Ich fühle es — begann er nun — daß ich gesündigt habe, denn die Geißel Gottes hat mich getroffen. Iqh will B-uße tun, Hochwürden, Buße tun, deshalb bim ich hiehergekommen'. Groß ist meine Sünde, ich habe gegen Gott und unschuldige Menschen mich vergangen und fürchte die Bestrafung. Im Jahre lHny, nach dem Kommunismus, habe ich zahlreiche Juden g e p r ü g e l t, mißhandelt. Ich gestehe es, ich habe «sie geschlagen, geohrfeigt. Die Armen flehten, sie nicht zu mißhandeln, aber ich hörte nicht auf ihr Flehen. Ich lechzte nach (Ruhm, konnte daher kein Erbarmen finden für. einen Juden, und den Juden zu verprügeln-, war wahrlich keine geringe Ruhmestat. , . , Ich war unverheiratet und entseloß mich, eine Frau tu nehmen. Ich heiratete ' ein hübsches, schön gewachsenes Mädchen. . Ich hatte -sie liebgewonneii. Ich lebte mit ihr glücklich, doch leider nur vier Wochen lang. Das Schicksal hatte mich ereilt. Das Wejb ist von B'kel gegen mich erfüllt und will nicht länger mit mir leben. Wenn ich nur in ihre Nähe komme, erfaßt sie ein Schauder, wie wenn ich ein wildes Tier wäre. Ich bat sie, flehte sie an, nicht die- Schande über mich zu bringen, und mich z-u verlassen — die Frau blieb unerbittlich. Eines'Tages, komme ich vom Dienst heim und finde meine. Frau nicht mehr. Sie war zu. ihren Eltern geflohen. Anfangs setzte ich mich: darüber -hinweg und ‘ dachte mir: Gewesen -r und Schluß.;Ioh.täuschte mich jjedoeb in meinem Naturell. Ich -kann die Frau nicht vergessen. Ich denke immerfort an sie und ka-ftn ohne -sie nicht leb ein. Ich ließ ihre Eltern ersuchen, meine gesetzlich mir angetrante Frau, die Ich -niemals auch n-ur mit feinem Wort beleidigt hatte, zurückzuschicken. Aber die. Frau ließ mir sagen, daß sie unter keinen Umständen zuarück-kehre, weil sie einen Ekel vor, mir empfinde. A n am einen Hä-aden klebe B1 u t, sagte sie, das Blut vieler unschuldiger Menschen und sie lebe in der Angst, daß ich eines Tages auch sie mißhandeln werde. Hochwürdeiml Ich kann nicht weiterleben. Ich verspreche Ihnen hoch - und .heilig* daß ich niemals mehr einen Juden anrühron werde. Helfen Sie mir, beten Sie für mich, denn ich gehe zugrunde. Verwundert blicke ich auf den vor mir stehenden Athleten mit wildem Ausdruck, der gebrochen meiner Hilfe harrt. Im ersten Augenblick wußte ich nicht recht, was ich ihm antworten sollte. Br bekennt seine Gewissensbisse, er hat viele unschuldige Juden bloß aus Ruhmsucht mißhandelt, jetzt schlägt ihn dafür Gott. Nun kommt er zu mir* zum jüdischen Rabbiner, damit Ich für ihn bete, Gottes-Zorn von ihm a-bwende, denn er •wolle niemals mehr einen Juden mißhandeln. Ich über-, legte einen Augenblick uind sagte dann: »Sehen Sie, 25 . 25 S MÖBELFABRIK J. MANNE WIEN, VII., SCHOTTEN- FELDÖASSE NR. 24 Tel. 39-1-08 Tel. 39-1-08 LUXUS- UND STILMÖBEL IN GRÖSSTER AUSWAHL* Gebogene SESSEL MONTIERT UND DEMONTIERT ZU TIEFREDUZIERTEN PREISEN MESSESTAND: 6068-70 . 488 3 £3 3 ==/ 3 sa mein Freund, ich bein kein Wunderrabbi und bin nicht imstande, Ihnen Ihre Frau zurückz-uzaubern. Aber vielleicht haben Sie einmal von dem berümhten Rabbi von Keresztur gehört, dann empfehle ich Ihnen, diesen aufzusuohen, vielleicht kann er Ihnen helfen.« -Der Mann entschuldigte sich und verließ -gesenkten Hauptes meine Kanzlei. ' An einem der düsteren Tage'klopft ein nett gekleidetes junges Weib an der Tür des Reb Jeschah von Keresztur. Die Tür öffnet sich und das junge Weib tritt ein. Die im Hofe versammelten Ohassidim werfen der jungen Frau neugierige Blicke nach, jeder möchte gerne wissen, was das schöne* junge Weib wohl beim Rebben zu suchen habe. Man horcht hinter der Tür, versteht jedoch' nichts,’ denn das Weib spricht sehr leise. Nach wenigen Minuten kommt die Frau mit verweinten Augen aus dem Zimmer und verläßt mit furchtsamen Schritten das Haus des Robben. Der Volksmund sagt, seitdem die Engel nicht mehr auf der Erde wandeln, geschehen keime Wunder. Das stimmt nicht. Jawohl, es geschehen Wunder, sogar in Keresztur, und * zwar -bei Reb Jescihaie. Mein von Gewissensbissen geplagter, Juden mißhandelnder Gast folgte meinem Rate, und fuhr nach Keresztur zum Rabbi. Er erzählte ihm alles, was er mir bereits auseinändergesebzt hatte. Der Rabbi fragt ihn zunächst, ob »der Herr PoÜzeikonzipist aus Ujhely -komme?« Der Polizeibeamt£ blickt verwundert auf den gelehrtem Rabbi, der sogar schon weiß, wer er sei. (Natürlich war das junge, hübsche- Weib, das vor Ihm beim Rabbi wär, seine. Frau, die es gleichfalls bereut hatte, ihren Mann verlassen zu haben, und m-ur nicht wagte, zu ihm zu-rückzu-gehen, und fürchtete, daß er sie nicht mehp aufnehmen werde. Sie klagte ihr Leid einem Juden, der iihr den Rat gab, nach Keresztur zu gehen, der Rabbi werde sie mit ihrem Gatten versöhnen, und der Zufall wollte es, daß sie am selben Tage vor dem Rabbi erschien, an dem ihr Gatte hingekommen war.) Der Polizeikonziipist war nun heilig überzeugt davon, daß er vor einem Wundertäter stehe, widerhoJte. seine Bitte und flehte den Rabbi kniefällig um seine Hilfe an. Der Rebbi beruhigte ihn und versprach ihm die ersehnte Hilfe. Der Rabbi ließ den Gabbe (Sekretär) kommen und gab ihm einen Auftrag. Den Pl-izeiknziipi-sten hieß er ein wenig warten. Der Ra-bbi setzte se-iin Gebet fort und der Polizeikonzipist wartete. Wenige Minuten später sieht bereits der Polizeibeamte durch das Fenster seine Frau , nahen. In. seiner ' unbändigen Freude fällt der Polizeikonzipist dem Rabbi um den Hals, überhäuft ihn mit Küssen, eilt dann seinem Weibe entgegen und führt sie dem Rabbi vor. Der Rabbi versöhnte sie miteinander und ließ vorerst den Polizeibeamten geflohen, unschuldigen Menschen nie mehr ein Leid zu tun. . Vor einigen Tagen gehe ich auf der Straße und begegne dem Polizeikonzipisten, der, als er meiner ansichtig wurde, stehen blieb und mich mit Dankesworten überschüttete für den guten Rat, den ich ihm. erteilte, indem ich ihn zum Wuhderrabbi schickte, der ihm tatsächlich geholfen habe. < Entdeckungen* Die Schriftleiter der »Deutschest erreichischen Tgeszeitung«-sind in schwere Bedrängnis geraten: Sie haben, wie sie schreiben, Anka,ß zum Nachdenken gefunden! Man begreift sofort, daß etwas ganz Außerordentliches ^vorgefallen sein muß, wenn die Herren sich zu so ungewohnter Tätigkeit gezwungen fühlen. Undes ist wirklich keine Kleinigkeit! Man denke nur: Es hat sich herau-sgestellt, daß der Entdecker Amerikas, Christoph Kolumbus, ein Jude gewesen ist, und “nicht «nur er, sondern auch die Gefährten seiner kühnen Fahrt! ‘ Alle diese 'Männer, die Chamberlain als' typische Träger arischer Langschädel anführt, im denen ein stets nach vorwärts treibendes Gehirn u-nruhig hämmert, entpu-ppen sich ip'lötzjich als ganz inferiore Besitzer von Rundschädeln, deren Inhalt mehr auf dem trägen Lebensgenuß' prädestiniert ist '(siehe die Grundlagen des 19. Jahrhunderts!), so daß man sich darüber den Kopf zerbrechen muß, was diese Juden zu der immerhin beschwerlichen und einigerinaßem riskanten Reise veranlaßt hat, zumal vier Jahrhunderte nach der Entdeckung Amerikas deutsche Jünglinge die nicht weniger epochemachende Entdeckung gemacht hätten, daß die Juden so feige sind, daß man ihnen die Ehre absprechen muß, und ihnen keime Satisfaktion geben kaum. Eine “Fahrt ins Ungewisse auf geftcchlicheji Holzschiffen über den noch unerforschten Ozea«n, von dem man damals nur wußte, daß er, keine Balken hat, dürfte aber manchem noch als eine größere Heldentat erscheinen, als eine -noch so schneidige Mensur. Zum Glück haben die großdeutschett Schriftleiter sich nicht vergeblich der ungewohnten Tätigkeit des Nachdenkens hingegeben. Sie -sind darauf* gekommen, daß es wohl nur Goldhunger gewesen! sdn kaum, was den Kolumbus und seine Schar zu den kühnen Fahrten bewogen hat. Die Normanenfahrten* auf denen zum Teil Chamberjains und ähnliches Gelehrter G.ermanentheorie basiert, waren wohl nur Vergnügu«ng>3- und Forschungsreisen! Aber mögsp die Motive der Judenfahrt welche immer gewesen sein, viel interessanter erscheinen uns die Wirkungen, Wenn mäm'lich die ersten Weißen, die von amerikanischem Boden Besitz ergriffen haben, Juden gewesen -sind* dann ist alles, was der treffliche Mr. F 0 r d über das Para* sitentum der amerikanischen Juden in Wort und Schrift verkündet hat, auf die arischen Eimwanderej; z-u beziehen, und die Juden figurieren in Amerika, al-a das eigentlich^ Wirtsvolk. Welche Ausblicke öffnen sich da! Wenn sich .nur Ae antisemitischen Schriftleiter beim Nachdenken nicht am Ende Ko -pfw.e h' eim* wirtschaften. Die Barmherzigen Brüder in Not Der soeben erschienene Jahresbericht des ärztlich und menschlich seit drei Jahrhunderten wirkenden Ordens der Barmherzigen Brüder enthält neben wahrhaft erhebenden Beispielen wahrer Nächstenliebe und Aufopferung für die Kranken ohne Unterschied der Konfession und Nationalität auch die höchst beschämende Kunde von der Notlage der wackeren Samariter. Von den im fahr« 1921 verpflegten 1822 Kranken wurden 1542 geheilt oder gebessert entlassen, 192 sind gestorben, 86 verblieben bei Jahresschluß in der Anstalt. Der Konfession nach waren 224 J u d e n, 1486 Christen aller Bekenntnisse, 6 Konfessionslose und 5 Mohammedaner. Es waren fast alle Staaten der Erde im Krankenstände vertreten, auch afrikanische. Ambulatorisch wurden ira Berichtsjahre 26.786 Kranke behandelt - Diese Ziffern machen eindringlich genug das segens« reiche Wirken der Ordensbrüder anschaulich, die in ihren Zellen froren, um die Krankenzimmer beheizen zu können und nebst angestrengter ärztlicher Tätigkeit auch die Sammeltätigkeit nicht vernachlässigen durften und trotzdem noch immer nicht die Sicherheit der Weiterführung des Spitals für die nächsten Wochen erreicht haben! Dieser Zustand muß allen Besitzenden ans Herz greifen und wir betonen, daß es kaum eine unterstützungswürdigere und dank ihrer zentralen Wirkungsstätte in der Leopoldstadt unentbehrlichere Institution geben kann als das Spital der Barmherzigen Brüder in der Taborstraße. Die Wiener Frühjahrsmesse. Hinausschiebung der Ladensperre. Das Gremium der Wiener Kaufmannschaft teilt mlL daß die Ladensperre im gesamten Detailhandel mit Ausnahme des Lebensmittelhandels während der Messe üben? Anordnung des Magistrats um eine Stunde hinausgeschoben wurde. Der Ladenschluß erfolgt daher In allen Detailgeschäften, welche keine Lebensmittel führen, um 7 Uhr und in den Lebensmittelgeschäften um 8 Uhr abends. Messebesuchern sei wärmstens empfohlen, die Verkauf s ao^ Stellung der Arbeitsschule des Vereins Soziale Hilfsgemeinschaft Anitta Müller, IX., Berggasse 7, Mezzanin, aufzusuchen. Die Ausstellung umfaßt nur Arbeiten der Schule. Weißstickereien: Milieus, Teedecken, Läufer, Deckchen, Petit- Point-Arbeiten: Tassen, Blocks, Bon* bonniären. Pölster in Brokat, Decken id GoldundSilber. Filet-Arbeiten. Jeder Einkauf fördert den Fort« bestand der Schule, die vielen Hunderten armer Frauen und Mädchen, Kriegswitwen und -waisen eine dauernde Verdienstmöglichkeii. bie'tet. _ Ein antisemitisches Blatt verurteilt. Aus Budapest wird uns berichtet: Im März 1920 ver*1 öffentlichte das Szegediner antisemitische Blatt „Szeged! Uj Nemzedek“ einen verleumderischen Angriff auf den Präsidenten der Szegediner Kultusgemeinde Doktor Samuel B i e d I. In diesem Artikel wurde behauptet, der Kultuspräsident habe zur Zeit der Besetzung der Stadt durch die Serben in der Stadt die Nachricht verbreitet, daß die Sterben ddn Stadtteil Neu-Szegedin endgültig behalten werden. Dr. B i e d l habe, so wurde besonders hervorgehoben, mit der Verbreitung' dieser Kunde den Zweck verfolgt, daß die Christen ihr dortiges Hab und Gut verschleudern und auswandern, damit alles von den" luden aufgekauft werden könne. Diese Beschuldigungen brachten den Kultuspräsidenten persönlich sowie die Szegediner Juden im allgemeinen in die größte Gefahr, da Ae Bevölkerung durch diese schwere Anschuldigung gegen' nie Juden aufgereizt wurde. Doktor Biedl klagte den Verfasser des Artikels Johann Z s i r k a y wegen, Vergehens der Verleumdung. Die Angelegenheit wurde zwei Jahre lang hingezogen, bis schließlich der Strafprozeß am 13. d. M. vor Üem Szegediner Gerichtshof zur Verhandlung gelangte. Der Angeklagte gab zu seiner Entschuldigung an, er habe diesen Artikel auf Grund der Informationen einer „verläßlichen Persönlichkeit*1 veröffentlicht, die er jedoch nicht preisgeben könne. Der Gerichtshof verurteilte den Angeklagten wegen Vergehens der Verleumdung zu K 5000 Geldstrafe, da sicdi die Unwahrheit der in dem Artikel enthaltenen Beschuldigung gegen den Präsidenten der Kultusgemeinde herausgestellt hatte. Der Angeklagte meldete die Berufung an. HERREN-STOFFE 140 cm breit per Meter 3450 K «MjßJTEßVSL, 51164^0 IWEIHBURGGAWE-IO-ia 1. AD LE. 83

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.