Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1126 (18.3.1922)
- Date
- 1922-03-18
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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EiHiMnonM» K SO Wien: Zum Abholcn ift der Expedition, Il./faborstr. 1—3, oder >n einer Verschleißstelle (Trafik) monatlich K 1200. rener MitPöstversaml fürWien und Oesterreich monatlich K1200. Tschecho-Slowalcei:Mou. Kronen 20. Ungarn: Monatl. Kronen 120. Jugoslawien.' Monatl. Dinare 18. Polen: Monatl. Mark 600. Deutschland: Monatlich Mark 30. Frank rei ch: Monatl. Frcs. 6. m. 1126 4- Wien, Samstag, 18. März 1922 iS£ft. K 1 Italien: Monatlich Lire & |yi.v Rumänien: Monatl. Lei 40, |i Schweiz und das übrigei V , Ausland monatlich Francs 3i % Redaktion u. Administration Wien II., Taborstrasse 1—3, Telephone:' 44-0-38, 43-3-1^ ab 6 Uhr abends 17-9-33. Telegrammadresse: „Morgenzeitung“, Wien. i Oesterrerchisches Postsparkassenkonto 150.693,’ 4. Jahrgang Zwischen den Krisen. —y. Wien, 18. März. Die Washingtoner Meldung über einen amerikanischen Kredit von 501 Millionen Dollar an Oesterreich, die vorgestern vom Wolff-Bureau mitgeteilt worden war, ist bis zur Stunde noch nicht bestätigt worden. Es liegt dem amerikanischen Senat eine Reihe von Resolutionen vor, die sich mit Oesterreich beschäftigen. Eine dieser Entschließungen betrifft die Stundung des Mehlkredits von 48 * Millionen Dollar für 26 Jahre, ejne zweite soll die Einwilligung Amerikas zu der von Frankreich und England vorgeschlagenen Suspendierung der Generalhypothek aussprechen. Diese Resolution, die der Mellon-Bill angefügt ist, soll inzwischen vom Senat angenommen worden sein. Wenigstens wird dies von privater Seite berichtet. Da die Beschlüsse des Senats noch den Kongreß — das, Repräsentantenhaus -7zu passieren haben und dann der Sanktion durch den Präsidenten bedürfen, muß sich die österreichische Bevölkerung auf eine ziemlich lange Wartefrist einrichten, ehe die Realisierung dieser Hilfe erfolgen kann. Freilich ist der moralische Wert dieser Ankündigungen sehr hoch. Es muß festgehalten werden, daß die Bemühungen der österreichischen Regierung doch so weit Erfolg brachten, daß sie der Entente ihre Pflicht ins Gedächtnis riefen, endlich einmal den Friedensvertrag auch dort in Kraft zu setzen, wo er für Oesterreich spricht. Bisher hat Oesterreich nur die Bestimmungen in Aktivität gesehen, die * seine Leistungen betreffen. Es muß Reparationen bezahlen, obzwar es nach der Bildung der Sukzessionsstaaten allein mit den Lasten der gewesenen Monarchie belegt worden ist. Die Kriegsschäden, die die Monarchie angerichtet hat, sind unmöglich national zu scheiden. Die Auffassung der Siegermächte, daß Oesterreich der Rechtsnachfolger der zusammengebr.ochehen Monarchie sei, hat die heutige Situation verschuldet und die Entente, die mit den Hilfegesuqhen Oesterreichs sich zu beschäftigen gezwungen ist, erntet damit die Früchte ihrer Politik, Es widerspricht -4i^rArfflimen^tioq'ii^Sieger'4ui;<?h4j;,M^;die. Entente den riichtdeutschen SükzesslöhstaateiffIhlßilfeiungssteuef vorgeschrieben hat und sie gleichzeitig an den von Oesterreich zu leistenden Reparationen partizipieren lassen will, Denn die Sukzessionsstaaten sind ja. nicht aus der Herrschaft des heutigen Oesterreich erlöst Worden, das seine Unabhängigkeit. zur gleichen Zeit wie* seine Schicksalsgenossen proklamierte und sich von der Monarchie loslöste. ' Die Bereitwilligkeit der Entente, nunmehr nach der Vertrödelung von fast zwei Jahren an die Einlösung ihrer Zusagen zu schreiten, kommt in einem für Oesterreich außerordentlich kritischen Augenblick. Die Staatswirtschaft ist durch die inneren Schwierigkeiten, durch die ungünstige Handelsbilanz an der Entwicklung gehemmt und leidet außerdem unter den deutschen Anstrengungen, mit Hilfe der tiefstehenden Krone Edelvaluta für ihre Zahlungspflichten zu erwerben. Die Durchsetzung der wirtschaftlichen Fragen mit parteipolitischen Schlagworteh hat in die Öeffentlichkeit Verwirrung getragen und aus der Oede des Gezänkes körntet kein einziger brauchbarer Gedanke. Alle ‘ Parteien kurieren an dem Staat herum, der nur Ruhe im Innern und freien Verkehr mit der Außenwelt braucht. Die Entente sieht Oesterreich als ein Problem für sich an und hat bis heute nicht zu erkennen gegeben, daß es nicht aus dem Zusammenhang mit Europa zu lösen ist. Aber die österreichische Parteipolitik macht denselben Fehler un'd man orientiert sich hier für oder wider irgendeineMächtegruppe. Oesterreich muß eine klare und ajigemeinversländliche Politik betreibet, die nur die.Förderung seiner Wirtschaftsfreiheit irh Auge hat. Jede Stellungnahme in dem Kampf der Großstaaten ist ihm verwehrt und eine Demonstration, wie sie in den, letzten Tagen von den Großdeutschen, versucht wurde, muß verderblich wirken. Der unsinnige Streit um die Person des Kanzlers hat die denkbar bündigste Beurteilung im Ausland gefunden. Auf dem zentralen Devisenmarkt in Zürich ist die österreichische Krone so gesuhken, daß sie mit freiem Auge kaum mehr zu bemerken. ist Die äußere Politik des Kabinetts, das nun wieder eine Krise überstanden hat, bemüht sich, den Forderungen der Lage Oesterreichs Genüge zu tun. Aber sie wird durch die innere Politik nur in sehr unzureichendem Maße gestützt. . Die Parteien tun so, als wäre Oesterreich nur die Umgebung des Nationalrats und vielleicht auch noch des Verwaltungsgerichtshofes. Ueber die Optionsskandale des Ministers Waber zum Beispiel ist von der Parlamentstribüne bisher noch gar nicht gesprochen worden, obzwar es ein öffentliches Geheimnis ist, daß die Behandlung dieser Angelegenheit Oesterreichs Ansehen genau so geschädigt hat wie eine verlorene Schlacht. Wie einer lästigen Krankheit geht die politische Oeffentlichkeit der Erörterung dieser Vertragsverletzung aus dem Wege und dieses Totschweigen erschüttert das Rechtsempfinden so weit. Das Ergebnis der Konferenz der baltischen Staaten. Paris, 17. März. (Funkspruch.) Die Konferenz der baltischen Staaten hat ihre Arbeiten beendigt. Bezüglich der folgenden grundlegenden Fragen ist ein Einvernehmen erzielt worden: 1. Konf likte zwischen den beteiligten Staaten sind durch ein Schiedsgericht zu entscheiden. 2. Die gegenwärtigen Grenzen werden gemäß den bestehenden Verträgen aufrechterhalten. 3. Die beteiligten Mächte verpflichten sich, k einerlei Verträge zu schließen, die gegen e i i\e odermehrerevonibnen-gerichtet sind. 4. Die Zoll-, Handels-, Post- und Eisenbahnangelegenhelten werden so bald als möglich nach Abschluß der Konferenz von Genua erledigt werden, deren Entscheidungen die Grundlage der diesbezüglichen Abkommen bilden werden. 5. D i e beteiligten Staaten einigen sich auf ein gemeinsames Vorgehen zur Verhinderung jeder Diskussion über die mit Rußland geschlossenen Verträge und bezüglich! h rer Stellungnahme gegenüber den Projekten für den wirtschaftlichen Wiederaufbau dieses Landes. Warschau, 17. März. (Tel.-Komp.) Außenminister Ski rmunt Veranstaltete-zu Ehren der Delegierten der baltischen Staaten ein Diner, auf dem er im Trinkspruch die Gemeinsamkeit der Interessen Polens und der baltischen Staaten betonte: „Wir fahren nach Genua", sagte der Außenminister, v „wo wir gemeinsam an der Wiederherstellung des wirtschaftlichen Gleichgewichts und am Wiederaufbau Europas arbeiten wollen. Wirmüssen dort so auftreten, daß jedem einzelnen, unserer Staatsbürger die Verteidigung seiner Lebensinteressen erleichtert werde.“ . ,y, ' ’.'Militärdiktatur in FiÜftie. Laibach, 17. März. Nach "heute eingetroffenen authentischen Nachrichten hat Leutnant Cabruna . im Verein mit den Faszisten und einem Anhänger d’Annunzios die Militärdiktatur in Fiume ausgerufen. Die Kontrolle Über die Fremden ist sehr streng und die Bewohner der Stadt ^dürfen ihren Wohnsitz nicht verlassen. Cabruna beabsichtigt, die Mitglieder der früheren Konstituante zu zwingen, eine neuerliche Sitzung einzuberufen, in der die neue Re* gierung gewählt werden soll. Die Wilnaer Frage. Wilna, iz. Mauz. (Tel. der »Wtifener Morgen* zeitong«.) Die linken Mitgliiiedter der W i 1 «na e tf Delegation varöffentliehen eine Erklärung, in_ den sie ihre Stelkwig fbiazügHch der U.mtieirfertiigrumg die«’ . Inlkonpori.eiruffigsaktes kfliadiegein. Sie Ibeitonetn*, dlaflf ,sie diesen Afol tinitietrschrie'bm1 faaibemy tum diia ' Witaer Angelegenheit sio rataeih afls mögfch ohne 7 Stönmgem •vom atußen su> lösietiu Die Stelüiumig den rediitiein Pamteien halbe mar diieste Lösung v-etrizögerö.1 Der Aufruf matchlt für dffe Verachileipipiuing dfefi Wiilmaer Frage die fißtt iomailidemak rartiscihtan Miäw glied'ar veran-t worthich. Auf dem letztem SemiictrenK kontent halbem die Hulken Pamtieiem dlite sofomtiig« Eimberutfumg d»s.; Sejmiplenaumts verüatnigt. Ilhir Atitrag wiandle vom dem NaititoiniaiMteflTitofcnait>esni (Utrud! die« VtoiBos-ratem sfbgelielhinft. ' Die Befreiungsbons der Nachfolgestaaten. Paris, 17. Mära. (Havas.) Heute wird deck! Wortlaut des auf die Durchführung des Abkommen^ vom 8. September 1919 bezüglichen Annexes der Pariser Vereinbarung vom n. März d. J. 'veröffentlicht. Darnach werden neu© Maßnahmen, getroffen* Zur. Ersetzung .der Befreiungsbomis, die bestimmt sind, den Verpflichtungen Italiens, Jugoslawiens und Rumäniens auf Grund der Kriegsahs- gaben zur Befreiung der betreffenden' Gebiete de«, früherem •' 5stterr«kih»%h-tmig.aiwsidbetn. Momarchie Ge-i nüge zu leisten. Diese Abmachung präjudiziert in nichts der Verteilung der Summen, die von Oester« reiclv U-ngAnh und Rumänien aus dem ’f.itel de#,;- ", R e p a r ä t-i^o me h - gezahlt '-werden wür4eiu*^Ä^e^^ W. Die Konferenz der Neutralen." Paris, 17. März. (Funkspruch) Wie „Petit Parteien* erfahrt, wird die Beratung der neutralen Staaten, die sich mit den verschiedenen auf der Tagesordnung der Konferenz von Genua stehenden Fragen befassen soll, Samstag den 18. d. M. in Stockholm eröSnet werden. An dieser Beratung werden Dänemark, Schweden, Norwegen, Spanietr und die Schweiz teilnehmen. \ daß niemand sich über die Beschränkung der Freizügigkeit und der Freiheit des Individuums weiter aufregt. Noch immer gibt es, — zur Zeit der Messe!— Razzien in Kaffeehäusern, bei denen diensteifrige Kriminalbeamte 100 Lire und 2 Dollar stellig machen. Wo ist die gesetzliche Grundlage für solche Vorgänge? Das geschieht in einer Großstadt, die unablässig das Ausland auf ihre Not aufmerksam macht' und die ein Zentralpunkt für den europäischen Handel sein will. Alle Parteien, alle Volksschichten scheinen in Wien und in Oesterreich nur darüber nachzusinnen, wie sie einander das Leben am gründlichsten verekeln können. Und wenn sie gar nichts anderes finden, dann * haben sie doch die Juden als letzten Blitzableiter.' Hochschule und Studientaxen. . , F. Wien, 18. März. Die österreichische Finanzverwaltung hat sich veranlaßt gesehen, im Rahmen ihres gesamten Reformprogramms auch di« Schulgelder um das Mehrfache der bisherigen Beträge zu erhöhen. Der Maßregel an sich ist die Berechtigung keineswegs abzusprechen und es ist ein durchaus richtiger Grundsatz, daß auch die Erhöhung der Schulgelder, Prüfungstaxen und Lehrmittelbeiträge in einer Weise erfolge, die mit der allgemeinen Entwertung der Kaufkraft des österreichischen Geldes in Einklang steht. Zu berücksichtigen ist dabei allerdings, daß bei der Durchführung dieser Maßnahmen, welche namentlich durch eine weitgehende Differenzierung zwischen den von Inländern und den von Ausländern zu zahlenden Taxen gekennzeichnet sind, alle Härten unterbleiben und namentlich solche, welche diesen Maßnahmen das Stigma des Fremdenhasses aufzüdrücken geeignet wären. Der Rückgang der Frequenz an den österreichischen Mittelschulen ist keineswegs eine erfreuliche Erscheinung und es wäre überaus •bedauerlich, wenn die Durchführung der Schultaxen in einer Weise erfolgte, durch welche begabten und würdigen Kindern mittelloser Ausländer, die In Oesterreich ihren Wohnsitz haben, die Fortsetzung Ihrer Studien unmöglich gemacht würde. I ln der Tat sieht die neue Verordnung die Möglichkeit weitgehender Berücksichtigung in diesem Sinne vor und es muß Sache der Praxis sein, dem Sinne dieser Verfügung Genüge zu leisten. Mit besonderer Härte trifft die Erhöhung der Studientäxen die Hochschule. Schon im vorigen Jahre sind die Inskriptionsgelder für Inländer auf das Dreifache und für Ausländer auf das Zehnfache erhöht worden. \ Durch die neueste Verordnung werden Nunmehr die bisher geltenden Taxen auf das' Sechsfache erhöht, wodurch namentlich für Studierende aus Ländernmit niedriger Valuta die Fortsetzung ihrer Studien in Frage gestellt wird. Die Notlage der Wiener Universität ist ein allzu bekanntes Kapitel,. als daß es notwendig erschiene,., hierüber weitere Worte zu verlieren. Das Ausland hat verschiedene Anstrengungen unternommen und auch im Inlande hat sich ein hauptsächlich von Juden geschaffenes und von diesen finanziertes Komitee mit Erfolg bemüht,. dem Verfall der Wiener Hochschule zu steuern. Nichtsdestoweniger darf die Frage der Wiener Universität nicht lediglich aus fiskalischen Gesichtspunkten betrachtet werden. Der Geist der Unduldsamkeit und des Rassendünkels, der sich seit einiger Zeit an der auf ihre Tradition so stolzen Wiener Universität breitzumachen sucht, bildet ohnedies eine stärkere Bedrohung für die Erhaltung des früheren Niveaus dieser berühmten Forschungsstätte als die nackte Not selbst. So wie Oesterreich seine Lebensfähigkeit durch den Umstand begründen muß, daß die geographische Lage seiner Haupstadt, seine Geschichte und Tradition es zu einem natürlichen Mittler zwischen West und Ost macht, so muß auch die Wiener Hochschule als ein Aktivposten angesehen werden, dem in der Erhaltung der Funktionen dieses Staates keineswegs die letzte Rolle zufällt. Es kann nicht angehen, sich bei allen Gelegenheiten auf die Bedeutung Wiens als Kulturträger und Vermittler zw berufen und die Wiener Hochschulen unter das einseitige Diktat der Finanzbehörde zu stellen. Die gewaltige Spannung zwischen den für Inländer und Ausländer vorgeschriebenen Taxen verliert ihre Berechtigung, wenn sie nicht sinngemäß «»gewendet wird und wenn bei ihrer Handhabung nicht Unter-! schiede zwischen der Zahlkraft der einzelnen Valuten 1 ü ■ X ii . r i ./; id