Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1922-03-17 · Heft 1125 (17.3.1922) · p. Seite 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1125 (17.3.1922)
Date
1922-03-17
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/2979076-2980129-2980205--10565-2996928
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Nr.! 125 Wien, Freitag £00. — Klagenlurt: Erich Rind ti. Emil AUstädter 1000. * Alle Freunde des Jüdischen Nationalfonds werden darauf aufmerksam gemacht, daß die A g u d a h für .ihre Zwecke Sammlungen mit Hilfe von Büchsen veranstalten läßt, die äußerlich ganz das Aussehen unserer eigenen Büchsen haben, mit dem Unterschied, daß in dem oberen runden Felde sowie dem unteren mehr rechteckigen kein tf Aufschriften vorhanden sind. Die Sammler antworten auf die Frage, für welchen Zw)ck die Sammlung bestimmt sei: «Für den Keren“, * * Unsere Büchsen tragen im runden Felde oberhalb des Mögen Dawid die Buchstaben ,s. N. F.“ und unterhalb desselben (im rechteckigen weißen Felde) die hebräische Aufschrift: .»^eren Kajemeth l'lsrael". (Es wäre wohl ein Gebot der primitivsten Anständigkeit gewesen, Verwechslungen zu vermeiden. Die Agudah scheint es nach dieser Mitteilung gerade auf solche abgesehen zu haben.) •_ Vereine, Vorträge und Versammlungen. 'Die zionistische Frauenorganisation Oesterreichs teilt mit, daß ihre dieswöchentliche Zusammenkunft im Cafe Landmann entfällt. — Zionistische Ortsgruppe Mödling, Enzersdorlerstraße 6. Morgen, 7,9 Uhr, im Sitzungssaale der Kultusgemeinde, Vortrag Radler-Feldmann, Mitglied der Waad Leumi (lerusalem). Gäste herzlich willkommen. — Bukowinaer Zentral verband. Sonntag, 10 Uhr vormittags im Cafiü Silier, L, Franz-Josefskai, rechter Saal, Verbandsdiskussion und Messevortrag. Daselbst Neuaufnahmen. — Verein jüdischer Hörer an der Hochschule für Bodenkultur. Bibliothekstunden: Morgen, tlJ2 bis 3 Uhr, Sprechstunden: morgen, 7,3 bis 3 Uhr. Gesuche wegen Erteilung von Inskriptionsgeldern sind bis 1. ApJ I einzureichen. — Advokatenrunde. Heute, 7,7 Uhr abends, Wiener Künstlercafö : Versammlung. Tagesordnung: 1. Die KammerwahJen, 2, Vereinsangelegenheiten. . Volksbildung im Technischen Museum. Morgen, 3 Uhr nachmittags, Führung ing. F. Scdlacek „Elekirochemie“. — Sonntag, 10 Uhr vormittags, im großen Hörsaal Lichtbildervortrag „Die wissenschaftliche Chemie in Ihrer technischen Auswirkung“ von Prof. E. Abel. Urania, Heute, 5 Uhr (Großer Saat): Indien. — *A6 Uhr (Kleiner Saal) Hochschuldozent Dr. Alfred Till: Vom Werdegang der Erde und des Lebens. X. — 7,6 Uhr (Kurssaal) August Trojan: Die Abhängigkeit des Traumes vom Schlafe. II.— '/j.6 Uhr (Klubsaal) Univ. Lektor Dozent Marius Fab er: Praktischer Uebungskurs in Sorech- und VortragskuriSt. — '/,8 Uhr (Großer Saal): Der Kampf mit dem Berge. L In Sturm und Eis. — y88 Uhr (Kleiner Saal) Univ. Professor Dr. Felix M. Exner: Atmosphärische Optik. IV. — 7,8 Uhr (Kurssaal) Hochschuldozent Dr. Alfred Till: Praktische Bodenkunde. X. — 7,8 Uhr (Klubsaal) Professor Richard Wickenhauser: Musik- und Harmonielehre. IV. Ernährung. Der Marktbericht. Die hohen Fleischpreise. -4 Absatzstockung ln Eiern. In den letzten Tagen sind die Ankünfte von Auswärtigem Fleisch stark zurückgegangen — gestern waren beispielsweise bloß zwei Waggons aus Ungarn angekommen — was ein weiteres Ansteigen der Preise zur Folge hat. So erhöhten sich in der Großmarkthalle neuerlich im Großhandel alle Fleischsorten und Fett, während Im Detailhandel die Pre'se so ziemlich unverändert blieben. Es verteuerten sich im Engrosvertcauf Rindsbraten um K 30, Kalbfleisch um K 50, Schweinefleisch um K 60, Fleischschweine und Bauchfilz um je K 50 per Kilogramm. Im Kleinverkauf ist auch bei Jungschweinernem eine Erhöhung um K 100 per Kilogramm eingetreten. Im Klelnverkauf galten in der üroßmarkthalie folgende Preise per Kilogramm: Rindfleisch K 850 bis 1700, Bratenfleisch K 1500 bis 1800, Kalbfleisch K 1300 bis 1800, Schweinefleisch K 1600 bis 2100, Speck und Filz K 1600 bis 2100. Mit Eiern sind die Märkte mehr als ausreichend versorgt, da der Absatz wegen der hohen Preise — gestern kostete ein Stück noch immer K 130 bis 140 — fast völlig ins Stocken geraten ist. ln Ungarn hat die Eierproduktion einen so hohen Stand erreicht, daß unter gewissen Bedingungen, die der Sicherstellung der Konsums für die einheimische Bevölkerung gelten, bedeutende Mengen exportiert werden können. Da augenblicklich in Ungarn Eier ung. K 6 bis 7 kosten, könnten diese Eier selbst mit Hinzurechnung der Exportgebühr, die mit K 1.50 festgesetzt ist, und der sonstigen Spesen unter K 100 per Stück hier abgegeben werden. Da auch größere Sendungen aus Polen erwartet werden und die inländische Produktion von Tag zu Tag steigt, darf man wohl mit einer Verbilligung der Eier rechnen. Die Versorgung mit Kartoffeln ist augenblicklich e. Gestern waren auf dem Naschmarkt drei Waggons »eher Herkunft angeboten, doch sind die Preise unverändert hoch, so daß der Absatz nur flau vor sich geht. Auch Grünwaren kommen in größeren Mengen auf den Markt, heute waren Spinat und Zwiebeln sowie Karfiol aus Italien besonders stark vertreten, doch beschränkt sich der Konsum uur aut den allerdringendsten Einkauf. 200-Kronen-Orangenpreis. Infolge Einschreitens des Kriegswucheramtes sind die Preise für Orangen sowohl auf den freien Umständen als auch in den Bezirksgeschäften trotz des steigenden Lirekurses in den letzten Tagen auf K 200 bis 250 reduziert worden. Bekanntlich wurden in der Vorwoche Preise bis zu K 600 per Stück gefordert, in weichen Fällen mit der Beschlagnahme der Waren und Anzeigen an das Gericht vorgegangen wurde. Der Preis von zirka K 200 per Orange entspricht ungefähr den bezüglichen Preisen dieser Ware im Neuaus- Vande. , Bühne und Kunst. Wiener Stadttheater* Zuim erste« Mal* »Er kann nicht befehlen.* Nämlich der Sohn und Erbe eine« Sch w erindiui'j.t'rwi ien Etr k-ernmt am Cuicim'aJtti ziutrüdk un*d soll! diie Zügel der Regierung in dii*e Haind nehmen, der zarte, feine, edile, vornehme, großherzige, einfach süße, jiuin.ge Mann, dei ratlos ist, weil er nicht »befehlen«^ kann. — Wie Cooag Martern!» dais Befehlen erüemt? Er nimmt WIENER MORCENZEmmq_17. März 1927 Seite S[ - Freie jüdische Volksbühne Gastspiel Im Luelepleltheater V,6Uhr.bendB:G0Ü, PlSINlll UNÜ76Ufe!k°M"L MT Das Tlteater Ist g e h e Ix 11 TW 4280 einen Streikbrecher, einen verfluchten Kerl von Proleden, M seine Dienste, läßt ilhn ak Georg Mertens i«>z väterliche Haus einziehan, wähnend et selbst den Diener des -tongen Herrn ipielt. Der. Prole’t benimmt sidh wie ein Ochs iim Pernzelürmladem, wie sich etwa H.aupsnicirunts Saiuifbnudor Jaiu (tn »Scbliudk und Jau«) im gräflichen Schlösse benimmt, nmir mfo dem Urvter»dbiod. daß ihm. keinen (IraiU'fkcniimit, ntiacO in der Famni'lie Onc!Mr.inig, verhanddtt emf tiligrcich mit Arbci’ticindieprjiati« «neen und soh.lichtt.et ailies zur v.c<M»sren Zufriedenheit seines Auftraggebers, der sidh schließ lieh praclhbroll ins Zeug legt unid dta«- Bcfahien erlannt. Wiir bitten ihn., Henrtn WiCftwltm Speyer nDchdtmakHiichst annfzua-agen., nie, nie wi<eid'or soihihe Stüclhe z»> sdhrcitben und liodh naicf irllrüciki’iiaher d»em 'Wiener Siaditnf.eat'*T, me, nie wieder solche Stüetkc aufzufühlen. Anuch wenn sie?o gnnt gespielt wenden wie diicse denlku ürdijge Komödie, für die der gesclunachvolle Spielleiter Dr. Stelzer cehr viel Gutes getan heit und in die-r die rnamin'Kcihein Hamiptiroililen ton Ha ms Kainz und He-Viriclh Fuchs vorttreff- 'ich dair^esfelüit werden. . Tücb'ig amcih dlje Damen Richter, Hermann-Storm und Herr A 1 th of f. — Zutu Staunen, wie vortrefflich dem Publikum diie Sache zusagile. Es spendete begeisiterton Beifall. _ A. Das Grabdenkmal für J. L. Perez. Eine Kundgebung des Bruders des Dichters. Bekanntlich hat sich ein Komitee gebildet, welches auf dem Grabe des jüdischen Dichters Perez in Warschau ein würdiges Denkmal errichten will. Das Komitee hat beschlossen, auf diesem Denkmal keine Inschrift In hebräischer Sprache anzubringen. Gegen diesen Beschluß wendet sich der Bruder des D I c h t e r s in einem Schreiben, das er dem Warschauer „Moment“ zur Veröffentlichung übersendet hat. In diesem bemerkenswerten Schreiben heißt es: „Ich erinnere daran, daß sich jizehak Leibusch Perez kurz vor seinem. Tode mit der Absicht getragen hat, seine sämtlichen jüdischen Schriften ins Hebräische zu übertragen. Sein Jüdisch ist durchdrungen vom Geiste der hebräischen Sprache. Ich erinnere an seine Aeußerungen Über einen begabten, jungen jüdischen Schriftsteller, der das Hebräische nicht beherrschte. Er sagte, jener talentierte Schriftsteller werde Schönes schaffen, aber niemals in die jüdische Seele dringen und jüdisches Wesen gestalten. Ich erinnere daran, daß mein Bruder auf der Cernowitzer Konferenz für jene ResoliUion, die zum Ausdrucke brachte, daß „jüdisch“ di e jüdriche Nationalsprache ist« nicht gestimmt hat.“ Eine Theaterausstellung in Wien, ln den Räumen der Staatstheaterverwaltung fand am 16. d. M. die konstituierende Sitzung des Komitees zur Abhaltung einer Theateraussteilung in Wien im Jahre 1922 statt. Der Präsident Vetter begrüßte die Erschienenen und fühte aus: Es sei an die Veranstaltung einer Ausstellung im Prunksaal der Nationalbibliothek gedacht, die noch im Frühsommer dieses |ahres stattfinden und den Titel „Komödie“ führen soll. In dankenswerter Welse haben öffentliche und private Sammlungen, vor allem die Albertina und Hofrat Hugo Thimig, ihre Mitwirkung bereits erklärt. Hierauf gab der Direktor der Nationalbibliothek Hofrat Dr. Donabaum einen Ueberblick über die umfassenden, sachgemäßen Vorarbeiten, die für das Unternehmen geleistet worden sind. Er verwies auf die erfolgreiche Tlveaterexposition' des Jahres 1920 — gelegentlich der Meisteraufführungen — die zur Gründung einer eigenen Theatersammlung an der Nationalbibliothek geführt hat. Zum ersten Male wird der Versuch gemacht werden, das eigene Material durch solches fremder Aussteller zu ergänzen, so daß ein volles Bild süddeutscher Theaterkunst erreicht wird. Die großen österreichischen Museen, die Klöster, die Dokumente der ältesten religiösen Komödie bewahren, die großen süddeutschen Bibliotheken und einzelne ausgewählte Theater selbst wurden eingeladen, sich an der Ausstellung durch Zusendung von Material zu beteiligen, Der Vorstand der Theatersammlung an der Nationalbibl’othek, Dr. Gregor, entwarf sodann ein genaues Bild der eigenartigen Exposition. Getreu dem modernen Grundsatz, durch die Anschauung zu wirken, wird das Material an Handschriften und Drucken stets durch Bildmaterial der Theater und der komischen Figuren durchbrochen sein. Die Ausstellung wird bestrebt sein, jede wesensverwandte Gruppe, nach ihren Landschaften und Literaturen getrennt, in Kollektionen zu zeigen, Spanien, Frankreich, ja sogar Dänemark und Schweden, In der hierauf abgeführten Debatte gaben Hofrat G I o s s y und Professor Brecht weitere Anregungen zur Ergänzung des Programms; auch betonten die Hofräte Ambros und Direktor Trenkwald das große Interesse, das der neue in Gründung begriffene Verein für Theatergeschichte an der geplanten Exposition nehmen würde. Ueber Antrag des Professors Brecht wurde Staatstheaterpräsident Dr. Vetter zum Obmann, Direktor der , Nationalbibliothek Hofrat Dr. Donabaum zum Obmannstellvertreter und Dr. Jose! Gregor«.:um Leiter der Ausstellung gewählt. Unter einheitlicher Zustimmung zum vorgelegten Programm, das das Unternehmen als für unsere Stadt besonders anziehend und geeignet mache, wurde dieses zum Beschluß erhoben und der Wunsch ausgesprochen, seine Verwirklichung zu dem angegebenen Zeituunkt durchzuführeo. Aus den Theatern. Im Burgtheater geht morgen „Th e a t e r“ fi) Szene. Im Operntheater wird morgen „Feuers) not“ und sodann zura ersten Male „Josephs) Legende“ gegeben. In der V o 1 k s o p e r gelangt morgen nach längere! Pause „Die A f r i k a n e r i n“, mit Fräulein Rantzau in der Titelrolle, zur Aufführung. Als Nelusco gastier! Herr Kammersänger Robert Burg von der Staatsoper in Dresden, den Väsco singt Herr R i 11 e r s h'e i m. Die Ines .singt zum ersten Male Fräulein Huber. Dirigeni Herr de Stermich. Beginn 7,1 Uhr. Im Deutschen Volkstheater morgen „Mama“ zur Wiederholung. gelang^ Im Raimund-Theater geht morgen nach) mittags „Des Meeres und der Liebe Wellen“; abends „B o c k s g e s a n g" in Szene. Im Johann-Strauß-Theater wird att«i abendlich 7 Uhr „Das Sonntagskind, Sonntag; 3 Uhr nachmittags, „Die Fledermaus“ gespielt Im Wiener Stadttheater geht morgeft «Die Kindsfrau“, mit Hansi N i e s e, in Szene. Es werden folgende Neuheiten zur Aufführung vorbereitet* „Adam im Frack“, Komödie in drei Akten voii lohann Paul Schönthan und Rolf. Brandt, „Mahn) blum e“, Komödie in drei Akten von Bus-FeketeJ „D. e r G r i f t ins Räderwerk“, Schauspiel in drei Akten von einem bekannten Wiener Schriftsteller, der vor) läufig nicht' genannt sein will, „Die g r o-ßeL a n d) straß e“, sieben Stationen von August Strindberg. Im L u s t s p i e 11 h e a t e r muß wegen technische^ Schwierigkeiten die Vorstellung „Die Juden“ ver4 schoben werden. Es gelangen heute „Gott, Mensen und Teufel“ und morgen „Der Singer f i asein t r a u e r“ zur Aufführung. Die künstlerischen Veranstaltungen der Kriegs» onferwoche, die mit der Festvorstellung im Burgtheateäj . (Premiere des «... Schiff Tenacity“ von Charles Vildrupj eingeleitet wurden, bringen folgende Reihe: Mittwoch dem 22. d. M. Deutsches Volkstheater: > Festvorstellun® „Opferung“ von Hans Kalteneker. Donnerstag den 23. d. E Staatsoper: Festvorstellung Die König'n von Saba“, ersteh Akt (Dirigent Dir. Franz Schalk). „Die (osephslegendei (Dirigent Dir. Dr. Strauß). Freitag den 24. d. M. in sämt) ifchen Sälen des Konzerthauses um 10 Uhr abends: Wienert Fest. Samstag den 25. d. M. Redoutensaal: Festvorsteiluna der Staatsoper „Der Bariver von Sevilla“. Sonntag den 26. d. M. Akademie der Wissenschaften: Empfang und musikalische Darbietungen. Gerichtssaal* Kommunistische Anschauungen über die Ehe als Ehebruchsbeweis, j Der Kommunistenführer Dr. Paul Friedlände i brachte gegen seine Gattin beim Ziviüandesgericht eine! Ehetrennungsklage wegen boshaften Verlassens und wegen Ehebruchs ein, weil sie ihn und ihr Kind verlassen habe und in Deutschland, unbekannt wo, mit einem russischen Schriftsteller in gemeinsamer Wohnung lebe. Mehrere' Zeugen, darunter der Kommunistenführer T 0 m a n n, die über die Tatsache des Ehebruchs geführt wurden, gaben an, es sei in der kommunistischen Partei notorisch, daß! Frau Dr. Friedländer mit dem Russen wie Mann und Frau lebe, zuerst in Berlin, jetzt reisen sie in ganz Deutschland herum. Bei vorübergehendem Aufenthalt in Wien haben sie in einem hiesigen Hotel zusammen gewohnt. Es wurden Briefe der Frau an ihren Gatten Dr. Friedlände) verlesen, die in freundschaftlichem Tone gehalten sind und( aus denen hervorgeht, daß sie es nicht als Unrecht empfindet, ihren Mann verlassen zu haben, ln einem de) Briefe fordert sie ihren Mann auf, ihr seine anfälliges! Liebesabenteuer in Wien mitzuteilen. Als Beweis für das Voriiegen des Ehebruches auf Seite der Geklagten wurden! auch die mit der bürgerlichen Anschauung über die Eh er nicht übereinstimmenden kommunistischen Anschauungen/ ins Treffen geführt. Das Ziviüandesgericht fand alles d.'es nicht hinreichend für den Ehebruchsbeweis und w i e sj die Ehe trennungsklage ab. ln der Begründung wurde hervorgehoben, das Zusammenleben def| Geklagten mit dem Russen lasse zwar den Ehebruch al$ wahrscheinlich erscheinen, bewiesen aber sei er hiedurch nicht. Auch boshaftes Verlassen sei nicht erwiesen,' denn es liegen keine Anhaltspunkte dafür vor, daß der' Kläger seine Frau zurückberufen habe. Ueber die dagegen von Dr. Friedländer eingebrachte Berufung fand gestern vor dem Oberlandesgericht unter Vorsitz des Hof raten Dr. Schubert die Verhandlung statt. Der Berufungsvertreter machte geltend, die Tatsache, daß ein Paar ständig zusammenlebe, sei ein hinlänglicher Ehebruchsbeweis, ein deutlicher Beweis für den Ehebruch sei überhaupt in den seltensten Fällen möglich. Der Geklagtenvertreter erklärte, die Frau widersetze sich durchaus nicht dem Ehetrennungsbegehren. Ihr Verhalten lasse sich aus den kommunistischen Anschauungen über die Ehe, die von denen der Bürgerlichen vollständig abweichen, erklären. Der Ehebruch mit dem Russen sei also tatsächlich als erwiesen anzunehmen. Ihre Mitteilung, daß sie den Russen als ihren Mann ausgebe; um vor den anderen Bewerbern Ruhe zu haben, lasse sogar noch weitergehende Schlüsse zu. Der Berufungssenat gab der Berufung Folge und verwies die Sache zurj nochmaligen Verhandlung an die erste; Instanz, in der Begründung wird hervorgehoben, mit der „Notorietät in der kommunistischen Partei* sei zwar Ehebruch allerdings noch nicht bewiesen, allein die Feststellungen des Erstgerichtes seien auch nicht ausreichend« um das Nicbvorhandenseia des Ehebruchs anzunehmen. Difc Hausbesorgerverordnung vor dem Verfassungsgerichtshof. Der Verfassungsgerichtshof unter dem Vorsitze des Präsidenten Dr. Vittorelli hat mit dem gestern verkündeten Erkenntnis .über die von Amts wegen erfolgte Prüfung der Verfassungsmäßigkeit der Hausbesorgerordnung (Gesetz vom 19, Mai 1921, für Wien) zu Recht erkannt: J

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.