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Wiener Morgenzeitung · 1922-03-16 · Heft 1124 (16.3.1922) · p. Seite 8

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1124 (16.3.1922)
Date
1922-03-16
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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Seite 8 Wien, Donnerstag' WtßNfiR MORGENZEITÜNG 18. MÜn 1927 Nr. 1124 Sportblatt der Wiener Noreenzeitu Fußball. Schiedsrichter für Sonntag. Die Cupspiele vom kommenden Sonntag wurden, wie folgt besetzt: Hakoah—-Hertha (F. A. C.-Platz) Reichsfeid; Admira—Ostmark (W. A. C.-Platz) Retschury; Amateure— F. A. C. (Amateur-Platz) Kocehy; Wacker—W. A. C. (Wacker-Platz) Wancura; Sportklub—S. 8. V. (Lehrer-Platz) Albrecht; Vienna — Donaustadt (Hohe Warte) Bugno; W. A. F.—Cricket (W. A. F.-Platz) Kapperl; Red Star- Rapid (Rapid-Platz) Bisenlus; Rudolfshögel—Vorwärts XL (Rudolfshügel-Platz) Kaulich; Simmering—Stockerau (Simmeringer-PIatz) Hollik; Slovan—Atzgersdorf (Slovan-Platz) Riedauer; Blue Star—Viktoria XXI (Neubauer-Platz) Fleißig; Sportfreunde—Olympia XI (Ottakringer-PIatz) Daubeck; Korneuburg—Bewegungsspieler (Korneuburger-Platz) Teultoer; Südstern—Vorwärts XI (V. A. S.-Platz) Tichy. Prag—Paris. Nachträgliches. Bei dem am vergangenen Sonntag im Pershing-Stadion gtattgefundenen Städtekampf, den Prag 2:0 gewann, waren über 35.000 Zuschauer anwesend. Ein Holländer hätte die Leitung des Spieles innehaben sollen, doch waren die Pariser damit nicht einverstanden. Demgemäß waren die Tschechen gezwungen, mit einem französischen Unpar-. teiischen, der übrigens sein Amt gut versah, vorliebzunehmen. Die Prager waren während des ganzen Spieles glatt überlegen. Ein Tor, dhs Janda erzielte, wurde wegen Verletzung der Abseitsregel nicht gegeben- Gegen Ende des Spieles wurde der rechte Flügelstürmer der Einheimischen verletzt, er spielte aber weiter. Die besten Leute der Gäste waren: Janda, Pilat, Hofer und Dvoracek. Die Franzosen hatten im Tormann ihre Hauptstütze. Die Prager beklagten sich, daß die Gegner unnötig scharf, zeitweise sogar roh spielten. Nach Beendigung des Kampfes wurden die Tschechen frenetisch gefeierj. Die französischen Montagblätter bringen über das Treffen ausführliche Berichte. Die Kritiken stimmen darüber überein, daß die Tschechen ständig im Uehergewicht waren, so daß ihr zeitweise scharfes Spiel überflüssig erschien. Die Pariser Mannschaft mußte in letzter Stande timgestellt werden. Das „Echo de Sports“ hebt die Präzision im Spiel und die Methode der Tschechen hervor. „L’Auto“ sagt, die Tschechen hätten ein streng wissenschaftliches Spiel geliefert. „Echo de Paris“ meint, die Tschechen hätten den Franzosen eine tüchtige Lektion erteilt. Die Blätter „Eclair“ und „Oeuvre“ bedauern das zu scharfe Spiel der Tschechen, die den ersten Platz im europäischen Fußball ein nehmen. „Petit Parisien“ lobt die Zusammenarbeit aller Prager Spieler. Nach dem Wettspiele gab die Pariser Liga ein offizielles Bankett, an dem außer den Prager und Pariser Spielern auch Vertreter der diversen Behörden teilnahmen. Die Ausschreitungen auf dem W. A. F.- Platz. Wie wir bereits berichteten, ging es am letzten Sonn-, täg in Hüttel.dorf beim Spiel W. A. F.—Rudolfshügel (1 :9) ziemlich wüst zu. Ein Teil des Rudolfshügel-Anhanges demonstrierte gegen den Schiedsrichter Sternfeld und erst nach längerem Bemühen waren die Fanatiker zu bewegen, das Spielfeld zu verlassen. Herr Budasch, der Präsident von Rudolfshügel, gibt uns zu den Vorfällen folgenden Kommentar : „Ich bin weit davon entfernt, die Demonstration beschönigen zu wollen, doch möchte Ich darauf Hinweisen, daß mein Verein im allgemeinen bei der Auswahl der Schiedsrichter recht stiefmütterlich bedacht wird. Zum ersten Meisterschaftspiel des Jahres schickte man uns Herrn HoIHk als Unparteiischen. Dieser Herr ist sicherlich ein einwandfreier und tadelloser' Sportsmann, er hat aber viele Monatekein Wettspiel geleitet, wodurch seine schwäche Leistung erklärlich wird. Zum Unglück hatte mein Verein die Folgen zu fühlen bekommen. Im Treffen gegen W. A. F. ging es uns nicht besser. Der kurzsichtige Herr Sternteld übersah zahlreiche Vergehen gegen die Spieler meiner Mannschaft. Die rasche Aufeinanderfolge von Unrecht versetzte die Anhänger meines Vereins in eine derartige Erregung, daß sie gegen Herrn Sternfeld in sicherlich verdammenswerter Weise demonstrierten. Das Publikum bei unseren Wettspielen ist nicht undiszipliniert, doch darf cs nicht ständig herausgefordert werden. Das Schiedsrichterkollegium hat uns zum Beispiel schon seit Jahren nicht den Herrn Retschury geschickt. Wenn diese Körperschaft wenigstens einige Male in der Saison für unsere Spiele die -tüchtigsten Unparteiischen nominiert, dann wird es bei den Treffen meines Klubs keine Ausschreitungen geben. Hoffentlich nimmt das Kollegium mein Ersuchen zur Kenntnis, von der Gepflogenheit, uns ständig die schwächeren Schiedsrichter zu schicken, abzuweichen, und bedenlct uns wenigst einmal im Monat mit einer erstklassigen Kraft.“ Der wertvollste Wanderpreis der Welt. Der Goldball des Juwelier-Sportklubs. Die Propositionen für den wertvollsten Wanderpreis der Erde sind bereits fertiggestellt. Der |u\veüer-Sportklub spendete nämlich einen Bail aus Gold, um den gespielt werden muß. Die Ausschreibung enthält folgende Bestimmungen: Teilnahmsberechtigt sind die drei Erstplacierten der Budapester Meisterschaft und der beste Provinzverein, weiters der Stifter des Preises, der Juwelier- Sportklub. An dieser Konkurrenz können auch diejenigen ausländischen Mannschaften teilnehmen, die von der Veranstaltern hiezu eingeladen werden. Die Entscheidungsspiele müssen immer in Budapest ausgetragen werden. Die Propositionen sind dabei so verfaßt, daß ständig zw^i ungarische und zwei ausländische Vereine in die Entscheidung kommen. Nach dreimaligem Sieg hintereinander oder fünfmaligem Sieg in beliebiger Reihenfolge geht der Goldball ln den endgültigen Besitz des Gewinners Uber. Oppenheim — Professional. Der ehemalige Vierina-Mittefläufer erfreut sielt in Wien des Rufes, der König der Kapperer zu sein, da man die Invasion von Wiener Spielern nach Deutschböhmen dem zuletzt beim I. F. C. Karlsbad tätigen Oppenheim in die Schuhe schiebt. Nun hat diesen ehemaligen vorzüglichen Spieler sein Geschick erreicht. Die am vergangenen Sonntag in Teplitz stattgefundene Verbandsaltzung beschäftigte sich mit dem Rekurs des K. F. K. gegen die Distanzierung seines Spielers Oppenheim. Derselbe wurde schließlich zum Professional erklärt, die Punkte der Spiele, in welchen er mittat, wurden seinen Gegnern zugesprochen. Die Floridsdorfer in Prag. Die empfindliche Niederlage von 0 : 4 Toren, die die Gälte gegen den D. F. C. erlitten haben, hat in Wien unliebsames Autsehen erregt. Die Floridsdorfer teilen nun mit, daß sie infolge von Urlaubsschwierigkeiten gezwungen waren, am Sonntag früh die Reise anzutreten, wodurch sie erst um V,3 Uhr in Prag ankamen. Vom Bahnhof mußten sie sich direkt auf den Sportplatz begeben, da der D. F. C. das Spiel, wegen der großen Konkurrenz durch den Kampf Slavia—Teplitz, bereits auf '/,3 Uhr festgesetzt hatte. Die Wiener waren aber durch die vollkommene Unfähigkeit des Schiedsrichters noch mehr als durch die strapaziöse Reise gehandikapt. Da überdies Kraus ausgeschlossen wurde, ist das Resultat erklärlich. Besonders unangenehm empfanden die Floridsdorfer die verschiedenen Unsportlichkeiten, weil der österreichische Gesandte Dr. Marek, weiters die Wiener Biirgerm> 8 Lj, meisterstellvertreter Emmerling und Hoß dem Treffen bei-* wohnten.! Das Prager Tagblatt schreibt unter anderem folgendest „Das Spiel entsprach keineswegs den Erwartungen. Mit: Ausnahme von Seidl und Iszda ragt kein Spieler aus der Mannschaft, die im ganzen und großen das flache typische. Wiener Kombinationsspiel pflegt, bei dem meistens ans Schießen vergessen wird, hervor. Unangenehm fiel bei den: Gästen das ständige Reklamieren auf.“ Jüdischer Sport in der Tschechoslowakei. Brünner Brief. V Der Sportklub Wacker in Brünn. Wie wir bereits berichtet haben, trug der Sportklub Wacker zwei Spiele in Brünn aus, die beide auf dem Makkabi-Pl&tz stattfanden. Wacker spielte am Samstag gegen den Brünner Sportklub 1:1 unentschieden. Beide Mannschaften traten mit drei Ersatzleuten au. Das Spiel, das von. dem mehr als schwachen Schiedsrichter Mappe von der deutschen Schiedsrichtervereinigung geleitet wurde, begann in gemächlichem Tempo. Langsam kam Wacker in Schwung uiid, obwohl die erste Spielzeit torlos verlief, bekundeten die Wiener eine merkliche Ueberlegenheit. Sofort nach Seitenwechsel wurde Wacker zusehends besser, Angriff auf Angriff rollte gegen das Tor der Einheimischen, doch war das Glück den Wienern nicht gut gesinnt Die Gäste ’ kombinierten vor dem gegnerischen Heiligtum zuviel und vergaßen auf das Schießen. Ueberdies hatte der Tor- . mann der Brünner einen guten Tag. In der 15. Minute unternahm der Mittelstürmer des Brünner Sportklubs einen Durchbruch, der zu einer gefährliche« Situation vor dem Tor der Gäste führte.. Ein Wacker-Spieler machte Hands und verschuldete dadurch einen Elfmeterstoß, der den Einheimischen ihr einziges Tor eintrug. Von nun an beherrschten die Gäste vollkommen das Feld und ihre Gegner mußten sich ausschließlich auf Abwehrarbeit beschränken. In der 25. Minute erzielte Resch den ausgleichbringenden Treffer. Wacker setzte zum Endspurt ein, doch wurden die günstigsten Chancen vergeben. Die Brünner kämpften mit allen Mitteln und wurden dabei vom Schiedsrichter, der zumindest einen sehr schlechten Tag hatte, unterstützt. Drei Elfmeterstöße hätte der Unparteiische gegen den Brünner Sportklub. geben müssen. Der bekanntderbe Spieler Pokorny (B. 5. K.) wurde viel zu spät ausgeschlossen. Von nun an wurde das Spiel vollkommen vor das Tor der Brünner verlegt, doch blieb den Gästen jeder Erfolg erspart. Wacker hätte einen bedeutenden Sieg mit mehreren Toren Unterschied verdient. ‘ Am Sönat&g hatten sich beim Spiel der Wiener gegen Makkabi, das 3:0 für die Gäste eadete, ungefähr 3000Zuschauer eingefunden. Der Kampf wurde von Herrn Singer von der, jüdischen Schiedsrichtervereinigung geleitet, der ebenfalls nicht ganz befriedigen konnte. Makkabi war noch immer nicht mit kompletter Mannschaft erschienen, obwohl Feldmann (früher M. T. K.) mitwirkte. Der Debütant hatte einen sehr schlechten Tag. Der jüdische Verein begann das Treffen mit großer Zuversicht» doch erwiesen sich'die Läufer von Wacker als Meister ihres Faches. Künstler, der sich . ln großer Form befand, gab gute Flanken zur Mitte, die aber von niemandem verwertet wurden. Ein' gegen die Wiener getretener Elfmeterstoß wurde von Künstler vergeben. Nun kamen die Gäste in Schwung, und bedrängten ununterbrochen das Tor der Brünner. Durch das egoistische Spiel von Nadler entstand eine gefährliche Situation vor dem Makkabi-Tor. In der Folge ergab sich ein Freistoß für die Gäste, der zum ertsen Treffer führte. Nun gewannen die Einheimischen ein. leichtes Uebergewicht, doch wurden die günstigsten Chancen vergeben. Wieder übernahm Wacker das Kommando und erzielte durch Resch, der aus 15 m Entfernung einen Prachtschuß abgab, da# zweite Tor. In den ersten 15 Minuten nach Seitenwechsel war Makkabi überlegen. Als aber Wacker den dritten Treffer buchte, war es mit dem Angriffsgeist der Einheimischen vorüber. Der S. C. Wacker bedrängte ununterbrochen, doch Eisiks Brille. Von Leopold Kompert v Waittm läßt Gott die alten Leute aussteibem ■ fomd mit ihrem schönen weißen Haar in die Erde legen? Warum schont er nicht ihrer, wie er des Baumes schont, den er grünen, blühen und duften läßt, selbst wenn das grimmige Feuer des Himmels an detn knorrigen Stamme gezehrt 'bat? E-s mag sein, daß er das Höhere und Feinere eher au . sich beruft, eben weil es so ist — -über kurzsichtig, wie jwir sind, mit Gemütern, die zwischen dem Heute imd Morgen auf- und niedersdhwanken, begreifen jwir nicht, warum das Naturgesetz unseren »alten {Leuten* ein so kurzes Ziel gesteckt hat. Naohglei.tend, wie ein dunkler Schatten um die Zeit des •Abends, folgt ihnen der Spnu-ch des unsichtbar in den Höhen und Tiefen waltenden Richters: »Siebzig Jahre! und wenos’hoch kommt, achtzig!« Und ihr »Stolz« ist nicht immer »Trübsal und Mühsal!« Mitten in der Gewalt eines vollsaftigen Daseins werden sie gefällt; kein Baum im Walde ist so knorrig als oft mancher alte Mensch, so lebengetrankt vom Scheitel bis zur Fußspitze. Warum läßt Gott die alten Menschen aussterben? loh möchte das' gerne wissen, lieber fast als. tausend andere unütze Dinge, an denen icfh im Grunde (keine Freude habe. Aber an euch hatte ich Freude, ihr alten Leute aus meiner Kindheit! um teuretwillen hätte ich das gerne gewußt. Ihr wäret pon jeher meine Lieblinge, und wenn einer vrn euch gegen mich »dort oben« zeugen sollte, so zeuge er, ob ich jemals vergessen, vor seinem grauen (Haupte aufzustehen. Besonders Rebb Eisik Maier (dem der Friede der Gerechten sei) möge sagen, Wie ich ihn geliebt habe,... und um dieser Liebe willen mir es auch in »seiner anderen Welt« verleihen, wenn ich in dieser von ihm zu erzählen .wage. Noch jetzt kan» ich mir keine Rechenschaft »biegen, warum ich gerade Eisik Maier so sehr ln hnci» Kind erheiz eingesdikxssen hatte. TÖim vor allen hing ich an, wiewohl ich Großvater und Großmutter nicht, mißte; an seinem ehrwürdigen Antlitz hafteten meine Bücke, wenn er im Bethaus betete; und traf es sich einmal, daß ich mit ihm zugleich in die Hallen des Hauses ein treten konnte, so gab es gewiß kein seligeres Gemüt als das meine. loh liebte ihn mit jener Unbewußt heit, die stets das Merlkrhal echter Liebe ist, weil nur sie uneigennützig ist. Ich könnte mich auch nicht erinnern, ob ich jemals von Rebb Eisik ein anderes Zeichen der Gunst erfahren habe, als daß er mir am Vorabend des »Freudenfestes der Thora« ein buntes Panicrche-n schenkte, das er mir eigens ins'väterliche Haus mit den Worten geschickt hatte: es komme von Eisik Maier! Aber dieses Painierchen hielt ich auch hoch' und teuer... kein Fähnrich m blutiger' Schlacht hätte sich mutiger gewehrt, wenn einer von meinen Feinden gewagt hätte, es mir zu entreißen. Es kam von Rebb Eisik — und so ward das Panierchen auch nicht zum Trödel geworfen, nachdem es am »Freudenfest« seine Schuldigkeit getan, auch nicht zerrissen, sondern heilig und unverletzt aufbewa/hrt, wie der Glaube an ein Märchen, und gleich diesem ging es auch im Laufe der Zeiten verloren 1 Rebb Eisik ivothnte in dem schönsten Hause der ganzen »Gasse«; er galt allgemein als ein sehr reicher Mann.. Spiegelhell glänzten die Fenster dieses Hauses, aber eben so reinlich erschien der alte Mann in seinem Anzug und sonstigem Benehmen. Er trug stets ein weißes Halstuch, das schon aus der Ferne festtäglich glänzte, sonst trug er sich ganz nach der herrschenden Mode. Er war überhaupt von keiner hervorstechenden Eigentümlichkeit; sein mildes Wesen bewahrte ihn davor. Bei keiner Gelegenheit drängte er sich vor, weder in der Gemeinde, noch im geselligen Verkehr. Mit der Stille eine» gefaßten Gemütes ging er seinen Weg; nur selten, daß er davon abwich. Das geschah nur, wenn er Streitigkeiten in der Gemeinde zu schlichten hatte, wie «kg selten lange auebüebeti. Dann konnte er wohl, wenn ®r auf Widerstand und Widersenaebstfetet stieß, in einige Heftigkeit*'geraten; seine Stimme begann dann unsicher zu werden und seine Wangen sich höher ziu färben. »Will denn keiner beizeiten die Brill' honunternehmen?« rief er dann gewöhnlich mitüberlauter Stimme. Es war merkwürdig, welche Kraft diesen wenigen Worten innewohnte; es, war als hätte ein Zauberer seine Formel über eine sturmbewegte Flut ausgesprochen. Sobald die Leute das »von der Brille« hörten,, lächelten sie still vor sich hin» und die Streitigkeit nahm dann gewöhnlich ein gutes Ende. Es hat gar .mancher gelädh-elt,. wenn. Rebb Eisik das .Wort »von der Brille« sprach, tmd es lächelt noch jetzt mancher, wenn es sich ihm unwillkürlich •auf die Lippen drängt. Demn Eisik ging damit/nicht Haushälterisch um und brauchte es bei jeder Gelegenheit, wo er es schicklich anbringen konnte: Jedesmal traf es aber mit einer Sicherheit, wie etwa ein . Nägel in die Holzwamd fälbrt. Nie ging' die volle. Wirkung um eines Härchen Breite verloren-. Rebb Eisik hatte einen guten Freund, den. Gemeindesänger Daniel Kremsier, der zu ihm in dem Verhältnisse eines Hanns- und Hofmini<sters zu seinem Potentaten stand. Daniel Kr;emsier hatte die bei Sängern und Musikantenvollk nicht selten anzutreffende Schwäche, eine nicht geringe Leidenschaft für ein gutes Glas Wein zu besitzen. Den fand er nun jedesmal bei Rebb Eisik-so gut und so schlecht er ihn selber trank, und es tvar daher wahrhaftig kein Wunder, wenn sich die durstige Kehle des Gemeindesängers als täglicher Gast bei dem reichen Manne einstellte. Dafür zeigte er sich aber auch in seiner Art dankbar, so weit die« ein so durstiges Gemüt zugibt. Daniel Kremsiet kann regelmäßig, sobald da« Abendgebet vorüber war, und .berichtete Rebb Eisik, der nur wenig au« dem Hause kam, alles, was «ich in-cler Gemeinde zutrug: von der Kindbetterin an, die am nächsten Sabbat ihren ersten »Schulgäng« tttadhe« sollte, bi« zur kleinsten »Partie« in der Gaste, die von irgend einem »Sch?.dT eben« unter dem Schleier des tiiafEten Gehdmnb-es vorbereitet wund«. (Fortactziuut fdl&D

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