Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1124 (16.3.1922)
- Date
- 1922-03-16
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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etnsttinamitter K ss Wien: Zum Abholen in der / Expedition, H.,Täborstr. 1—3, /< oder,<n einerVerschleißstelle / (Trank) monatlich K 1200./ MitPostver'sand fürWien und Oesterreich monatlich K1200. Ts c h e c h 6-S ItiÄk e i: Mon. Kronen.20.;Un-gatfn: Monatl. Kronen 120,, Jugoslawien: Monatl. Dinar 18. Polen:. Monatl, Mark ,600. Deutsch-/ I a n d: Monatlich Mark 30. Fr a ii kr ei c h: Monatl;Frcs.& , Nr. 1124 rener Wien, Donnerstag, 16. März 1922 Tschecfco-Slöwakäl tsch. K 1 Italien: Monatlich Lire $ Rumänien: Monatl. Lei Schweiz und das übrig Ausland monatlich Francs S sj Redaktion u. Administratio Wien IL, Taborstrasse 1 Telephone: 44-0-38, 43-3-1Ä ab 6 Uhr abends 17-S-3Ä Telegrammadresse:„Morgenzeitong“, Wien. Oesterreichisches . , Postsparkassenkonto 150.63A 4.‘ Jahrgang n ,; 70 Millionen Lire. Wi e"n, 15. März. Wie die Politische Korrespondenz erfährt, ist heute der italienische Geschäftsträger Auriti bei Bundeskanzler Schober erschiene]! und hat ihm die, offizielle Mitteilung überbracht, daß die italienische Regierung sich an der Kreditaktion mit einem Betrage von 70 Millionen Lire beteilige; Palästina. Die Erklärungen Churchills. -y. Wien, 16. März. Die Entwicklung der europäischen Verhältnisse heit Cannes IM ein neuerlicher Lehrkurs über die konstruktive Unzulänglichkeit des Nationalismus. Der Plan Lloyd Geof&es, alle, Staaten, zu einer gemeinsamen Aussprache über die Liquidierung des Krieges nach Genua einzuladen, ist von dem Führer. des französischen Nationalismus so lange verwässert worden, bis eine Referentenversammlüng'daraus wurde, die zwar immerhin nützliche Arbeit leisten kann,;aber kaum die Autorität zu dem einzig notwendigen Beschluß besitzt, das gemeinsam geschalene Elend gemeinsam zu bekämpfen, Der Triumph Poincards hat Lloyd Georges politische Stellung erschüttert und in weiterer Folge die; Erklärungen Amerikas provoziert, den Beratungen von Genua fernzubleiben und den Ersatz seiner Okkupationskosten zu verlangen. Es wird von amerikanischen Zeitungen versichert, daß dies der Beginn einer Aktion der Vereinigten Staaten sei, Europa zur Vernunft zu zwingen und weitere Auswirkungen der chauvinistischen Treibereien der. französischen offiziellen 4md riichtöffiziellen, Kriegsfreunde nicht länger zu dulden. Durch diesen Vorstoß ist die Erfolglosig-' keit Genuas schon; jetzt festgestellf, : was sich auch darin ausdrückt, daß Pöincarö zu diesen Besprechungen nur Vertreter Frankreichs entsendet, selbst aber in Paris bleiben will, Sas Junktim, das Amerika zwischen den Schulden hlands und den Schulden der Alliierten herstellt, gibt, den Instruktionen an die Mellon-Kommission ihren für den Nationalismus höchst peinlichen Charakter. Es trifft jene Kreise, die niemals selbst zahlen wollen und immer irgendeinen Prügelknaben suchen, der zahlen soll oder dafür verantwortlich gemacht wird, daß Frankreich nicht zahlen kann. Dieser Geist der Garantien, der Sanktionen, und Reparationen will zwar die sGenueser Konferenz' als Hintergrund für ein möglichst diktatorisches Auftreten Frankreichs gelten lassen, sor^ äber idäfüfy da^/ s Grundprobleme der Krise aus der Besprechung ausgeschaltet bleiben- Gegen diese Stickluftatmosphäre wendet sich; die Amerikanische Absagenote . mit bemerkenswerter Schärfe, indem sie darüber Beschwerde führt, 'daß „in Genua die Fragen unbesprochen bleiben sollen, ohne deren zufriedenstelleHde Beantwortung die Hauptursachen ' der ‘ wirtschaftlichen Störungen fortwirken müssen“. Der Inhalt dieser Klage konnte bisher nur von vereinzelten Rufern in der Wüste vörgebracht werden. Daß Amerika nunmehr die Argumente Keynes und Angells aufnimmt, ist der Beweis dafür, daß der rein akademischen Verurteilung des Versailler Werkes durch Amerika nunmehr die faktische Aktion folgen muß. Eine Ankündigung dieser Maßnahmen ist vielleicht schon in dem Auftrag des amerikanischen Senators Gumber zu erblicken, es sei eine neue Staatengemeinschaft mit dem Ziele der Verhinderung eines jeden Angriffskrieges zu errichten. Ist die Konferenz von Genua durch die Entwicklung zu einem bloßen Konzert herabgedrückt worden, so gewinnt sie doch dufch die von England erzwungene Teilnahme Rußlands an Interesse. Es wird zum ersten Male geschehen, daß die Vertreter der Sowjetstaates zu einer kontradiktorischen Auseinandersetzung mit den übrigen europäischen Völkern und insbesondere mit deri-Weststaaten erscheinen, deren von Frankreich beeinflußter Kurs Rußland aus dem Produktionskreis Europas hinausgedrängt hat Nach Meldungen aus Moskau bereitet man sich dort in höchster Ungeduld für diese Konferenz vor und es ist leicht möglich, daß die Anwesenheit bölschewikischer Delegierter zu einer für den französischen Chauvinismus nicht sehr erfreulichen Diskussion führen wird. Vielleicht wird auf diese Weise sogpr der enge Rahmen, ln den PoincarC die Erörterung der Weltwirtschaftlichen Fragen einengen will, gesprengt und in das Walten der geheimen Diplomatie und der Interventionisten Licht gebracht Man kann nicht von Wirkungen . sprechen, ohne die Ursachen darzustellen. Zur Verhinderung von Kriegen. Ein amerikanischer Plan. Washington, 14. März. (Reuter.) Im Senat unterbreitete in fortgesetzter Beratung des Viermächteabkommens über den Stillen Ozean Senator C umber einen Plan, der den Abschluß eines Vertrages zur Bildung einer Gemeinschaft zwischen den Vereinigten Staaten, Großbritannien, Frankreich, Italien, Spanien, Japan, Oesterreich, Deutschland und Rußland vorsieht. Der Vertrag soll diese Völker verpflichten, sich über alle Fragen, die einen Krieg hervorrufen könnten, ins Einvernehmen zu setzen, er soll ferner Angriffskriege verdammen und im Falle des drohenden Ausbruches von Feindseligkeiten einen Zeitraum von sechs Monaten zur Untersuchung des betreffenden Streitfalles festsetzen» Wie bereits berichtet, hat' Im- KoloniaJaussdmß des englischen); Untcrhauses ani m. März eine Balä- . stina-Debatte stattgefunden. Es liegt uns r nun Her folgende ausführliche Bericht des J. C. B. über diese Aus- " - -; spräche vor: ''' Ko'Tfcriiial min iistcr Churchill besprach in eiare-m ausführlichen R-ef einst dli-e Lage, undi das Budget iim I r a k und wandte ©iah dtamm der Pal ä-. st iua- Frage zu. Tm Jahine' 1931 bethugan die eingfeahan Ausgaben in Pailästiinisi acht. Mil-’ 1 i o nen Pfund S t-e r 1 i n g. Die Ausgaben für das Laufende Jahr sind, apiproxiiinTalfeiv mit vier Millionen Pfund eirtgesteliit und ich hioffe. dlaß sie ©ich im nach»;itien Jahre euf ungefähr zwei Miillficintein : Pfund wemdien'-' rediuiz.i'eren lassen^ Dieser' Stand dier -DShjge ist . keihäibspfluf befdodfigendier... Was' Palästem betidlfö,"' befinde ich. mfch* nficblt, in ‘dier-. , seflben.. Lage wie;-in bezug auf den Irak. Im Irak' habe' isdh" ide*FcwnEiilbj,/.;- der ,/ besten' F.ühriimigeimet ,* . Politik' au folgen, die, wie, wi^/g'kuJben'b / dtas;Wohlwollen. dar, .Eiuiwchihief vrliangenwiird>v; Aber I in' Pßiiä.itAna sdmid wir zu einer PöMtik veripf lAdhitiet,J die' ' lM... tz ick!!/,& fb.s-öl u t.. g er ec h t 'Jst,;*ber,;h.0t-.. 'f'greTv-wÄ/lnd ' e i.n es T e i 1 cs Ue'r/'M eh r h ei^sMc/vod UFe - run.g stoßen muß. loh .sagtie .im .Iteitizten- Jabne, daß iiw-ere PoEblk ’ ©0 . eingeriefhtet wunde, daß sie die eine Seübe zuir Fcnbsetjzuintg und die andere aur Gerdiuid bewegen, .muß, und daß wir uns deswegen bemühen müsisien, eine gewisse Ant von Mi'liitarmaicht za hailifcen, die geeignet ist, gewalttätigem Znssiammeusitößen: zwischen beiden teilten vornzjubeugen. Das atbgda«uifcrae Jalhr Zn Paitästte war ein duirchstus friedlidies. Es gab wdtol Arug.idhireittunigen in JenuisaHtom im Nbvember und in Jaffa iim Ma«>, dodi im alilgenveinien war dlas Lätntd ruhig,- cbwohS ich nicht die Albs iaht btabe, zu beibfiqpten, dliß die Erregung unter dier wnabiischen Bevö-Aoenung bereits auf gehört hat. Die jüdische EinTw-andicnuing wurde fdhr gen,au becbatdhtoeit und vom Staidlpunkt dier Pditilk kontrolliert. Es wunden «Me Anstrengungen gomadut, um Hab und Gurt der Bürger, diiie das Land wieder autlbauen woMen, zu sntaheim. Wir wallen ke>!n Lend haben, das vom Bejahe-wisimus übersdiwemmt ist, van Len.iit'en, dlie dianmeh streben, 6i>e Einmiiclhtungen in Pafläsltima uirrazuisitünaeirh. In diesem Jahre kamen zirka 9000 Eimiwamd-erer in* Land und sie .brrachten naltiüdikh ähre eigene-' Lebenuamsohaiuuing mit Lieh. Die zionistische Organisation wenidete in diieisem Jahne annähernd eine Million P f u n d Im Lande auf. Mancher Fortschritt, wurde bei dem wichtigen Wasserkraftwerk an den Hauiptströmen des Jordan gemadhlt, die land w lcrbschaf!'liehe Entwicklung und d’er Straßenbau «And im Forüsdhneiiiten; und es düt zu hoffen, daß diese Bewegung die materielle Lage des Landes, insbesondere die dier anabdschen Bewohner, verbessern wird. Ich hatte zu tun mit einem schwierigen' Vorschlag, betreffs der Verfassung. Die arabische Delegation in diesem Lande und andere Araber, mit denen ich einen Meinungsaustausch hatte,, stellten die Frage: »Wann Sie in der Lage sind, dem Irak eine freie Verfassung zu geben, warum können wir nicht eine ähnliche freie Verfassung erhalten?« Und ich habe beschlossen, möglichst weit entgegemzukommen, indem wir repräsentative Institutionen gewähren, ohne jedoch 4n eine Lage zu kommen, die es mir unmöglich machen würde, jvne Versprechungen, zu denen wir durch die. zionistische Politik venpfliohtet sind, zu erfüllen, 1 Mi bin venoflichtet, Yomnsorgetn, daß die Macht zur Durchführung dieser Zusagen in der Jiand der Zen/traiTCfierung verbleibe. Die einzigen Vorbehalte (reservations), die wir* machen L -müssen», beziehet» sich auf die -Maßnahmen* die . tms.befähigen sollen, unsfcr' vor gaiirtz Änroipa g egebenes Vers p r edien zu erfüllen«. Ich kann mich nicht verbürgein, daß sich ich; Zukunft keinerlei Mißgeschick ereignen Werde.' Ic^ kanin d&es weder in bezug auf den Irak noch betreffs^ 'Palästinas versprechen. Jch kann bloß ' sagen, ich glaube, daß der von uns eingeschlagen,e' Kurs unter, diesen- TiJiw^'Rid'iBn der -b e s t e. äst. Eöv jat heuisri mehr Gruckd für die Annahme eines Erfolges, als eist im vorigen Jahre'der Fall war, und wechp diese Gründe im letzten Jahre das Haus da-zu bewogeuhaben, seine Zustimmung zur Fortsetzung . dey; Okkupation im Irak und -in - Palästina: zu geben, .sch sprechen diese Gründe heute noch vier mehr fu^’ diese Zustimmung. ' : Irr dej". DehatJbe wandte sich der gewesene Pre4 mierminister 1 , Asqtiith aus fiskalischen, Gründen gegen dAs gesamtq OkkuM;; patkmsunternehmen im Irak und in. Palästina und. erklärte sodann: »Ich rtim-me völligzu, daß -in P alästio;* eine .besondere Verpflichtung .vorhanden i^, VM; . der wir up:© nicht zurückzisheiN können, eine Ver-, Miclitung» die auf den. W i e d e-r ä ui.fAäM; ein es na t ionalen H eims für. die' Juden-1- Lirt e t.« Golonsl Wedgwood, das führende Mitglied' der L-albouir «Pairlty,. einßf wickelte in längerer Redie dien Standpunkt seiin-eq Partei zur PailästAnn-Fna-ge. Er erldäinte, Pail'äistAn^ erih-ailfe jfeiüzlt die normale Veirf-ajssuing einer Kipow-., kölraroie. War haben in Palläsit-iinli d-i-e Juden umid die Ghiristen gegen eine lacndlensiairtige Mielbrihoit zU, schützen, und wenn diie . ainaibisidh'e Deikgaiticra^ zu uns imis Laad kamim-t /Uiad’ uns saigh, dfaß .-diiiesef Verfaisisiung ganz und gar unfair ist und -siich niichE mit unser er Erklärung über Selibstlbp s-biimimiujiLgts^ recht vereinbaren k©?e, so wü-ydie ich antwotrtepii diaß wir ihnenmit dletm größten Vergnügen vdlC«! Sölibstiv»erwal-Lutng gewähren würdsn, sdballld' .dH deuiül-ich w-itrd, diaß d-lte Mindien-Ihedt der Judenuntil Ghirisiten ■ hinreichend geschützt ©ein kanio, undf •wenn dlie gegenwä-rtsgen fei'ndlsiefiigietni itunidi haß-, erfülilten Empfindungen zu exastiaran aiufgehörfc hwben werden. U-ngl-üCkl idherwe isc hatten wir Bcisipi-ele dieser Feindistfliigkeit im abgekiufenien Jialhhe./ Soliange ihr aiber Pagrom-e Im Jaffa und in JenuisadCm; machet, können wir der Bevölkerung -dieses Laindetst keine vollständige Selbstverwaltung gewahnen. loh rndiine, die ne!igipste Feknd4 sdtiglkeif in Piailäslüiima wird für Moitiive auisgebeutety1 welche mohbs mit RöMgion oder mit wiiinfcsichaft- 1 iahten Dingen zu tun halben. Die wohflhabemid-eni KJas-sen., dfie von dier türkischen Verwailltning hteri gewöhnt sind, von blllliger Acibeiit «zu prof'üwersn^ wid ersetzen sich aufs äußerste dter; jiü-dlisdhim Eänwandeimin-g, weil sie westliche Ideen in® Land h-rilngt Diese Feimdlse'lti-gkeilt fi-nldet sieht aber 'bloß bei den oberen K'llaisisten, niicht aber in dte» Vobksmatsse. V Mr. Ram sa y Maie dona l d, ’dieir soebefl au® Palästi-n-a zurücldkehnte, euzäh'Dte uns, diaß ia Ti-berias ein au© Arabern, Chr is ten uintdf J u d e.n be’SJte-henide’S Kamfltee einträchtig austaimmemsirlbeite Beim Vc'-ke bemerkte man wubj äußerst seHten ein feiudlsdiigeis Gefühl gegenüber den' Juden», dia es von den Wclhilita.t-eo der Einibwdokr kng Padästinats duueh das jüdische Volk groß sch Nutzen zieht.. E» kann niidhlt. richtig kein», »daß dS« ntach Pal ästina komm enden Juden Bolischewikeil sind; sie -haben nichts -vom diieiser Art ia sichunjd sinid «11 Gegenteil! »; die bitterstea Gegner des Bolschewismus; da sie etwas von ihm gestäiien hiaihew. Mlif&teäi - -QhiUiiiohiB -oiimimt -amschmssirt diaß. die LuldM