Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1123 (15.3.1922)
- Date
- 1922-03-15
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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ElnteTnu nvrtiar KW Wien: Zum Abholen in der Expedition, ll.,Taborstr. 1—3, oder <n einer Versbhleißstelle (Trafik) monatlich K 1200. VUt Postversand für Wien und Oesterreich monatlich K1200. Tschecho-Slow'akei: Mon. Kronen 20. Ungarn: Monatl.' Kronen 120. Jugoslawien: Monatl. .Dinar* 18. Polen: Monatl. Mark 600. Deutschland Monatlich Mark 30. Frankreich: Monatl. Frcs.6. irnrr tsch. Kl Italien: Monatlich Lire 6Ü Rumänien: Monatl.,Lei 40u Schweiz und das, übrige! Ausland monatlich Francs 3? Redaktion u. Administration! Wien IL, Taborstrasse 1--3.1 Telephone: 44-0-38, 43-3-19; ab 6 Uhr abends 17-9-33; Telegrammadresse:»Morgenzeitung“, Wien. Oesterreichisches Postsparkassenkonto150.691 Nr. 1123 Wien, Mittwoch, 15. März 1922 nm 4. Jahrgang Aus der alldeutschen Küche. I —y. Wien, 15. März. . : w Berlin hat es am Sonntag einen antisemitischen foidau gegeben, bei welchem zur Erheiterung der Gemüter einige Juden verprügelt wurden. Nachträglich ergab sich, daß diese Juden Serben und Rumänen gutkatholischen Glaubens waren, die sich die Demonstration für deutsche Kultur und Herrenrecht hatten betrachten wollen. Der Zufall liebt es, solche ironische Arabesken an den Rand. der Weltgeschichte zu malen, gleichsam um. den Unsinn solcher. Veranstaltungen zu demonstrieren. Aber die Hintermänner Mer begeisterten Jugend, die geschart um die schwarz-weiß-rote Fahne vermeintliche Juden anpöbelt, werden sich durch dieses nachdenkliche Symptom nicht stören lassen. Sie kämpfen weiter für Deutschlands Größe, Weltgeltung, Rettung und seelischen Aufschwung. Das sind, so, die Phrasen, die jetzt wieder in.der deutschen Ocffentlichkeit schwirren und stets zur gleichen , Endresonanz gelangen: Haut , die Juden! Ein Teiiausschnitt aus dem sittlich-religiösen Erziehungsprogramm für die deutsche Jugend, vorgeschrieben von jener Schichte des Volkes, die politische Argumente durch die gepanzerte Faust, durch Eisenfresserei und durch Heber-' lälJe - aüf nichtsahnende Passanten ersetzen Will. , Di bsq Schichte rührt sich jetzt sehr eifrig. Deutsch:- land rüstet zur Wahl des Reichspräsidenten, die im Hochsommer stattfinden soll. Herr Eberth, der seinerreilige Kömpromißmann der Sozialdemokraten und der bürgerlichen . Demokraten, muß sich zur Neuwahl stellen. Seine Amtszeit war für ihn persönlich; nicht pehr erfreulich, in einem Dutzend von Gerichtsverhandlungen mußte der Nachweis erbracht werden, daß der deutsche, Reichspräsident keine silbernen. Löffel gestohlen habe, und daß er auch kein nennenswertes Vermögen sein Eigen nenne. Politisch ist er stets in der durch den Takt seiner Stellung geforderten Reserve geblieben. Auch die Rechtsparteien können nichts gegen ihn anführen. Trotzdem ist um diese Stelle ein heftiger Kampf entbrannt, in dem die Jeaktion als die erste am Platze erschien. Sie hält Programm und Personen bereit. Reichspräsident —" so schreiben die Deutschnationäten, die lautesten und hitzigsten Wächter der deutschen Ehre — könne nur ein Mann sein, den Beruf und Schicksal für diesen Posten bestimmte; als solche Kandidaten werden empfohlen: Der gewesene bayrische Ministerpräsident Kahr, so ein Horthy in der Westentasche; Herr Hindenburg, der seit neuestem das Hakenkreuz trägt, wohl zum Angedenken an die jüdischen Soldaten, die er in die Massengräber gelegt hat, der gewesene deutsche Reichskronprinz Friedrich ^Wilhelm und der bayrische Kronprinz Rupprecht. Jägow, Kapp, Ludendorff und Lüttwitz liegen nicht im Rennen. Die-bürgerlichen Liberalen und Demokraten sowie das Zentrum haben noch niemanden nominiert, die Sozialdemokraten sind gespalten und haben durch kommunistische Gegnerschaft; zu viel zu tun. Die Rechte hat also genügend Zeit, ihre Gefolgschaft zu sammeln, einzudriUen und durch die Veranstaltung von Streiks und Krawallen den Gegner mit Gasbomben zu belegen. Je unruhiger, desto besser. Die Judenhetze, seit jeher ein beliebtes Amüsemang der Monokelträger, spielt Jetzt eine sehr wichtige Rolle. Jeder in die Öeffentlichkeit tretende Mann wird auf die ungetrübte Abstammung von Wotan oder einem seiner Raben Untersucht Die deutsche Gründlichkeit, die bekanntlich die Wahrheitsforschung gepachtet hat und eine Sache um ihrer selbst willen tut, macht vor niemandem halt. Auch Ludendorff steht in schlechtem Geruch und er schreibt vergebens in den Memoiren, mit denen sich Ein so gutes Geschäft hat machen lassen, die Geheimnisse der Weisen von Zion ab. Diese unsäglich blöde Fälschung tst überhaupt zum Range der eisernen Portion nationalistischer Weltanschauung geworden und die Judenangst sitzt einem braven deutschen Mann so fest in den Gliedern wie die »Gott strafe England! “-Parole. All das geschieht zu dem Zweck, um aller Welt ru beweisen, daß es mit der Entwicklung zur Demokratie nichts wird. Dieser Beweis ist eigentlich schon lange erbracht worden und er ist die stärkste Unterlage für die französische Reparationspolitik, deren sich alle Alldeutschen freuen. Sie tun nichts, gar nichts, um die Schwierigkeiten zu lösen. Das überlassen sie dem Zentrumsmann Wirth und dem Juden Rathenau, soferne sie nicht gegen beide die Zunge herausstrecken. Sie selbst suchen sich, wie jeder Radikalismus, den bequemsten Angriffspunkt, nämlich die eigene Nation und das eigene Land, und die bequemste Methode, nämlich die Hetze gegen die Republik und gegen die Juden. Faßt aber einmal das Gericht derb zu, dann hat keiner etwas gesagt oder getan. Jagow sagt, Kapp ist das Kaninchen gewesen, Kapp — der in Schweden sitzt — sagt, Lüttwitz hat alles gemacht. Und Ludendorff? Kein Engel ist so rein. Sie haben eben Mannes- Biui und sind stolze Bekennet, nämlich im Kreise ihrer Einheitliche Richtlinien Polens, Rumäniens, Jugoslawiens und der Tschechoslowakei. Prag, 14. März. (Tschecho-slow. Preßbur.) Nach der Beratung.in Bukarest und der Beratung zwischen dem tschecho-slowakischen und dem südslawischen Minister des Aeußern in Preßburg wurden einheitliche Richtlinien für den bei den Arbeiten auf der Genueser Konferenz einzunehmenden definitiven Standpunkt. erzielt Ueber diesen e i n h e 1 t i i c h e n Standpunkt der betreffenden Regierungen wurde folgendes amtliches Communique ausgegeben : Die Regierungen der tschecho-slowaki-, sehen Republik, R u mä niens, der p o l n i s c h e n Republik und des Königreichs 8. H. 8. sind dahin übereingekomraen, auf der Konferenz von Genua einen einheitlichen Standpunkt einzunehmen. Von .dem Gedanken geleitet, Europa ein normales politisches und wirtschaftliches Leben zu sichern,- sind sie zu dem Schlüsse gekommen, daß folgendes erreicht werden muß: 1. Das in Cannes von den Vertretern der alliierten Großmächte festgesetzte Programm für. die Konferenz von Genua wird eingehalten werden, und über die Punkte, die aus diesem Programm ausgeschlossen wurden, wird nicht diskutiert werden. 2. Die nach Belgrad elnberufene Expertenkonferenz bestimmt die gemeinsame wirtschaftliche Richtlinie, die auf der Konferenz von Genua eingehalten werden muß. 3. Die Notwendigkeit, die internationalen Handels¬ und Transportbeziehungen zu erleichtern, muß im Einklang mit den Rücksichten auf die Selbständigkeit der; einzelnen verbündeten Staaten stehen und es wird zwischen ihnen kein Unterschied gemacht werden. 4; Jeder der verbündeten Staaten wird sich nur an der Beratung jjnd -Entscheidung jener Trägen beteiligen, die seine Interessen betreffen. “ *! Die Konferenz der baltischen Staaten. Für den Wiederaufbau Osteuropas. Warschau, 14. März. (Poln. Tel.-Ag.). In der gestrigen Eröffnungssitzung der Konferenz der baltischen Staaten hielt Minister des Aeußern Sklrmun t eine Ansprache, in der er unter anderem erklärte: Es genügt nicht, daß sich die Delegierten Polens und der baltischen Staaten auf ein positives Studium der praktischen Fragen beschränken, deren Regelung entweder schon durchgeführt ist oder im Wege besonderer Transit-, beziehungsweise Handelsverträge vorbereitet wurde. Das. Ziel der jetzigen Konferenz ist di» Verständigü n g über weiterreichende Fragen mit Hinsicht auf die Konferenz von Genua. Polen und die baltischen Staaten wollen nicht ihre gemeinsamen Ansichten. irgendeinem anderen Staate auf drängen. Die Aufgabe der auf der baltischen Konferenz vertretenen Staaten ist der wirtschaftliche W i e de rauf bau Osteuropas. Wir sind alle Nachbarn Rußlands, das so viel gelitten hat und so viel leidet. Dieses Land ist nicht und wird auch nicht das Ziel uuserer politischen und wirtschaftlichen Ausbeutung sein. Wir haben auch nicht die Absicht, Rußland :Aimoset! zu schenken, aber das einzige Programm, das nützlich verwirklicht werden könnte, wäre eine internationale gemeinsame Arbeit, die das Ziel hätte, Osteiirdpa lebensfähig zu machen und es auf friedlichem Wege der europäischen Gemeinschaft anzuschließen. Wollen wir, daß unsere Wiederaufbauarbeit wirklich auf friedlicher Grundlage ruhen soll, dann müssen wir alle unsere Verträge; die wir bereits unterzeichnet haben, als u n an ta s tbaii erklären und sie keiner Diskussion mehr unterziehen. Der Minister schloß mit dem Wunsche, die Kon*- ferenz möge günstige Erfolge bringen. Hierauf sprach im Namen der baltischen Staaten <lerj Außenminister P i i p und gab der Ueberzeugung Ausdruck*' daß die Konferenz ohne Zweifel zur Vereinigung; de* Kräfte zum Zweck des Wiederaufbaues führen werde. Für eine Entente der baltischen Staaten* Warschau,' 13. Marx.. (T-eil. dar »Witemer Mccv gernzeitung«.). In. maßgd1tendiEin..ip!DliitÜ9clien Kineisiemt Ve-ÄiWet,^ pfitoiisrihie. "in u h t die gegeuwattige Kothferenlz clier batfitiisiäbestf Staaten-itr -WainSctou mr Gtamkmg: eäniär-der Entente äton;lti<chah .yüadriipip-diaililkintz. dien: -teilltlsidhieda Sttmte», Fdiri-nilandv Lettland, - Eiaölatiid; Mich Pöilieih 'behüt zen wäll, wölbe» - 'Boliern dla&i .BfudeglLÄck- ©wääöfoenl der monatlichen lumd1siidHiiicibesn Entente (bilden. sbllL Die' Ahifegiuiiig Sdciitraumitis ' stößt jtodtoeh ßnitf Wide®!* statnd •ejpezietj’l van Seiten L e itt 1 air-dus, dla kwid'eMi •besonderes Gew-iichlt diamaiut legt, L i taue ri ', her-aritziüizntehen, w®*> niatüPlleihanveise ■ itmfbkge " de» ipoln-i-sich-lüt aiui-sc he n Konf-Ekte^ diie DwndifühJnuintgj d'CT Skitirniniixtseheni Idee erschwert. Komitatschibanden, mit denen sie die Juden, die Republik, die Franzosen, die Engländer, die Polen, kurz alles, was nicht ihre Punze trägt, verhauen wollen. Wenn aber dann die französischen Chauvinisten Lärm schlagen und sich'an den großen Worten berauschen, wenn Poincarö in unheimlicher Gelenkigkeit seine Barriere um dieses von Haß und von der inneren Hetze geschüttelte Deutschland zieht, dann — schlagen die Alldeutschen in den Geheimnissen der Weisen von Zion nach, verprügeln Juden oder vermutete Juden, singen die Wacht am Rhein und heken irgendeine Lüge über Eberth aus. Mit dieser Art von Politik treiben sie Deutschland genau so wie Oesterreich in die Kontrolle der Entent# hinein. Das ist die erste Etappe; die nächste ist die Russifizierung der Wirtschaft und des Systems. Die Regierungskrise. Date, Aueflaind tot sieh eium-eugen mü-ssew, um dtem Skandal! der groß deutschen Krise ein Emde zu machen. Die Partei, die stets düe Wünsche dar deutschen Naf/Iom im Munidle führt, tot es direkt (provoziert, daß eOstens die Verwendung der Kredite unter Aufsicht gc-tebllt. wird, daß zweitem diais Aufsciditisioingau dlie verlangte und zugesiaigte Vodage des Krediilüpilianes in,-einem Brief utngierenmuß uind daß drittem® düe gesamte Entente die Pensen des derzeitigen Bumdc-ik^u’zters -sils -die'Bürgschaft fü/r die Flüssigmachung der' schon angewiesenen und für, die Bewilligung weiterer Kredite erklären mußte. Aus einer Mitteifung deir Ramis-etr Agonice- Hiarvass* wiird 'belkiannt, daß de? französische Ge-sctndte in W ien, Herr Lefevre-Po nt «a 1. i in einem' Privatbriefi an den Bundesfcauizle.r Schober aiu-f däe Sc h ä d 1 ic h-k'e i t' d e r Part e ideä mjpfe im östeureidiiisiclian.. Parlament bfeige wiesen tiinid Zugleich hervorgehtaben halbe, daß dii-e seiincmzeit den Delegierten dtos -VöHkerbiumdeis erteiiiten- Zulagen hinsiahlAliiidh dier inneren F inantzmia ßntal>jmcn biß her nicht zur Gänze erfüllt worden ethmd. Der .Wink mit dem Zaiunpfahl, den dissss ScCineiiibein vMbringt, wird ergämizt dimnch eime niauiediiidlne Zuisichiräft des Herrn Y o u n g an den Kismizleir, in we;!idh,eav dfe Wünisicihe der Entente ipräzisrject, w-etnden, An.. der, Spi'hze der Bedingungen steiht dtais, . rVieidbliieiilb-ert Söh'obens im Amte. , . , Die Christiltid't'OzMten1,' diie* g-esrtteimu 'VGntoMaig9. eln-e Plenarsitzung -•Ihres -IOteihs ’albbiiellten., ikiaim'eih' '-zH. denv einstimmigen- Entechiluß, - siwk «Mr ' B'Ä*. behäüteig dies gesamten ■ Käibintetts, zu- 'Ibesteheni.- Süel be cfnUosis-en' weiter, Y^on -den Grnctödauite'töbein dfeörid-, gültege Erutscheidung bis - «um DonnerÄtag zu' dfö>r-i dem. m am dtesem Tage ' im! N-atiidneilifait-bereite, nuilf der Erbringung der Finai 11 z?vb'r l,a*g-e ri’-fcü beginnen. Die öroßd-eotis-ohein», ' dienen 'P)airÜiaim*emiti5*- fitaktion schon lange der Sache müde ist. tobensidb ’alber ntcch nicht entrcilnTosfs-ein.’ Trctzdleim iislt es' j'etizt* waJbr&c-heinfctdh,' daß sie diais Kabinett atnjeir’ke’riinettil wenden, •jbdofcb weiter in dler OipiposiitiiJoin v'bllieiböt^ Die Arbeitsunfähigkeit der Auisisidhüstsie'- 'wirddia^ •durch aiuis der Welf geischaifft .werden., daß -rni-n dtzni •Wuinsclh dar S o z i a l d e m o ik r <ante n' nach ■ Geiheto rmgumg, -der Wohnbausteuer maisch erfülterf .und -siie .venam^assen wind, ihre bisherige' -Talktifc in! den Am Schüssen aufzugelheai. Außerdem dürften dli-ei bevorstehenden Wa-Ihle-n im B'ujr g e n-'Viand! eine Vemsitärkung der Ojniisffliiicbsaziaflieu .kn.' :Haiuise: bringen, womit dann articih thr Uöbergewidi.t in den! Ausschüssen außer Frage gesitieMt sein wiirtd. Weis dtie Kredite 'selbst betrifft, «o w-iird alufll Prag mitgeteiilt, daß düe tschechische Regiiemuingi ihr e an Oesitenreich ge wähnte Anil-eihe vcm 500 Mil- ’l'icnen tech-ed-üschen Kronen in zwei Raten fiüsisrfc* •’miadhien wind. Sie e-ntr.ii.mmt diese dieim eugtliisiahiK« 10-Mi’Miianietn'-Pfumd Kredit, der ihr ^leiohfaiMis 2» zwei Raiten ausgezaf1'.'!l!‘ werden soM. In die ernste vo» der T©dheiflh)o-Siow,:lkiei nach Wien amizu-weisende Rate dürfte der Vorschuß von 100 M-Äoman bschedhiischen ‘Ktromeai .eingercclhitveit werden', so daß Oasiterreach jetzt mooh 150 umd1 -clintrun 250 MiilUiion-en erhallten würde. Uebrr den Zimisfuß dliener Anüeilh&i . ist iHioch niictos bekannt, dochschötirt morn iÜM äjuli