Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1122 (14.3.1922)
- Date
- 1922-03-14
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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LMEnrsmmGr K SO Wien: Zum Abholen'in. der Expedition, H.,Taborstr. I—3, oder >n einer Verschleißstelle (Trafik) monatlich K 1200. Mit Poätversand für Wien und' Oesterreich monatlich K1200. Tschecho-Siowakei: Man. Kronen 20. Ungarn: Monatl. Kronen 129. Jugoslawien: Monatl. Dinar 18. Polen:- Monatl. Mark 600. Deutschland: Monatlich Mark 30. Frankreich: Monatl. Frcs. 6. mwmmmmmm TsthecfcQ-siloftföKel iseh. K 1 Italien: Monatlich Lire Ö8 Rumänien: Monat!. Lei 40j- Schweiz und das übrige* Ausland monatlich Francs H Redaktion u. Administration Wien 11., Taborstrasse 1—3? Telephone: 44-0-3& 43-3-19? ab 6 Uhr abends 17-9-3P Telegrammadresse: „Morgen^ zeitung«, Wien. j Oesterreichisches Postsparkassehkonto 130.698.' Nr. 1122 Wien, Dienstag, 14. März 1922 4.Jahrgang Frankreichs Hilfsbereitschaft für Oesterreich. Der Kredit^bewilligt. -- Eine Kritik des Friedensvertrages. Die Arbeitsgemeinschaft. -y. Wien, 14. März. Die österreichische Regierungskrise, die ihrer Entscheidung näherrückt, wickelt sich unter Erscheinungen absonderlichster Art ab. Weder die Gründe noch die Lösung dieser Krise sind auf dem Felde der sachlichen Politik zu suchen.- Die Regierung Schober hat mit der Tschecho-Siowakei einen politischen . Garantievertrag abgeschlossen und von der. Mehrheft der Volksvertretung die Indemnität erhalten. Trotzdem trat die Regierung zurück, da die Großdeutschen ihren Vertrauensmann abberuien hatten, wurde aber wiedergewählt. Sie - konnte nunmehr die Früchte ihrer mit. dem Prager «Vertrag ins Werk gesetzten Politik langsam reifen sehen.' Die englische "iind französische Regierung sagten Vorschüsse auf den Völkerbuiidkredit zu, die Tschecho-Siowakei unterfertigte einen Anleihevertrag. Da gleichzeitig die Entente für die Verwendung ihrer Kredite die Einigung der Parteien auf ein bestimmtes ..Programm verlangte, übernahm die Regierung, -die' vom Ausland ^Beweise seines Vertrauens erhalten hatte, die Führung und erzielte eine Einigung, so daß Herr Schober seine Erklärungen im Namen des gesamten Nationalrates abgeben konnte.. Dies war kaum geschehen, als der Kampf gegen ihn von seiten der Großdeutschen von neuem aufgenömmen wurde. Sie können , nicht den geringstenstichhältigen Einwand gegen seine politische Orientierung erheben, die von den Tatsachen gerechtfertigt würde. Kern Kanzler könnte, Jnsolange die Büfigenlandfräge besteht und vori Ungarn zu Erpressungen benutzt wird,' eine aridere Linie einschlagen als die der Annäherung an die Tschecho-Siowakei, die das gleiche politische Interesse . hat wie Oesterreich. Kein Kanzler könnte die. Kredite anders verwerten, als'die Gründung des Noteninstituts vorzubereiten und aus ..den Valuten eine zur; Stützung; der Währung bestimmte; Reserve zu formieren, aus, der die Industrie ihren dringendsten Bedarf decken., kann, Die 'DWÄsMchen, dic^seit dem ^Abgang Mähers, in Opposition."stehen, naben Kein Programm bekanntgegeben, das im iWiderspruch zu den Anschauungen der Regierung-stünde. Die Gründe der Krise, soweit sie die Regierung betrifft, erschöpfen sich in der persönlichen Feindschaft der außerhalb der verantwortlichen Politik stehenden deutschböhmischen Emigranten gegen Schober. Diese Nebenregierung will kommandieren. . Als Zweck der wochenlangen Verhandlungen der Parteien war, um dem Publikum Sand in die Augen zu streuen, die Bildung einer Arbeitsgemeinschaft im Nationalrat angegeben worden. Die Grundlage dieser neuen Majorität wäre das Finanzprogramm der Regierung Schober, auf das sich alle Parteien geeinigt Hatten. Es wäre also jede Krise unnötig gewesen. Es wäre auch überflüssig gewesen, vor den Augen des Auslandes, das ein Kontrollorgan nach Wien entsandt hatte, den Streit um Schober so groß aufzumachen , und so zu tun, als ob nach der Entfernung dieses Mannes das ganze Weh und Ach des Staates zu kurieren wäre. Denn das bilden sich nicht einmal die Großdeutschen ein. Die kommende Regierung kann gar keine andere Politik betreiben als die jetzige. Wozu also der Lärm und die unvermeidliche Blamage vor dem Ausland? Es gibt Stimmen, die die jetzigen Vorgänge hinter den Kulissen des Nationalrates als einen demonstrativen Akt gegen die Entente gelten lassen wollen. Es wird behauptet, daß die Kreditaktion ins Stocken geraten sei und daß die vierein viertel Millionen Pfund, die von den Mächten zur Verfügung gestellt werden, schon die Gesamtsumme sind, mit der sie sich von den Verpflichtungen der Mantelnote . zum SL Germainer Vertrag loskaufen wollen. Es muß zugegeben werden, daß die Entente' tatsächlich Miene macht, in der österreichischen Frage wieder zuin Desinteressement überzugehen. Die so ganz minimale Angelegenheit des Generalpfandrechts in Amerika zu lösen, wäre für die Diplomatie der Großmächte ein leichtes gewesen und die Unterbrechung der Aktion des Völkerbundes oder ihre Vertagung würde für die Wirtschaft Oesterreichs und der mit ihm in Verbindung stehenden Nachbarstaaten die schwersten Folgen zeitigen. Nichtsdestoweniger hätte eine Demonstration in dieser Hinsicht wenig Sinn, weil sie -bei, der Schwäche öesterreichs nicht nachhaltig wirken könnte. Auch der Nachfolger Schobers jnüßte der Entente vor Augen führen, daß sie nur in ihrem eigenen Interesse handelt, wenn sie Oesterreich aufbaut Wie immer man die Krise und ihren Abschluß betrachtet, eine Aenderung des Kurses ergibt sich nicht Wohl aber die Sinnlosigkeit und die zwecklose Vergeudung von Zeit und Kraft im Verlauf der Krise. Herr Schober, der heute in seiner Person das gesamte politische Aktivum Oesterreichs repräsentiert, hat an die Stelle der Bettelei die Selbsthilfe und die Vertragspolitik gesetzt Dieser Weg kann nicht «ehr verlassen werden und die beste Dokument!erung Paris, 12. März. Wie bereits gemeldet, hat der Finanzausschuß der Deputiertenkammer den Bericht des Abgeordneten Nb b 1 e m a i r e, betreffend den Gesetzwurf über die Kreditgewährung an Oesterreich, ange- , nommen. Der Bericht ist sehr umfangreich. Er enthält eine . Tabelle der In Oesterreich getroffenen, seit November rechtsverbindlich kundgemachten Selbsthilfemaßnahmen und betont die humanitären und. sozialen Gründe für die Kreditgewährung an Oesterreich, insbesondere aber das eigene Interesse Frankreichs, Oesterreich lebensfähig zu erhalten und seine wirtschaftliche Wohlfahrt zu fördern. Nach einem historischen Rückblick auf die Gestaltung der alten Monarchie und die willkürliche Bildung und Abgrenzung des neuen Oesterreich äuf deren Trümmern wird in dem Bericht betont, daß die K r i e g s v e r a n t w o r 11 i c h-- k e i t gerade dieses Teiles der früheren Donau- Monarchife sehranfechtbarsei. Der G e d a n k e an eine R e vis ion des Vertrages von St. Germaln dränge sich auf und die Frage, warum nicht lieber durch wenige einfache Paragraphen für die Lebensfähigkeit des neuen Gebildes und die Sicherung seiner Beziehungen zudenNachbarn gesorgt wurde, statt undurchführbare Reparationsvorschriften zu textieren oder aus dem Vertrag von Versailles ®hbzuschreiben und hiedurch nur Schwierigkeiten zu verursachen. Eine Revision müsse jedoch aus prinzipiellen •Gründen, um nicht die mühsam geschaffene Gebietseinteilung Mitteleuropas und' hiemit den Frieden zu gefährden, sowie wegen E;x;e m p 1 i f i k a t i o n c n dedi 6868 Willens ist die Isolierung der Großdeutschen, die sich als unfähig erweisen, die Not des Staates und seihe Lebensfragen zu verstehen. Wollen sie ihre Parteiprogramme, deren sie ebensoviele als Mitglieder besitzen, durchführen, dann müssen sie die Regierung übernehmen. Dazu sind sie numerisch und intellektuell zu schwach. Was aber von ihnen als ein Minimum verlangt werden kann, ist eine unzweideutige Erklärung: Wünschen sie die Absperrung Oesterreichs von seinen Nachbarn, was gleichbedeutend wäre mit der Rcsorbierung durch Ungarn, oder wünschen sie die Offenhaltung der verrosteten Türe, die der Kanzler aufgeschlossen hat? Wünschen sie die Arbeit oder die Bettelei, Verträge oder Almosen? Was wollen sie eigentlich? Diese Fragen könen nur durch Neuwahlen entschieden werden. Vor dem Rücktritt Lloyd Georges. Paris, 13. März. (Tel.-Komp.) Wie der „Matln* aus London meldet, ist es zwar nicht richtig, daß Cham* berlain die Demission Lloyd Georges in der Tasche trägt, es sei jedoch sehr wahrscheinlich, daß der Premierminister nach seiner Rückkehr aus Nordwaies abdanken werde. Er habe seinen intimen Freunden gegenüber vor seiner Abreise nach Wales diese Absicht geäußert; er wolle jedoch vorher noch die Aussichten der Konferenz von Genua abwägeh. Die Weigerung Amerikas, an der Konferenz teilzunehmen, habe ihn tief getroßen. So ist das Gerücht entstanden, daß er einen Mißerfolg vermeiden und infolgedessen noch vor dem 14. April um seine Entlassung bitten würde. Riesenausspernmg in England. London, 13. März. (Funkspruch.) Der angestrebte Ausgleich zwischen den Arbeitgebern und dem Gewerkschaflsverbande der Maschinenbauarbeiter ist gescheitert. Die Unternehmer stehen auf dem Standpunkt, daß die Verwaltung ihr ausschließliches Vorrecht sei. Die Aussperrung, von der mehr als 400.000 Arbeiter betroffen , werden, soll Ende dieser Woche beginnen. Ghandis Verhaftung. Washington, 13. März. (Funkspruch.) Laut Nachrichten aus Indien sind infolge der Verhaftung Ghandis in allen größeren Städten Indiens allgemeine Ausstände verkündet worden. Die Revolution in Südafrika. Kapstadt, 12. März. (Tel.-Komp.) Die Unruhen in Johannesburg haben einen anarchistischen Charakter angenommen. Die Verbindungen mit der Stadt sind unterbrochen; man vermutet, daß es den Aufrührern gelungen ist, die züglich des Vertrages von Versailles au ße f Betracht bleiben. Man müsse also mit dem.bestehenden Vertrag Auskommen und andere Abhilfe schaffen. Nach genauer Darstellung der einzelnen Stadien der Hilfsaktion seit dem 48-MilHonen-Donar-Kredit für Leben/jjS;v mittel, an dem Frankreich zu gleichen Teilen mitgewirK habe, wird in dem Bericht hervorgehoben, daß die zur EP haltung Oesterreichs entfaltete Tätigkeit Frankreichs infolge seiner eigenen Finanzlage vorwiegend ailf politisches Gebiet beschränkt bleiben mußte. Die Einflußnahme Frank-; reichs auf seine Alliierten bei jedem Anlaß, die Geltendmachung der Bündnispflicht gegenüber Frankreich, Österreich zu erhalten, die Tätigkeit des französischen Dele-; gierten im Finanzkomitee des Völkerbundes Avenol und des französischen Delegierten in der Verkehrskommissioa L e v e r v e, alle Bemühungen des Quai d* Orsay : waren* unermüdlich und unentwegt auf di»! Schaffung der Lebensfähigkeit Oesterreichs und auf die. Gewährung einer Kredithilfe gerichtet.-Diese Bestrebungen! seien nunmehr zum Durchbruch gelangt. Als Er f o 1 g könne insbesondere die Haltung der T s c h e c h o- Slowakei und Großbritanniens bezeichnet werden. Frankreich müsse sich aber nach Maßgabe seiner bescheidenen Mittel auch finanziell an der Aktion für Oesterreich beteiligen. * Der Bericht schließt mit einem Appell an die Pflicht den Frieden und die ruhige Gestaltung Mitteleuropas durch die Erhaltung Oesterreichs zu sichern. Paris, 13. März. (Privat.) Der „Temps* tritt für dta Beschleunigung der Kreditaktion für Oesterreich ein. Das Blatt sagt, daß es bedauerlich ist, daß Frankreich ah vierter Stelle figuriert : . .. . .. Aemter zu besetzen. Nach einer späteren Meldung aus Bloemfontain soll es den Polizeitruppen gelungen sein, die öffentlichen Gebäude mit Unterstützung von A r t i II e r i e zu stürmen. Johannesburg, 12. März. (Wolff.) Die Eisen« bahnbrücke zwischen Germiston und Pretoria ist in die Luft gesprengt worden. Johannesburg, 12. März, (Reuter.) Nach einer Mitteilung des Premierministers Smuts an die Press® ist die gegenwärtige revolutionäre Bewegung da» Werk radikaler Aufrührer, die den Streik als Mittel benützen, um syndikalistische Ansichten zu verbreitern Es dürfte nicht lange dauern, bis unter Mitwirkung det loyalen Bürgerschaft friedliche Zustände wiederher-i gestellt sein würden. Die Masse der Arbeiter leiste der Streikparole keine Fojge. Die eingeborene Bevölkerung bewahre musterhafte Ruhe und lege Zurück^ haltung an den Tag. Pretoria, 14. Jänner. (Wolff.) Das Streikkommandöi das die Eisenbahnbrücke zwischen Germiston und Pretoria mit Dynamit gesprengt hatte, wurde in einer benachbarten Pflanzung festgestellt und von einem Flugzeug mit Bomben beworfen. Die wenigen Beamten, die die Brackangruben bewachten, wurden, nach dem sie sich ergeben halten, t o t g e s c h I a g e n. Die Streikenden gehen in dieser Gegend mit unglaublicher Roheit vor. Politik in Albanien* Washington, 13. März. (Funkspruch.) Nach einer Meldung aus Durazzo ist die albanische Regierung zurückgetreten. Aufständische . Truppen haben den Befehlshaber der Regierungstruppen ermordet und marschieren gegen die Hauptstadt Freilassung der deutschnationalen Exzedenten. Berlin, 13. März. (Intel.) Wie ein Mittagsblatt mit-, teilt, wurden sämtliche bei der gestrigen deutschnationales Kundgebung auf dem Kurfürstendamm wegen Ausschreitungen und Gewalttaten verhafteten Personen noch in der Nacht auf Befehl des Polizeipräsidiums aus der Haft entlassen. Die russischen Delegierten für die Konferenz von Genua. London, 13. März. (Tel. der „Wiener Morgenzeitung41.) Chamberlain erklärte im Unterhaus^ die Sowjetregierung habe in Rom amtlich mitteiien lassen, daß Rußland an der Konferenz in Genua durch Lenin, Litwinew und Krassin vertreten sein wird. > Die Konferenz werde am KL April beginnen;