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Wiener Morgenzeitung · 1922-03-12 · Heft 1120 (12.3.1922) · p. Seite 9

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1120 (12.3.1922)
Date
1922-03-12
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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Nr. 1.120 Wien, Sonntag * Eine Synagoge als Kaserne requiriert. Im Städtchen L a g o w i c in Polen hat der Kommandant die Synagoge requiriert und dort Soldaten einquartiert Trotz mehrfacher Interventionen wollte er von einer Aufhebung des Requirierungsbefehls nichts hören. * Zum Verständnis und raschen Erfassendes Hebräischen sind gute Lehr- und Uebungsbilcher der beste Behelf. Die im Selbstverläge des Verfassers Dr.‘ Daniel Fink,Berlin-Wilmersdorf, Guntzelsträßc 44, erschienenen sind für den Schul- und Selbstunterricht besonders geeignet. * Zur Frühjahrssaisan bringt das renommierte Kleiderhaus Schacht e r, XII., Meidiinger Hauptstraße 2ß, Füchselhofgasse 1, Neuheiten in Anzügen, Raglans, Ueberzlehern und Regenmänteln zu bedeutend herabgesetzten Preisen. . ' * „Prdga“, Internationale Transport- und Speditions- ^A.-G., ist eine Gründung der Mährischen Agrar- und Industriebank in Brünn und ist die Zentraldirektion der „Praga“, Tschecho-slowakische Lagerhaus- und Speditions- A.-G. für Land- und Seetransporte, daselbst. Wir verweisen auf das nach den modernsten Prinzipien organisierte Unternehmen, welches ermöglicht, im Verein mit den auf den .hauptsächlichsten Plätzen errichteten Filialen und Exposituren jedwede Art von Transporten, sowohl Export wie' Import, promptest und kulantest durchzuführen ‘ Die Firma hat große Lagerhäuser mit direktem Geleiseanschlüß und ist mit allen neuzeitlichen Hilfsmitteln ausgesta,ttet, so daß sie die Aufträge ihrer Kommittenten zu .den günstigsten Bedingungen jederzeit übernehmen und ausführen kann. Genannte Firma unterhält ein erstklassiges, modern ausgestattetes Filialnetz mit'Filialen in Bodenbach, Büdweis, Caca, Chiasso, Eger, (Böhmen), Freistadt i. S., Hamburg, Kirälyhäza, Kufstein, Laube, Longatico, Luino, Lunden.burg, Oderberg, Pilsen Ponteoba, Prag, Preßburg, Tescheu, Triest, Udine, Venedig, Villach, Piedicolle, Rosenbach, mit alliierten Häusern in ganz Deutschland, Frankreich, 8. H. S.-Staaten, Schweiz, Rumänien usw. und ist in der Lage, alle Aufträge prompt, exakt und ohne Differenzen durchzuführen. Die genannte' Firma befaßt sich ferner mit großen Transporten jeder Art, sowohl zu Wasser wie zu Lande, chartert ganze Dampfer und Schlepper auf allen in Betracht kommenden Wasserwegen. und bietet den Verfrachtern die denkbar besten Vorschläge. * Qualitätsware zu mäßigen Preisen im Möbelhaus J. M a n n e, Wien, VH, Schotteufeldgassc 24 (Tel. 39-1-08). Größe Auswahl von Luxus- und Stilmöbeln, gebogenen Sesseln in gediegenster Ausführung. * Großer Preissturz in allen Qualitäten Seidenstoffen lm Seidenhaus K u n s t a d t, L, Fleischmarkt 26. Herrliche Crepe de Chine, Klelderfqulards, Mode- Seidenstoffe und Futterstoffe. ■.* Qualitätsmöbel aller Holz- und Stilarten kaufen Sie Äußerst preiswert im Möbelhaus Max Bergmann, U.> Praterstraße 33 (Weintraubengasse 2). Restbestände der »Weißen Woche“ bei Gerngroß werden, solange der Vorrat reicht, ab Montag zu den bekannt billigen Preisen verkauft.' Außerdem werden nachfolgende, zur „Weißen Woche** verspätet eingetroffene Waren, die besonders günstig eingekaiift wurden, zu. sehr billigen Preisen, abgestoßen: Prima R i p s 1 e i n e n, weiß, per Meter K 1560. Mode-C r e p e, weiß, mit eingewebtem Caro, beste Qualität, für Blusen und Kleider, per Meter K 1380. Vorzügliche Leintüch e r, gesäumt, Größe 145X220, per Stück K 5950. D a ni e nundHerren-Taschentüch er, gesäumt, 4J5X46 groß, per Stück K 286. Ein größerer Posten gestickter Taschentücher, per Stück K 290. K i n d e r« T a s c h e n t ii c h e r, bunt gedruckt, gesäumt, per Stück K 235. Ein Posten G.läsertücher, 55X55 groß* per Stück K 590. Während der „Weißen Woche“ beschmutzte C h i f f\o n e, Sch i r 11 n g e und’ G r a d l r e s t e sowie einzelne wenig beschädigte T i s c ii t ü c h e r, Servietten und Handtüch er zu ganz besonders billigen Preisen.. W o 11 s t o f f r e s t e. für Frühjahrskostüme und Kleider- 130 cm breit, per Meter K 2400. Rohseidenst o f f e, glatt und gemustert, für Kleider und Blusen, per Meter K 59Q0. Ein Posten weißer Damen-Glacäharidschuhe K 2900 per Paar. T ü 11 - B o n n e s - F e m m e s, mit Volants, per Stück K 8800. Tüll-Doppelbettdecken, mit reicher Bändchenarbeit, K 14.900. V! t r a g e n per Meter K .490. Brises-Bises per Stück K 850, K 750. Ein großer Posten feines Briefpapier in Mappen, mit, gefütterten Kuverts 10/10, Damenformat, per Mappe K 100 und K 110, Herrenformat K 150’ Ein neuer , Waggon Kristallglas (Gebrauchsgläfcef) zu bekannt billigen Preisen. Die sehenswerte „Weiße Woclie“-Dekoration ist weiterhin für das Publikum zur freien Besichtigung zufänglich. — Täglich von Vs4 bis 1/a6 Uhr bei Konzert in eiden Häusern. ♦Der jüdisch-akademische Juristenverein veranstaltet am 19. d. M. als letzte akademische Redoute ein großes P u r i ni - M a s k e n f e s t in den Sophiensälen. Nach Schluß Straßenbahn nach allen Richtungen. ♦ Billige Teppiche zu haben I Der Firma Teppich- Hans W e i t z n e r, VI., Mariahilferstraße 105, ist es ge- . hingen, Teppiche Unter sehr günstigen Einkaufsbedingungen einzuführen, welche zu folgenden Preisen zum Verkaufe gelangen: Speisezimmerteppiche in den Größen 150X210 bis 250X300 K 19.500 bis K 39.500, Tischdecken K 1650, Bettvorleger, reine Ware- K 3900, Lambrequins K 2950, Laufteppiche per Meter K 680, Wirbelplüschüberwürfe in allen Farben K 26.500, Halbstores K 4500, WolMtcken K 8500, warme Flanelldecken K 3950, prachtvolle Wandteppiche K 1250, Leinen-Künstlervorhänge K 7800, ferner große Auswahl in Steppdecken, Doppelbettdecker., Tischdecken, Reisedecken und Plaids,..Daunendecken usw. * Nach überstandener Influenza etc. bereitet' die vorzüglich erfrischende Wirkung des Tascheninhalators »Mentö-Twin“ nachhaltiges Wohlbehagen. Auch als Migränestift unvnrgleichlich. * * Die strahlende Lichtgöttin. Schon längst entwöhnt, die Straßen und Plätze unserer Vaterstadt ln jenem strahlenden Lichtmeer zu sehen, das uns einst im Frieden vergönnt war, erfüllt uns in letzter Zeit ein Bild, das uns fast auf Schritt und Tritt in der ganzen Stadt begegnet, mit neuer Hoffnung und Zuversicht auf ein helles, strahlendes Wien. Die Lichtgöttin, die uns daran mahnt, sie endlich aus dem langen Schlummer' zu erwecken, fordert von «ris sicher keine Opfer, im Gegenteil, sie will uns nicht riur mit reichstem Lichte versorgen, sondern auch den einen oder anderen ihrer Helfer und Förderer mit dem ansehnlichen Betrage eines Gewinstes von f ünfzig Millionen belohnen. Zur Teilnahme .an dem, Erfolge der Lichtgöttin bei ihrem glänzenden Einzüge in unsere Stadt ladet die Gemeinde Wien dadurch din, daß sie der gesamten Bevölkerung die Möglichkeit gibt, durch Ankauf der 5%igen Privoritätsobligationen der Wasserkraftwerke-Aktiengesellschatt (Wag) nicht bloß den Triumphzug dös Lichtes zu beschleunigen und seineJPrächt zu erhöhen, sondern sich gleichzeitig auch durch, die Erwerbung eines pupillarsicheren, hypothezierten, gut verzinsten Substanzwertes vor jedem Vermögensverlust zu bewahren und dazu noch die Glückshoffnung auf einen jährlichen Treffer von fünfzig Millionen Kronen als. angenehme Last ln den Kauf zu nehmen. Die Lichtgöttin wird also, aus ihrem Schlummer erwacht, nicht bloß die köstlichen Gaben des Lichtes unter die Bewohner unserer Stadt verteilen, sonden für den guten Willen aller, die sich ihrem Gefolge ängeschlossen haben, auch noch die Aussicht auf ein Geschenk von jährlich fünfzig Millionen Kronen gewähren.? WIENER MORGENZEITUNC? » »«'»»»" '.. ...»"HW..■ ■' •.«■IJMWWEUMWWM»1 1 Dem Wunsche unserer P. T. Parteien Rechnung tragend, finden während der Messe bei uns täglich Verladungen statt. Internationales Speditionsbureau S c hn ü r, Fall <5 Co.. Wien, II,, Taborstraße 11b, Telephon 4Q-6-50.1 Siehe Inserat. Zahlungserleichterung bei Chiffonen, Bettgradb Prima-Weben, Bettüchern, Leinenwaren und Taschentüchern . zu tiefreduzierten Preisen im Nase hm a r k t - W a rehhaus, VI., Linke Wienzeile 44. Fertige Bettwäsche, Leintücher, Deckenkappen,; Schlesische Weben, Chiffon, Gradl, Laufteppiche, Vorhänge,! Bett- und Tischdecken werden sehr billig verkauft im Warenhaus Emanuel R o t h o 1 z, VII., Westbähnstraße 15, (früher Neustiftgasse 77). Besitze in Wien keine Filiale und kein weiteres Geschäft. Vereine, Vorträge und Versammlungen. Hebräischer Studentenverband Tarb u t h,. Cafö Klinik, IX., Lazarettgasse. Heute, 7 Uhr, Vortrag des Schuldirektors aus Jerusalem H. K o h fl- Schechter über „Die hebräische Schule, wie sie sein soll“. Alle hebräischen Lehrer werden auf denVortrag aufmerksam gemacht. Gäste willkommen. — Jüdische Tischgesellschaft Landstraße. Nächste . Zusammenkunft Donnerstag im Cafe Gartenbau, Heiterer Purim-Abend, Unterhaltungsprogramm. Beginn 8 Uhr. Gäste willkommen. — Verein Erez Israel, Wien, II., Zirkusgasse 33. Heute, 6 Uhr abends, im Vereinslokal Purim-Feier mit reichhaltigem literarischen und geselligen Programm. — lugendv er ein Ahaw a t b Z i o n. Heute, Uhr nachmittags, Zusammenkunft zwecks Abfahrt" nach Baumgarten. Morgen, 8 Uhr abends, Vortrag P. Silberberg. Thema: Jüdische Literatur. — Reich s v er band der Holzhändler. Die außerordentliche Plenarversammlung, die sich mit der Frage der staatlichen Holzabstockungsverträge befassen wird, findet heute, 10 Uhr vormittags, im Gremium der Wiener Kaufmannschaft, IV., Schwarzenbergplatz 16, 1. Stock, statt. U r a n 1 a. Heute, %3 Uhr (Großer Saal) Alt-Heidelberg, du feine. — */•3 Uhr (Kleiner Saal) Unser Burgenland. — Vi}5 Uhr (Kleiner, Saal) Opernkonzerte, XVII. Giacomo Puccinl. — 5 Uhr (Großer Saal) Wild-Afrika. — Vs6 Uhr (Kurssaal) Dr. Richard Korn: Nietzsche als Erzieher, IV. — V46 Uhr (Klub-Saal) Dritter (moderner) Musikabend Dvoräk-Chopin-Grieg, — %8 Uhr (Großer Saal) Johann Strauß. — Vs"** Uhr (Kleiner Saal) Vortragsmeister' Theodor H ei ser: Heiterer Abend, -r ‘/j8 Uhr (Kurssaal) Oberbäurat Ingenieur Gustav Ad. W i 11:. Die Lokomotive. — %8 Uhr (Klubsaäl) Schriftsteller Robert Hohlbaum: Aus eigenen Werken. Keren Kajemeth rjisrael, II., Taborsträße 59, Telephon 40-3-16. — Spendenausweis Nr. 5/3 vom 8. bis 9. März: K 87.593.—. Im Jahre 1922 Insgesamt K 4,663.795.55. I. Bezirk: d. Frl. Olga Epler: Kamilla Segall 3765^50, Joslas Goldschmidt 1861, Nathan Deutsch 510, Div. 120. — IL Bezirk: Erwin. Kohn a. N. Dr. A. Schmerler für erwiesene Gefälligkeit 1000, — III. Bezirk: d. N. F. K. II: Max Markus a. N. S. Metzger anl. silberner Hochzeit 2000, A. Brenner, H. Feldmann, Adler, M. Mamber a 500, Div. 1100. —- 1V./V. B e z i r k : Smlg. Rosenberg b. Vlbg, Steinmann-Frl. Rosenberg 1500, Div. 607. — VI. Bezirk: d. Oskar Rosner: Salomon Lehr'2000, d. Aug. Schön: Feitier L Co. 512.30, Anonym VII 800. - VII. Bez i r k: Hugo Brunner 1000. — IX. Bezirk: Ch. Hpehmann 1090.20, Bar. Gfpra, d. Isidor .Lew!: Rest von Grabsteinaktion '1150, Wette Bettelhelm-Konhorty 2000, Div. 340. — X./XI. Bezirk: RöcL-Lilien-Steiner-Garten 50.000. — XX. Bezirk: M. Freilich 500> Div. 144, Ak. Landesverband: Wolf-Mandel-Garten, Med. Verein anl. Hochzeit M, U. C. Brouia Löwenthal - M. U. C. Julius Fink 10.000, Otto Fischbek. 500, Smlg. ,M.U.C Hammer 548, Div. 300; Zion. Bankbeamte : Smlg. Dr. Erber, in der Verkehrsbank 1000. — Atzgersdorf: Annie Schön 905. — Salzburg 250, Ernährung. Die Fleischpreise der letzten Woche. In der Größmarkthalle herrschte gestern sehr lebhafter Verkehr. Die Vorräte reichten für den Bedarf vollkommen aus. Im Kleinverkauf erhöhten sich die Preise für Kalbfleisch um K 100, dagegen wurden Speck um I< 50 und Jungschwe’nernes um K 50 per Kilogramm billiger. Auch Schaf- und Ziegenfleisch war entsprechend der Tendenz auf dem Markt in St. Marx etwas billiger. Im Vergleiche zur vorigen Woche stellten sich gestern im'Kleinhandel Schweinefleisch und Speck um K 50, Bauchfilz um K 100 per Kilogramm billiger, dagegen mußten Kalbfleisch um K 100, Rindfleisch um K 200 teurer bezahlt werden als am letzten Samstag. In der Groß Markthalle notierte Im Detailverkäuf: Rindfleisch K 800 bis 1600, Bratenfleisch K 1400 bis 1700, Schweinefleisch K 1400 bis 1850, Rindsinnereien K 550 bis 1000, Zunge K 1350, Rauchfleisch K 2000 bis 2400, Speck und Filz K 1700 bis 1900, Schmalz K 2000 bis 2300, Kabfleisch K 1203 bis 1800 per Kilogramm. Auf dem Wildpretmarkt kosteten Hasen , ohne Fell K 2600 bis 3200, auf dem Geflügelmarkt wurden für Hühner und Poulards. K 1400 bis 2400 und für Gänse und Enten K 1600 bis 2400 per Kilogramm gefordert. Der Fischmarkt verfügte Über lebende Karpfen zu K 1200 bis 1800, Seelachs und Kabeljau zu K .550 und 600 per Kilogramm. Die Grünwarenmärkte hatten . stärkere Zufuhren aufzuweisen. Infolge der hohen Preise blieb jedoch mehr,als ein Drittel der Vorräte unverkauft. Unter dem Drucke der Kaufunlust'mußten bei einzelnen Gattungen Ermäßigungen gewährt werden, namentlich bei Spinat und Köhl. Auch bei Kartoffeln, die in genügenden Mengen vorrätig waren, konnte man ein Nachgeben der Preise auf K 160 bis 170 per Kilogramm feststellen. Stengelspinat kostete auf dem Naschmarkt K 200 bis 400, Blätterspinat K 350 bis 800 im Großhandel. Im Kleinverkauf erhöhte sich der Preis um ungefähr 10 bis 12%. Infolge der weiteren günstigen Ankünfte von Eiern, namentlich aus Ungarn, haben sich die Preise weiter ermäßigt. Schöne ungarische Ware war zum Stückpreis von K 135 aut dem Nasfehmarkt erhältlich. Fett- und Mehlausgabe.' Vom 12. bis 18. d. M* wird sowohl bei den städtischen Fettabgabestellen als: auch bei den Konsumorganisationen die Fettquote von 12 dkg per Kopf teils in Margarine, teils in Pflanzenfett (Paket- oder Faßware) gegen Abtrennung des Abschnittes „Z“ am unteren Rande der Mehl- und Fettbezugskarte abgegeben. Der Preis beträgt für Margarine K 198, für Pflanzenfett (Paket) . K 234, für Faßware K 222. In der gleichen Zeit wird per Kopf Verschleißmehl im Höchstausmaß von ß/t kg zum Preise von K 612 per Kilogramm auf die Mehlbezugskarte gegen Abtrennung des Buchstabens #Ma am unteren Rande derselben abgegeben» 12. März mS_Seite 9 MT—"" ■ " ' .» ".. ■ -NI—.. KEINER KONZERTHAUSSafll, 13. MÜRZ (H0BSEW) II.VORTRHC DR ALFRED NOSSIG (Berliner Soziologe und Politiker) schewismus i, Juden Russische Revolution und luden —- Die Beteiligung der luden am Bolschewismus — Bolschewismus und Mosaismus Einzelne Karten bei Guttnann, Konzerthaus, »Wiener Morgenzeitung“ und ln den Kartenbureaus 8115 Bühne und Kunst. Das schwedische Ballett. Nach den Franzosen, denen seit Generationen did Pflege des Balletts Herzenssache ist, nach den Rüssen, die in der scharfen Charakteristik des Tanzes fruchtbare Arbeit leisten, hat nun auch die junge. schwedische Kunst ein eigenes Ballett geschaffen, das auf seiner europäischen Künstreise im Johann-Strauß-Theater gastiert. Der Ausdruck „Ballett“ ist nicht ganz zutreffend. Es ist eine Anzahl von Tänzern und Tänzerinnen, die sich; unter der Leitung von Rolf de M a r e zu einer Truppe vereinigt haben, in der ohne besondere Finessen und Spitzfindigkeiten eine harmonische Vereinigung von Mimik und Tanz mit stilmäßig einfachsten Dekorationen und guter Musik erreicht wird, die Schwedens namhafteste Komponisten beisteuerten. Dis schmucken, hochgewachseuen Männer tanzen mit einer gewissen Primitivität, die dem volkstümlichen Milieu angemessen ist; ganz entzückend der Frohsinn der „Johannisliacht“, wenn sich die Burschen und Mädchen um den Sonnwendbaum drehen, schwedische Melodien von Hugo A 1 f v e n, in denen Holzbläser jauchzen und die hellen schwedischen Farben aufleuchten. In der Pantomime „Die törichten Jungfrauen® hat Kurt Atterberg lichtvolle schwedische Melodien reizvoll verarbeitet, man freut sich wieder .der ländlichen Tänze, der lebendigen Kontraste, der schönen Kostüme und findet es ganz in der Ordnung, wenn nicht übermäßig exakt getanzt wird. In diese gesunde Ländlichkeit tilgt sich die Tanzgruppe „C hopin“ nicht gut ein. Man merkt gleich, daß die Damen der Truppe schwächerer Teil sind und daß spezifische Ballettkunst und italienische Fußspitzentechhik an jedem ehemaligen Hoftheater besser getanzt werden. Eine interessante Novität für Wien war die „Spielzeugschachtel“ mit der Musik D e b u s s y s, deren Instrumentation Andrä Caplet nach dem Tode des Meisters vollendete. Die, Marionettenhaftigkeit der Puppen, die allerlei Ulk treiben, wird von den Tänzern vorzüglich dargestellt und die an Drolerlea Und Pikanterien überreiche Musik schwelgt in Klangphantasien, bringt aber nur eine einzige Melodie, dis Debussy in feinem Humor Gounods „Faust“ entlehnt hat Öer starke Erfolg des Balletts ist durchaus nicht,in einer besonderen Tanzkultur, sondern in seiner gesunden nordischen Urwüchsigkeit und harmonischen Gesamtwirkung begründet flh. Von der „Lucinde“ zum „Reigen“. Mitten in den neuen „Reigen“-Rummel fiel def hundertfünfzigste Geburtstag Friedrich Schlegels (geboren 10. März 1772), Mitbegründers der k a t h oJ i sch gerichteten Romantik, Entdeckers der „a r i- S-C h e n“ Rasse und Verfassers des erotisch-frivolen Römans „L u c i n d e“, der die freie Liebe und die gesdhlechtssinnlichen Genüsse ekstatisch" feiert. Was heute eiyem jüdischen Dichter als freches Attentat auf das christlich-germanische Sittlichkeitsempfinden angekreidet wird, die dichterische Erörterung sexueller Probleme, hat vor einem Jahrhundert den vom Protestantismus zum Katholizismus „bekehrten“ Schlegel nicht gehindert, in Rötn den Christus-Orden samt Adel zu erhalten und Österreichischer Legationsrat zu werden, ln Wien, wo er viele Jahre lebte und am 11. Jänner 1829 auch starb, verkehrte er in so frommer Gesellschaft wie der des inzwischen heilig' gesprochenen Klemens Hofbauer. Auch wurde ihm die Ehre zuteil, die ICriegsmanif^ste der Habsburger zu verfassen. Er wäre wahrscheinlich sehr erstaunt, wenn er sehen könntewelche Hetze heute gerade die Kreise, denen er zu Lebzeiten angehörte, gegen die erotische Poesie betreiben. Dabei konnte ihm keineswegs stärke poetische Begabung als Milderungsgrund für seine sinnlich - frivole Schreibart zugebilligt werden. Wilhelm Sicherer nennt seine „Lucinde“ das freche Produkt eines philosophischen Fragmcntisten ohne alles epische Talent und Julius H a r t meint in bezug auf diesen Roman: Raffinierte stilistische Künste müssen den Mangel an eigentlich dichterischer Anschauungskraft verdecken. Schlegels Schauspiel „Alarcos“ hat nur Goethes ln den'Zuschauerraum des Weimarer Theaters gedonnertes Wort „Man lache nicht!“ vor einem skandalösen Durchfall bewahrt. Aber Schlegel war, wie gesagt, katholischer Proselyt und Entdecker der indogermanischen Sprach- und JJassengemeinschaft. Darum ihüssen die deutschen Gymnasiasten noch heute seine biographischen Daten auswendig lernen,* während sie ihr Wissen über die moderne Literatur nur außerhalb der Schule und durch die trübe Quelle der Parteipresse beziehen, die ihnen auch nicht verheimlicht, wer einzig und allein „Schweinereien“ zu schreiben imstande ist: »Darrr Jud. Berliner Theater. „Scampolo“. Die Tuchhändler in Rom nennen die unnützen Reste und Abschnitzel ihrer Ware Scampolo. Wenn ein Kind der römischen Gasse sich diesen Spitznamen -erworben hat, so bedeutet das in den harmlosen Bereichen des gleichbetitelten Lustspiels von David

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