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Wiener Morgenzeitung · 1922-03-12 · Heft 1120 (12.3.1922) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1120 (12.3.1922)
Date
1922-03-12
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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f fignctmummerK 45 Wien: Zum Abhoien in der Expedition, ll.,Tabörstr. 1—3, oder in einer VersehleißsteHe (Trafik) monatlich K ,1200. Mit Postversand fÜrWien und Oesterreich monatlich K1200. Ts eh ec h o-S 1 ow a k e i: Mon, Kroiien20. Ungarn: Monatl. Kronen 120. Jugoslawien: Mohktl..: Dinar, 18. Polen: Monat!. Mark 600. D eut.sc Irland: Monatlich Mark '30. Pr an kr ei c h: Monatl. Frcs. 6. Tschecho-siowakä tscfo. & 1 Italien: Monatlich Lire Rumänien:-Monatl; Lei Schweiz und das übrige Ausland monatlich. Francs 33 Redaktion u. Administrativ Wien 1L, Taborstrasse 1 Telephone: 44-0-38, 43-3-192 ab 6 Uhr abends 17-9-33. Telegrammadresse: „Morgen* zeitung“, Wien. Oesterreichisches Postsparkassenkonto 150.6932 Nr. 1120 Wien, Sonntag, 12. März 1922 Jahrgang minister. Paris; 11. März. (Havas.) Die Finanzminister der Alliierten haben folgende Beschluss e gefaßt: Die K o s t.e n d e r B esat z u ng sarmeen betragen für die Zeit nach dem 1. Mai 1921 für Belgien 102 Millionen belgische Franken, für England 2 Millionen Pfund und fdr Frankreich 469 Millionen Francs. Die Verteilung d er Sa chlief erungen Deutschlands im Jahre 1922 wird auf der Grundlage erfolgen, daß Frankreich <55% und die übrigen Mächte 35% erhalten. Das- A b k 6 m me n vo n Wie sb a den wird während der nächsten drei Jahre unter dem Vorbehalt durchgeführt werden, daß der Betrag der verschiedenen Abrechnungen für das' Jahr 1922 350 Millionen und für die Jahre 1923 und 1924 je 750 Millionen nicht tibersteigen wird. Andere Mächte als Frankreich werden dem Abkommen von / Wiesbaden analoge Übereinkommen unter dem Vorbehalt einer Begrenzung des Gesamtwertes der Sachlieferungen abschließen können. Hinsichtlich d e r K ö h 1 e wird Frankreich für die Gesamtmenge nur zum inländischen Preise belastet werden. Das Ansuchen Italiens, bezüglich der. deutschen Kohle, die gleichen Vorteile ' wie Frankreich zu erhalten, wird unterstützt. - . - - . ' Die erste von Deutschland gezahlte Milliarde wird' folgend ermaßen auf geteilt: 500 Millionen Goldmark erhält Großbritannien zum Begleich eines Teiles seiner Besetzungskosten vor dem 1. Mai 1921, 140 Millionen Goldmark Frankreich unter dem gleichen Titel unb der Rest entfällt' auf die belgische Priorität bis auf 172 Millionen Lire, die Italien zugesprochen wurden. Die' Restforderung der Gläubiger Großbritannien und Frankreich für die Besetzung bis zum!. Mai 1921 wird nach Befriedigung der belgischen Priorität aus den ersten Geldeingängen der Reparationskommission' bezahlt werden. Für die Saargraben wird Frankreich mit 300 Millionen Goldmark pro 1922 belastet.; Wenn die Feststellung ihres Wertes zu einem höheren Betrag erfolgt, wird der Ueberschüß von dem Anteil Frankreichs an den Obligationen der-Serie C abgeschrieben. Die Bezahlung der belgischen S c li u 1 d an die Alliierten wird gemäß den früher in Aussicht genommenen Lösungen behandelt. Die Aufteilung der aus dem Titel der Wiederg u t m achungen von den anderen früher feindlichen Mächten als Deutschland geleisteten Zahlungen wird nach, den Grundsätzen vom 13. August geregelt. Amerika fordert 996 Millionen Goldmark. Paris, rr. März, (flavas.) Im Verlaufe ihrer, gestrigen Beratung wurde den alliierten Finanzministem zur Kenntnis gebracht, daß die Regierung der Vejreiriigteii Staaten die Rück z a.li 1 un g von 996 M i 11 i o n e n ' G o 1 d m a r k nebst, Zinsen für die vior dem 1, Mai 19.21 a-ufgeläufenen Kosten seiner Besatzungsarmee fordere. Paris, 11. März. (Havas.) Da die alliierten Finanzminister der Ansicht sind, daß die Denkschrift der amerikanischen Regierung eine neue Ans« legung de s Versa III er Vertrages dar stell t, der von der Regierung der Vereinigten Staaten nicht durchgeführt worden Ist, haben sie beschlossen, diesbezüglich bei ihren Regierungen vorstellig zu werden. . ereftt-tfeJr - kleinen: ■■Eilcylfe Belgrad, 11. März. Auf der Konferenz der kleinen Entente haben gestern die verschiedenen Kommissionen öjit der allgemeinen und mit der Spezialdebatte über die einzelnen ihnen zugewiesenen Fragen begonnen. Die Verkeh r'siom miss Lo n erörterte die Frage des Aufbaues; von Verke hr und; Transit zw isc h.e n den v i. er Staaten, die auf der Konferenz vertreten sind. Zwischen den Sachverständigen der vertretenen Staaten ist es zu einem vollständigen Einvernehmen ^ekömmen. Auch die Frage eines einheitlichen T a r i f s für den Waren- und Personenverkehr wurde lh Verhandlung gezogen. Der 'Finanz au s s c h u ß befaßte sich mit verschiedenen Fragen, die mit dem Geldkurs, mit den Z ö 1 len und mit den Kr e dH e n im allgemeinen in Verbindung stehen. Einen weiteren Punkt seiner Besprechungen bildete der finanzielle und ökonomische Wiederaufbau Mitteleuropas. , Auf der Tagesordnung stand ferner die Wiederaufnahme der Handels- und der wirtschaftlichen Beziehungen mit Ruß 1 and. Die Erörterung dieser Frage ergab den einmütigen Beschluß, daß man in dieser Hinsicht nicht X_—^ Inoffizieller Rücktritt Lloyd Georges. London, 11. März. (Reuter.) Die „Saturday Review“ schreibt, L10 y d G e 0 r g e sei in noch nicht offizieller Form zurükgetreten. Ch a m b e rla i n habe das Rückt r i 11 sg e s u c h b e r e i t s i n d e r Tasche, mit der Möglichkeit, davon Gebrauch zu machen, wenn .die irische Bill Gesetz geworden ist Lloyd George werde nicht bis zur Konferenz von Genua warten. Angesichts des Vorwurfes Youngers habe sich der Premierminister davon Rechenschaft gegeben, daß sein Ansehen sehr gelitten hat Er habe deshalb den Kabinettsrat berufen, dem er seinen Rücktrittsbeschluß mitgeteilt habe. Wenn der Premierminister den König verständigt haben werde, werde dieser Chamberlaln berufen, d a B ai f o uir a b gelehnt habe, ein nur konservatives. 'Ministerium zu bilden. All e Liberalen mit Ausnahme Chu r c h i TI s werden ihr A^m t nieder lege n. Bei den allgemeinen Wahlen werde Lloyd George.mit den nationalen und liberalen Anhängern die Unterstützung des Lander suchen: und auf das' geleistete Werk hin weisen.; Mißtrauensvotum gegen Gunaris« Athen, 11. März. (Havas.) Nach.Anhörung; des {Ministerpräsidenten G una r i s, der . Erklärungen über die auswärtige und innerpolitische Lage gab,; lehnte die Kammer das.Vertrauensvotum; für: di® lUgferaog aut .163 LeLLU LL Stiramea ah* hinter den anderen Staaten Westeuropas Zurückbleiben dürfe, sondern daß auch die. kleine Entente ihre Beziehungen zu Rußland erneuern müsse. , Dies sei auch aus dem Grunde wichtig, da zwei der interessierten Staaten,1 und zwar Polen und Rumänien, unmittelbare Nachbarn Sowjetrußlands sind. Der Wirtschaftsausschuß befaßte sich mit den internationalen; Handelsbeziehungen, im Laufe seiner Erörterung ergab es sich, daß auf der Konferenz von Genua auch die Fragen des , Verkehrs zwischen den Westen und dem Osten zur Sprache werden kömmen müssen. In eingehender Weise wurden sodann die internationalen Handelsver« t r ä g e, weiters Han.delskredite, Konsularfragen und die Fragen des literarisch e n Eigentums erörtert. In allen diesen Fragen machten sich die Sachverständigen den Standpunkt zy eigen, der von den jugoslawischen Delegierten verfochten wurde. Im allgemeinen hat man den Eindruck, , daß es nicht erforderlich sein wird, eine Plenarsitzung der Konferenz abzuhalten, die für den Fall vorgesehen war, daß die einzelnen Ausschüsse: Bei ihren Beratungen zu keinem Einvernehmen gelangen sollten. Gemeinsames Vorgehen der baltischen Staaten in Genua. Riga, 10. März. (Tel. der „Wiener Morgenzeitung“.) Hier fand vor kurzem eine Beratung sämtlicher baltischen Staaten statt, die den Beschluß gefast hat, daß die baltischen Staaten auf der Konferenz in Genua gemeinsam vergehen und ihre Neutralisierung verlangen sollen. Anfangs April wird in Helsingfors eine Wirtschaftskonferenz der baltischen Staaten stattfinden, die sich mit den Fragen der Genueser Konferenz beschäftigen wird. Belagerungszustand in Johannesburg. Johannesburg, 10. März. (Reuter.) Heute früh kam es im äußersten Osten des Randgebietes zu h e f t i g e n K ä m p f e n, an denen auch mit Maschinengewehren bewaffnete Flugzeuge teilnahmen. Auf beiden Seiten gab es Tote und Verwundete. Ueber das Randgebiet wurde der. B»e 1 a g e r u .n g s z u s t a n d - verhängt. Streikende erschossen-zwei- Polizisten und nahmen 27 andere gefangen. Ghandi verhaftet. Bombay, 10.'März. (Reuter.) Der Führer der iNationalisten, Gh a n d i, der am 9. d. M.;: Achmcd- Hadad verlassen um sich nach Aimera zu begebon, würde 'verhaftet, Es^werden keinerlei Ruheittengea £tmeideW Balfoür-Erklärung und Palästina-Verfassung. F. Wien, 12. März. Eine der größten Schwierigkeiten, die sich;de£ Aufnahme der vollen Arbeit am Aufbau des jüMch? nationalen Heims in Palästina entgegensteüeiv bildet, die seit langem hinausgeschobene Raüffzierung-lde^; Palästina-Mandats durch den Völkerbund*; ^ls England zur Mandatarmacht für Palästina delegiert y/urfle, war, auf englischer wie auf jüdischer Seite .die Hoffnung allgemein, daß durch die Ratifizierutig desvMandats der Rechtszüstand des Landes in kurzem stabilisiert und alle äußeren Hindernisse für .dessen; Entwicklung auf solche Weise hinweggeräumt sein werden. Die Verzögerung in der Erledigung dieser Angelegenheit, ist eine Folge des durch den. englisch-französischen Gegensatz geschaffenes Schwebezustandes in der Örientfrage, infölgedessen der Friedensvertrag von. Sevres bisher, nicht ratifiziert werden konnte, hauptsächlich aber auf die durch die Vereinigten Staaten in Amerika geschaffene Situation zurückzuführen. Nach Wilsons Sturz hat Amerika in unzweideutiger Weise seine Teilnahme und Mitarbeit am Völkerbund ab-' gelehnt und diesen selbst damit in eine Lage, gebracht, deren Labilität gerade die dilatorische Behandlung der; Mandatsfragen ins hellste Licht rückt Die vielfache Abhängigkeit Europas von Amerika, dem jenes bis an die Öhren verschuldet ist und ohne dessen Mit-; Wirkung eine Sanierung der ausgerenkten Welt kaum möglich sein wird, hat so auch - däs jüdische, Volk in seiner vitalsten Frage zu fühlen bekommen.- Die-Mandatsfrage ist seit Jahr und Tag nicht vom Fleck gekommen, weil' es sich namentlich in den nördlich, und östlich von Palästina gelegenem Mandatsgebieten um die Frage der Erdölkonzessionen handelt, bei deren Verteilung Amerika nicht verkürzt sein will und seine Ansprüche unter Berufung auf die, gemeinsam im; Kriege gebrachten Opfer geltend gemacht tVafc ohne jedoch aus der durch seine. Weigerung der. .TW!«-" nähme am Völkerbund geschaffenen Situation einen klaren Ausweg zu zeigen. Die Verzögerung in der Behandlung . der „ Mandatsfragen, auf deren ba 1 dig e Er 1 edig u n g m a it n u rimehr n ach manche r l.e i A n Zeichen und V orh ersagen hoffen kann, hat an Stelle eines klaren Rechtszustandes in Palästina ein leidiges Provisorium geschaffen, welches den Feinden, des Gedankens vom jüdischen Nationalheim reichliche Möglichkeiten:zu ihrer Betätigung bot. Diese Lage hat der Gruppe der arabischen Nationalisten und ihren verborgenen Hintermännern Mut gemacht, ihre* offene Propaganda und ihre verborgene Hetz- und Verleumdungskampagne zu entfalten, sie hat den Gegnern der Balfour-Politik Englands immer neue Gelegenheiten geboten, , sich zu ralliieren, und auch den gewissen jüdischen Hetzern von der Agudah den Anreiz gegeben, aus weltpolitischen Verwicklungen für sich Kapital'zu schlagen. Diese Verzögerung ist es, welche an der jüdischen Ungeduld und Nervosität die Schuld hat und welche die Regierung Palästinas bisher gehindert hat, gewisse Konzessionen zu erteilen, die geeignet wären,, die Prosperität des Landes zu steigern, und die nicht allein dem Judentum, sondern allen Bevölkerungselementen zugute kämen. Es bedarf keines Beweises, daß die antizionistische Propaganda erst dann zum vollen Stillstand kommen kann, wenn der Völkerbund auch die formale Entscheidung über Palästina gefällt und damit klare Zustände geschaffen hat, welche d?n jüdischen, christlichen und arabisch-mohammedanischen Gegnern des - jüdischen Aufbaugedankens den Boden für ihre Agitation ein-für allemal entziehen. Die englische Regierung hat vor Monaten dert Entwurf für das Mandat ausgearbeitet und vor einigen Tagen einVerfassungspr 0 j e k t veröffentlicht, welches wohl noch Gegenstand weiterer Beratungen sein soll, aber doch in den Grundzügen die Anschauungen Englands über die künftige Verwaltung Palästinas enthält Es wird darin der Wirkungskreis des Oberkommissärs genau umschrieben und als gesetzgebendes Organ ein legislativer Rat eingesetzt, der aus zehn ernannten und fünfzehn gewählten Mitgliedern zu bestehen hat Die Schaffung einer Verfassung für Palästina hat die besondere Aufgabe, der einheimischen Bevölkerung das möglichste Ausmaß, von Rechten und Freiheiten zu garantieren, andererseits aber diese mit dem Grundprinzip in Einklang zu bringen, auf welchem die Berufung Englands zur Mandatarmacht beruht Nicht das gegenwärtige Bevölkerungsverhältnis Palästinas allein, innerhalb dessen, die Juden bloß eine Minderheit bilden, kann für das Ausmaß der Rechte der einzelnen Gruppen entscheiden. Der tragende Gedanke der gesamten inneren Ordnung muß vielmehr der sein, daß .die Entwicklungstendenz des Landes , durch die, Balfour*&klärun£ bestimmt werden muß, w&cbe~*icl»

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