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Wiener Morgenzeitung · 1922-03-11 · Heft 1119 (11.3.1922) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1119 (11.3.1922)
Date
1922-03-11
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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ßinzeimimtmes* RC45 Wien: Zum Abholer) in der Expedition, lL,Taboratr. 1—3, oder in ein er Verschleißstelle (Trafik) mcnatiicli K 12Ö0. renrr Mit Postversand f iirWien lind Oesterreich monatlich K1200. TscliechOrSlowakekMon. Kronen 20. Ungarn: Monatl. Kronen 120. Jugoslawien: Monatl. Dinar 18. Polen: Monatl. .Mark 600. Deutschland: /Monatlich Mark 30. Frankreich j-Monatl. Frcs.0* Nr. 1119 Wien, Samstag, 11- März 1922 Tsd8®cno4!fl)mraKil fisch. K 1 Italien: Monatlich Lire dj Rumänien: Monatl. Lei Schweiz und das übrig« Ausland monatlich Francs ä| Redaktion u. Administration Wien 1L, Taborstrasse 1---L Telephone: 44-0-38, 43-3-10, ab 6 Ühr abends 17-9-33 Telegrammadresse:„Morgeii«J zeitung“, Wien. Oesterreichisches 'i Postsparkassenkonto 150.693V 4. Jahrgang Horthy in Wien. —y. Wien, 11. März. i Mitten unter die Verhandlungen Oesterreichs mit den Ententestaaten und dem Völkerbund über die Kredite, mitten in die hinter den Vorhängen des österreichischen Parteigetriebes gärende Regierungskrise 'fällt ein neuer Erpressungsversuch der magyarischen, Regierung. Ungarn verlangt plötzlich wieder Gebietsabtretungen und hat sich in der interalliierten Grenzkommission Freundschaften geschaffen, die in aller Stille die Ergebnisse des Abkommens von Venedig zu umgehen beflissen waren. Traten diese Sympathien schon bei der Vorbereitung der Oedenburger Abstimmung peinlich in die Erscheinung, so haben sie. sich .in der letzten Zeit in offenen Gegensatz zu jenem Prinzip gesetzt, das der Bundeskanzler Schober am Donnerstag im österreichischen Nationalrat als internationale Moral bezeichnete. Daß Ungarn jederzeit die schwachen Punkte im Friedensvertrag und im Protokoll von Venedig suchen und auffinden werde, stand zu erwarten. Es ist keine Üeberraschung, wenn Ungarn einen Vertragsbruch versucht und niemand hat das Recht, von der Regierung der Pronay, Hejjas und Horthy politische Loyalität zu fordern. Aber auch nach der. Haltung der Ententegeneräle im Verlauf des Streites stand diese neueste Affäre vor der Türe und die Entrüstung der Parteien des österreichischen Nationalrates,, die sichvorgestern zeigte, ist von naiver Harmlosigkeit kaum zu unterscheiden. Diö Vertreter der Großmächte standen . stets auf Seite Ungarns und wir konnten am 15. Dezember 1921 nach der Ablehnung des österreichischen Protests gegen das Oedenburger Plebiszit hier schreiben: »Die nächsten Konsequenzen werden in der Forderung Ungarns nach Volksabstimmung im restlichen Burgenland liegen. Es kommen neue Verwicklungen, die vor allem auf die kleine Entente reflektieren müssen.“ . Die Situation Oesterreichs ist: inzwischen außenpolitisch eine andere geworden. Der Staatsvertrag von Prag, den der -Kanzler Schober abgeschlossen hat, garantiert ' die '’Äitdriäle Ihte^ität^ OSSterfeichS" Ättter der ausdrücklichen Berufung auf den ■Friedensvertrag von Saint-Germain. Es. erweist sich/jetzt ., wieder, wie gut fundiert der. politische Gedanke war, der zu diesem Vertrag führte. Es erweist sich aber auch, einen wie schlechten Dienst die großdeutsche Opposition Oesterreich erwiesen hat, als. sie durch die Heraufbeschwörung einer Kabinettskrise Oesterreich verhinderte, den im Vertrag von Prag betretenen Weg fortzusetzen und auch mit Jugoslawien zu einem Garantieabkommen zu gelangen. Die gegen den Kanzler geführte Agitation hat sich direkt gegen die Lebensfragen Oesterreichs gerichtet und Ihre neueste Auswirkung ist das magyarische Attentat. Viele tausende deutscher Bürger, die selbst Waber nicht aus dem Genuß des österreichischen Bürgerrechtes ausschließen könnte, leben jetzt im Burgenland in totaler Unsicherheit. Für sie bedeutet die neueste Phase großdeutscher Politik eine Untergrabung der Existenz und bringt ihnen die bange Möglichkeit, aus der Gemeinschaft eines Kulturstaates in magyarische Verwilderung zu fallen. Es ist überhaupt ein merkwürdig intimes Zusammenspiel der österreichischen innerpolitischen Opposition mit den Aeußerungen der magyarischen Mentalität zu konstatieren. Es konnte für die Aspirationen Ungarns kein besserer Zeitpunkt gewählt werden. Die österreichische Regierung ist durch eine systematisch betriebene Hetze in den Augen des Auslandes herabgesetzt worden. Alle ihre Erfolge in dem Werben um materiellen und politischen Kredit werden paralysiert und die magyarischen Flugblätter, die die österreichischen Truppen als jüdische Bolschewiken ansprechen, müßten nicht gerade in Budapest gedruckt sein. Man kennt diese Tonart zur Genüge aus der patriotischen Presse Wiens und da das Ausland zwar nicht magyarisch, aber sehr gut deutsch liest, so darf man sich nicht wundern, wenn man draußen Oesterreich mit Ungarn in einen Topf wirft. Der sozialdemokratische Sprecher Dr. Renner hat hervorgehoben, daß die Ententedelegierten in Ungarn zu wenig unter der Kontrolle ihres- Heimatlandes stehen. Das ist leider sehr wahr. Aber es ist nicht minder wahr, daß auch das Treiben der österreichischen Parteien zu wenig unter der Kontrolle der heimischen Oeffentliclikeit steht. Es haben sichwirklich Balkansitten in Oesterreich eingebürgert und die Rücksicht auf Ehre und Verantwortung ist in gewissen politischen Kreisen ein Märchen geworden. Dieser Zustand hat die ungarische Regierung zu ihrem neuesten Wagnis ermutigt. Es ist nur gut, daß die kleine Entente solchen Einflüssen nicht ausgesetzt ist und ihre Interessen erkennt. Der Revolver Horthys wird von Prag aus entladen werden müssen. Wird das Versäumnis, das bei dem Oktoberputsch in Oebenburg begangen wurde, diesmal nicht wettgemacht,' so ist man von einem Angriff Ungarns auf die Slowackei nicht mehr weit entfernt. In Prag muß man jetzt energisch handeln und die Entwaffnung [Ungarns durchsetzen und durchführen. Die Grenzfrage im Burgenland für Oesterreich erledigt. Aussichtslose magyarische Praktiken. Wien, 10. März. Die Politische Korrespondenz schreibt: Die amtliche ungarische Nachrichtenstelle befaßt sich neuerlich mit den bei der Grenzregulierungskommission angemeldeten'Ungarischen Ansprüchen und erklärt, daß die ungarischen Vorschläge im Sinne des Abkommens von Venedig erfolgt seien. Demgegenüber braucht nur auf die Erklärungen des österreichischen Bundeskanzlers in der Plenarsitzung des österreichischen Nationalrates verwiesen zu v,erden, wonach die österreichische Delegation In Venedig gegen die ungarischen territorialen Ansprüche den entschiedensten Widerspruch erhob und nach denen der damalige italienische Minister / des Aeußern »Marchese della T or r et1 ä, sich dem Standpunkt Oesterreichs angeschlossen hat. Es ist daher unrichtig, wenn unter Berufung auf das Venediger Protokoll eine Handhabe für die neuen ungarischen Ansprüche gesucht wird. Gewiß ist im Venediger Protokoll eine Entscheidung des Völkerbundes vorgesehen. Das diesbezügliche Verfahren basiert aber ausschließlich auf den von der Botschafterkonferenz am 3. Juni 1921. genehmigten ergänzenden Instruktionen für die ungarischen Grenzregulierungsausschüsse, denen zufolge die Grundlage der im Friedeasver trag festgesetzten Grenzlinien nicht ln Frage gestellt werden darf. Als solche Grundlage müssen die in den Verträgen namentlich angeführten Grenzpunkte betrachtet werden, Über die der ungarische Vorschlag hinweggehen will. Schließlich widerspricht das ungarische Vorgehen auch den wiederholten Entscheidungen, der Botschafterkonferenz, nach denen Ungarn bereits durch die Ratifikation des Friedensvertrages,, die Unterfertigung des Protokolls' vom 3. Oktober ' und . des Venediger Protokoll hüf^ 1A^ ü glieh des r e s 11 i c h e n B u r g e h I a n d e s verz i c h t e t h a t und dieser Verzicht schließt naturgemäß auch Ansprüche auf weiterreichende Grenzkorrekturen aus. In diesem Sinne bedeutet das VenedPger Protokoll die Letzte und endgültige Vereinbarung in der w estungarischen Frage, wie dies von der ungarischen Regierung zu wiederholten Malen, darunter auch bei der Anwesenheit des ungarischen Ministerpräsidenten Grafen B e t h 1 e n in Wien, in bindender Form anerkannt wurde. * v Das der ungarischen Regierung nahestehende Blatt „Az Ujsag“ erklärt auf Grund von Mitteilungen von amtlicher ungarischer Stelle, daß bereits im Laufe der Verhandlungen von Venedig die ungarischen Vertreter die jetzt bei def Abgrenzungskommission g e 1 t e n d gemachten Gebietstorderungen zur' Anmeldung gebracht haben und daS damals der italienische Minister des Aeußern Marches^ della Tor.retta Ungarn seine Unterstützung in dieser/Frage zu gesagt habe. Weiters meldet das Blatt, daß die ungarische Regierung auch eine Berichtigung der Grenze gegen die Tschecho-Slo wakei verlangt habe. Diese Berichtigung soll für Ungarn einen größeren Gebiets-! Zuwachs bedeuten. Nach den Mitteilungen des ungarischen Blattes seien bereits Verhandlungen zwischen’ der Prager und der Budapesler' Regierung eingeleitet worden, die ergeben haben sollen, daß Dr. Bene s c h bereit sei, den ungarischen Wünschen entgegenzukommen. -- Nach Informationen, die wir in Prag ein-* gezogen haben, ist diese letztere Nachricht nicht ernst zu nehmen. Ob nicht etwa eine italienische Zusage aif Ungarn existiert, kann man nicht wissen. Aber sie ist jedenfalls durch die inzwischen erfolgte Ablösung Torrettas gegenstandslos geworden. Reise des Bundeskanzlers Br. Schobers und der Präsidenten der National* Versammlung ins Burgenland Wie die Korrespondenz Herzog, meldet, begibt sich, Bundeskanzler Dr. Schober heute in Begleitung der drei Präsidenten des Nationalrätes Dr. Weiskirchner* S e i t z und Dr. Dinghoier, sämtlicher Landeshauptleute der Bundesländer, und einer Anzahl -höheren, MREkaMäWM"A, "das "Burgehttife^S-dlio'tf sammensetzung. des Gefolges des Bundeskanzlers zeigt^' daß der Zweck der Reise unthr anderem dahin gellt, der. burgenländischen Bevölkerung den Beweis zu erbringen»* daß der gesamte Nationalrat, ebenso wie die Regierung, die neuerlichen Gebiet s-!.. f orderungen der Magyaren e in h eilig auf das schärfste zurück.weist ' Dio( burgenländische Bevölkerung trifft nach gestern abends hier eingetroffenen Meldungen große Vorbereitungen, umi Dr. Schober und dessen Begleitung einen solennenf Empfang zu bereiten und ihrer Anhänglichkeit für Oesterreich beredten Ausdruck zu verleihen. Dr. Schober und dessen Begleitung werden heute abends nach Wieaf zurückkehren. Die Reise geht nach Frauenkirch e n.« j Ebenfurth, Eisens t a d t und N eusie d 1. Amerikas Absage. Der amerikanische Staatssekretär Hughes hat an den italienischen Botschafter. Ricci eine Note gerichtet, worin es heißt: »Nach Empfang der ersten Note Eurer Exzellenz ist die . Frage der Teilnahme der Vereinigten Staaten an der vorgcschlagenen Konferenz von Genua in ernste Erwägung gezogen worden. Mit Bedauern benachrichtige ich Sie davon, daß als' Ergebnis der stattgehabten Prüfung festgestellt worden ist, daß man sich unmöglich dem Schlüsse entziehen kann, wonach die vorgeschlagene Konferenz in der Hauptsache keine wirtschaftliche Konferenz ist — sind doch von. der Beratung Fragen ausgeschlossen worden, ohne deren zyfriederastellende Lösung die Haupfcunsachen der wirtschaftlichen Störung weiter wirken müssen — sondern eher politischen Charakter trägt, so daß die Regierung der Vereinigten Staaten sich nicht daran beteiligen könnte. Die Regierung der Vereinigten Staaten muß auf die klar ausgesprochene Ueberzeugüng des amerikanischen Volkes Rücksicht nehmen, daß sie nicht ohne zwingende Notwendigkeit in Fragen der europäischen Politik verwickelt werden sollte. Hinsichtlich Rußlands mag hinzugefügt werden, daß die Regierung der Vereinigten Staaten zwar darauf bedacht ist, alles, was in ihren Kräften steht, zur Förderung der Wohlfahrt des russischen Volkes au tun, und daß sie mit lebhaftem, freund-, schaftlichem Interesse jeden Schritt auf dem Wege zur Wiederherstellung wirtschaftlicher Beziehungen begleitet, die es Rußland gestatten, seine produktive Kraft wieder zu gewinnen, daß sie aber der Meinung ist, daß solch« Bedingungen so lange nicht Lsichergestellt werden können, als nicht ein. eatsprec h e n d e s Vorgehen der für 'Rußlands esWZM-tjgv. ....V Lr * r ü t* tun g hauptsächlich’ verantwortlichen Männer er*' folgt ist.« . * Die Ablehnung Amerikas ist eine direkte Folg^ des Sieges. Poincaxes in Boulogne. Frankreich hat( das Programm der Konferenz von Genua von all ent Angelegenheiten % gereinigt, die zu einer unwill« komimenen Erörterung seiner Reparationspolitikj Anlaß geben könnten. Frankreich hat es verstanden^ die von England in Cannes erzielten Leitgedanken! für eine Weltwirtsahaftskcnferenz in ilbr Gegenteil' zu verkehren. Wenn nach Frankreichs Willen ini Genua weder über die .Reparationen noch über di®' Friedens vertrage überhaupt gesprochen werden! soll, daran ist ein gedeihlicher Erfolg nicht zu er« warten. Die wirtschaftliche Verödung Europa^ von der sich der Kleinbürger- und Agrarienstaat Frankreich bisher noch zur Not hat freihaltenl können, nähert sich jetzt auch diesem Staat, dessen! Politik deshalb immer wieder die Zahlungskraft Deutschlands zur Sanierung seines Budgets be* nützen möchte. Durch seine Note tritt nun Amerika*, •auf die Seite Englands und gibt ein nicht zu übez-i sehendes Warraungszeichen an ganz Europa. Montagus Rücktritt. London, io. März. (Reuter.) In den WandeW gangen des Parlaments erzählt man, Premierminister! Lloyd George habe erst aus den Blättern von» dem indischen Vorschlag bezüglich der Türkei er« fahren und daraufhin sofort den Staatssekretär für! Indien Mon tagu und die Mitglieder des Kabinetts! zu sich berufen. Lloyd* George hätte Montagu, erv( Aucht, sofort z u demissionieren. Eiaj unionisfischeis Oberhausmitglied werde wahnscheiia« lÜdh än Stelle Momtagus treten. London, io. März. (Reuter.) Stasts-sekret^ für Indien Moatagu erklärte LIoydGeorg^ 4 da§ er in der veeeaagspen, iWosche die. Toi ASM? DK

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