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Wiener Morgenzeitung · 1922-03-09 · Heft 1117 (9.3.1922) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1117 (9.3.1922)
Date
1922-03-09
Page
– (sequence 1)
Language
German
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KMLLMUMErUiLS Wien: Zum Abholen in der Expedition, ll,,Taborstr. 1—3, oder in einer Verschleißstelle (Trafik) , monatlich K 1200. Mit Postversahd für Wien und Österreich monatlich K1200. Tschecho-Slowak e i: Mon. Kronen 20-Ungarn: Monatl. Kronen 120. Jugoslawien: Monatl. Dinar , IS. Polen: Monatl. .Mark 600, Deutschland: Monatlich Mark 30. Fr an k r ei c h: Monatl. Frcs. 6. rrnrr tsch. K i Italien: Monatlich Lire Rumänien: Monatl. Lei 4QJ Schweiz und das übrige! Ausland monatlich Francs 3j “ '! Redaktion u. Administration' Wien IL, Taborstrasse 1—3/ Telephone: 44-0-38, 43-3-19, ab 6 Uhr abends 17-9-33; Telegrammadresse: „Morgen- Zeitung“, Wien. Oesterreichisches Postsparkassenkonto 150.693« Nr. mi Wien, Donnerstag, 9. März 1922 4. Jahrgang Europa «nd der Wiederatdbau. j 0je £nten^eJf0mmjssjonen j„ JVlittel Eine Reuter-Meldung aus Washington besagt, das Kabinett habe nach Erörterung der finanziellen Beziehungen zu.den anderen Staaten abgelehnt, daß die amerikanische Kommission für die Konsolidierung der fremdstaatlichen Schulden ap der Konferenz zu Genua, teilnehme. Wenn sich diebe, Nachricht bestätigt, so würden sich die Hoffnungen auf ein Gelingen der Genueser Besprechung' noch weiter herabmindern., Ihr Programm ist im Verlaufe der englisch-französischen Konversation immer weiter eingeschränkt worden,: Es soll der Gedanke der Aufrichtung Europas in seiner durch die,Friedensverträge gegebenen Gestalt erörtert Werden. Das wird fleißigen Referenten und Wirtschaftsstatistikern viel Stoff, zu dickleibigen Protokollen, und Berichten geben, aber kaum für einen großzügigen Aufbau des Kontinents Zeit und Raum lassen. Der Kampf zwischen Pöincare, den die Kammer unterstützt, 4 und Lloyd George, dem ein Teil seiner Koalition die. Gefolgschaft aufgekündigt, hat . mit dem Sieg, Frankreichs geendet und der Washingtoner Beschluß, einer Besprechung der Enfenteschulden sich" zu entziehen, ist die Antwort darauf. Immerhin, ist seit Versailles und St. Germain eine ansehnliche psychologische Wandlung vor . sich gegangen. Das Diktat der Sieger ist durch den Zwang der Verhältnisse äbgeschwächt worden und der deutsche' Außenminister Rathenau konnte in seiner letzten Rede vor dem Hauptaüsschuß des' Reichstages darauf hinweisen, daß; als Ergebnis der Konferenz von Cannes eine gemeinsame, durch eine Kette von freundschaftlichen Besprechungen fortgeführte Aktion aller Nationen zur Gesundung des Kontinents vorbereitet', werde. Diesem Problem ist mit der Beschränkung auf die rein finanzielle Seile nicht beizukommen., Es ist eine' Angelegenheit, an der alle politischen und moralischen Kräfte Mitwirken müssen, weil sie die Sühne des Kriegsverbrechern*' bekifft Es.handelt, sich nicht Wie-in einem zivilen Strafprozeß darum, daß efrf Schuldiger zum Schadenersatz, verhalten wird, sondern um eine elementare Pflicht der Kulturstaaten, das, was sie gemeinsam verdarben, auch gemeinsam zu heilen und endlich 'einmal mit dem Krieg fertig zu werden. In den vier Jahren seit dem Abschluß des- Waffenstillstandes sind alle durch den Friedensvertrag aufgeworfenen Fragen nicht im Sinne einer Befestigung des Friedens entschieden worden; sie sind vielmehr in der Hand der Machtpolitiker: zu Werkzeugen einer. Fortsetzung des Krieges geworden. Seit Jahr und Tag macht sich sowohl in den Weststaaten als auch in den einzelnen Ländern Mitteleuropas mit Erfolg eine Kotterie breit, die mit Erfolg jede Gründungsaktion sabotiert. Der Aufbau Europas ist nur möglich durch eine internationale Kooperation, die sich nicht auf Strafe und Strafvollzug beruft, sondern auf dieselbe internationale Gemeinschaft, die einstmals das unglückliche Messina wieder aufgebaut hat Wird aber der Aufbau unter den Zwang des Friedensvertrags gestellt, dann geht es damit so wie mit der Frage der zerstörten Gebiete Nordfrankreichs, die heute eigentlich eine Angelegenheit des französischen Budgets geworden ist. Die deutsche Regierung und die deutschen Gewerkschaften haben Sachleistungen und die Stellung geschulter Arbeiter angeboten, um das Gebiet zwischen der Siegfried- und der Hindenburg-Stellung wieder aufzubauen. Aber die französische Steuerpolitik und die französischen Chauvinisten sind auf dieses Angebot nicht! eingegangen und so ist die ganze Sache der Reparationen zu einem Devisenproblem entartet, an dem, die Schieber, die Hetzer und die Revancheredner hüben wie drüben ihre helle Freude haben. Dieser Wiederaufbau ist aber doch wenigstens der Gegenstand von Besprechungen, und Verhandlungen. Aber der Wiederaufbau des Ostens, wo die Honveds und die andersfarbigen Teufel des Krieges über das Land gegangen sind, spielt in den internationalen Fragen nicht einmal die Rolle des Aschenbrödels. Wer denkt an diese Schäden, an die Vernichtung weiter, breiter Gebiete, an die betroffenen Menschen? In der Hauptsache sind es Juden, die seither, das Flüchtlingsbrot essen müssen und deren sich höchstens die Alldeutschen, die christlichnationalen Hetzparteien und die österreichischen Sozialdemokraten in der bekannten Manier erinnern. Auch hier wäre nur von einer internationalen Aktion Europas eine Heilung zu erwarten. Aber der nationalistische Geist, der seit dem Kriege die Politik des Festlandes beherrscht, wirft täglich neue Hindernisse für die Sanierung auf und stampft seelenlos Menschen in die Kriegsmaschine. Es ist begreiflich, daß Amerika diese Pflichtvergessenheit nicht anders beantwortet als mit seinem Desinteressement* europa» Mitteilungen im englischen Oberhaus. London, 8. März. Im O >b e r h a u s lenkte gestern Lord N-e.wt ön die Aufmerksamkeit a^f . die übermäßigen Ausgaben im Zusammenhang Thit dm zahlreichen interallierten KommTSjsionen in Mitteleuropa und deren AuswiMhmg auf die wirtschaftliche Erholung der vormäuk feindlichen Staaten, sowie ihrer Fähigkeit, Reparationen zu zahlen. Nach Einstellung der Feindseligkeiten, sei eine große Zahl von Kommissionen über . ganz. Europa gesandt worden. Ein riesiges Beamten heer bähe sich im Frühjahr 1920 . : nach Wien; begebein, um zu untersuchen, welche.Reparationen gezahlt werden könnten. Diese Beamten,'seien; ei, n Jahr 1 a 11 g i n W i e n geblieben. Die Kostet* der Kommissionen hätten 7K Milliarden Kronen. betragen. Von dieser Summe habe die österreichische';Regierung,2% Milliarden Kronen gezahlt; die übrigen .r 5i Milliarden hätten die Alliierten aus ihrer, eigenen...Tasche zahlen müssen. , , In Deutschland seien gegenwärtig Kommissionen in Ueberfluß vorhanden. Die Reparationskommissio«, die : aus. 171 Personen bestehe, koste monatlich 32 Millionen. Mark. Die Kontrollkommission, die zum Zwecke der Entwaffnung anwesend sei und fast nichts zu tun hähe,-bestehe aus . 1569 Personen und koste nicht weniger 'als 235 % Millionen Mark. Die Gesamtkosten dieser- Kommissionen in Deutschland, einschließlich der Kosten, der Truppen in Schlesien, betrügen zwei Milliarden .'Mark jährlich. Würde man zu dieser Summe die Ausgaben für das Besatzurigs h ee r hinzurechnen, so..es nicht schwer einzusehen, daß d;ie Aufgabe, Deutschland zählen zu lassen, .schwieriger und verwickelter sd, als sich die Leute in England vorstellen. '. Die palästinensischefVerfassungsfrage* Churchills Antwort an die arabische Delegation. Wie seinerzeit berichtet wurde, (hat die in London weilende arabische Delegation dem Kolomalamt ihre Bemerkungen zu dem vor. kurzem veröffentlichten Entwurf einer V e ,r f a's s urag für Palästina unterbreitet. Auf die Einwendungen der arabischen Delegation antwortet nun der Kolonial minister in längeren Ausführungen, in denen unter anderem folgendes gesagt wird:-Der Kolonialminister anerkennt die Deputation als die Repräsentanten einer breiten; Schicht e moslemitischer und chrisitliidher Bewohner von Palästina und erklärt hiebei, daß er bereit sei, die .gegenwärtigen Vorschläge informativ mit anerkanntes Vertretern jedes wichtigeren Teiles der Bevölkerung zu diskutieren, doch sei er andererseits nicht in der Lage, mit irgendeiner Körperschaft o f f i ziel 1 zu verhandeln, die dem Anspruch erhebt, die gesamte Bevölkerung oder einen Teil der Bevölkerung Palästinas zu vertreten, inisolamge diiie offizielle Vertretungsmaschine noch nicht konstituiert ist. Der Verfassungsentwurf wurde in der Tat zu dem Zwecke geschaffen, der Bevölkerung Palästinas den verfassungsmäßigen Weg, ihre Absichten und Wünsche zum Ausdruck zu bringen, zu eröffnen. Indem dies festgestellt wird, kantn der Minister jedoch zur selben Zeit die Zukunft Palästinas auf keiner* anderen Grundlage als auf derjenigen der B a 1 f o u r- D e k 1 ara t i om diskutieren, da es naturgemäß außer Frage steht, daß. die Regierung Sr. Majestät die Verpflichtungen, die sie gegenüber dem jüdischen Volke eingegangen ist, nicht widerrufen wird. 4 Artikel 22 des Völikerbundvertrages, mit dem die Bestimmungen des Vertragsentwurfes angeblich unvereinbar seien, hat von den alliiertem Hauptmächten im Vertrag von Sevres seine Interpretation gefunden. In diesem Vertrag wurden Syrien und der Irak (Mesopotamien) ausdrücklich provisorisch als unabhängige Staaten anerkannt, hingegen war von einem solchen Hinweis auf Palästina keine Rede. Der Grund hiefür war, daß, wie dies in dem Vertrag niedergelegt ist, der Mandatar verantwortlich gemacht wurde dafür, daß die Deklaration, welche ursprünglich am 2. November 1917 durch die britische Regierung gemacht und von den übrigen allierten Mächten angenommen wurde, im Sinne der Errichtung eines Nationa - iheimes für das jüdische Volk zur Durchführung gelange. Die Regierung Sr. Majestät kann, da sie durch eine vor dem Zustandekommen des 1 Völikerbundverbrsgeis geleistete Zusicherung ‘gebim- Die Finanzlage in Ungarn sei vollkommen verzweifelt. Es seien jedoch in getaiatf demselben Umfang Kommissionen dorthin . entsandt worden, deren monatliche Kosten auf etwa 30 Millionen Krönen geschätzt werden. (Dabei haben diese ’ Konn missionen in Ungarn keineswegs ihren Zweck erfüllt1* Ungarn ist voll Waffen, sabotiert den Friedensvertrag und mordet alle »Destruktiven«. Die Red.) Bulgarien, das mit einem riesigen Defizit abgeschlossen habe, sei auch -ein Teil der Kommissionen zugewiesen worden, Die ■ Militärkommission bestehe aus Vertretern alleij Großmächte, und es gäbe ' absolut nichts zu tun * . Bulgarien habe für die Reparationskommission iilf. Zusammenhang mit den Kosten für die interalliierten; Truppen nicht weniger als 721 Millionen FrÄM' äwK. gegeben. Der Anblick dieser Kommissionen* die aus dem Bankerott des Volkes gedeihen, sei eines der widerlichsten Bfiideff die man sich vorstellen könne. Man sage, daß Englandmitmaehen müsse, da die Alliierten dies auch täten: In diesen besonderen Fällen jedoch würde ” sich Redneaj freuen, wenn England mit den Alliierten nicht zu-s sammenginge. ( Lord Se.yrnour gab der Hoffnung Ausdruck, daß( die Rede Lord Newtons, die ein Bild der Stimmung inv Oberhaus gebe, die Regierung dazu bewegen werde;; diese Frage zu erwägen. Es würde ein großer Gewinn für den Frieden der Welt sein, wenn diese Kommissionen; ihre Geschäite liquidierten undsobald wi$f möglich..zur^ckgezogeii würden. den ist, nicht zügeben, daß sich eine verrassüitigs^ mäßige Situation entwickle, die sie in die -UnmögHf lidikeit versetzt, eine von ihr und ihren Verbünde« ten in Angriff genommene feierlich zugesagtaf Unternehmung in die Tat umzusetzen. ' Unter solchem Umständen; kann die Bilduingj' einer national unabhängigen Regierung inrPalä-» stina, wie sie von der Delegation gefordert wird1;' 'bei. dem gegenwärtigen Stadium der Dinge mi c h tj gutgeheißen werden. Die Regierung Sr. Majestät! war jedoch bereit und ist willens, der Bevölkerung von Palästina das größte Maß vo-n Unabhängigkeit;' das. mit der Erfüllung ihrer Zusagen nicht üiwerj* einbär ist, ziu sichern. Die nichtjüdische Bevöl'ke-i rung hat das Recht, vom Mandatar nicht nu-r Zu*' Sicherungen, sondern auch entsprechende Sichert Stellungen zu fordern, daß die Errichtung1 des( nationalen Heims für die Juden nicht". in. ein eil Weise durchgeführt werde, die ihren Rechten pra4 judiziert. Da ferner die zionistische Organisation! im Mandat als eine öffentliche Körperschaft für iiiaf Zwecke der Beratung und Kooperation mit. dei palästinensischen Verwaltung in allen Wirtschaft-; liehen, sozialen und sonstigen, die Errichtung do3 Nationalheim es berührenden. Fragen anerkannt! wurde, sei er, Churchill, bereit, wenn es erforderlich erscheint, in den Verfassungsentwunf eine BesfxuH mung aufzumehmen, daß in Palästina kerne Aktien; sei es über Vorschlag der zionistischen Organisation. oder auf andere Weise, durchgeführt werden könney es sei denn, im Wege jener verfassungsmäßigen In-i stanzen, die in der endgültigen Verfassung vorge^, schrieben sind. In der F. in w an der um g ©frage Weligai der Miiinitsiter der Ansicht zu, dlaß ailüe Fragen) dlüestärj Politik aus-* der Diskiuis-siotn iim liegisillaititvem Rialbe aux s4 g e sch 101s sen und. vom O b erkomm dssäil im Rate mach) geipflidgemem Eiiinivarndtoraeu mit cM Regieinuing Seiner Majestät entschieden weir-t dien soll. Die F.ihwamidOnuing ©ei von so vilfcaflier Beü deuitiung für alle Teile der Bevölkerung, daß alle} Ursache für eine Spezialbehtainidüiumg dliietser Frage! und für dtie Errichtung einiös regulär fiuinSkttioniaretiW dien Organs gegeiben ©ei, iln wdidh-em die Intöeresisenf der vorhandenen Betvölkierung iln Paöasitlitna dhmef Einiflußlhame irs:enideiin.es affizaeMen Element© veirn treten seien. Die eine ' Methode, dieses Resultat zu erzielen^ wäre dlie Schaffung eines Etiinwande-( nungseiußschiui&ses, iin welchem allle Kllais©en derj ipaläsibinensiischien Bevö'Hkenung vertreten wären1«; Die Auifgalbe diecs Aussdhiuisises wäre, dem Ofb'erkommissär in allen F. in waimdemungsfragen vom Gesebtiiputnkt der Bevölkerung des Landes beratend! zur Seite m ©tehm. Die Gesicht^ipurnkfle der z i o-t , u & 5 ft iL ja ic h c« OflLLMSLtiioill, würden durch

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