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Wiener Morgenzeitung · 1922-03-07 · Heft 1115 (7.3.1922) · p. Seite 6

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1115 (7.3.1922)
Date
1922-03-07
Page
Seite 6 (sequence 8)
Language
German
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V Seite 6 Wien, Dienstag WIENER MORGENZEITüM 7. März 1922 Nr. in5; Ibgabe 10%, in der zweiten 15% und in der dritten 20% des Verkaufswertes betragen, ln die dritte Kategorie sollen Schmuckstücke und Kunstgegenstände eingereiht werden. Wie in Finanzkreisen des weiteren verlautet, soll die Verkehrssteuer auf den gesamten Valuten- und Devisenverkehr ausgedehnt werden. * Das Ackerbauministerium hat in der vergangenen Woche Ausfuhrbewilligungen für 70Waggons Roggen erteilt, die zum größten Teile nach Oesterreich befördert wurden. Neuerliche Ausfuhrbewilligungen für 869 Waggons Roggen werden binnen kurzem erteilt werden. * » Der Ministerrat hat die Vorlage des Finanzministers •über eine Verordnung bezüglich der Entrichtung der Vermögensabgabe nach Grundbesitz im Ausmaße von über tausend Joch angenommen. Die Verordnung bezieht sich ausschließlich auf Ackerboden. Für Wald- und Weideland werden besondere Bestimmungen herausgegeben Werden. Von größerem Grundbesitz ist die Vermögensabgabe in natura zu entrichten. In strittigen Fällen verbleiben eventuell abzugebende Grundstücke bis zur Entscheidung des Bodenreformgerichtes im Besitze des Eigentümers, der den Geldwert des geernteten Getreides, wenn die gerichtliche Entscheidung zu seineh Ungunsten ausfällt, nachträglich auf dem Steuerwege an den Staat zn entrichten hat. Englands Schuldner. London, 5. März. (Tel. der »Wiener Morgenzeitung“.) In der letzten Sitzung der Handelskammer berichtete der Regierungsvertreter, daß England seinen Verbündeten und den britischen Dominien während des Krieges und nachher Insgesamt 2 Milliarden Pf und geliehen hat. Eine Rückzahlung ist bisher nicht erfolgt. Lediglich die Dominien, ferner Belgien und die Staaten, welchen man kleine Spezialkredite gewährt hat (Griechenland, Portugal und die Tschecho-Slowakei), zahlen Zinsen. Die anderen haben bisher nichts gezahlt und England ist genötigt, die Zinsen zum Kapital zuzuschlagen. Sie sind in den 2 Milliarden enthalten. Ueberhaupt nicht gebucht wurden die Zinsen der Vorschüsse, welche man dem zaristischen Rußland, Serbien, Montenegro und Armenien gewährt hat. Die passive Handelsbilanz. Die Universal-Korrespondenz meldet aus Budapest: Die Statistik über den ungarischen Außenhandel in den Monaten Jänner bis September 1921 besagt: Der Wert der Gesamteinfuhr betrug 29.412 Millionen Kronen, der der Ausfuhr 13.143 Millionen Kronen, so daß die Handelsbilanz in diesem Zeitraum mit 16.269 Millionen Kronen passiv ist. Von der Einfuhr entfielen etwa 21 Milliarden auf Textilwaren und mehr als je eine Milliarde auf Papier, Maschinen und Eisenwaren. Liquidationskommission der Oesterreichischttngari sehen Bank. In den Wiener Zeitungen sind kürzlich Mitteilungen über angebliche Absichten der Liquidatoren der Oesterreichisch-ungarischen Bank hinsichtlich der Festsetzung des Liqidationswertes der Bankaktien erschienen. Die Liquidatoren der Oesterreichisch-ungarischen Bank erklären, daß alle bisher erschienenen diesbezüglichen Mitteilungen jeder Grundlage entbehren. Staatschuldverschreibungen der ehemaligen österreichisch-ungarischen Monarchie für Spanien. Die königlich spanische Gesandtschaft in Wien, IV., Argentinierstraße 34, fordert alle spanischen Staatsangehörigen, welche Eigentümer von Staatsschuldverschreibungen der ehemaligen österreichisch-ungarischen Monarchie sind, die vor. der Inkraftsetzung der Friedensverträge von Saint-Germain und Trianön außer dem Territorium der Sukzessionsstaaten deponiert waren und die im Sinne des Friedensvertrags zur Abstempelung gelangen, in ihrem eigenen Interesse auf, sich bis zum 10. d. M. in der Gesandtschaft zwischen 3 und 5 Uhr zwecks Entgegennahme der nötigen Informationen einzufinden. Die Salzburger Aktiengesellschaft für Elektrizitätswirtschaft hat ihre erste ordentliche Generalversammlung abgehalten. Nach Genehmigung der Verteilung des Reingewinnes von K 1,320.074 beschloß die Versammlung eine Erhöhung des Aktienkapitals von 16 auf 90 Millionen Kronen. Das Land Salzburg und die Stickstoff A. G. werden je ein Drittel der Aktien übernehmen, während 18 Millionen Nominale zur freihändigst» Begebung kommen. Die Wirtschaftsreform in Rußland. Aus Moskau wird gemeldet: Vom gestrigen Tage an ist das Salz* Monopol abgeschafft; der nationale Verband der Salinen hat den Verkauf übernommeu. Oesterrelchische Waffenfabrlks-Gesellschaft. Id der außerordentlichen Generalversammlung wurde dem Verwaltungsrat mit Stimmeneinhelligkeit die Ermächtigung erteilt, in dem ihm geeignet erscheinenden Zeitpunkt das Aktienkapital durch Ausgabe neuer, bar und voll eingezahlter Aktien ä K 300 Nominale von 189 Millionen Kronen bis zu 378 Millionen Kronen zu erhöhen und die Modalitäten dieser Emission im eigenen Wirkungskreis festzusetzen. Die Handelsgerichtsbarkeit in der Türkei ist seit dem Waffenstillstand bekanntlich noch nicht zu endgültiger Regelung gekommen. Für Streitigkeiten aus Rechtsgeschäften zwischen Ottomanen und Angehörigen der alliierten Mächte wurde durch ein Abkommen eine gemischte Gerichtskommission eingesetzt Deren Aufgaben und Wirkungskreis sowie die Frage der Regelung von Rechtsfällen hinsichtlich anderer Staatsangehöriger, ferner sonstige handelsrechtlich eNeuerungen bespricht Gustav Herlt in der letzterschienenen Nummer der Wochen-! schrift „Das Handelsmuseum“, die außer verschiedenen Wirtschaftsmeldungen und kommerziellen Mitteilungen vor allem auch eine Uebersicht der derzeit geltenden Vorschriften über Ursprungszeugnisse und Fakturenausfertigung in den einzelnen Absatzländern der Erde enthält Aus dem übrigen Inhalt, ist eine Besprechung des polnischen Bankwesens und die Nachrichten des Messedienstes hervorzuheben. Insolvenzen. Vom Handelsgericht Wien wurde das Ausgleichsverfahren über das Vermögen der Firma Emil Gustav Gruchol, Gesellschaft m. b. H., Gemischtwarenhandel im Großen, VIII., Josefsgasse 8, eingeleitet. Den Gläubigern werden 10% geboten. — Vom Landesgericht Wien wurde der Konkurs eröffnet über das Nachlaßvermögen nach dem am 27. April 1920 verstorbenen Privaten Edmund Burger, XX., Karl Meißlstraße 6. Wiener Börse. Die gestrige Börse eröffnete in lustloser Haltung mit vorwiegend schwächeren Kursen. Drückend auf dem Markt lastete die am Samstag bei der Prolongation in Erscheinung getretene Geldknappheit. Das Angebot war auf keinem Gebiete drängend, das Geschäft jedoch eng begrenzt, zumal es fast nur von der Berufsspekulation getätigt wurde, da sich das Privatpublikum angesichts der enormen Spesen und Steuern abseits hält. Stärker reagierten die valutarischen Werte, von denen Staatsbahn und die Genußscheine derselben um je K 2100 fielen, ferner ermäßigten sich Lombarden um K1N0 und Südbahn-Prioritäten um K 1710. Von den Bankenwerten setzten Depositenbank-Aktien, welche ex Bezugsrecht gehandet wurden, um K 1000 tiefer ein, brachten jedoch einen Teil des anfänglichen Verlustes wieder herein, so daß die Abschwächung bloß K 650 betrug. Länderbank verloren K 1150, Zivnostenska K 600. Ruston ermäßigten sich um K 825. Ebenso geringfügig wie in der Kulisse war das Geschäft auch im Schranken. Mit ganz geringen Ausnahmen waren zumeist tiefere Kurse in Geltung. Dampfschiff büßten K 6000, Perlmooser Zement K 1300, Wienerberger Ziegel K 1700, Aussig chemische K 4000, Sigl Lokomotiv K 1900, Neusiedler K 5500, Steyrermühl K 1600, Fanto K 3700, Schoeller-Zucker K 8200 und Kleiner Waggon K 2000 im Kurs ein. Dagegen wurden die Aktien der Oesterreichisch-ungarischen Bank um K 800, Aussig-Teplitzer um K 4000, Nordbahn um K 7000 und Tarbouches um K 3000 höher bewertet. Obgleich eine Abschwächung des Kronenkurses aus Zürich gemeldet wurde, blieb die schwache Haltung der Kulissewerte bis zum Ende des Verkehrs in Geltung. Renten lagen schwächer, bis auf die Februarrente, welche eine Besserung von 6% aufzuweisen hatte. Wiener Schuh- und Lederbörse; (Eigenbericht der „Wiener Morgenzeitung“.) Bei gutem Besuche au der gestrigen Schuhbörse wat das Ausgebot genügend und bei schwacher Kauflust sprach sich die Tendenz schwach behauptet aus. Exekutiv wurden verkauft 60 Paar Damenhalbschuhe zu K 9000. Desgleichen wurden exekutiv Ausgeboten 120 Paar Damen-Rindsbox zu K 9500, für welche Ware sich kein Käufer fand. Es notierten: Herren- I Stiefel Mackay und genagelt Boxcalf und Chevreau mäwmwvimiMim Schlußkurse der Wiener Börse. Banken 6. III. 3. III. Anglobank . . . 16100 16000 Oest.-öosn. Bank Bankverein . . . 6200 6200 Bodenkredit . . 11850 11700 Brit.-ung. Bank . 7880 7210 Oesterr. Kredit . 7050 7150 Ungar. Kredit . . 18660 18000 Depositenbank. . 42Q0ex 5000 Mähr. Eskompteb. 57560 N.-Oest. Escompte 8450 8400 Ung.Hypothekenb. 2740 2750 Länderbank . . . 17850 19000 Bosn. Landesbank 6600 7000 Lomb. u. Esc.-Bk. 2300 2220 Mercur .... 4400 4473 Oest-ung. Bank . 25700 24900 Unionbank . . . 5500 5700 Verkehrsbank . . 3075 3050 Wr. Kommerzialb. 2140 2180 Zivnostenska . . 46000 46600 Transportwerte ■Adria. 64900 66000 iAussig-TepHtzer , Buschtehrader lit. A. 87000 83000 83000 Buschtehraderlit. B. 35200 — Donaudampfsch. Nordbahn . . . Graz-Köflacher Kaschau -Oderbgr. Lemberg-Czernow. Lloyd . Navigazione . , 'Staatsbahn . . . Staatsb. Genußscli. Lombarden . . . Siido.-Priorltäten Bau werte Allg.Baugesellscli. Union Bauges. . Wiener Bauges. . Golleschauer , . Königshofer. , . 15T009 256000 23000 18000 26700 150000 46200 24100 14790 17400 7505 7180 29600 73000 156000 249000 23000 19800 26500 144000 48300 26200 15900 19110 7400 0800 9750 28800 6. IN. 3. IN. perlmooser. . . 25009 26300 Wlenerberg.Zlegel 30300 32090 Brauereien Brunner Brauerei Gößer Brauerei . Liesinger Brauerei Sarajevo . . . , 19500 21000 Chemische Aussig ehern. . Brosche . . . Carbonmdum . Clotilde . . . Dynamit. Nobel iungbunzlauer . loliner .... Stickstoffwerke , Teerag-A.-G. . . Vereinigte Drogen Elektrizitäts- . werke A. E. G. Union . , Brown Boveri . . Vereinigte Elektr. Ges. f. elektr. Ind. Siemens .... Eisen u. Met alle Alpine, , . , . Austria .... Berg und Hütten. Egydyer . . . . Enzesfelder . . . Felten&Guilleaume Greinitz .... Hutter & Schrantü Kabel. Krupp ..... Poldfhütte . . . Prager Eisen » . Rima 81000 85500 38500 30500 245060 90000 17300 29000 5100 7820 7220 12500 9700 9990 52000 17600 103000 55C00 18400 27000 15000 13500 26000 33600 44500 118500 21400 40000 30600 128000 93100 18000 32500 4950 8250 7850 13000 10000 10120 55000 ■ 18800 101500 56500 19400 29100 16500 14000 27800 35070 46900 125000 22400 6.111, 3. III. Skoda. 48500 49800 Waagner .... 17900 18200 WaSen. 4800 5000 Kohlen- und Bergwerke Brüxer Kohlen. . Gran Szaszvarer . Nordung. Kohlen. Oberung. Hütten. Rossltzer.... Salgo Kohlen . . Tritailer Kohlen . Ung, alig. Kohlen Urikany .... Veitscher Magnesit Westböhmische . Woliscgg-Trauent. Maschinen und Waggons Astra ..... Danelc. BrUnner Maschin. Daimler Motoren. Fiat. . . ... . Heid Maschinen , Hofherr österr. . » Ungar. . . Sigl Lokomotiv » Ruston .... ’Simmcringer . . 72000 70000 55000 25300 56500 20000 109000 53000 950j. 29830 38000 450050 4205 4500 4000 6130 11000, 22000 28275 12040 Papier Elbemühl. ... 8600 Leykam-Josefsth. . 19000 Neusiedler . . . 163000 Steyrermüh! . . 34300 Petroleum Apollo..... 28500 Fanto Genf . . , 64000 Karoathen . . . 116000 BgeBMMagagggaaai 53000 27000 57200 20020 111000 10800 29000 37000 45800 4490 3850 6470 11400 23900 29100 12010 9150 19850 168500 35900 28070 67700 HYOYO Galizia . Schodnica 6. in. 3. m. - 264000 60000 - Textil Cosmahos ... Landeis .... Rothkosteletzer . Tarbouches . . . Teppich Haas . » Zucker Scltoeller. . . . Schönprlesner . . Diverse . Eisenbahnv. öst.. » ung. Wr.Waggonlelh. . Gern groß. Oesterr. Gummi . Timber .... Vereinigte Holz . Türkenlose . , , Renten Malrente.... Februarrente , . Gest. Galdrente . , Kronenrente Ung. Goldrente . » Kronenrente Kriegsanleihen 4. 4. Schatz.... 5. . 5. Schatz.... 6» ...... 6. Schatz.... 7» ...... 7» Schaf?.... 8* * 8. Schatz .... 75000 75000 3700 4050 34000 33700 101000 98000 9300 960jk 116800 125000 52500 53000 38500 18200 25000 3880 19800 39950 3520 30500 125 137 123 1080 88.75 87.10 86.50 89.- 86— 96.- 86.— 87.50 86.— 89.50 38500 18000 27000 3950 21200 38110 3950 31350 127 131 1500 129 1080 88.75 87.10 86.50 89.- 86.- 96.50 86.- 87.50 86.- 88.- 66.- 89.50 Von meinem Großvater. Von Leopold Kompert. I. Wie man heiratete. Egentjich sollte der Titel dieser kleinen, aber ftvahrhaftem Geschichte ganz anders lauten; denn indem ich ihn .niederschreibe, fühle ich mich in .meinem Gewissen so ziemlich beunruhigt. Besser wäre es gewesen, wenn ich dafür gesetzt hätte:;»Die Heirat pm das Kopfstück eines Fisches«, denn, das hätte dem freundlichen Leser, wie es jeder rechtschaffene (Titel soll, sogleich die Aussicht eröffnet, was seiner fcm Ende wartet. Aber ich lasse, einer Empfindung (felgend, die in diesem Augenblick außer mir schwerlich wohl einer begreifen wird, den otbigen Titel stehen; ja, er muß stehen bleibet^ iah beharre mit Hartnäckigkeit darauf. Könnte ich doch selbst diese kleine, aber wahrhafte Geschichte nicht erzählen, wenn ich nicht zu berichten wüßte, wie mein Großvater einst geheiratet hat! Nein! Nein! Werdet nicht feucht, ihr Augen,- und du, Hand, bittere nicht, indem ihr euch bemüht, 'die freundliche Liohitgesta.it aus meinen Kindertagen/ 'die Züge des Vaters meiner Mutter, aus einem seit dreißig Jahren geschlossenen Grabe wieder herauf-- izubeschwören. Wie Sonnenlicht spielt es um mich; dazwischen gemahnt es mich, als ginge ich mitten lim Schreiben wie im Frühling durch eine blühend® Kirschbaumallee; ein leises Lüftchen erhebt sich, und nun tanzen und wehen die weißroten Blüten jv-or mir her, daß ich schier glaube, es gebe in der SWelt nichts Schöneres, und aller Gram und alle Eren nerungon seien damit, um sich ja nicht kenntlich au machen, überschneit. Dabei bleibt’s auch! Recht lustig, wie dieses Geschiehtchen selbst, soll die Stimmung sein, die mich im Weitererzählen begleite, und! (wenn dann schließlich dem Losere selbst — eine jener kleinen Kirschibaumblüteu ins Gemüt fällt und daselbst für einige Zeit haften bleibt, so betrachte ich das als den schönstem Dank, den ich ernten kann. Einem anderen begehge ich nicht. Wie man heiratet«! Der freundliche Leser ersieht fschon, daß hier vom einer vergangenen, j.a von einer längstvergamgenem Zeit die Rede ist. Denn ais mein Großvater seine Augen zum ewigen Schlafe schloß, zählte er nicht weniger als achbundachtzig Lebem&jahre; seit er draußen auf dem »guten Orte« ruht, sind dreißig Jahre vergangen-. Zählt man diese Zeiten zusammen, so geht man gar nicht im;e> wenn man am die Regieruingsperiode der großen Kaiserin Maria Theresia, so etwa einige Jalhre nach dem Huberhusiburger Frieden, denkt, alis es meinem Großvater in einer Freitagismacht beikam, au-s seinem ledigen Staude (he-rauszutreten, sich ein Weib zu nehmen und eine Familie zu gründen. Wie es dabei zugimg, will idhi eben erzählen. In eimer kleinen Gemeinde des nördlichen Böhmen herrschte seit einigen Tagen keine geringe Aufregung. Mau erwartete den jungen Rabbiner und am einem bestimmten Tage war der Gemeindevorsteher mit einigen der varnebmusten umd ältesten Mänu-er fünf Meilen weit nach einer Stadt gefahren, -um dort den sehn liehst Erwartetem feierlichst einzuholem und mach der neuem Stätte seines Wirkens zu begleiten.- Daselbst amgefeommeub fand sieh jedoch keine Spur vomdem jungem RabbidV vor; alles Fragen und Umhersuchen erwies sich als fruchtlos. Sie kehrten num etwas mißmutig wieder zurück; cs war an einem Freitagnachmittag, als die ehrwürdigem Häupter der Gemeinde wieder im das Weichbild ihrer Heimat umd Familien ein fuhren, Kopfschüttelnd hörte mam die Kunde von dem nicht Gefundenen a.n und tröstete sich schließlich damit, daß man ihn sicher gefunden hätte, wenn, der Brief, den man ihm geschrieben, angc kommen wäre. Dann darüber hatte man keine Bestätigung. Mittlerweile war der junge Rabbiner dennoch angeikommem, wenn auch in einer anderen Gestalt und mit einem anderem Charakter bekleidet» als man vorausausetzam berechtigt war. Beinahe gleichzeitig mit den in drei schönen Kutschen einherfah-rendem* Gemeindeältesten nebst dem Vonsteher war ein. hodli'- gewacfhiseneT junger Manm in bestaubter Kleidung, eiman rieseigen Stock in der einen, ein kleines Bünde Ich en In der anderem Hand haltend, in die »Gasse« eingekeihiTt und hätte sich bei dem ernsten Knaben, den er traf, nach der Gemeindeherberge,- mach dem »Hekdisch«, erkundigt, woselbst er eine nicht unbeträchtliche Zahl schon früher am gekommener Gäste bereits traf, die alle für den morgigen Saib-bat die Gastfreundlichkeit der Gemeinde genießen 'wollten. Man hieß dem neuen »Gast« willkommen und beffe-utete ihm sogleich, an wen eisich au wenden habe, um die übliche Anweisung auf Ve/rkösti*. gumg für heute abends und den morgigen Tag zu? erhallten". Im dem jungen Rabbiner, wie manbald mooli deutlicher gewahren wird, tebte und webte sm Etwas, dem wir Späterem, freilich nach einer anderen Richtung hiib, den Namen eines »romantischen Tik-s«- gege-ben haben. Ihtm genügte die Welt der gemeinen Erscheinungen nicht;! was anderen höchst begehrenswert Vo-rikam, verschmähte er, wem» eis ihm. gleichsam im grober Natürlichkeit entgegen trat. Das. Spiel «einer immer regen Einbildungskraft mußte in 'Bewegung geraten, wenn* er Behagen und Lust am er Erringung eines .gewissen Zieles finden sollte; etn Flachen und Alltäglichen, mochte es mit moch so viel Reiz un-d Gewinn aiusgestattct sein, ging er aus . dem Wege, Er, der mitten unter Büchern aus eimem Kinde «in starker Jüngling geworden war, der seit seinem siebenten Lebemsjähr am jenem Strome gesessen, der Talmud heißt, hatte in seinem Innl-enn jene Frische iphantaistiischen Si-chsclbstbestimmens zu wahren gewußt, ohne die ihm das Leben schal und »abgestanden« erschien. Auch im diesem Falle war er sich treu geblieben. (Fortsetzung folgt.)

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