Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1114 (6.3.1922)
- Date
- 1922-03-06
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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OnLDNMvsxnMSS' K'MZ (Trafik) '.monatlich K 1200. MitFostv.ersand iürWien und Oester reich monatlich K1209.' Ts c hech o-SJ ojvä kei: Mon. Krön,eh 20- Ungarn: Monatl. Kronen 120. iugoslnwien: Monatl. Dltjar f. 18; Po 1 e it: Möuatl. Mark 600. Deutschland: Monatlich Mark 30. Fr ä n k r.e ich: Monatl. Frcs. 6. rrnrr Nr. UM Wien, Montag, 6. Män W2L T8diec9l94l&waKQt üsek. 8L i Italien: Monatlich Lire E. Rumänien: Monatl.. Lei 40. Schweiz und das Übrige; Ausland monatlich Francs L Redaktion u.; Adhtinfstraüoi»; Wien 1L, Taborsirasse 1—3. Telephone: .44-0-38, 43-3-19, ab 6 Uhr abends 17-9-33. Telegrammadresse: „Morgenzeitung“, Wien. Oesterreichisehes Postsparkassenkonto 150^93. 4. Jatwgawg. Paris, 5. März. (Tel. der „Wiener Modenzeitung“.), Ki unterrichteten Kreisen, verstärkt sich die Ansicht, daß der Konflikt'Lloyd Georges mit den Konservativen irreparabel ist. Man glaubt, daß er in der nächsten Woche zurücktreten werde. . Balfour berate bereits mit seinen Freunden über die Bildung einer konservativen Regierung. London, 4. März. (Wolff.) Winston Churchill erklärte in einerTn Lönghborough gehaltenen Rede: Es v/ird sicher in der nächsten Zeit eine politische Schlacht geschlagen werden. Die Frage ist nur, ob sie auf unserer Seite von einer nach den Plänen geschickter Führer organisierten Armee oder ohne einen wirklichen Plan, ohne Organisation oder Einheitlichkeit im Kommando von Generälen geschlagen wird, die damit beschäftigt sind, bewährte Führer' zu unterdrücken. Die Schlacht wird gegen die wachsende Gefahr des Kommunismus* gekämpft werden müssen. Aber der Sieg ist sicher, wenn man geeinigt bleibt Wenn man sich . spaltet, so würde man einer Partei Platz schaffen, deren Politik dem Zusammenhänge des britischen Reiches schädlich wäre. Es ist zu erwarten, daß aus der Koalition eine starke,- g e e i n i g t e* dauernde nationale Partei entstehen wir d, liberal und fortschrittlich, mit einer friedlichen Politik im Inland und Ausland, und entschlossen, die Ueberlieferungen des geeinigten Reiches aufrechtzuerhalten. Geber die auswärtige Politik sagte Churchill: Unser Einfluß war niemals größer als heute, da . wir stetig eine Politik der F e s t i g k e i t bemühen, die Gefühle der Rache gegen einen geschlagenen Feind zu mildern, denn vom Wiederaufleben der Wirtschaft in Mitteleuropa hängt das Gedeihen Großbritanniens sehr ab. London, 6. März. (Intel.) Lloyd George ist gestern hier eingetroffen. Die unionistischen Führer haben in einer Bespre: ung den Beschluß gefaßt, der Demission Lloyd Georges nicht zuzustimmen, da sie nicht in der Lage sind, ohne ihn die Regierungsgeschäfte zu führen. Die unionistischen Wähler stehen jedoch auf Seite Youngers, der trotz des Ultimatums Lloyd Georges Präsident der unionistischen Organisation bleibt. Dies ist eine unzweideutige Niederlage Lloyd Georges. Paris, 6. März. In einem Artikel über die politische Krise Englands erklärt Philippe Mi 11 et im „Petit Parisien“, zur Beurteilung der Lage vom fran- Zösichen Gesichtspunkte aus sei ausschlaggebend, daß eine Demission Lloyd Georges die ganze Politik der französisch-englischen Annäherung in Frage stellen würde. Lloyd George scheine der einzige englische Politiker zu sein, der genügend Autorität besitze, um England zur Annahme eines langfristigen Vertrages mit Frankreich zu bestimmen. Ein konservatives Kabinett, das Lloyd George folgen würde, dürfte kaum die Verantwortlichkeit übernehmen, einen Vertrag von 20- bis 30jähriger Dauer zu unterzeichnen, der England gegebenenfalls verpflichten könnte, mit allen seinen Streitkräften an einem kriege teilzunehmen. Der Vertrag müßte daher bis nach den Neuwahlen ruhen. Diese aber würden der Mehrheit der Linksparteien die Regierungsgewalt übertragen, die wohl den Vertrag einhalten würde, wenn er unterzeichnet sei, jedoch niemals selbst einen Garantievertrag abschließen würde. Die Orientkonferenz verschoben. Paris, 5. März. (Wolff.) Dem diplomatischen ^Mitarbeiter der Ageuce Havas ist von .inoffizielle* Seite die Nachricht zugekommen» daß die Z usammenkunft der Außenminister von Großbritannien, Frankreich und Italien zur Prüfung der Orientfragen einen neuen Aufschub erfahren werde, da der italienische Minister Sdianzer erst nach den Beratungen des italienischen Parlaments, also nicht vor dem 16. d. M., in Paris anwesend »ein könne. Möglich «ei ferner, daß die Zusammenkunft der allierten Sachverständigen zum Zwecke der Vorprüfung des technischen Programms für Genua nicht am 13., sondern am 14. d. M. beginnen werde. Auch habe die italienische Regierung bis jetzt noch sticht mitgeteilt, ob sie den Vorschlag von Boulcgne, die Genueser Konferenz am 10. Äswil m eröffnen, Rußlands Wiederaufbau. Paris, 5. März. (Wolff.) Paul S erg ent, der französische Delegierte für die Vorbereitung des internationalen Finanzkonsortiums zum Wiederaufbau Rußlands, erklärte einem Vertreter des „Echo des Paris“, er habe in London erfahren, daß von englischer Seite zunächst an die Errichtung von Emissionsbanken in den baltischen Staaten, das heißt, in den Grenzländern Rußlands, gedacht werde und daß eine der ersten Maßnahmen in Rußland die Wiederaufnahme des. Verkehrs auf der Eisenbahnlinie Warschau-Petersburg sein würde. Nach der Wiederinstandsetzung dieses wichtigen Schienenweges würde der wirtschaftliche Wiederaufbau des ganzen von ihm abhängigen Gebietes in Angriff genommen werden. . Die polnische Kabinettskrise. Warschau, 5. März. (Polnische Telegraplien- Agcntnr.) Die Demission des Kabinetts ist vom Sta ätsch ef angenommen worden. Warschau, 5. März. (Polnische Telegraphen- Ageutur.) »Pirzeglad Wieczomy.« meldet, daß die -polnische Vollcspartei (WitO'S-Grispjpe) seit, dem Rüaktritt des Kabinetts politische Konferenzen abhalte. Die Partei, die bekanntlich die größte. Pari-amentspartei ist, beabsichtige, sich für’ die. Bldusng eines parlamentarischen Kabinetts mit dem Abgeordneten Rartai als Ministerpräsidenten einzusetzen, doch sei bisb&r noch nicht bekannt, wer mit der Mission der Bildu-ng eines .neuen Kabinetts betraut werden wird. Wie {HeHorthy-Regiening die politischen ..l4.Ä-^:Gefangeisfift-J^jui4eU...k.; Wien, 6. März. (Intel.) Der Treuhänder des ungarisch-russischen Au-stanscäivertrag'es, Dr. Schlesinger, äußerte sich einem Berichterstatter gegenüber folgendermaßen über den Erfolg seiner Budapestesr Reise: Ec fand im Gefängnis Vac noch immer 700 und in Zalaegerszeg 600 politische Gefangene. Er schätzt die Zahl der politischen Gefangenen, wobei die Internierten nicht eingerechnet sind, auf 3000 bis 4000. Die Verpflegung der Gefangenen ist unzureichend. Auf seine Intervention hörte man mft dem Antbinden auf und, die Disziplinarstrafen wurden vom 60 Tagen auf 30 ermäßigt. 65 Personen warten auf den Abtransport.. Eine große Reihe von Namen konnte infolge der Sabotage der ungarischen Staatsanwaltschaft bisher < nicht ermittelt werden. Von den auf der Liste befindlichen politischen Gefangenen sind bisher 10 ermordet worden oder gestorben. 30 ungarische Offiziers-geiseln sind in Zalaegerszeg als politisch verdächtig interniert worden'. Sie haben jetzt den Wunsch, nach Rußland zurücktran&portiert zu werden». Dr. Schlesinger glaubt, daß der Austauschvertrag bis Ende April abgewickelt »ein werde. Tagesbericht. Sowjetgeld. Von Alexander Amfiteatrow.*) Voriges Jahr, nach dm Jahren völliger Ummögiliicihikeit, mich in Petersburg m betätigen., bot sich mör pfötriliich Gelegenheit» mein« EnzäMumg »Die ibeiztaiutberfe Steppe« utaid dÜe dnatmiaitdßictoe Rhapsodie »Waska BusJiaJew« in» Ausland zuverkaufen. Der Sowjehvahiiba entepme'dbenid wurdte mir das Geld in MiUiimem von Rubeln aiuislbezslhllit. Ohne dbeses Gdid säße ' ich veinmutthiefo noch heulte kn Sowjetgefänginis;; denn es war ein Teil der riesigen Stumme, dlie ich brauchte, um miiit meiner Famiüiie (sechs Personen) von Petersburg über dlie Grenze imjs Auiilsnd zu entkommen. Ich erinnere mich, wie ich mit den ©orgfälitag in Zeiterngspaipier ringe wieheren MMcnen von meinem Verleger mach Usrise kam. Dais Paket war «norm groß und idi -schleppte es zdemlidh hiilflos durch den strömenden Regen1. An der Dampf sch iff Station dos - Meinen* Newa- Dampfers stieß mich jemand von, htinten ann Ellbogen. Ich wandte mich um: ein Befoauunitar. *) Vorliegende Skizze, ist atw der 1« Serif» ernhri* nendea demokratischen russifidien Zrituaz »Ruit ü>sr« »eitzt« »Hören Sie mal.« flüsterte er, ».was' mach«* Sie? Sie stehen -d&i m-iften uralter den Lauten. -und / ballten atus Geld gianiz offen uimtortm Arm!« , Ich bildete ihn' bestürzt an. „ ' .!>Woherwiis»eini Sie, dlaß iah Geld böi mirhiaber« - »So «Ch-auiea Sie doch Ihr Paket an!« . Ich schaue: pais-Zribu«ig».:|i3«(pieff war; ga«ni* ckwchniäßt und ausrinandergsgangen uimd1 meine MillioncinStarrten. aius'aililen; Riiasrii., Vielten;Dank, daß Sie mäclh, aufmicdlessiin ge-*'/ niaicht, halben. In der Tat-, äch« fühM'dlas Publikum W VerNU'chiung: Man- .konnte,ryiiicih.'iboii3^ben.« . i / »W«s berauiben1!?«: Ash»<isn zillr/-.^ntwion!:. üegt d>AcM'?.>bf-M!l., ^diss^n'ichit-: . . A-bsr Säe könnltsri.'^ rinem Agenten der T-schsrswyitechadkta begegnen’ und inis »Kvwnmwssßim-at -ge.Mtein,v.um rieh über -dise. -; Herkunft: dlW : ‘ - -Oib. es ■'picht1 yidl-eicht, au<s; chsm- ^yte^^Vliutipnären1 Gehrim- -foniÄs -süiMAmt' tedor v§nj.vV^tsisiQlE'Ä^A^'en'-.^ iflrad am Ende htelben ,I^re:.MiM!iorüan in -dbr iT^d^ewsiwjr-' tiscüiÄa; hängen, und,Sie ..mäit! .. Gd^&p -Sie liier, iidlr isttiecikte siicvin;^.einten; Saiclk. Aiwchi, . bei. Ilhneti’ isy Hexusc nahe irii Ibhentr .yriistocik'eu,. Site sie guit-!«. ■; . Etwas, inni.eiuieir, venstecken, wo idb I doch gar kernte Möhdl mdirhabe?. '.Plötzfliidhkam - ■ miir eiitie idbei, E»s itzt Sotymer, aSsjo uiih.- den. Ofen damiifc!'. ... v' Als ich . -mich .naich. riuiem. faiSit ^mänd^inl^ltie» Flug über -dten Firinischcn MearftÄPoeai^fid 19 Finnland befand, suchten, .wiu; in Teniaki imhisonst ' usiisiere noch übrig' gefo'lte&ri1|en' 397.000 Sow-j'irinuibefT' zu verkaufen. In aeh Hanlcen ■ cwid iVechisriisidübe'»- h'ieß es:‘ Verbotein,..Sow^etnuÜM zukaidieh1;7 ,sie sind ja such nichts wert! Bd Pria'tatjpenzrancn däs-' . selbe Lied: Sie gebon nichit! , , ,; Ein mürrisdier Finne sdhüwte itiich' luinteeire Rubel lange an, qualmte sein Pfeifchen daiau und •schwieg* Dann bedeutete er uns durch. eine verädhRiliidhc Ge-* bände, mit tLusdeui Rrichtümem afezufahirpn, und mgte zu ntuisprem Erstaunien —- es »dn' ,®nste?j' ,iiini4;jctiziti0s ' Wert 4*. wf darauf t«. " /. ...■';V ■ “ Eine.’paesenttere- Gaefetsdiriili- «Ä' -düte Sowjet« ' LMM)« lilribte ich me gehört: M-it' ’eaniem. eprige»- Wort begrub der Mann ein ganzes System! - INlach drei Wochen1 en'-Woh erhii-dt ich vün. mrincr Frauin Hel-singfons die kreudiige -Nachricht,- sie -habe die r-ervvünraciliten 307.000 Rubel für? 300 fintniiteiche Mlsirk irgendeinem Original! vefkiaiiifent, können. Ich war sefinr zuf-rieden. dbwcM mich bi'S1 •Jetzt» mein Gewibseni peimgit, cb wir ddesen gut*, mutigen Mesrosriban niic'hlt -zugr-aiutsam getpreilt h&ben'. Denn wats haben' wir ihm lietizten Enidles verkauft? Nichts anderes aits Fltaisohienietiiibetten'!. - s-Entsdiulidiigen Sie,« beruhigte, mich efln Kauf-, m'arm, dem ich diese meine Sknupeln äußerte, »füt? 300 Mtefnk bekommen Sie fetzt nirgends- 400.000 Fl-aischeneriketten. Ih«r Käufer iish uiädhitso dlutmtm, wie Sie meinen--!«! Vor der Revolution pflegten’ wir iw Rußlianii su sagen’: Dae und dteis iislt hiillliger afe gekocht» Rüben 1 Men versuche dües« .Red'enisant im heuitige«; Rußland anzwwenden, wo eine Rübe auf diem Markte 1000 Rubel kostet. Um -sie zukochiem, braucht, maicr riraan hdßen Ofen, daizu wiodienuim eän BündeÄ Hoälz^ Dias billigste Hofliz aber kic'sltcte schon -im JluSÜ bcL | den. Holzpratbetr dar 'Newa 150.000 Rubel da» | Bündel! 1 Den GteMumilßtutf völlig zu unterbilndleai,, ist de« Boflschtewikenbeim besten 'Wällen nicht geglückt;; aber düe Vorstellung der iNlichhigkeiit des GeJdle® de«t afokien Baiuiennsdhäck'litt eimzuiprägen —> dlais gtelaingi. iihmen .nur. allzu gut. Milt ihrer uniertehöpfliidhew Notenpretsse’ bradiiten sie auch dem Naiirvistein dii®, Ueberzeugung bei, daß Papiere, hinter dienten kein« »taaitllitdhten Werte stehen, geradte recht s-iind zunv Beikleben dter Wände. Um dies« einfache Wahrhrilt .zu verstehen, brauchten! die Maisseni jiedtodi# Zeit ... Ergebnis des nun bald vierjährigen Expeti-, memtes mit »bourgeoiser« Valuta, gedeckt »durch!. das Staats vermögen'«, das heißt »dusröh Lenins alt^ Hosen«, wie man in Petersburg sagt — war erstens die Wiedergeburt des bourgeoisen Vorurteils, daßt Geld kein Holz ist*), nur daß sich der Sinn dieseef Redewendung in sein Gegenteil verkehrt hat; dem? in Petersburg ist das Holz jetzt rin» Wertsache,’ da-s Geld nicht. . Läßt man auf der Straße ein Stück Holz faiüe&f; augenblicklich werden Dutzende von Händen dar^ •nach greifeq. A/Va» aber das Sowjetgeld angeht, s» sah ich einmal, wie an der Dampfschiffstation ein Bettler seinem Wohltäter eine Hmdert-Rubel-Not* , *) Da« heißt Geld ist »iehta. Hols war im ParistL sehen Rußland stzettWig! _A>ame*kittiuf des Geher-! retLszs..