Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1113 (5.3.1922)
- Date
- 1922-03-05
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Ütaselnummer K‘45• Vien: Zum. Abholen. in der Jxpediti0D,?I.,?abcsÄ.;l~3#i ' ►der in einer Yerschlelfistelle Trafik) monatlich K 1200. M1-ostversand.fürWienund 5esferreich inoöatlich K1200. Fsch e c 1, p-Sl ow-a k ei: Mon, Cronen 20. Ungarn: Monat!, fronen 120. Jugoslawien: Vlonati. Dinar ,18. Polen: Vlonatl. Mark 600. D eutspha h d:' Monatlich Mark 30. Fr a n kr. ei c h: Monat!. Frcs.6. lener m. W3 Wien, Sonntag, 5. Mäi’a iS22 Ts«Mß-sR®.SI®»ähel . tseh. K Ü . Italien: Monatlich Lire Ls Rumänlen:1 Monat!. Lei 40, Schweiz und das Übrige Ausland moyatlicrr, Francs $ Redaktion u. AdminisiraKoa Wien 11., Taborstfasae 1—Ä Telephone: 44-0-38, 43-3-1S; ab 6 Uhr! abends 17-9-3L Telegrammadresse:,»Morgen- . \. zeitung*1, Wien. Oesterreichisches Postsparkassenkontb lQ0.693j 4.. Jahrgang Die Besprechungen in Paris. Die Reparatiotteii und die Orientfrage. London, S. März. (Havas.) Schatzkanzler Sir Robert Hörne wird., an! der-am 8. März in Paris 'stattfindenden Zusammenkunft der Finanzmifiisfer der' .Alliierten England '.vertreten. Auf ■ der' Konferenz sollen gewisse Fragen; bezüglich der Reparationen besprochen werden. In halbamtlichen Kreisen ist man der Ansicht, daß die*1 Zusammenkunft der Außenminister-jEnsjt^nds, Frankreichs; und Italiens zur Beratung der O-ri ent frage am 13* März in Paris stattfinden werde. \. ' . Das suglisch-franLösischE - Kompromik. „Eine neue europäische Atmosphäre". Lloyd George. , Londoner Berichte * künchgey eine Krise,Hitz» Kpalitionskabinetts an. Die inner|)ölitlsche Entwicklung Englands scheint vor einer entscheidenden Wendung zu stehen und Lloyd George, den) die Konservativen schon seit der;.; durch ihn vor.dein Kriege durchgesetzten Aufhebung <ies::Vetprechte^ des.Öberhauses gram sind, hat die IMäWMWen, Die Von ihm im Jahre 19 fö durchgeführter Vereinigung des rechten Flügels der Liberalen mit dein linken Flügel der Konservativen hat ihm. die Würde des Premiers nach Asquiths Rücktritt eingetragen. Heute ist diese Partei; zermürbt' und kann den Forderungen der politischen Lage kaum mehr standhaften. Ihr konservativer Teil will abschwenken,; da Lloyd George den Liberalen zu viel Einfluß einräume, und wieder zu -dem vor sechs Jahren verlassenen unionistischen Lager zurückkehren. Lloyd Georg hat nun in einem Briefe an Ghamberläin,/den Führer dieser Gruppe, die befristete Anfrage gestellt, ob die Partei die Regierung weiter unterstützen wolle. Ob er aus einer eventuellen ver* «einenden Antwört die Konsequenz seines Rücktrittes ziehen würde, steht noch dahin. Lloyd George ist immer ein Freund von Ueberraschungen gewesen. Es fragt; sich' aber auch, ob er. bei der gegenwärtigen Situation knapp vor oder nach, Genua seinen Posten verlassen kann. > r- ■: ' Die Opposition, die gegen Lloyd George ankämpft, setzt sich aus den außerhalb der Koalition stehenden unabhängigen Liberalen unter der Führung Asquiths, den nichtkoalierten Konservativen, die, wie schon erwähnt, Chamberlain zum Führer haben,; und der Arbeiterpartei zusanimen. ’ Söviele Fragen prinzipieller und ^taktischer Art diese Parteien; auch trennen, einig sind sie in bezug auf die Ablehnung der gesamten Politik des Kabinetts, hauptsächlich aber der auswärtigen Oriefitierung. Die KonseXvätiyen bekänipfen die irische und: ägyptische Politik, die Liberalen und die- Arbeiterpartei.. wenden Sich gegen jede Ünterstüfczung düf französischen vReparationsforderungen an Deutschland. Sie machen; dem kabinettschef zum Vorwurf, daß er gegenüber ‘ Frankreich chronische Schwäche, zuletzt in Boulogne, bewiesen und daß darin der Grund für das Anschwellen des Heeres der Arbeitslosen liege. Daß die Mißstimmung gegen die französische Revancheströmung in steigendem Wachsen begriffen ist, beweist die sich mehrende Reihe von Wahlniederlagen der Koalitionsliberalen, die erst jüngst ihre festen Sitze in Manchester und Caniberwell an die Arbeiterpartei und an die unabhängigen Liberalen verloren haben. Lloyd George hat wiederholt, dieser Stimmung Rechnung tragend, von Frankreich eine Kursänderung gefordert Er hat in Cannes die Einberufung der Weltwirtschaftskonferenz nach Genua verlangt und durchgesetzt; aber sein bereits überzeugter Partner Briand ist auf der Walstatt der französischen Kammer geblieben und Poincarö hat in Boulogne viele Sicherungen seiner politischen Linie erlangt Er erhielt den Gegenseitigkeitsvertrag, die Ausschaltung der Friedensverträge, der Reparationen und der Zahlungsform Deutschlands aus der Tagesordnung von Genua; er hat erreicht, daß die Frage der Begrenzung der Rüstungen in Genua nicht berührt werden darf. In bezug auf die russische Frage, die zu dem beherrschenden Problem der Genueser Tagung gewordenist, hat Lloyd George lediglich das Kompromiß erzielen können, daß das Verhalten der Sowjetdelegierten für die Anerkennung ihres heimischen Systems maßgebend sein solle. Dagegen hat er die Einbeziehung Deutschlands in das Syndikat zum Aufbau Rußlands durchsetzen können. Gebersieht man diesen Komplex von offenen Fragen, zu denen sich noch die Angelegenheiten des nahen Orients, die Tanger+Frage und die. Frage der Schulden der Alliierten an Amerika gesellen, so scheint es, als ob man nirgends von einem vollzogenen Uebergewicht Frankreichs sprechen könnte. Keinesfalls aber ist die Situation so abgeschlossen, daß sie einen völligen Umschwung der politischen Verhältnisse Englands rechtfertigen würde. Chamberlain hat denn auch in einer Rede in Oxford erklärt, daß ein Rücktritt Lloyd Georges nichts bessern könne. Lloyd George hat sich von dem Mann der »Khaki-Wahlen“ 1918 zum Mann der Idee des allgemeinen Friedens 1922 entwickelt In seiner Person spiegeln sich die großen, und inhaltsschweren Wand-, jungen der internationalen Lage, die Wirkungen des Krieges, der Friedensverträge und der Erkenntnis Ihrer Unhaltbarkeit Die Entwicklung ist immer stärker als alle politischen Programme und wenn man Lloyd George den Zickzackkurs zur Last legen will, so ist zu bedenken, daß auch diese hervorragende Persönlichkeit unter dem Druck von Entwicklungstendenzen steht die zu meistern über die Kraft eines Mannes geht Er hat die großen Streiks (der Transnortarbeiter und der Bergleute gelöst die Prag, 4. März, Das Organ des;Mlhjsteriums des Aeußern „Zahr. Politika8 (Auswärtige Politik) veröffentlicht morgen einen Artikel, aus dem der Umfang des in Boulogne herbeigeführten e n g 1 i s c li-fran zös i s ehe n Kompromisses hervorgeht. In dem Artikel heißt es: Das in Cannes geprägte Schlagwort von der Rekonstruktion Europas bedeutet sicherlich eine Wendungr'der Politik der Siegerstaaten, die aber ln den früher feindlichen Ländern verschieden verstanden wurde. In Deut schland erwartete man eine Revision der ReparationSverpfiichtungen, in U n g a r n eine Revision der territorialen Bestimmungen, in Rußland sprach man von einem' -Bankrott des Friedenswerkes Von Paris, und alles erwartet, in Genua einer neuen Friedenskonferenz beiwohnen 2J1 können. An Stelle einer Konsolidierung der europäisch Verhältnisse drohte ein neues ChAM? Deshalb forderte Dr. B e n e s c h ihi-Parls und London die Uerstelfung eines ^^anzösIsch-li^isfcSeh'Vinyer« itehmOnseinerin;i 1t Fhri*.n L i n iie zwischen derit von seiner früheren Interventionspoiitik ötfiid ^efher allzu empfindlichen öffentlichen Meinung belasteten ite.ciitssielienden Frankreich und dem linksstehendenCEngländ, das in Besorgnis wirtschaftlicher Schäden ohne Rücksicht auf Frankreich geradewegs auf die Anknüpfung von Handelsbeziehungen mit Rußland abzielte. Die Ueberbrückung dieses Abgrundes ist gelungen. Man einigte sich in Boulogne über einen kurzen Aufschub der Konferenz von Genua und darüber, daß weder d i e Friedensirische Frage zur Reife gebracht und den Ausgleich mit Indien in die Wege geleitet. Seine Politik wird sich, ob er nun zurücktritt oder bleibt, von selbst fortsetzen, weil sie im Zug der Zeit liegt und der Vernunft entspricht Für das jüdische Volk ist Lloyd George der Premier, der seinen Namen unter den Beschluß von San Remo gesetzt hat, der die ewigen Rechte der jüdischen Nation auf Palästina feierlich anerkennt und die Deklaration Balfoürs, des konservativen Gegners des Ministerpräsidenten, bestätigt. Daß diese beiden Antagonisten sich in bezug auf die Zukunftsfrage des Judentums auf dem gleichen Punkt getroffen haben, ist für uns von historischer Bedeutung. Wir haben Englands Wort Chamberlain über die auswärtige Politik Englands. London, 4. März. CWolff.) In seiner gestern in Oxford gehaltenen Rede besprach Chamberlain die auswärtige Politik und erklärte, England habe eine klar umschriebene Politik, die darin bestehe, die Freundschaft mit seinen bisherigen Verbündeten zu erhalten und zu befestigen und insbesondere Europa Sicherheit und eine neue Friedensgewähr zu geben durch ein Bündnis mit Frankreich und Belgien zur Verteidigung gemeinsamer Interessen gegen unverschuldete Angriffe. Wir legen Wert auf dieses Bündnis, weil es unserer Ansicht nach diesen Ländern eine Sicherheit gibt, die gerade die Grundlage für eine gemäßigte und vernünftige Behandlungunserer geschlagenen Feinde bildet, die zum Wiederaufbau Europas und zur Wiederherstellung der europäischen Wohlfahrt nötig ist. In allen diesen Fragen werden die N'ationalliberalen Schulter an Schulter mit uns kämpfen. In allen diesen Fragen fordert die Arbeiterpartei unsere Politik heraus. Wenn Großbritannien zögert oder strauchelt, wenn zur Ungewißheit der Politik der anderen Regierungen auch die Unsicherheit der Politik der britischen Re g i e r u n g kommt, wenn <He Regierung Großbritannien* der Gnade einzelner Gruppen prelsgogeben Ist, dann verlieren wir unsere Stellung* und mit unserem Ruin geht auch Europa zugrunde. Verträge noch die R e p a r atlonen'dis* k u t i*e r t werden d ü r f e n. Es wurde deutlich ausgesprochen,' daß die Teilnahme der Sowjetyertreter noch nicht die politisch© .Anerkennung Sowjetrußlands bedeuten soll, daß vielmehr die politischen Bedingungen für diese Anerkennung erst festgesteilt und diese Frage nach den/ Verhältnissen der' Konferenzarbeiten gelöst werden solle. Man hat sich über die Bedingungen für dis Anknüpfung der Handelsbeziehungen zu Rußland geeinigt, ' über die Form der Beteiligung der Sachverständigen der; kleinen Entente und Polens an der Londoner Vorkonferenz und schließlich über die Art, wie die etwaigen Beschlüsse . der Genueser Konferenz Rechtskraft erhalten sollen. Das. \ Ergebnis ist also, daß Rußland eine offen© Tür nach Europa und die Möglichkeit...erhalten.wird,-• mit'allen Sfaateri^ofiaö Ausnahme Handel, zu treiben. Deutschland, wird . in das internationale Leben geebnet und es "wird ‘ eine neue europäische Atmosphä re; . geschaffen, die es begünstigen wird, daß ohne . jeden Chauvinismus mit den neuen Methoden vernünftiger Verhandlungen fortgefahren wird. Es steht außer Zweifel,1 daß Deutschland, sofern es in seiner Valuta- und; Exportpolitik Fehler vermeidet, bedeutende Vorteile erlangen wird. Per französische Kredit für Oesterreich. Paris, 4. März. In der heutigen Sitzung, des Finanzausschusses der Deputiertenkammer erstattete der Referent, Abgeordneter N oblem.aire, einen ausführlichen Bericht über den Gesetzentwurf, betreffend die K r e d i t g e w ä hr u ng an Oesterreich. Der Ausschuß beschloß die Anhörung des Ministerpräsidenten, dis in den nächsten Tagen erfolgen wird, worauf der Bericht sofort auf die Tagesordnung der nächsten' Kammersitzung gestellt werden soll. Die jugoslawisch-ungarische Grenzberichtigungskommission. Abberufung des jugoslawischen Delegierten. Belgrad, 4. März. (Tel. der „Wiener Morgen* zeitung“.) Bei den Arbeiten der jugoslawisch-ungarischen Grenzberichtigungskommission im B a r a n y a.er G eb i e t haben sich so schwerwiegende Meinungsverschiedenheiten ergeben, daß die Belgrad e r R eg i e r u n g sich veranlaßt sah, den Führer ihrer. Delegation abzuberufen. Die Gegensätze beziehen sich auf die Festsetzung der Nordgrenze der Stadt S.u b o t i c a (Maria-Theresiopel), bezüglich deren von jugoslawischer Seite die Forderung gestellt wird, daß die Grenzlinie so gezogen werde* daß die genannte Stadt ihr altes Gebiet beziehungsweise ihre alte Stattgrenze beibehalte. Von ungarischer Seite wurde diese Forderung rundweg abgelehnt. Ditz jugoslawische Regierung ist entschlossen, diese Frage dem Völkerbund zur Entscheidung vorzulegen. Keine Amnestie in Frankreich. Paris, 4. März. (Wolff.) Der Gesetzgebungsaussehuß der. Kammer hat den Amnestieentwurf des Ministeriums Brian d, den das Ministerium Polncare über-1 nommen hat, mit 13 gegen 9 Stimmen abgefeimt. Auszeichnung Balfoürs. London, 4. März. (Wolff.) Der König hätwdeflj Führer der britischen Abordnung auf der Washingtoner Konferenz, B a l f o u r, den H o s e. u b a n d o r.d.e.o bverlieheür