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Wiener Morgenzeitung · 1922-03-03 · Heft 1111 (3.3.1922) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1111 (3.3.1922)
Date
1922-03-03
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 111! Wien, Freitag WIENER MORGENZEITUNO 3. März 1922 Seite 3 fÜunem ein Leid gesicihiehlti, dH« Sfcadlt au 'v»et wir 4 eitten Juden unidi keinem Me lasten,, d'a nschcn, Die kommunistische Einheitsfront. Trotzkij gegen Adler* zu schaffen. Jetzt ist der ifristoriselie Zeitpu!nik^ diese Stimmung zu übet winden und den Masse« zui dem die Juden b es toclhen äi^toeu, in dteai Mauern der Stadt dulden.« Dnoizdy veTwalhtnte sieh emergiisdh gegen dliteiseni Tan umid fragt«, ob dei Redner wähl der Bürgermeister oder dar Oberstadtbauptmann der Stadt Czegled sei, daß er ihm den Aufenthalt in der Stadt au verbieten wage. Der Gefragte antwortet«, er sei gewiß berufen, Dirazdy aus Czegled auszuweisen, denn er sei der Präsident der »Erwachenden Ungarn«. Da Drozdy erklärte, ferst recht die Stadt nur aus eigenem Antrieb zu verlassen, wurde er von der Gruppe der Erwachenden bedroht und als er seine Angreifer aufforlderte, ihre Namen ziu nennen', tat dies nur einer von ihnen, und zwar Dar. Alexander Dolbos. Von dlieiem Augenblick au bis au sieimier Abreise stand Drozdy unter Uelberwachung der Erwachenden. Die Angelegenheit ist der Recfotsschutizkanzlei d er’Oppos it i o n zur Auisft'r.agutng überwiesen .worden. Die geheime Armee. Bekanntlich billigt der Vertrag von Trianon dem öngarischen Staate das Halten eines Söldnerheeres von 35.000 Mann zu. Die Werbungen für dieses Söldnerheer haben bereits seinerzeit unter der Leitung des Obersten Keresztönyi begonnen. Wie nun aus einer Bueapester Meldung des Tiroler „Alpenland“ hervorgelit, haben jedoch diese Werbungen — bis 10. Februar — ein recht spärliches Ergebnis gezeitigt. Es haben sich nur 18.000 Freiwillige für das neu aufzustellende Söldnerheer gemeldet. Da somit der bewilligte Stand nicht erreicht wurde und noch 17.000 Mann fehlten, wurde versucht, das fehlende Kontingent durch Zwangseinberufungen zu verschaffen. Diese Assentierungen laufen unter dem Titel: Freiwillige Meldungen für das ungarische Nationalheer. Es wurde einerseits von den zwangsweise Assentierten die Fertigung von Reversen gefordert, die dahin lauten, daß ihre Einrückung zum militärischen Dienst freiwillig erfolgt sei, andererseits werden Abteilungen in Zivil aufgestellt, welche angeblich für landwirtschaftliche Zwecke und andere zivile Arbeiten bestimmt sind, tatsächlich aber militärischen Zwecken dienen. Solche Kaders geheimer militärischer Formationen sind unter anderen in Budapest selbst aufgestellt, und zwar besteht eine sogenannte Siebenbürger Brigade und eine Westungarische Brigade, die als Kaderorganisationen für künftige militärische Operationen in diesen Gebieten ausersehen sind. Erhöhung der Tarife. Budapest, 2. März. Wie verlautet, soll die Erhöhung der Eisenbahn-tarife am 17. d. M. Ins Leben treten. Auch die Schiffahrtsgesellschaften haben an das Handelsministerium eine Eingabe gerichtet, worin sie um die Erlaubnis zur Erhöhung ihrer Tarife ersuchen. Sie beabsichtigen eine Erhöhung um etwa 10 bis 20%. Die Personentarife in der Relation Budapest-Wien sollen nicht erhöht werden. ' Budapest, 2. März. Wie das Ungarische Telegraphen-Korrespondenzbureau meldet, hat die Regierung beschlossen, die Erhöhung der Tarife nicht in dem Maße vorzunehmen, wie es ursprünglich beabsichtigt war. Hiedurch wird sich das angestrebte Einnahmeplus von 4*4 Milliarden um etwa eine halbe Milliarde verringern. Polen. Polen und die kleine Entente. Warschau, 1. März. (Tel. der „Wiener Morgenzeitung.“) Der Minister des Aeußern .Skirmunt wird sich, wie angekündigt, in der nächsten Zeit über Prag nach Paris begeben.. Er wartet mit seiner Abreise auf den. Beschluß des Außenausschusses des Sejm über das Vertrauensvotum für Skirmunt. Dieses Votum bezieht sich auch auf den von der liberalen Gruppe stark bekämpften Beitritt Polens zur kleinen Entente. Die Bedingungen für diesen Anschluß Polens werden in einer Konferenz sämtlicher Außenminister der kleinen Entente unter Anteilnahme Polens festgesetzt werden. Ein Gesetzesprojekt über das jüdische Schulwesen. Warschau, 1. März. (Telegramm der „Wiener Morgenzeitung“.) In der letzten Sejmsitzung brachte Abgeordneter Grünbaum ein Gesetzesprojekt über das jüdische Schulwesen ein. Das Projekt wurde vom jüdischen Abgeordnenklub schon vor Monaten ausgearbeitet und sämtlichen jüdischen Parteien und Körperschaften zur Begutachtung übermittelt Die deutschen Abgeordneten haben das Projekt mitunter sch rieben, wogegen die orthodoxen Abgeordneten Rabbiner Perlmutter und Mendelsohn infolge Abwesenheit von der Sitzung unter den Unterzeichnern nicht figurieren. Ankunft der Wilnaer Sejmdelegation. Wilna, 28. Februar. (Tel. der „Wiener Morgenzeitung“.) Die Delegierten des Wilnaer Sejms, die der Warschauer Regierung den offiziellen Inkorporierungsbeschluß übermitteln wird, trifft am 2. März in Warschau ein. Moskau, i. März. (Intel.) In der Sitzung der erweiterten. Exekutive der Kommunistischen Internationale sagte Sinowjew; An die Spitze der Diskussion wird oft diie Frage gestellt, in welcher Beziehung unsere jetzige Taktik zur heutigen Lage SoAvjetrußlands steht. Selbstverständlich hat die russische Revolution großen Einfluß auf die Wehreyotutian. Die Konzessionen der russischen. Revolution an die Bauern und Kleinbürger setzen das Tempo der proletarischen Revolution herab. Das Fehlschlagen dier proletarischen Revolution nach 1919 hat die Arbeiter'kampfunlustig gemacht und dem Reformismus den Boden vorbereitet. Kaum hatte der Kapitalismus diese Schwäche der Arbeiterbewegung entdeckt, begann, er seine Offensive. Di’iese Offensive tot einen. Wendepunkt in die Arbeiterbewegung gebracht. :Die Arbeiter beginnen einzusehen, daß sie ohne Kampf nicht einmal ein größeres Stücßc Brot erreichen;. /Das Streben der Arbeiter, gegen die Bourgeoisie einig zu sein, ist gesund. Wenn wir klar den Weg. zu dieser Einheit gellten .untd den Weg in dtiesem Kampfe zeigen, werden wir uns an die Spitze dieser Bewegung stellen. Auch die Massen der christlichen und parteilosen Arbeiter müssen' wir in diese Bewegung einbezieton. Daß auch diese Massen über diese Frage nachdenken, ist ein bedeutsames Merkmal. Unsere Kommunisten als Spalterhinzuistellen, wirkt ilueute nicht mehr auf die Massen. Die bisherigen Spaltungen haben uns sicher bei einem großen Teil der Arbeiter nicht geschadet. Diese Spaltungen wurden notwendiig, um di:« revolutionären Elemente aus dem 'fOzMliistteicihten. Pamteiiefn; her¬ Für die nationale Autonomie der Wilnaer Minderheiten. Wilna, 28. Februar. (Tel. der „Wiener Morgenzeitung“.) In der Sejmsitzung erklärte der Vertreter der Volksräte, Abgeordneter Nußbaum, daß der Sejm derzeit nur als freie Versammlung betrachtet werden kann, da mit der Beschlußfassung auf Einverleibung Wilnas an Polen die eigentliche Aufgabe erfüllt sei. Im Verlauf seiner Rede berührte er auch die J u d e n f r a g e in Wilna, die seiner Meinung nach nur im Zusammenhang mit dem Fragenkomplex der Juden in Polen gelöst werden könne. Die Wilnaer Juden verlangen eine nationale Autonomie und aus diesem Grunde wäre es angezeigt, sowohl den Juden als auch den anderen nichtpolnischen Minoritäten in Wilna eine solche zu erteilen. Für jeden, Fall wäre es aus Gründen der Staatsräson besser, dem Wilnaer Gebiet statt einer territorialen Autonomie drei nationale Autonomien zu gewähren. Abgeordneter M i 1 e w i c z und Abgeordneter M 0 r o z vertreten den Standpunkt, daß jede Autonomie nur die Rechte des Polentums schmälern würde. Die Abgeordneten Kazminka und Jankowski stellen in ihren Reden fest, daß die Randgebiete auf keinen Fall zentralistisch verwaltet werden können, eine Autonomie entspreche daher sowohl den Interessen Wilnas als auch denen des polnischen Staates. Belgien und Aegypten. Berlin, 2. März. (Tel. der „Wiener Morgenzeitung“.) In seiner Erklärung über Aegypten im englischen Parlament machte Lloyd George mehrere Andeutungen über eine fremde Macht, die in Aegypten hetze. Im Unterhaus fragte man sich, warum Lloyd George diese fremde Macht nicht mit Namen genannt habe. In diesem Zusammenhang weist die englische Presse darauf hin, daß in der Brüsseler Zeitung „Midi“ vom 18. Februar die Nachricht enthalten war, Belgien müsse als Mitunterzeichner d$s Vertrages vom Jahre 1873 unmittelbar beim auswärtigen englischen Amt Protest erheben gegen die Absicht, sich die Verteidigung der europäischen Interessen allein anzumaßen. Die belgischen Interessen seien viel größer, als allgemein angenommen wird, und sie seien mit keinem der Vorschläge Englands in Einklang zu bringen. Der Insd-Yap-Vertrag ratifiziert. Washington, 2. März. (Reuter.) Der Senat hat den japanisch-amerikanischen Vertrag, betreffend die Insel Yap, ratifiziert. Die Botschafterkonferenz verlangt vom Exkaiser Karl eine Vermögensbilanz. Prag, 2. März. (Privat.) Wie der „V e n k 0 v“ aus Paris meldet, hat die Botschafterkonferenz Exkaiser Karl aufgefordert, eine- Aufstellung seines beweglichen und unbeweglichen Vermögens vorzulegen. Desgleichen seien alle Staaten, in denen sich Besitztümer Exkaiser Karls befinden, zur Einsendung eines Verzeichnisses der auf ihrem Gebiete befindlichen exkaiserlichen Güter und Vermögensteile aufgefordert worden. zeigen, daß wir nur gespalten haben, um eie-besser wie derzu vereinigen. Die Parole der Ein-( heitsfronft ist nickt der Ausdruck unserer Verzweil*' lang. Daß diese Taktik auch Gefahren hat, ist unJ leugbar, a'ber unsere Taktik hat immer Gefahren^/ T rolti <z lei j besprach auisfiihrltiidb dH« Konferenz rön Genua. »Wir stdhein« -7sagte eir — »vort eiiner meinen K-onfememte von Vetn:ciillös, dlie zwei Kair-dliinialMnaigein, über Sowjebnußlanid umid' D-eufcseibN, lamid, entedhaiden soll. Es ist htatr, dlaß diiie (ktooximto1 lÄtisdhie ImtormatiomiaSe düe Kräfte dleis imtema/biloL .malten FroHebaniat's zu einer Gegemdemianisitraibicini vo*( dlctr gamizm Weit vereinigen muß. Im FM« dies/. Ntiieliltiziusitamdiellcammens der Komfeironlz werden wist beweisen, dlaß die Sehe i deraä n-m> e r dH« SdhHiHdf daran tnaigem. Es ist besser, aflts wemtn man den Airlbeiitiernni sagt, d&ß wir dH« Sdhlultd lam NHc!htzusternddeomimen der Kcn'fgmemiz -nagen. Manaagf,' dlaß zu dHeser Konferenz Merasdhewilkeo" umd Sozial revolutionäre ersteh« inen utnid Delku* menitie, düe ums ‘konnpromiilttieraii, vorweknen köomteto Wir Iköntmen a'ber auch Dotkuonemlte vor weisen. WiW kämmen umsere Forderungen' für L l«!b'-, km echt und Rosa Luxenbuirg sowie für* dlats Leibern Miteier Taiuisemidteir Mom Sipantialkiiistem' ipträ-i' sentiemetn. I n m e<rnem Gestpir ach m ii.t ^.dleir ihialb« ich auf diieisen Urmistend (biintgewietsenV und mtiit diem BalÜmemizweig dies Fmi'ed)emisem(ge3ts iirt dar Hand (hat er tn-iclh getherben, bestimmte Finageml nnidhjt auf die TagesiOirtdminig der Konferenz zur settzemi, uim keinen imteimiatitoiniailsn Skamdiail Ihteirivorzuirufem. (Eiiine Besipiredhiumig zwiisdhen Adttetr umd Tmatizkij! wair bisher umibeibammt. Di« Red.) Unruhen in Syrien. Mekka, 2. März. (Havas.) Eine Reihe von Maß»1 nahmen des Königs Hussein, insbesondere die Einführung neuer Steuern und die gewaltsame Soldatenaushebung, haben hier blutige Zusammenstöße hervorgerufen. Auch in den Moscheen kam es za Schlägereien. Deutsche Geheimbündler vor einem französischen Kriegsgericht. Wie die „Kölnische Zeitung“ aus Düsseldorf er< fährt, begannen gestern die Verhandlungen des französischen Kriegsgerichtes der VI. Rheinarmee gegen 29 der Geheimbündelei beschuldigte Einwohner Düssei»' dorfs. Es handelt sich bei den in Düsseldorf auf der An« klagebank Sitzenden um Mitglieder der Geheim* Organisation „C“. Daß diese Organisation militärischen! Charakter trägt, ist allgemein bekannt. Die „Freiheit? weist darauf hin, daß dieser Prozeß wieder einmal das Bestehen illegaler Kampftruppen neben Reichswehr' und Polizei aufzeige, und fragt, wann diesen endlich einmal ernstlich zu Leibe gegangen werden wird. Tagesbericht. Die Lohnfrage bei den Industriearbeitern» Die Betriebsräte stimmen dem Kompromiß zttt Nachdem die Betrie'bsrätekonferenz der Metall-s arbeiter und der Industrieangesteilten die Erklärungen' der Unternehmer über die Bedingungen, unter welchen d-ie provisorische gleitende Zulage zu leisten ist, zu-, stimmend zur Kenntnis genommen halben, wird die, Auszahlung, beziehungsweise Nachzahlung der erhöhten gleitenden Zulage ehestens, wenn möglich schon 'bei der heutigen oder morgigen Lohnauszahlung erfolgein. Dem Kompromiß der Metallarbeiter sind auch die Arbeitet der niederösterreichischen und Öberösterreichischen Gummiindustrie und der uiederösterreichischen' / Z e m e.n t i nd u s t r i e sowie einer Reihe änderet Industriegruppen beigetreten. Ebenso wurde auch da». Kompromiß auf die Be amten-Kol lektivver« t r a g s g e m e i ns c h a f t e u der Möbelfabriken, Holz-, Industrie, Milchindustrie, Schuhmaschinenindustrie un<S andere Industriezweige ausgedehnt., Der Zentralverband der c h e m i s c h e ui und metallurgischen Industrie teilt mit, daß die Verhandlungen mit dem Verband der Arbeiterschaft der chemischen Industrie Oesterreichs wegen Fest-? Setzung der gleitenden Teuerungszulage für die Monate Februar-März vorläufig abgebrochen werden mußten. Das Lohnlkomitee des Zentralverbandes d'enr chemischen Industrie hat sich jedoch bereit erklärt, die Mitglieder anzuweisen, eine gleitende Teuerungszulage von 450, beziehungsweise 406. Prozent, mit Wirksamkeit vom 25. Februar, beziehungsweise dem unmittelbar .vorher-! gehenden Zahltag bis auf weiteres zur Auszahlung bringen. x Das Lohnkomitee hat weiter die Erklärung, alb-, gegeben, daß sich einzelne Gruppen der chemischen' Industrie außerstande erklärt halben, diese gleit tende Teuerungszulage zu bezahlen. Die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit Inangriffnahme öffentlicher Arbeiten. In der letzten Sitzung des Ministerrates, der sich mit dem Problem der Arbeitslosigkeit beschäftigte, wurde beschlossen, betreffs Verbesserung der Lage des Arbeitsmatkfes sämtliche Ressorts zu beauftragen* auszuschälen, um eine kommunistische Avantgarde Rundschau ABBAUPREISi R a ff e n cn 8. n 2 © I K 14.D00« SeldenjsSsrKavipfe El 5,500 b K LL3 M iSehiffmann Wien, IU TaborstraSe 48 Telephon 47-1-78 En $ros 1074 En detail

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