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Wiener Morgenzeitung · 1922-03-02 · Heft 1110 (2.3.1922) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1110 (2.3.1922)
Date
1922-03-02
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Einseinummer K 45 Wien: Zum Abholen in der Expedition, H.,Taborstr. 1—3, oder in einerVersdileißstelle (Trafik) monatlich K 1200. MitPostversand fiirWien und Oesterreich monatlich K1200. Tschech o-Slowakei: Mon. Kronen 20. JJngarn: Monatl; fronen 120. Jugoslawien: Monatl. Dinar 13. Polen:, Monatl. Mark 600. Deutschland: Monatlich Mark 30. Fr a n k r e i c h: Monatl. Frcs. 6. rrner «sch. ki J Italien: Monatlich Lire 6i Rumänien: Monatl. Lei 403 Schweiz und das übrig« Ausland monatlich Francs $3 Redaktion u. Administration; Wien U., Taborstrasse 1—3} Telephone: 44-0-38, 43-3-19; ab 6 Uhr. abends 17-9-33J Telegrammadresse:,,Morgeg-' zeitiing“, Wien. Oesterreichisches Postsparkassenkonto 150.693, Nr. 1110 Wien, Donnerstag, 2. März 1922 4. Jahrgang Die Vormundschaft. —y. Wien, 2. März. Die drei Vertreter des österreichischen Nationalrates verhandeln seit zwei Tagen über die von den Christlichsozialen ausgearbeitetejv Richtlinien für die Verwendung der Auslandskredite^ Heute soll, ,wie es heißt, der Bundeskanzler im Natiqiialrat den Standpunkt und die Vorschläge der Regierung der Oeffentliehkelt Mitteilen. Vielleicht wird bis dahin auch eine Einigung der Parteien erfolgt sein, so daß man doch endlich wo und, wie wird sehen können. Dies ist eine unbedingte Notwendigkeit Die Ankündigung der Kredite hat zu einer sehr lebhaften Debatte in der Oeffentlichkeit geführt, die aber ziellos geführt werden mußte, weil man den sachlichen Standpunkt der Parteien nicht - kannte und jede Partei nur bestrebt war, die Fragen, die mit den Krediten Zusammenhängen, von ihrem einseitigen Programm aus zu besprechen. Dadurch ist aus der rein innerwirtschaftlichen Angelegenheit eine politische geworden. ' | Ein Block der Neutralen auf der I Konferenz in Genua. Die Vorbereitungen der kleinen Entente. — Die heutige Entrevue in Preßburg. Berlin, 1. März. (Intel.) Wie die „Frankfurter Zeitung“ aus Stockholm meldet, taucht in der schwedischen Presse der Gedanke auf, daß es zweckmäßig wäre, daß sich diejenigen Staaten, die während des Krieges neutral geblieben sind, zu einem Block zusammenschließen. Das konservative Blatt „Nya-Dagligt-AIlehand“ sieht in B r a n t i n g den Mann, der geeignet wäre, diesen Plan zu verwirklichen. * Neben dem projektierten Block der Neuralen will bekanntlich auch die kleine Entente, gemeinsam mit Polen, als einheitlicher Block in Genua auftreten, Die Richtlinien für das Programm der kleinen Entente sollen in der Ende März stattfindenden Konferenz in'Belgrad festgelegt werden. Angeblich hat der jugoslawische Außenminister N i n c i c bereits . ein wirtschaftliches Programm ausgearbeitet, das er im Namen der kleinen Entente in Genua vorlegen will. Feststehend ist, daß auch Außenminister Dr. Benesch in Paris und London in dieser Angelegenheit Rücksprache mit Lloyd G e o.r g e und Poincare genommen hat Die heute in Preßburg stattfindende Begegnung Df. Benesch mit N i n c i.c dürfte hauptsächlich der Konferenz von Genua und der russischen Frage gewidmet sein und erhofft man in Prager und Belgrader politischen Kreisen eine Klarstellung der bisher nicht einheitlichen Auffassung dieser Probleme innerhalb der kleinen Entente. Da aber politische Dinge immer Machtfragen sind, ist in der Behandlung der Sanierung des österreichischen Staatshaushaltes und der Volkswirtschaft eine Verschiebung zum Ungünstigen eingetreten, die sich möglicherweise auch auf das Parlament übertragen kann. Der Nationalrat besteht wohl aus bürgerlichen und proletarischen Parteien. Aber diese Zusammensetzung kommt nur höchst selten zur Wirksamkeit. In der Hauptsache ist der Nationalrat der Boden, auf dem. die Agrarier und die Sozialdemokraten ihre Interessen, sichern. Er ist ein Fechtsaal, in dem vor dem steuerzahlenden und wählenden Publikum Weltanschauungs- und Klassenkämpfe markiert werden. Die Entscheidungen fallen in den vertraulicn geführten Besprechungen der Parteiführer; im Plenum wird unter mehr oder minder großer Aufmachung abgestimmt Und das Volk muß dann sehen, wie es sich mit; den Resultaten dieser Äbstimmerei abfindet Sinn und -Zweck' des Paria-1 mentarismus^/ .die ’ .Anschauungen A;;zu ^fcUpretv:.' Me Meinung , deä Gegners zu hören, und ihn zu überzeugen, ist in; diesem munteren Spiel verloren gegangen. ' > Der Schaden, der solcherart gestiftet wird, richtet sich zunächst gegen das Parlament, das jede Autorität verloren hat und als Stätte des Ideenkampfes gar nicht mehr in Frage kommt. Dann aber trifft er die Bevölkerung, die sich in der Republik gewöhnt, so wie in der Monarchie die Politik, die Sorge für das Wohl aller, als den Beruf von Einzelpersonen zu betrachten, die Streitfragen der Schichten, Klassen und Berufe aber aus dem Staatskomplex herauszuheben und für sich allein auszutragen. Die Wirkung ist nicht ausgeblieben: Wenn . die, Beamten mit ihren Forderungen Erfolg erzielen, so melden sich sofort die Industriearbeiter, denen die Landesangestellten folgen. Der Streik, die zweischneidigste Waffe des Wirtschaftskampfes, wird zu einer abgegriffenen Methode, ohne etwas anderes als ein Fortschreiten der ökonomischen Verwüstung und eine Verwilderung in dem Verhältnis der Staatsbewohner zu einander zu erzielen. Und wieder sind es in solchen Augenblicken die Parteien, die Petroleum ins Feuer gießen, die Berufspolitiker, die immer nur an ihr Mandat, manchmal an die Parteiprinzipien, nie aber an das Staatsganze denken. Die Krankheit des Staates ist das Siechtum aller, die in diesem Staat leben. Oesterreich ist ein Binnenland, das weder den Materialbedarf der Industrie aus seinen Mitteln decken, noch seine Bevölkerung aus der Produktion der Landwirtschaft ernähren kann. Es kann sich nur am Leben erhalten, wenn es die Arbeit aller zu heben und zu sichern sucht Dieses Ziel ist durch Wirtschaftsverträge, durch eine geordnete Verwaltung und durch die Ausschaltung aller, inneren Differenzen zu erreichen. Von dem Wege, v der zu diesem Ziel führt, ist man abgekommen und an jeder Lebensfrage der Wirtschaft klingeln die Phrasenglöckchen der Parteien. Die Ankündigung der Finanzkontrolle durch die Kreditstaaten hat in diesen Kreisen große Verstimmung erregt und alle Klugschwätzer mit parlamentarischer Immunität und ohne eine solche tun entrüstet. Die Würde des Staates ist bedroht! An diese Würde hätte man im August 1914 denken müssen! Oesterreichs Parlament hat sich als unfähig erwiesen, das Haus zu bestellen. Sie haben das ganze Volk durcheinander gehetzt und ihm den Sinn durch Begriffsfälschungen verwirrt Sie haben sich sehr geschickt aus dem Kriegschaos in die Revolution gerettet und ihrer Weisheit letztes Wort ist immer, nur der Jud! Es ist hoch an der Zeit, daß ihnen die Verfügung über das Geld genommen wird und daß die Staatswirtschaft unter die feste Hand einer ausländischen Kontrolle gelangt, d!y demagogischen Kniffen unterliegt. Die deutschen Reparationen. Berlin, I. März. (Wolff.) Heute vormittags trat, wie das „Berliner Tageblatt“ erfährt, der Reparationsausschuß des Reichswirlschaftsrates zusammen, um sich mit den Arbeiten für die Genueser Konferenz zu beschäftigen. An der Aussprache beteiligten sich der Vorsitzende des Reichsverbandes der, deutschen Industrie Geheimrat Büch e r und Hugo S t i n n e s.' Es wurde beschlossen, die wirtschaftspolitischen und die Verkehrsfragen den entsprechenden Ausschüssen des Reichswirtschaftsrates zu überweisen. Hierauf wurde das Sachlieferungsabkommen mit der. Reparationskommission beschlossen. Lloyd George über Aegypten. London, 1. März. Im Unterhaus. gab L I p v d 6 e -Er- »'saDv-r-- Mr haben seit langem erklärt, daß das Protektor a t aufgehoben werden kann, wenn die Interessen des Reiches vollkommen gewahrt bleiben. Gegenwärtig gibt es keine ägyptische Regierung, die so weit gehen könnte,, eine entsprechende Verpflichtung zu übernehmen. Infolgedessen hat die britische Regierung beschlossen, eine einseitige Erklärung abzugeben. - .Die Erklärung enthält folgende Grundsätze :1. Das Protektorat wird aufgehoben und es steht Aegypten .frei, nationale Einrichtungen, zu seft^n, die den Wünschen des ägyptischen Volkes entsprechen^! -.2;. Der. Belagerungszustand wird aufgehobep>r sobald ein Indemnitätsgesetz angenommen ist. 3. Folgere yier Fragen bleiben dem Ermessen der britischen;B^gierung Vorbehalten: a) Sicherheit der V e r b i n d u n gAj! n i.e des britischen Reiches in Aegypten; b) V e r t;e i,äi gfu n g Aegyptens gegen jeden, fremden Angriff, beziehungsweise direkte .oder indirekte Einbeugungen;! c) . SchuiZ^ez-.aüK- Tändischen I n t e s s e n und der Min deyheit e ti in. Aegypten; d) der Sudan. i/Y. .; Einwanderung und Arbeit in Palästina. Von Df. Hugo Bergmann, Jerusalem. Seit direi Mouaitien ist diais iüdliische Leiben in Pa- rästina von dien Frage der A.ribeHitfslosd'gjkeit beherrscht. Im Henbslüe Änd düie großen öffentlichen Anbeiten, (bei denen jiüd&sidhß , Arbeiter beschäftigt wainent, beenidiigt worden und dlaiduuch wutMtetn ejiniige Hunderte besdhüf bigutngsilias; zugleich wuirdle mit Beginn der Regenzeit diie Bautätigkeit, dlhe heute einemwich» .tigern Teil der jüdiisidhein Arbeit - diarshelllt, ■ einige-' schränkt, so driß —miiit Binireduniung der im den letzten Monaten aingekewnitienen und, noch niicbt be ■ sdhäftigtien neuem- Einwanderer —> diie :Zalhl dler arbeitslosen jüdischem Airlbelltier zirka 1200 (beträgt. Die Ziffer iteit, albsoluit genommen, Ikflieim., aber-groß genug Nimmt die Einwanderung alb, so wird dlife ziio»; TWstisebe Begeisterung und Aktäiviiität in dief-'ganzem! Welt naoblasisem, die ziomiiistifecihen Fonds \v<Söden ab-* wehrnen, die Arbeitslosigikieif nair noch den. Ohne Einwanderung gibt es keimen WWtz-chills/ kpne Zukunft für Palästina« .Und auch zw! bedenken, diaß dfe Einwanderung siidh . Ib. sti,. immer wieder neue wirbxhaf'tilliich.e Wege fihMt. , Miiit der Parole »Uihiyemjiiudenties Fointdiamernt, der Eiinwandierung« ißt natitrliLcb diais Problem defl” Arbeitslosigkeit nicht, gelöst; wais kann getan werden., um den Einwanderern ratsch einte enttspneefhende!', ipnodiukti've Beschäftigung m sichern? ■ . , ■ In dieser Beziehung ist auf dler Tagung de* Anbeilterraitias eine ganze Anizahl wertvoller VorY schlage gemacht worden. Die Einwanderer.Ltemmenl meist ungenügenid1 oder gar nicht vorbereitet und! für d'ie kleinen Verhähtnitsse Palästinas. Die Umstände haben es mit sich, gebracht, diaß diie Zeldöger der Arbeitslosen gerade in der Nähe’ •vorn Jaffa unid Haifa >anfgeschlagen, wenden mußten und so dei jüdischem und niiiohfiüdliischten Oeffenitlfii^hlkeit und der Regierung auffallender waren, als uns llieib sein kan.pi. Vor einigen Tagen hat der R at der jüdischen Arbeiterorganisation (Moaizatlih Histadfhiit Haiowdim) eine Sitzung ahgehaliten, diiie mehrere Tage wälurte. und diais Problem in seiner ganizen Träg weilte aufrolltte. Ets ist hiebei tesondems dianlkjemswent, daß die Arbeiterorganisaibiion von vomiherein mit ail'ler Entschiedenheit einem Irtrtiuim enitgegenitnait, dler sich ■bei oberflächlicher Beobaicfmtung leicht eiiniste’len könnte: Alts wäre die Adbeiltislosigikeit eine Folge der Einwanderung und dis könmibe diimch Unterbrechung oder Einschränkung der Einwanderung der A-rbedtslosiglkeit begegnet werd'en. Diesen . Standpunkt scheint die Regierung eimgemommen zu haben, die neuerdings die Einwoniderunigßibestimmungen sto sehr verschärft halt, daß für diie nächsten'Monate diie Einwanderung auf ein Minimum hieraibsiniken wird. Diese Auffassung itst eine ganz mechanische; nur. oberflächliahe Rechner können sageni'PIier habt ihr Anbcitskse, siperirt die Einwanderung,, bis die Arbeitslosigkeit vorüber iisf und dann laßt wieder Einwanderer in® Land. Der Irrtum liegt darin, diaß heuitte aMes, was in Palästina am Aktivität, Untemniehlm)uugislu®t und Arbeitsfreude •vorhanden i«t — und eis ist sehr viel vorhanden — seine Quellle eiruzig unid ailiein in der Hoffnung hat, daß Palästina als nationales Heim für jüdisch** Massen aiufgeibaut werden wird. War diese Hoffnung lahmt und schwächt, der lähmt und schwächt zugleich 'alle Akti-vitäte die allein auch , .wieder däis PWblem df©c A“Wtslosi£kedt iösm kmtn. vorigelbilldet. Mit einem geringen Teil .des,'aus zio^. nistiiisdhen Quellen 'Stammendten Geldes, da® der hie-/; s'dhäftiigungsilose Einwaniderer in. Palästina venzeSlmt^' hätte er im Ausland beruflich geschult ^wenden! können» Heute fehlt e®, trotz dler AribeiiüsÜirWgikeA aiuif der einten Seite, dtodh wiederum /auf den .andensini Seite an geschult sn Anbedtetm. In Jenuisiail'em zuirrt; Beispiel, wo diie Regienung nur Baiuten aiiiis Stein/ erlaubt, fehlt es an jüdischen Steinmetzen für die im Frühjahr zu erwartende Bautätigkeit. Eis bedarf einer innigen Zusammenarbeit zwischen1 Paiästimiaf und der Diaisiponav besonder® den Ohailuizimverbänu; dein im Ausland, um eine entsprechende' berufliche Vorbereitung der Einwanderer zu siichiemi..' Dazui kommt ein zweites, moch wichtigeres Moment: döi|| Mangel an enitisipredhienden Werkzeugen^ Der Ein^ wänderer, der sein Handwerkzeug maitibrinigt,;i&t v«ort vornherein in einer viel besseren Situation. Eine! Gruipipe t s c h e c h o - s I o w a (k i s c h e r G h’ai 1 u» z im zum Beisipiel, düie kürzlich au® Leitm'eritz miÄ einer guten Ausrüstung von Werkzeugen ankamj wurde sofort in landwirtschaftlicher Arbeit unter-/ gebracht trotz d'er Airbeitosliastigkeit. Kein Ein1««! wänderer. sollte ohne [Werkzeuge kommen. . - Gruppen vom. Chaluzim müssen kommen, -aüflkgerüstet mit Werkzeugen, Rohstoffen,, Zelten dsw^' in Amerika halben die Poale Zion eine Wefkzeug^ kampagne zugumsten. der ipalästineosiscihen Arbeite^ durchgefühnt, als deren Resultat eine große Anzahl vorzüglicher und modernster Werkzeuge uma Maschinen nach Palästina gelangt sind. Mehr und mehr beginnt man hier diese Initiative zu schätzen* und. in der amerikanischen Aktion ein Vorbild fütl ähniidhe Aktionen in anderen Ländern, der Galüth; sehen;; dies gilt insbesondere für die Länder: mW

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