Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1106 (26.2.1922)
- Date
- 1922-02-26
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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ginz'QtöcienmQp K .45 VVien: Zum Abliolen in der, Expedition, ii., Tabor stivl ---»3, oder in einer VcrschleiBsteile (Trafik) monatlich K.1200. Mit Postversand fiirWien und Oesterreich monatlich K1200. Ts c h e ch o- SI ow a k e i:.Mon. Kronen 20. Ungarn: Monatl. Kronen 120. lügoslawien: Monatl. Dinar 18. Poley: Monatl. Mark 600. Deutschland: Monatlich Mark 25. Frankreich: Monatl. Frcs. 6. »rener Tschecho-siowaftel ■ ' ÜLLlV. K 1 Italien:' Monatlich Lire 6j Rumänien: Monat!.' Lei 40; Schweiz und das übrig Ausland monatlich Francs * Redaktion u. Adniitiistratioi Wien 11., Taborstrasse 1 -Z Telephone: 44^0-38,43-3-1^ ab 6 Uhr abends 17-9-3 TeIegrarnmadress6:„iyiQrgea-. zeitung“, Wien. . ■ .Oesterreichisches Postsparkassenkonto 150.693? Wr. 1106 f,s.j_< f Wien, Sonntag, 26. Februar 1922 4. Jahrgang Der Krieg im Dunkeln.; . r-y. Wien, 26. Februar. Für Anfang dieses Monats, dann für Mitte, wär eine Besprechung Englands, Frankreichs und Italiens über die Regelung der Verhältnisse im nahen Orient anberaumt. Diese Konferenz hat bis heute nichts stattgefunden. ‘-Erst warteten die Mächte: den Ausgang'der Papstwähl ab, dann kam die italienische Regierungskrise als hinderndes Moment. Inzwischen hat Poincarö die Neuinstradierung der französischen Politik vollendet Er hat: die kleine Entente vollkommen auf seine; Seite gebracht und Herr Benesch, der im Sinne. Lloyd Georges wirken wollte, kehrt nach .Prag zurück, (phne, vyie zuerst angekündigt, in Laibach oder Belgrad mit den; Führern seines Staatenbundes gesprochen ,zu haben. Denn die : Haltung Frankreichs zu S.pWjet-: rußland hat sich von Grund, aus geändert PoincarS, der seinerzeit Hrnrn .Clömenceau .die Stacheldrahtpolitik; gegen Rußland souffliert hatte, ist jetzt der Triumph beschieden, die stolzen Weltbeglücker'in seiner Laube zu sehen, Der Vertrag,, den er mit der Sowjetdelegation abgeschlossen hat,. sieht harmlos aus. Es ‘ist ein Vertrag über Lieferungen und Gegenlieferungen. Aber hinter jedem Punkt steht nicht ein privates Syndikat, sondern die französische Regierung, deren Kontrollrechte sehr weit gehen. Die finanzielle Abhängigkeit Rußlands, das heute kein vollwertiger- Kömpäzfszent ist, wird' in 'dem gleichen Maße hergestellt wie zur Zeit des Zaren. Nikolaus II. Dieser Vertrag ifet'ein Politikum und er ergänzt das durch Franklin-Bouillon in Angora begonnene Werk; der Schürzung eines sfchier unübersichtlichen Netzes von Bündnissen und Allianzen Frankreichs. .* ÖiePariser; Politik hat .sich , die türkischen Nationalisten zu Freunden gemacht, uliie. den Vertrag von ‘Sfcvreis zerrissen haben. Sie sfefi^jetzt.in direkter Verbindung . mit Moskau und;’>$$€& alle diplömatisch-jpiolitjschin Ressourcen dieser Stelle verfügen. - PerMhi^Wö^^mstLn^die trän skauiLasischem Lowjetrepuhlikeh ' Aj;mehtoy Aserbeidse^äh -fi)nd Georgiern, sfehe.9 öfe. Dis an die indisc|e.';Qrpze streift der französische Einfluß und es' /fe^elh:' groteskes Bild, das , dieses Konglomerat von Schöpfungen des bolschewistischen Freiheitsdranges uhiaf dem Kommando des Ffäriser . Generalstabes bietetA;;ln Warschau und in Budapest wair der französischey£influß schon lange dominierend; daß er jetzt neben Horthy auch noch Heia Kun Vorspannen kann, ist' nur eine der vielen Ungereimtheiten, die aus dem großartigen Friedenswerk des Obersten Rates entstehen könnten. In. dieser unleugbar genialen Konzeption steckt aber zu viel Romantik, als daß sie zur Realität, zu der von französischen Phantasten geträumten Weltherrschaft ausreifen könnte. Der Plan war schon einmal da; der. ihn faßte; ünd betrieb, hieß Napoleon. Aber er brach an der geduldigen, ruhigejfev|ähen Politik Englands zusammen. Auch im Weltkrieg haben wir eine ähnliche Idee erlebt Ludendorff^Mtzäsen Truppen tief in Rußland, im Kaukasus, am arabischen Meer, in der Picardie, in Oberitalien standen, Rollte die deutsche Weltmacht bauen. Lloyd Georges letzte Kugel zerstörte seine .Fata morgana. Heute ist ein erbittertes, stilles Ringen der beiden Großstaaten Frankreich und England im Gange und es scheint, als ob Frankreich die Vorhand hätte. Agitatoren der Pan-Islam-Idee arbeiten in Aegypten gegen das englische Protektorat, in Palästina gegen den Balfour-Plan eines jüdischen Heims; in Irland sind neue blutige Kämpfe ausgebrochen, in Indien flammt die Unabhängigkeitspropaganda neu auf. Schottische und wallisische Deputierte arbeiten an Homerule-Anträgen für ihre Heimat. Die englische Politik sieht sich immer wieder vor kritischen Phasen und es ist verständlich, daß die Abneigung der Konservativen gegen die herrschende Koalition die - Lage Lloyd Georges verschlechtert Aber in der von Frankreich betriebenen Machtpolitik steckt auch der Keim ihres Zerfalles. Es gibt keine Kraft die stark genug wäre, alle die zusammengeballten diffusen Elemente in Osteuropa und Zentralasien einheitlich zu dirigieren und mit lebendigem Inhalt zu erfüllen. Alle diese neuen Staaten sind wirtschaftlich von Haß gegeneinander erfüllt, ihre Interessen laufen meilenweit auseinander. Auf die Dauer kann das Polen von heute nicht mit dem Rußland von heute, die Angora-Türkei mit Armenien wLümmengehen. ■ Für den großen Gedanken Englands freilich, auf einem Völkerkongreß den Weltfrieden zu beschließen und die gemeinsam erzeugte Not durch gemeinsame Arbeit zu heilen, ist eine schwere Belastungsprobe gekommen. Die Konferenz von Genua wird verschoben werden und der Verfall Europas schreitet weiter. Es wird Raum für die Diplomaten, ihr Handwerk zu befceibea»' Oesterreichische Finunzsachverstän<iige nach London eingeladen. Wien, 25. Februar. Amtlich wird mitgeteilt: Das in London tagende; Finanz ko mit e e des Vülkerbun d es hat an die österreichische Regie-' rung die telegraphische Einladung gerichtet, einen Finanzsachverständige^ nach London zu entsenden, um bei der Beratung über die Fortsejtzuiig der Aktion d e s Volke r b u n des ipitzuwirken und die nötigen Auskünfte zu erteilen. Die Regierung hat den Minister a. D. Br. Grimm mit dieser Aufgabe betraut. Dieser hat sich in Begleitung des Ministerialrates Dr. P a t z a der heute abends nach London begeben. London, 25. Februar. Der Finanzausschuß des Völkerbundes hat sich gestern und heute mit der Wiederherstellung der österreichischen Finanzen befaßt. , v" - Die Begegnung in Boulogne Einberufung der Konferenz von Genua für den 10. April. Paris, 25. Fearuar.. Der Sonderberichterstatter der Agetice Havas meldet aus Boulogne:; Ministerpräsident , P.0 i n c a r e ist um 11 Uhr 40 Min. vormittags , hier eingetroffen. Eine große Menschenmenge akkiamierte den Ministerpräsidenten. Poincare lehnte jede. /Mitteilung an die Presse ab. . , Calais, 25. Februar. (Havas:,) Nach ausgezeichneter Seefahrt ist Premierminister LI o y d 6 e' o.rge um 12 Uhr. 10 Min. , vörmittags hier eingetroffen. Paris, 25. Februar. L 1 o y d G e ö r g of traf mit Gefolge um 4 Uhr nachmittags in Bou-j logne ein, wo er mit Poincare eine dreistündige. Unterredung hatte. Wie der Spezialberichteirstattefj der Agence Havas erfährt, haben die beidba Ministerpräsidenten beschlossen, daß die K o nierenz von Ge n ua am 10, A p r i I statt^ finden soll. Pogromhetze.~~ Die heütige Massenversammlung. Bratislava, 25. Februar (Tel: der »Wiener■ Morgenzeitung".) Hier elngefroffene Nachrichten aus Buda pe s t besagen, daß von den. Erwachenden Ungarn anläßlich der für 'xnorgetif, .Sonntag, einberulenen Massenversammlung eine lebhafte Fogromagitafion betrieben wird. Es werden hetzerische Flugzettel verteilt, die inhaltlich dem konfiszierten Plakat gleichen und wüste Beschimpfungen'u)nd Drohungen gegen die jüdische Bevölkerung zweifelhafter Elemente bemerkbar, die sich ln den bekannten Detachementhotels herumtreibeh. Der morgigen Massenversammlung, bei, der Hejjas und Pronay als Redner aultreten sollen, wird von der jüdischen Bevölkerung mit großer Unruhe entgegen«' gesehen, da Gerüchte von bevorstehenden Exzessen der Erwachenden in der Stadt zirkulieren. . Die Pollzgti sieht der Hetze untätig zu.1 enthalten. Seit gestern ist ein lebhafter Zuzug «9 mm wmmaamsBuma 3 Die ungarisch-bayrischen Verschwörer. Berlin, 25. Februar. (Wolff.) Wie die „Münchner Post“ erfährt, wurden außer dem in der Erzberger- Affäre verhafteten Rechtsanwalt Müller zwölf im Dienste der vom Sanitätsrat Dr. Pittinger geleiteten politischen Bewegung stehende Personen bei einer Sitzung überrascht Unter den Verhafteten befindet sich ein Mitglied der „Erwachenden Ungarn“ sowie der frühere Leiter der politischen Polizeistelle in Bamberg, Graf Sode n. Die beim früheren Polizeipräsidenten von München,; Oberlandesgerichtsrat P o e h n e r, vorgenommene . Hausdurchsuchung verlief ergebnislos. Die portugiesische Regierung nach Lissabon zurückgekehrt. Lissabon, 25. Februar. (Havas.) Die Regierung 1 ist nach Lissabon z u r ü c k g e k e h r t und hat sich der Kammer wieder vorgestellt Sie gab eine längere Erklärung ab, die namentlich die Frage betraf, wie der Zolltarif der wirtschaftlichen Lage angepaßt werden solle, ferner die Frage der staatlichen Seetransporte, die einer Privatgesellschaft übergeben werden sollen. Die Kammer nahm hierauf ein B u d g e t p r o v i s o r i u m für einen weiteren Monat sowie einen Gesetzentwurf, betreffend die Reorganisierung der republikanischen Garde, an. Zehn Jahre Frieden für Europa. Ein Plan Lloyd Georges. ' ■* London, 25. Februar. (Reuter.) Nach den! „Daily Chronicle“ soll Premierminister Lloyd George die Absicht haben, in Genua den Abschluß einer Waffenruhe von zehn Jahren für gand Europa vorzuschlagen. In dieser Zeit werde dei Wiederaufbau Europas aufgenommen werden müssen? Alle alliierten und ehemals feindlichen Staaten Würden! sich verpflichten, ihre gegenseitigen Grenzen zu achtet? und sich jedes Angriffes zu enthalten. Sie würden sieb vollständig den Arbeiten des Friedens, der Stabilisierung der Finanzen, dem Handel und der Industrie widmen und eine allgemeine Verminderung def. R ü s t u n.g e.n zu Lande vornehmen. Geplänkel in Irland. Belfast, 25. Februar. (Reuter.) Gestern wurde hies*, wieder geschossen. Zwei Personen haben hiebei den Tod gefunden, ln einer Ortschaft der Grafschaft Armagh wurde eine Bombe zur Explosion gebracht. Zwei Polizeimänner' sind dabei verletzt worden. Deutscher Ausfuhrüberschuß. Berlin, 25. Februar. (Wolff.) ftach den vorläufige», amtlichen Feststellungen zeigt die deutsche Handels^, bilnnz im Jänner einen Ausfuhrüberschuß von 17 Milliarden Mark. Mißglücktes Attentat auf den Prinzen von Wales. * London, 25. Februar. (Reuter.) Nach einer Depesche aus Patiala in Britisch-Indien an die „Daily Mail“ wurden, als mehrere Personen im Begriffe waren, das Automobil des Prinzen von Wales von Delhi nach Patiala überzusetzen, Schüsse auf sie, abgegeben. Es wurde niemand verletzt. Die Namen der Attentäter konnten noch nicht feslaestellt werden. Erhöhung der deutschen Kohlenpreise? Berlin, 25. Februar. (Wolff.) Die gestern im Reichsarbeitsministerium aufgenommenen Lohnver-! handlungen im Kohlenbergbau sind gescheitert! Die Forderungen der .Arbeiter allein hätten einschließlich der Erhöhung der Kohlensteuer eine E rh ö b u n g d e r Kohlen p r e i s e . um etwa 150 Mark verursacht. Am Montag wird ein Schiöds-’ j^erichUshof über die Höhe der Löhne euischeideit