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Wiener Morgenzeitung · 1922-02-25 · Heft 1105 (25.2.1922) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1105 (25.2.1922)
Date
1922-02-25
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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gsnzesßuistffftQr K 45 Wien: Zuni Abholen in der Expedition, I!.,Taborstr. l—3, oder in einer Verschleißsteile (Trafik) monatlich K 1200. MitPdstversand fürWien und Oeäte'rreich monatlich K12Ö0. fs p h e chv-81 öw a k e i: Mon. Krohep äO. Ungarn: Monatl. ’ Kronen 120. fügos 1 a-wi e n: i^o|i#li;,Pinar 18. Polen: Monat]-. Mark 600. Deutschland:. Monatlich Mark 25. Frän Irreich: MonatU Frcs. 6. rrnrr 13^1105 ' ■■meMy Wien« Samstag, 25. Februar, 1922 ' Tscnecito-Slowakef tscH. K t Italien: Monatlich Lire 6.,! Rujnänieh: Monat!. Lei;‘40J Schweiz und dar; ‘übrig« Ausland monatlich Francs 3? Redaktion u. Administration Wien II., Taborstrasse 1—A Telephone: 44-0-38, 43-3-19J ab 6 Uhr abends 17i9-.33ul Telegrammadresse:„Morgen« zeitung“, Wietf.. Opste^reichisches Postsparkassenkonto 150.693« 4. Jahrgang {Eine Zwangsanleihe in Deutschland. Die Ghettömöral. —y. Wien, 25. Februar. Unter dem Titel „Bankrott des Zionismusveröffentlichte gestern ein Wiener Straßenblatt die von. der „Wiener Morgenzeitung“ bereits angekündigten Äeüßerungen des englischen Zeitungskönigs Lord Northcliffe über die „verhängnisvollen Ergebnisse der zionistischen Politik in Palästina“. Unsere Leser wissen, welche Bewandtnis es mit diesen Dingen hat Wir kennet] die Weise, wir kennen den Text Wir kennen aber auch die Quellen, aus denen Lord Northcliffe schöpfte. Es sind, Gott sei’s geklagt, jüdische. Es ist die in der Agudah zentralisierte klerikale jüdische Gruppe, die den Lord informiert hat und durch ihn ihren Zweck erreichen will. Sie hat im Judentum ihre Position verloren. Sie erweist sich zu schwach, im offenen Ideenkampf den jugendkräftigen Zionismus zu überwinden. Ihre Ideale sind nicht mehr die Ideale der jüdischen Jugend. Und da sie den Aufbau des Landes und des Volkes nicht in ihrem Sinne leiten kann, so versucht sie ihn durch die alten Mittel des Klerikalismus, durch die Mittel der Sklavenmoral zu hintertreiben. Wer objektiv das Aufsteigen der zionistischen Bewegung betrachtet, der sieht, welche bedeutende Kulturleistung unsere noch junge Organisation vollbracht hat, wie das Werk des Wiederaufbaues systematisch vorbereitet und politisch durchdacht wurde. Aus dem Volke, selbst heraus sind die Kräfte, die früher fremden Zwecken dienstbar waren, dem eigenen Ideal und seiner Förderung zugeführt worden. Welches Ideal vertritt die Agudah? Was hat sie in der Zeit, in der sie als Partei unbestrittenes Ansehen genoß, für das Volk, was für das Land getan? Zjon, das den Gegenstand der Sehnsucht aller Frommen bildet, war in den jHänden der Türkei. Die Juden des Landes wurden künstlich depraviert und gegen ihren Willen zu Almosenempfängern herabgedrückt Wirtschaftlich war das Judentum ohne jede Bedeutung. In den Läiiderri der Verbannung galt das Judentum durch die Mimikry der Frommen als eine geduldete Konfession; das staätspolitische Ideal war die Assimilation, Der Zionismus trug in das Judentum den Gedanken der Aktivität, der nationalen Freiheit Er umfaßte das ganze Leben der Nation und suchte das Volk zu einem Träger eigenen Rechtes, jeden einzelnen Angehörigen zu einem selbst- und pflichtbewußten Vollbürger des Judentums zu erzielen. Dadurch ist der Zionismus der Faktor geworden, der dem Judentum das Tor zur Weltpolitik geöffnet hat Mit unsäglicher Mühe und ungeheuerlicher Kraftanstrengung hat der Zionismus die Anerkennung des ^Judentums als nationale Individualität erzielt und die Krönung seiner Arbeit war die Balfour-Deklaration. Sie mag unserem Ideal, unserer Ungeduld noch immer nicht voll entsprechen. Was sie aber gibt, ist die Wegfreiheit zum großen iZiet Daß es Schwierigkeiten, gibt, die in der nationalen und wirtschaftlichen Struktur des Landes liegen, haben wir gewußt, mußte Jeder wissen, der die Geschichte lesen gelernt hat An diesem Werke mitzuarbeiten ist die Pflicht jedes, ohne Rücksicht auf Klasse und Weltanschauung. Das Baseler Programm ist weit genug, um allen ein Feld für ihren Willen und Ihre Meinung zu bieten. Der Zionismus hat Raum für äußerste Rechte und äußerste Linke. Er ist ja das Volle selbst Aber die klerikale Agudah fürchtet für das Ghetto. Der Zionismus reißt die Mauern nieder, die der mittelalterliche Haß rings um das Judentum aufgeführt hat Der Zionismus will die Gemeinde, ln der : die längste Zeit, von den Klerikalen gerne gesehen, das Mamelukentum der Assimilation sich breitmachte, dem Volke öffnen. Das reizt die Agudah. Sie selbst tut nichts für das Judentum, außer daß sie es in der Seele verkrüppeln möchte. Sie hat nie etwas gegen den Volksverrat der Notabein und Renegaten unternommen, weil ihr das Judentum nichts anderes ist als eine Körperschaft mit rituellen Bädern und strengem Speisegesetz. Aber die zionistische Bewegung, die der Jugend ein großes, freies, fruchtbares Ideal gebracht hat, will sie nicht dulden. Der Staat ist hoch nicht konstituiert, aber er hat schon Hochverräter, Sie rennen zur englischen Regierung, zu englischen Antisemiten, zu englischen Journalisten, zum Papst und zu den Arabern. Sie schmähen und verdrehen, denunzieren und lügen. Es sind die Vögte, die gegen Moses und Aron das Volk aufhetzten. Das alles ist nichts Neues, Weder im jüdischen Leben, das auch jüdische Pfefferkorns in Menge kennt Auch nicht! in der Entwicklung des Zionismus. Wir haben die Protestrabbiner überdauert und wir haben den Sylvain Levy von der „Alliance“ als Denunzianten vor dem Völkerrate gesehen. Die Idee des Zionismus ist die Idee des Judentums. Die englische Regierung, die ganze Welt kennt unser Ziel und die Reinheit unserer Motive. Die Propaganda der Northcliffe- Presse mag für den Augenblick der Sensationsgier Berlin, 24. Februar. Der bei den gestrigen Besprechungen der Koalitionsparteien übeF; das Steuerkompromiß den Parteienvertretern vorgeiegene Entwurf hat nach dem „Berliner Tageblatt“ der Entwurf dieses Ermächtigungsgesetzes etwa folgenden Wortlaut: Die Reichsregierung wird die Mittel für die; Kredite, die durch das Reichshaushaltsgesetz .■ des Jahres 1922 bereitgestellt und nicht für die Verkehrsanstalten bestimmt sind, im Wege einer in Reichsmark einzuzahlenden, in den ersten drei Jahren; unverzinslichen Zwangsanleihe in der Höhe des Gegenwertes von einer Milliarde Goldmark flüssig machen.. Wie das Blatt weiter mitteilt, soll der Zinsfuß für die Anleihe qpch Ablauf der drei Jahre durch Besprechungen der Parteien festgesetzt werden. Die deutschen Reparationen. Berlin, 24. Februar. (Wolff.) Der auswärtige Ausschuß des Reichstages besprach heute die Organisation der Sachleistungen, die im laufenden Jahre auf Reparationskonto von Deutschland, zugunsten der Entente ausgeführt werden müssen und .deren genaue Feststellung durch Vereinbarung mit der Entente noch zu geschehen hat __ Ein neues Panama;1 Der Zusammenbruch der Pariser China-Bank. Paris, 24. Februtair. Der Gemteaiajlldlirelklt ar der Ramquie Inidlus tri eile die Gharnie jP e r ine 11 e wumde nach dem Verihör dunrib den Unterstnöhiüngisiri'OhfceT in Haft genommen. Seimie Verhaftung erregt hier kl jp-cvliiitiscihen und finanziellen Kreisen;. vangehieures Aufsehern,.. .Bäraetibe i&t edmar dtef ■ ■ erfb'lgtTeioh&t^n Batnk.retrs ,,Erv mtv fyef. ungtihettoi . 'Sdvndfe.. gemaÄÄ, .,Me" ’ .G^idiidg dier ßangme Industrielle, de Ghiiäie . - seihe Inifoiiatiivc , iztiirucikgefü'hrt. Bei Häutadü^iisuchungeni iir« seiner Wcflimnng wunde festgestell<^;d!iaß bei dar Ba»nque fn-du*ftinidle die Chine eine di o.p p eit e, B u c'tti f ti ih r u R* g geführt wunde, d?«e es diemr General direkter erlanubte, seit Jamne». die u n g eh e irr e m Ü n t e x <b ii 1' a <n z e m «u vspiohiieierini. In ipolih i'&dien Kreisen isiptri'dhrt mein vom e^nem neuer« •Pauan0, besonndens weil man weiß, daß eine Liste vom. Politikern» u ndl Zc itu mgem Grund für journalistische Aufmachung bringen; sie mag der Agudah, die ja mit dem Trennungsgedanken spielt, Freundschaft werben bei allen denen, die das Judentum erdrosseln wollen. Das Judentum selbst geht darüber zur Tagesordnung hinweg. In den vierzig Jahren der Wüstenwanderung hat es Zwischenfälle genug gegeben, Zweifler und Lügner. Trotz Korachs wurde Kanaan erreicht , Die jüdische Autonomie in Lettland. Die La Lettland wohnhaften Minoritäten halben dem Parlament einen gemeinsamen Gesetzentwurf, betreffend, die Autonomie für die einzelnen Minoritäten* übermittelt Der betreffende Entwurf wurde einvemehmlich separat von der jüdischen, deutsehen, und russischen Minorität in der Konstitut iouskommission, in der diese Minoritäten durch ihre Abgeordneten vertreten waren, formuliert Wie bereits gemeldet wurde, hat -das Parlament diesen Entwurf einstimmig zum Gesetz erhoben. Der Entwurf der jüdischen Autonomie enthält vier Abschnitte, die 1. den Bestand1 und die Rechte der jüdischen Vo lksge m e in s c h a f t, L die Organe der jüdischen Volksgemeinschaft, 3. den Haushalt der autonomen Institutionen und 4. die Stellung der jüdischen Volksgemeinschaft zur Regierung behandeln. Sämtliche lettiändisdhen Staatsangehörigen jüdischer Nationalität bilden nach diesem Entwurf auf Grund des § m6 der lettländlsohen Staatsverfatssung zur Befriedigung ihrer national-kulturellen Bedürfnisse eine autonome jüdische Volksgemeinschaft 0 ffentl i ch - r ech t liehen G h ar ak t e r s. Die Zugehörigkeit zur jüdischen Volksgemeinschaft wird durch die Eintragung in den jüdischen;N a t i o n a lk a t a s t e r, welcher von den der jüdischen Volksgemeinschaft zu ernennenden und zu erhaltenden Beamten bei den örtlichen Standesämtern geführt wird, erwiesen. In den Kataster werden nur jene jüdischen Staatsbürger Lettlands eingetragen, die im Paß die jüdische Nationalität angaiben und sich freiwillig zur jüdischen Nationalität bekennen. Falls ein jüdischer Staatsbürger Lettlands rieh zu einer rudere» Nationalität bekennt, kann dessen Austritt aus dem Naitionalkataster &rf Olafen. Durch Me EucehÖrifi» ide Ghine »11 n t e <r s t ü t z t« würdet* Mar.‘ ItieK fiitshiet, daß Pemiotte, um sich zui.ü!> dic.?e Lnsitie predsgeben wird. Eine Gruralpc josi' Abgeordlnetiem.,. ain ihmeir Spitze T s r dreiii,: hs.ti bereits gestern dm Anrtratg ein^ebracliti % dem diLö Einsetzung einer aus 30 Mitgdiihima bestehenideinf Koiumi-ssibö. vediaingt wind), um samci’itiie püiÜtdschoj Veramtwoitüdhkieiteni in der' Ah'gf-'-Vgö’Pi^iit * dc4 Panque Indiuishrielle de Chine feitztitvtellen. Die Kammer hat Me Angelegenheit dient^ JiV^tz^sseniV^ zugewiesen.- , _ „V Die schwierige Lage Oedenburgs. Budapest, 24. Februar. (TeL-Komp.) Oedenbur^ und die übrigen .bei Ungarn verbliebenen west-« ungarischen Gemeinden, die schwer unter der Trennung von ihrem bisherigen wirtschaftlichen Hinterland leidem haben in einer an die Regierung gerichteten Adresse die Notwendigkeit der Wiederaufnahme des Verkehrs mit den abgetrennten Gebieten dringend betont Dis wirtschaftlichen Interessenvertretungen Oedenburgs haben nunmehr eine Resolution verfaßt, in der die Herstellung des vollständigen, freien Wirtschaftsverkehrs, für, die Industrieerzeugnisse mit dem österreichischen: Burgenland, die Abhaltung der,Viehmärkte, die sofortige Wiederaufnahme des Telephon Verkehrs mit . Wien und dem, Burgenlande, die; Aufhebung aller Paß- und Telegraphenbeschränkungen, die Erleichterung des Grenzübertrittes und die Erleichterung der Holzeinfuhr gefordert werden. Diese Förderungen werden demnächst der Regierung durch eine Deputation unterbreitet werden. - Der Völkerbundkredit. ^Lpndpii, 24. Februar. jTei.-Komp) ^He Ayanz^ OtnmlFÄW7.57rte.8 Völkerbundes ist ' gestiern 7 hier zusammengetreten und hat den schwedischen Del^ gierten W a 11 e n b e r g zum Vorsitzenden ■•gewählt Sie wird morgen die Frage der an Oesterreich zv gewährenden Kredite behandeln. , Unruhen in Tokio. r; Washington, 24. Februar. (Funkspruch.) Aus Tokio wird gemeldet: Anläßlich einer Demonstration für die Er-; Weiterung des Wahlrechtes sind heute abends U n r u.h e n ausgebrochen. Polizei mußte eingreifen, wobei 100 Personen verwündet,und 50 verhaftet wurden. keit zur jüdischen Volksgemeinschaft wird eo öjpso did Venpftiohbung zur Erfüllung der Leistungen, Welches dienationale Gemeinschaft ihren Angehörigen; irr* Sinne der verfassungsrechtlich beschlossenen Autonomie aiüiferlegt, übernommen. Die jüdische Voiliksgemeinsohafti ist als solche berechtigt, sowoihd bewegliches als aucht unbewegliches Eigentum zu erwerben, wirU schärft 1!che Unternehmungen zu, girünj d e n und zu führen, Verträge abauschließen und von! G e rieht afe Klägerin und Beklagte aufzutreten. j Nach 'diesem Entwurf umfaßt cLe Tätigkeit der, autonomen jüdischen Volksgemeinschaft: a) daa gesamte jüdische Schulwesen; h) die Grün-; düng und Verwaltung von allen Einrichtungen,, die der na:t i 0n äl-ku 11 u r eil en Entwicklung der Jett-, ländischen Judenheit dienen; c) die soziale Für-t sorge für jüdische Volksgenossen, soweit eine solche vom Staate oder von der Kommune überhaupt nicht oder in ungenügendem Maße gewährt wird; d) die[ Fürsorge für die off entliehen religiösen Bedürfnisse der jüdischen Volksgemeinschaft m i fe Ausnahm edet Erhaltung von Synagogen und Bethäusern. Als Organe der Autonomie funktionieren:’ Der Volks rat mit dem Vorsitzenden, der Ausschuß! mit dem Präsidenten, die örtlichen völkischen' Gemeinden samt ihren Verbänden und die er« na nuten und gewählten Vo11 zugsh eanu ten, - , Der Volksrat bildet das j üdi s c h ePa r l a m e n t,/ dessen Abgeordnete entsipreoh-enid dem Gesetz über di« staatlichen, Parlamentswahlen gewählt werden. Die zur Ausübung der Wahlen in das allgemeine Parlament berechtigten und sich zur jüdischen Volksgemednschaft beikennendien Personen besitzen das aktive “und passivel Wahlrecht. Die Abgeordneten zum jüdischen Volksrat werden für die Dauer von dr e i J a h r e n gewählt und" erhalten für die Zeit der Sitzungsperiode Diäten und! Rei-sesipesen. In den Volks rat werden fünfzig Abgeordnete gewählt. Die näheren Wahlbestimmungen wurden derzeit von der lettischen Konstituante noch nicht beschlossen, da sie erst im Einvernehmen mit dem zu wählenden jüdischen Volksrat auszuarbeiten sind. Dem Volks rat obliegt die Beschlußfassung über Vorschläge zur Abänderung und Ergänzung des Gesetz«?, welches die Autonomie regelt, das Erlassen >rosi Verordnungen nn Täticrtich der Autonomie, die Beschlußfassung über die Erhebung, Verau* ksuüff und Höhe der von den Angehörigen der Volk»* (bestehlt, düe laufend der Bamqtie Industrielle

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