Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1103 (23.2.1922)
- Date
- 1922-02-23
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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einxemummer k «s Wien: Zum Abholen in der Expedition, Il.,Taborstr. I—3/ oder in einer Verschleißstelle’ (Trafik) monatlich K 1200. Mit Postversand fiirWien and Oesterreich monatlich K 120p. Ts c he c h o-S 1 owa k ei: Mon. Kronen 20/ Urigarnr'Mbnatl. Kronen 120. Jugoslawien: Monat!.' Dinar 18. Polen*. Monat!. Mark 600. Deutschland: Monatlich Mark- 2& Frankreich: Monatl.Frcs.6i. irnrr Tscnecho-srovaktiT fsch. K l Italien: Monatlich Lire (5L‘ Rumänien: Monat!. Lei 40* Sc hwejz -upd das hbrij Ausland monatlich 1 Redaktion u., Administration Wien DL, Taborstrasse 1—Lj Telephone: 44-0^38, 43-Ä-1S, ab 6 Uhr abends/17-9-33. Telegrammadresse: „Morgenzeitung“, Wien. Oesterreichiscljes. Postsparkassetikbnto 130.693* Nr. 1103 Wien, Donnerstag, 23. Februar 1922 4. Jahrgang Doppelpolitik. —y. Wien, 23. Februar. Die in den letzten Tagen veröffentlichten Ziffern Ober den Außenhandel Oesterreichs in den ersten neun Monaten des vergangenen Jahres lassen erkennen, daß die Bedeutung Oesterreichs für den internationalen Handel als Durchzugsgebiet immer größer wird. In dieser Tatsache liegt auch eine Bürgschaft für die so oft ‘bestrittene Lebensfähigkeit Oesterreichs, wenn sie ihrem Gewicht gemäß gewürdigt wird. Es ergeben «ich daraus nämlich gewisse Pflichten in bezug auf die Politik. Die gewohnte Zweiteilung in innere und äußere Politik ist für Oesterreich mehr als für Jeden anderen Staat falsch. Kann es für einen Staat nur ein politisches Ziel geben, die Wohlfahrt seiner Einwohner, so gilt dies in besonderem Maße; für einen Staat, der vom Grund aus neu aufgebaut werden .muß und der bei diesem Werke auf die Sympathie und Solidarität der gesamten Kulturwelt angewiesen ist Z Die äußere Politik soll bestrebt sein, die Beziehungen zu den auswärtigen Staaten so zu gestalten, daß sie der Wohlfahrt der Bürger dienen, und die innere Politik muß dieses Bestreben» ergänzen, ihm , die von innen heraus wirkenden Voraussetzungen schaffen. Da. kein Staat für sich allein leben kann, so darf keine .Frage seines inneren Lebens so behandelt werden, daß sie zu einer Hemmung für seine äußeren Beziehungen; wird. Das sind eigentlich die Elementarregeln jeder . Politik, Aber es ist leider notwendig, an dieses politische Einmaleins von Zeit zu Zeit zu erinnern. Man muß .dies tun, wenn man den Erscheinungen in der innerösterreichischen Politik entgegenwirken will, die in ihrem Wespn darin besteht, daß das Demagogengezänke der politischen Parteien auf Kosten, der jüdischen Bevölkerung betrieben wird. . In der Außenpolitik hat die Not der Zeit unseren Parteien , die Grundregeln; bis zu einem gewissen .Grade eingebläut. . Die Hunger- und Frostblockadtiii den Jjihren,. |tach. deih Kriege*, jetzt C dies Välutenmisere,: 'bsbey'-'Än'^8ierkeichiseKen’'PoWMn den Gedanken der Internatiörialifät ' etwas nähergebrächt. Aber die Erkenntnis von dem Zusammenhang der Internationalität, mit . der Inlandspolitik ist noch nicht auferstanden. Nach außenhin appelliert Oesterreich an die Solidarität der Zivilisation und ruft ihre Verpflichtung an, die hervorragende Kulturöedeutüng der innereuropäischen Republik : zu erfassen.” Daraus müßte die Pflicht erfließen, dieses Kulturgut. daheim nicht verderben zu lassen. Denn dies geschieht. Unter der so verächtlich gewordenen nationalistischen Maske, unter der Ausrede des Schutzes der nationalen Eigenart hat sich in Oesterreich geradezu eine Judengesetzgebung etabliert, an der alle Parteien teilhaben. Es wird für eine Klasse von Einwohnern des Staates ein "Ausnahmszustand dekretiert, dem man entweder eine soziale Larve vorbindet oder den man mit einem Kalenderdatum zudeckt. Selbstverständlich steht, . das legislatorische Departement in Oesterreich auf der Höhe der Terminologie, nämlich äuf der Höhe , des Termins vom 1. August 1914, Es soll vergossen gemacht werden, daß an diesem Tage die große europäische Tragödie einsetzte, und . darum wird aus . diesem Datum ein ' Schiboleth gemacht. Welche Frage immer angeschnitten wird, ob:: es sich um Lebensmittelzuschüsse, um Wohnungen, um Hausierbewilligungen handelt, , stets zeigt sich der Judenpunkt. Wird die Parteienpolitik durch offiziöses Eingreifen noch ein wenig verhüllt, so sind unsere wissenschaftlichen Behörden offener und weniger kompliziert Als gute deutsche Männer tun sie eine Sache ,nur um ihrer selbst willen. Sie lassen zwar bei den Juden für die internationalen Kulturstätten sammeln, dieweil die Gesinnungsfestigkeit des Herrn Stinnes und der sonstigen großen deutschen Parteien sich bis zum Geldgeben noch nicht entwickelt hat; sie appellieren an die Internationalität der Wissenschaft und.der Forschung; aber innerhalb ihrer vier Wände wahren sie die nationale Eigenart des deutschen Besitzstandes durch die Einführung, des Numerus clausus und durch Schikanierungen der Jtiden und Fremden. In den Urzeiten der Menschheit haben die Tröglodyten die Fremden, die sich in ihr Gebiet verirrten, aufgefressen oder ihren Götzen geopfert Man ist moderner und kultivierter geworden. Der Götze, dem man heute opfert, ist der nationalistische Rassenantisemitismus, den man als eine innere Angelegenheit Oesterreichs erklärt hat. Von den Parteien der Zünfte, von den Christlichsozialen und den Großdeutschen, kann man schließlich nicht mehr erwarten.: Das größte Unrecht aber ist, daß die sozialdemokratische Partei aus Opportunitätsgründen diese Politik mitmacht. Das ist die Partei, die mit dem internationalen Gedanken am stärksten verwachsen ist Um nicht von Individuen, wie Jerzabek, Riehl, Ursin, Orel, als Judenschützer angepfiffen zp werden, gibt ste ihre Weltanschauung her. Die Sozialdemokratie Eine Zusammenkunft zwischen Lloyd George und PoincarS. Paris, 22. Februar. (Havas.) Amtlich wird die Londoner Meldung bestätigt, daß Ministerpräsident Poincarä, falls nicht vorhergesehene Umstände eintreten, Ende der Woche, vermutlich Samstag, mit dem Premierminister Lloyd George Zusammentreffen wird, und zwar höchstwahrscheinlich in einem Hafen des Departements Pas-de-Calais. Die Begegnung, die streng privaten Charakter tragen wird, soll nur einige Stunden dauern. London, 22. Februar. Das Reutersche Bureau veröffentlicht eine Erklärung, worin der gemeinsame WunSch Frankreichs und Englands hervorgehoben wird, daß eide private, vertrauliche Unterredung zwischen den beiden Premierministern.in eine§l/gegebenen Zeitpunkt stattfinden möge. Ort und Datum seien noch festzusetzen. Lloyd George werde nur von einem Sekretär begleitet. und von London nicht länger als einen Tag abwesend seih, Mo alliierten Sachverständigen würden erst nach der Zusa^eakunft ihre erste Sitzung abhalten. '. , Die;,L i b e r 16* veröffentlicht ein. Interview mit Bundeskanzler Schober, . der seiner Genugtuung über die freundliche Gesinnung Frankreichs Ausdruck gab und auf die Maßnahmen der Regierjung hinwies, um das wirtschaftliche und finanzielle Gleichgewicht herzustellen. Daß man sich zur Aufhebung der Lebensmittelzuschüsse entschloß und der Bevölkerung durch diese Maßnahme ein so großes Opfer zumutete, beweise den unbeugsamen Entschluß, der österreichischen Regierung, die einschneidendsten R e f o r m e n durchzuführen und unbedingt das G 1 e i c h g e w i c h t des B u d g e t s herzustellen. Der Kanzlfer erwähnte schließlich das Prager Äb komme n, das eine Reihe ähnlicher Verträge einleite, -und ’ sprach die Hoffnung aus, daß das System dieser wirtschaftlichen Annäherung an die Nachbarstaaten; verbunden mit ermöglichen werde, seine Zukunft zu sichern. ,, . Mr. Y o u n g, der in Begleitung des englischen Gesandten D ou glas dem Bundespräsidenten Schober seinen offiziellen Antrittsbesuch gemacht hat, hatte seither eine. Reihe von Besprechungen mit den leitenden Funktionären des Finanzministeriums und mit den Referenten'der- Ressortministerien. Die Beratungen sind so weit gediehen, daß der K r e d i t v e r w e ndungsplan im allgemeinen feststeht. Auch die Verhandlungen mit den Parteien sind im vollen Gange. Der Bundeskanzler dürfte in der heutigen Sitzung der-Nationalversammlung die Kreditfrage besprechen. Nach einer Londoner Meldung wird der Finanzausschuß des/ V ö 1 k e rbnndea heute zusammehtreten, um Uber die Frage des Kredits für Oesterreich und über andere finanzielle. Probleme zu beraten. Der Ausschuß besteht aus Vertretern Frankreichs, Italiens, Großbritanniens, der Schweiz, der Tschecho-Slowakei, Schwedens, Dänemarks, Südafrikas, der Niederlande, Belgiens und Spaniens. Es sollen" alle An- * 1 2 3 strengungen gemacht werden, um den im Mal v. J, ausgearbeiteten Kreditplan für Oe st er reich zur Durchführung zu bringen. . Die Ersparungskommiss ioti Hat nach-*, stehende Entschließung gefaßt: „Der Beginn der Tätigkeit der neu zusammengesetzten Kommission , fällt’ gerade io jene Zeit, in der sich endlich' auf Griind de% aus l äugrundlegenden Besserung der staatlichen Finanzen und damit der staatlichen Existenzbedingungen überhaupt zta eröffnen scheint Die Kommission ist der Ansicht, daß, nachdem eine Politik der Vermehrung der staatlichen Einnahmen durchgeführt wurde, nunmehr die Sanierung vor allem auf dem Gebiete der weitestgehenden Verminderung oder Einschränkung der Ausgaben und auf dem Wege def zu ihrer Erzielung notwendigen Reformen in der gesamten staatlichen Verwaltung gesucht werden muß. * Die Kommission gedenkt speziell in Hinsicht auf ein« sparsame Ausgabenpolitik so rasch als möglich mit bestimmten Anträgen hervorzutreten und weist daraüf hin, daß es unerläßlich erscheint, künftighin jede einzelne Staatsausgabe der strengsten Prüfung auf ihre unbedingt» Notwendigkeit zu unterziehen. hat sich oft gerühmt, daß sie die großen Traditionen der bürgerlichen Demokratie fortsetzt. Heute aber, in der Republik, opfert sie den . Grundgedanken der Demokratie. Die Partei des internationalen Proletariats unterscheidet die Menschen nach der Nase. Sie ist Überhaupt gerne opportunistisch. Sie hat sich mit dem Krieg abgefunden, sie hat aus der Revolution das Betriebsrätegesetz und das Getreidebewirtschaftungsgesetz gemacht und sie macht aus der Freiheit den 1. August 1914. Es werden Neuwahlen kommen. Ein Führer der Orthodoxie als Politiker. (Von unserem Preßburger SK.-Mitarbeiter.) Daß Judentum dter Sliowaikiei ist gerettet. Endliiidh ist die Einagiu-rug a-Lle® Juden gesichert. Wie Jeder 'bedeutende Memu des offent-lichan Lebens läßt sich dier ipmonMnente Verfedhiter des affiziiell artlhodioxen KaimipfjudteuititttWs inder »Bmartniskavaea? Zeitung am Abend«, die sieh in letzter Zeit ziuim rein arthodloxeni Sptracbinohir lumiauibitlidten ®dbeiniti inrtjervtiewes*. Das geäistlö'dhte ObenhteiuipHr der ontlWoidoccen Kimchie jüdfisdher Konfeissioin'-iin' der Sllo’waikei eiiklänt gnädig, daß es nur ein Judentum gilbt, die Ortfhodioxen steIllen jedtooh in Albredie, dlaß dieses eine Judentum ein e i n h e ii t 1 i-c h e s Judentum wäre. Er iintters'dheidtet drei Häiuipträdhtt'imgein: ' Die überwiegende Mehrheit von Oirthlodöxeni,' dienten die Religion ihr alles«, ihr Leben sei, dann döe - »sogenannte zionistische Richtung«, der Religion Privatsachc sei und in der derjenige als der beste Jude gölte, die® sich offen' als Jude bekömmt,-und -schd-ieß- Id-Gh die Neologic. Was ntutn den angeblichen Plan betreffe en'm-e neue jüdische Partei zu gründen, die alle Riidut/uimgen umfassen soll«, so» entwickelt Webe® für eine solche das LoLgönde Programm: 1. D'i«e unbedingte Süaiaitstrcue nnuß p5a®tfisc8J heffirorg'efhtolban werden. 2. Jede konfesisiiionidlle,' ‘ dbs 1 beißt religiös^ kulturelle und das Gern eindel eben betreffende Frage! muß afusgesoba'lt'et werden, utndJ 1 ‘ 3. muß bei Verfolgung, unserer Ziele Mäßigung^ bewahrt werden. Jedes turbiu&enifce, lärmienidte Auf-t treten eine® jüdischen; Partei lehnen .wir ent/ schietdien ab. Der Zweck einer mieuieo jüdischem! Partei Uiegh vor allem -dlarin, die uans in der Srtjaiataverfaistauing! gewähtrileiisitiefte Gl eiichfcer ecbtigutng dtutrdhiaufülhmiw Es erübrigt sich, auf jeden, etmizelinetn Sattiz diesen weltbewegenden EnunziatiiOn des orthodox jüdischen) K inchenofoehhautptes foiiniauweiiism. Wind!dodh Jeden Jude auf den ersten Bliidk ■ die W.alhrnehimiung machen müssen, dlaß im, diesem Gliaiulbejmsibekieinjnlün iis zum einzigen Juidenitium versclhiiedienar RiiiohJtiuingen! der eine Satz diem anderen wMiersptächit und. jiedet Nachsatz den vorherigen unnsitößt. ■ Was nun die Ziiomisten der' Slowakei 'hinflbrig^ so gilbt es hierzUliatmdie öitne gaimz ainisdhmlkhe Zailnl; von Zionisten und MiistradMisten, die jüdisch« Saltziumigien und Traidiitiionen mindosltenis - sk> hodh( •hallten. wie der Großteil der von Weibe® ange< führtön saitizungstiejuien- Orthioidiocceii. >! “ 1; ' '■ Ode® wenteit Gberlhdirtt W ebe® jieine zaf Onthodioxie gezähmten, -recht, bettirächitl-iohen' Kireise,- die ihre Geschäfte ©im SoJbbat offenlhailten und böoß am Jom Kiipipiuir die Temipeä 'Uimd die Kassen, der Gemeinden ^"Ten-, höhe® als jene -zweiibe Ri-abtuirig iim Juidcmtum, die nicht nur sich offen umd ehrlich! zutm ’ Judemitnm 'bek-enmit, sondienn -aiuoh, wie unser* Misracihi’ßiten, unter ©ohweren Opfern ihren- Sabbat hieiil-igen. Was die Etfklärinng des ObenhLrtzon W eb eif[ a-mf’ain.gt, dk-ß der Plian annfgetau-dit sei, eine neu« jüdische Partei ru gründen, so spuckt dies«® Plan isai den Könfen iene® Q-ßi&rw'lsinftein -besnuim, die nttchäi»