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Wiener Morgenzeitung · 1922-02-17 · Heft 1097 (17.2.1922) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1097 (17.2.1922)
Date
1922-02-17
Page
– (sequence 1)
Language
German
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liRseinummerl 45 Wien: Zum Abholen in der Expedition, n.,Taborstr. 1—3, oder in einer Verschleißstelle (Trafik) monatlich K 1200. lener Mit Postversand fürWien and Oesterreich monatlich K1200. Tschecho-SlowakeitMon. Kronen 20. Ungarn: Monatl. Kronen 120. Jugoslawien: Monatl. Dinar 18. Polen: Monatl. Mark 600. Deutschland: Monatlich Mark 25. Fr a n kr e i c h: Monatl. Frcs. 6. Nr. 1097 7stftecfto»&CtatafiiQf : VL .t Italien: Monatlich Eire E Rumänien: Monat!. Lei 4fljj Sc h w ei z und Üäs übrige Ausland monatlich Francs 3. Redaktion u.. Administration Wien Il.j Taborstrasse 1—3: Telephone: 44-0-38, 43-3-1L ab '6 Uhr . abends 17-0-33! T elegrammädr esse: „Morgenzeitung“, Wien. Oesterrelchlsches \ Postsparkassenkonto 15Q.693| Wien, Freitag, 17. Februar 1922 4. Jahrgang Die Bundesgenossen. j —y. Wien, 17. Februar. ' Der Widerstand Frankreichs gegen die Weltwirtschaftskonferenz, zu Genua hat bisher keinen sichtbaren Erfolg gehabt Eine Verschiebung um mindestens einen Monat, die eine Note Poincarös an die englische Regierung vorgeschlagen . hatte, ist, bisher nicht eingetreten, liegt aber noch immer im Bereich der Möglichkeit. Es war vorauszusehen, daß der Plan Lloyd1 Georges, alle europäischen Fragen zusammenzufassen und im Beisein aller Beteiligten zu einer Klärung zu führen; alle . diplomatischen Intrigen in allen europäischen2Wetterwinkeln entfesseln'würde! Da es sich der englischen Politik vor allem darum handelt, in der deutschen und in der russischen Frage aus dem Zustand der Labilität zu einem festen Verhältnis zu gelangen, war in diesen Angelegenheiten mit allerlei Schachzügen der Gegner dieser Anschauung zu rechnen. Dies ist auch eingetreten und die Lage ist heute verworrener, als zur Zeit der Jännerbeschlüsse von Cannes. Die kleine Entente ist unter der* Führung Jugoslawiens gegen die Einbeziehung Sowjetrußlands ln die Konferenz von Genua aufgetreten, konnte aber zu keiner endgültigen Stellung gelangen, weil , der, tschechische Ministerpräsident, der jeder Gewaltsamkeit in politischen Dingep abhold ist, seinem Gedanken der wirtschaftlichen Einigung .Mitteleuropas den Vorrang sichern will urid zu diesem' Behufe' - in direkte. Besprechungen mit Paris und. London eingetreteh. ist Die französische Minierarbeit gegen den Weltfrieden auf der Basis der Kooperation aller Nationen erfährt ihre -Uritersttitzung, durch das Sowjetsystem. Auch von Rußland aus arbeiten; alle Agitatoren, der Verhetzung van der' Vereitlung, des . Wirtschaftsabkommens und sie haben, da sich die Extreme immer vertragen, ihren ersten Erfolg in Paris gefunden. Da Frankreich, noch vor der Eröffnung der Genueser Konferenz^eine.■ Majoiitäfsbildurig ".anstrebt, die sich der so haben die -Handelsvertreter ’■ Rußlands . in Paris günstige Aufnahme gefunden, .weil sie "sich trefflich gegen England verwerten lassen. Es ist eine neue Verschärfung der bolschewikischen Agitation in Indien eingetreten und aus der Rede, in welcher, der Staatssekretär für Indien Montagu am Mittwoch im englischen Unterhaus eine Darstellung der Verhältnisse gab, erhellt der Zusammenhang zwischen den von Moskau und Paris. gestützten Angora-Nationalisten lind der antienglischen Bewegung in Indien. Es erhellt auch daraus, welches Vertrauen die Versicherungen der Boschewiken verdienen, ihre Propaganda in Asien aufzugeben. Daß die französische Politik diese UnVerläßlichkeit kennt, ist sicher. Aber sie bedient sich jetzt Ihrer und sie findet es plötzlich für notwendig, die Handelsbeziehungen zu Rußland zu reformieren, sei es auch um den Preis einer Anerkennung der Sowjets, die so loyal eingehalten werden wird, wie sie ausgesprochen wird. Daß die Sowjetregierung die englisch-französisch-deutschen Streitigkeiten zur Erlangung aller nur möglichen Vorteile ausnützen will, ist selbstverständlich. Erstaunlich ist dabei-nur, daß sie dies jetzt versucht, wo sie auf die Hilfe der ganzen Welt angewiesen ist, weil ihre geniale Verwaltung eine Hungersnot von nie erhörter' Ausdehnung direkt erzeugt hat. So ist der Staat beschaffen, der über die englische Mißwirtschaft in Indien schreit und der den Weltkapitalismus anklagt, das Kriegselend bis in; die fernste Zukunft fortsetzen zu wollen. Das ist aber auch der neueste. Bundesgenosse Frankreichs; der extensive Nationalismus marschiert Arm in Arm mit dem extremen Sozialismus und die Weltbeglückung ist etwas, wovon beide nur bei Festen und Kongressen reden. Nach Tische liest man’s anders. Eine Aufzählung der Hindernisse für den Weltkongreß wäre unvollständig ohne die Erwähnung der erfolgreichen Mitarbeit der Stinnes-Leute in Deutschland. Das Vertrauensvotum für den Kanzler Dr. Wirth war hauptsächlich von dieser Grüppe im Vereine mi; den Kommunisten umstritten. Ihre Haltung betraf weniger die von Maßregelung bedrohten Streikbeamten als vielmehr die Führung den-auswärtigen Politik durch Wirth. und Rathenau, die beide auf der Linie, der friedlichen Entwirrung verbleiben‘wollen und dabei durch England unterstützt werden. Den deutschen Nationalisten geht das gegen den Strich und. die deutsche Schwerindustrie würde bei einer solchen Entwicklung auch die Schattenseiten eines verlorenen. Krieges kennen lernen. Sie müßte in gewaltigem Ausmaß zu den Reparationen beisteuern. Es ist ihr aber sympathischer, die Last auf den Arbeitern und Erwerbsleuten liegen zu lassen; Der Kampf gegen den Frieden ist auf der ganzen Linie im Gange. Jussuf Keniat in Konstantinopel. Konstantlnopel, 16. Februar. (Reuter.) Die Mission der keraalistischen Regierung unter der Führung |iuu f Kemalft lat hier eitutttrüffco« Ein italienischer Millionenkredit für Oesterreich. Unmittelbar vor der gestrigen Sitzung des Nationalrats erschien der italienische Ue s andte# beim Bundeskanzler Schob er und hatte mit ihm eine längere Besprechung. Im Parlament wurde daraufhin mitgeteilt, der Gesandte habe im Aufträge der 11a 1 ienisehen Reglernng die Zusage überbracht,Oesterreich einenkred.i tvorschuß in der gleichen Hohe wie F ran k r eich zu gewähren. Der französische Kredit soll, wie bekannt, 55 Millionen Francs betragen. Wien, 16. Februar. Die »Politische Korrespondenz“ meldet:; De? Italienische Gesandte in Wien Orsini-Raroni hat heute dem Bundeskanzler Schober ein Telegramm seiner Regierung zur Kenntnis gebracht, demgemäß die italienische Regierung sich im Prinzip bereit erklärt, der österreichischen Regierung sofort mit einem Kredit zu Hilfe zu kommen. . v WA AÄÄIJL ® ' / '; \ j ■ , Die Banditen Pronay und Hejjas kündigen Judenpogrome an. .Budapest,. 16. Februar. (Ung. Tel.-Korr.-Bur.) In Fortsetzung der Wahlrechtsdebatte erklärt-Abgeordneter Karl Huszar (christlichnational), er halte die Vereitlung des. Kompromisses für ein nationales Unglück.; Abgeordneter B a 11 a (Unabhängigkeitspartei) erklärt, daß er die Wahlreform a b l e .h n e, da sie eine Einengung des - jetzt bestehenden' Wahlrechtes bedeute. / ^^Abgeordneter Ej; erklärt,' es sei .ein irttum^'ciktz - üngarrsAe Arbeiter-- schaft mit der sozialdemokratischen 'pärtei, der nur. beiläufig 15°/o der Arbeiter angehören, zuidentifizieren. Die übrigen Arbeiter seien Mitglieder christlichsozialer Organisationen. Falls sich die Sozialdemokraten auf eine p at r i o t i s c h e n a t i o n al e Grün dlage stellen, müsse ihnen natürlich das Wahlrecht gewährt werden. Redner'betont, daß sein Anti s e m i t i s m u s k e i n a g g r e s s i v e r sei, sondern sich darauf beschränke, der ungarischen Rasse die H e gem o n i e zu sichern. Er lenkt die Aufmerksamkeit der Regierung auf die Gefahren, die der Reinheit der! Wahlen durch die Korrumpierung durch das jüdische Kapital drohen. Um 8 Uhr 30 Minuten abends erklärte der Präsident die Beratung für unterbrochen. Hierauf überreichte Ministerpräsident Graf Bethlen ein Handschreiben des Reichsverwesers, das vom Präsidenten verlesen wurde. Es lautet: „Ich entbiete der Nationalversammlung von Ungarn meinen Gruß als Reichsverweser. i Geehrte Nationalversammlung! Die für zwei Jahre bestimmte Zeitdauer der am 16. Februar 1920 einberufenen Nationalversammlung ist mit heutigem Tage erloschen. Ieh erkläre daher auf Vorschlag des Ministerpräsidenten die Nationalversammlung für beendet Gleichzeitig spreche ich allen Mitgliedern für die hingebungsvollen Bemühungen meinen wärmsten Dank aus.“ Sämtliche Parteien der Nationalversammlung,’adcH die äußerste Linke, brachten1 Hochrufe auf dem Reichsverweser aus. Nur' die' Friedrichsche extr^m-legitw mi'stische .Fraktion beteiligte sich nicht an den Ovationen. Hierauf erhob sich das ganze Haus sowie das Galeriepublikum und stimmten;. die Nationalhymne, an. Budapest, 16. Februar. Ministerpräsident Gral Bethlen erklärte gestern in den Couloirs der Nationalversammlung einer Gruppe von Abgeordneten gegenüber, - daß - er beabsichtige, efoe Konferenz ‘ der obersten richterlichen Funktionäre und Juristen einzü-; berufen, die ein‘Gutachten darüber äbgeben’sollen, ob im Falle der« Nichterledigung der Wahirechtsvorlage durch die Nationalversammlung eine Abänderung der, Friedrichschen Wahlrechtsverordnung zulässig sei oder, ob diese Verordnung im vollen Umfang. aufrecht er-! halten-werdenmüsse. '! -- Budapest, 16. Februar. (Ung.-Tel.-K0rr.7Bur.) Iti den Wandelgängen des Parlaments haben heute nach* mittags Abgeordnete der Opposition beschlossen, ein, Komitee für Rechtsschutz zu, gründen, dessen.Hauptaufgabe die Austragung oder Vertretung von Klagen und Beschwerden anläßlich der Wahlkampagne /bilden soll.. Als Präsident des Komitees wird Graf Albert Apponyi kandidiert 1 * In einer Versammlung erklärte der Präsident des Vereines Paul Pronay, die Erwachenden' Ungarn verfügen gegenüber der Macht des jüdischen Kapitals nur über zwei Waffen, das Herz und die Faust, ln dem Kampf werde die Faust entsch ei de rni Ivan, Hejjas predigte den Vernichtungskampf gegen, das Judentum und sagte, mit der Gewalt des K n u t e werde die Judenfrage gelöst und die; tausendjährige ungarische Grenze wieder ' erobert werden. Die Erwachenden Ungarn,' so äußerte sich. Hejjas,; bitten um niemandes Unterstützung,’, doch würden sie mit jedem, der ihnen nicht seine Unter* Stützung leiht, Abrechnung pflegen. Die Bedingungen des englischen Kreditvorschusses. Im 'Nationaltrat konnte gestern- Finanziminister Dr. Gürtler mitteilen, daß der Flüssigmachung des englischen Kredits ni chits mehir im.Wege stehe, und daß der Betrag;s 0 f o <r t flüssig gemacht werden wird. Kanzler Schober hat sich also — und dies lehrt der Erfolg — mit seiner Politik auf dem richtigen Wege befunden, als er-, aus. der politischen und finanziellen Blockierung Oesterreichs den. Weg ins Freie über P.^r a g zu erreichen, suchte. , - - Im Natiomalrat gewinnt das Verständnis für diese Politik, unbeschadet der großdeu-tsclien Quertreibereien, immer mehr Geltung, wie der 'lebhafte Beifall am Schlüsse der Rede des Finanzmihisters zeigte. Zu Beginn der Sitzung wurde« ein A u s lieferungsbegehren des Bezirksgerichtes Graz gegen den sozialdemokratischen Abgeordneten T a 1 i e r ahgelehnt. Abgeordneter Dr. W a i ß referierte hierauf über die Aufhebung des Bundesgesetzes vom 15. Juli 1921 über die Abgrenzung der sachlichen Geltungsgebiete 4er im Burgenland geltenden strafrechtUchseö- und Strafprozessualen aasaait Der Gesetzentwurf wurde in zweiter und dritteti, Lesung zum Beschluß erhoben. , " Boittidesminister für Finanzen Dr. G u rt 1 e icj ergriff, hierauf zu folgender Erklärung das..Worti Xcli bin nun in der angeaehm'en Lage, Ihnen die. Be-j dingiingen mifcz-uteikn, uter denen wir den e.ngli*< sehen Kredit bekommen werden. Der Betrag um-! faßt.in seiner Gesamtheit die Summe von 2,250.000 Pfund, d. 3i. es sind in diese Kreditaiktion ' jensi 250.000 Pfund eingerechnet, welche wir 'bereits im! Noiveniber v. J. erhaltenhaben, -und es bildet jetzt! die Hinzufügung von weiteren 2,000.000 Pfund ge-! wi'Ssermaßen eine 'Ergänzu n gder damals ge«*j währten Kredithilfe. Die Bedeckung dieser'Kredite? erfolgt durch Schatzwec hs ei, die mit- 6 Pro-' zent tpro anno zu verzinsen sind. Zur Flüssigmachung dieses Kredits wird' sicH die, englische Regierung der Anglo-österrefchische Bank bedienen. Die. englische Regierung wird einen V e r«< treter in Wien ernennen» der der östcrreichn sehen Regierung bei den Ausgaben beratend zur^ Seite stehen wird, welche mit dem Ertrage dieses! Darlehen® gemacht werden. Es wird dem äondarver«* treter der englischen Regierung in Wien ein g<J« wisset Einfluß auf die Verfügungen rtbj ‘ c ateheöa die über die Kreditsumm« getrctffm

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