Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1094 (14.2.1922)
- Date
- 1922-02-14
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2979076-2980129-2980174--10248-2996580- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
fSriattfmimmer K 45 Wien: Zum Abholen in der Expedition, Il.,Taborstr. l—A oder ln einer Verschleißstelle (Trafik) monatlich K 1200. MitPostveraandfiirWien und Oesterreich monatlich K1200. Tschech ö-Slowakei: Mon. Kronen 20.. Ungarn: Monatl. Kronen 120, Jugoslawien: Monatl. Dinar 18, Polen: Monatl. Mark 600. Deutschland: Monatlich Mark 25. Frahkreic h: Monatl. Frcs.6. rener Nr. 1094 Wien, Dienstag, 14. Februar 1922 tsch.SC 1 Italien: Monatlich Lire 6. Rumänien: Monatl. Lei 40. Schweiz und das übrige Ausland monatlich Francs 3. Redaktion u. Adminjstratipn Wien II., Täborstrasse 1—3.; Telephone: 44-0-38, 43-3-19} ab 6 Uhr. abends 17-9-33« Telegrammadresse:„Morgeazeitung“, Wien. Oesterreichisches . Postsparkassenkonto 150.693. 4. Jahrgang Die Londoner Vorkonferenz. Beteiligung des Völkerbundes an den Vorarbeiten. Paris, 13. Februar. (Tel.-Komp.) Die hiesige Presse betrachtet die am 24. di M. beginnende Vorkonferenz der Sachverständigen in London als das erste Entgegenkommen auf die französischen Wünsche. Tatsächlich handelt es sich hiebei hur um die bereits In Canhes beschlossene Zusammenkunft der Finanzsachverständigen, die die Vorarbeiten für das zu errichtende Finansk o nsö r t i ü m zum W i e d e r a u f b a u Mi t teleuropas und Rußlands erledigen soll. .; ': \ Paris, 13. Februar. (Tel.-Komp.) Wie verlautet, wird sich der Völkerbund an den Arbeiten der Sachverständigenkommission beteiligen, die die technischen und finanziellen Einzelheiten für die Genueser Konferenz vorzubereiten hat. Der Aufenthalt des Generalsekretärs des Völkerbundes in Paris wird auf diese Tatsache zurückgeführt. Vor einem neuen Eisenbahnerstreik in Deutschland? Eine Forderung der Eisenbahnbeamten. B e r 11 it, 13. Februar. (TeI.-Komp.) Der Vorstand der Reichsgewerkschaft der deutschen Eisenbahnbeamten war gestern in Berlin zu einer Beratung zusammehgetreteiv in . der eine Eingabe an den Reichskanzler beschlössen wurde. Die Eingabe beziffert die bisherigen Anträge, auf Disziplinarverfahren wegen des Streiks auf über 30.000 und behauptet, daß diese Tatsache große Erregung unter den Eisenbahnern hervorgerufen habe, weshalb mit einem eventuellen neuen falls die MäBrege&tigeh aufrecht bleiben sollten. Lloyd George. . Paris, 13. Februar. Nach einer Meldung des „Echo de Paris" aus London spreche man in dortigen politischen Kreisen Von der'Möglichkeit'des. Rücktrittes des Premier» Ministers Lloyd George. Es sei jedoch gewiß/daß Lloyd George die Verhandlungen über die Konferenz von Genua zu Ende führen werde, denn er werde in dieser An-, gelegenheit von allen englischen Parteien unterstützt Falls seine Demission in einem späteren Zeitpunkt erfolget! sollte, dürfte Chamberlain versuchen, ein rein konservatives Kabinett zu bilden. Wenn dieser Versuch mißglücken würde, sei mit einer provisorischen Regierung unter der Leitung Balf ours zu rechnen, dessen persönlicher Einfluß seit der Konferenz von- Washington bedeutend gewachsen sei. Balfour dürfte eine neue Koalition schaffen, in die auch die unabhängigen Liberalen eintreteu und der sich auch Asquith und Lord Grey anschließen .MrHon. ..;• ■ / ,- 4# -* - -. Wirths Mehrheit. Die UeberfRissigen. —y. Wien, 14. Februar. Die Regierung Schober kann auf .ihr Erfolgkonto nunmehr nach der Angliederung des Burgenlandes den Vertrag von Prag und den Beginn der Kreditaktion der Entente für Oesterreich buchen.. Durch da? Abkommen mit der Tschecho-Slowäkei ist die politische Isolierung durchbrochen worden. Die Kreditverjianä«.? lungert in Prag und in den Hauptstädten der West-^ Staaten haben ein Resultat gezeitigt, das;, vör : 411eiiy|ach: der moralischen Seite; hin zu Werten fet. Beide EWge hängen miteinander direkt zusammen und fließen aus der von dem Kabinett inaugurierten -Politik Selbsthilfe. Um ihre Wirkung aüszugebtälten, ist es notwehdig, auf der Linie der Politik zu bleiben, die jetzt betreten wurde und deren erstes Ziel die Vereinigung der mitteleuropäischen . Kleinstaaten > zu einem nach einheitlichen Prinzipien organisierten Wirtschaftskörper ist. Würde dieses Ziel; in , die .Öffentliche Diskussion gestellt werden, so würde sich bald zeigen» daß all die Unbegreiflichkeiten unserer inneren Politik nur möglich sind,- weil die Bevölkerung über die Lebensriotwertdigkeifen des Staates geflissentlich falsch unterrichtet wird und weil innere Strömungen vorhanden sind, die sich gegen jede Gesundung Oesterreichs richten. Die Entwicklung der Verhältnisse1 ist der härteste, aber auch der beste Lehrmeister und es sind schon viele Schlagworte von anscheinend robuster Gesundheit in den Papierkorb des Vergessens . geweht worden. Man wdß heute, daß Sträßehexzesse, auch wenn sie psychologisch noch so fein gerechtfertigt werden, kein Mittel sind, um die Valuta zu festigen und die Teuerung zu bekämpfen. Man weiß ferner, daß die noch im Vorjahr so populäre Drohung mit Laternenpfähiert und Galgen auf das Ausland nicht. günstig gewirkt hat’und daß die österreichische Staätswirtsehaft Sie ’Oefiiägo'gie; ob1 sie nun irgendein Sträßenrfedner bezahlen hat Politisches Dänkep ist/ nur. sehr langsam zu erzielen und wenn die Bevölkerung Oesterreichs in der Beurteilung öffentlicher Fragen und ihres Hineingreifens in die private Wirtschaft vielfach den Parolen radikaler, gut bezahlter Agitatoren, nur allzuleicht, nachfolgt, so liegt die Schuld an den schweren Versäumnissen ' in der Erziehung der Massen, die bis . zum Umsturzdaran gewöhnt, worden waren, . mit dem Hut , in der Hand als brave Untertanen Spalier zu stehen und die Obrigkeit für sich denken zu lassen. Der Weltkrieg und sein Ausgang, der, ach, so. ganz anders war, als die hohe Obrigkeit.das an die Wand gemalt hatte, störte diese Beschaulichkeit mit rauher Faust. Das Volk wurde Träger der Staatshoheit; aber in-den drei Jahren des neuen Friedens, in clenen es sich unausgesetzt mit den vermodernden Resten der innerlich noch nicht überwundenen alten Zeit abplagen muß, konnte es noch nicht die richtige Distanz zu den Dingeh gewinnen. So ist es gekommen, daß sich "die Parteien, die den Krieg gemacht oder sich mit ihm abgefunden haben, trotz4 ihrer Schuld wieder in den Besitz der politischen Macht gesetzt haben. Die politische und wirtschaftliche Struktur der Bevölkerung ist vom Grund alts revolutioniert Wörden; trotzdem teilen .sieb die Parteien, als wenn gar nichts geschehen wäre, ' in christlichsoziale, deutschnationale und sozialdemokratische Gruppen, deren Programme jeden Sinn verjören haben. Der kleine Mann,' den die einen reiten sollen, ist .verecrtwunden";' der Mittelstand ist zum Koken Teil in das Proletariat, zum kleinen Teil in die Großbourgeoisie resorbiert worden und die Partei der Arbeiter, die Partei des sozialen Fortschritts, der Weltversöiinung, ist eine innerösterreichische Partei geworden, gu| national, bequem und konjunkturabwartend. Es ist in unserem öffentlichen|Lebeu eine geistige Blockade eingerichtet worden. Alle Zusammenhänge mit'dem Ausland sind durchschnitten und unsere Parteien haben sich daran gewöhnt, ihre meist herzlich unbedeutenden internen Fragen dem Volke als Staatsaktionen darzustelten. Wenn sich die Tiroler Christlichsozialen mit*ihren Wiener Brüdern nicht; [vertragen, so entsteht eine Regierungskrise. Wenn zynischen dem Grazer und dem Wiener Stammtisch der .'Großdeutsch'en eine Mcihüngsdifferenz 'Über die extensive oder -intensive Ausnützung des Subventionssäckdls: der Regierung abgebrochen ist, -so erfährt das staunende Volk. — daß 4er Vertrag von Prag ein. Attentat auf das deutsche Volk und dessen. Belange darstellt.'". So leben die-Parfeien am Volke; vorbei und dieses fia ihnen. Die letzte Regierungskrise hat dies bewiesen. Alle Politiker waren bemüht, sich j als Staatsreticrins licht zu setzen, es gab* Versammlungen mit Entschließungen und allem dazugehörigen Klimbim. Aber m der Masse sah man nur, daß ue Regierung den Ring um Oesterreich äufsprengen und. der Not des Budgets beikommetti wolle. Die Regierung hat die Fühlung mit dem Ausland f entgeh alten und sogar-Vertrauen Pi r:v-*and und Frankreich gefunden. Es blieb Irland. De Val era gegen den Ausgleich. London, iZ.>Februar. (Tel.-Komp.) De Valera eröffiiete gestern in Dublin dem Wa-hlfeldziug, indem er iin einer von 10.000 Extremisten besuchten Versamm- I'umg eine, flamm einde Rede gegen .den Freistaat hielt. Er erklärte, jeder Punkt des Vertrages von Dowhimg Street sei eiitte V ern e i n u'iiig de r! r!s eh dn So-mverämität. Die i-rrsqhen Republikaner seien, durch -dSesen Vertrag eibexi’sowe-niig gdb-urvd'en., als cfie vorau-sgegaingenen Genera'fci-cwen sich. durch den *; Vereimigungsaikt vom 1801 gebunden erachten. Er s-chl-ti-g sodann vor, daß der Konflikt im Ule-ber durch' eine V o 1 'k s a h s t i mmung gelöst werde. Man könne übrigeiit's in den sec'h-s strittigen Grafsdlraften ein -besonderesR^ime mit einer besonidiercin Kammer ei'usebzem. D.ie VensÄmirnlung nahm «wie Emtt©ch‘Jieß'U!iiig au.-wp-riin die gegenwärtige Regierung verurteilt wird. In ^olithichen Kreiisgh herrscht ajl- ‘ gemeSn die. Ansicht vor.; daB der RggDrung aus der Opposition deir Re|p«toli)k^er k c i n d ^;ro ß e 11 Gefahr e m erwachsen - werden. Der Bürgerkrieg in ^fster. •London, 13. Februar. (Wolff.) »Daily Chronfelec meldiet, daß die Ermordung der fünf- Ufeter-Poliizisten durch die irischen Republik sin er.in- Glottes (Grafschaft Msinagihain') die Regelung des iiri'schen ^Samtip-roblems wesentlich erschwert -habe. Gestern aher.dK, sei unter dem Vorsitz C h u r ch i 11 s im Kokmiaiamt eine Miristcrkonferenz abgeh-alten worden, auf der eine ernste Auffassung übel* die neue ■Verwicklung der irischen Frage •vorgeherrscht habe. Der Premierminister von Ulster, C r a i g, -habe de« Vorschlag gemacht, daß britische T r u .p ip e -n den; Schutz der Grenze von Ulster übernehmen solleil. Craig habe ein Telegrsinmn der britischen Regierung erhalten, worin diese mitteilt,' daß weitere bedeutende Streitlcräfte für Ulster' zur Verfügung stehen. ' '; Enthaftungen, ’ London, 13. Februar. (Wolff.) Die -britische Regierung teilt mit, sie werde sofort Schritte 'zur'' E n;t li a f-;.t,u:n.g jener I r.e n emW-tcn, die wegen Vergehen gefamge-n.gehalten -werden, die sie vor Beginn der Waffenruhe in England begangen hatten. , also alles ruhig und man ertrag es ohne große Schmferzen, daß der großdeutsche Optioiisminister in ein besseres Jenseits schwand. Nunmehr, reden die Parteien wieder viel von der Notwendigkeit eines parlamentarischen Kabinetts, um sich recht breit an die Kreditschüssel zu setzen. Aber das wird nicht gut angehen. Die ' Kredite sind dazu bestimmt, die Diskrepanz zwischen Staats¬ und Voflf.swirtschaft aufzuheben, die Krone zu stabilisieren und die Grundlage zur Notenbank zu biJck-M, D'-mii: dies und nur dies geschieht und darr.it Berlin, 13. Februar. (Tel. der „Wiener Morgen« zcitung“.) Den Blättern zufolge hat die p ar-Tarn-entari's che Lage im Laufe des gestrigen Tages keine Aenderung erfahren. Es ' haben lediglich unverbindliche Besprechungen zwischen den einzelnen Parteien staitgefunden. Unentschieden ist bisher die Haltung der Unabhängigen, die als Bedingung für ein Vertrauensvotum die Forderung aufgestellt haben, daß der ReicHsverkehrsminister G r 0 e n e r und der Reichsfinanzminister Hermes ihren Rück-' tritt nehmen. Es ist n i c h t wahr sch ein li c h, daß die Koalitionsparteien auf diese Forderung eingehen werden. Die Haltung der Deutschen Volksparte i ist, soweit man bisher beurteilen kann, vollkommen einheitlichgegen das-Kabinett W i r t h gerichtet. Man ist jedoch überzeugt, daß das Kabinett trotzdem eine sichere, wenn auch schwache Mehrheit bei der Abstimmung erhalten werde. . Die Aufrichtung Mitteleuropas. 1 Paris, 13. Februar. (Havas.) Die Blätter messen der Reise Dr. B e ne 3 ch', dessen Bemühungen um die Wiedereufrichtung Mitteleuropas, sie hervorheben, besondere Bedeutung bei. „Echo National“, das Blatt Tardieus, stellt diesbezüglich fest, daß die Völker, die jahrhundertelang vereinigt waren, nicht ohne Schaden getrennt worden seien und daß natürlicherweise die wirtschaftlichen Notwendigkeiten schließlich den Sieg über ethnische Vorurteile und politische Leidenschaften; davontrügen. Der „Matin“ hebt die gute Methode hervor, die von den Staaten Mitteleuropas eingeschlagen werde, indem sie Abkommen von Staat zu Staat abschließen. Es sei interessant, festzustellen, daß die Tchecho-Slowakei, die so viel zum Zusammenbruch der Donaumonarchie beigetragen habe, die erste sei, die tatsächlich Hilfe bringe. Die ägyptische Frage. Paris, 13. Februar. (Fur-kspruch.) Lord AMettby, der englische Oberkommissär itir Aegypten, ist in London angekömmen und hat serie Besprechungen mit dem Kabinett begonnen. , keine Lizitation von Partei wegen erfolgt, wird ein Sequester bestellt werden. Das ist leider notwendig und die Oeffentlichkeit, wird dies ruhig aufnehmen, .weil sie daraus ersieht, daß das-Ausland den wahren Zustand der Dinge erkennt. Wir werden als Kolonie behandelt und unsere Parteien, die, wenn sie nicht untereinander raufen, bald auf die Juden losschlagen, bald auf die tschechischen Hochverräter schimpfen, machen sich selbst höchst überflüssig. Sie markieren Politik. Inzwischen erzieht die Weltgeschichte das V’olfc.