Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1092 (12.2.1922)
- Date
- 1922-02-12
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 0 Wien, Sonntag /WIENER MORGENZEITÜNO /12. Februar IMS Nr. 1092 Von der Universität. Wiederaufnahme der Vorlesung!e n tn der juridischen Fakultät. Vom Dekanat der rechts- und staatswissenschaftlichen Fakultät wird bekanutgegeben, daß trotz des Kohlenmangels Vorsorge getroffen wurde, daß für die Hauptvorlesungen keine Unterbrechung eintritt. Diese Vorlesungen werden unter Ausscheidung der Parallelvortesungen und Zusammenlegung in heizbare Hörsäle , ab Dienstag den 14. d. M. nach einem geänderten Stundenplan abgehalten werden. Der neue Stundenplan wird durch Anschlag im Dekanat bekanntgeben. Der deutsche Charakter der Wiener Hochschulen. Eine Abordnung des bulgarisch - akademischen ^Vereines „B a I k a n“ in Wien hat unter Führung des bulgarischen Generalkonsuls Georges Litscheff dem Rektor der Wiener Universität eine Spende von K 375.000 überreicht. Die gleiche Summe wurde dem Rektor der technischen Hochschule überreicht. : Ungerührt von der Not der Alma mater blieben bisher nur die wackeren treudeutschen Burschenschafter. Sie singen zwar täglich in „gehobener“ Stimmung das „Vivat acaderaia!“ Aber die Herbeischaffung cjer Mittel, die die Hochschule zum Leben braucht, überlassen sie mit der Seelenruhe der Herrenmenschen den „inferioren“ Nationen. . . Ab heute: Ein Laib Brot — 452 Kronen, ein Kilogramm Mehl —-612 Kronen. j Wie wir gestern •auf Grnaid ron* Informationen ncs Brnährangrsamtes mitgeteilt halben, wurde der 1B r o-l- und Me h 1 ,p r e i s neaierliah erhöht, weil für die neue Versorg'ungsperiode alb 12. Februar ein größeres Kontingeut Ueberseegetreidie zur Verwen- ■dung; gelaaigen muß, das im Preise -wesentlich teurer ist aiks 4-a‘s otjs den östlichen , Ländern. stjaimmerade, jGetreide. Nun kommt noch hinzu, daß seit längerer. iZert zwischen den Bäckern und den Gehilfen VeT^ Handlungen wegen neuer Lohaforder ung'eti- .fechweben, daß die Bäcker selbst unter Hinweis 'die diurdb Salz, Kdhile . ukÄ, eäiekffirisdhier Sliro-m gesteii'geitfee Sachfregie dfe neuer‘iche Erhöhung des Mehl- und Brotpreises -he-;, gründien.. Eis wunde nufn eine N eutfestserbzung des K! e i n v c r-s c ’!)! *•: fr ip r e i s e s für IvlYal und Brot notwendig, die nach langwierigen Verhandle»-! gen und Ueberpiütung der gesteHten- Forderungen (Cu einem Ergebnis führte, 4*ats aaif einer Edhöteng ider Loiinquote um cinrchschittlich 20 Prozent urAl einer Erhöhung der Sachregie fußt, welche in den tatsächlichen Preisänderungen.- der erwähnten Kai- Icul-ationsposten begründet ist. Der L a i b B r 01 kn Gewicht van 1260 Gratom kvuirde -daiheir vonbeute -alb mit 452 Kronen, der IClekKversdbieißpirei's . für dms Kilogramm V e r - schleißmedil mit 612 K r o n e n> festgesetzt. Der Rabatt des Wiedervedkäuifers" wunde für dien Laib Brot mit 18 Kronen ibemeasan. Schon beute muß atber darauf bingewiesien ftrer-dein, daß es bei diesem Preise nicht ibleijberl . wird and schien - m der nächsten Zeit-; es ndrfeintet, daß es schon gegen Emde des - Manets ge-? ischehe-h wird —- erne neuerliche E r h ö h u 11 g sta-ttfinden wirb in dem Maße, als .der Abbau der Leben-smi-tteLzuiseihüsse rer sich' gehen wind. Nachlassen des Frostes. Der amtliche Wetterbericht besagt: Der Frost hat in Oesterreich und Deutschland nachgelassen. Die Morgentemperaturen lagen heute früh vielfach unter —10 Grad, Um Mittag herrschte nur mässiger oder leichter Frost Die Bewölkung hat zugenommen, Vorhersage: Meist bewölkt, früh mäßigerFrost. Tagestemperaturen ansteigend bis nahe an Null Grad oder ein wenig über Null. Aus Budapest wird unter dem Gestrigen berichtet: Wie die Staatsbahndirektion mitteilt, sind die, meisten Eisenbahnlinien für den Verkehr frei geworden. Die Station Hidas-Nemeti ist durch eine mehrere Meter hohe Schneemasse verrammelt, so daß die Einfahrt unmöglich ist Auch von der Station Nyiregyhaza ist der Verkehr noch immef unterbrochen. * Das Neueste ist . . . Das Neueste ist nämlich die Alkoholsteuer. Sie spukt in allen Köpfen und diese Köpfe, haben dann unbedingte Lust, ihrerseits anderen zwar nicht in die Suppe wohl aber in den Kognak spucken. Die Begeisterung ist umso größer, je höher die Weinpreise steigen und der ruhige Bürger gewaltig aufgeregt wird, wenn er sich ausmalt, welches Vermögen in Alkohol umgesetzt wird und wie gut gewisse Sorten schmecken. Wer sich nicht einmal mehr das Krügel Abzug zum Nachtmahl leisten kann, spricht von der hohen Sittlichkeit Amerikas, die einen Sieg der Kultur über die Unkultur erfochten habe. Die anderen neigen der Ansicht zu, daß Amerika sehr weit ist, eine Ansicht, der man selbst bei geringer geographischer Belastung nicht ohneweiters widersprechen kann. Findige Köpfe haben heraus-, gebracht, daß Kognak ein ausgezeichnetes Vorbeugungsmittel gegen die Grippe ist, und verschanzen sich hinter das Wort Prophylaxe, das mindestens so schreckeneinflößend ist wie seinerzeit die Elefanten Hannibalscheh Angedenkens. Dagegen fuchteln die anderen mit der“ Milliardeneinfuhr herum, daß auch dem abgehärteten Kronen-Bürger angst und bange wird und er den Sacharintee — Marke Lindensüß — chemisch untersuchen läßt, ob nicht ein paar Tropfen Valutengift drin enthalten sind. Der Familienvater gebietet seiner Gattin mit strenger Miene in Rücksicht auf das Wohl des Vaterlandes, der Nation, des Erdteiles und des Weltalls, von nun an Punschtorte mit Himbeersaft zu bereiten, was sie holingrinscrtrf r-r-tohL denn das tut sic natürlich «eh©* seit lannem. Kathi. die Hausgehilfin, beeilt sich, da« letzte Weinglas zu zerbrechen, teils damit die Versuchung aus der Welt geschafft Ist, teils aus Patriotismus. Während die politischen Parteien in allen Tonarten: „Jokele, geh’ du voran, du hast die großen Stiefel an“ singen, wenn das Generalalkohölverbot durchgeführt werden soll, hat der Bürgermeister eine große Tat getan und als Erster den Ausschank von geistigen Getränken im gemeinderätlichen Büfett verboten. Manchen verdutzten Stadtvätern ist auf diese Weise die ganze Politik verleidet worden und die Aengstlichen beginnen schon Vorrat anzuhäufen. Die Telephonnummern der großen Weinhandlungen sind unaufhörlich „besetzt“ und die ganz Vorsichtigen trinken sich die .notwendige Bettschwere für ein halbes Jahr im vorhinein an. Wien wartet darauf, daß wir sein werden und kein Wein sein wird. Es wartet mit Eifer — Prosit! Kater Murr. ♦ Die Notlage der Kultusgemeinde. Am 7. d. M. veranstaltete dieZionistisc he Bezirkssektion für den VI, VII. und VHL Bezirk eine Volksversammlung mit der Tagesordnung „Die Not der Kultusgemeinde“ im Saale der Bezirksvertretung für den VI. Bezirk. Der erste Referent Professor F reud, der in letzter Stunde für den verhinderten Gemeinderat Dr. Jakob Ehrlich eingesprungen war, sprach im allgemeinen über die moralische Basis, unserer Kultusgemeinde und leitete ihren Verfall aus ihrer un jüdischen Struktur ab. Als zweiter Redner fungierte Kultusvorsteher Dr. Desider Friedm a n n, der an Hand eingehender Daten nachwies, daß Pessimismus nicht am Platze sei, wenn die Vorschläge der zionistischen Opposition durchgeführt würden; Unter Voraussetzung einer Wahlrechtsreform, die die breiten ostjüdischen Massen für die Gemeinde interessieren würde, wären einige Maßnahmen, wie vernünftige Steuerpolitik, eine kleine Anleihe, Erhöhung der T a x e n, genug, um im Verein mit dem großen realen Besitz der Kultusgemeinde die finanzielle Lage zu' sanieren. Beide Redner fanden großen Beifall. ♦ Kohlennot und Universitätsbibliothek. Von informierter Seite schreibt man uns: Wie wenig geregelt noch die Verhältnisse in Oesterreich sind und wie groß die1 Abhängigkeit ist, in der wir uns vom Ausland befinden, geht wieder aus der Tatsache hervor, daß eine mehrere Tage andauernde Kälte genügt, um den Betrieb in allen unseren' wissenschaftlichen Institutionen stillzulegen. Universität und Jechnik haben ihre Vorlesungen eingestellt, die'Hofbibliothek ist gesperrt und in der Universitätsbibliothek [kann ein eingeschränkter Dienst nur dank der Einsicht der Diener aufrechterhalten werden, an welche die 'Leitung der Bibliothek appelliert hat, um wenigstens den/teilweisen Betrieb in einer öffentlichen Bibliothek zu ermöglichen. Es ist nun nicht so, daß die Betätigung der. studentischen Wißbegier von der Entscheidung der dafür bezahlten Diener abhängt, denn man kann auch amtlichen Organen, namentlich in der Zeit einer Grippeepidemie,.. nicht ex offo zumuten, In ungeheizten Bibliotheksräumen stundenlangen Dienst zii tun. Ein Vergleich mit den studentischen Besuchern, die ja freiwillig kommen, ist auch darum nicht am Platze, weil es diesen freisteht, die Bibliothek ^jederzeit zu verlassen, wenn es ihnen zu kalt geworden ist. '(Der Universitätsbibliothek gebührt sicher für ihren guten Willen alle Anerkennung. Aber es ist kein Zeichen für die besondere Voraussicht der Zentralbehörde, wenn nicht einmal für die für den Betrieb der wissenschaftlichen Anstalten nötige Kohle rechtzeitig Vorsorge getroffen werden konnte. Dieses Sparsystem kann auch die Finanzlage des Staates nicht rechtfertigen!) * Für die nolleigenden jüdischen Wohlfährtsanstalten Wiens* Das seit 1919 wirkende Komitee zur San i e ru-n g - der n o 11 e i d e n d e n Israeli t i s c heu Wohlfahrtsa nstalten Wiens hat sowohl durch Belieferung mit Naturalien als auch, durch-Beisteuer zu den Unterhaltungskosten des israelitischen Gve m e! n d.e s p i t a I s, A 11 e r s v e rs or g u n g s-:; und S i e ch e n ha u s e s, des T, a u b st u ni-m en* und Blinden Instituts wesentlich dazu bdigetragen,. daß diese Anstalten vor der Schließung bewahrt wurden. Die Unterstützung anderer humanitärer Anstalten sowie verschämter Armer ist Aufgabe, des. aus der Mitte des Komitees gegründeten Vereins »W o h I f a h r t“. Angesichts des ungeheuren Steigens der Anforderungen, das in dem Hilferuf der Wiener Kultusgemeinde ein Echo gefunden hat,-sind hilfreiche Freunde unserer verlassenen Kranken und Siechen,- des darbenden Alters sowie der bresthaften Jugend zum Beitritt eingeladen. Beitrittserklärungen und-Spenden jeder Art erbeten an: Komitee zur Sanierung, der notleidenden israelitischen Wohlfahrtsanstalten Wiens; I., Seitenstettengasse 2, Telephon 23-9-13, Pöstsparkassenkorito 146.596, an Herrn Julius Berger, Wien, I., Neutorgasse 12 und-Herrn Karl Schnitzer, Wien, II., Ferdinandsstraße 13. * Israelitischer Taubstummen-Unterstützufigsvereifl Oesterreichs. Am 5. d. M. fand die konstituierende Versammlung des israelitische 11 Taubstummen- U nte rstützüngsvein 0 e st e r r e i c h s statt. Der Proponent. Herr Josef Löwy, der viele Jahre dem Berliner israelitischen Taubstummen verein vorgestanden hat, betonte die Notwendigkeit des Vereins; dessen Aufgabe es ist: die -Unterstützung armer Taubstummer in allen Notfällen, der Witwän und Waisen, ferner die Errichtung eines Taubstummenheims, In der alte erwerbsunfägige Taubstumme Aufnahme finden sollen; außerdem will er seine Tätigkeit . auf die lugend erweitern, um sie durch körperliche und geistige Betätigung fortzubilden. Bei der Vorstandswahl wurde zum ersten Vorsitzenden Herr Josef Löwy gewählt. Beitrittsanmeldungen von ordentlichen und außerordentlichen Mitgliedern nimmt der erste Vorsitzende Herr Josef Löwy, I., Landskrongasse 4, entgegen; Spenden und Zuwendungen sind an den ersten Kassier. Herrn Ilia Fahre r, II., Große Schiffgasse 28, zu richten. * Eine Bittschrift im Parlament. Von der Galerie des Nationalrates wurde am Freitrag von einem Besucher eine Bittschrift in den Saal geworfen. Die Schrift stammt von dem beschäftigungslosen Expedienten W. B., der zurzeit im Hotel Donau, IL, Taborstraße 49, wohnt. Er berichtet, daß er gerichtlich aus seinem Kabinett delogiert wurde, wobei; der Sicherheitswachmann Weber ihn mit einem Revolver bedroht habe’. Er sei obdachtlos und werde nur gnadenweise in dem genannten Hotel ohne Beheizung, Beleuchtung und Bettwäsche geduldet Seine Notlage sei so groß, daß er fürchte, zugrunde zu gehen. Er habe mehrere Nächte im Prater zugebracht, dann v i e r z e h n Tage in einer Mehlkiste und während 48 Stunden sei ein Laib Brot seine einzige Nahrung gewesen. Seit sieben Jahren hätte er sich nicht ein einzigesmal sattgegessen. Er bitte um Hilfe, er sei arbeitswillig, könne aber keinen Posten finden. Er beruft sich auf Regierungsrat Rappaport und Hofrat Frankfurter. * Krankenfürsorge für den Mittelstand. Der Krankenschutz (Operätions- und Tuberkuloseversicherung) hat wegen wesentlicher Erweiterung seines Betriebes seine Bureaus in größere Räumlichkeiten im Hause. IX., Beethovengasse 3, die sich in unmittelbarster Nähe seiner bisherigen Lokalitäten befinden, verlegt. Nunmehrige Telephonnummer 20458. Kanzleistunden ununterbrochen von S bis 0 Uhr, Samstag von 8 bi« 2 Uhr. <? Begräbnisse am heutigen Tage. Alter Fried*! h o f: 9 Uhr 30 Min; Grünwald Fritz, 10 Uhr Huttrer Eugeiiie, .10 Uhr 30. Min. Naschitz Amalie, 11 Uhr Purkel Anna, .11 Uhr 15 Min. Rand Frieda, 11 Uhr 30 Min. Kellermann Hermann, 12 Uhr Altmann Karoline, 12 Uhr 15 Min, Hirschsohn, Philippine,. 12 Uhr 30 ,Min. Roller Karl. — Neuer F.riedbof: 9 Uhr 20 Min. Deiler Antonia, 9 Uhr 40. Min. Nagel Chane, 10 Uhr Offenberg Klara. 10 Uhr. 20. Min. Grünwald Gisela, 10 Uhr 40 Min. Schäfer Jonas, U Uhr . Hahn Nina, 11 Uhr 20 Min. Guttmann Anna, * Freier Handel in Moskau. Wie aus Möskati gemeldet wird, sind dort im freien Handel zahlreiche wären a u s P o 1 e n autgetäucht, unter ariderem Seife und Cchokolade aus Warschau, Knöpfe aus Czenstochau, Tuch aus Lodz, Schnäpse und Liköre aus Posen usw. Eine Tafel Schokolade kostet 45.000 bis 50.000 Rubel, ein Stück Toiletteseife 30.000 bis 35.000 Rubel, eine Flasche Likör 200.000 Rubel, aßiu Paar Stiefel 2lle Millionen Rubel. .Warte, nur balde... ' * Das Winterwetter und die' Verkehrsverhältnisse Ift der Slowakei. Aus der Slowakei schreibt man uns: Starke Schneefälle und heftige Stürme, die den Schnee auf das Geleise fegen, machen' einen klaglosen Verkehr, speziell auf den Nebenstrecken, unmöglich. Mehrstündige Verspätungen oder g ä n z 1 i c h e Einst ellung der Züge auf d-er Hauptstrecke sind an der Tagesordnung. Die Bahnerhaltungssektionen sind bemüht* wenigstens den Schnellzugsverkehr aufrechtzuerhalten,, doch; macht ihnenauch in dieser Beziehung die Kälte einen Strich durch die Rechnung, da. gesprungene Maschinenteils und eingefrorene Lokomotiven bei 20 bis 30 Grad Kälte keine Seltenheit sind. Ira Tat ra g e b i e t herrscht seif gestern ein S t u r m, der durch seine Folgeerscheinungen die Einstellung des Verkehrs auf der Strecke nach Lom nie und K e z mar 0 k nach sich zog. ... * Frankaturzwang für Briefe nach Jugoslawien« Von nun an mti s s e n alle Briefsendungen nach Jugoslawien frankiert werden. Briefe ohne Marken sind an den Absender zurückzustellen oder als unabsendbar zu behandeln. * Strenge Regierungsmaßnahmen gegen die Aradef Adyokätenkatnmer. Aus B u k a r e s.t wird gemeldet: Das Justizministerium hob die Autonomie, der A r(a d e r A d v Ök a t e n lc a m m e r auf, weil sie die Aufnahme von Advokaten aus Altrumänien verweigerte. Mit der Führung der Gerentscfiaft wurde ein Ministerialkommissär betraut; der jedoch sein Amt nicht übernehmen konnte, da der Präsident der Kammer njeht anwesend war. Als der Ministerialkommissär neuerlich im Kammergebäude erschien und die Leitung übernehmen wollte, verweigerten, die Mitglieder und Beamten der Kammer dem Kommissär die Herausgabe der Akten. Der Kommissär sah sich daraufhin veranlaßt/ das Eingreifen der Polizei zu verfügen, worauf die Akten .heräusgegeben wurden. * Zugsunfall. Aus;B 11 däp.est wird berichtet? Laut einer Mitteilung ’ der Stäatsbahridirektion ist; am 10. d. M. der um 15 Uhr- 37 Minuten von Wien kommende Schnellzug Nr. 3 infolge eines Defektes der Westinghouse-Bremse in der Station H e g yesh a 1 o m durchgelaufen Und konnte erst außerhalb der Station, kaum hundert Meter vor dem aufgehaltenen Lastzug Nr. 64; zum Stehen gebracht werden. Eine Untersuchung ist angeordnet worden, * Jüdisches Realgymnasium. Wegen der Grippä entfällt zufolge Erlasses des Landesschulrates der Unterricht bis einschlieslich F r e i t a g den 17. d. M. S o n n« t a g den 19. d. Mr wtrd der Unterricht w i e ff ä F 'a uf*' genommen. * Paten für arme Schulkinder. Mit Bezugnahme auf den veröffentlichten Aufruf der Amerikanischen Kinder- Hilfsaktion hat sich die Firma Brüder Klein „Beka“- Mödling, wie sie uns mitteilt, bereit erklärt, zehn Patenstellen . anzunehmen, und , hat dem Bureau der ' Amerikanischen Kinderhilfsaktiori den' hiefür entfallenden Betrag überwiesen. * Die Stadtbahn fährt nicht, erhöht aber die Tarifs» Die „Staatskorrespondenz“ teilt eine Tariferhöhung auf der Wiener Stadtbahn und der Verbindungsbahn mit. Einzelfahrten kosten statt K 18 K 50, Monatskarten K 2000 statt K 750. * Freigabe des Petroleumverkehrs. Der Minister für Handel und Gewerbe hat die Landesregierungen angewiesen, die gegenwärtig für den Verkehr mit Petroleum im Inland geltenden Einschränkungen außer Kraft zu setzen. Es wird daher für Wien vom 12. F e b r u a r an das von der Oesterreichischen Erdölstelle zugewiesene Petroleum sowohl zu Beleuchtungszwecken als auch zu technischen Zwecken im Wege des freien Einkaufes beschafft werden können. Nur bei den Raffinerien und in den Lagern unterliegt das Petroleum noch der Sperre und wird von der österreichischen Erdölstellq bis auf weiteres in monatlichen Bezirkskontingenten für die einzelnen politischen Bezirke in entsprechend reichlichem Maße freigegeben werden. Gleichzeitig mit der Freigabe des Petroleumverkehrs wird die Bestimmung eines Höchstpreises fallen gelassen. * Sitzungen im Rathaus. Der Stadtsenat hält am Dienstag vormittags eine. Sitzung ab, ' Der Gemeinderat tritt am Freitag um 4 Uhr nachmittags zu einer Sitzung zusammen. ♦ Grippeferien an den Fortbildungsschulen. Der Fortbildungsschulrat hat mit Rücksicht auf die wegen Weiterverbreitung der Grippe verfügte Unterrichtseinstellung an den anderen Anstalten beschlossen, daß an allen öffentlichen allgemeingewerblichen und fachlichen Fortbildungsschulen in Wien mit Ausnahme der genossenschaftlichen Fortbildungsschulen der Unterricht vom 13. bis einschließlich 28- Februar zu entfallen hat. ♦ Die Kosten der tierärztlichen Beschau. Mit 15. d. M. tritt ein neuer Tarif für die Gebühren ein, die für Vornahme der tierärztlichen Beschau von den Bahnbetriebs- und Eisenbahnstationsämtern einzuheben sind. Als Stückgebühr sind zu entrichten: Für Pferde, Esel, Maultiere und Maulesel im Alter von mehr als 6 Wochen K 50, für Rinder und Büffel im Alter von mehr als 6 Wochen K 30, für die vorgenannten*Tiergattungen bis zu 6 Wochen und für Ziegen, Schafe und Schweine K 10 und für Geflügel K1. Für Saugtieire wird irt Begleitung der Muttertiere eine Beschaugebühr nicht eingehoben. Muß der Beschauarzt zur Vornahme der Beschau mehr als eine halbe Stunde über die Zeit, für die er berufen ist, warten, ist er berechtigt, für jede angefangene Stunde K 400 zu berechnen. ♦Wiedereinführungder D-Züge Wien—Ostende. Der Verkehr der D-Züge Wien-Ostbahnhof—Passau—Köln— Ostende mit Anschluß Köln-rHollanü (Wien-Ostbahnhof ab. 7 Uhr 23 Min., Wien-Östbähnhof an 23 Uhr 3 Min.), der wegen des Streiks in Deutschland eingestellt war, wird Montag den 13. d. M.- wieder aufgenommen. ' " ♦ Die Forderungen der Hausbesorger. Gesten» fanden im Rathaus Verhandlungen mit den Hausbesorgern über die Reinigung der,Trottoirs statt. Den Hausbesorgern wurde das geforderte Jahrespauschnle von K 500 für jede Hausfront zugestanden. Bezüglich der Erl,Übung des Reinigungsgeldes in den Häusern wurden Besprechungen 1 mit den Hausbesitzern elnx-eleitet.