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Wiener Morgenzeitung · 1922-02-07 · Heft 1087 (7.2.1922) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1087 (7.2.1922)
Date
1922-02-07
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nf. 1087 /Wien, Dienstag WIENER MÖRGENZEITÜNG 7.Februai 1923 Seite 3 dieser Entscheidung über eine verhältnismäßige Herabsetzung oder Erhöhung der Löhne zu verhandeln. Wenn auf Herabsetzung der Löhne erkannt würde, wären den Bergleuten die Bekleidungsbeiträge gutzuschreiben. Falls die paritätische Kommission finden würde, daß einige Gruben auch unter den neuen Bedingungen passiv arbeiten, würden die betreffenden Gewerke eine allfällige Sanierung vereinbaren. Um 4 Uhr früh wurde gestern in den Gruben des Kladnoer und Kraluper Bezirkes die Arbeit eingestellt. In der Poldihütte in Kladno haben heute 1800 Arbeiter die Arbeit niedergelegt, während 120 weiterarbeiteteh. In R a k o n i t z befinden sich 2000 Arbeiter von 29 Kohlengruben und einer Eisenerzgrube im Ausstand. Prag, 6. Februar. Wie die. Abendblätter melden, besteht in parlamentarischen und Regierungskreisen die Ansicht, daß es gelingen werde, den Streik in einigen Tagen beizulegen. Nach den Blättern sollen die Bahnen für höchstens achtzehn Tage mit Kohlen versorgt sein, die Vorräte der Buschtehrader Bahn sollen nur für sechs Tage reichen. Die internationale. Donaukommission verläßt Budapest. Sitzverlegung nach Preßburg. Budapest, 6. Februar., (Uug. Tel.-Korr.-Bur.) Die Internationale Donaukonimission hat ihren Sitz von Budapest nach Preßburg verlegt. Die Uebersiedlung wird am 7. d. M. beendet sein. Eine Expositur zur Abwicklung der Liquidation wird in Budapest verbleiben. Rumänien. Der Minoritätenminister für die Rechte der Minderheiten. Bukarest, 4. Februar. (Tel. der „Wiener Morgen- Leitung".) Minoritätenminister Z e g r e a erklärte der Agent! e „Rado“: Ich verstehe es, wenn unsere Staatsbürger der Minoritäten in den angeschlossenen Gebietenihre Sprache wahren und ihre Gesuche bei den Behörden in derselben, einbringen. Ich verstehe, sagte der Minister, wenn wir diesen Minoritäten gestatten, sich kulturell im Rahmen unseres Einheitsstaates zu entwickeln, selbstverständlich unter voller 'Berücksichtigung der Interessen des rumänischen Staates. Ich bin für die Erfüllung der natürlichen Rechte der Minoritäten und Wahrung des n a t i o n a len Charakters. Dr. Mayer Ebner—; Kandidat in Czernowitz. Czernowitz, 4. Februar. (Tel. der .„Wiener Morgenzeitung“.) Das Bukowinaer zionistische Landeskomitee hat in seiner am 1. Februar 1. J. stattgefundenen Plenarsitzung der Organisation beschlossen, Dr. Mayer Ebner zum Kandidaten für die Kammer im Wahlbezirk Stadt Czernowitz zu prokla- IHBinilBBBRilHBlRaBBIBBBKBBOaiHISBISBI IBS | Volksversammlung o Die zionistische Sektion für die westlichen Bezirke 2 veranstaltet Heute «tan?• Fefepuar um 8 Uhr u abcnds_ eine Volksversammlung im Saale der « Bezirksvertretung, VI, Amerlingstraße 6. Tagesordnung: Die Hot der Kulhisgemeindc Redner: Kultusvorsteher Dr« D. F fedmann, Gemeinderat Dr» Jak. Ihrllch. 414 BBBBaBBBBBSBBBBBBBBBBI mieren und unter allen Umständen an seiner Kandidatur festzuhalten. Gleichzeitig wurden Richtlinien festgelegt für die Abschließung abfälliger Wahlbündnisse. Es werden programmatische und taktische Forderungen gestellt. Unter allen Umständen erhebt die Judenschaft Anspruch auf das von der Stadtgemeinde zu vergebende Mandat im Senat, Der rumänische Gesandte in Washington über die Lage der Juden in Rumänien, New York, 2. Februar. (Tel. d. „Wiener Morgenzeitung“.) Der rumänische Gesandte in Washington, Fürst B i b e s c o, ein Schwiegersohn des englischen Staatsmannes A s q u i t h, hielt auf einem Bankett des. Verbandes rumänischer Juden in Amerika eine Rede, in der er unter anderem feststellte, daß Rumänien gegenwärtig vor einer neuen Aera stehe, da Bratianus Regierung ein ökonomisches und finanzielles Programm für Jahre hinaus geschaffen habe, welches den Wiederaufbau Rumäniens zum Ziele hat. Er hoffe, daß sich auch die Lage der Juden in Rumänien demgemäß zum Guten ändern werde. Polen. Neue antisemitische Demonstrationen in Warschau. Warschau, 3. Februar. (J. C. B.) Die Gastspiele der jüdischen Säugerin Isa K r e m e r haben neuerdings zu antisemitischen Demonstrationen der polnischen Student e n s c h a f t geführt. Eine Deputation der Studentenschaft forderte das Polizeikommissariat auf, die Kremer unverzüglich aus Polen zu verweisen und den öf fe n11 i c h e n G e b r a u c hder jüdischen Sprache in Warschau zu verbieten. Wie verlautet, hat sich die Polizei bereit erklärt, der ersteren Forderung stattzugeben. Die Wahlkreiseinteilung. Warschau, 4. Februar. (Tel. der „Wiener Morgenzeitung".) Die Subkommission für die Ausarbeitung der Wahlkreiseinteiiung hat bereits ihre Arbeiten beendigt und auch die Wahlkreiseinteiiung für Ostgalizien getroffen. Nach den Vorschlägen dieser Kommission soll Ostgalizien 77 Sejmmandate erhalten. Palästina. Rückkehr Dr. Eders. London, 5. Februar. (J. C. B.) Pie zionistische Exekutive hat mit Rücksicht auf die große Wichtigkeit der ständigen Anwesenheit Dr. Eders in Palästina diesen bewogen, nach Palästina zurückzukehren, um seine Funktionen als Mitglied der zionistischen Exekutive in Palästina bis Ende Juli wieder aufzunehmen. Dr. Eder gab dem Wunsche der Exekutive statt und wird demnächst nach Jerusalem auf seinen Posten zurückkehren. (Dr. Eder hatte, wie bereits gemeldet, infolge gewisser Differenzen mit Ussischkin die Absicht kundgetan, auf seinen Posten zu resignieren. Da Eder die Funktion des politischen Vertreters der zionistischen Exekutive in Jerusalem innehat, erscheint der Exekutive sein Verbleiben in Jerusalem notwendig.) Die jüdische Arbeiterbank. Jerusalem» 4. Februar. (J. C. B.) Bisher wurdest in Palästina selbst 5164 An teile der jüdischen Arbeiterbank verkauft. Den hier eingetroffenen Nach* richten aus Amerika zufolge befindet sich dort die Kampagne zugunsten der Arbeiterbank in günstigem Fortschreiten. Bevorstehende Ankunft Lord Northcliffes. London, 4. Februar. (J. C. B.) Die hiesige Press« meldet die Ankunft Lord Northcliffes in Jerusalem. Die Behörden bereiten ihm zu Ehren einen Empfang im Regierungshaus vor. ° Rundschau. Die italienische Regierungskrise. Rom, 5, Februar. (Tel.-Komp.) G i o 1 i 11 i hat dis ihm am Samstag angebotene Uebernahme der Kabinettsbildung abgelehnt und den Kammerpräsidenten als den geeignetsten Nachfolger Bonomis bezeichnet, Gjolittis Weigerung ist wegen der ihm von den Katholiken angedrohten Opposition endgültig. Kammerpräsideät de Nicola ist noch unschlüssig, obwohl er voraussichtlich günstige Aufnahme finden würde. Sollte auch er abielinen, so würde sich die Krise ungemein verwickeln und dürfte zur Bildung eines Uebergangskabinetts führen. Aus dem Wilnaer Sejm. Wilna, 5. Februar. (Tel. der „Wiener Modenzeitung“.) Die zu erfolgende Deklaration des Sejms enthält außer der historischen Einleitung folgende fünf Hauptthesen: 1. Die Feststellung der Auflösung des staatlichen Zusammenhanges mit Rußland. 2. Die Negierung jedweder Ansprüche vo» Kowno-Litauen an Wilna. 3. Die unbedingte Anerkennung der Zugehörigkeit von Wilna zum polnischer» Staat als dessen integraler Bestandteil. 4. Die Anerkennung der polnischen Staatssouveränität über Wilna. 5. Die Umrisse der Selbstverwaltung für das ENGLISCHE STOFFE Regomnlintel, Herren- und Bamenwäsche, Wolljacken und Jumper, ferner alle Sorten von Chiffon. Web- und leinenwaren. olles erstklassig und billigst im Warenhaus Hei Schiff mann Wien, II.. Taborstraüe 48 Telephon 47-1 »78 En gffo# 1074 En detail Konzerte. •Fast vierzig Jahre ist Josef Marx ailt geworden, bis er seine erste Symphonie vollendete. Noch seinem »Hedbstehor am Pan« schuf er in der Fülle seiner Mmneskraft eine >Herbstsymphoinie«, die i« ihrer reifem Schönheit wie eine pralle Frucht des satten Herbst eis anmutet. Es ist nicht der Herbst Nietzsches, »dietr dias Hertz bricht«, aiutcih ulcfnt der Herbst des Einsamem im »Lied Von der Eirde«, dessen Henz müde ist; es ist vielmehr die Zeit, welche die Ernte langer, fruchtbarer Arbeit eirnheimst rund mit ihren strahlenden Mittagiswiesem und wunderbarem Nä-dhten fast spätsoimmerlich ainmutet. Wie Beethoven in seiner frühlinigsmäßigem (Päistoral-Symphofläe,. bringt auch Marx im seiner Herb'Stsymphomie »mehr Ausdruck: der Emfpfinidumg als Malerei«, umd wenn auch dais Programm« buch die Bilder und Geschehnisse des Werkes erläutert, so ist die Symphonie auch ohme Programm lailis absolute Symphonie verständlich. Das .Baumaterial des Riesenwerkes ist das denkbar einfachste: Von dm'verschiedenen Motiv« yerkittumige« abgesehen, gehen muir zwei inhaltlich verwandte Themen ■ durch das Werk. Sie erizählem in ihrer Komtirastierumg von der Welhraut der Selhinisuidht umd von der Wonne des Glückes umd säind in ihrer Melodik für dein Lyriker Marx kennzeichnend. Gleich ini ersten Satz »Ein Herbst« gesiang« Wirkern die reichem, wechselndem Klänge und die charakteristischem Mischalckorde in dem (Weben der Herbsitwiese ineinander wie die Muster und Färbern eines buintgewebtcn Tepipidhs. Im oTatmz der Mittagisgeister« strahlt hl enden de Mittagssonne, wenn die Geister der Weinberge im südlicher Lebhaftigkeit im Tanze kreisen. Ln den »Hembstgedainken« wird die Stimmung nachdenklich, feiemLich un>d gemessen klingt eis auis der Natur-, und zu Brucknerischer Breite weitet sich 'der ergreifende Ab ge sang. Dar lazte Satz bringt -Eindrücke vom erdrück ander Fülle: Ein wunderbarer H-edbstiraclittraium wird im Tönen gebildet, iTa-uzrhythmem werden ®d wachsen in prachtvollem Steuerungen und wilder Erregung 7A1 einem tauschenden J-ulhelh-yrnnus am, und man erwartet ein rasches, kraftvolles Ende; aber meine Ueberma'schungen brechem herein uirud Ln herbstliche , Müdigkeit klingt die Natur aus. Bei einem Musiker vorn der Individualität jbisef Marx* ist es müßig, Einflüssen mchzusipüren, die in der Zeit liegen. Im dem Reichtum der melodischem Erfindung, imden komplizierten Akkordiürnd Klanfmiischungem, im dem Hang zu Rom-antik umd im der liebevollen Natuinschilderung ist ,clie Symplhomde echtester Ma»rx, seine sönmige 'Lyrik; der Reiz seiner steirischem Heimaterde und Mutter Natur, dar Marx* kindliches Gemüt mabestcht, haben am dem neuem Werke feil. 'Die übergroße Länge, überhitzte Klamghäufumgen, jla ein gewisser U ebers-ch w ang, der in seinem Kraft Überschuß einen Main-geil vom Komferaisten fühlbar worden läßt, gehören ebenso izu Marx* Gesamtbild-wie die meisterhafte Beherrschung der Technik, der Reichtum ah Ideen umd der-poetische Gehalt, die dem hohen Wort des Werkes begründen. Trotz aller Gleichförmigkeit, trotz aller Exzesise der Klamgini-sohumg und der Stirn menhäuf nag, trotz zeitweiligem Uelberwu-dhems der Episoden, erbliche ich im der Symphonie des, Lyrikers durchaus keimen künstlerischen Abstieg, auch keime Kraftüiberspannniing, -sondern einem notwendigen Schritt mach vorwärts, den der ehrliche Künstler aus immerem Drange geihen mußte. —- Mit dieser Uraufführung -haben -die Philharmoniker die erste gewichtige Novität dieser Saison gebracht und sie mit schwungvollem, hinreißendem Vortrag zum Siege geführt. Daran vermochte auch die Opposition einer 'Meinen Minderheit nichts zu ändern, die sich in anhaltendem Zischen und Pfeifen äußerte, ein Novum in dem vornehmen Philharmonischen Konzerten! Gegenüber einem Orchester vom Range der Philharmoniker und einem Dirigenten vom Rhythmen Weingartners darf'man wohl auch vom Publikum den wich tigern Takt erfordern. * Das Z i in b 1 e r-Quairtett, dem die Herren Zimbler, Weiß, Ricger und Sulzer angehören, führt noch immer die sonderbare Bezeichnung »Wiener KninTmcanusiik-Qiuartett«. Im Kleinen. Mns-ikivereinssaale wirkte -seine K-ammork-uirs-t weit günstiger als gelegentlich seines Debüts im kalten Prunkr-aumi des Zeremoniens-a-ales. Apch diesmal hörten wir das B-Dur-Qartett von- Goldmapk, dessen Musik' Zimbler besonders mahestefet, i-u exaktem Zusammen spiel mit dem Ausdruck innigster Empfindung; Die Erstaufführung von J. L. Bellas C-Moli-, Quartett vermittelte die Bekanntschaft mit ded soliden sympathischer Arbeit eines technisch1 wandten Komponisten. ■ ■ Der Udberzähl der Kilatvierkorizerfae vermag diö. Berichterstattung kaum mehr nachzukoinmen, am Dienstag galb es vier Jilamoraibende in den Wiener! Konize-rtsälen: D'A-l-ber t, der Einzige, stürmte itt. Beethovens Sonate op>. m mit wunderbarer vorwärts, auchder holländische Pianist Paul Roes' kennt seinen Beethoven, er erfaßte die A-ppaissionatai in leidenschaftlicher Erregung und bewältigte sic mit 'ansehnlicher Technik. Gabriel Z s i g? mon-dy wind dem dämonischen Wesen "Werkes noch nidhit gerecht, (bemüht sich mehr um dessen technisch« Probleme und fühlt sich weit heimischer beim anmutigen Getändel Dehuissys und Ravels. Eine energische Pianistin ist $teUa W a ü g,; s-ie-freut -sich ihrer Virtuosität und schreckt gelegentlich vor übermäßigen Härten nicht zurück. Die W'olfsohn-Scbülerin Nelly F r i e <di 1 ä n d e r 'spielte, Schumanns G-MollbSonate mit überlegener Sicher-, beit, aius der gleichen Schule kommt die kleine Betty F i sehe r, die sich bereits als Komipon-istin ver-r sucht und durah den frischen Ziuig in ihrem Spiele’ fü-t sich ein nimmt, ’ Die Wiedergabe dcis BeethorvendConizettes durah Alma Moodie ist reinster Genuß. Wir wissen keine Geigerin, die'es mit so viel Seele zum Vortrag bringt. Dr. Artur“ T ads-z gab im Saale der Sezes-t sion sein erstes. Konzert. Die sichere Technik und eine glänzende:Geläufigkeit hat er in den Lehrjahren bei Meister Sevtcik gewonnen, Tonbildung und Ausdruck bedürfen weiterer Vervollkom— Die Stockholmer Sänger Karl Richter . und Greta S öd ermann vereinigten sich zu einem Arien-, abend im Fcstsaal -der Hofburg. Richter besitzt einen biegsamen, -ausdrucksvollen Bariton, dessen Schönheit in -der Mitte-l'lage am ergiebigsten ist, Frau Södermann, einen umfangreichen Sopran-, der stich im Konzerts aal nicht recht zu erwärmen vermag, vielmehr nach dem Bereich der Bühne verlangt. Dr- Erwin F eUheaku

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