Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1087 (7.2.1922)
- Date
- 1922-02-07
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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EiAxeinnmmer K 45 Wien: Zum Abholen in der Expedition,ll.,Taborstr. 1—3, osler ln einer Verschleißstelle (Trafik)' mönstiieh K 1200. Mit Postversand fürWien und Oesterreich monatlich K1200. Tschech o-Slowakei: Motu fronen 20. Ungarn: Monatl. Kronen 120. Jugoslawien: Monatl. Dinar 18. Polen: Monatl. Mark 600. Deutsch* l a n d: Monatlich Mark 25. Frankreich: Monatl. Frcs. 6. wmz Ts«Meit©nSß©wa3i®8 fisch. K 1 Italien: MonatlichvLire 6/ Rumänien: Monatl. Lei 40. Schweiz' und das tibrigej Ausland monatlich Francs 3» Redaktion <u. Administration' Wien II., Taborsträsse 1—3.' Telephone: 44-0-38, 43-3-19/ ab 6 Uhr abends 17-9-33. Telegrammadresse: „Morgen^ zeitung", Wien. , Oesterreichisches Postsparkassenkonto150.693/ Nr. 1087 Wien, Dienstag, 7. Februar 1922 «* mmmmmmmmmmmamnHmmmmammmrnamammmmtmmmmmmmmmmmmimmmmmm 4. Jahrgang Der Papst. —y. Wien, 7. Februar. . ) Nach viertägigem erbitterten Wahlkampf hat das Konklave der jömischrkatholischen Kardinale - mit der Berufung eines Papstes geendet, der durch die Annahme', des Namens Pius zu erkennen gibt, daß er ein politischer Papst sein will, das Oberhaupt einer Wuf die ganze Welt Anspruch erhebenden Gemeinschaft; Wäre sie eine Konfession, eine Vereinigung von Bekehrtem einfer* 4as,,V^Kättnis,- -.:3?wisqheft.- Gott> und.... den Menschen: betreffendenLehre und' nichts weiter, dann wäre . die. Auswahl ihres obersten Leiters eine innere Angelegenheit der katholischen Kirche, über die niemand anderem ein Urteil zusteht. Aber die katholische Kirche ist eine höchst reale Macht und die Art, wie sich.ihr Organismus nach; außenhin repräsentiert* fördert zh jeder Zeit eine klare Stellungnahme, der öffentlichen Kritik. . . . ..... Der konfessionelle Charakter, dendiese Gemeinschaft einstmals besaß, ist längst geschwunden. Sie ist; ein Staat über allen anderen Staaten, will es wenigstens sein und ihr Streben naph dieser allumfassenden Hegenomie hat der Geschichte Europas seit dem Sturz des römischen Kaiserreiches den Stempel gegeben. Oftmals schien die Kirche,, wie sie sich nannte, dieses hohe Ziel zu erreichen und alle Fehlschläge haben sie nicht verhindern können, auf immer neuen Wegen eine Befestigung und Anerkennung ihrer Autorität zu suchen. Sie hat in das innere Leben aller Staaten und aller Völker tief eingegriffen und es gibt keine europäische Nation, deren Entwicklung nicht die scharfen Spuren dfcses Strebens aufzeigen würde. Scheinbar’ nur ist der Widerspruch zwischen .diesem Machtbegehren und den Grundlehren, die das Christentum aus dem Judentum,1 dem es entstammt,.' rein äußerlich übernommen hat. Das Judentum steht als Volk, wie als religiöse Gemeinschaft fest und unbeirrbar auf dem Grundsatz des Friedens, der Gleichberechties ab, im Zusammenleben der Völker sowohl wie der Menschen; es 'verwirft für sich unter allen Umständen die Ausbreitung seiner Glaubenssätze auf andere, es will keine Pröselyteii und Neophiten. Das Judentum ist nur für sich. eine politische Idee, deren Verwirklichung es eben jetzt,’ nach einer zweitausendjährigen qualvollen Zerstreuung, mit politischen Mitteln im ‘ Einvernehmen mit 4%n Völkern und denjenigen Religionsgemeinschaften änstrebt, die irgendwie mit der jüdischen Heimat in psychischer Verbindung stehen. Das. katholische Christentum ist eine über die Erde expansiv wirkende Idee, es ist keine Konfession. Und darin liegt auch der Grund, weshalb es Krieg und Frieden gleich auffaßt: als poetisches Mittel zum Zweck. Sicherlich liegen hierin Größe und eine achtunggebietende Festigkeit. Aber da die Kirche dadurch immer wieder den aufstrebenden Befreiungstendenzen der Völker den Autoritätsglauben entgegenstemmte, entfernte sie sich selbst von der Basis, die ihr die rein angewandte Lehre ihres Stifters vorgezeichnet hatte. Sie wurde eine ausgesprochene Kampforganisation, deren Sicherung und Verankerung in den breiten Massen in einer jahrhundertelangen mühevollen und von einer tiefen Kenntnis der Massenseele zeugenden Methodik durchgeführt wurde. Die Kirche kennt, kein Äbdizieren, kein Entsagen, kein Sichbescheiden. Sie will herrschen und deshalb ist ihre Entwicklung ein ausgesprochener ewiger Krieg, in'dem es keine Bedenklichkeit gibt. Und eines der Mittel, von denen sie jederzeit und, wie die Erfahrung lehrt, mit gutem Erfolg Gebrauch macht, ist der Antisemitismus. Das jüdische Volk ist unter allen Himmelsstrichen das erste und verhaßteste Opfer dieser Expansion gewesen und nichts ist ihm erspart geblieben; was das reiche Arsenal einer über das stärkste Machtmittel, über die menschliche Seele, gebietenden Erfahrung liefern konnte, alles ist am Judentum erprobt worden, dem Volke, dem die Treue zu sich selbst höher steht als alles. Von den Scheiterhaufen, von den Folterkammern der . Inquisition bis zur gewaltsamen Massentaufe, . vom Ritualmord über die. Hostienschändung zum Pogrom, von der Massensuggestion gegen das angeblich geheim und zentral geleitete Judentum — von dem allen ' erzählt die Geschichte des jüdischen Volkes bis zum heutigen Tage und auf dem Wege, den wir jetzt nach unserer Heimat zurücklegen, stellen sich uns wieder die Widerstände des römisch-katholischen.Christentums entgegen. Zu tief ist dies alles in die jüdische Seele geschrieben, alt, daß wir unsere Hoffnung auf ein Nachlassen der Spannung setzen dürfen. Wir können nur uns selbst, unserer Kraft und unserem Idealismus vertrauen. Den christlichen Massen wünschen wir, daß der neue Papst ihnen den Frieden bringen möge. Er hat nach seiner Wahl urbi et orbi den Segen erteilt und m der Hochgewait der Stunde, die mm die höchste Vor einem Generalstreik in Berlin? Kritische Lage der Industrie. — Eine Erklärung der Kommunisten. — Betriebs* einstellung aller Verkehrsmittel* Berlin, 6. Februar. (Tel.-Komp.) Die Entscheidung darüber, ob es in Berlin zum Generalstreik kommen wird, hängt Von der für heute 8 Uhr abends ein-; berufenen Versammlung der Betriebsräte Groß-Berlins lab, in der über die Frage eines Generalstreiks zur Unterstützung der städtischen Arbeiter ein endgültiger Beschluß gefaßt werden soll. Auch bei der Hochbahn findet heute abends eine Abstimmung statt, die über einen eventuellen Sympathiestreik entscheiden soll. Am furchtbarsten zeigt sich die Wirkung des Streiks in den, Krankenhäusern. Der Vorsitzende der Privatkrankenanstalten, Professor Langstein, bittet angesichts der Lebensgefahr für viele Patienten uin Hilfe, da das Leben vieler Kranker in Gefahr sei. Berlin, 6. Februar. Durch das Einsetzen der technischen' Nothilfe ist es heute gelungen, die städtischen Wasserwerke wieder in Betrieb zu s e t z e n. Die Versorgung der Bevölkerung mit Wasser ist in wesentlich beschränktem Maße wieder aufgenommen worden. Dagegen haben die Gaswerke die Lieferung von Gas vollständig e i n s t e 11 e n m ü s s e n. In den städtischen Elektrizitätswerken glaubt man,, mit Hilfe der technischen Nothilfe im Laufe des heutigen Tages den Betrieb wieder aufnehmen zu können. Da ein großer Teil der Berliner Arbeiter und Angestellten wegen des Fehlens der'Verkehrsmittel Würde, die dreifache Tiara, bringt, wohl auch an die sittliche Kraft seines Segens geglaubt. Aber der Papst D^tettz^dDr^MmWDÄWKen^lWt-^arigefangen. und'beschlossen in der ‘Santa casa heiligen ' Registern. Die Stunde, die ihn auf den Thronsessel hebt, endet auch seinen freien Willen» Der Papst gewählt. I Pius XI. Ho m, 6. Februar. (Stefan! ) Kardinal Achille Haiti wurde zum Papst gewählt. Er nahm den Namen Pius XL an. * Der Konklavemarscliall Fürst C h i g i hat an die Agenzia Stefanl folgende Mitteilung gerichtet: Seine Heiligkeit Papst Pius XI. hat unter allen Vorbehalten bezüglich der unverletzlichen Rechte der Kirche und des Heiligen Stuhles, die er nach seinem Eide bekräftigen und verteidigen wird, seinen ersten Segen vom äußeren Balkon auf dem Petersplatz in der besonderen Absicht erteilt, daß dieser Segen nicht nur den auf dem Petersplatz Anwesenden, nicht nur Rom und Italien, sondern allen Nationen und allen Ländern gelten und der ganzen Welt die Verheißung und den Wunsch nach jener allgemeinen Pazifierung überbringen piöge, die alle so heiß ersehnen. * Der neue Papst ist am 31. März 1857 in D e s i o geboren, steht somit im 65. Lebensjahr. Er war Erzbischof von Mailand und wurde im Jahre 1919 als päpstlicher Nuntius nach Polen entsendet. Ratti, ein intimer Freund des belgischen Kardinals M e r c i e r, gilt als Anhänger einer italienisch-französischen Union. Aus Warschau mußte er wegen einer unvorsichtigen Aeußerung über Oberschlesien auf Verlangen der polnischen Regierung äbberufen werden. Um dies zu bemänteln, hat ihm im letzten Konzil Benedikt XV. zum Kardinal ernannt. Das Konklave hat diesmal vier Tage lang gedauert Rußlands Ausgleich mit dem Kapitalismus. Gründung einer Export- und Import- Aktiengesellschaft Moskau, 6. Februar. (Punkspruch.) Das Volkskommissariat für Außenhandel hat eine Handelsgesellschaft unter dem Titel „E r s t e Russische Export- und Import’ A.-G.“ ins Leben gerufen und sich 51 Prozent ihrer Aktien Vorbehalten. Die restlichen 49 Prozent werden den russischen Trusts, Anstalten, Privatpersonen und VoriMsrv. chW KöpMa überlassen« nicht zu ihren Arbeitsstätten gelangen konnte, ist» ein Teil der B e r I i n e r Fabriken gezwungen/ , zu s c h 1 i e ß e n. Auch der Wasser- und Kohlenmangel hat in mehreren Werken bereits zur Ein-. Stellung des Betriebes geführt. Die Großberliner Bäckerinnung und die Brot* fabri kanten haben dem Magistrat mitgeteilt, daß infolge des Eisenbahnerstreiksund des Ausstandes der städtischen Arbeiter die B ro t v ersorgung Berlins zusammenzubrechen drohe.Die Brotfabriken haben keine Kohle mehr. Durch die Stillegung der Wasserversorgung ist die Teigbereitung unmöglich ge-' worden. Wegen Kohlenmangels ist heute morgens der größte Teil der s t ä d t i .s c h e n ' S c h u 1 e n in Großberlin' geschlossen worden. — Sämtliche Theater* affichierungCn wurden verboten, da bei Ausbruch eines Brandes es an Wasser mangeln würde.’ Berlin, 6. Februar. (Intel.) Im Zusammenhang® mit dem Aufrufe des Polizeipräsidenten von Berlin, in dem von der politischen Ausnützung der Streiklag®' durch die Linksradikalen die Rede ist, verbreitet dis bürgerliche Presse Alarmmeldungen über einen' gewaltsamen Sturz der gegenwärtigen' Regierung, der voit den Kommunisten geplant sei. Diese Meldungen entbehren jeder Grundlage, da sich die kommunistische Partei lediglich auf die Unterstützung ..der Streikende» beschränkt und' bisher überhaupt keine politischen Parolen ausgegeben hat Die Konferenz der russischen , ,,,,, Randstasten. Heisingfors, 6. Februar. (Funfepftfcfi.'f' „Husvudstadsbladet“ erfährt, daß die politische Konferenz zwischen Polen, Finnland und den baltischen Staaten am 10. Februar in Warschau eröffnet werden wird. Die finnische Regierung wird durch den Außenminister H o 1 s t i vertretet sein. Die Abrüstung Ungarns. Budapest, 6. Februar. (Nationalversammlung. Ung. Tel.-Korr.-Bur.) Bei Beratung der Novelle zum Gesetze über die Honvedarmee weist Referent Abgeordneter Mozer darauf hin, daß seit dem Inslebentreten des Triaoner Vertrages Ungarn von der Entente fortwährend mit kurzbefristeten Forderungen überhäuft werde. Das Gesetz über die Honvedarmee, das die allgnmeine Dienstpflicht abschaffe und ein durch Anwerbung aufzustellendes Söldnerheer einführe, sei seinerzeit noch im Entwürfe der militärischen Kontrollkommission der Entente vorgelegt worden. Diese Kommission habe ihre Einwendungen erst nach der parlamentarischen Annahme des Gesetzes vorgelegt, so daß die Regierung jetzt gezwungen sei, die von der Entente gewünschten Abänderungen im Wege einer Gesetzesnovelle durchzuführen. Die Annahme dieses Gesetzes, das den Ruin der Nation bezwecke, könne Redner mit gutem Gewissen nicht empfehlen. Er müsse jedoch mit Rücksicht auf die durch den Trianoner Vertrag 'geschaffene Zwangslage um die Votierung ersuchen. Abgeordneter Ludwig S z i 1 a gyi (Oppositioneller) weist den Gesetzentwurf zurück, da er eine Verspottung der nationalen Unabhängigkeit und Souveränität: Ungarns bedeute und das ungarische Nationalheer mit der Vernichtung bedrohe. Er warnt die Entente, ihr Verhalten fortzusetzen. Hiedurch würde in Ungarn nur neue Erbitterung angefacht und das Land zu einen#; die Konsolidierung Mitteleuropas gefährdenden Brandherd werden. Abgeordneter R a s s a y (Oppositioneller) erklärt; daß die gegen die ungarische Wehrmacht gerichteten Verfügungen der Entente eine schwere Bedrohung der inneren Ordnung und Konsolidierung bedeuten. Ministerpräsident Graf B e t h 1 e n 'erklärt, die Lage Ungarns sei durch den Friedensvertrag geschaffen; worden und in dieser Hinsicht teile Ungarn das Schicksal aller besiegten Völker. Daß die Frage der, Abrüstung Ungarns von seiten der großen und kleinen* Entente neuerdings mit vermehrter Energie aufgeworfen worden sei, sei eine Folge des Oktoberputsches. Hauptsächlich die kleine Entente fordere, daß Ungarn ihre Mobilisierungskosten ersetze, und verlange das Recht, sich in die Frage der Abrüstung Ungarns einzumengen. Die Regierung,; erklärte der Ministerpräsident, ist gleichfalls der!