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Wiener Morgenzeitung · 1922-02-04 · Heft 1084 (4.2.1922) · p. Seite 5

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1084 (4.2.1922)
Date
1922-02-04
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 1024 'Wien, Samstag WIENER MORGETOEITUNTT karte mitbrlngen!) Fassungstage: Mitgliedsnummer 1 bis 280 Montag den 6.. 281 bis 560 Dienstag den 7., 561 bis 840 Mittwoch den 8., 841 bis 1100 Donnerstag den 9., 1101 bis 1380 Montag den 13., über 1380 und Nachzügler Dienstag den 14. d. M. Ausgabezeit von 5 bis 8 Uhr nachmittags. Höchstquantum: 5Dosen; Mitglieder mit Kindern bis 6 Jahren erhalten 2 Dosen mehr. Geburtsschein der Kinder mitbringen! ' Bühne und Kunst. Tschaikowsky-Abend. Es war ein glücklicher Gedanke der „Vereinigung Jüdischer Forscher, Schriftsteller und Künstler Haruach“ eine'Auslese der schönsten Werke des großen russischen Komponisten zu einem Tschaikowsky-Abend zusammenzufassen. Opernsängerin Hermine Kittel leitete das Konzert mit der Arie der Pauline aus der Oper „Piquedame“ ein und sang wie stets voll Seelenadel, mit aller Wärme ihres hochkultivierten Organs. Prof. 5. Braslawsky dirigierte das Symphonieorchester: Er ist selbst in Rußland geboren, mit dem Idiom Tschaikowskys wohlvertraut, versteht dessen elementare Wildheit zu entfesseln und in dessen Walzer zärtlich zu schmachten. So wußte er in Tschaikowskys fünfter Symphonie, deren unvergleichliche Wiedergabe durch Artur Nikisch noch frisch in der Erinnerung lebt, durch die Wahrung der großen melodischen Linie, durch die Ursprünglichkeit des Rhythmus und durch den mannigfachen Wechsel des Ausdrucks ebenso zu überzeugen und zu ergreifen wie in der puverture-Phantasie „Romeo und Julia“. Bei der Wiedergabe des brillanten A-Moll Klaviertrios waren in den Herren Professor W o 1 f s c h e, Professor Feist und Stefan Auber, drei Vollblutmusiker an der künstlerischen Arbeit und ein wohlverdienter, stürmischer Erfolg blieb nicht aus. Uraufführungen an reichsdeutschen Bühnen. Eia nachgelassenes Werk Karl H a u p t m a n h s, dem zu Lebzeiten sein Bühnenerfolg gegönnt war, fand in H a:! 1 e sehr günstige Aufnahme. Das Drama „K r i e g“, ein vleraktiges Tedeum, ist 1914 entstanden. Symbolische Tiergestalten verkörpern die Kriegsfurien. Zwei Akte sind von grauenhaften. Kriegsbildern erfüllt. Eine interessante gelungene Figur ist ein spindeldürres, trockenes, spitzfindiges Männchen, der „europäische Rechenmeister“. Aus der Kriegsverwesung wird die Liebe geboren. Die schwierige Inszenierung des Bühnenwerkes ist dem Intendanten Medenwaldt überaus eindrucksvoll gelungen. — Der junge Wiener Dichter Walther E i d 1 i t z, dessen Hölderlin-Tragödie vor zwei Jahren in den Kammerspielen des Deutschen Volkstheaters einen Achtungserfolg .erzielte, hatte an den Kammerspielen in Berlin mit seinem Drama „H e r s t v ö g e I“ Wenig 1 Glück. ■ Einem sterbenden Jüngling, der um Leben und Glück bettelt, gibt die Krankenschwester ihr eigenes Herz, er erwacht zu neuem Leben, und tritt wie ein Götterjüngling unter die blühende, sprühende Jagend. Dem besten Freunde nimmt er die Geliebte und als er ihr untreu wird, hat er der Schwester, die ihm ihr Herz gab, die Treue gebrochen und seine Seele fliegt fort aus der Welt, wie ein Herbstvogel, den seine Schwingen ins südliche Sonnenland tragen. Dem Stückfehlt der dramatische Nerv. Es ließ, trotz der vortrefflichen Aufführung, kalt. Besonders ragte der junge Hans Braüsewetter hervor, der leider seine künstlerische Tätigkeit von Wien (Deutsches Volksth'eater) nach Berlin verlegt hat. — Einen lauten Publikumserfolg erzielte Van der Goltzens historisches Drama „Vater u n d S o h n“, das in Wiesbaden zur Uraufführung gelangte. Es behandelt die Historie des herrischen Friedrich Wilhelms, des verdächtigen Kronprinzen Friedrich, des tragischen Hatte. Shakespeare und das „alte Testament“. Ueber dieses Thema sprach vor einem zahlreichen Auditorium im Rahmen der vom „Jüdischen Museum* veranstalteten Wintervorträge, vom Präsidenten des Kuratoriums Hofrat Dr. F r a n k f u r t e r, warm begrüßt, der. als Shakespeare-Forscher und Kenner des jüdischen Schrifttums rühmlichst bekannten Professor Dr. Leon Kellner, ehemaliger Universitätslehrer in (fczernowitz. Der Vertrag war der Frage gewidmet: Was hat Shakespeare aus der Bibel entnommen, wie hat der Renaissancemensch, der „Heide“ das gesehen, was unsere feibel ist, für ihn das „alte Testament“ war? An Hand eines sorgfältigen gesichteten, beweissicheren Materials beantwortete der Vortragende zunächst die Frage, ob Shakespeare die Bibel aus dem Texte oder aus Auszügen und Familien kannte, und wies nach, daß der Dichter die sogenannte „Genfer-Bibel“ aus dem Jahre 1560 in Händen hatte. Dabei las er aber die Bibel nicht etwa als Puritaner oder aufgeklärter Katholik, sondern ihm, der die ganze Weltliteratur für seine Bildung, die er sich als Autodidakt erwarb, „plünderte“, war auch die Bibel Literatur. Und die Bibel, das heißt vornehmlich das „alte Testament“, beeinflußte ihn, wie kein anderes Buch. Aus allen Büchern der Bibel entlehnt er Bilder und Redewendungen, und manches, was dem Bibelunkundigen Dunkel und unverständlich erscheint, gewinnt neues Leben im Lichte der feibelphrase und der biblischen Vorstellung. Shakespeare, der, wie der Vortragende schließlich angab, die Bibel auch mit Kommentar las, brigt dabei auch Hebraismen, wie „Hohn des Krieges“, „Sohn der Ritterlichkeit“ in seine Sprache, was eben ohne den Einfluß der Bibel in seinem Englisch unverständlich sein müßte. Der Vortrag fand überaus reichen Beifall. Br. ........ Ml ■■ ■ ■>»■■■»■■«II« immm I *■' Freie jüdische VolksbOhne Gastspiel Im Lnstsplelfheater. Ich’ma Jlsruel WS" Das Theater Ist geheizt! TW 4280 Aus den Theatern. V o 1 k s o p e r. Heute „A 7 d a“, mit Fräulein Rantzau in der Titelrolle. Beginn 7 Uhr. An, der Neuen Wiener Bühne werden als Abschiedsvorstellungen .des. Wegener-Gastspiels morgen, 7 Uhr abends „Der Vater“ und Sonntag „Die Raschhoffs“ gegeben. — In der Montag, 7 Uhr abends, stattfindenden Uraufführung des Schauspiels „Tagarin“ von Ivan Grigorijewitsch Renow, übersetzt und bearbeitet von Hans Kottow und Georg Klaaren sind die Rollen wie folgt besetzt: Tagarin — Oskar Beregl als Gast, Katja — Leontine Sagan vom Neuen Schauspielhaus in Frankfurt als Gast, Bereseniew — Dießl, Rodion — H. Kurth, Giene —• Lach, Sadako — Lovric, Wjera — Jank Skoda, Bojko — Schrecket, Fedja — Hendrichs. Spielleiter O. Beregi. Bühnenbilder H. Gorge. Inneneinrichtung, Kunst und Wohnug Lorenz. Im Josefstädtertheater kann Gisela Werbezirk wegen unaufschiebbaren auswärtigen Gastspielverpfiichfungen nur noch an vier Abenden auftreten. Die Künstlerin verabschiedet sich Dienstag den 7. d. M. in ihrer Glanzrolle, in dem Lustspiele „Lili Grün“. Mittwoch und Donnnrstag wird die Komödie „Die Steiner Mädln“ gegeben. Freitag den 10. d. M. ist Premierenabend. Zur Aufführung gelangt die französische Novität „Halbwelt“ („Löternel masculin“), Komödie ln drei Akten von Romain Coelus, für die deutsche Bühne bearbeitet von Robert Blum. Die Hauptrollen werden dargestellt von Josef Jarno, Nore Gregor und Hans Rhoden. Im Wiener Stadtheater wird heute zum ersten Ma'e „T i 11 a“ gegeben (sieben Szenen aus dem Leben eines modernen Weibes von Franz H e r c z e g). Leopoldine Kons t ä n t i n gastiert in der Titelrolle. Die szenischen Entwürfe sind von Architekt Tiberius Arvay. Spielleiter Dr. T. E.- Stelzer. Beginn der Vorstellung pünktlich 7 Uhr. Im Lustspielteater (GastspleI der Freien jüdischen Volksbühne) gelangen heute Dymows „Sch’ma Jisruel“, morgen, 3 Uhr nachmittags, Bimkos „Ganuwim“ (Diebe), ferner '/,8'Uhr abends, Gordlns „Ueberm Ozean“, unter Mitwirkung von Paul Baratoff (Ben Zwi), welcher nach einem kurzen Krankenurlaub seine Spieltätigkeit wieder aufgenommen hat, zur Darstellung. Der weitere Spielplan lautet: Montag„Bertschik“, Dienstag „Ueberm Ozean“, Mittwoch „Tkias Kaf“ (Der Handschlag), Donnerstag „Gott, Mensch und Teufel“, Freitag „Ueberm Ozean“. Im Johann Strauß-Theater gelangt morgen (Sonntag) als Nachmittagsvorstellung „Der Z i g e u n e r p r i m a s“ zur Aufführung. In der R o.l a n d b ü h n e (Jüdische Bühne), II., Praterstraße 25, gelangt heute die Gesangsposse „j a nk a 1 e C h a c a c a“ erstmalig zur Aufführung. Wochenspielplan desBurgth eater. Sonntag, 2 Uhr (außer dem Jahres- und Stammsitz-Abonnement, kein Kartenverkauf) „Der eingebildete Kranke“, „Die Heirat wider Willen“. — 7 Uhr, „Fräulein Julie«'(Jean — Herr Heinrich George als Gast). — Montag, 7 Uhr (bei aufgehobenen Jahres-' und Stammsitz-Abonnement, kein Kartenverkauf) „Fräulein Julie“ (Jean — Herr;Heinrich George als Gast). — Dienstag, 7 Uhr (zu erhöhten Preisen) „Der Kompagnon“ (August Voß — Herr Hugo Thimig als Gast). — Mittwoch, 7. Uhr (zu erhöhten Preisen) „Der eingebildete Kranke", „Die Heirat wider Willen“. — Donnerstag, 7 Uhr (zu erhöhten Preisen) „Das Glas Wasser“. — Freitag, 7 Uhr, „Judith“ (Holofernes — Herr Heinrich George als Gast). — Samstag, lia7 Uhr (zu erhöhten Preisen) „Hamlet". — Sonntag, 2 Uhr (außer dem Jahres- und ' Stammsitz-Abonnement, kein Kartenverkauf) „Der eingebildete Kranke“, „Esther“. — 7 Uhr (zu erhöhten Preisen) „Die Journalisten“. Wochenspielpläa der S t a a t s o p e r. Sonntag, halb 7 Uhr (bei aufgehobenem Jahres- und eingeschränktem Stammsitzabonnement) „Der Rosenkavalier“. (Marschaüin — Frau Barbara Kemp von der Berliner Staatsoper als Gast.) — Montag,. 7 Uhr, „Die verkaufte Braut“. (Kezal — Herr Michael Bohnen als Gast.) — Dienstag, halb 7 Uhr, „Die Hugenotten“. (Margarethe — Fräulein Marie Javor von der Oper in Christiania; Valentine — Fräulein Mafalda Sal.vatlni vom Deutschen Opernhaus in Charlottenburg als Gäste. Mittwoch,; 7 Uhr, „Cavalleria rusticana“. „Der Bajazzo“. — Donnerstag, 7 Uhr (Bei aufgehobenem Jahres- und eingeschränktem Stammsitzabonnement), „Tosca“. (Tosca — Fräulein Mafalda S a 1 v a t i n i vom Deutschen Opernhaus in Charlottenburg; Scarpia — Herr Michael Bohnen als Gäste.) — Freitag, 7 Uhr (bei aufgehobenem Jahres- und eingeschränktem Stammsitzabonnement) „A i d a“. (Aida — Frau Barbara Kemp von der Berliner Staatsoper als Gast). (Im Redoutensaal) 7 Uhr „Figaros Hochzeit“. — Samstag, 7 Uhr „Cosi fan tutte“. Wochenspielplan der Volksoper. Sonntag, ‘/»B Uhr, „Die verkaufte Braut“ (Kezal — Herr Rudolf Bandler als Gast). — Montag, '/,8 Uhr (Kein Kartenverkauf) „Hoffmanns Erzählungen“. — Dienstag, f/a8 Uhr, „Cava'leria rusticana“, hierauf „Der Bajazzo“. — Mittwoch, '/„6 Uhr, „Madame Butterfly". —, Donnerstag, 7 Uhr, „Öthello". — Freitag, (/s8 Uhr, „La Traviata". — Samstag. V28 Uhr, „Die Boheme" (Mimi — Frau G. Soedermann von der Königl. Oper in Stockholm als Gast).. Wochenspielplan des Deutschen Volkstheater. Sonntag, V.ll Uhr, Matinee Ferdinand Raimund. x/.3 Uhr „Einsame Menschen“. 7 Uhr „Lulu“. —. Montag, 7 Uhr, „Die Kreuzeischreiber“. — Dienstag, 7 Uhr, „Lulu“. — Mittwoch, 7 Uhr, „Wienerinnen“. — Donnerstag, 7 Uhr, „Lulu“. — Freitag, 7 Uhr, „Lebendige Stunden“. — Samstag, 7 Uhr, „Lulu“. Wochenspielplan der Kammerspiele. Sonntag, 1/J3 Uhr, „Der Dieb“. 7 Uhr „Der Keuschheitsapostel“. 10 Uhr „Morphium“. — Montag, 7 Uhr, „Untreu“. 10 Uhr „Morphium“. — Dienstag, 7 Uhr, „Der Keuschheitsapostel“. 10 Uhr „Morphium“. — Mittwoch, ‘/t7 Uhr, „Der Kammersänger“, „Tod und Teufel“. 10 Uhr „Morphium“. — Donnerstag, 7 Uhr, „Der Keuscheitsapostel“. 10 Uhr „Morphium“. — Freitag, 7 Uhr, „Untreu“. 10 .Uhr „Morphium“. — Samstag, 7 Uhr, „Der Keuschheitsapostel“. 10 Uhr „Morphium . Wochenspielplan der Neuen Wiener. Bühne. Sonntag letztes Gastspiel Paul Wegener „Die Raschhoffs“. Nachmittags, halb 3 Uhr, „Othello“. — Montag zum ersten Male „Tagarin“ mit Oskar Beregi und Leontine Sagan als Gast. — Ab Dienstag den 7. d. M. täglich „T a g a r i n“. 4. Februar 1922 Seite 5, Wochenspielplan des Raimund-* Theaters. Sonntag, 3 Uhr, „Des Meeres und den Liebe Wellen“. 7 Uhr, „Sumpf“ (Gastspiel Hans Marr)ü (Theatergemeinde, III. Abteilung, 4. Abend). — Montag. 7 Uhr, „Richard III“ (Theatergemeinde, XXL Abteilung.' 4. Abend). — Dienstag, 7 Uhr, „Des Meeres und deri Liebe Wellen“. — Mittwoch, 7 Uhr, „Sumpf“ (Gastspiel Hans Marr), (Theatergemeinde, XI. Abteilung, 4. Abend). — Donnerstag, 7 Uhr, zum ersten Male: „Schluck und Jan* (Gastsniel Hans Marr). — Freitag, 7 Uhr, „Schluck und sau“ (Gastspiel Hans Marr), (Theatergemeinde, XIV. Abteilung, 4. Abend). — Samstag, 3 Uhr, „Des Meeres und der Liebe Wellen“ (Schülervorstellung). 7 Uhr, „Schluck und lau“ (Gastspiel Hans Marr), (Theatergemeinde, XU. Abteilung, 4. Abend). _ Gerichtssaal. Handelsschüler als Räuber. Ein frecher Raubanfall wurde am 15. Juli 1921 von den 18jährigen Handelsschülern Karl Czernik und Franz T e w i n verübt. Die Burschen hatten sich unter einem Vorwände in die Wohnung des Kaufmannes Jakob Israel eingeschlichen, die Hausgehilfin Therese Panninger gefesselt, mit Dolch und Revolver bedroht und einen größeren Geldbetrag sowie wertvolle Schmuckgegenstände geraubt. Czernik und Tewin haben sich vor dem Schwurgerichte unter Vorsitz des pberlandesgerichtsrates Dr. Pohl wegen Raubes und mehrerer Diebstähle, die sie nach dem Raube in Guttenstein verübt haben, zu verantworten. Mit ihnen angeklagt ist dio 18jährige Schneiderin Paula K e r b I e r, eine Nichte des Kaufmannes Israels, wegen Mitschuld arq Diebstahl. Sie hat nämlich den beiden Hauptangeklagten die Wohnung ihres Onkels beschrieben, soll jedoch' der Meinung gewesen sein, die beiden jungen Burschen wollen dort nur einen Diebstahl ausiühren. Die Täter legten ein umfassendes Geständnis ab. Paula K e r b 1 e r hat im Winter 1920 die Bekanntschaft des Czernik gemacht, der sich schon damals mit dem Gedanken trug, ohne Anstrengung zu möglichst viel Geld zu gelangen. Czernik und Tewin stellten nun an die Kerbler und eine ihrer Freundinnen das Ansinnen, sie sollten die Bekanntschaft reicher Herren machen und trachten, daß sie von ihnen in später Stunde nach Hause geleitet werden. Czernik und Tewin werden dann die Begleiter der Mädchen überfallen und berauben. Weiter fragte Czernik wiederholt, ob die Kerbler nicht jemand wüßte, bei dem sich ein „Coup“ lohne. Die beiden Angeklagten führten die Tat in folgender Weise aus: Sie übergaben der Hausgehilfin des Israel ein kleines Paket mit dem Auftrag, es ihrem Dienstgeber auszufolgen und baten um eine Empfangsbestätigung. Das Mädchen ging in das Zimmer, weil die Angeklagten erklärt hatten, die Bestätigung müsse mit Tinte geschrieben sein. Czernik setzte sich an den Schreibtisch, um die Bestätigung auszufertigen, dann, als das Mädchen unterschreiben wollte, bedrohte Czernik die Panninger mit dem Dolche. Tewin sagte, .sie seien Geheimpolizisten und hätten Israel bereits verhaftet. Czernik durchsuchte die Wohnung und fand in einem Kasten: die eiserne Kassette, auf die ihn die Kerbler. besonders aufmerksam gemacht hatte. Therese Panninger wollte flüchten, Czernik versetzte ihr jedoch einen Schlag auf den Kopf. Sie ließ sich nun fesseln und knebeln. Die Burschen raubten 2500 Kronen Bargeld und Schmucksachen im Werte von etwa 250.000 Kronen. Bezeichnend für die Beschuldigten ist, daß sie schon einmal einen gleichartigen Raubanfall in der Wohnung des Fabrikanten Klaubert geplant hatten. Nach diesem Raub verkauften die Täter einigender Schmucksachen. Mit dem Erlös fuhren sie in Gesellschaft der Paula Kerbler zum Sommeraufenthalt nach Gutenstein» Dort verübten sie noch mehrere Diebstähle. Tewin ist nach dem Gutachten der Psychiater psychopathisch minderwertig, sittlich haltlos und infolgedessen leicht beeinflußbar gegenüber verbrecherischen Antrieben. Von einer Sinnesverwirrung zur Zeit der Tat könne aber keine Rede sein, bei Karl Czernik komme eine Geisteskrankheit überhaupt nicht in Frage. Die Angeklagten sind geständig. D as Urteil. Die Geschworenen verneinten bei den Haupt« angeklagten die Schuldfrage auf Raub mit acht Stimmen, erkannten sie aber des Diebstahls durch Gewaltanwendung schuldig unter Annahme der Schadenssumme unter 50.000 Kronen. Die Schuldfrage bei der Paula Kerbler wurde verneint. Auf Grund dieses Verdikts verurteilte der Gerichtshof Karl Czernik und Franz Tewin zu je sie b e,n Monaten schweren Kerkers Paula Kerbler wurde freigesprochen. Auch unter Denkmalschutz stehende Häuser können angefordert werden. Der Verwaltungsgerichtshof unter Vorsitz des Präsidenten Dr. S c h u s t e r hat die Entscheidung gefällt, daß auch die unter Denkmalschutz stehenden Häuser;zu Wohnzwecken angefordert werden k ö n n e n. Die Sektionschefswitwe Luzie Träger- R h o n h o t hätte gegen die Anforderung . des .ihr . gehörigen Sommerhäuschens Hohe Warte .27 im XIX. Bezirk den Einspruch erhoben, der aber vom Mietsenate abgewiesen wurde, weshalb die Beschwerde an den Verwaltungsgerichtshof ergriffe^ wurde, Dre Beschwerdevertreter Dr. Moritz Sternberg machte geltend, das Mietamt sei darüber hinweggegangen, daß dieses mehr als hundert Jahre alte Haus u .n t e t Denkmalschutz steht. Die Ansicht des Mietamtesi daß die Kunstsachen ohneweiters aus der Wohnung entfernt werden könnten, sei nicht stichhältig, weil nicht gesagt werde, wohin sie gegeben werden könnten. el050 in Harren- und Damen-4P < _ fff . IV Qualitäts MDuGn «gUsdsnreifis, MWZM i

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