Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1083 (3.2.1922)
- Date
- 1922-02-03
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 1083' Merk, Freitag WIENER MÖRGENZEITTJN<3" H. Februar 1922 >O<WLV<Il qQ£3R)(B> in Der I, F. C. Barcelona siegt 4:2. 0- Rapi d mußte am l.d.M. durch deti spanischen Meister eine Niederlage in den Kauf nehmen, die dem gezeigten Kräfteverhältnis nicht entsprach. Die Wiener bekundeten nach der Pause eine, glatte Ueberlegenheit, doch gelang es ihnen nicht, den Vorsprung der Gegner züf Gänze aufzuholen. Das Spiel fand nicht im Stadion, sondern auf dem Platze des L F. C. Barcelona statt, wodurch die Einheimischen Von Haus aüs im Vorteil waren. Schon seit Jahren ist es keiner Mannschaft gelungen, den I. F. C. ß a r g e I o n a auf eigenem Plätze zu schlagen. Auch der dänische Klub Bol dfc 1 u b b en 1893, der die Spanier zweimal im Stadion besiegen konnte, wurde auf dem Platze des spanischen Meiters 1:4 geschlagen. Das Spielfeld weist die Maße 50X90 Meter auf, was den Gästen bisher immer zum Verhängnis wurde. Die Spanier verstehen es, wie die Teufel zii Schießen, Und diese Fähigkeit läßt sich auf dem sehr kleinen Platz besonders zur Geltung bringen. Eine technisch hochstehende Kombinationsmannschaft ist auf einem solchen Spielfeld immer im Nachteil. Die Gegner können sich leicht Und rasch vor ihrem Heiligtum massieren, wodurch die Kombinations-Elf keine Lücke zum Durchspielen findet. Der Verein, der das Kick* und Ruschsystem pflegt, ist im Vorteil. Nach allen Berichten sind die Hauptvorzüge der Spanier Temperament, Schnelligkeit, Durchschlagskraft und Schußvermögen. Auf dem kleinen Spielfelde mußten diese Fähigkeiten zum Siege führen. Rapid konnte hingegen seine stärkste Waffe, das genaue Kombinationsspiel nicht entfalten. Ungefähr 20.000 Zuschauer hatten sich zum Treffen der beiden Landesmeister eingefunden. Sie bekamen einen herrlichen und überaus fairen Kampf zu sehen. In der ersten Spielzeit waren die beiden Parteien einander ebenbürtig, doch konnte sich der Tormann Pauler von Rapid mit den ungewohnten Verhältnissen absolut nicht abfindeh. Aus allen Lagen und von aller Entfernung kamen die Bälle auf sein Heiligtum gesaust. Da Pauler überdies Pech hatte, gelangte der I. F. C. Barcelona bis zur Pause mit 4:1 Toren in die Führung. Den Treffer der Wiener buchte Uri d i 1. Nach Seitenwechsel war der Wiener Meister überlegen. Pauler gewann seine Ruhe wieder «und lieferte nun ein hervorragendes Spiel. Die Spanier verteidigten sich mit großer Zähigkeit, so daß der Sj. C. Rapid nur ein Tor durch W o n d r a k aufholen konnte. * Das Spiel wurde von Schiedsrichter Winkler vorzüglich geleitet. Vermutlich ist der Unparteiische mit dem Ex-M. T. K.-Spieler Winkler, der sich derzeit in Z ü r i ch betätigt, identisch. Die besten Spieler der Wiener waren Dietrich, Nietsch, Brand- Städter, Kuthan, Uridii und Wessely. Sämtliche Wiener sind vollkommen wohlauf. Rapid hätte anschließend an die beiden Treffen in Spanien zwei Spiele in der Schweiz austragen sollen. Die beiden letzten Begegnungen wurden nun abgesagt. Es ist aber möglich, daß Rapid sich nach Italien wendet, um dort Spiele auszutragen. Trotz der Niederlage haben die Hütteldorfer den Wiener Fußballsport würdig vertreten und dafür gebührt ihnen der Dank der heimischen Fußballgemeinde. jßdlscher Wochschulspört. ii. Judäa» Öle J u dää ist derzeit der spielstarkste jüdische Hochschulverein. Im Vorjahr gelang es ihr, den Sieg in der Hochschulmeisterschaft des Niederösteiteichischen Fußball-Verbandes mit klarem Vorsprung zii erringen. Im heurigeft Spieljahr war die Judäa aber weniger glücklich, da sie sieh nur an der. III. Stelle placierte, wks aber keinem Hochsehulyerein gelang* das brachte dW Judäa heuer zustande« Hie besiegte nämlich die zätidemischy Sektion des W. A. C., die Zahlreiche ehemalige Spieler der ersteh Mannschaft in ihren Riiihen hät, Sicher mit 5:3 Töfen. Die drei übrigen ji|iSch3akademischen Mannschaften* die als Sektionen den Klubs Hasmoftea, Ka d i mah und Hazair Angeboten, reichen filCht äh die SpiSlStärke der Judäa heran» Kasmonea. . Diese akademische Mannschaft besitzt nur geringe Spielstarke, öbwotil sie' in Freundschaftsspielen zwei SiCge gegen Heros (äkad. Sektion von Hazair) mit 2:0 Toren und Bar' Kochba k o m b. mit 2:1 Tören errahg. Hingegen erlitt Sie in der Meisterschaft durch den W. A.C. und die Katholischen Hochschüler zwei empfindliche Niederlagen. Der akademischen Mannschaft Von Häsmöneä fehlt das Training, ülii erfolgreich den Meisterschafts-Wettbewerb bestehen zu können. Akademische Sektion Heros» Durch dreimalige Fusion Mit Gideon und Hazair hat die Mannschaft an spielstärke gewonnen. Im Jahre 1919 gründeten jüdische Studenten den 8. G. Sparta, der nach seiner ersten Niederlage durch Häsmöneä (6 :6) sich dem 1. 8. C. Heros arischlöß. Das erste Freundschaftsspiel gegen Falke ko ttibiniert sah die'junge Sektion mit 2 :1 Toren siegreich. In der akademischen Meisterschaft war ihr Sieg Über Hasrttöneä acädemiCa (4:0) am bemerkenswertesten. Kadimäh. Die Hochsehtiier dieses Vereins trugen nur ein Wettspiel gegen Heros aus, das sie mit 7:1 Toren verlören» Die Mannschaft ist derzeit noch recht spiel* schwach, aber immerhin vefbesserungsfähig. Jüdischer Sport in der Tschechoslowakei. Gatt Südmähren. Der Gäü Südmähfän hat sieh kürfftch ttn Aufträge des Vorstandes des Jüdischen Füßbäil-Verbandes der Ts häehd-Slöwäkel konstituiert. ßr stand vor keiner leichter! Aufgabe, da er die nach dem Umstürze wie Pilze aus der Urtie geschossenen kleinen Vereine zusammenfassen und «. ein festes Gefüge bringen mußte» Diese Arbeit war umso schwerer, als die kleinen jüdischen Provinzvereine zum Teil -on PerSoneii geleitet Werden, die nicht genügend sportliche Erfahrung besitzen. Vor allem fehlten der Gauleitung Disziplinierüngsmlttel* Um ihre Beschlüsse durchsetzen zu können. Passive Resistenz von seiten kleinerer und größerer Vereine, erschwerten die Arbeiten der Gauleitung. Trotz der intensivsten Tätigkeit kann auch heute noch nicht behaupte1 werden, daß der Apparat, den die Leitung geschaffen, klaglos funktioniert. Der Jüdk die Fußbaii-Verbäüd und mit Ihm die Unterbehöfdfen. sind unter der Führung des Herrn Dr. Egon Stern uüefmüdlieh tätig, um das sportliche Gedeihen aller jüdischen Vereine in die Wege zu leiten. Der Gau Südmähren dürfte ungefähr der größte des Jüdischen Fußball-Verbandes sein. Die bedeutendsten Vereine sind: Mäkkabi-Brünn, Makkabi- Proßnitz und Makkäbi-GÖding» Außer diesen drei Klubs besitzen noch Makkabi-Ltiridenfattfg und Makkabi-Pohrlitz eigene Plätze. Der Jüdische Arbeitersportklub Brünn hat ebenfalls günstige Aussichten, eine eigene Sportanlage zu erwerben. Folgende Vereiritz getiöfeü dem Gäu Südmähren an: Makkabi-Brünn (80 Spieler), Makkabi-Göding (45)j Makkabi- Proßnitz (37), Makkabi-Nikolsburg (33), Makkabi-Hradisch (32), Makkabi-Eibenschütz (26), Makkabi-Lundenburg (25), jüdischer Arbeitet Sportklub-Brünä (24). Makkabi-Ung.- Brod (16)* MakkäbUKostei (16), Makkabi-Pdhriitz (16), Makkabi-Znaitn (16)* Häkoah-TrebitsCft (16)* . Makkabi- Kremsier (ii). Der Gäu SüdmäHren Verfügt demnach über 393 aktive Spieler. Der sportlich bedeutendste Verein ist derMakkäbi- Brünn, der Cs verstanden hat, sich selbst im internationalen Sportgetriebe einen geachteten Namen zu erwerben» Seit dem Ausscheiden des Verdienstvollen Obmannes, Herrn Direktor H ö f f hi ä n ü, der dem Verein große finätizielie Opfer gebracht hat, kämpft dieser Klub mit großen finanziellen Schwierigkeiten. Der intensiven Arbeit des neuen Ausschusses und insbesondere dessen Obmannes Herrn Ingenieur Z e i s e 1 ist es zu danken, daß Makkäbi-Brünn sich langsam wieder erholt. Die finanzielle Unterstützung durch die einheimischen Juden ist zu gering, um dem Verein helfen zu können. Es ist beschämend mittenen zu müssen, daß der Großteil der BrUnner Juden ihr Geld dem BHinner Sportklub zuwendet. Weit besser ist der Makkabi-Proßnitz gestellt,, da die dortigen Juden eine bemerkenswerte Opferffeudigkeft bekunden. Eine stärke ßtütee besitzt der Verein in dem Inhaber der Firma Horow 112. Durch die erfahrene Führung des Kapitäns Fischer-Lustig (früher Hertha, Wien) hat Makkabi-Proßnitz einen gewaltigen sportlichen Aufschwung genommen, so daß er heute selbst für die erstklassigen tschechischen Vereine ein gefürchteter Gegner geworden ist. ' Makkaöi-Göding hat im Hölzitldustrjeilen Herrn Kolm eine wertvolle Stütze» Der Makkabi*Lundenburg Wird in anerkennenswertester Weise von Herrn S p i 12 geleitet. Herr Friedman'n ist die Seels des jüdischen Arbeitersportklubs Brünn. Allen diesen Herfen, die steh um die jüdische Sportbewegung im der TäCheCho-Slowakei so große Verdienste erworben haben, soll auf diesem Wege der Dank abgestattet werden. Rado. Jüdischer Sport in der Schweiz, ßtoe Ricktigsteilung. Wir brächten ln*der Nr. 1Ö?4 unseres Blattes die Mit* telliing, daß die Züricher H a k o a h in den Schweizer Fußball- und Athletikverband ausgenommen wurde. Diese Nachricht ist nic,\t ganz richtig, da die Hakoäh kein Aktivmitglied, Sondern ein Freimitglied des Verbandes geworden ist. Der Schweizer Fußball- und Athletikverband hält alljährlich im füll seine Generalversammlung ab. Bei der letzten GenersVersammlung wurde das Aufnahmsgesuch der Hakoah abgewiesen. Dem Schweizer Fußball- und Athletikverb-nd unterstehen nun Kantonalverbände. Letztere dürfen nur jene Vereine als aktive Mitglieder aufnehmen, die' dem Staätsverbande angehören. Der Kantonalverband Zürich hielt nun am 22. Jänner im Oberlikon seine Delegiertenversämmlung ab und die Hakoah Versuchte nun, trotz des bestehenden Statuts, in die Kantonal Vereinigung zu gelangen. Um dies» •zu ermöglichen, mußte eine Statutenänderung durchgesetzt -werden. Nach einer sehr erregten Debatte gelang es den Freunden der Hakoah, die Satzungsänderung, wonach auch Vereine, die dem Schweizer Fußball- und Athletikverband nicht angehören, in die Züricher Kantonalvereinigung autgenommen Werden können, zu erwirken. Nun kam das Aufnahmsgesuch der Hakoah zur Sprache. Es fanden sicir mehrere Redner, die gegen die Aufnahme polemisierten. Die glänzenden Ausführungen des Vertreters der Hakoah, Dr. Goldenbe.rg, wurden mit. größten Aufmerksamkeit angehört und mit Beifall ausgezeichnet; Die Abstimmung ergab, daß elf Delegierte für die Aufnahme eintraten, 5 Delegierte sich dagegen erklärten, und 1 Delegierter sich der Stimme enthielt. Dadurch wurde die Hakoah Aktivmitglied des Kantonalverbandes Zürich. Dex Vorteil, der diesem Verein daraus erwächst, ist>folgender: Vor allem ist er automatisch Freimitglied des Stäatsverf bandes geworden. Der Ausdruck Freimitglied dürfte mit dem\bei uns üblichen Namen Schützverein identisch seia Die Aufnahme als3 Aktivmitglied in den Schweizer Fußball« und Athletikverbahd ist jetzt nur mehr eine Frage defi( Zeit. Hoffentlich gelingt es der Hakoah, den Nachweis ihrew Existenzmöglichkeit zu erbringen, so daß sie bei detf nächsten Generalversammlung im August ordentliche^ Mitglied des Staatsverbandes wird. Die Hakoah ist weitert! nun berechtigt, an den Becherspielen, die Mitte Februar^ beginnen, teilzunehmen, außerdem hät sie das Rech# Freundschaftsspiele mit allen Vereinen auszutragen* Jüdische Turn- und Sportbewegung ittr Rußland. «J" Jahre hindurch war von der Jüdischen TurnerschäftÄ| Westeuropas, die, körperliche Regeneration der jüdische« Jugend Rußlands propagiert worden. Dem körperlichen Verfall der russischen luden, hervorgerufen durch die Zusammenpferchühg auf engem Rahm Und der einseitige«, geistigen Erziehung des Cheders und der jeschiwah, mußte unbedingt entgegengearbeitet.werden. Die FrühjahrsrevoH lution des Jahres 1917, die die Ghettomauern des russischen Judentums nietiefriß, brachte tief jüdischen Jugend Rußlands die Erfüllung langgehegter Träume. Die Jugend war sich der großen Aufgaben gewußt, die ihrer harrten, und sie wollte gerüstet und stark in die Reihän äCrKäriipfer für dää neue jüdische Volkswohl eintreten. Der Weg war den jungen russischen Juden durch das Beispiel tief Westeuropäische^ Brüder bereits Vörgezeichtidh In Rußland «schenkte man der Pflege der Körperkültun noch wenig Beachtung* obwohl äußere Einflüsse sic» geltend machteii. Tschechische Sökoln Waren bemüht, das Türhen nach dem SokolsySteih in Rußland eihztiführenj! ohne äber eine durchgreifende Wirkung auf die russischen^ Volksmassen erzielen zü können. In deh Küsteristädten! wurde von Matrosen Öef Sport eingeführt und auch än den finnischen Grenze wurde .die Leibesübung von den sport4 lieh hochstehenden Finnen propagiert. Aber auch der Spörfj vom Wintersport abgesehen, koithte die Russen niehf[ erfassen. Unter diesen. Verhältnissen bildeten die jüdisch körperlichen Bestreburigeh eine eigenartige Erscheinung, In manchen kleinen Provihzstädten gab die Sportbetätigun der Juden Anläß zür Entwicklung des russischen Sports. Die jüdische Turnüild Sportbewegung Rüßlan nahm ihren Ausgangspunkt Von Odessa. In dies Hafenstadt gab es eine Anzähl von Sportvereinen, welchen auch Juden sich betätigten. Diese jüdischen Sport! vereinigten sich im Frühjahr 1917 zii einem jüdische Sportklub Makkabi, der. mit einer Fußballsektion eröffne wurde. Der neugegründete Sportklub entwickelte sich rase; nahm an Umfang bald bedeutend zü und gründete neu Sektionen für Wassersport, Lelchtäthibtlk, Wandern usw. Schließlich Wurde auch eine Turhsektioh näch Sokolmusted ins Leben gerufen, welche obligat für die Mitglieder allen anderen Sektionen war. Diese eigenartige Organisation, dia eine Vereinheitlichung der jüdischen körperlichen Be-j Strebungen ermöglichte, Wurde typisch äüch für die anderen jüdischen Sportvereine Rußlands. Däs Beispiel ühd die Propadäritia der Ödessaer durch Wärtderschautürnen uhd Sportliche Verführungen hatten Gründungen von Makkabi - Vereinen auch in anderen Städten Rüßiarids 2tlf Folge. Züörst eritstahdeh ih de» Hauptstädten Fetfogfäd ühd Moskau jüdische! Sportklubs, darin folgten auch die Provirizstädte mit grÖßCfetj jüdischer Bevölkerung. Wo es nicht anders ähging, wurde! .STADION : SPORTWAREN GES. M. B. H. (Mitinhaber i Artur Bear) Eigene Werkstätten: Wien, II», Wohlimithstraße 19—21 Hauptniederlsge: Wien, II., Franzensbriickenstraße 24 Telephon 47-3-12 9379 En proe En detail Export Beste Einfcaufsquelle für Wiederverkauf er!