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Wiener Morgenzeitung · 1922-02-03 · Heft 1083 (3.2.1922) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1083 (3.2.1922)
Date
1922-02-03
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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einxeffluminer k ss Wien: Zum Abholen in der Expedition, II.,Taborstr. 1—3, oder in einer Verschleißstelle (Trafik) monatlich K 1200. MitPostversand fürWien und Oesterreich monatlich Kl200. ir«rr fschecho-Slowakei: Mon. Krönen 20. Ungarn: Monatl. Kronen 120. Jugoslawien: Monatl.' Dinar 18. Polen: Monatl. Mark 600. Deutschland: Monatlich Mark 25. Frankreich: Monatl. Frcs. 6. ftseh. sr 1 Italien: Monatlich Lire 6, Rumänien: Monatl. Lei 40. Schweiz und das .übrige Ausland monatlieh Francs 3. Redaktion u. Administration Wien II., Taborsträsse 1—3. Telephone: 44-Ö-38, 43-3-19, ab 6 Uhr abends, 17-9-33. Telegrammadresse: »Morgenzeitung“, Wien. Oesterreichlsches Postsparkassenkonto,150^9^ Nr. 1083 Wien, Freitag, 3. Februar 1922 4. Jahrgang S ---' — -:-' n im in ■11—111 i Konferenzen zum Konklave. | —y. Wien, 3. Februar. I Die herannahehde Weltwirtschaftskonferenz von I Genua Jhat zu einem internen Gedankenaustausch der führenden Großmächte Anlaß gegeben. Es soll das Verhahdlungsgebiet abgesteckt' und eine Meinungseinheitlichkeit zwischen den Staaten hergestellt werden, deren Interessen einander auf fast allen Punkten Europas und Asiens: kreuzen. Die Verhandlungen ' Werden besonders intensiv zwischen den Regierungen Frankreichs und Englands geführt und betreffen zunächst das Verhältnis dieser beiden Staaten in bezug auf die Liquidation der Türkei. -In einer- Orientkönferehz soll versucht werden, in dieser Frage Klarheit zu schaffen. Es handelt sich zunächst um das von der Regierung Briand abgeschlossene Uebereinkonimen mit Kemal Pascha, das die von den französischen Truppen -besetzten zilizischen Gebiete wieder an die türkischen Nationalisten zurückgab, aber eine Reihe anderer Fragen offen ließ und dadurch die von England ^favorisierten griechischen Ansprüche auf Smyrna empfindlich störte. * Dieses Abkommen, dessen Geschichte reichlich unklar ist, hat in England starken Widerspfueh .erregt und zu’einer Pressefehde Anlaß gegeben, in deren Verlauf sich auch Italien zu Worte meldete und sich als Anwärter auf kleinasiatisches Gebiet präsentierte/ Durch die inzwischen erfolgte Räumung ZHizieris seitens der französischen Truppen ist eine'vollzogene Tatsache geschaffen worden, die mit dem Vertrag von Sevres in Uebereinstimmüng gebracht werden muß. Die Orientkonferenz ist inzwischen um : eine Woche verschoben worden. Dies wird , mit den Schwierigkeiten der Materie erklärt, was aber, wohl kein ausreichender. Grund sein' kann. Denn zurr Beseitigung dieses Konflikts ist .doch die Konferenz angesetzt worden. Man wird wohl das hauptsächlichste Motiv; für das Zuwarten der;V/estmächte in der in Rom zusämmengefunden haben, Ijas Papstluni 'ist * im Orient, eine politische Mächt,: deren 'Einfluß für jeden europäischen . Interessentensehr schwerins Gewicht fällt Die französische Politik, die sich vor dem Krieg zu einer spharfen Stellungnahme gegen che innerpolitische Propaganda : des: Vatikan; yer-! anlaßt sah, hat »seither ihre /Haltung revidiert Sie honorierte damit die diplomatische Unterstützung des Vatikans, der sich unter dem RampoUa-Schüler Benedikt XV. auf die Seite der Entente gestellt hatte. Die Kirchengesetze wurden in Frankreich teils nicht ausgeführt teils stillschweigend abgeändert. Die Kurie ihrerseits vergalt dies mit einer Unterstützung aller französischen Protektoratsaspirationen im Orient Das Resultat der Papstwahl würde also in dem Kalkül der Großmächte eine sehr bedeutende: Rolle spielen.. Die strengen Absperrungsmaßnahmen des Konklave haben eine Einflußnahme von außen noch nie verhindert und es ist artzunehmen, daß die weltpolitischen Probleme auch in die. von den Schweizer Garden behütete Klausur der Kardinäle ihren Eingang finden. Für , England ist der inzwischen abgeschlossene Frieden mit Irland auch nach dieser Richtung hin von Wert; . Außer der Orientfrage' beherrscht « das große russische und das etwas geringere österreichische Problem die Stunde. Rußland ist geneigt, sich der europäischen Auffassung Englands zu nähern. Dies geschieht unter dem Druck der Hungerkatastrophe, die sich durch die Isolierung Rußlands zu grauenhaften Dimensionen entwickelt hat Tschitscherin setzt viel Hoffnungen in die direkte Aussprache mit den europäischen Mächten, scheint aber damit ziemlich vereinzelt zu sein, da Lenin nicht nach Genua reisen will Ueber Oesterreichs Hilferuf wird verhandelt und man neigt allgemein einer optimistischen Auffassung zu. Jedenfalls beschäftigt man sich wieder mit Oesterreich, das durch die Ratifizierung des Lanaer Vertrages, noch mehr aber durch den glücklichen Ablauf , der letzten Regierungskrise, viel dazu beigetragen hat, als Ordnungselement gewertet zu werden. Die Behandlung aller dieser Fragen durch die Großmächte geschieht in einem Tempo, das durch die drängende Entwicklung. beschwingt wird. Man ist auf dem Weg, der geradlinig zur Revision des Diktatfriedens führt. Der ostkarelische Konflikt. Helsingfors, 2. Februar. (Wolff.) Aus Reval wird gemeldet, daß der estländische Gesandte in Moskau am Montag eine Note überreicht hat,;in der die estländische Regierung der Sowjetregierung ihre Vermittlung zur Prüfung der ostkarelischen Frage im Völkerbundrat anbietet Marschall Yamagata gestorben. Paris, 2. Februar. (Havas.) Das „Journal“ erfährt äus Tokio, daß Prinz Yamagata gestorben Ist Kein Aufschub der Konferenz von Genua. Zusammentritt am 8. März. London,- 2. Februar. ' Dals Renirtersdhie Bureau erfährt: zu den versiohtedenen Gerüchten über diic Konferenz van Genua, daß, soweit die britischen und i,fca-,.iien<i'sc'hen Kreise unterrichtet seien, eiine Versohiebiang n i c fh-.t erwogen wende. Man erwarte zuiversichitflidh, -daß die Konferenz, wie uiiisiprünglidli vereinbart wurde, am 8. März begiminein wetrd<e. Die Konferenz wende aller Wahnscheiolicihikerft: «eich zwei biis drei Wochen dauern. ' *'■ Paris, 2. Februar. (Haivas.) Ajmiti&dheirtseiits wird gegenwärtig troftlz der Ein wände - meibrärer Regie-, nungen kein Aufschub dter Konferenz' vom Genua ins Auge gefaßt. Die fratnizöaisobe Regierung ist damit beschäftigt,- die Lac»h ver‘S än d iige n zu bestimmen, die dfie vorherige Prüfling dies- Konferenizprogramms vornehmen stalßiem . Paris, 2. Februar. Maircel Hu«fcitn berichtet im »Echo de Baris«,'? oincare foeafeidhibige mit einer Reibe von Parsömlifcihkeitetn. diiie hbiuiMäeÄidhiste!» F ragen zu besprechen, die auf dfer Tlatgeisordlnunig detj Konferenz von Gdnuia st eben-. Freitag vormittags werde der P r ä s i d e n t der Republik miii ■ Pciüioare, Bourgeois und Viviani eine Unterredung! haben, bei der wahrscheinlich die von. den bollsdhe-1 wikischen Delegiertem zu1, v e r 1 a n» gen d e o G a* ‘rant i en werden bdmndd't. werden. Man. wende' wohLauioh über Maßnahmen sdhlüs'sdg werden!, diamK die große Debatte, wie eie Lloyd George für Gen*uai: vorgesehen habe, wicht irgendwie auf eine Revision! des Vorsaiiller Vertrages übeirgreiife. Es seien dies die beiden Hauptfrage n, überdlie sich Bramle-* reich und Engliainid ints Einvernahmen ©atzen werden^ bevor sie mach Genua geben. Paris, 2.-Februar. (Wolff.) Die f ranzosi-» ©cbe Regierung hat gestern'dem iitafläeniischeai Minösterpräsidenten offiziell -mitgeteilt, daß sie Einiaidtutng zur Konferenz von Genua anmiebinie, j 1 Das Marineabkoftimen genehmigt. — Regelung der Schantung-Frage. — Festsetzung der Kampftonnage. Washington, 2. Februisr. -(W<chf^).. .Iy ..dyr.KGriri-. ^ge». - -die .versichiiodienen-auf Cbin-a be-züglüiclh'M Resolüti-on'On' arttzen omm en. Das ,‘Ma r Ln\e. aJb’k o mt.-m e n . wunde ebenfalls von. den : Vertretern' dfer: fünf; betei- 'kgiten<■ Gnoßmächte angenotnme«, ebenso eine : Erklärung, in dleir diie Mächte Ohiina auffardem-, dlie -Effektivstärke seiiber; Truippen beirabtzassetzen,- sowie ■ •dfie Resoi'Ulöioin, die stich auf die Ve raffen t- >!' ich U m g dler von aufswärtigeii Na/täicnem mdlt Ghiina beziethu'ngsweiise über. Gh'ima abgeschlossenen' Ver-- träge aUisispiriidbt. Sta-atsseknetär Hugbes machte unter großem Bei fall die Mitteilung, daß dlie Schan tun g- Frage geregelt sei. Er enkilärtie, Jiaipiam wende, sobald es ihm möglichsei, K iautschau an Ghina zurückgeben. Oitina wird Japan eine angemessene Summe für die Ueibetrgalbe -dtes öffentlichen E:gen;tu>m© zalhll-en.. Die ' Steuieireinniahmen xim Tsingtau geihiem wieder auf Ghiina über. Die Eisenbahn Tsingtau—Tsmamfu emhällt Ghina zurück, das den Preis hiiiefür in dhijntesdisdien •ShhatztainiWeisungen zaHikn wird: China wind dien ijiapaini&dben intdüisit'nelleiii im Gebiet von Schaniöuing seanieni Schutz angedeihen 'iiaissen, B al f our teilte mit, daß Grioßbuütainnien' 'beßbsiöhtige, diais Gebiet von W e ib a i w e % döis China an Gnoßbritannien als Gegengewicht gegen das in ntßsaifeiaber Halnick befimdiricÖe Bott' ÄkRülM ÄHsOWStzS LmÄe,'-an GLrihia znfückizüjge'den», " ' -•v-’V4r«—. Washington, 2. Februar. (Hialvatei.) Die - fünf . interesisierten Mächte höben dien Vertrag, «betreffend die E in sehr än ik«uh g d«er S'eerüe'tunig e genehmigt. Der Vertrag zähllt dlie Einheiten enstcr, Klöisste '.auf, die jede-Macht ibehalftien wiridi. Damachl behält Amerika 500.650, England 580.540, Fnanlk«? reich 221.170,. Italien 182.800 und' Japan 301.32O Tonniem. Sobald dler Vertrag zur Durchführung ge-« langt, werden die übrigen Einheiten erster IQlaisise; auisran-giert werden. Hdntsiicihftliich' dler Ersatz-» b.aute 11 verpflichftten1 sieih Grofibriltönniien' und) düä Vereinigten Staaten, dlie Tonnage -auf 525.000 Ton» nen eiin'zutschrän'ken!, während Jatpan eiie auf 315.000? und Frankreich und' Italien aiuf je 170.000 Tonnen! ibeistcihränlken werden. Keine Einheit. dler ersten) Klaisise wird Geschütze «von mehr allls 16 Zoll Kailiiberl führen; dlie übrigen Einheiten werden auf 8 Zoll ICailölber ibesdhränikit. Der Vertrag eautflnä/Mt ferner das Aiblktommen, betreffend die Befestigungen der paizi-i fischen Inseln. Er ward'biis zum 31. D ezeniibeit 1936 in G e 11 u n g s e i n und- «dann stiilltsdhiweiigend erneuert werd'en. Jene Macht, <Ne <Jlss Außerfkuafb* treten des Vertrages verlangt, muß ihn zwei Jahre vorher kündigen; dier Vertrag würdle noch zwei! Jahre nach der Kündigung in Kraft bleiben». Brief aus Estland. (Von unserem Rigaer Korrespondenten.) Estland, das Nachbarland von Lettland, zählt heute ..zu den kleinsten «jüdischen Zentren in Osteuropa. Die jüdische Bevölkerung zählt im ganzen 6000 bis 7000 Seelen. Bekanntlich gehörte Estland i«m alten Rußland m jenen Prtovinizm, -wohin den Juden jedwede Einwanderung verboten war. Die in Estland, geborenen Juden umfassen kaum .tausend Seelen, die übrigen sind erst zur Kriegsizeit, und zwar nach der russischen Revolution in? Jahre 1917, dorthin eingewandert. Nach der Entstehung der e&tlänidischen Republik begann, die Regierung die Frage der. Naturalisation zubdiandelnh. ln dieser Hinsicht hatte die jüdische Bevölkerung eine ganze Reihe von Kämpfen zu «bestehen, um: die Einbürgerung der in den letzten Jahren. eingew-amderten, Juden durahizuiführen. Dieser Kampf war um so schwieriger, als die Juden im estnischen Parlament, ihrer kleinen Anizahl zufolge, keine Vertreter besitzen und nur auf- Interventionen der GemeindeVorsteher bei den verschiedensten Regierurngsistelien angewiesen waren. In der Frage ihrer Einbürgerung ist in den letzten Monaten eine Besserung eingetreten und es ist zu hoffen, daß die estnische Regierung durchweg» alle in Estland zur Zeit der Bildung der Republik wohnhaften Juden Als estnische Staatsbürger anerkennen wind» Die Judenschaft Estlands ist zumeist m der» rwea Städten, Reval und Dor»pat, kon'zen»triert,. wc( sie auch eigene Gemeinden auf nationaler Grundlage gebildet hat. Die ökonomische Lage der estnischen' Juden ist im Venhäl'tniis zu der der litauischen und lettischen Judenheiit besonders gut. Insbesondere ist die jüdische Gemeinde in Reval in dieser Hinsicht glücklich, da sie auf 402 jüdische Familien 400 wohl-« habende zählt. Die Reval er Judenheiit spielt im ge** genwärtigen Tramsithändel miit Rußland eine ibesootdbrs große Rolle, da sie fast den ganzen Hand«el mim Rußland vermittelt. Nicht minder gruit ist auch! die Lage der Donpaiteir Juidenheit. In dieser Univetw sitätsistadt ist zumeist die jüdische Intelligenz konzentriert, wo amcih eine starke Jugendbewegung pub« siert. In nation«a!er Hinsicht ist die estnische Juden* heit vor allem bestrebt, ihre GemeindeonganisaitiotH auf dem.olkraitisich«er und nationaler Grundlage aus* zubauen. Voar kurzer Zeit fand -hier auch eine jü'cki* sehe G e m e i n d e t a g u n g statt» die die Konsoli* dnerung der jüdiischen Gemeinden duirchgeführt -und an die Spitze der Gemeiindeorganiisatnon einen' iNuL« tionalrat gestelit hat. . Die jüdischen Ge einden, die sinen besonders gut funktionierenden Steuerapparat besitzen, treten) gegenwärtig an den Ausbau ihres Sohivlwesens «und ihrer sozialen Insti'tuticuen heran. In Reval hat die jüdische Gemeinde vor kurzem in einem eigenem 1 Heim ein jüdisches Gy mnasium «richtet»

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