Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1081 (1.2.1922)
- Date
- 1922-02-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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rinzeiinummer K 45 Wien: Zum Abholen in der I'.Spedition,' l!.,Taborstr. 1—3, Her in einerY'erschlefßstelle (Trafik) monatlich K 1200. --—>- 1 Mit Postversand f iirWien und Oesterreich monatlich K1200. irner Ts'ch ecliö-Slowakei: Mon. KVoneu ^Q. Ungarn: Monat).. Kronen 120: [ugoslawieiK Monat).' Dinar 18. P o I e n: Mönatl. Mark 600. Deutschland:. .Monatlich Mark .25.; Fr a n kr ei c h: Monat). Frcs. 6. Nr. 1081 föcheefto-Sfowataaff tsch. K 1 Italien: Monatlich Lire 6. Rumänien: Monat!. Lei 40.’ Schweiz und das übrige, Ausland monatlich Francs 3j Redaktion u. Administration; Wien II., Taborstrasse. 1—L! Telephone: 44-0-38, 43-3-19/ ab 6 Uhr abends 17-9-33.- Teiegrammadresse: „Morgenzeitung“, Wien. Oesterreichisches Postsparkassenkonto 150.693,“ Wien, Mittwoch, 1. Februar 1922 4. Jahrgang Fschecho-slowakische Innen- . ■ —r. Prag, 30. Jänper. . . , Programmgemäß wurde imde«* Vorwoche die H-eirbstse&S'ion des Abgeordtnetenteuises g-esahloissem.; So', wie im der letztem; SiHtotnrig .dar 'vorjährigem Session numultöse . Szenen den AbscMiuß wirksamer machten, .so war es afu»ah--|diie-sindl. ‘ Der detfltsahhiä'tiibiral-e Abgeordnete Dti. B aerr a. b .A- «man kennt’ ihn anreb in'Wien — hat eine -von dsnK'omMnmiiste g’bleiterte Aktion ’ mit . einem' Si'inklbdmbeii'WU'rf' beendet seitnen- Werit ais-Politiiker erwiesen. Er wundie -von sei-n-eo ,Western . Parteigenossen .,-iim Stiche gslastzen-,. vD-n^ der Natifin-afvyosam'ml'un'g; dem Lamdesg.erichtim Prag«übt; Strafverfolgung wegen des Veflbtreidhenjs demGefühndumg dar körnperlidhen SiMeHiM Äe>igtzg'sbe>n.: Dämüt ’ ist •Bäenan-/f%j-die'* ZHWM ' erledigt. 5vlfanidiatis»mrliuist,: Verlu-st'• ©einer Bealntetistelilie' bei ''dem' Staatsbaibden, Ende feiner politisdien Kärietre: Das ‘.'.©ihd die 'Re-siülta«6e ©einergeräuischvoMen 'poliitis,ohm ''T-ät'iigik!eit. Niemand.' besagt seinen- Abgang. N’idh.t. eipraal die B&dfcs^haatiomalem). Und das ist das bemerkenswerteste an der ganzen Episode, dtaß die Partei, deren .Vorsitzender Dr. L od g main ist nmdi deren Vizepräsident Bä-eran. (man darf -schon sagen-) war,: von ihm so offen aibrüdkte. ' :; Der ‘Rjaidikailismuis der: D,e»ts^m>ati(>nälen .wurde vom ihnen immer mit dem• RadikalIsmus ihrer Wähler 'begründet.. Wenn- -jetzt der'.Radikalste' wegen Radikaliisrnwits politisch tot gemacht wird1, so ist-das ein Beweis dafür, diaß die Wählerschaft gar nicht so extrem ist, wie es die Herren gernnS'hätten. .Es, ii?t kein'Zweifel vorhanden: Die deutsche Bevölkenuing, die im der .Revodu/tiiotisberiodie . vielleicht ’’sf.evor luitiomärer.. Politik. geneigt wax/bMMkdfyd. ü-pi- . HU^derÄsMen'z'PhdmstoieRem, die Känf leute, die BadtzE'Md die AnbEitLr reehmen mit den Veiihäl tihissöri«. . Es" itzt den deutschen' Politikern nicht gelungen-, die deutsche Bevölkerung fuir die .Danrer bati, radilöaH'sJe'r'en. Die Deuitsch-en waren1' MiWuMeirte dang die . Herrschenden/ .sie waren eine.staatstreue Politik gewöhnt. Nach dieni. Umsturz wurden sie .Minorität, mußten, erst zur Mi- .nicnritäiten.poHtilk erzogen wenden;',. Hier halben „die Fehler der.deutschen Politiker eingei&etzt., Lie'begannen gleich mit'den extr-emsteri.MiEehl'.zu operieren» .waren gewissenlos inder, Wahl ihrer Taktik und erreichten während der drei, Jahreihrer’ Politik gar niichts, Die Erfolglosigkeit hat der nüchternen Auffassung Raum“ gegeben und' heute i kann', man iieobachitep, daß gewisse Kreise‘der deutschem Bevölkerung die Frage der Teilnahme.der Deutisdien am dar Regierung schon eifrig diDMeren. . , ' Rathenau ernannt. Berlin, 31. Jänner. (Wolff.) Der Reich spräsi de nt hat Dr. Walter Rathenau zum Reichsminister des Äeußern ernannt. Berlin, 31. Jänner. (Tel.-Komp.) Die heutige Kabinettsitzung hat zum Beschluß geführt, dem Reich-: Präsidenten die Ernennung Dr. Walter'Rathenaus zum Außenminister vorzuschlagen, die darin auch im Laufe des Nachmittag vollzogen wurde. Die Ernennung erfolgte vor allem über Betreiben der Sozialdemokraten* die die wertvolle Kraft Ur. Rathenaus bei den komm,enden schwerwiegenden Verhandlungen in Genua nicht entbehren wollen. Dr. Rathenaus Berufung ist umso bemerkenswerter, als anläßlich der Verhandlungen über das Steuerkompromiß seitens der Deutschen Voikspartei verlangt wurde, daß Dr. Rathenau dem Kabinett nicht angehören dürfte. In diesen Kreisen hat die Ernennung eine gewisse; M i ß s t i m m u n g hervor- ■gefüfen. k;; ■■ ' - - DS§i Reparaionskoihttiission nimmt die ifeütschen^yorschläge zur Kenntnis. Paris, 30. Jänner. (Havas.) Die R e p a r a t i o n 8ko m m i s s i o n nahm in ihrerjdieutigen Sitzung die N o t e der deutschen Regier u ||*- z u r K e n n tn i s, die in Uebereinstimmungmit der vSn ihrem Vertreter am 13. Jänner in Gayries bekanntgegebenen Entscheidung einen Entwurf ,nnd die geeigneten Garantien für. den: Haushalt und den .Notenumlauf sowie ein vollständiges Programm der Barzahlungen und Sachlieferungen im Jahre 1922 enthält. . Gemäß’ ^; Entschließung vom 13. Jänner beschloß die Reparanonskommissibn, sofort die deutschen Vorschläge den alliierten Regierungen zu übermitteln, die auf diese Art in die Lage kommen werden, die Frage selbst, zu behandeln; öder sie zur Regelung an die Reparationskommission zurUckzüsenden. In einerweiteren Sitzung, die um 4 Uhr nachmittags stattfinden wird, wird die Reparatioriskömmissioir den Wortlaut des Begleitschreibens an die All! ierten festlegeni ... ’ t. Die §ehwietigfeeiteii / der Verkapdlungen iltzer^d!e' ZcMMeri- - " ^merikL. Washiirgto«, 31. Jänner. (Havas.) Der Senat hat es abgelehnt, das Recht ..des Ausschusses für, die Konsolidierung der- Schulden der Alliierten, den Termin für den Beginn der Zahlung der Gesamtschuld hinauszuschieben, zu beschränken. Es sind noch viele Zusatzanträge zu besprechen, weshalb es möglich ist, daß die Debatte im Senat, die morgen stattfinden sollte, vertagt werden muß. wiM für die Griechen ' als äScich für-4ie Türkei amnehmbajr ist, ' " ’ Paris, 31. Jänner. (Havas.) Die Vertagung de? Besprechung der Orientfrage hat im Laufe des . heutigen Nachmittag den französischen, englischen und italieni-, sehen Staatskanzleien Gelegenheit zu einem Meinungs-, austaüsch gegeben. Die nächste Zusammenkunft der Alliierten wird wahrscheinlich nicht vor dem 9. Februar stattfinden. In der Zwischenzeit werden die drei Regierungen gegenseitig ihre Ansichten darlegen und auf diese Art die Debatte vorbereiten. Im Laufe der Zusammenkunft der alliierten Minister werden sie dann die ins Auge gefaßten Grundsätze besprechen, um eine Revision des Vertrages von Sevres durchzuführen. Poincar6 über Frankreichs Außenpolitik. Paris, 31. Jänner. (Tel.-Comp.) Ministerpräsident P o i n ca r e wird am kommenden Freitag vor dem Senatsausschuß für auswärtige Angelegenheiten sich über die auswärtige Politik Frankreichs äußern. Einzelne Parteien''«ÄüsrPchkWWenits.hiabemcA-nmf geheimen mhid1 vorläufig nq^hrniEt' -siicihrtfbä*r Aralle Voribereitiuinigen' ’gefroffen,/!uni' iifn gegebenen.; Mo- - raemt bereit ,-zn sein» mit tschö^isähen 'Piairteien:/eine ■ Koalition au. bildern. ,Es. vsE^^^'n^Vl»ri^)4iÄbEe. : gemäßigten Riditilinieh imiriier.'MÄhll' in 'dien A^ndiör-. gruimd treten. Die d'eittschie.’Inidndtrie, die denMphen lvapitaliisteiriij die. deuifcschen' A^jriaifier feken aiüf die Daiuer eine iNegationspolÄ ’riddh’t ätns!, Uiritd ih/Bem gleichen. Maße; Ms. die Beubsdhe Dpnirgeoi-sie 'sieih: be-, strebt, aus der Zw-angs jadke .W^Pd>M-Lk des ^deutschen ipaOl'a>meiwtariiS!chen VerG^Ws ihorÄUs.aulkiy'm-: .m-en-, bereiten die dsutsdhen Sorfaldiemök!rateniden' Boden für ihr Vorgehen tot. '' D ie forfs’ahireitehde Kon'&olddieruing dlaf inneren “ Vetihältniase in' , :; de<r .Tisdiechio^SiLowal^ei bringt; die deubsdhen: Sbaiiäl-. clemokTaten ihrer Kl-asisenpodiitik näher. Die 1 Kluft zrwiischen den. deutschen PrOletÄniem^'Mid •'dien':.deiitsdhen Kapitalisten ist. viel größer als die zwischen den tschechischen Kl-aissen-gieginerri. Einmal desäitälb, weil die deutschen SozWldembkriäten einer radikaleren InitematioiySile ais ihite tschechischen Grossen anlgehöneh utvd Zweitens,' weil ’diie'; deiuitsche .'Böiurgeoisie noch immer viel stärker, ii§t. als die tschechische.- Bisher halben die Sozialdemokraten nationale Politilk machen, können', weil die deutschen Bürgerlichen auch keine Klassen,politilkbetrieben' haben. Bald aber wird diais natiionale M.omeiiit nuir ein Weiner Faktor in der-deiutschfen iPoilitiik sein, die Klassenkämtpfe wenden iim -dcntsMeh .Dalger an Heftigkeit immer suniehmen, so daß jeder der Streitteile Verr>ündtete iim Läger der Tlschecih'en' wird' suchen müsse». Es ist ein VerdüsnM.der Regierung; Bene sch,' daß sich auch die Verhältnisse imfer den Deutschen normalisieren. Die abgeiliaiufehie Henbstsesision - hat eine meriklitche Beruhigung geschaffen, die auch beiderseitige Vepgirftutngsvers’uclhe nicht zu stören vermochten. Langsam aber, gjcili^r, die - y: er- «»tänidiigung Mrwärtz^. Die Orientkonferehz. Begitm am 9. Februar. .. Paris, zi.; Jäniri'er. Die •Verschobene Zusaimmenikuinft der Außenminister Frankreichs, Englands und Ttalien's wird nach dem »'Petit Parisien« am Y. Febnuair stattfinden. Londoner (polititscbe Kreise-schreiben die Vertagung der Tatsache zu, Maß .der. englisohie und der französische, Standpunkt. Bn der Orientfrage, noch s e hr we i t vo.n e in ander albweichen. , Die von Frankreich für, die Festsetzung der thraz i schen Gren z e-gemachten Vorschläge seien für England u .n a >n n e h m b a r. Ferner beständen Meinungsverschiedenheiten über die Frage, von Smyrna und die christlichen Minderheiten; Ganz besonders aber machen ©ich die Gegensätze in der Frage bemerkbar, was geschehen sqilb wenn die beiden Parteien iin Kleinas i In die Entscheidung der verbündeten Mächte nicht anerkennen. Man hofft, in den nächsten acht Tagen eine Lösung vorbereiten zu können, die so Das Kabinett B e n e s c hi. war im den letzten Tagen Gegenstand vielfältiger Gerüchte, die . einesgewissen Hmtergmundes nicht entbehren. Als Dir. Benesoh.die Ministerpttäsidentsahaft übernahm, zweifelten viele daran, daß er sie lange behalten wir d. Man'sah seine Stellung als Ohef des Kabinetts als'eine provisorische an nand begründete das damit, daß er eigentlich in letzter Stunde an did Spitze einer Regierung trat, die er nicht zosajmmengestellt liat. Doch Dr. Benesch widmete sich mit ©einer ganzen Kiraft den inmerpolitiisdhen Aufgaben und kam so mit Fragen im Berührung, die - nicht, nur... ihm diie Lust zur Weiterarbeit verderben hätten. Die tischecihiischen J Parteimänner besitzen mgcih nicht die politische Großzügigkeit, uim Probleme richtig eiinzuisdiätizen. iDaizju kommt.noch, Miß eine Koalition wie die jetzige aus ihrer Natur heraus Fragen zu' Streitfällen macht, die lange, . aufreibende Venhaindlumigem erfordern. Die Vedhanidiluingem; über oft klemilche Parteidifferenzen zermürben die Kräfte umd deshalb kämm es Dr. Bemesioh nicht verdacht worden, wenn er diese Sorgen lo» werden., will. Aber.eita Hkdevmis «ttht dem Mschssl im Mimiatiorj!aits©ri©jjdiiium emitgegess i,Am^dkaimd„die Konferenzvon^CSjEaigA;^^ ■ Paris, 31. Jänner. (Funkspruch.) Nach Meldungen aus Washington macht sich in der öffentlichen Meinung Amerikas ein Umschwung zugunsten einer Teilnahme an der Konferenz von Genua bemerkbar. Die Konferenz der Farmer hat den Wunsch ausgesprochen, die Vereinigten Staaten mögen eine Politik betreiben, die es möglich mache, den Ueberfluß der Erzeugnisse der amerikanischen Landwirtschaft am europäischen Markte abzusetzen. _ Demission des chinesischen Ministerpräsidenten. London, 31. Jänner. (Funkspruch.) Unter dem Druck des Führers der liberalen Militärpartei hat der chinesische Ministerpräsident Liang-Shiyi seine Demission gegeben. _._ Frankreich liefert den Kemalisten Kriegsmaterial. e Paris, 31. Jänner. (Telegramm der „Wienef Morgenzeitung“.) Die Pariser Presse berichtet, daß die frahzösische Regierung den Kemalisten bedeutende Mengen von Kriegsmaterial geliefert habe. Es soll sich um Materialien im Werte von 200 Millionen Francs handeln, welche Briand, dem Drucke des französischen Unterhändlers in Angora, Franklin Bouillon, Folge gebend, den Kemalisten übermittelt haben soll. Darunter befinden sich völlige Ausrüstungen, das gesamte Sanitätsmaterial Frankreichs im Orient, mehrere tausend Mausergewehre und 50.000 Pferde aus der französischen Kavallerie. Es findet sich 'kein Niaiöhfclgor. S v e b 1 ai, dbr - Agra« rier, kann diais Mmisfenpräsitdimim nicht überm-ehimetn- Nach wenigem Wochen müßte er wegen Zerfalls deaj Koalition abtreten.' Die Finaigen, die gelöst werden! müssen, brauchen einen Mann, der über den Parteien! steht. Die Landwirte verlangen die Einführung deij G etr eide z ö 11 e. Ein aigrainisdier Ministerpräsident müßte sie eimzufübren versuchen. Aber diel Sozialdemokraten werden opipomieremi, dife Gefe'hm des ZiU'saimmenbrucihis der Mehrheit ist m grnoß. Die* Sozialdemokraten 'verlangen die Ein«fcred'buing - der,’ Vermögensabgabe. Die Bürgerlichen-, mmid-«speziell die Bauern, leugnen die Möglichkeit, die Vermögens« abgabe ' eimtreiben zu können. Die Losung des K r i e g s a n l e i h e <p r o b 1 e ms läßt sddi'' nichtmehr large - himiatussdiieben, versdhie-deme andere Fragen müssen entwirrt werden. Zm alledem ist' sin Mann notwendig, der nicht von der Gnade der, Parteien; a'höiängt, der emergiisdh genug ist, tum die Parteii n t eressen nicht in die Haflane schießen zH lassen. Diese Eigenschaften besitzt herut« nmir Doktor. Btneseh nmd. deshalb wird er .Wjöbi weiter sao.dgß ,. SiPjbLO d.«c Regierpng blieibe%