Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1079 (30.1.1922)
- Date
- 1922-01-30
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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LMLSttmmmsr fitS®' Wien: Zum Äbholen in der 1 ,irp e di ti on, 11», T ab ors tr .1—3, vider »n einerkVerschleißstelle (Trafik). .monatlich.’, K' >1000. Mit PöstVersand' für Wien und' Oesterreich monatlich K-1200, irnrr Ts e If'ech’o-^ Iowa k e 1 : Mon. i/ronent20.-U agarji;: Monatj.' Kronen 120. Iugo,slawi-e-n: , Monati^ Dinar: > lB.^Pofen: < Monat!. Mark .600. D eu tsch- - fa h"d»Monatlich^ Mark \i251 Erankrel ch: Monatli'Frcs.6. Tscn^tYio-siowamv Lsek. Ki Italien: Monatlich Lire H Rumänien: Monat!. Lei 40. Schweiz und das Ausland monatlich Francs* Redaktion u. Administration Wien IL, Taborstrasse 1—3. Telephone: 44-0-38, 43-3*49* ab o, Uhr abends17-9?3|. T elegrammadresse: „Morgen- ' - •zeitung“, Wien. 1 * J- T . ** “T—l <■ 1 Oesterrejchisches Postsparkassenkonto 15O.09f< Nr:'107-9 1 Wien, Mantap, 30. Jänner 1922 Jahrgang Die^ErwachendenMagyaren“ bereiten einen neuen Ueberfall auf das Burgenvor. Wie die bayrische Orgesch Ungarn mit Waffen versorgt. Die Delegierten Spwjetrußlands, London, 28. Jänner. (Havas.) ' Nach einer Me!« des „Observer“ aus Moskau habe der allrussische Vollzugsausschuß die Ernennung Lenins, Tschitscherins, Krassins, Litwinows, Joffes und Vorsuskys zu Delegierten der Sowjets für die Konferenz in Genua genehmigt Die Kommunisten fürchten um das Leben Lenins Berlin, 30. Jänner. (Intel:) In der „Welt am Montag“ veröffentlicht ein bekannter Mitarbeiter rechtsstehender Blätter,; A. Ab el, einen Artikel, den er vergebens, seit 14 Tagen in anderen Blättern unterzubringen versuchte. In diesen Artikel erhebt Abel gegen den 'Sanitätsrat Pyttynger in Regensburg, jetzt München, der im Juli 1921 für den abgedankten Föfstrat E s c h e r i c h die, Leitung' der bayrischen .Einwohnerwehr übernommen; hatte, die Anklage, mit den „Erwachenden Magyaren“ Verbindungen zu unterhalten zu dem Zweck,. Bayern vom Reiche loszureißen, und es in eine Donaukpnföderation, unter dem Protektorate Frankreichs einzugliedern.' Er behauptet weiter, daß Pyttynger den Selbstschutz. Deutsch Österreichs in einer Weise organisiert habe, < er auf die Schaffung eines Alpenstaates mit Einbeziehung Bayerns hinausläuft. . Sanitätsrat Pyttynger. verschiebe Waffen nach Ungarn, diesen „Erwachenden Magyaren.“ zukcmmen. Mt den von ihm stammenden Waffen,. seien die das Burgenland und Westungarn, verwüstenden Banden ausgerüstet gewesen. ' ... . ' j. V Escherich hahe dadurch, daß er den Obergeompter. Kanzler die österreichische Organisation , übertrug, schwere Schuld anden Ereignissen im Burgenlande auf sich geladen. Kanzler habe allein im Dezember 1920 10 Waggons Waffen und Munition auf dem Donauwege aus Bayern nach Ungarn schaffen lassen. Mit diesen Waffen > seien die Abteilungen H e j j a s’ und Pronays ausgerüstet worden, die, am 17. Dezember 1921 Wien besetzen wollten, um daselbst den Alpenstaat zu proklamieren. Nach eigenen Angaben des1-Leiters der auswärtigen Agenden . der „Erwachenden Magyaren“, hätte der deutsche Major Bischoff zusammen mit dem berüchtigten Oberst Bauer als Generalstäbler den Einfall der Banden in das burgenländische Gebiet theoretisch vorbereitet. Auch heute noch sei das Burgenland schwer bedroht. Mit deutschen Waffen ausgerüstet, stehe :Hejjas zu einem zweiten Einmarsch in 'das Burgenland bereit. . : . Mit . etwa .10.000 Mann stehe er Marschrichtung Wien, mit etwa 4000 Mann stehe Prönäy marschbereit gegen Wr.-Neustadt. Die Reserven liegen unter Hauptmahn Potorwitsch an der Donau. Nur die Furcht vor den Alliierten habe bis jetzt das Los-, schlagen verhindert. , Die Kredite. . •Bun-diesfimiaiTzniiiTister Dt. Gürtler vermeiden strenge jede Aeußerung über die7 Kredite, die nach den jüngsten Londoner irnd Pariser Meldungen Oesterrpidh gewähnt werden sollen. Di-eise Vorsicht ist nach den bisherigen Erfahrungen, die Oesterreich gerade in dieser Hinsicht machte, sehr geboten, lim so meihr, .afe erst vor ungefähr drei Wochen gleiohfallis eine Meldung auis London 'hier einlangte, die. besagte, daß die -Aussrahiten auf einen kleineh englischen Kredit'für Oesterreich sehr günstig-seien. Damals verblei tensididie Regierungsstellen gegenüber -dieser . Aiitfxündigun'g sehir reserviert, uni nicht wieder falsche Hoffnungen ztu erwecken. Diesmal sfeht'die Sache freilich etwas anidens. B-undesikanzlsr Schober h^t sich von den Emtentostaaben mir an Franiloreioh und England gewendet und den beiden "Regierungen den fruchtbaren Ernst der Sitiuation in Oesterreich v dairgestell't, der in der katastrophalen -Val'uiteh'hPusse und dem wahnsihn'ig^n Steigender Preise fN ^Mensmittel' und' aller Bedarfsairtüke! •seinen beredten- Ausdruck findet, wobei der B-umdesitanizl er gleichzeitig auf die ’ Fol geh; aufmerksam machte,,die eimtreten würden, wenn Oesterreich auch diesmal jedejHilfe versagt würde. Die Regierungen in Paris,unidfcpnd'on wurden aber noch van anderer Seite auf die Atz in Oesterreich herrschenden Verhäl-t risse aufmerksam gemacht, welche Schilderungen gleichfalls b'eigetnag-en haben dürften, daß man sich Frage der Kreditgewährung an Oesterreich besdhäfjetzt in den beidien Ent-ent-eländern ernstlich mit der rigt. Ein besonderes Augenmerk wird, wie informative Belichte -besagen, der Angelegenheit in London zugewendet, da man befürchtet, daß der Zusammenbruch Oesterreichs auch den Handel und die Valuta der Nachfolgestaaten erschüttern und ebenen darunter der deutsche Ma-rkkuns leiden würde, zumal Deutschland große finanzielle Interessen in der österreichischen Industrie besitzt. Von solchen Folgen bliebe auch England nach unberührt und deshalb herrscht bei der englischen Re-gienung und bei den Londoner Finanzlkreisen die ‘Neigung vor, Oesterreich einen Kredit von 2 bis 2Vs Millionen Pfund , zu gewähren, damit es imstande sei, über die augenblickliche Krise hinwegzulkommen. Nun würden wohl die österreichischen Zölle hiefür eine sjusgezeichnete Sicherstellung bieten, doch ist es notwendig, daß Amerika, Rumänien -und Jugoslawien ihre Pfandrecht« z-urü-ckstellen. Da aber die Kredithj-lfe rasch erfolgen -soll, so wrid die Frage einer offiziellen englischen Bürgschaft als provisorisches 'Autslkfunftsmittel für diesen Kredit in Betracht gezogen. Bisher sind in der Angelegenheit der Kreditgewährung Weder aus Paris noch sus London offizielle Mitteilungen eingelamgt, doch ist zu hoffen, daß solche in Bälde hier eintreffen werden. Aber bei aller Reserve, die hier geboten erscheint, ist man m ‘hiesigen maßgebenden Kreisen doch der Meiunc. daß in An'bet nacht der ernsten wirtschaftHchen Lage, inv'der sich; Oesterreich befindet, die beiden Entente-; wollen gegenüber Oesterreich belcundieni, so-mdern auch den vorläufigen Kredit beschaffen, wodurch nicht nur eine Entspannung auf dem Geldmärkte zu Gunsten Oesterreichs eintreten, sondern auch die Valutenhaufsse, dadurch wieder abgesdiwä-cht wird. Die Kreiditverhandlungen in Prag nehmen einen guten Fortgang. Der österreichische Verhandlungs- 1 eit er Ministerialrat Braun ei« wird morgen zur Bericht-erstattong hier eintreffen. tNadh dem, was über diese Verhandlungen bisher verlautet, ist zu hoffen, daß dieselben Ende der ersten Febnucrw-oche zu einem günstigen Abschlüsse gebracht werden können. Die Meldungen,. wonach die tschechoslowakische Regierung für den Oesterreich au gewährenden Kredit bankmäßige Garantien verlangt, wird als unrichtig bezeichnet. Vor der Abstimmung über die Mellon- Bill. Washington, 29. Jänner. (Reuter.) Die demokratischen und die repu-blilkiamisch-en Senatoren halben beschlossen, daß heute eine Abstimmung über das Gesetz, betreffend die Rückerstattung der Alliertenschulden, stattfinden «oll, selbst wenn eine Nachtsitzumg erforderlich wäre. Beginn der Konferenz der Entente- Außenminister. Paris, 29. Jänner. (Havas.) Dienstag treffen der italienische Minister des Aeußern Marchese dellä Torrettaund der englische Staatssekretär Lord C u r z 0 n in Paris ein. Die Konferenz der Außenminister Frankreichs, Großbritanniens und Italiens über die Orientfrage wird Midwoch unter dem Vorsitze Poincards eröffnet werden. Frankreich ist enttäuscht. Paris, 29. Jänner. (Wolff.) „Oeuvre* berichtet, der Vertreter Frankreichs im Reparationsausschuß, D u b o i s, habe gestern nachmittags dem Ministerpräsidenten Poincard von seiner Enttäuschung und Verlegenheit sowie von seiner Beunruhigung angesichts der deutschen Vorschläge in der Reparationsfrage Mitteilung gem&cht und von ihm Ratschläge, wenn nicht Direktiven verlangt. D u b o 1 s glaube, daß die Entscheidungen, die von ihm und seinen Kollegen verlangt werden, ihre Autorität übersteigen und daß die Regierungen selbst sie treffen müßten. Das setze ein Einverständnis zwischen Frankreich und England voraus. Aber angesichts der Verhandlungen über den Sicherheitspakt und die Orientfrage müsse man sich an den Ausspruch Lord Greys in Edinburg erinnern, daß das Vertrauen zwischen der französischen und der englischen Regierung noch niemals seit 1904 so gering gewesen sei wie in diesem Augenblick. Moskau, 30. Jänner. (Funkspruch.) Zahlreiche Arbeiter, Bauern und Studenten haben dagegen Vorstellungen erhoben, daß Lenin sich zur Konferenz nach Genua begebe, weil sein Leben für das Weltproletariat zu wertvoll sei, um möglichen Anschlägen ausgesetzt zu werden. England konzentriert seine Flotte in Gibraltar. Paris, 30.Jänner. (Funkspruch.) Die erste Division der brifschen ' Atjantikflotte ist in Gibraltar eingetroffen; die zweite wird am 3. Februar erwartet.' Nach deren Eintreffen werden in Gibraltar übfer 50 englische Kriegsschiffe! versammelt1 sein. 1 ■; ■ ' England;ifct bereit, das ägyptische , Protektorat aufzugeben. London, 29. Jänner., (Reuter.) Das auswärtige Amt veröffentlicht einen Bericht des General Allen.by über die Lage in Aegypten und. fügt hinzu, dis britische Regierung sei: nach wie vor - bereit, das Protektorat aufzugeben und die Souveränität Aegyptens unter' - der Bedingung anzuerkennen, daß Bürgschaften bezüglich der Verbindungswege über Aegypten, des Schutzes der/ Rechte der Ausländer in Aegypten, und des Schutzes des Landes gegen einen Angriff von außen geschaffen werden. Die Verhandlungen mit Ungarn. Budapest, 30. Jänner. - Unter der Leitung des .,)Eanislu®j...fet Biidaip'est. .:e!n.e Metr. Regierung im Sinne des in Wien durch die beiden Regierungschefs festgelegten Verhandlungsprogramms die Frage des Grenzverkehrs in ihren Einzelheiten zu beraten. Der Personenverkehr mit Rumänien über Ungarn, Budapest, 29. Jänner. (Tel. der „Wiener Morgenzeitung“.) Die zwischen der Debrecziner Betriebsleitung der Ungarischen Staatsbahnen und den rumänischen Behörden geführten langwierigen Verhandlungen haben nunmehr zu dem Ergebnis geführt, daß ab morgen den 29. d. M. ein. r e g e 1 m ä ß i g e r Personenverkehrzwischen Ungarn und Rumänien abgewickelt werden wird. Die rumänischen Züge werden bis N y i r 0 b r a n y, beziehungsweise Biharkeresztes laufen, während die ungarischen Züge bis Ermlhalyfalva, beziehungsweise Biharpüspöki verkehren werden, wo der Anschluß erfolgt. Für eine Bahnverbindung Riga- Warschau—Prag. Riga, 29. Jänner. (Tel. der „Wiener Morgenzeitung“.) Am 6. Februar findet hier eine Eisenbahnkonferenz zwecks Schaffung eines direkten Bahnverkehrs R i g a—W a r s c h a u—P rag statt. An der Konferenz nehmen Vertreter Polens, Lettlands* Litauens in der Tschechoslowakei teil. Shakleton gestorben. Montevideo, 29. Jänner. (Havas.) Der Forschungsreisende Sir Ernest Shakleton ist am 5. Jänner an Bord seines Schiffes „Quest“ an den Folgen einer Brustentzündung gestorben. * Ernest Shakleton entstammt einer alten Yorkshire- Familie, die seit zwei Jahrhunderten in Irland ansässig ist Im Jahre 1901 wurde er von Kapitän Skott als dritter Leutnant für eine große antarktische Expedition auserwählt, sechs Jahre später unternahm er an Bord des „Nimrod“ seine erste eigene Reise nach dem Südea und am 29. Oktber 1908 erreichte er das ersehnte Ziel. Späterhin hat er weitere Expeditionen mit der weltberühmt gewordenen „Discovery“, dann mit der „Endurance“ unternommen und es kam zum tragischen Ende der „Zweiundzwanzig“, die Ende des Jahres 1914 in Nacht und Eis vier Monate lang vergrabe» waren, dann gefettet wurden und schließlich auf der Heimfahrt elend zugrunde gingen. Hat Shakleton auch nicht wie sein glücklicher Kollege Amundsen den Südpol als erster erreicht, so hat er doch Forschungsergebnisse von eminenter Wichtigkeit zu verzeichnen und sein Name wird unsterblich bleiben. Shakleton, der Frau und zwei Kinder hinterläßt, Ist 52 Jahre alt geworden,.