Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1922-01-27 · Heft 1076 (27.1.1922) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1076 (27.1.1922)
Date
1922-01-27
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2979076-2980129-2980156--10070-2996384
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

K tsa \VJen: Zuiti Abholen in der Expedition II Taborstr. 1—3, <« einerVer«chleißsteUe (Trafik) monatlich K 1000. Mit Postversand flu Wien und Oes erreich monatlich K1000. 7schecho-Slowakei:Mon. Kronen’20"; U n gar n: Monatl. Kronen1 120/ fu gos 1 awi e n : Monatl.; Dinar 18. Polen: Monats. Mark-600., D e qt s c Hiand: ' Monatlich’ Mark 25. Frankreich r’Monätll Fr cs. 6. rener Tschecno-Slowakel fsch. K 1 Italien: Monatlich Lire Rumänien: Monat!. Lei 40. Schweiz und das übrige Ausland monatlich Francs L Redaktion u. Administration Wien IL, Tabor3trasse 1—L Telephone: 44tO-38; 43-3-19, ab >6 Uhr abends 17-9-33. Telegrammadresse: „Morgen-, zeitung“, Wien. O österreichisches - ■ ■, Postsparkassenkonto 150.693., 1VTS Wien, Freitag, 27. J§nner 1922 4. Jahrgang Ein englischer Valutakredit 1 <- —y.1 Wien’, 27. Jähuer. ' Näch .der „Westniinster Gazette“ erwägt diel 'englische Regierung die Frage,' Oesterreich eine reinl englische .Anleihe -von. 2,5Q0.00,Ö Pfund' Sterling r m_t gewähren, die durch die österreichischen Zölle garaiitiert, und bestimmt wäre, den Wechselkurs zu stabilisieren! und ddm Österreichischen Handel zu helfen. Die.'jenglisch’e Regierüng würde dämjt aufjdesi seinerzeitigeh ‘ Vorschlag, Sir Qoödes, des ge^senem Vorsitzenden der Wiener Sektion der Reparationskommission, zurlickgreifen, der sich für eine Anleihe von Staat zu Staat einsefölc. Die Österreichische kreditfrage hat im Laufe der Zeit - einen, * wahren^ .Märtyrerweg, zurückgelegt - und < sie'; ist auch jetzt noch nicht bei einer Entscheidung angelangt. - Immer wieder taucht die Generalhypothek der Entente-; Staaten auf und; .es ist noch in Erinnerung, daß:'eines Tages auch vön einen) -Einspruch Hollands, >danh Jugoslawiens^ die! Rede war,' und aatf schließlich... alle "Meldungen sich daräuf einigten, in der ‘Haltung Amerikas die Hauptschwierigkeit zu finden. Der amerikanische Senat Hat dieser1 Tage die Mellon-Bill beraten, ein Gesetz, das sich mit,der Stundung »aller europäischen Schulden befaßt und auch das östferreichische Generälpfandrecht unter die zurückzustellenden Außenstände zählt. Das Gesetz ist in einem nicht mit ’ Oesterreich - zusammenhängenden Teil abgeändert und? an das Repräsentantenhaus geleitet worden. Sein weiteres Schicksal ist unbestimmt und ein Resultat ist von der Weiterentwicklung des Verhältnisses Amerikas zu den großen europäischen. Streitfragen abhängig, zunächst also davon, ob die von' Amerika - geförderte Klärung! der englisch-französischen Differenzen in bezug auf die deutschen Reparationen erzielt werden kann. Erst dann wird Amerika einen Beschluß über seine Teilnahme an der Konferenz von Genua fasseh. Die Erwägung der englischen Regierung, Oesterreich einen Kredit von zweieihhalb Millionen Pfund, Llsoeiw^huhderi'WMdMMoneckzubewilliMsist vor allem von der Leite ihreSkMöralischen Eindrucks zu werten. Oesterreich ist nicht sehr verwöhnt worden und wenn ihm heute die Hoffnung winkt, wenigstens einen Teil seines Defizits durch eine Anleihe decken zu können, so (ist dies im' Augenblick sehr wertvoll. Oesterreich steht eben in Kreditverhandlungen mit der Tschechoslowakei, deren, Aussichten sich steigern müssen, tyeiin auch von anderer Seite Geld angeboten wird. Der englische Kredit würde beweisen, daß Loyd George seinen Plan, eine Stabilisierung in .Mitteleuropa zu erreichen, in die Tat umsetzt und mit der Arbeit an dem wirtschaftlich schwächsten Punkt einsetzt Die Nachricht von dem Plan Englands ist . in Wien an dem Tage eingetroffen, wo sich in der Bevölkerung durch verschiedentliche lärmende Kundgebungen wieder eine gewisse Neigung zur Panik zeigt Die Ereignisse vom .1. Dezember wirken nach. Noch stärker aber macht sich im Handelsverkehr .die jüngste* Devisenhausse geltend. Oesterreich hat aufgehört, ein billiges Land, zu sein, und die Welrtnarktparität ist in vielen Artikeln bereits überschritten. : Es ist deshalb zu begrüßen, daß aus der Londoner, Nachricht Vertrauen spricht und daß man sich auch in Amerika mit Oesterreich befaßt. Freilich geschieht in Oesterreich vieles, um einer, guten Beurteilung im Ausland entgegenzuwirken, ijjie Regierungskrise, die im Anschluß an den Staatsvertrag von Prag bei den Haaren herbeigezerrt wurde, gehört in dieses Kapitel der Unbegreiflichkeiten. Es ist , kaum zu berechnen, welchen Schaden die Opposition der Großdeutschen dem Ansehen und dem Kredit des Staates zugefügt hat, und wenn heute über den Stand der Verhandlungen in Prag günstige Berichte kommen, so sind, wahrlich nicht, die Großdeutschen daran schuld, auch nicht die reaktior nären, republikfeindlichen Zeitungen, die jede Unbeträchtlichkeit in ihrer Sensationsmeierei aufbauschen. Es. ist gut, daß außer dieser Presse auch noch die Berichte der fremden. Vertreter hinausgelangen, aus denen man hören kann, daß Wien durchaus keine Räuberhöhle ist, in der bewaffnete Bolschewiken ihr Wesen treiben. Es geschieht in Wien nicht , mehr und nichts anderes, als was schließlich in jeder Großstadt geschieht; Die Leiden der Stadt und des Staates sind freilich über alle Maßen groß und je stärker sich das Ausland an : den Gedanken gewöhnt, daß es. im Interesse der europäischen Kultur liegt, Oesterreich zur Arbeit zu verhelfen, um so besser wird dies für die Ruhe Europas sein. Denn das Gelingen der Sanierung der Weltwirtschaft hängt nicht zuletzt davon ab, daß das Zentrum Europas kein Erdbebenzentrum wird. Das Zaudern der Entente hat in Oesterreich den Boden vorbereitet, auf dem großdeutsche und andere Agitationen gedeihen. Wenn man Oesterreich in den Stand setzt, die Schwierigkeiten zu überwinden, so wird es arbeiten können und dann wird e» sich solcher Krisen erwehren können, die, aus dem Ausland.eingeschleppt, in der Nervosität der Massen leicht Unterstützung finden. Deutschlands Friedenswille, Eine Erklärung, des Reichskanzlers Ür. Wirth. Berlin, 26. Jänner. (Wolff.) 1» der heutigen Reichstegssitzung, deren ‘ Beginn auf 6 Uhr 25 Minuten verschöben worden war, gab Reichskanzler- Dr. Wirth vor stark besuchtem Hause und vor vollen Tribünen. eine Erklärung der Reichsregierung ab. Er warf zunächst einen' Rückblick auf die von dem -Kabinett, in seiner; jetzigen Zusammensetzung: seit dem 26. Oktober’1921 verfolgte Politik üüd: brachte sie auf; die kurze Formel : Im Innern Erhaltung ‘Und Wiederaufbau des Reiches, Ueberwindung der wirtschaftlichen, sozialen und moralischen Kriegsschäden durch innere Konsolidierung der Nation, nach außen Mitarbeit Deutschlands an 1 der Herstellung eines w a h reo Frieden s, und . als Mittel hiezu die Bereitwilligkeit,! : die Lasten Deutschlands aus dem Friedens vertrag und seinen Annexen bis zur Genze der Leistungsfähigkeit zu erfüllen, in der. Ueberlegung und in der Ueberzeugung, daß nur durch praktische Leistungen die Leistungsgrenze, wirklich festgestellt. werden könne und daß nur die weltwirtschaftlichen Folgen der deutschen Leistungen die Welt über die wirkliche .Natur:der deutschen ■Rfeparationsyerpflichtuiigen aüfklären können. Die Frage der. Reparationen, sagte der Reichskanzler, bildet den Mittelpunkt aller!Probleme, Sie Ist eine Frage sowohl der äußeren wie auch der inneren Politik. Dieser' .kardinalfrage haben in den letzten Wochen die'hauptsächlichsten Arbeiten und die Sorgfalt der Regierung gegolten. Sodann schilderte der Reichskanzler die Entwicklung, die die Reparationsfrage in der letzten Zeit genommen hat. Das von der Reparationskommission in Cannes verlangte Programm werde morgen in Gestalt einer.'kurzen Denkschrift mit erläuternder Anlage der Reparationskommission übergeben werden. Der Reichskanzler dankte in, diesem Zusammenhänge Dr. Rathenau, der mit Wissen der Regierung in privater Eigenschaft Besprechup|ren’;: in London und DD freier Wfeise die .Lage Deutschlands auseinanderzusetzen. Diese Konferenz habe Deutschland z;u einör nächsten Konferenz als Teilnehmer eingeladen* auf der insbesondere die Frage der Rettung Rußlands und Mitteleuropas aus der wirtschaftlichen. Isolierung beraten werden soll. Wir begrüßen, sagte Redner, diesen Wiederaufbau Rußlands. Wir werden nach Genua gehen mit der D e vti s e, die auch die des Konferenzprogramms ist: Verständigung aller Nationen, der armen und der reichen, der Siegerund d er Besiegten. Sodann präzisierte der Kanzler Deutschlands Stellung gegenüber Frankreich. Die deutsche Politik nehme der französischen gegenüber, ob sie von Briand oder Poincard geführt werde, dieselbe Haltung ein, nämlich die Haltung, der aus realen Friedenswillen und aus nüchterner, klarer Er* kenfttnis der politischen Machtverhältnisse sich ergebenden Bereitwilligkeit,, den Interessen Frankreichs soweit Be-- fried!guGg zu. verschaffen, alses in Deutschlands: Macht liege. Der Reichskanzler verspreche sich von.. öffentliche« .Wechselreden der leitenden * * Staatsmänner; über ein« historische Entwicklung nichts ln einem Augenblick,.wo es. gelte, Grundlagen für eine friedliche und glückliche Zukunft Europas zu suchen. Der Reichskanzler widerspreche ausdrücklich def ersten Rede Poincards, durch die der Eindruck erweckt werden sollte, daß Deutschland noch gar nicht begonnen habe, seine Repärationsverpflichtungen zu erfüllen. Deutschland habe seit Annahme des Londoner Ultimatums an die Ententemächte Barleistungen von 1106 Millionen Goldmark und, Sachleistungen von 420 Millionen’ Goldmark abgeführt. Hiezu treten 500 Millionen Goldmark aus dem Clearingverkehr. Auch die seit dem Abschluß des Waffenstillstands, bis zum Londoner Ultimatum getätigten Leistungen, ,dio Ablieferung .der Handelsflotte, der Lokomotiven, Eisenbahnwägen, Seekabel usw. dürfe man nicht unberücksichtigt lassen. Poincarä sei aber weiter gegangen,, indem er sägte, Deutschland habe nichts leisten wollen und absichtlich eine Politik^-verfolgt, die zu eigener Bereicherung und Schädigung der französischen Finanzen und Interessenführe. In der Rede PoincardS' begegne man gegenüber der deutschen Finanzgebahrüng und -Wirtschaft allen Vorwürfen, die auf eine vollkommen unzutreffende Auffassung der ökonomischen Grundlagen der deutschen Entwicklung in der letzter Zeit beruhen, und die Deutschland seit Monate» durch ernste, wahrhaftige Widerlegung zu zerfreuen bemüht sei. Die V ö r w il r f e P oln c a r 6 s, sagte Redner, - erwecken den Eindruck, als ob,wir in Frankreich taube» Ohren gepredigt hj&f t e n und» .üäV' dbift ’ nieiitWöfäe/1^ DeufscblänA^ vermindere’ systematisch seine Staatseinkünfte, es hebe; weniger Steuern als Frankreich ein und treibe die Steuern nicht ein, es begünstige durch künstliche Inflation die .Exportindustrie und suche den Staatsbankrott herbeizuführen, ’ Vörwürle, die aut oberflächliche Beobachtung deutscher Zustände und ungenügende volkswirtschaftliche Erkenntnis schließen lassen; kehren in die Rede des französisches Ministerpräsidenten immer wieder. Wir werden die uns von der Reparationskommission auferlegte Verpflichtung, unsere finanziellen und wirtschaftlichen Verhältnisse sowie den Stand unseres Etats darzulegen, erfüllen und dabei den beharrlichen Irrtümera entgegentreten, denen wir in der Rede Pöincards begegne» mußten, obwohl wir annehmen, daß sie durch unsere bisherigen Darlegungen erschüttert seien. Die Stellung der Juden in Polen. (Von1 polnischer Seite.) Aus Warschau wird uws geschrieben: Der polnische "Ministc-rnat bat, . wie bereits benich-tet wurde, .vor einiger Zeit einen Gesetzentwurf angenommen, demzufolge alle aus der nu-ssi&cihe-n Zeit, stammenden- Bestimmungen, die’dne Gleichbeirechr tigung der Juden ein schränkte n-5 aufgehoben werden. Dieser Beschluß (hat nicht bloß grutndtsätzlich, sondern auicih praktisch eine für die polnische Judensefh-a-ft tiefgreifende Bedeutung und kaum das Seine zu einer endgültigen Verständigung zwi-sdi-ein Poi1en und Juden beitragen. Denn es ■ läßt sich 'kaum leugnen, daß ein ä'hulicheir Beschluß, wie ihn jetzt der polni-sdhe Mi.nisterra»t gefaßt 'halt, etwa zur Zeit dos ru-ssisch-polnischon Krieges, da' diais Verhältnis zwischen den Pplen'und den Jüdon,Trübungen unterlag, nicht denkbar gewesen wäre. Es weiht jetzt in Polen eine andere Luft ails in jenen Tagen des gegen- ' scitigen Mißtrauens, und wenn micht alles trügt, so bedeutet die vom Ministerrat beschlossene Revision der Gesetzgebung einen beträchtlichen Schratt auif dem Wege zu einem'Einvernehmen,-d«as im 'beiderseitigen Interesse, je eher je lieber erfolgen sollte. Um die eigentliche Bedeutung des RegierungsbescMuisse-s -dem Ausländer War bu - machen, muß man vor., allem daran erinnern, daß zurzeit, in Polen eine Vereinheitlichung der Zivil-, und, Strafgesetzgebung in den einzelnen Staatsgebieten noch nicht zur Qäpze durchgeführt ist. Es werden begreiflicherweise noch viele Jahre, verstreichen,, die der Richter in. W ar schau -nach' dcrrvselben Gesetz . wird RecJit sprechen; dürfen, wie sein Kollege, isn Krakau oder in Posen- Eine um.vormhiteite ,Vereinheitlichung der Gesetzgebung käme ja; geradezu eitler sozialen. Revolutiongleich und müßte eine Redbt-sverwiirrung von unabsefiibaren Folgen zeitigen. E«-blieb also vorläufig. »wht« anderes übrig, »1s -die Aufrechterhaltung des reebtli£hen ouo. die erst allmähiirih •dem Aufbau einer .neuen, den geänderten Bedürfnissen angepaßten, Ges-et>zge>bung . Platz .machen wird. N-un enthalten aber die aus der, Zeit'der Rusisenfier-rschaift übernommenen Gesetze, die.in de» ehema-ls russischen Gebieten desneuen polnische» Reiches weiter zu Recht -bestehen, eine ganze Rei-he vcm Bestimmungen, dti-e sich mit der vorn ipoln-iisdhea , Landtag im Vorjahr •beschlossenen Verfassung nicht ■ in Einklang bringen lassen. In den Gesetzbüchern wimmelt .es geradezu von Paragraphen, in denen die Juden als Staatsbürger einer -niederen Kategorie •beihandelt werden und überdies war j-a die zaristisch« Gesetzgebung unermüdlich im Au-sisinnen von alle®-* lei Gesetz.estnovellen (es genügt die Gesetze von 1825’, 1891, 1892 und 1903 zu erwähnen), die es dem hohen und klei-nemT-sühin ermöglichten, durch die verständnisvolle Handhabung der gesetzlichen , Bestimmung sein Einkommen zu erhöhen. Diese gamze Son-dergesetzgebung soll nun außer Kraft gesetzt werden tund imi Zuge der beschlossenen Revn si-on, werden aus den Gesctzibüchem alle Bestimmungen eliminiert werden, die irgendeine Ein-s-dhrän^ küng der Gleichberechtigung -der jüdischen Staats^ büfger enthalten. Als ein nicht zu unterschätzendes Zeichen def Zeit sei ferner die Erklärung verzeichnet, die auf dem in Warschau abgehaltenen hebräische«! Kongreß (»Tanbuth«) vom Delegierten des Ministeriums für Kultus und Aufklärung Professor. E k i e r t. namens der polnischen Regierung abgegeben wunde. Professor Eikiert dankte zunächst dem. Vorsitzend-en Dr. Thon für / die hcr®iich'e B-egrüßun-g und f-uihr dann fort: »Ich empfing von de» V,erhandlungen des Kongresses einen überaus sympathischen Ekid-ruck, da ich mich überzeugt habe, rn.it welchem Emet und Verständnis wichtige un>S schwere pädatgogisdie Probleme behandelt werde»-. Sehr angenehm hat m mich berührt, daß Herr Dr. Thon ki seinem Referat über die r®chtliehe Stei- Ume des Schulwesens. <&k& auf umseffid.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.