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Wiener Morgenzeitung · 1922-01-25 · Heft 1074 (25.1.1922) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1074 (25.1.1922)
Date
1922-01-25
Page
– (sequence 1)
Language
German
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^Z'EMUM'Er K 40 Y/i eii: Zorn -Abholer iii. de* Expedition, JLjT^bprsti*. 1~3, oder in. einerVersclileißste! 1 e- (?rsE monÄticb' K; LvOO... MitFbstVefsanifWrWienund, Qes terr eich-mpnatlipii Kl000. T&cJt ech b^,S^öWak.ci: Moii. I</öqeü2Q. Ungarn: Mon all. Krönen 120, Jtigpslawieu: Monatl. Dinar -18. Polen: Mouatt/MarK 60Q. D eutscbland;^Monatlich.Mark,25. , Fr anjcreich: Monatl. Frös. 6. rrnrr Msn, Mittwoch, 29. Jänner 1S22 TSCniaeSSOi»WWSwm ftseft. K 1 DtLlien: MonatJloh Lire 62 Rumänien: Monatl. Lei 403 Schweiz und das übrig!« Ausland monatSch flaues P Redaktion u. AdsMiMMpn/ Wien II., Taborstrasse'1—3^ Telephons: 44-0-38, 43^-1Ä Sb 6 Ohr sdevds Telegrammadresse: -Morgen^ aeltungVWen. Oesterrdehfsehes ' Posteoarkassenkonto t50.6§3S 4. Jahrgang mH' t, oes^rÄ-i Ein Wirtschaftsprogramm der kleinen Entente für Genua. Prag, 2<$.Jänner. (Privat.) Zwischen der tschechoslowakischen Regierung und den Regierungen der kleinen Entente werden derzeit Verhandlungen^ betreffend ein einheitliches Wirtschaftsprogramm für die Konferenz von Genua, gepflogen. Es handelt sich um ein Wiederaüfbauprogramm für das Wirtschaft* liehe Gebiet von Mitteleuropa. v '.V;;; V / , ■ — y. Wien, 2o. Jätmpr. Feinde dys österreichischen Staat— . haben r. srcii .ihei; Gelegenheit des Kampfes gegen die dpr; Tschecho-Slovyakel als Freunde der; ,;aüfgespieit unc! gegen die Geheim- -drtzloH-MMWÄerh. Sie setzen das lustige _ Ma&en-‘ treiben;|(^-?iiiid^ haben.einen neuen Angriffspunkt' ge- ‘ funden: die schlechte Verwaltung? Der Oberste Rechnungshof hat an den Nationalrat -einen Bericht erstattet, in welchem, er pflichtgemäße Kritik , an der .Administration des Staates übt und an der Hand von Stichproben : einzelne„Unzukömmlichkeiten' feststellt Diese Stichprobenergeben Dinge,. wie sie in,einem geordneten Staatewesen'-raty lückenloser öffentlicher Köritrolle nicht. .Vorkommen solleh, Aber wenn man diese Kritik; betrachtet sie im 'MtchWe^dhr Allgemeinheit v.er- Mten .wU, 'daün"lhWe' ciöcii. Stich die Zeit mL Kalkül gezogen werden, in welcher' dieser Bericht spielt, He allgemeine Situation des Staates;;vdas'( persönliche; Schicksal seiner. Organe 'und - die gesamte Verfassung seiner Bevölkerung:.! ‘ \ ' ‘/ Dieser Bericht ist .nun ,.vön '.allen Reaktionären, aufgegriffen worden .und, er .spielt; in. ihrer Presse die Rolle des Zwirnkriäuels; mit „dem das Kätzchen spielt.' Das Geschrei ist; allgemein r So:gbht;es in gefrier Republik zu; sie; liefert das deutsche; Volk an die Tschechen aus, schließt;. einen Oeheimpajct, 'der uns' Zum Krieg, führen kann,' Sie läßt das Volk ^verhungern; und hält Beamte, die nicht, ödet* schlecht -arbeiten.' Die Steuereinziehung funktioniertmalsgelhaft,; die "BinanMehörde weist MillionenbeträgeäuT einfachen* ÄtzpÄzettejpHW!;Man deyke 1 Nun Ist die Verwaltung' sicherlichhi chi;guh-Oesterreich? hat zu vielö*B!eamte,>die. Dicnsteinteiluhg ist mangelhaft. Aber wenn sie besser wäre; hätte der Staat die zu seiner Existehtr notwendigen'Mittsl? Esisi wah'rf,,.daß ^die EÄanzyerwaltuiig' heute.' für M ' öbMicMh^MiMN'^Mhn' #s^aerir-;Wölke^ den Eindruck einer ratlosen Experihientiergesellschaft macht und es ist richtig, daß alle Gesetze, selbst die dem Volk sympathischesten und verständlichsten, am Wesen-dieses ärmsten aller Staaten nicht das geringste bessern können. Die Beamtenfrage, kann nur eine Regierung .ordnen, die nicht unter der Peitsche der Parteien steht; die Einkünfte / des Staates . sind * mit. einer ziffernmäßigen Mechanik der Erhöhung aller Steuern, Gebühren, Tarife und Zölle, nicht zu decken. Jeder Schritt der. Regierung wird in der übellaunigen Bevölkerung von. geschickten Ohrenbläsern gedreht, und gedeutet, bis der letzte Rest von Autorität und von Gemeinschaftsgefühl zum Teufel geht. Wenn die Massen hören, daß der Kanzler, ejn V.ölksyerräter ist und daß 4er Firianzminister mit den Schiebern an der 'Börse, versippt ist,; wie soll dann ihr Staatsbewußtsein ausseheri? ' ' ■; Die Feindschaft gegen die Republik drückt sich in tausend verschiedenfältigen- Wendungen aus. Der heutige Zustand Oesterreichs ist. die direkte, nirgends logisch unterbrochene Nachwirkung . des Krieges und der Niederlage. Pie alte Monarchie hatte tüchtige lind ehrenhafte Bureaukraten, . deren .Arbeitsfreude und Gewissenhaftigkeit über jedem. Zweifel stand. Abei;, alle diese Beamten,unterläget in döm verzweifelten Kampf gegen die , Willkürherrschaft der Hofkamarilla und des Militärs. Niemals hat; die Schandwirtschkft, die sich hinter Standrecht, Feldgerichte und Zensur verkroch, eine so kritikfreudige Presse gefunden, niemals hat die OeffentHchkeit den hinter . den Kulissen verborgenen Kampf der Beamten um Ordnung und Kontrolle unterstützt. Sie hat nie davon erfahren, wie Unsummen vergeudet und unterschlagen wurden, weil die Feigheit der Patrioten jede Aufklärung verhinderte und als Defaitismus, als Friedenshetze niedörschrie. Heute aber,.wo die.Republik sich im Obersten Rechnungshof eine öffentlich wirkende Konteollbehörde errichtet hat, deren Berichte jedermann lesen kann, sind diese Patrioten eifrig bemüht, das, was diese Behörde sagt, zu übertreiben oder zu entstellen und damit vor allem dem Ausland zu sagen: So geht es in der Republik zu! , Was sagt dieser Bericht? Im Jahre 1919 ist festgestellt worden .. . Abgesehen davon, daß kein genaueres Datum.angegeben ist, muß man daran denken, daß dieses Jahr 1919 eines der schwersten war, die der Staat erlebt hat. Man stand im pebergang vom Obrigkeitsstaat zur freien, bürgerlichen Republik? die Kriegsblockade wirkte mit zunehmender Schärfeauf Produktion und Ernährung, die demobilisierten Soldaten. und Offiziere versuchten ihre alten Arbeitsplätze wieder zu erlangen, die ersten Konsequenzen der Abschnürung von den Nationalstaaten drückten auf die Stimmung der durch die Revolution und durch die Tätigkeit der fremden Missionen sowie durch den Kriegszustand in Kärnten erschütterten Bevölkerung. In diese Tage fallen die vom Obersten Rechnungshof festgestellten Verwaltungssönden. Es ist seither in vielem besser geworden und wenn nochimmer schwere Anklagen Bas Palästina-Mandat. Bevorstehende Erklärung der amerikanischen Regierung./, ‘ 1W a sh! n g 16 n, 23. Jäjnneiv (j. G. B.) Wie wir erfahren, bereitet die amerikanische Regierung eine o S f i z i e 11 e Erklärung über ihre Haltung zum P al äst ina-M arid at vor. Dieser offizielle Sphritt wird Mer als Folge der tjriterredühg Sokolows; mit dem Präsideitföh H ar d i ng angesehen. ■; ■ 1 ■ : ' •. ' .:; Die fmttzösisch-englischD Allianz. ■ „ Pari»;'24. Jänin-er: (Havas.) Miinteteupräsiiäent:' P ’6 i n c^ä.if ejhät dem Lofnidoriea* Bo'tsifchiäf-ter S. a i n t*' 'Ä'ii l-ä’dt e-auf; •den'-.framzösisich-'bxiitisclhein' Pakt -bezüg&Ke Weieuingeh' übeTmibtelit, -die :er dem Ftweigri .ö'ffiice mitzjuiLeileh. hä't. In d-eai.Mittei'l'uhgen -s-eihlägt . die'; friainzösteclne Regierung % d>ie- Aufedieteumg wn dessen' GveJM^h'g.-s d a >u e r auf 1*5' oider 26Md -riioht' .auf^LZ. JaWß;$.os?; u-nd bietet: Engfisud/gegenseitige4 :deuitsdher; Ängrdf-.-auif -die' n e u - : t r a I i -s Te x'i e 'fit Aikt b-etträchtet werden, auf den hfrn diais Abkommen in Wirksamkeit ziu tire-ten-bätte.' Die e-venituielle militärisic'h'e Hilfe- -der beiden Mächte, spül diurcih ein ständiges Em-vernehim-en - zwi-sclhen;- -dem beiden Gcn.ena'tetäbeu und '.ndoih t, duirah eine MMEärkcn ven- .fcion.tgerQg.ellt „werden. i-Eipe;Ko&f^ei^z;:;j4^Hiiiu-s^ des. Aeußerh ,Gry-ßbiri>tanniens>, Erarükireic'hi und Italiens wird . d^ie: O r i e n^-t .f r a g e ^behaihdÄn' und einen .wesenrfiÄhen- Punkt, der,^^Erörtevuug wird -die Frage bilideih', wie die drei Mäelhte eine;Verm>ib?1'ung zwischen den Griechen uittd den Türken verschlagen sollen. Später' werden wahrscheinlich Besprechungen über die K-onferemz in Genua ein ge leitet werden. : Tardieus Enthüllungen. . Paris, - 24. Jänner. Tardieu zählt im „Echo National“ eine Reihe von Streitpunkten zwischen Lloyd George und Giemen ceau während der : Friedensverhandluhgen auf, bei denen 'Lloyd George riachgegeben habe, ohne daß in den englischfranzösischen Beziehungen eine Spannung eingetreten wäre. Unter den'angeführten Beispielen befindet sich die Aufnahme Deutschlands in den Völkerbund, die Lloyd George unmittelbar gewünscht habe, während Clemenceau sie verweigerte, und der Anschluß Oester* reichs an Deutschland, gegen den Lloyd George nichts eingewendet habe, während Clemenceau den Artikel 88 des Vertrages von St Germain durchsetzte. Die Papstwahl. Rom, 23. Jänner. Die Blätter kündigen an, daß das Konklave am 2. Februar beginnen werde. gegen die Verwaltung erhoben werden, die gewiß begründet sind, so darf man nicht’ übersehen, daß gerade die von Zorn und Rache erfüllten Kfiegsparteien alles dazu getan haben, die Beamtenschaft mit ihrer Abneigung gegen die Republik zu durchsetzen, dieselbe Beamtenschaft, deren Abbau daran scheitert, daß sich die bürgerliche„ Gesellschaft samt. dem. Obersten Rechnungshof und der Ersparungskommission weigert, die Umschulung der Beamten von den Schultern des Staates zu nehmen. . Der Bericht deS Obersten Rechnungshofes ist zu einer Zeit publiziert worden, in der der Staat sich in einer schweren Krise windet. Man steht in Verhandlungen mit dem Ausland, zu deren Gelingen die Geschlossenheit der Bevölkerung eine unerläßliche Bedingung ist, nicht der durch Gendarmen und Korporäle erzwungene Kadavergehorsam, sondern die freie vernünftige Auffassung von dem Wohle der Gemeinschaft. Die Lebensmittelzuschüssesind eingestellt, statt des Staates müssen die privaten Kreise sich um die Beschaffung der fremden Valuten sorgen; die Teuerung, die von neuem hereingebrochen ist, stellt sich als eine naturnotwendige Uebergangserscheinung ein. E* müßte , dem Ausland, von dem Oesterreich Kredit Waren,und , Die Konferenz der Außenminister. .; London, 24. Jänner. (Funkspruch.) Die Besprechungen der Außenminister Frankreichs, Englands undj Italiens über die Orientfrage; werden in den . nächsten Tagen i n Paris aufgenommen werden.: , London, 24. Jänner. (Funkspruch.) Die Besprechungen zwischen den Außenministern von Frank- , reich, England und Italien sollen, den Zweck verfolgen,’ jene Richtlinien in der Oriehtpolitik festzulegen, deren Befolgung die: Minister. ihfEFr Regierungen Vorschlägen1? werden, ■ und dann .die Türkei 'und Griechenland von - den gefaßten Beschlüssen in Kenntnis zu setzen.; Die Abdankung König Konstantins : j gefordert? '■ - London, 24; Jänner. (Havas.) „Daily Expreß* meldet' aus r A t h e n, der englische Gesandte habe dem: König K o n s t a n t i n auseinandergesetzt daß seine. Abdankung zur Wiederherstellung der - normalen „Beziehungen zwischen den. Mächten und Griechenland notwe dig sei. Der König wäre geneigt, - einzuwilligen. Sollte er seine Ansicht ändern, . würden die jüngsten Finanzabkommen für nichtig erklärt werden. . .r Ein französisches Gelbbuch über die Balkanangelegenheiten. Paris, 24. Jänner. (Havas.) Das Außenministeriunl bereitet die Veröffentlichung eines Gelbbuches über die Balkariangelegehheiten seit 1912 bis zum Ausbruch des Weltkrieges vor. Die neue Sowjetregierung. Reval, 24. Jänner. (Tel. der „Wiener Morgenzeitung“.) Der Kongreß in Moskau hat die Wahl der nachstehenden Liste der Volkskommissare bestätigt: Vorsitz: L e n i n, Vizepräsident: Rykow, Volksernährung: Bruchanow, Außenhandel: K r a s s i n, Inneres und Verkehr: D s c h e r j i n s k t Krieg, und Marine T r 01 z k i, Aeußeres : Tschits che r i n, Justiz : K u r e s k i, Gesundheitswesen: , Semoschka, Finanzen : K r e s t i n s k i, Post- und Telegraphe’nwesen; Dowaylewski, Arbeitswesen : S c h m i d t. Die assentierten Soldaten in Bulgarien« Sofia, 24. Jänner. (Tel.' der „Wiener Morgenzeitung“.) Die. Botschafterkonferenz verlangt von Bulgarien bis längstens 15. Februar die Entlassung aller assentierten Soldaten der regulären Armee sowie der Gendarmerie und der Grenzwächter, die bisher ‘provisorisch unter den Fahnen standen, und begründet ihre Forderung damit, daß die bulgarische Armee auf Grund" des Friedensvertrages nur durch Söldner ersetzt werden dürfe. Lebensmittel beansprucht, gezeigt werden, daß das Volk den ernstesten Willen ' zur Selbsthilfe und zur Befestigung der freien republikanischen Gemeinschaft hat. Aber das System der inneren Feinde verhindert dies. Eine über die Grenzen hereingetragene Kabinettskrise, deren Sinn niemand fassen kann, erschüttert das Ansehen der Regierung, es gibt halbausgesprochene, vage Verleum-, düngen der persönlichen Integrität eines Ministers, es gibt den Bericht des Obersten Rechnungshofes — der unter der Herrschaft der k. k. Minister nie zu berichten wagte — und es gibt die Ausbreitung der gerügten in schwerer Stunde geschehenen Mängel im Angesicht des Auslandes. Es gibt eine Partei, die i« dör Optionsfrage den einfachen Rechtsstandpünkt durch ihren Vertrauensmann hat brechen lassen, die jetzt an der Republik Rache „pour le roi“ übt, und es*gibt eine; Presse, die zu dem Rechtsbruch des Wader gekuscht hat, aber den Bericht des Obersten Rechnungshofes schmatzend beim Fenster hinausserviert. Und wenn dann als die Folge dieses Treibens die Republik keinen Kredit, keine Waren und keine Lebensmittel bekommt; dann wird diese Presse toben; 8s muß « der Republik ersehen!

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