Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1071 (22.1.1922)
- Date
- 1922-01-22
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Wien: Zu^n-Abholen io der 1 Expedition,,11., Taborstr. 1—3, „ oder in einer Versclileiß3telle (Trafik) monatlich K 1000. MitPqstversand fürvfaen und Oesterreich monatlich K1000. Tsch ech o-Sfowakei:Mon. Kronen 20. .Un gärn: MonätL. Kronen 120.. Jugoslawien; Monatl. Dinar 18. Polen: Mpnatl. .Mark .6001 Deut s c h-* lanJd:: Monatlich Mark 25. Er a n k r e i c h: Monatl. Eres. (?. Nr. 1071 Wienerab 6 uar Telegte Wien, Sonntag, 22. Jänner 1922 4.Jahrgang ■WP Friedens- und Aufbau-Konferenzen. > 1 —X. W! e n, 22. Myer.; vis Regierungserklärung,mit: der Poincarö sein Kabinett der französischen, Kämmer vqrstMe, bleibt in keinem Pufikt hinter den Erwartungen . zurück,( die an dieses System geknüpft worden waren. . Die französische Politik Kehrt vollständig,zu dem Programm von Versailles zurück.' Sie steMIMl auf den Böden, des Siegfriedens, und unterordnMMch dem Geist, der. Rache. Alle Vereinbarungen,- dem September 1919 getroffen .wurden, um denMErationskonflikt > zu mildern, fallen in nichts zuMMAen. Der Refrain' der Poincar'ösehen Rede ist'zWrner : Deutschland muß zahlen; 'muß alles . zahiM^ ln die Tat/ um-, gesetzt, bedeutet diese PMW eine erneute und kräftige Unterwühfung dE Mutschen Wirtschaft und eine Unterstützung des östliMien Bolschewismus. Mit vollem Recht hat die Moskau||’iPrawda“ zur Be-, rufung PoincarSs bemerkt: „SoHMUßland kann; aufatmen.“ v Die Rede PöincarSS, i^^Ä'ef keine einzige seiner Ansichten über die - Steliüng|l?rahkreichs zu den Problemen der Weltpolitik aufgM'Mar zu erwarten und es ist für den weiteren 'VerläH. Mx Dinge gut> daß vollste. Klarheit herrächt Eine WGMng dieser Rede -ist vorläufig noch nicht zu konstatieren. England: bieibt bei seinem Standpunkt und hält an dem Programm der am 11. Jänner in'1 Cannes beschlossenen WirtschaftskonferenZ' fest. Die Tagesordnung dieser Tagung, die der Pariserrtafionälistis che „Eclair“ ’ wohl 'inicht ganz, ohne Zutun -der neuen Regierung mitteilt, .gibt ein genaues Bild der Absichten, die; dem Schöpferdieses Kongreßgedankens vorschwebten. Ohne gegenseitiges Vertrauen , ist kein. .Friede und keine Erholung möglich. Das ist die Richtschnur, die . der Oberste Rat . den zur Konteren? berufenen Staaten gibt, ein Programm, das wohl zur Beruhigung ängsider Exkaiserin Zita nach Budapest. Erklärungen des jugoslawischen Außenministers. Forderung: Kritik übt; der - europäische Friede müsse auf dauernden Grundlagen befestigt werden. .Die Konferenz von Genua wird stattfinden und es wird dort über die Bedingungen des Wiederaufbaues Europas gesprochen werden. Man weiß,, daß alle derartigen Zusammenkünfte von sehr langer .Dauer sind und durch die technische Notwendigkeit der Kommissionsarbeit die zur Erreichung eines vollen Erfolges unerläßliche Uebersichtlichkeit verlieren. Es. ist.deshalb am Platze, nicht allzu hohe Hoffnungen, in eine rasche Entscheidung zu setzeh. Die' Konferenz wird nur idänn zu einem Ziele kommen, wenn Amerika teilflehmen Wird. Darüber tind über die Heranziehung Rußlands bestehen noch schwerwiegende Unklarheiten, die in der politischen Lage begründet sind. Wenn es England gelingen Wird, Frankreichs Widerstand gegen eitle direkte Aussprache mit den Sowjets und Amerikas'Mißtrauen gegen dm französische Politik'im allgemeinen zu zerstreuen, dann werden sich diese Bedenken lösen lassen. Ein weiterer Grund zu? vorsichtigen Abschätzung ergibt sich aus der Beschränkung des Arbeitsstoffes auf Europa. Die Friedensverträge greifen in ihrer Gesamtkonstruktion ineinander. Versailles, St. Germäin, Neuilly und Sövres bilden ein Ganzes und die Fehler eines jeden 'einzelnen Vertrages* erfahren durch ihre Wiederholung eine unheilvolle Ergänzung. Dies gilt für Mitteleuropa sowohl wie für den Balkan und für Vorderasien, für die eliemaligen deutschen Kolonien und die Jnselbesitzungen Deutschlands im Stillen Ozean. Es ist unmöglich, diese Fragen restlos voneinander zu trennen, zumal sich neben den amerikanisch-japanischen Kolonialdifferenzen auch noch die schweren englischfranzösischen Konflikte in Kleinasien aufgetan haben. Deshalb kann auch die Konferenz von Genua nur eine Teillösung bringen, die allerdings auch" in ihrem geringeren Umfang begrüßenswert wäre, -Wenn sie zu einer Ordnung des Verkehrs-. und Währungschaos in Mitteleuropa führte. Es wird sich aber . nicht umgehen lassen, auch die anderen Konfliktgebiete, als et e alle Staaten tangierende Materie; zu behandeln uyd ahs dem Dunkel der Geheimdiplomatie heirauszuheben. Diese Forderung betrifft vor allem die Fragen, die durch die Liquidierung der Türkei erwachsen und sich auf sehr .vitale Interessen älier Mittelmeernation’en erstrecken. In die türkische :Frage spielen russische, englische, französische, griechische, türkische, arabische r und nicht zuletzt; Schicksalsangelegenheiten der jüdischen Nätio.n hinein. In allen diesen Momenten ist ein tiefer Gegensatz , vor allem zwischen England und Frankreich zu merken, der sich ahs politischen, wirtschaftlichen undPrestigebestrebungen zusammensetzt; diese Meinungsverschiedenheit sieht in Frankreich in dem gegenwärtigen Ministerpräsidenten ihren schärfsten Vertreter. Es . ist auch hier gut, daß Herr Poincarö ein so klares Programm entwiekelt hat, und es ist alle Hoffnung Vorhänden, daß die in der . jüdischen Heimatsfaage ebenso unzweideutige Haltung Englands Belgrad, 21. Jänner. (Tschächo-slow. Preßbureau.) In Beantwortung einer Anfrage des Demokraten L u k i n i c erklärte Minister des Aeußern N i n c i e in der Skupschtina: Verschiedenen Nachrichten zufolge bestehen tatsächlich Kombinationen, die auf eine R ü c k.k e hx d e r .Exkaiserin Zita nach U n g a rn, hinzielen. Die Nachrichten scheinen - nicht ohne Grundlage zu sein und Kombinationen sind in den gegenwärtigen: Zeiten der Üeberraschungen immer möglich. In Würdigung des Ernstes eines , solchem Schrittes hat die jugoslawische Regierung ihren Gesandten in Budapest beauftragt, gemeinsam mit dem t s c h e c h o - s l o w a k i s c h e n und«* umänischen Gdsan dt e n die ungarische Regierung auf die , . :; ernsten Folgen, .’ aufmerksam zu machen, die ein solches Ereignis, nach sich ziehen könnte. Außerdem hat der Belgrader 1t a I i enische G e s a n d t e von seiner Regierung die Weisung erhalten, im Sinne der in Rapallo abgeschlossenen antihabsbürgischen 'Konvention; bezüglich aller etwa notwendig werdenden Maßnahmen in enger Fühlung mit' der jugoslawischen Regierung zu bleiben. Zweifellos wird auch P o 1 e n in dieser Frage mit uns solidarisch sein. Die in der ' Botschafterkonferenz . vertretenen Mächte haben bereits In Budapest einen unserer Demarche ähnlichen ernsten Schritt Die amerlkäqisöhen jiidffeftdie freMäenfeindliche Gesetzgebung. Washington, 20. Jänner; (J. C. B.) Die Vorsteher der : führenden > jüdischen Organisationen iin Amerika bereiten eine vareihigte Aktion gegen die vom Congxeßman J o h n s o tu, Senator Willi tarn King- und anderen Betriebene fremdenfeindliche Gesetzgebung vor. Zu diesem Zwecke wurde ein aus - dem American Jewi-sihi Committee, d'er Hiaisdem Ofden’ B’rith Abraham und dem Kongreß der, amerikanischen Juden - ' bestehendes vereinigtes K o ni i t e e „gebildet , -und ein- Subkomitee <zn.ur Mitarbeit mit den Vertretern aller , anderen diese Gesetzgebung bekämpfende Gruppen gewählt. Die jüdischen Repräsentanten wollen sich nicht an das Komitee des Repräsentantenhauses wenden, sie werden vor dem Untersuchungsausschuß des Senats erscheinen und dort ihre Vorstellungen machen. (Es handelt sichum die Erschwerung der Einwanderung.) Einer Mitteilung des jüdischen Kdngreßmauunes- S i g e T an das J. C. B. zufolge •beschloß der Vorsitzende der Einwanderungskomimissioh J ofow s on, solange keine weiteren Verhöre voraüihehmen, bis der Senat' mit dem Komitee des Repräsentantenhauses über den Charakter der neuen Fremdengesetzgebung irgendwie übereingekommen ist. Die Frage der inneren S t a a t s i o r m Ungarns — Republik oder Monarchie —- ist eine1 reinT ungarische Angelegenheit. Die Frage der Rückkehr eines' Habsburgers auf den ungarischen Thron ist jedoch eine e u r opäische, insbesondere eine solche der Nachbarn Ungarns, welche in ihrer Nähe die Wiederaufrichtung eines Regimes verhindern wollen, welches durch seine Existenz und seine unmittelbare* Aktion das gräßliche Blutvergießen in der Weltgeschichte hervorgerufen hat. Wir unterschätzen . nicht die' Bedeutung guter Nachbarschaft. Es , ist deshalb unsere Pflicht gewesen, die ungarische Regierung auf einen Schritt aufmerksam, zu machen, der .. ' ein gefährliches Abenteuer bedeuten würde. Das letzte Mal ist unsere Ermahnung. dufch die Mobilisierung und die Konzentration - unsere! Armee an' der Grenze unterstützt worden. Wir haben Aus* .; gaben von mehreren hundert Mi Ilion e n i D i n .a r s auf uns genommen, damit jenseits der Grenze der ganze Ernst der Situation erfaßt werde. Alle bezüglich einer etwaigen moralischen: Unterstützung gehegten Hoffnungen gewisser Herren erwiesen' sich als gegenstandslos. Die Haltung der gesamten Presse und die Schlagfertigkeit der Armee bewiesen, daß das 1 ganze Volk vom > Triglav. bis zum Prespa-See von einem Geiste beseelt ist. Es ist deshalb schwer zu glauben, daß es in Ungarn noch einen Menschen geben könnte, der das Land in einen Konflikt hineinziehen wollte, der dieses Mal k a t a s t r o p h a 1 c n C h a r a k t e r haben könnte. Das russische Programm für, Genua. Riga, 19. Jammer. (Tel. deir »Wiener M'Otrgenzertung«.) Eine Kommission der Sowjetregierung umter dem Vorsitz T sc h i f s c h e ir-i n s ist mit der Ausarbeitung des Programms fürdie Konferenz von Genua bestimmt. Die Sowjetregierung wümsebt die Beihantdlung der fdligendein Fragen: i. Die Zahlung der, r u s s i sc h e n Schu lden, 2. E n t s c h ä d i g u in g en. ain Rußland für die dem Lande düirch die fremde Okk mp at’io n zugefügten Verluste, 3. Rückstellung der von D en i(k in, J u d en ik* und W -r a.n jg 1 entführten Schiffe, /ch. die Frage von Ostsibirien, 5. dler w i rtsc.h a f 11 ic h e Wiederaufbau Rußlands,. 6. die 'russischen Häm d e 1 s b e z i e - hangen mit dem Auslamd, 7. die Fragen der Nationalitäten.. Wie es heißt, soll Lenin an der Konferenz nicht teikiehmcn. '■ Der Papst im Sterben. Rom, 21. Jänner. (Stefan!.) Die Aerzte des Papstes veröffentlichen folgenden Krankheitsbericht: Der Zustand des Papstes hat sich abermals im Laufe des heutigen Tages verschlimmert Die Atmung ist mehr und mehl* erschwert Die Herztätigkeit wird immer schwächer. Der Papst schlief 40 Minuten lang. Bei seinem Erwachen verlangte er nach Nahrung. Er nahm Griessuppe und etwas Wein zu sich. Der Schlaf scheint ihn sehr beruhigt zu haben. Trotzdem ist man der Ansicht, daß alle. Hoffnung umsonst ist Amerika gegen das Programm Poiheär6s :■ London, 21. Jänner. (Reuter.) „Westminster Gazette“ berichtet aus Washington, das Programm Pp in ca r 6 s werde als eine Rechtfertigung der, Befürchtungen Amerikas angesehen. Von maßgebender amerikanischer Seite werde darauf hingewiesen, daß Amerika Poincare bei seiner Forderung nach strikter Erzwingung der Friedensverträge weder in 'Genua noch anderwärts unterstützen werde. Ein Weltkongreß der irischen Rasse in Paris. Paris, 21. Jänner. (Funkspruch.) Am 23. d. M. wird hier ein Weltkongreß der irischen Rasse eröffnet werden. Der Kongreß hat die Einigung der irischen Rasse und die Wiederbelebung der Nationalsprache und Kultur zum Gegenstand. y Bolschewikische Offensive. Helsingfors, 21. Jänner. (Havas.) Die bolschewikischen Truppen im äußersten Osten haben die , Offensive begonnen und sich der Stadt B 1 a g o w e s t s,c h e n s k bemächtigt. Neue Konferenz der Randstaaten. Helsingfors, fll. Jänner. (Tel.-Komp.) Die finnisch« Regierung beabsichtigt, %ine neue Konferenz einzuberufen, auf der eine Annäherung zwischen deä Raridstaaten und Polen erfolgen soll. Die Konferenz der Randstaaten> die ursprünglich in Riga zusammentreten sollte, wird deshalb wahrscheinlich über Anregung der finnischen Regierung io Wa rsc.bau stattfinden. Frankreichs Ein- und Ausfuhr. Paris, 21. Jänner. Der Wert der Einfuhr betrug inv .Jshre 1921 43.205 Millionen, die der Ausfuhr 21>553 Millionen. durch eine baldige Sanktion des Palästina^Mandats im Völkerbund bestätigt werden wird. Es wird aber eine sehr wesentliche Aufgabe* der jüdischen Politik sein, darauf zu dringen, daß die Judenfrage in Ihrer Gesamtheit auf die Tagesordnung des Weltkongresses gestellt wird. Eine Lösung dieser Frage kann nur durch das jüdische- Volk selbst erfolgen. Aber die Anerkennung des Judentums als eine gleichberechtigte Nation ki allen Ländern, vor allem aber dl« Sicherung der politischen und soiialen Freiheit der jüdischen Minder* beiten, kann und muß durch ein völkerrechtlich garantiertes Uebereinkammen „aller Staaten erreicht werden*