Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1069 (20.1.1922)
- Date
- 1922-01-20
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 1069 WIENER MORGENZEITUNG 20. Jänner 1922 Wien, Freitag Seite T qp Sportblatt Fussball. Oesterreich gegen Itd'en. Eine italienische Blätterstimme. „Corriere della Sera“ enthält in seiner Kummer vom vergangenen Dienstag einen ausführlichen Bericht über .den Länderkampf, der 3:3 endete. In folgendem geben wir daraus einen Auszug,: „Obwohl die Preise nichts weniger als populär waren, hatten sich über 15.000 Personen beim Länderkämpf eingefunden. Die Brutto- Einnahme betrug 200.000 Lire (70 Millionen Kronen). Die hochgespannten Erwartungen der Zuschauer wurden' nicht enttäuscht. Der Anblick der 22 athletisch gebauten Fußballer war imponierend und ihre ausgezeichneten Leistungen enthusiasmierten Fachleute und Laien, Die Italiener fanden sich rascher zusammen und forcierten ein kolossales Tempo. Der Angriff wurde von der Hintermannschaft wunderbar unterstützt. Die erste entscheidende Phase brachte ein energischer Durchbruch von Migliavacca, der den Ball -zu Moscardini beförderte, letzterer placierte ihn mit einem schwachen Schuß ins österreichische Tor. Der Jubel der Zuschauer war grenzenlos. Nicht lange dauerte aber ihre Freude, da .die Oesterreicher durch einen glücklichen Schuß von Hansl, unter Mithilfe des Fußes von de Vechi, das Spiel gleichzogen. Die italienischen Angriffe waren wohl tc h ,isch nicht ganz auf der Höhe, aber immerhin sehr gefährlich. Vor der Paiise gelangten die Italiener durch einen Kopfstoß Santaraarias nach einer Ecke neuerlich in die Füllung. Nach Seitenwechsel spielten die Oesterreicher besser wie vorher. Den Italienern gelang es aber, den Vorsprung noch zu vergrößern. Eine Einzelleistung Moscardinis riß den Angriff nach vorne. Forlevesi übernahm das Leder, brach kühn durch die beiden gegnerischen Verteidiger und erzielte den dritten Treffer. Nun erschien der Sieg gesichert. Die Italiener ließen aber nun bedenklich nach. Vielleicht waren sie zu siegesgewiß oiier zu erschöpft. Der Angriff entlastete zu wenig die eigene Hintermannschaft, die / schwer zu arbeiten hatte. Die Oesterreicher, erwiesen sich nun als Meister des Züsamm^ispiels. In der 19. und 28. Minute gelangen ihnen zvrei Tore, trotz des starken Widerstandes der gegnerischen Verteidigung. . Die. Oesterreicher waren stare Leute, did wunderbar zusämraehspielfen. Glänzend' war das Zusammenarbeiten zwischen Stürmern und Läufern. In technischer Beziehung hatten sie sichtlich die Oberhand. Das größere Können der Gäste wurde aber durch das entschlossene, flinke, angriffsfreudige und feurige Spiel der, Italiener wettgemacht, obwohl die italienische Nationalmannschaft keinen Glanztag hatte.“ Die Kritik des Blattes über unsere Mannschaft ist bemerkenswert „Der Tormann 0 s t r i c e k ließ durch seinen Mut und sein entschlossenes Eingreifen manchen Fehler vergessen. Das erste Tor fällt auf sein Schuldkonto. Die beiden Verteidiger sind taktisch glänzend und verfügen über einen kräftigen Stoß. Nur waren sie langsam und unsicher, wenn sie ie Gegner angingen. Ausgezeichnet gefiel der Mit'elläufer Pesch, die Seitenläufer hingegen waren schwächer. Der Angriff der Oesterreicher war einfach glänzend, doch benützt er nicht jede Gelegenheit, um einen Torschuß anzubringen. Vielleicht hat die vorzügliche italienische Hintermannschaft durch ihr energisches Eingreifen die Oesterrcicher irritiert 1 . Nach Ende des Spieles verließen die Zuschauer In vollkommener Ruhe den Sportplatz. Das Resultat kann die Italiener vollkommen befriedigen, da die Oesterreicher zu den . besten Ländermannschaften Europas zählen. Trotzdem waren die Besucher etwas' enttäuscht, da alle den Sieg schon sicher glaubten.“ Luxemburg gegen Frankreich 3:2 (l:y. (Von unserem Sonderberichterstatter.) Frankreich hat eine der wenigen Chancen, im Internationalen Wettbewerb der Länderspiele einen Sieg davonzutragen, aus der Hand gegeben. Es unterlag gegen die Nationalmannschaft Luxemburgs in Luxemburg mit 2:3 Toren nach einem Spiele, das die Luxemburger überlegen sah. Frankreich, das am selben Tage in Paris mit einer gleich starken Mannschaft gegen Belgien spielte, das mit vier Ersatzleuten angetreten war und sich daher eine 2:1-Niederlage gefallen lassen. mußte,. hatte glänzende Einzelspieler ins Feld gestellt, ein Zusammenspiel aber sah man keinen Augenblick, keiner gönnte seinem Nachbar den Erfolg. Dazu kam noch, daß der Tormann Bichelberger von C. Al M. Metz, der das erste Mal internationale Ehren einzu- Feimien Gelegenheit hatte, versagte und das dritte Tor ganz* auf sein Schuldkonto zu schreiben ist Bekannte Spie’er wie Boyer, Jourda, Bloch usw. zeigten schöne Leistungen sie waren aber zu' egoistisch. Luxemburg, hingegen, das nach der empfindlichen Niederlage gegen S^dholland, die auf ganz verfehlte Aufteilung zurückzuführen wer, seine Mannschaft unter Hintansetzung der sonst üblichen Klub- und Städtepolitik ausgestellt hatte, spielte ein flinkes, energisches Spiel und vergaß nicht daß zum Gewinnen das Goalschießen gehört. Die Mannschaft als Ganzes konnte allgemein gefallen. D i Halves spielten unauffällig, aber gediegen. Auch der Angriff gefieL Das Spiel stand zu Halbzeit 1:1, nach der Pause spielte Luxemburg energisch auf Sieg und Frankreich konnte froh sein, so glimpflich davongekommen zu sein. Hätte Mass$rd, Luxemburgs berühmter Linksverbinder, sozusagen der Fischera des Landes, nicht krankheitshalber absagen müssen und hätte sein. Ersa|zmann Eyschen nicht so schlecht geschossen, die Niederlage hätte weit empfihdlicher werden, können. ' , ch Der Rahmen ‘ dieses internationalen Spieles in Luxemburg war glänzend. Um das renovierte Sport-; terrain drängten sich trotz der kalten, schneidenden Luft an 5000' Personen. .Prinz Felix, der Gemahl der/ Großherzogin (bekanntlich der Bruder der Ex-Kaiserin Zita, jener |elix von Pärma, der den Ex-Kaiser s.inerzeit aus dem Isonzo gezogen hat), wohnte dem Spiele bei, weiters die gesamte Regierung, der französische sowie der italienische Gesandte von Luxemburg,' die Spitzen , der Lokalbehörden usw. Vormittags war offizieller Empfang der Mannschaften im Hotel de-Ville durch den Bürgermeister der Stadt Luxemburg. Vor dem Spiele ließ sich der Prinzgemahl die Kapitäne vorstellen. Man sieht, daß König Fußball auch im Großherzogtum Luxemburg gebührend geehrt wird. _ Erich J u h n. , Ostmark in Agram. 1 Von einem Reiseteilnehmer. « Am vergangenem Freitag 'früh frf'jrem wir von Wien weg iwid. wauvn bereits um 6 Uhr rjbends in Agram. An der Fahrt beteiligten sich die Spieler Kraus, Hiltl, Pio'Icr, Fürst, Bieber, Laiakembauer, Hofbauer I und II. Schneider, Rybnkck, Tscherwitz, Reiter und Paz' .lt. Die Führer der, Expedition waren die Herren Gregor, Manila . und Trainer Huber. In Agram wurden wir von Herrn Berger, dem Präsidenten von Gradjanski, herzliehst begrüßt und per Fiaker ums Hotel geführt. Am Abend ga>b, es ein Festessen, wobei mancher Spieler seinen Mann stellte. Die Gastgeber, denen wdhr&ch ein lieh der Appetit der Wiener in keinem Einklang mit den' vorgesehenen Yer.pflegskoisteji erschien, lösten die Nätu-rail'verpflegung gegen eine Pauscioalsumme ein. Samstag mittags fuhren wir per Auto auf den Sportplatz, wo sich'ungefähr 1500 Zuschauer beim Wettisipiel gegen: Ilytia einfandemiiWir spielten vielleicht dais beste Spiel seit unserem ( Bestand und siegten neeth bedeutender' Ueberlegenheit mit 10:0 Toren. In : her varragen der Form befanden sich die Brüder Hofbauer, weiters Schneider und Fürst. Am nächsten Tage hatten wir Gradjiatnistkd zuim Gegner und diesmal hatten sich 3500 Personen cingefünden. Vor der. Pause wair. dais Spiel ziemlich ausgeglichen und es gelang uns, durah Hofbauer II nur einen Treffer zu erzielen. Nach Seitenwechsel waren wir glatt die Besseren. -Hofbauer II stellte schon in der siebenten Minute mit - Prachtschuß dais Endresultat (2 ö) her Obwohl wir ununterbrochen Sturmläufe gegen das gegnerische Tor unteiWhmen, konnten wir den Treffervoirsipnung : nicht vergrössera. Reiter und Tsdherwitz vergaben sichere Gfancen. In beendender Form befand sich wieder der Mittelläufer Hofbauer 'I, dessen Spiel größte Anerkennung-fand. Ihm standen Fürst. Bieber,-'Hofbauer II und die gesamte Hinferman'n<$.cha»ft nur wenig nach, Die Agram er sind körperlich stark, flink und .stoßüicher. Der Engländer Gaskeil, der von seiner.Tätigkeit bei der H a k 0 ah bekannt' iVit, leitete beide Spiele. Er äußerte sich über die Leistung der Wiener wie folgt: »Ich-war vom Können des Sportklubs Ostmark überrascht, da ich ihn nicht so hoch .eingeschätzt habe. Ostmark war auch im Spiele gegen Gradjamsiki, um vier bis fünf Tore überlegen. Die besten Wiener Vereine, die ich zu sehen bekommen habe, und zwar Raipid, Hakoah und * A maiteure, hätten nicht besser spielen .können.« Sonntag um 12 Uhr nachts - verließen . wir Agram und kämen erst am Mpmtag um 6 Ubr abends* in Wien an, da der Zug wegen. Schneeverwehungen sieben Stunden in Spielfeld, Aufenthalt hatte. ■'_| , - 1 Schwere Spielerbestrafungen. „Die ich rief, die Geister, werd’ ich nun nicht los.“ Aus Prag erhalten wir die Nachricht, daß die Vereinsleitung von Sparta die Spieler M a z a 1 und» Franz H 0 y &r aus dem Verein ausgeschlossen häbe und die Sipieür Anton Hoy er, P11 a t, S e d- 1 a c e k und P 0 s p i s c h i I bis Ende März 1922 disqualifizierte, da sie sich auf der Spanienreise versch.edene Vergehen zuschu’den Waben kommen lassen. Welcher Art diese Vergehen waren, Wird die Oeffentlichkeit . vahrheitsgemäß wahrscheinlich nie erfahren. Das energische Eingreifen der Verelftsleitung wird wohl jetzt der tschechischen Presse entsprechend gewürdigt werden, man dürfte die Maßregelung , als Beweis für die Amateureigenschaft der Sparta-Spieler hinstellen. Wir glauben aber, daß das Ende von^ Lied nicht die Verurteilung der Spieler, sondern der Sturz der? 'zu eifrigen Ve.einsleitung sein wird. Nach oberflächlicher Beurteilung würde in diesem Falle der Vereinsleitune, die sich so wacker bemüht hat, Ordnung im eigenen Hause zu halten, bitteres Unrecht widerfahren. Und doqh trägt nur sie alleiij die Schuld an diesen mysteriösem Vergehen der - gemaßregelten Spieler. * In allen Sportkreisen Europas wunderte man sich, daß Spieler, die einem geregelten Beruf nachgehen, so viel '"Zeit haben,. um in wenigen Monaten fast halb Europa bereisen1 zu können. Sparta war in der Schweiz, iti Deutschland, in Spanien und einige Male in Wien. Es ist nun klar, daß kein Unternehmen, schon mit Rücksicht auf die anderen Angestellten, den Fußballern der Sparta derart häufig Urlaube erteilt Demgemäß liegt die Vermutung nahe, daß die Spieler des tschechischen Meisters keinen Beruf haben. Werdende Größen* die sich noch in sicheren Steilungen befinden, sind im Interesse des Fußballsports gezwungen, diese aufzur geben. Wir wollen natürlich nicht behaupten, daß t die Vereinsleitung der Sparta die J itiative zu 5* diesen Auslandsreisen ergriffen hat, ihre Schuld liegt aber darin, daß sie diesen Erwerbsbestrebungen '“der Spieler keinen Riegel vorgeschoben hat. Aus den Auslandsfahrten schöpfen nämlich die Spieler reichen Gewinn, da die Ueberschüsse unter ihnen verteilt werden. Die wackeren Kämpen der Sparta dürften mit den Beträgen, die sie erhalten haben, nicht zufrieden gewesen sein und so werden sie vor jedem Spiel den Reiseführern große Unannehmlichkeiten bereitet haben. Durch Bestrafungen von Uebeltätern, die man selbst groß gezogen, hat man sich wahrlich nicht reingewaschen. ' Zum Länderspiel Frankreich—-Belgien»! Warum Belgien unterlag. Die Niederlage der Belgier, die bei den Olympischen Spielen in Antwerpen Sieger wurden, gegen das fußballsportlich nicht hoch eingeschätzte Frankreich (1:2) hat allseits überrascht Unsef Berichterstatter legt nun die Gründe klar. 1 , Daß Frankreich am vergangenen Sonntag in Paris gegen Belgiens Nationalelf siegreich bleiben ko: nie, ist auf den Absagenregen, der sich in der letzten Woche* in Brüssel eingestellt hatte, zurückzuführen. CoppSe, Belgiens bester Stürmer, war vom Verbände disqualifiziert worden, die Klubkollegen .dieses Spielers, Much, Thys usw., die für das Team aufgesteillt waren, mußten wegen einer Grippe (?) absagen. ‘ So kam es, daß das belgische Auswahlkomitee sozusagen in letzter Minute für fünf Ersatzleute für die besten fünf Mann zu sorgen hatte. Keine leichte Aufgabe, wie man zugeben muß. Und Frankreich konnte auf eigenem Boden nur 2:1 gewinnen. Doch dürfte der Jubel über diesen nicht allzuschweren Sieg rinähere Nachrichten stehen noch aus, das .Match fand gestern statt, ich erhielt nur kargentelephonischen Bescheid — durch die gleichzeitig erlittene Niederlage gegen das kleine aber keineswegs schwache Luxemburg stark beeinträchtigt worden sein. Die Goliaths stechen eben nicht aus ... Fußball in Moskau* Der Sport bei den Russen. In Moskau machen sich wieder Anzeichen! schwachen sportlichen Lebens bemeirkiba/r. So konnte inan bei einem Gange um den Kreml auf dem breitem* •ireien. Raume zwischen iijim und dem .Kitaägorgd, dem großein Handelshof . auf .seiner Ostoseite, TorgesteU* sehen, zwischen denen Soldaten der Rotan Armee dem Ledarhall nach jagten'. Das S-p-iefl, Ball- und Aus-: lüs-tungsmaterial war meist primitiv oder schon etWaat strapaziert. Die Spiel erspielten meist* in ihren Uniform-? stücksn, der 'eine' oder andere hatte die 'Koipipbl aüfs eifte Art. Gurt verwendet. Die Partien waren meist schwächer, als in den Regeln vorgesebrieben, zuweilen aber auch starker, so daß eine Art Massen fußball mht großen Khäüe’in entstand. Wie man erzählt, sollen auoh Söhne der Sowjetdelegierten, unter anderen auch der Trotz* •kijs, Fußball' spielen. Immerhin ist dais Spiel mit dem runden Lederball in Rußland durch die Wirren airg behindert, ja sogar in seiner Entwicklung zurück», geworfen worden, wenn man denkt, daß bereite 1879 ein von Engländern gebildeter Fußballklub in Petersburg bestand, fast um dieselbe Zeit einer in Odessa sich bildete, während das Spiel in Moskau immerhin schon 26 Jahre alt ist. Denn es war 1895, daß die Engländer, die in der Fabrik Hopp er arbeiteten, das Spiel anfbrächiten. Wenn man ferner sich daran erinnert, daß Moskau bereits 1911 drei Städtespiele gegen Berlin aus» tragen konnte, die zwar mit 0:6, 3:6 und 2:4 verloren gingen, ebenso wie die Spieße gegen Finnland, Ungarn» und Holstein-Kiel, und endlich die immerhin .schon! stattliche* Zahl von 15 I^lubs ins Auge faßt, mit der Moskau vor dem Kriege im Allrussischen Fußball* verband vertreten-war, so kann man das heutige Moskauer Fußballeben nur aäs sehr bescheidenen Anlauf zu einem nennenswerten Betrieb bezeichnen, der, hoffentlich auch in absehbarer Zeit in diesem unglück* liehen Lande nicht aavsbleiben wird. Max Grflnwald, der tüchtige Stürmer der Hakoah, hat einen schweren Verlust erlitten, da se*ne Mutter infolge einer Grippeerkrartkung gestorben ist. . Professionalspieler. Die vom ungarischen Fußballverband zu Professionals gestempelten K. A. C.-Spielef s nd: Jeszmas, Jeny, Csontos, Eisenhoffer, Varga, BlasnUq, ßudai und Meszaros. Ein Verbandswettspiel Schlesien—Mittelböhmen- Prag gelangt Sonntag in Prag zur Austragung. Der I. F. C. Nürnberg fährt Ende März nach Snanien. Die Vereinsleitung ist, wie das „Prager Tagblatt*