Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1067 (18.1.1922)
- Date
- 1922-01-18
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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IC 40 Wien: Zum Abholen in der Expedition, Il.,Taborstr. 1—3, oder iti einerVerschieißstelle (Trafik)" monatlich K 1000. jVütPosiversaadfüßWieirtitid 0 wterreichmonatlich K 1,000.; T s cH ecli ö-Sl ov^akei: Uok Kronen 23. Ungarn: Mo'nail. ‘ Kronen: 120. JugoslawUn:- Monatl.; Dinar 18. Polen: /v'lqnafl. MarkCOO. Deutsch- J ah d: .Monatlich Mark *25. Frankreich: Monatl.Frc8.6r 1867' rener Wien, Milivvechi 18. Jänner 1922 rstöem&mnaimä ItKk. k i ö3 Hallen: Monatlich Lüre jfi Rumänien: Monatl. Lei'4$ Schweiz lind das übrige Ausland monatlich Francs 3|. Redaktion tu AdMnis^aEeÄ' Wien II., Taborstrasqs 1— .Telephone: 44-0-38, 43-3-193 ab 6 Uhr abends 177-9-3L' Telegrammadresse: „Morgen*' zeitung“, Wien. Oesterreichlsches Posts^rVässenkonto 13Ü.68K 4. Jahrgang Krise und Brot. . ' ‘; . ' , ' r_ f; '! kr^ Wi en, 18. läririer. Die Krise; 6ife Von ’deh;: Wäber-Leuten herauf-1 beschworentourde^ ist nicht nur,' außenpolitisch, genommen, ein durch1 Dummheit beschwertes Verbrechen,\ sondern; ist;; auch, was den Zeitpunkt. der Krise betrifit, ' dD^Unverantwortlichste Unternehmen, das jemals eine ^R^ierungspartei; sich geleistet .hat. Während die GfößäeütsbKen an dein Wortlaut des; Abkommens von Pra£., herumtüfteln und in dem kindischen Glauben ‘ verharren,' daß . durch. - die Ablehnung des. vielumstriiteneh ,Artikels, durch welchen der Friedensvertr^g neueflicji v zur Kenntnis genommen wirch'ÄeMi. I^i&iehsvafi^--aü8 der Welt geschaft sei, und dabei übersehen, Üaßäußeh diesem Paragraphen das ganze AbkommW deh Grundstein bildet, fürdas-Konjde; dessen ‘ dieses' gerade durch den sp sehr bedarf, kümmern sich Handel und Industrie : nur ihsDfern* 'um die deutschnätionaten Spiegelfechtereien, als . sie umso ernster mit sich zti Räte gehen und aus den tatsächlichen .wirtschaftlichen Verhältnissen die schwerslwieäehdeüvKonsequenzen zu ziehen beginnen. Das drückendste-Problem, das auf unserem Wirtschaftsleben lastet, ist, wie über die größte Krise, die über .OesWeicli hereinzübrechen, droht, .hinwegzükomrnen sei, über die - Krise unserer ohnedies verkrüppelten Produktion! Der Kaufmann und der Fabrikant, die bisher beini Tiefstand . der österreichischen Krone die, vom ~altgemeihen: Gesichtspunkt betrachtet, sicherlich'uriamgenehme Rolle, von Mittlern zwischen heimischer Produktion -’unti' kaufhungiigen Ausländern zu spielen hatten ' und dadurch wenigstens immer wieder das Gespenst der kritischenArbeitslosigkeit zu verscheuchen imstande waren, sehen sich - jetzt mit einem Male der furchtbaren- Tatsache gegenüber, daß wohl uiisere Valuta, auf ihrem1 tiefen Niveau; yer- . WM -M Absatr WE^^H^rep^Hs! -Msland .. .hber eb^i8o^ÄöDt!^kÄuMhä!8che Käüffer ist äusHbliMM" Dafür aber . melden sich täglich neue Lasten; . die abzuschütteln der Kaufmann ünci der* Industrielle nur dadurch . imstande sind, daß sie’ ihr Arbeiter- und Ängestelltenpersonal ab’bauen. Der Unternehmer hat. all die Rücksichten, die den Staat bei der Durchführung des Beämtenäbbaues leiten mögen, seinen Arbeitern und Angestellten gegenüber nicht zu nehmen. Er.würde sich über solche Rücksichten, auch wenn er' zur Sanierung der Staatswirtschäft; berufen wäre, hinwegsfetzen. In seinem eigenen Betriebe kennt er nur; die Rücksicht auf die Existenz seines Unternehmens. Welche große Bedeutung für. die Weiterentwicklung der Dinge in der österreichischen Republik die Mässenentlassung von Arbeitern und Privatangestellten hätte, geht aus den täglich sich erneuernden Dementis .hervor, die den Gerüchtenüber solche Entlassungen in größerem Stile entgegengestellt' werden. Mit solchen Dementis, ob. sie nun von rechts oder von Ii ks kommen, kann jedoch die wahre Situation, in der sich unsere Volkswirtschaft jetzt befinde^ nicht besser gemacht?'-und die drohende Arbeitslosenkrise, die viel schwerwiegender ist, als die leichtfertig von den Großdeutschen heraufbeschworene Regierungskrise, ' nicht aus def Welt geschafft werden. Vorläufig ist der Abbauin den einzelnen Betrieben erst in den Anfangs- Stadien begriffen. Er schreitet s'aff ei weise vor und wird in, dem Verhältnisse neuer Belastungen, die mit der Zähl der in.:. den Betrieben , beschäftigten Arbeiter srcigen urra ^sinken können, gleichfalls an Umfang zunehmend ‘ : Man kann sich das Bild ausmalen, das Wien mit dem Anwachsen der Zahl der Arbeitslosen bieten wird. Man vergesse nicht, daß der Arbeiter in guter Arbeits Stellung sich an einen Lebensstand gewöhnt hat, der ihn wirtschaftlich besserstellte als den geistigen Arbeiter und den : Mittelständler Überhaupt. Der geistige Arbeiter, der Kleinrentner, der Pensionist haben, aus ihrer alten, gewohnten Lebensbahn geschleudert, sich, wenn , auch schweren Herzens, .in die' neuen Verhältnisse hineingefuhden und vor allem sich selbst und ihre aus alter Zelt, übernommenen Pflichten nicht vergessen. Der Arbeiter, aus der besseren ’ Lebensgewohnheit herausgerüttelt, wird solchen Traditionen nicht Rechnung zu trägen ,haben. Der. Arbeiter hat seine Organisation, der Arbeiter; will nicht. nur leben, er will auch nicht schlechter leben,, als er es nun einmal sich durch Kämpf;!: möglich gemacht hat. Wien könnte ohne große Erschütterungen nicht länge eine Stadt der Arbeitslosen sein. Es kann aber auch nicht auf die Dauer die Start zum billigen Ausverkauf sein. Würde man in deutschnationalen Kreisen überhaupt Verständnis für die Wirklichkeit, haben, so könnte-man an diesen Erscheinungen, die in unheimlicher' Weise an Ausdehnung zunehmen, nicht achtlos und unbekümmert vorübergehen. Selbst vom Stanpunkt der Anschlußpolitik ist das Gehaben der Großdeutschen unverständlich. Was immer, in der Zukunft mit Oesterreich aescheheq soll, wird es. wirtschaftlich, Empfang zionistischen Abordnung in der > Washington. englischen Gesandtschaft von London, 16. Jänner. (J. C. B.) Reuter .verbreitet folgende s Meldung aus Washington: In einem in der britischen Gesandtschaft zu Ehren der zionistischen Organisation veranstalteten Empfang wiederholte Mr. B a lfX) u r sein Versprechen, die zionistischen Aspirationen zu unterstützen, und erklärte, daß er auch heute dort stehe, wo er-während seiner Deklaration vom Jahre 1917 gestanden war, und zwar, daß Palästina ein Nationalh e i m für die J u den werden soll. „Die Juden — sagte Baifour — müssen hier ihre'Arbeit tun, Großbritannien tut das Seinlge in Palästina. Beide müssen an diesem Werke Zusammenarbeiten: sie müssen Diplomatie und Ueberlegung an den Tag legen, sie dürfen keine unnötige Hast zeigen, es dürfe auch keine Momente der Abschwächung in den Anstrengungen zur Vollendung des soeben begonnenen Werkes geben, in welches beide Teile frei und offen emgestimmt haben.“ - „loh kann Sie versichern — schloß Mr. B a 1 f o u r —, daß mein. Interesse an eurer Sache, mein Glaube an euren endgültigen Erfolg und mein Wunsch, vor unseren Augen die erfolgreiche Verwirklichung des Ideals eines jüdischen Heims in Palästina1 zu sehen, nicht kleiner geworden ist“ Washington, 16. Jänner. (J. C. B.) Beim Empfang in der britischen Gesandtschaft beteiligten sich von zionistischer Seite 60 führende Zionisten aus allen Teilen der Union, darunter auch Delegierte der Orden B'n e i Zion, B’r i t h;S c h ä l.o m, der H a.da;s s a und des j ü d i s c h - a me rik.anis che n Kongresses. Letzterer war durch denMilanthrtzpeA.N;a t.h a n 3't.r a u s .vertreten.,,Pte„ zionistischen SHtKMÄrcksv^-Mr..- .B ajjö/uyr, politisch und sozial zerrü'tet, keinem Lande und keiner Macht ein begehrenswerter Partner sein. Ein auch seiner letzten Lebensmöglichkeiten beraubtes Ländchen kann höchstens als willenlose Beute für die- Habgier des einen oder des anderen Nachbarn gelten, nie aber als ein Faktor, der bei der Entscheidung über sein Schicksal ein beachtenswertes Wort zü sagen ha:. Diese Gefahr, auf diese letzte Stufe der Lebensunfähigkeit hinabzugleiten, droht Oesterreich, wenn es aus. dem Kleinkinderspiel der altösterreichischen Krisen, die mutwillig vom Zaune gebrochen werden, nicht herauskommt und nicht herzhaft zugreift zur Schaffung, jener Lebensmöglichkeiten, die ihm die Herstellung eines wirtschaftlich und politisch erträglichen Nachbarverhältnisses mit der Staatenumgebung bietet.^ ,. Die Großdeutschen wissen sich allerdings frei von solchen Bedenken, ihnen ist der Fortbestand »Oesterreichs Hekuba. Sie treiben in ihrem Wahne eine Verelendungspolitik, aus der sie ihre Hoffnungen für die Erreichung eines vorläufig unerreichbaren Zieles schöpfen. Und zu dieser Verelendung verbünden sie sich mit Tod und Teufel. Auch der alte Erbfeind Ungarn ist ihnen nicht schlecht genug, wenn sie in ihm eine Stütze in ihrer Politik der Isolierung Oesterreichs, der Zertrümmerung seines Kredits und der Untergrabung seines Ansehens finden. Es ist ein unfaires Spiel, das die Großdeutschen treiben. Sie und ihr Anhang im In- und Auslande haben den mörderischen Krieg verschuldet, sie haben , ihn verloren und nun geizen sie nach dem traurigen Ruhm, den fürchterlichsten Kampf, den Oesterreich, wenn es nach ihnen ginge, zu bestehen hätte, den letzten Existenzkampf verschuldet und verloren zu haben. % durch Herrn S o k o 1 o w mit der Bemerkung vorgestellt* daß der Name Balf ours die Vereinigung zwischen den Juden und der ChHstenwelt symbolisiere. * ‘ Mr..R othenber g erklärte namens'der Delegation, daß die Zionisten die Einführung von Sicherheit für Leben und Vermögen in Palästina wünschen. Die gegenwärtigen politischen Bedingungen im Lande seien für •. Ökonomische Unternehmungen günstig. - Mr. B a 1 f o u r zeigte sich von den Begrüßungen und: Ausführungen der. zionistischenl?edner sehr angenehm berührt und stimmte in seiner Erwiderung dem Wunsche. Mr. . Rothenbergs zu, daß Palästina m e h r Sicherheitalsbisherbrauche. Balfour betonte in seiner Rede wiederholt die auf a 11 e n J u d e n l a s tende Verantwortung für den Aufbau Palästinas und lobte die . Loyalität der amerikanischen Juden der zionistischen Sache gegenüber. „Weder die Entfernung aus ihren früheren Heimen in Osteuropa, wo sie so viel zu leiden hatten, noch ihr gegenwärtiger Erfolg in Amerika vermochte de« begeisterten Patriotismus der-5 amerikanischen Juden, für Palästina abzukühlen. Die> zionistische Bewegung bedürfe, der festen Ueberzeugung und der Fäh'gkeit, eine Schwierigkeit nach der andern in Geduld zu überwinden. Dies kan« nicht durch Deklarationen, durch politische Formulierungen, oder durch Reden erreicht werden, das kann n u r durch, die A n s t r e n g u n g e n d e r g a n z e n J i d i«_ sch e n Rasse geschehen, die —, wie. er gläjubt rr, eifrig bemüht und gewillt ist, Gedanken und Geld,für das . Werk , des -Palästina-Aufbaues zugeben,: damit die Zieles >.;ä’es;Zioiaismus.-erreicht~*werdeiii —.-— »- weiterführen. Naitürlich wair das beliebteste AiigTiffsobjekt der Ostjude, weil] er <u/n'ier den Ausländern der -schwachste und wehrloseste ist, also ein geeigmetes ObjeÖct für . deutsches Heldentum.; Die maßlosen Leidem, die die O'S'tjiuden in Deurtechlcmd du.rchzumaöbem halten, die B'escjhimip.fmiAig^a,; Miß/andlungon, In.terniermgen, Bnitilassuingem', Ausweisumgem, un-d darüber himaus die großen-SphWie'< rigikeiten, mit denein jeder Ostjude zu kämipfen hatte, der in Deutschland irgendein, Gecfnäft besorgen wollte, haben nicht dazu betragen können',- Deutschland behobt zu machen, -und tatsächlichhaben :auiclb die meisten Ostijuden möglichstbald Deutschland zu verlassen gesucht. Nach Deutschland und die Ausländer. (Von unserem Berliner Korrespondenten.) w. Be r 1 i n, 12. Jänner. Wiederholt wurde von jüdischer Seite darauf aufmerksam gemacht, wie verkehrt die vcin mehreren deutschen Regierungen unter dem Drude der nationaliMisehon Parteien' eimgeschlagene Ausländ enpolitik is*t, welche 'besonders hart die Ostjuden getroffen hat. Nicht 'nun* aus Mendhilicf.ikeit und aus sittlichen. Gründen, sondern auch .aus realpolitischen Gründen liegt eine grundsätzlich freundliche Haltung-den Ausländern * gegenüber im deutschen Interesse, denn Deutschland brauchte nach der Niederlage nidhte so notwendig wie Anknüpfung neuer Beziehungen zu den bencchbarteu Staaten. Die deutschen Haikeimkreuzler meinen, besonders patriotisch zu sein, wenn sie wacker und unentwegt auf alle Ausländer schimpfen, und eine maßlose H’ißpropagrnda gegen die »Feinde« nach dem Zusammenbruch des deutschen Militarismus Mitteilung des Arbeiterfürsorgeamtes -wurde Mein durch die Tätigkeit . des Anbeiberfür&apgeain/tes- 5 0.0 oo Flüchtlingen aus Deutschland: -zuu, Weitedreise verhelfen. Die Zahl der jüdisdheit. Flüchtlinge im Deutschland ist heulte bereits außer-. ordentlich zuisam m enge sc hrumipf fc und , mar diese frechste antisemitische Demaigogie vermag heute, noch von einer > Ueberschwemmung Deutsahllamds mit Oatjuden« zu sprechen, wie es zum Beispiel vosi einigen Tagen, wieder ein Artikel der »KöMsoheuj Zeitung« tut. Daß Deutsa^iland unter diesen, Umstätucfön füq die Ausländer nicht viel Verlockendes hat, ist bc*< greif lieh. Main soll sich nur vorst eilen, welchen um* geheurem I.eidensweg etwa ein russisdher' Shudenlü duröhmaichen muß, der im Deutschland, sein Studium zu Ende führen will. Nach zabflloee/n, Zurückweisungen und Demütigungen gelingt es ihm vielleicht nafh langer Zeit, unter Aufgebbt allen ihm etwa zur Verfügung stehenden Protektionen, die Bewilligung zur 'Immatrikulation zu erhalten'. Eine Anzahl Studenten gibt nach vielem . fruchtlosen Bemühungen den Versuch auf, an; einenj deutschen Hochschule un'terzulkommen, unig.’;; hällt anderswo Umschau Da ist es nun nicht nür interessant, sondern geradezu etwas komisch, wenn die »Tägliche Rundschau«, das am weitesten rech isst eh ende Organ der Deutschen Volksip-artei, das .in Ohauivinismus und Antisemitismus, manche® deutschnationale Organ übertrifft, in einem «Die neue Pamslawistenizentraile« überschriebenen Ari-bkel bewegliche Klage darüber führt, daß die Tschecho-Slow ak e i den Versuch macht* den Strom der russischen Em igante-n nach Prag zu ziehen. Die Prager Regierung . halbe alle russischen Studenten, die an deutschen Universitäten studieren wollten, eingeliaden, nach Prag au kommen, und die Zahl derer, dae der Einladung Folge geleistet haben, überschreite tausend. Ebenso sind viele Professoren der russischen Universitäten, die im Ausland weilen, zu einem Koaarreß nach Plrag