Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1066 (17.1.1922)
- Date
- 1922-01-17
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Effixetfiiiininer ft «0 Wien: Zum Abholen ln der Expedition, ll.,Taborstr. 1—3. oder in einer Verschleißstelle (Trafik) monatlich K 1000. MitPostversand UlrWien und Oesterreich monatlich K1000. Tschecho-Slowakel: Mon. Kronen20. Ungarn: Monatl., Kronen 120. Jugoslawien: Monatl. Dinar 18. Polen: Monatl. Mark C00. Deutschland: Monatlich Mark 25. Frahkrei ch: Monatl. Frcs. 6. Nr. 1066 Wien, Dienstag, 17. Jänner 1922 lener nttiittiwfflettstei tseh. K 1 Italien: Monatlich LifeT'*6ä Rumänien: Monatl. Lei 4Gd Schweiz und das übrig® Ausland monatitötFrancs Redaktion n. AdnösistthÖ®! ' Wien Telephone: 44-0-3S> 4S-K.M ab 6 Uhr abends 17-S-LL' T elegrammadresse: „Mofgeiizeitung*; Wien. Oesterrdchfechcs Posts-arkasseflftonto 15$,6§8J. 4. Jahrgang Die waber-Revotte. | ßje Konferenz von Genua findet statt. -y. Wie n. 17. Jänner, Die österreichischen Großdeutschen sind aus der Regierung ausgetreten. Sie lehnen den Vertrag von Lana ab, weil er sich auf den Friedensvertrag von St Germain beruft, den sie gleichfalls abgelehnt haben. Der Vertrag von Lana ist ein Versuch, die schlimmen Folgen des Friedensvertrages wenigstens an einer Stelle zu bekämpfen und das in St. Germain vollzogene Diktat durch ein System fneinandergreifender Vereinbarungen Oesterreichs mit seinem Nachbarn zu ersetzen, bei denen die österreichische Republik ihren Standpunkt als gleichberechtigter Stak wahrt' Der Vertrag enthält außer seinen wirtschaftlichen Bestimmungen, die die Großdeutschen als akzeptabel bezeichnen, politische Klauseln, an denen sie sich stoßen. Sie enthalten nur Selbstverständlichkeiten. Der von den Großdeutschen mit so großer Entrüstung beklagte Artikel 1 besagt, daß sich beide Staaten verpflichten, die Verträge von. Saint-Germain und Trianon durchzuführen. Nun haben die Großdeutschen im Verlaufe der Bürgenland-Affäre wiederholt die volle Erfüllung der Friedensverträge gefordert Sie haben darauf verwiesen, daß in Saint - Germain das Burgenland Oesterreich zugesprochen worden sei, und'haben deshalb der Regierung die strengste Unnachgiebigkeit zum Zwecke der Erreichung dieses einzigen Vorteiles des Vertrages zur-Pflicht gemacht Stellten sie sich also hier auf den Boden des Vertrages, so scheint es wenig logisch; ihn zu verlassen, wenn es sich um einen in jedem Falle belanglosen Ausdruck handelt Weder Oesterreich noch die Tschecho-Slowakei sind imstande, den Friedensvertrag zu ändern, und daß die Großmächte trotz aller Erkenntnis seiner Fehler und trotz aller Verbesserungsbestrebungen vor einer formellen Revision zurückschrecken, ist eine Tatsache. Man kann sie begrüßen oder bedauern, keinesfalls aber ändern. Die Ablehnung der Großdeutschen Wäre sicherlich von ihrem Standpunkt wie - vom Standpunkt der ' Gerechtigkeit überhaupt verständlich und zu' unterstützen, wenn der Vertrag Lebensiriteressen der deutschen Nation verletzen würde. Aber gerade in Deutschland hat man den Vertrag begrüßt, in Frankreich hat er verschnupft Er verhindert die von den französischen Chauvinisten erhoffte Umzingelung - Deutschlands und die Sicherung der südöstlichen Flanke der deutschen Position vor einem Angriff durch - die in französischem Sold stehenden Magyaren, wahrt Oesterreich unter allen Umständen den Frieden, ist also auch für das gesamte Deutschtum von Wert. Der Vertrag schützt aber auch in dem Artikel 6, den die Großdeutschen freilich nicht zitieren, die nationalen Minderheiten durch eine von den beiden Kontrahenten eingegangene Verpflichtung. Nur die blindeste Katastrophenpolitik des mit aller Welt hadernden Alldeutschtums kann es verhindern, daß das politische Leben der Sudetendeutschen von nun ab auf die Basis der Verständigung mit dem tschechischen Staate gestellt wird. "Es gibt von der Seite der Deutschen aus nicht den geringsten Grund, gerade jetzt die Stellung des Kabinetts Schober zu erschüttern. Es gibt aber solche Gründe von der Seite aus, de gegen Oesterreich ununterbrochen intrigiert Ungarn erblickt in dem Vertrag von Lana den Schlußpunkt in der westungarischen Frage und alle heuchlerischen Freund Schaftsversicherungen, die Graf Bethlen, natürlich in der »Neuen Freien Presse“, ablagert können nicht darüber hinwegtäuschen, daß er die Aufhebung der österreichischen Isolierung als eine Verletzung der ungarischen Machthoffnungen empfindet Die geistig-politische Uebereinstimmung der großdeutschen Unentwegten und der magyarischen Hetzer zeigt sich hier in (ier schärfsten Ausprägung. Der Sturz des Kabinetts Schober würde für Oesterreich schwere soziale Komplikationen, vielleicht auch Unruhen, bringen, keinesfalls aber seine Stellung zur Entente beeinflussen, die Oesterreich ja ohnehin nur durch ein umgekehrtes Opernglas betrachtet Es würde aber das Rachegefühl Ungarns befriedigen, wenn der Kanzler fallen würde, der die von den Großdeutschen so vielbesungene Fleimhölung des deutschen Burgenlandes doch; vollzogen hat. ,, Einer Untersuchung auf sachliche politische Gründe hält der Beschluß der Großdeutschen1 nicht stand. Der Vertrag von Lana wahrt das Selbstbestimmungsrecht Oesterreichs, hindert in keiner Weise dfe Bemühungen zur Revision des Friedensvertrages, betont die Integrität Oesterreichs, und schafft für alle Konflikte in der Institution des Schiedsgerichtes die Verpflichtung zum Frieden. Wenn die Großdeutschen den Friedend vertrag negieren, dann müßten sie konsequenterweise die Regierung bilden. Das aber lehnen sie auch ab. Sie heten in eine von der anderen Bürgerpartei gebildete Regierung ein und 'treiben dort .im Innen- Deutschland und Oesterreich eingeladen. B e r 1 i n, 16. Jänner. (Wolff.) Der italienische Botschafter überreichte heute abends dem Reichskanzler die Einladung zu der für den 8. März einberufenen WirtschaftsKonferenz in Genua. Der Einladung ist der Text der Entschließungen beigefügt, die von der Konferenz von Cannes am 6. Jänner angenommen wurden« Unter den eingeladenen Staaten werden außer Deutschland und Oesterreich noch Ungarn, Bulgarien lind Rußland genannt. (Die Türkei wird also nicht zur Teilnahme aufgefordert.) Vertagung der Orientkonfeyenz. Paris, 16. Jänner. Wie »Journal des Ddbats“ meldet, ist die zwischen den Außenministern Frankreichs, Englands uud Italiens geplante Konferenz über die Orientfrage vertagt worden. Der Bestand der Entente. London, 16. Februar. (Wolff.) „Westminster Gazette“ sagt, es sei klar, daß P o i n c a r 6 u.-.d Lloyd George sich in völliger Uebereinstimmung darüber befänden, daß augenblicklich k e i ne Entente und auch keine Grundlage für eine Entente bestehe. Poincarös Bedingungen seien für England, die Lloyd Georges für Frankreich unannehmbar und jede britische Regierung," die sich bereit , zeigen würde, Poincarö. zuzustimmen, - würde . ebenso sicher raschgestüzt werden. . Deschanel kündigt eine Interpellation an. PoincarSs erste Regierungsakte. Paris, 16. Jänner. (Tel.-Komp.) Heute morgens wurde Lörd Curzon von Poincar6 empfangen. Sodann hatte PoincarS mit B r i a n d eine längere Unterredung über die laufenden Angelegenheiten. Der frühere Präsident der Republik, D e s c h ä n e 1, teilte Ppincare mit, er werde ihn demnächst im Senat über die Außenpolitik interpellieren. Die Rückkehr Rathenaus. Berlin, 16. Jänner,Die deutsche Delegation mitDoktor Rathenau an der Spitze ist gestern abends 8 Uhr aus Paris in Berlin eingetroffen. Gleich hach seiner Ankunft begab sich Dr. Rathenau zum Reichskanzler Dr. W i r t h und mit diesem gemeinsam etwas später zum Reichspräsidenten, Er erstattete den beiden Staatsmännern einen eingehenden Bericht, über die Vorgänge in Cannes und die Ergebnisse der Konferenz. Die Aussprache dauerte bis nach. 11 Uhr nachts. Im Laufe des heutigen Vormittags setzten die für das Reparationsproblem zuständigen Ressorts ihre Beratungen fort Bei diesen Besprechungen handelt es sich insbesondere um die Frage der Aufstellung des von der deutschen Regierung innerhalb von 14 Tagen verlangten Reform- und Garantieplanes, Die deutschen Reparationen. Berlin, 16. Jänner. Wie die Blätter aus Paris melden, werden morgen durch die deutsche Kriegslastenkommission 31 Millionen Goldmark der Reparationskommission Übergeben werden. Dieser Betrag ist bereits von Berlin aus flüssig gemacht und überwiesen worden. Die Legitinjisten gegen die Horthy- Regierung. Budapest, 16. Dezember. Die Umwandlung der Fried r i ch-Fraktion in die öhrigtlidie Landwirte- und Bürgerpartei wird von den Blättern als Beginn der RaWiierung der iegitimisiisohen Elemente der National Versammlung bezeichnet. Wie versautet, ist die Bildung eines legrtimisti'sohen oppositionellen Blocks geplant, dessen Führung Graf Alibert A ppoji y i übernehmen soll. Dem Block würde.die* Chri-stUdie Landwirte- und Bürger,parte! angeboren, der sich bekanntlich die extremsten Kärgsten der Chrisriichnationa-len; Vereinigung, so Markgraf .P allaviciui, Prinz W i n d i s c hg r a t z, B an i c z k v und L i n g a u e r, schon angeschlossen haben und deren Führer Graf Julius A nd r a s s y werden soll, mit dem noch Verhandlungen im Zuge sind, ferner eine in der ohriistlichnatiouaferl Vereinigung verbleibende gemäßigte Gruppe unter, Fühlung Hallers, endlich die Nationaldemokräten und die parteilosen Legitiraistcn. Der größte Teil der heutigen Vor mittags- und Abendsitzung der Nationalversammlung wurde durch Reden des Abgeordneten Lingauer ausgefüllt, der Jn überaus scharfer Weise das ganze Regieruhgssystem einer Kritik unterzog und insbesondere die Haltung des Ministerpräsidenten Grafen Bethlen und des ’ Untenrkhtsministers V* a s s in der Königsfrage als z w e i d eu t i g hin stellte. Er bemängelte es runter;, anderem, daß der Minister des Aeußera das Parlament schon seit Monaten nicht über die auswärtige Lage informiert habe? und bemerkte,, der unter der, Führung des Abgeordneten G ö m b ö s - stehende- Landes Wehrmacht verein Mo-ve orientierte sich in d e ntscher Richtung. - Der Verein der’ Er-* wachenden Ungarn suche sich nach Italien, hin"' zu. orientieren, die Partei der Kleinen Landwirte, eine jugoslawische Orientierung. Gewisse hohe politische Faktoren stehen in fortlaufender?, . Verbindung mit den Herren Hohl e r und -CI a r:llw Unter solchen Umständen wisse man wirklich, nicht,' wie man sich benehmen solle, um die Orientierung,! der Regierung nicht zu durchkreuzen. Rednervwürde, eine yerepfearüffig mit O e'sterr e;i’c hf'/efie ■ IJefzx^ bekanntlich ange'bahnt werden soll, jedenfalls gerne4 sehen. Ebenso halte er den Anschluß Oesterreichs an Deutschland für wünschenswert, da dies inr Interesse des Zustandekommen^ des ungarischen nationalen Königtums liege. . Er, bemängelte' sodann, daß in der ungarischen: Nationalar.me'e noch immer.Politik getrieben werdl. Auch heute gebe es noch Angehörige der Armee, die mit gewissen p o 1 i t i s ch e n Aufträgen und Beobachtungen betraut sind. Man dulde es, daß Offiziere außer Dienst, die auf ihren Rang -verzichtet haben und «heute in Zivil herumgehen,; ein; größeres Befehl-srccht genießen als aktive Kommandanten.. Qie Polizei arbeite nicht nach den Intentionen der’. Regierung, sondern nach denen der N e b e n regier u n g. Er besprach dann auch die Frage der. Amnestierung und; führte unter, anderem an; daß , in West Ungarn drei Offiziere einer .Imsurgentenkompagnie, namens S a t o r i, B u k o n y i und S o ohne jedes gerichtlich es Verfahren erschossen würden. ’ Der Kommandant dieser Kompagnie sei amnestiert worden. (Diese Morde sind von einem -Feldgeistlichen begangen worden. Die Red.) Der Abgeordnete C s e r t y verlangte’ die Umwandlung’ Ungarns in eine demokratische Volksrepublik. Der Völkerbundrat für Polen. Warschau, 16. Jänner. (Tel-Komp.) Aus Gen! wird gemeldet: Der,Völkerbundrat beschäftigte sich in seiner letzten Sitzung mit der Frage des polnischlitauischen Konflikts.' Die litauische Delegation legte eine ausführliche Denkschrift vor, in welcher unter anderem verlangt wurde, daß der Konflikt dem internationalen Gerichtshof vorgelegt werde und daß der Völkerbundrat sich gegen den Wilnaer Landtag ausspreche. Der polnische Delegierte Professor A s k e n a s e, widerlegte den litauischen Standpupkt Und erklärte, das Verfahren in der Frage des polnischlitauischen Konflikts vor dem Völkerbundrat sei bereits; beendigt. Der Völkerbundrat beschloß, über die litauische Denkschrift zur Tagesordnung überzugehen und in einer Resolution festzustellen, daß die Behänd-, lung. des polnisch-litauischen Konflikts durch den Völkerbundrat abgeschlossen sei. Ministerium Sabotage sind nicht nur unlogisch, am Staate. Die Herren sie sind auch unaufrichtig. Sie negieren nicht den Friedensvertrag, sondern den ßtaat, den sie jetzt durch die Lana-Xrise auch verträgsunfähig machen wollen. Es wird in Zukunft die größte Vorsicht bei poli iischen Abmachungen mit den Großdeutschen notwendig sein. Einstweilen haben sie ihren Vertreter aus der Regierung abberufen. Ob sie dies nur getan haben, um bei der Votierung des Vertrages nicht in der Regierung zu sein und dann wieder in die Laube zu gehen, wird sich noch zeigen. Herr Waber, der Opfionsgermane, scheidet aus dem Amt Warum denn weinen, wer** man auseinander»