Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1065 (16.1.1922)
- Date
- 1922-01-16
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seife 2 Wien, Mortfäg WIENER MORGENZEITUNG' 16. J Ihm er 102? Nr. 1055 Tagesbericht. Vtzk zerstreute Minister. Im „Nowy Dziennik“ finden wir folgende interessante Mitteilungen über die Ursachen des Konflikts des Finanzministers M i C h a I 8 k I mit dem Sejflt bei den letzten Beratungen über die Vermögensabgabe. Für die letzte Abstimmung im Sejm hatte M i c h a 1 s k i zwei Reden vorbereitet. Eine für den Fall der Ablehnung seines Gesetz- Projekts, voll von Vorwürfen an die . Adresse des Sejm, die andere — für den Fall der Annahme — die Komplimente für den Sejm enthielt." Der Sejm hatte sein Projekt angenommen und nun begann der, Finanzminister seine Rede; irrtümlicherweise ver-' wechselte er sein Konzept und zum Erstaunen aller Abgeordneten enthielt die Ministerrede statt des Dankes nur Vorwürfe. Demzufolge entstand unter den Abgeordneten eine unbeschreibliche Entrüstung, so daß der Sejmmarschall gezwungen war, die Sitzung zu unterbrechen. Pazifismus in China. Der chinesische General Tschang-Tschau-Tseng hat, wie «Daily News" berichten, ein neues System erfunden, das die Kriege unmöglich machen Söll. Das künftige Heer soll eine neue Form haben: Die erste Division soll aus Kindern bestehen, welche sich dem Feinde weinend nähern und auf das Los hinweisen sollen, das ihrer harrt, wenn die Feinseligkeiten begännen. Andere Divisionen sollen aus Vätern, jungen Ehemännern und aus Leuten bestehen, die in früheren Kriegen physisch oder moralisch geschädigt wurden. Bizarrer noch als der Vorschlag ist aber, wie das Blatt meidet, die Tatsache, daß er anscheinend von etlichen Chinesen ernstgenommen wird, welche daran denken, Ihn bei den gegenwärtigen Wirren itti Innern Chinas zu realisieren und die Bildung einer antikriegerischen Armee nach den Ideen des Generals Tschang-Tschau- Tseng empfehlen. Wenn man den Gedanken des pazifistischen Generals zu Ende denkt, Ist er gär nicht so absurd. Absurd kann er höchstens dem von Bildungsdünkel vollgesogenen Europäer erscheinen, der sich über den Mann des Ostens hocherhaben dünkt, ohne zu ahnen, daß europäische Kultur in erster Reihe Menschlichkeit bedeuten müßte. Eine GelehrtenkommisBion zur Erforschung der Abstammung Lolumdus'. Aus Madrid kommt die Meldung, daß die spanische Regierung in jüngster Zeit der einwandfreien Feststellung der Abstammung Christoph C o 1 u m b u s’ erhöhte Aufmerksamkeit zuwendet Schon seit langem wird in Gelehrtenkreisen die Ansicht vertreten, daß der Entdecker Amerikas selbst einerMaranneftfamilie angehörte. Einwandfrei festgestellt ist, daß unter den Genossen des Columbus an seinen Entdeckungsfahrten Juden tellnahmen. Auch die Namen der Mutter und des Großvaters Columbus’ sind festgestellt Seine Mutter hieß Sosana und der Großvater Jakob. Nun haben spanische Geschichtsforscher im Laufe jjirer Archivstudiert ver- Mitteilungen aus dem Publikum. IMniAPuurMe^B«A wieder S£Cil«f3 OÄ8T» lagernd Albert Mälzner»Wien, I., Kohlmessergasse 8 schiedeneDokumente entdeckt, dieHinweiseauf die jüdische Abstammung des Columbus enthalten. Es wird auch noch darauf verwiesen, daß die überlieferten Porträts Columbus' den spanisch-jüdischen Typus seiner Zelt verraten. Die neuentdeckten Dokumente haben in der spanischen Presse eine lebhafte Diskussion hervorgerufen und die spanische Regierung hat nun, dem erwachten Interesse Rechnung tragend, eine aus Gelehrten und Schriftstellern bestehende Kommission eingesetzt, welcher die Aufgabe übertragen wurde,' die Abstammung Christoph Columbus’ in einwandfreier Form festzustellen. Die Kommission hat ihre Arbeiten bereits begönnert. Die „Freud-Saison" in Paris. Wie wir einem Aufsatz der „Nouvelle Revue frangaise" in Paris entnehmen, hat die französische Hauptstadt nunmehr auch ihre „F r e u d - S a 1 s o n". Wie Jules R o m a i n s in diesem Aufsatz sarkastisch hervorhebt, habe man in Paris noch bis vor kurzem keine Ahnung von der Existenz des Wiener. Psychoanalytikers Siegmund Freud gehabt und seitdem eines Seiner Hauptwerke über die Psychoanalyse ins Französische übertragen wurde, spukt der Freudismus in allen oberen, mittleren und unteren Salons. Zu den modernsten Konversatioösthemen dieser sogenannten vornehmen- Zirkel gehören jetzt, die Psychoanalyse, die Traumdeutung und alles, was aus der Freud-Theorie unverdaut in diese mondänen Kreise gelangt. Nunmehr werden Freud-Dramen fabriziert, damit man ja nur als modern gelte. Romains macht sich über diese Pariser Leichtfertigkeit und Oberflächlichkeit weidlich lustig. Habe man im Vorjahre keinen Salon betreten können, ohne Über Einstein den größten Unsinn zu hören, so kann man sich heute, wenn man Lust dazu hat,, Über den Pariser Freudismus amüsieren. Uebermorgen wird eine andere Saison kommen und die Pariser werden nicht viel von Einstein und Freud zu vergessen haben, weil, sie Selbst in der Hochsaison dieser beiden Denker blutwenig von ihnen gewußt haben. * Ein argentinischer Niagara« Das Weltwunder, das die Fälle des Niagara darstellen, scheint durch ein bisher ganz unbekanntes Naturschauspiel ähnlicher Art noch in den Schatten gestellt zu werden. Es sind dies die Fälle des Iguazu, eines Flusses in Argentinien, der bisher selbst , der einheimischen Bevölkerung nahezu unbekannt geblieben war. Ein von einer italienischen Zeitschrift veröffentlichter Bericht, der die Eindrücke einer Reise längs dieses Flusses wiedergibt, bezeichnet die Gegend als die schönste und ah wilder Romantik unvergleichlichste der Welt. Es sind im ganzen zehn Fälle, von denen der kleinste eine Höhe von 40 Meter und der größte eine Höhe von 70 Meter aufweist. Die dynamische Kraft dieser Fälle ist gewaltig und die argentinische Regierung hat ihre wirtschaftliche Ausnützungbeschlossen. Man schätzt die auszunützende WasserveineMässe, die eine Betriebskraft von 250.000 Pferdestärken darstellt, und deren Kraft man teilweise bis nach Brasilien und nach Buenos Aires zu leiten gedenkt. * Ein neuer van DyckP Nach der „Libre Belgique* soll in Aachen ein von van Dyck signiertes Bild gefunden worden sein, das eine Dame mit einem Spitzenkragen darstellt und das im Oktober vorigen Jahres aus dem Nationalmuseum in Innsbruck entwendet worden war. Der Dieb sei verhaftet worden. * Gefährliche Verbrecher. Am 11. d. M. weilte die Familie des Direktors Isidor Z u c k e r m a n n (m Schlafzimmer ihrer Wohnung Biberstraße 14. Durch einen Zufall trat Frau Zuckermann ln das Vorzimmer und war höchst überrascht, zwei unbekannte Männer anzutreffen, die ihre Schritte schon gehört hatten und auf den Gang geeilt waren, um sich zur Flucht zu wenden. Sie hatten die Tllre mit Sperrhaken geöffnet und zwei im Vorzimmer hängende Ueberldeider im Werte von 500.000 Kronen gestohlen. Frau Zuckermann schlug .Lärm, die Flüchtigen warfen die Ueberkleider auf der Stiege fort, um leichter entkommen zu können, wurden aber von Hausparteien verfolgt und auf der Straße von Sicherheitswachbeamten festgenommen. Beim PolizeikommissarUt Innere Stadt erkannte man in ihnen zwei berüchtigte, wegen Beteiligung an Kasseneinbrüchen vorbestrafte Verbrecher, den 22jährigen Autoschlosser Leopold H a r a k o, VHI., Wickenburggasse 1K und den 21jährigen postenlosen Comptoiristen Friedrich' A m s 11 e r. Beide wurden am 12. d. M» dem Landesgericht eingeliefert ■ * piebstahl unersetzlicher Handschriften. Der Direktor einer hiesigen Privätbibliqthek hat gestern dem Polizeikommissariat Innere Städt angezeigt, daß seit September vorigen Jahres aus der Bibliothek auf rätselhafte Weise aus dem Handschriftenkabinett vier besonders wertvolle Handschriften verschwunden seien. Sie können mit zwei Millionen Kronen nicht zu hoch bewertet werden. Die Handschfiften sind: 1. Ein Stammbuch Johannes von Huttens aus eem 16. Jahrhundert, in Oktavformat, moderner Halbfranzband; es enthält/ auch Bilder mit Sprüchen. 2. Ein Stammbuch des Hetterich. Fürsten von rüstenberg aus dem 16. Jahrhundert, ln öktavformat, Lederband mit Goldschnitt| es enthält nur Bilder mit Sprüchen; 3. eine Handschrift' aus dem 13. Jahrhundert* enthaltend das Paternoster, das «Credo“ und verschiedene lateinische Gebete. Sie ist ln Oktavformat, auf Pergament: am Beginn ist der große gemalte Initialbuchstabe „B"; 4. ein „Libre d'heures"aus dem 15. Jahrhundert in französischer Sprache, Oktävformat, enthaltend nur Bilden, unter anderen „Mariae Verkündigung", „Mariae Heimsuchung“ und Bilder aus dem Leben Christi, in Lederband mit Gold. In allen Büchern ist der Stempel der Bibliothek. Das Handschriftenkabinett ist mit vier Dosescheii Schlössern versperrt. Die Schlüssel lagen immer in der versperrten Schreibtischlade des Bibliothekars. Ein Mißbrauch der Schlüssel ist ausgeschlossen und es ist nur möglich, daß die Handschriften bei gelegentlichen Besuchen der Bibliothek abhanden gekommen sind. * Verhaftung unter Betrugsverdacht. Das Wiener Landesgericht hatte im August 1921 gegen den Kaufmann Wilhelm G e r ö, am 16. November 1873 zu Novisad. geboren, einen Steckbrief erlassen. Gerö, erschien beschuldigt, dem Bankhaus Matthias Perlesz,Himmelpfortgasse 9, im Oktober 1920 einen Betrag von vier Millionen jugoslawischen Kronen unter der Vorspiegelung, Waren» za liefern; herausgelockt zu haben. Am 14. d. M. nachmittags um 3 Uhr wurde Gerö von den Kriminalbeamtensinspektoren Heckenthaler und Neumann in seiner Wohnung, XVI., Hippgasse 38, ausgeforscht und verhaftet. Er befand sielt auf der Durchreise nach Prag in Wien, Er wurde zum Stadtkommissariat gebracht und gab zü, mit dem Bankhause PeHesz in geschäftlicher Verbindung gestanden za sein; er habe auch durch das Bankhaus selbst Waren bezogen und die Bank habe seine Geschäft finanziert. Die Anzeige bezeichnet er als falsch. Sie gründe sich, behauptet er, darauf, daß er Wären, die für ihn an die Bank dirigiert wären; nicht abnehmen konnte, weil die Belastung seitens der Bank und des Spediteurs zu groß war. Gerö behauptet ferner, daß die Bank über die Waren selbst verfügt habe. . Musik. Völksopef. — Konzerte. Md Volksoper setzt ihre Bestrebungen, es dem Opemtheater gleichzutun, fort und bescherte nach , den „großen Opern“ von Halevy und Meyerbeer eine Neuinszenierung von „Tristan und Isolde“. Richard. Wagner hat wohl niemals verfügt, daß sein Hohes Lied der Liebe gleich dem „Parzifal“ auf Bayreuth beschränkt bleiben möge, immerhin sollte auch dieses von höchster Weihe erfüllte Werk fm Bühnengetriebe eine Ausnahmssteilung einnehmen und nur in wahrer * Festspielstimmung zur Aufführung gelangen. Dazu fehlen der Volksoper nicht nur die bühnentechnischen Mittel, sondern auch der Gesangsapparat. Die ■Aufführung bringt tüchtige Sänger, die ' konventionell spielen und an dem Stabe des Dirigenten »hängen, aber keine selbstdenkenden Künstler, die die tiefe und reife Symbolik der Musik mitfühlen nnd nachgestalten. Die Volksoper hat vor allem keinen Tristan und keine Isolde: Fräulein Rantzau kann stimmlich sehr viel und ist eine gewandte Schauspielerin; das Liebesglück und die Liebespein Isoldens glaubt man ihr nicht. Völlig Unzulänglich ist Herr Lußmann als Tristan. Sein trockener, nüancenarmer Tenor vermochte sich nicht an Tristans Liebesglut zu entzünden, überdies schien der Sänger indisponiert. Warmherzig und würdig war der König Marke des Herrn B a um a n n, um die Brangäne bemühte sich Frau Mertens, um den Kurvenal Herr Robinson, ohne schärfere Charakteristik zu erreichen. Direktor Weingartner leitete das Orchester, das er nur zeitweilig zu leidenschaftlichem Musizieren mitriß. Die Inszenierung, ‘ die unter der Untiefe der Bühne leidet, bringt nichts Neues, vermag aber, namentlich im ersten Akt, den beschränkten Raum mit Geschick auszunützen., % Im letzten Oese 11 sch af tskomzert gelangte der 137. Psalm von Hermann Goetz zur Aufführung. Der früh verstorbene Komponist, der sich in seiner Oper „Der Widerspenstigen Zähmung“ ein dauerndes Denkmal gesetzt hat, zeigt auch ln seinem Psalm eine weiche, lyrische Veranlagung, die bei aller Tüchtigkeit im polyphonen Satze jede Waghalsigkeit und jedes schärfere Akzentuieren vermeidet Die trauernde Gemeinde, die M den Wassern Babels ihre Harfen an die Weiden hängt, gehört der gleichen Empfindungswelt an wie die Katharina seiner Oper, die bei aller , Widerspenstigkeit ein frohes Gemüt und musikalische Duldsamkeit offenbart Das Sooransolo sang Frau Kamille Palffy-Waniek mit warmem Ausdruck, die feinere Schattierung und jenes Stimmvolumen, *das der große Musikvereinssaal erfordert, besitzt sie nicht. Dem Psalm folgte das „C-moll-Requiem“ von Cherubim, dem überaus fruchtbaren Komponisten von Opern und religiöser Musik, der auch noch Zeit fand, sich intensiven geographischen und botanischen Studien zu widmen. Von seinen Werken fristet nur noch die Oper „Der Wasserträger^, die einer Neueinstudierung* wert wäre, und sein „Requiem“ ein wenig beachtetes Dasein. Das „Requiem“, einst eine der imposantesten Trauermusiken, vermag uns auch heute noch manches zu sagen, wenn nur der Dirigent den richtigen Erzählerton findet Kapellmeister Reich'- wein bemühte sich mit allem Eifer, die unzureichende Probenarbeit durch das suggestive Temperament der Aufführung wettzumachen, ohne im Chor des Sin g- Vereines durchwegs hingebungsvolle Gefolgschaft zu finden. •— Die alte Klage der mangelhaften Einstudierung der Chorwerke muß erneut werden und so wäre es bei der'Kostspieligkeit des modernen Musikbetriebes'vielleicht besser, die Zahl der Statuten-? mäßig feststehenden Chorkonzerte herabzusetzen und hochwertige Aufführungen zu bringen, als immer wieder durch minderwertige Darbietungen der groß angelegten Chorwerke den künstlerischen Ruf der alten , Musikstadt Wien und ihrer Chorvereinigüngen zu gefährden. Der kleine Sopran der Frau Elsa K a ti 1 i c h hat guten Klang und verrät Schulung. Freilich machen sich Schwierigkeiten in der Atemtechnik bemerkbar und der kalte Vortrag, der seelische Anteilnahme vermissen ließ, vermochte die niedrige Temperatur des Zeremoniensaales nicht zu erhöhen. Auch der weiche, sinnlich warme Sopran von Frau Alice Burger, deren - Koloratur leicht anspricht, ' leidet an mangelnder Modulationsfähigkeit. Sie sang eine bunte Reihe von Opernarien, die kein geeignetes Programm für den Konzertvortrag bilden. — Frau Anna R. Hardörff vereinigt einen -gut funktionierenden Sopran und distinguierte Gesangsmanieren mit ihrer bildhaften Erscheinung zu harmonischer Gesamtwirkung; Lieder von Hugo Wolf weiß sie ganz allerliebst zu singen. Auch bei Frau Ruzena H e r 1 i n g e r fühlt man die Freude, mit der sie ihrer Kunst dient; immerhin kommen Hemmungen im Vorträge vor, t die im Kampfe gegen die unausgeglichene Technik begründet scheinen. Anton Tausche findet mit einem bescheidenen Material sein Auskommen. Er versteht es, zur rechten Zeit dem Vortrag eine interessante Wendung zu geben, ihm ein heiles Llchtlein aufzusetzen. In Moussprgskys „Liedern und Tänzen des Todes“ wie auch in Beethovens „Liederkreis an die ferne Geliebte“ fand er echte Herzenstöne, Cellisten, die allen virtuosen Anforderungen gewachsen sind, werden immer seltener. Der junge Argentinien Charles 01 i v a r e s hat eine solide Geläufigkeit und im Piano einen angenehmen Ton, der im Forte allzu materiell wird. Er spielte im Saale der Sezession, Wiens jüegstem Konzertraum, der mit seiner sympathischen Akustik und anspruchslosen Be-s haglichkeit an den alten Bösendorfer-Saal erinnert und einen stilvollen Rahmen für moderne Kammermusikveranstaltungen abgeben müßte. Auch der Solocellist der Staatsoper Walter K l e i n e c k e gab ein Konzert, an dem er ein umfangreiches Programm absolvierte. In Konzerten von Schumann; Weingartner und d’Albert ließ er seine reife Technik spielen und erfreute durch seinen weichen lyrischen Tort, der eines Solisten der Philharmoniker würdig ist . Henri Marteau hat auch heuer wiederauf . einer Konzertreise Wien-berührt. Wieder spielte er -- „auf vielseitiges Verlangen“ —• eine Solosonate von Bach in lichtvoller Klarheit, wieder , hörte man den edlen Ton, das lockere Slaccato, die musterhafte Phrasierung und bewunderte die leichte französische Eleganz, mit der er auf der Geige zu plaudern versteht. Bei Walter Schneiderhan nehmen die. eleganten Spielmanieren eine unerfreuliche Wendung ins Saloppe. Aber man darf dem Geiger, der Mendelssohns ewig junges Violinkonzert mit so aufjauchzendem Tone und so elfenhafter Leichtigkeit im Finale spielt, manches nachsehen. Die Pianistin Margit W e i s z stürzt sich mit echt ungarischem Temperament auf die Tasten. Im Gewitter und Sturm der Lisztschen Bravour fühlt sich ihr virtuoses Spiel am wohlsten, im getragenen. Vortrag wird der Ton hart und farblos. Recht schwerblütig, gründlich und gediegen ist das ausgefeilte Klavierspiel von Fräulein Marie T a u s t k y, Tölömaque La inbr 1 n o ist trotz aller Nervosität als ChopiVSpleler immer wieder willkommen. — Erfolgreich gestaltete sich das Debüt der Schwestern Stein an ihrem Sonatenabend. In der Brahms-Sonate gab es zwischen der Geigerin Elay und der Klavierspielerin Valiy keinerlei Meinungsverschiedenheit. Mit dem technischen Rüstzeug ausgö* stattet, spielten beide überaus gesittet, mit mädchenhafter Zurückhaltung. Hoffentlich ermuntert sie der freundliche Beifall, die Zügel ihres Temperamentes nächstens zu loci.ern, Pr, Erwin Felder.