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Wiener Morgenzeitung · 1922-01-12 · Heft 1061 (12.1.1922) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1061 (12.1.1922)
Date
1922-01-12
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Käfizeffninnmer SC 49 Wisen: Zum Abholen in der Expedition, II., Taborstr. 1—3, odet in einer VerschleißsteHe (Trafik) ‘monatlich K 1000. MitPostversand fürWien und Oesterreich monatlich Kl000. rrnrr Tschechoslowakei: Mon. Kronen 20. Ungarn: Monatl. Kronen 120. Jugoslawien: Monatl. Dinar 18. Polen:, Monatl. Mhrk 600. Deutsch-' land: Monatlich Mark 25. Frankrei c hTMonatl. Frcs. 6. IS€lt.K 1 KlM«? Monaffieh Rumänien: Monatl. Lei 402 Schweiz und das ubrigä AuÄsss monaitSch Fttücs 3j RedäfkSon u. Ad&f&s^to« Wien fi., Taborstfaöse TetetSlwme: 44-5-88, ab Unr abends T7-0-2A TÄ«granmiadi^se:«Jiwrg®p Leitung*, W&fli. Oestorroiohfe^cs Po?t9«wu1?U9senk(jnto l£».C9Si' Wien, Donnerstag, 12. Jänner 1922 4. Jahrgang Die Wiederaufrichtung Rußlands. Forderungen der Sowjetregierung. Paris, )I. Jänner. (Privat) Wie die Blätter melden, wird die russische Delegation bei def Konferenz in Genua die Forderung nach Anerkennung; der Sowjetregierung stellen. Frankreich verhält sich gegenüber dieser Forderung derzeit noch ablehnend, während £ n g 1 a n d bereit sei, - diesem Verlangen zu entsprechen. Auch 11 allen sei für die A n e r k e n n u h g der Moskauer Regierung. Die russische Delegation wird in Genua einen wirtschaftlichen S a n i etr u n g s p 1 a n' für Rußland vorlegen und bestimmte Garantien für die finanzielle und industrielle Hilfe geben. Amerikanische und reichsdeutsche Kreise haben bereits mit der Sowjet« regierung wegen der Wiederaufbaupläne Fühlung genommen. Paris, 11. Jänner. (Tel.-Kömp.) Der „Matin“ läßt sich aus Riga meldet!, daß die Sowjet* regierung wahrscheinlich nach der Konferenz von Genua noch eine Sonderkonferenz vorschlagen werde, die einzig und allein die Aufgabe haben soll, die Beziehungen der europäischen Mächte zu Sowjetrußland in jeder Hinsicht zu regeln. Nr. 1061 Die Hyänen. y Wien, 12. Jänner. Man kann gegenwärtig deutlich zwei Formen der internationalen Konzentrationsbestrebungen erkennen: Die von. England ausgehende Bewegung zur Errichtung der gesamten europäischen . Gemeinschaft und .die zentripetale Annäherung der mitteleuropäischen Staaten. Beide Arten. verfolgen; den gleichen Zweck. Es bilden sich konzentrische Ringe, innerhalb deren das vom Kriege verwüstete und .durch . Gegensätzlichkeitdh entstellte Leben Europas neuorganisiert werden soll. Daß ein solches Werk nicht auf den ersten Anhieb gelingen kann, ist gewiß. Aber daß der Gedanke gesund ist, zeigt sich in dem/ prinzipiellen Einverständnis der großen wie der kleinen Staatsregierungen, zeigt sich aber' vor allem in dem heftigen, weithin tönenden Lärm der Alldeutschen inid der französischen Nationalisten. Be[de fühlen ihre Kreise gestört; Eine Verständigung zwischen Frankreich und Deutschland würde weit über die Grenzen dieser Staaten hinaus wirken und für die Genesung der.Welt den aussichts- ,vollsten Beginn bedeuten. Siewürde die Rückkehr der Vernunft beweisen, die in den acht 'Jahren der: Kriegsbegeisterung und des Rachegeschreies sich bis.in.ein tiefes lV)ausl:ch hat flüchten müssen. In der Heranziehung Deutschlands und Rußlands zu internationalen Konferenzen liegt der Sinn der Gerechtigkeit; die Anerkennung der Gleichberechtigung und die Feststellung, daß Völker für die Täten oder Unter? lassungen einzelner nicht ewig haftbar sein können. Es wird eine freie Aussprache der verantwortlichen Vertreter der Nationen beginnen,“ sie werden einander ohne das Trompetengeschmetter .der.. von Verhetzung und Verdrehung lebenden Presse 'begegnen. Das ist für die. Parteipolitiker in Paris und .Berlin, für die Stahlbadschwärmer; uftd .Kriegsästheten ■. Grund, genüg, kochen kann. In Berlin gibt es heftige deutschnationale Versammlungen gegen Rathenau, der Deutschlands Würde verkauft, in Paris stürmt man gegen Briand, der Frankreichs: Interessen verrät, und in Oesterreich ist ein Sturm im Wasserglas ausgebrochen; ein halbes Dutzend deutschböhmischer Schriftleiter, und Vereinskassenwarte zetert über das Bündnis mit der Tschecho-Slöwakei. •. ' In diesen Erscheinungen, so polar sie voneinander entfernt sind, liegt ein System. Es ist * der; zur Entscheidung drängende Zwiespalt zwischen Volksinteresse und Hetzertum, zwischen Haß und Versöhnung, zwischen Krieg und Frieden. Das politische Schieb.ertum aller Völker wittert die Gefahr, die ihm aus der Verständigung entsteht. Wenn die Völker wieder direkt zueinander sprechen,, dann werden:viele Nebel fallen;, die über Kriegsschuld und .Friedensverbrechen gebreitet. waren. Die Völker werden erkennen, daß der Gegner von gestern genau so ein betrogenes.und ausgepreßtes; Opfer war,, daß die Ausplünderung der Massen durch, Banken und Bauern unter allen Himmeln den gleichen patriotischen Mantel trug und daß die Hyänen des großen Sclilachtfeldes Europa, auf deth die Külturerrungenschaften unzähliger .Menschheitsgeschlechterbegraben wurden, zornig aufheulen, weil die Beute sich ihnen entringen will. Wenn der Abgeordnete Hergt in einer deutschnationalen Versammlung gegen, Rathenau den Vorwurf erhebt/ daß er die Würde Deutschlands in den Vorzimmern Lloyd Georges' herabsetzt, so ist das nur geographisch verschieden von. dem Artikel Clömenceäus in seinem neuen „Echo national“, daß Briand den Sieg Frankreichs, den großen Triumph von Versailles um der schönen Augen Englands willen opfern wolle. Es ist genau dieselbe’ Methode der Niedertracht, wenn in Wiener Versammlungssälen vor einem Auditorium von unreifen Jugendlichen und Exulanten über den Anschluß Oesterreichs an die antigermanische Einkreisungspolitik, geredet wird. Den Haß haben sie alle miteinander gemein: den Haß gegen den Frieden . und gegen alle, die am Werke des Friedens arbeiten. Sie haben auch — und das ist nicht so nebensächlich» als es den Anschein hat — den Antisemitismus miteinander ,. gemein. Die . - französischen Kriegsschreier sind« genau so auf den Judenhaß eingeschworen wie ihre Antipoden in- Berlin. und Wien, wie die Chauvinisten; in Warschau . und in Budapest. Es ist mit dem Antisemitismus genau so wie mit der Lues; sie zeigt sich überall unter den gleichen Symptomen, und .'wer im Judentum etwas Hassenswertes sieht, der bleibt in der Anwendung seines Programms nicht bei, den Juden stehen. Wer in Paris schreit „a bas les juifs“, der schreit auch »a Berlin!“ und wer in Berlin, in München oder in Wien erklärt, daß die Juden an allem schuld sind und das meiste Geld haben, der dichtete im lahre. Rathenäu in Cannes. Cannes, 11, Jänner. (Havas.) Die deutsche Delegation mit Rathenau an der Spitze ist hier eingetroffen. Sie wurde von dem Kabinettschef Briands 'Carterue und von Loucheur empfangen. j .' ■ In der heutigen Vormittagssitzung des Obersten Rates verlangte Briand vor allem, daß die deutsche Abordnung gehört werde. Lloyd George nahm dies ohne:.Einwand an. Demzufolge wird die deutsche Abordnung heute um 6 Uhr abeftds vor der Wiedergutmachungskbmmission erscheinen. Die Wiedergutmächu gskommission wird dann den Alliierten. Bericht erstatten und: der Oberste Rat wird wahrscheinlich die ergänzenden Ausführungen der Deutschen morgen nachmittags entgegennehmen. der Kammer, sprechen.. Das WiederaufbäükonBortium. ■ Paris, 11. Jänner. (HaVas.) Der vom Obersten Rat eingesetzte Ausschuß zur Organisation des Konsortiums für den wirtschaftlichen Wiederaufbau Europas hat folgende Aufgaben: 1. Den Plan in seinen Einzelheiten zu prüfen, 2. die notwendigen vorbereitenden Erhebungen einzuleiten, 3; das Zentralsyndikat und die Syndikate in den einzelnen Ländern zu-organisieren, damit die Operationen dieser Körperschaften so rasch als möglich beginnen können, 4. der Konferenz von Genua über die erzielten Fortschritte -Bericht zu erstatten, 5. der einen oder anderen von HMnteressierten Regierungen oder der Konferenz von (feiüa alle jene Vorschläge 'zu* unterbreiten, die geeignet sind, die Arbeiten des Konsortiums oder der fKonferenz von Genua zu fördern. t\:- Die im Obersten Rat vertretenen Regierungen verpflichten sich, sofort 10.000 Pfund StWng oder den entsprechenden Gegenwert zu gleicherATeilen für die Arbeiten des Organisationsausschusses flüssig zu machen und dem Konsortium ihren Beistand währen. Die Konferenz in Görna. Paris, 11. Jänner. iMatin“ meldet aus Cannes: Gemäß einem Beschluß des Obersten Rates werden alle europäischen Mächte sowie die Vereinigten Staaten und Japan auf der Konferenz in Genua vertreten sein. Auch die englischen Dominien, darunter zum ersten Male Irland, werden Einladungen erhalten. Ministerpräsident Boiiomi hat die Vorarbeiten für die Konferenz, der er präsidieren wird, übernommen.- Gegen Reaktion und Militarismus. Leipzig, 11. Jänner. Auf dem- Parteitage der U. 8. P. befaßte sich Grumbach (Frankreich) zunächst mit den in Bayern herrschenden' politischen Verhältnissen und erklärte, nach seiner Ueberzeugung werde die bayrische Reaktion die französische Reaktion stärken. Es müsse endlich Schluß gemacht werden mit dem Kampf von Menschen gegen Menschen. Dr. H i 1 f e r d i n g erklärte, die Arbeiterklasse .werde mit allen Mitteln gegen die Wiedererstarkung des Militarismus arbeiten. Die Verhandlungen in 1914: Jeder Stoß ein Franzos, jeder Schuß ein Ruß, Serbien muß sterbien! ' , Die Friedensaktion kommt trotz allem im Fluß. An ihrer Durchsetzung arbeitet der zähe Wille Englands, das jetzt in Irland der Welt gezeigt hat, wie man einen Ausgleich gerecht durchführt, und das sich in dieser Arbeit auch nicht durch die Intrigen der Vatikansagentea stören läßt. Die Politik de» beharrlichen Verhandeln^ mag: jetzt noch auf große C a n n e s, zu denen es infolge der ökonomisches* Verhältnisse gekommen sei, bedeuten den eigentlichen Beginn der F-riedensverhan dl ii n g e n. ' r,. Abgeordneter C r i s pj e n nahm das Wort ztl einem Referat über die internation a 1 e A rb;e i t'sgemeinschaft sozialistischer Parteien. Die Moskauer Internationale, führte er aus, erwies sich der weltgeschichtlichen Aufgabe des Proletariats nicht gewachsen. Die Demokratie bedeutet nicht die Befreiung des Proletariats, aber sie ist ein günstiges Terrain für den Klassenkampf. Wenn aber das Bürger? tum eine nackte Diktatur des Kapitalismus über das Proletariat herbeiführen werde, dann werden die Sozialisten gezwungen sein, unter Anwendung aller' Mittel mit bewaffnetem Aufsta n d u n d B.ü rg.e r 1er I e g. die Rechte des ProletDZts Lu ^VWidigen. ’ ”; Hierauf wurde das vom Zentralkomitee beantragte Manifest an das Proletariat einstimmig] 'angenommen. ' -jj| ' . Hierauf wurde der Geschäftsbericht erstattet. Danach sind 222 Parteimitglieder in städtischen Körperschaften tätig, 438 sind Kreistagsmit- . glife er, 124 in den verschiedenen Landtagen1 und 61 im .Reichstage tätig.. 15 Mitglieder haben Ministerposten inne oder sitzen im Staatsrat und Reichsratr Nach .den bei der Zentrale eingeflossenen Beiträgen , zählt die Partei 300.659 Mitglieder. Die Parteipresse setzt sich aus 48 Tageszeitungen und mehreren Fach-: blättern zusammen. Forderungen der sozialistischen Parteien Deutschlands. Berlin, 11. Jänner. Der Allgemeine Deutsche* Gewerkschaftsbund, c!er Afa-Bund, die S. p. D . und die U. S. P. D. veröffentlichen ein Schreiben, worin darauf hingewiesen wird, daß . die Einziehung der V e r mögenssteuer und des R e i c h s n o topfers auf sich warten lassen und daß es den Anschein habe, als ob die Erfassung der S a c h- ■ werte gänzlich begraben werden solle. Der gemeinschaftliche Vorstand der beiden sozialdemokratischen Parteien habe daher beschlossen, in der Steuer- und Reparationsfrage mit stärkerem Nachdruck vorzugehen. Das Schicksal der Deutschen Werke* Berlin, 11. Jänner. (Wolff.) Die deutsche Botschaft in Paris hat eine Note der Botschafterkönferenz über. die Deutschen Werke erhalten, in der . diese alle von der interalliierten Kontrollkommission getroffenen; Maßnahmen als vollständig begründet ansieht. Die Kommission wird aber ermächtigt, zur Durchführung der .Umstellung die zur Wahrung der Interessen der Arbeiter notwendigen Fristen zu bewilligen. Die Umstellungen müßten jedoch spätestens im Zeitpunkt des AÜfhörens jeder effektiven Kontrolle seitens der alliierten Mächte beendet sein. Streik in den südafrikanischen Goldminen. Johannesburg, 10. Jänner. (Reuter.) In allen Randgoldminen hat ein Ausstand eingesetzt Der Streik erstreckt sich auf 20.000 Arbeiter. Schwierigkeiten stoßen. Was im Weltkrieg an Vergeudung menschlicher Arbeit an der Vernichtung von Volksgut und Zivilisation geschehen ist, das läßt sich nicht so rasch hersteilen, und die Kanonenfabriken wie die Säugpumpen d:r internationalen Haute finance leisten erbittertsten Widerstand und haben ganze Armeekorps lungenkräftiger Demagogen auf die Beine gestellt Aber die Methode der Geduld wird doch* siegen«. das .Werk,, .noch - ehe es irecht; begonnen, -mit ihrer Zweifel und Enttäuschung beherrschten; Stimmung der Massen einen Tiegel zu formen, in dem man neues Unglück Cannes; 11. Jänner; (Wolff.) Ministerpräsident Briand ist nach Paris abgereist Er will morgen in

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