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Wiener Morgenzeitung · 1922-01-09 · Heft 1058 (9.1.1922) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1058 (9.1.1922)
Date
1922-01-09
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 105$ Wien, Montag WTETTETR RTOTTGTTTrrilTTTnTiT cp r , SeTfTS - ..1.— .... —........ .i.i — ... , ~i—, .,«...---' -.— -- — «I, ...i .i ..-.1 4 Mitteilungen aus dem Publikum. Echte Jägerwäsche CS Albert Matzner, Wien, I., Kohlmessergasse 8 and 4 Decken im Werte von mehr als K 90.000 aus" dem erbrochenen Zimmer gestohlen zu haben. Panzer, der sich bis jetzt in dtzr Untersuchungshaft des Landesgerichtes befunden hatte, leugnete den Diebstahl hartnäckig. Das Kommissariat Brigittenau stellte durch Erhebungen fest, daß er in Gesellschaft des 23jährigen Gärtnerejarbeiters Leopold L e n i t z, IX., Althangasse 29, den Einbruch verübt und niqht 10, sondern 20 Leintücher und 4 Decken im Werte von mehr als K 170.000 gestohlen haben. Die Leintücher verkaufte er dem 29jährigen Mechaniker Richard Gottswinter und dem 21jährigen Hilfsarbeiter Franz Plainer, die sie wiederder 45jährigen Hotelbesitzerin. Anna Behnert, Treustraße 74, veräußerten. Dort wurden sie auch gefunden. Die vier Decken wurden in der Wohnung Gottswinters beschlagnahmt. An der Verwertung beteiligten sich auch die Geliebte des Lanzer, die 20jährige, abgeschaffte Hilfsarbeiterin Marie Kasper. Lenitz, Gottswinter, Plainer und die Kaspar wurden am 7. d. M. dem Landesgericht einge- Hefert. Frau Behnert wurde wegen bedenklichen Ankaufes der Staatsanwaltschaft angezeigt * Unter dem Verdacht des Kasseneinbruches. Der wegen Diebstahls zu 21/, Jahren schweren Kerkers vorbestrafte 28jährige Kutscher Georg Gärtner, XX., Klosterneuburgerstraße 127 wohnhaft, wurde am 2. d. M. im XX. Bezirk verhaftet und dem Sicherheitsbureau überstellt Gegen ihn liegt der Verdacht vor, an zwei Kasseneinbrüchen beteiligt gewesen zu sein, und zwar am 9. November v. J. beim Reichswirtschaftsbund der Festangestellten, IL, Stuwerstraße 36, mit K 100.000 Schaden, und am 14. November v. J. im Steueramt Stockerau mit einem Schaden von K 2,700.000. Er stellt jede Beteiligung an den beiden Einbrüchen in Abrede und wurde dem Landesgerichte eingeliefert , * Nächtliche Exzesse. In der Angererstraße wurden gestern nachts der 34jährige Hilfsarbeiter Josef R i t k y, XXL, Schenkendorfgasse 4, durch Messerstiche am Knie und an der linken Hand, und der 26jährige Hilfsarbeiter Josef Mischa, Morelligasse 17, durch einen Stich in den Bauch im Verlaufe eines Raufhandels schwer verletzt. Die Rettungsgesellschaft verband beide und brachte sie auf die I. Unfallstation. — Im Cafe Kaiser in der Wallensteinstraße wurden gestern im Verlaufe eines R^ufhandels der 30jährige Hilfsarbeiter Ferdinand Mausberger, XX., Denisgasse 3, durch einen Messerstich in die linke Brustseite, und der 33jährige Hilfsarbeiter’Robert K u c h a r, XX., Jägerstraße 4, durch einen Stich in das Gesicht von unbekannten Burschen verletzt Die Rettungsgellschaft verband beide. * Das arbeitende Palästina. Soeben ist das zweite Heft der Monatschrift des Palästina-Arbeiterfonds, »Das arbeitende Palästina“, erschienen. Inhalt: *Das Blut von Jerusalem, von D. Bengurioo. — Die arabische Bewegung,.von L Ben-Zwi. — Oeffentliche Arbeiten; Organisationsform, von D. Hos. — »Gdud Haawodah“ (Zum ersten Gründungstag) von S. Lewinsohn. — Die Palästina-Tätigkeit der russischen sozialdemokratischen Poale-Zion, von M. Kiewer. — Unter der p a i ä s ti n e n s i s c h-ejn Arbeiterschaft: Die Verwirklichung der Kongreßresolutionen, von A. Harzfeld. — Die Lehrerkonferenz, von 8. Däwid. - D. Pinsker, von LWinnig. — Palästina-Arbeiterfonds: Die eingetroffenen Werkzeuge; die P.-A.-F.-Woche; Sammlung in Amerika; Sammlung in Ostgalizien; Werkzeugsammlung in Argentinien; Werkzeugsammlung in der Schweiz. — Von der Hechaluz- Beweguug: Bauarbeit; „ Die Konferenz in Litauen; Hechaluz-Kooperativen in Rußland; Hechaluz in Deutschösterreich. — Literarische Bemerkungen: ' »Der Kuntreß* (zum hundertsten Heft) von J. B a k!. Jüdischer Frauenbund. (IX., Liechtensteingasse 11). Spendenausweis der Inlandsaktion für Kinder v o>rn 16. D e z e m b e r . 1921 b i s 4. I ä n n e r 1922. Frau Regina Körner III (Jahresbeitrag 1922) 1200, Frau Schoßländer 300, Herr Julius Fliwel I 250, Frau Josefa Eiref IX 2000, Herr E. Katz III 2000, Frau Nett! Lamm II 1200, Herr Schlamm II 1000, Frau Esther Reichmann III (Jahresbeitrag 1922) 200, Frau Toni Bernstein VIII 200, Herr M. Schenker-Gottesmann II (Monatsbeitrag) 500, Frau, Rachel Mieses XX (Jahresbeitrag) 500, Frau- Amalie Tauber IX '1000, Frau Paula Glückselig (Jahresbeitrag) 2000, Frau Dr. D. Barbara Liß 200, Schwestern Hackel I als Chanuka-Spenäe 500, Herr Jakob Periberger II 1000, durch Herrn Zwi Lew/inon 600, P. F. IX 300, Herr Julius Fliwel I 300, Frau Regine •Halpern IX 200, Frau Anna Friedmann . 200, Frau Hblene Morer III (Jahresbeitrag) 3000, Frau Fanni Pustelniker V 1000, Frau Dr. Rosa Menczl XVIII 500, Ungenannt 300, durch Frl. P. Feuerstein 2590, Frau Dr. Lola Engländer IX (Jahresbeitrag) 500, Frau Dr. Anna Dobschütz IX 200, Frau Rosa Halberstein IX 200, Frau Groß,- .rabbiner R. Friedmann II 1000, Frau Hilda Höchberg II 200, Frau Elsa Picker IX 500; Frau Fanni Kupferman II 500, Frl. Regine Perlberger IX 200, Frau Adele Duldig VII 200, Frau Dr. Sofie Löwenherz IX 200, Frau Malw. Wolkenberg III 200,. Frau Rachel Schwebel XX 600, Diverses 3860, früherer Ausweis 195.289, zusammen 225.689. Weniger als K 200 können gegenwärtig nicht ausgewiesen werden. — Lebensmittelspenden: Frau Weiner, Oberrechnungsratsgattin IX, 5 kg Mehl, Frau Minna Gabel II 2'/a kg Linsen, l‘/s kg Bohnen. — Spenden in Garderobe: Frau Minno Gabel II 1 Wintermantel, 1 Paar Schuir, 1 Wollmütze für ein zwölfjähriges Mädchen. Frau Plotzky IX 2 Hemden, 1 Kleid, 2 Schürzen für ein achtjähriges Mädchen. * Urania. Heute, Montag, Uhr (Grosser Saal) Schülervortrag: Wenn die Flocken fallen. Die Salzgewinnung am Meere und im Salzkammergut. — 5 Uhr (Grosser Saal) Der Kampf mit dem Berge, I, In Sturm und Eis. — V88 Uhr (Großer Saal) Leopold B 1 a h a : Der Orient nach dem Kriege. — V»6 Uhr (Kleiner Saal) Landesschulinspektor Hofrat Dr. Anton Becker-' Bau und Bild von Niederösterreich, VI. — V28 Uhr (Kleiner Saal) Die klassische Kunst in Italien, I. Hochschulprofessor Dr.'Dagobert Frey: Bramante. — l/s6 Uhr (Kurssaal) Professor Dr. Josef Schwerdfeger; Das Zeitalter Ludwig XIV., I. — 728 Uhr (Kurssaal) Professor A. V e r n y : Das Atom im Ablauf der Kulturgeschichte, IV. — V36 Uhr (Klubsaal) Direktor Professor Josef N e u m a i r : Vom guten Stil, II. — Vs8 Uhr (Klubsaal) Max Millenkovich-Horold: Richard Wagner und die Frauen, IV. — l/a8 Uhr (Arbeiterheim, X., Laxenburgerstraße 8) Das schöne Land Salzburg. Steuerfragekasten. Abonnent M., IX. Der 25°/0ige Pauschalabschlag von Dienst- und Lohnbezügen wird n:.ch 'richtiger Ansicht unter allen Umständen gewährt, auch wenn daneben noch anderes Einkommen besteht. Er Ist ja auch in den Steuerabzugstabellen bereits berücksichtigt. — Gefälligkeit. Wenn Sie nicht selbst Eigentümer der ausländischen Münzen sind, so haben Sie sie nicht anzumelden. Die Anme;dungspflicht trifft dann eventuell Ihre Verwandten als Eigentümer, wenn bei diesen die entsprechenden Voraussetzungen vorliegen. Nur wenn Sie für die Geschäftsführung der, Eigentümer hier verantwortlich sind, müssen Sie die Anmeldung für die Eigentümer vornehmen. — R. W. 14. Für 1922 gibt es neue Stammblätter und Abfuhrlisten und auch neue Abzugstabellen. Monatsbezüge unter K 20.009 sind über- Freie .«uische Volksbühne; itmitiiiwiiimiiiiiiiiiiiimttiiiiumiiiumiHmiittiiifiiiiiiuiiiiiiimmiiiiiiiiiiiuiiiiiiiiiiiH Gastspiel im Lnstspieltheater V,8Uhr ab«.*,: d@Btuw3m (KM 4280 Schauspiel ln 3 Akten] von F. B 1 ra kol BB8BRIII Das Theater ist gehetzt! haupt abzugsfrei. Bei Monatsbezügen zwischen K 20.009 und! 75,008 beträgt der monatliche Abzug 1%, bis K 175.0081 2% und darüber hinaus 3%. — Berthold H. Die Voraus-] Zahlung auf die Vermögensabgabe bis 15 Februar kann nun mehr bis zu einem Viertel in Kriegsanleihe geleistet werdenJ Schw . . . g. Bis Ende März ist die ganze auf das Ein-j kommen des Jahres 1921 entfallende Einkommensteuer einzuzahlen. Was Sie auf diese Steuer bereits gezahlt habenj känri natürlich abgezogen werden. Die Zahlung, die Sie am 15. November geleistet haben, betrifft wahrscheinlich aber] sowohl das Jahr 1920 alp auch 1921, so daß Sie nicht de« ganzen Betrag abrechnen-können. — Elieser L Frei vonj Vermögensabgabe sind für Sie K 30.000, wenn Sie über! 60 Jahre oder erwerbsunfähig sind K 60.000, für ihre Frau] dasselbe, für jedes Kind, das kein eigenes Vermögen über) K 30.000 hat, je K 15.000, und wenn Ihr Vermögen gann oder überwiegend aus inländischen Miethäusern, festverzinslichen Wertpapieren, Renten oder ähnlichen1 Bezügen besteht, kommen hiezu noch freie K 150.000. — 11. Die Steuereinheit beträgt für 1921 K 200. So oft dieser Betrag in ihrem Einkommen enthalten ist, aus soviel Steuereinheiten besteht ihr Einkommen.' Je nach der , Anzahl der Steuereinheiten richtet sich dann der Steuerbetrag. 300 Steuereinheiten, also K 60.000, sind für 1921 steuerfrei. Die Steuer beträgt von 300 bis 500 Einheiten, also von K 60.000 bis ,100.000 2-2%, bis K 400.000 3*3°/0, bis K 1,200.000 4.4°/o- Darüber hinaus wächst, mit dem Einkommen auch] der Prozentsatz. — UL Das Gesetz, das erst für 1922j gelten wird, ist uns noch nicht zugegangen. Jedenfalls* wird außer der Börsegewinnsteuer auch noch die Eitt» kommensteuer vom Gewinn zu bezahlen sein. Genaueres nächstens. _ Vereine, Vorträge und Versammlungen. Hakoah-Orchester. Das am 11. d. M. int, Großen Konzerthaussaai stattfindende IV. ordendt-' licheKonzert des Ha k-oah-Orehe sters1 begegnet allgemein größtem Interesse. Besonders anziehend: wirkt diesmal das auserlesene Programm (Beethoven: V. ,Symphonie) und die Mitwirkung Prof. B ti c.hsb a u m s. Restliche Karten an der Konzerthauskasse, im Sekretariat der Hakoah, Caf6 Atlashof, bei der »Wiener, Morgenzeitung-, Buchhandlung Löwit und bei der Konzert-] direktion Kugel, Schwarzenbergplätz. > Hebräischer.Klub, Taborstraße 1, Mezzanin^ Abendkurse : Heute, 8 bis 9 Uhr, Dr. N. Goldstein q Mi s c h n aitis c h es R e c h t. (Baba mezia.) -H Jüdische T o y n b e e - H a 11 e, Wien, XX., Denis-] gasse 33. Heute, präzise 4 Uhr nachmittags, Rezitationen! Mirjam S c h n a b e 1 - H o e f 1 i c h aus jüdische«! Werken. .Jüdische Künstler redottte. Zu dieser am. 12. d. Mi im Kursalon stattfindenden Veranstaltung gibt sich regstes Interesse kund, besonders da eine große .Anzahl jüdischer Künstler und Schriftsteller darunter auch die Künstler der Freien jüdischen Volksbühne, ihr Erscheinen zugesagt haben. Karten bei der »Wiener Morgen*, zeitung“ und bei Löwit. i Vorträge über die Relativität»-/ t h e ö r i e. Mit zehn gemeinverständlichen, jeden Diens^ tag um %S Uhr im Kleinen Saale stattfindenden Einzel-« darstellungen hervor rag e n der Fachge!e hrteri , will die Wiener Urania allen Wissensdurstigen Gelegen-] heit bieten, Wesen, Ausbau1 und Zukunftsmöglichkeiten deij großartigen neuen Lehre, die man bisher unter dem Name« Einsteins zusammenfaßte, kennen zu lernen. Den! ersten dieser Vorträge, »Die Relativität der progressivem Bewegung“, wird am Dienstag den 10. d. M. Prof. Doktor] Wladimir Misar halten. Vereinigung jüdischer Forscher, Schriftsteller und Künstler „HARUACH“ in Wien Donnerstag den 12. Jänner im Kursalon der Stadt Wien ERSTE JÜD. KÜNSTLERREDOUTE I i „Der Turmbau zu Babel“ i i Beschränkte Kartenausgabe bei L ö w i t, bei der „Wr. Morgenzeitung“ und im Kartenbureau Ä ¥ d a, Taborstraße 8 Konzerte. Emest Bloch, dem als Pionier auf dem Gebiete der jüdischen Kunstmusik ein großer Ruf vorauseiit, war bis jetzt in Wien noch nicht aufgeführt worden. Der aus Genf stammende Komponist hat seine musikalischen Studien in Genf bei Jacques Dalcroze, in Brüssel bei Ysaye und schließlich in Frankfurt absolviert und so gewissermaßen pine internationale musikalische Ausbildung genossen. Eine Oper „Macbeth“, symphonische Dichtungen, Klavierstücke und Orchestergesänge sind vor längerer Zeit erschienen, gegenwärtig werden Kammermusikwerke und Solostücke mit angeblich originaljüdischen Motiven veröffentlicht In einem von Oskar Fried geleiteten Konzert gelangten Bloch’s symphonische Gemälde „Hiver“ und „Printemps“, deren Schaffung etwa 15 Jahre zurückreicht, zur Wiener Erstaufführung. Bloch nennt die beiden Werkchen „poSmes“, eine Bezeichnung, der die liebevollen Naturschilderungen vollauf gerecht werden. Die Erfindung des „Winters“ ist freilich karg, müde, winterlich: Eine klagende Mollmelodie hebt in den Bläsern an, dann breitet sich der Gesang allmählich in den Geigen aus, um mehrmals in dem Grollen der Bässe zu versinken. Auf- und abgehende Quarten und Quinten sind charakteristisch, Dur und Moll wechseln in rascher Folge. Mit dem klagenden .Mollthema verklingt der Winter, ohne einen rechten Abschluß zu finden. Er räumt dem „Frühling“ das Feld, der froh und sorglos mit Flötengesang seinen Einzug hält Es jubiliert in der Natur und sonnige Menschenkinder auf blumiger Wiese werden bei dem Vogelgezwitscher beinahe bildhaft. Noch zittfert der Winter nach, aber der Frühling offenbart seine junge, unverbrauchte Kraft in allem Reichtum der jungfranzösischen Orchesterfarben, und Holzbläser und Harfe sind die Vorkämpfer seines Sieges. In den zartesten Farben,die nach französischemGeschmack aufgetragen sind, verkümmert der „Frühling“, dessen mehr kultivierte als originelle Erfindung reicher im Koloristischen als im Thematischen hervorsprießt Puccini-Melismen. Mahlersche Naturmalerei, selbst Vorahnungen E. W. Korngolds klingen an und so zeigt Bloch in den. beiden Dichtungen keinerlei spezifisch jüdische Musikvokabeln, vielmehr einen gewissen Internationalismus auf jungfranzösischer Grundlage. — Die richtige Mischung und Differenzierung von Blochs duftigeln Farben erfordert eine'gründliche Probenarbeit und den engsten Kontakt zwischen Dirigenten und Orchester; Oskar Fried scheint unter Verzipht auf diese" Voraussetzungen den künstlerischen Erfolg dem Zufall überlassen zu haben, der ihm nicht freundlich war. Hermann Abendroth, ein Überaus exakter Dirigent, der in Deutschland längst anerkannt ist, debütierte letzthin in Wien. Auf seinem Banner scheint Bülows Wahlspruch zu stehen: Im Anfänge war der Rhythmus. Mit seinem prachtvollen Dirigententemperament, das in der dritten „Leonoren-Ouvertüre“ Triumphe feierte, wußte er auch einer recht schwächlichen Novität zum Siege zu verhelfen, Die „Variationen und Rondo über ein altdeutsches Volkslied“ von Josef Haas, einem Schüler Max Regers, versagen ' gerade dort, wo Reger sein* Bestes geleistet hat, in der Variationentechnik. Ohne Regers barocke Kompliziertheit, aber auch ohne jede Inspiration reihen sich die Variationen kurzatmig und . mitunter langweilig aneinander, technisches Geschick und ausgeprägter Sinn für Kontraste nicht ohne theatralischen Einschlag sind anzuerkennen, mangelhafte Prägnanz und überreiche Anklänge an längst Bekanntes beeinträchtigen de Wert der , Novität Auch die Mühe, die das sonst kritische Fei st- Quartett auf J. Wachsmanns Streichquartett verwendete, wäre einer besseren Sache wert gewesen. In dem fein sauberen Werke gibt es wenig Modulation und wenig Polyphonie, keinen Zündstoff und keine Entladungen; anmutig und liebenswürdig plaudern die Streichinstrumente miteinander von Johannes Brahms und seinem Kreise in den besten gesellschaftlichen Formen, auch allerlei galante Dinge weiß die Geige zu erzählen, bei denen es sich angenehm auf^uhea läßt Weniger bequem, aber umso lohnender ist das! Klavierkonzert von. Max Reger. Die Notenköpfd prasseln nur so nieder und man muß alle Lust.zu-I sammennehmen, um bei den modulatorischen Ver-I änderungen und Verrenkungen mitkommen zu könnend Dem jungen Rudolf S e r k i n scheint diese eminent] schwierige pianistische Leistung nur ein Kinderspiele schon seine Gedächtnisleistung ist bewunderungswürdig») umsomehr die physische Kraft und die geistige Potenz. Auch aus Fräulein Grete Hinterhofer spielt eine ursprüngliche Musikantenbegabung. Marx' romantisches« Klavierkonzert, eines der anspruchsvollsten Werke der Klavierliteratur, spielte sie mit so tiefer] Empfindung und so hoher Bravour, daß der Komponist! daran seine Freude haben mochte.’ — Temperament-! voll und energisch erwies sich in kleinen. Stückeir Fräulein Hedda Ba H on, deren harter Ton de» Veredlung fähig ist. Musikalisch gewandt, kultiviert und: empfindsam, aber auch unausgeglichen wie in* Vorjahre, spielte Herr Felix H u p k a. Rhythmische» Talent verband mit dürftigem Ausdruck Fräulein- Eleanor Spenc\er in Beethovens C-Dur-Konzert j Frau Johanna Herzog- T u 11 n e r schien m ihrem Liederabend indisponiert Aber auch abgesehen^ davon ist sie nicht die richtige Mittlerin für alle Innig-! keit von Schümanns „Fraüenliebe und -leben“. Herr Hans T h u m a hat ansehnliches Tenormaterial, das jeder Kultur bar ist, Fräulein Elsa. S g a 1 i t z e t\ einen stattlichen Bühnensopran von. guter Schulung; unchintelligentem, noch schülerhaftem Vortrag. Violinvirtuose Fritz Roth sch! 1 d brillierte im Brahms-Konzerte mit seiner Technik; dabei wahrte er vornehm kühle Distanz, wurde nicht warm und ver\ mochte nicht zu wärmen. Fräulein Maria . vott K ä l m ä n, die sich an Beethovens Violinkonzert wagte* ist selbst kleineren Aufgaben noch lange nicht gewachsen. Celliät Emanuel Feuermann musiziert aus tiefster! Seele, deren Leidenschaftlichkeit und Innigkeit er ia Haydns D-Dur-Konzert in seiner reifen Kunst widcr*t spiegelt Dr. Erwin r e 1 b e t

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