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Wiener Morgenzeitung · 1922-01-09 · Heft 1058 (9.1.1922) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1058 (9.1.1922)
Date
1922-01-09
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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isnmniffmiMr R3& Wien: Zum Abhoten m der Expedition, IL,Taborstr. 1—H oder in einer VerschleißsteHe (Trafik) monatlich K tOOO. Mit Postversand fiirWfen und Oesterreich monatlich K1O0Ö. Tsch‘echo-Slowakei:Mott. Kronen20. Ungarn: Monatl. Kronen 120. Jugoslawien: Monatl. Dinar 18. Polen: Monatl. Mark 600! Deutschland: Monatlich Mark 25. Jrra n k r e i c h: Monatl. Pres. 6. Wiener lHRVM«Sl9VHRi! tsclu K 1 Stellen: Monatlich Mre $ Rumänien: Monatl Lei 4Q2 Schweis und das öbrigti Ausland monatlich Francs Redaktion u. Administration) Wien H.y Taborstrasse 1—A Telephonat 44-0-38, 43-3-19^ ab 6 Uhr abends 17-9-383 Telegrammadresse: „Morgend zeitung“, Wien. Oesterreichisches Postsparkassenkonto 150.69^? MW yittWri.r.ll.'i Nr. 1058 Wien, Montag, 9. Jänner 1922 4. Jahrgang Die Konferenz von Cannes. Der englisch-irische Vertrag angenommen. Englisch-französisches Abkommen. Cannes, 8. Jänner. (Havas.) B r i an d und Llo y d George hatten eine längere Besprechung Über die Bedingungen, unter denen ein französisch-britisches Abk o m m s n abgeschlossen. werden könnte. Oie beiden Ministerpräsidenten' werden die Unterhandlungen, die noch nicht sehr weit gediehen sind, aber unter den günstigsten Vorzeichen stehen, morgen1 fortsetzen. Der Präsident der Rep a r a t i o n s k o m m i s s i o n, Dubois, hat seine britischen, italiey eisehen und belgischen Kollegen nach Cannes berufen. Die so vervollständigte Kommission wird den alliierten Regierungen gemäß dem Friedetisvertrag ihre Mitwirkung zur Verfügung stellen. Abends hatten die mit der Prüfung der Reparationsfrage beauftragten Minister .eine längere Unterredung, die eine Annäherung der verschiedenen Ansichten in mehreren Punkten erwarten läßt. Die deutschen Delegierten für Cannes. Berlin, 9. Jänner. Die A b r e i s e der Sonntag nachmittags vom Reichskabihett ernannten deutschen Delegation wird heute nachm,! 11 ä g s. um 2 Uhr erfolgen. Wie der „Lokalanzeiger“ meldet, sind die Vertreter mit allen nötigen Vollmachten sowie dem einschlägigen Material versehen, am auf jede an sie gestellte Frage Auskunft: geben zu können. Die deutsche Delegation begibt sich zunächst nach Paris. London, 7. Jänner. (Reuter.) Der Dajl Eireann hat den Londoner Vertrag mit 64 gegen 57 Stimmenangenommen. . Dublin, 7. Jänner. (Reuter.) De Valera, Collini? und Griffith wurden, als sie den Dail Eireann nach der Annahme des englisch-irischen Vertrages verließen, von der Menge mit stürmischen Ovationen begrüßt. De Valera erklärte hiebei, daß die. vom-Volk aufgerichtete Republik nur vom Volk abgeschaffi werden könnte. De Valeras Demission, Dublin, 8. Jänner. (Reuter.) Auf. die, Nachricht von der Annahme des englisch-irischen Vertrages durch den irischen Landtag hat De Valera .seine Demission als endgültig bezeichnet Die Exkaiserin. Lissabon, 9. Jänner. (Tel.-Komp.) Exkaiserin Zita ist hier eingetroffen und reist morgen nach Madrid weiter. _. Deutschland nach Cannes eingeladeti. Berlin, 8. Jänner. Heute vormittags, IT Uhr, ■ wurde dem Reichskanzler durch den französischen ■Botschafter folgendes Telegramm übergeben: Der Oberste Rat wird ohne Zweifel das Bedürfnis"'haben, Ihre Vertreter in der nächsten Woche vom 8. bis zürn 15. Jänner zu hören. Um Zeit zu gewinnen, regen wir an, daß Ihre Vertreter sich nach Paris begeben und sich dort bereit halten, unserem Rufe zu folgen. ’ B r i a n d. Lenin zur Wirtschaftskonferenz ejn- - StziLden. /;;• ' Ein Beschluß des Obersten Rates. Rom, 8. Jänner. (Stefani.) Auf Grund des Beschlusses des Obersten Rates: in Cannes hat die italienische Regier u n g durch .Verm i 111 u n g d e r r u s s i s c h e n Wi rts c h a f t sordnung Lenin eingeladen, an der Konferenz, di ein G .e n u a s t a 11 f i n d e n wird, t e i 1 z u n e h m e n. : : Für den wirtschaftlichen Frieden. Marseille, 8. Jänner. (Haväs.) Die H a n d e 1 s- Kammer hat über Vorschlag ihres Präsidenten, des Abgeordneten G i r a u d eine Entschließung angenommen, welche das Zusammenarbeiten aller Völker zur Sanierung der gegenwärtigen mißlichen Wirtschaftslage und die Wiederaufnahme der w! risch aftl ich e n Beziehungen zb Rußland unter gewissen Bedingungen verlangt Die Entschließung wird den amtlichen Stellen überreicht werden. Briand vor dem Rücktritt? Paris, 9. Jänner. (Tel.-Könip.) In französischen parlamentarischen Kreisen gehen anläßlich der bevorstehenden Wie d e r er ö f f n u n g der Kammer Gerüchte über einen eventuellen Sturz d e s Kabinetts Briand um. Es ist jedoch mehr als wahrscheinlich; daß durch den zu erwartenden Abschluß des französisch-englischen Bündnisses sich Briand die weitere Existenz seines Kabinetts zunächst sichern wird. Es verlautet, in den Kammercouloires, daß der Vorsitzende der Kommission für auswärtige (Angelegenheiten heftige Angriffe; gegen das Kabinett Briand unternehmen werde. Andererseits verlautet, Ministerpräsident Brian d werde die Kammerdebatte nicht einmal abwarten, sondern sofort nach seiner Rückkehr aus Cannes demissionieren. Die deutschen Reparationen. London, 9. Jänner. (Tel.-Komp,) Der Korrespondent der „Daily Mail“ in Cannes, berichtet, daß die. J'etztfätfrige d e u t s c h e Mi 11 i a r.den zahl ü n’g üiid. die 700 Millionen Goldmark, die Deutschland in diesem ■Jahre zu leisten hat, zusäm.mengelegt und dann folgendermaßen verteilt werden sollen: England erhält 500Mil-, honen für die Besatzungsarmee,. Frankreich Wird, für die Kosten seiner Besätzungsarnjee. im .gleichen Verhältnis entschädigt werden. Der. Wert der Saargruben wird nicht in Abzug gebracht ,werden. Der restliche Betrag soll Belgien zufallen. Für das am 1. Mai. 1921 begonnene Jahr sind die Kosten der Besatzungsarmee, die amerikanischen Truppen niitinbegriffen, auf .220'MiIlioneii Goldmark festgesetzt worden.' Es würde, bestimmt, daß nach Ablauf dieses Jahres die Besatzungskosten durch Sachleistungen herabgesetzt' werden. Der Eit-ag der 260/0igen Exports!euer rsf: krdon vorgenannten Zahlen nicht berücksichtigt. Verringerung der französischen; ' Armee. . Eine Forderung Englands. Pari s, 9. Jänner. (Tel.-Komp.) Es Verlautet, daß der englisch-frknzösische Bundesvertrag im Anhang eine Bestimmung enthält, wonach die französische Regierung ihre Armee auf 500.000 Mann verringern müsse. DieNotöesterreichs. Kredite und Pfandrecht Paris, 8. Jänner. Der. „Temps“ veröffentlichte in seiner Sonntagsausgabe ein Interview mit Sektionschef Dr. Schüller, worin er ausführte : Es sind tatsächlich heroische Mittel, die Oesterreich, jetzt anwendet, um sich selbst zu helfen. Alle Parteien sind diesbezüglich einig und die hartgeprüfte Bevölkerung verschließt sich der Notwendigkeit nicht oder zeigt trotz der exorbitanten Belastung, die er für sie bedeutet, Verständnis für diesen Plan. Die österreichische Regierung führt also die Maßregeln in vollstem Maße durch, welche die alliierten Regierungen, insbesondere das Finanzkomitee desVölkerb u n d e s, von ihr verlangt haben, um die österreichischen Finanzen zu sanieren. Das Finanzkomitee des Völkerbundes hat aber nachdrücklich betont, daß das Gelingen dieses Planes davon abhängt, daß die österreichische Regierung gleichzeitig die notwendigen ausländischen Kredite erhalte, um während der Zeit der Durchführung dieser Maßnahmen ein weiteres Fallen der Krone za verhindern. Die Notwendigkeit der gleichzeitigen Gewährung der Kredite geht klar daraus hervor, wenn man sich | vorstellt, daß ein Fallen der Krone eine weitere Steigerung der jetzt so ungeheuer erhöhten Preise der Lebensmittel zur Folge hätte und daß die Bevölkerung unter dieser doppelten Last zusammenbrechen | müßte. Nach sorgfältiger und gewissenhafter Feststellung der Sachverständigen ist ein auf das engste beschränkter Kredit von drei Millionen Pfund Sterling notwendig, um den Plan für die nächsten Monate durchzuführen. Es ist klar, daß die Situation Oesterreichs dann eine ganz veränderte und wesentlich günstigere wäre, und daß im entscheidenden Moment die Einstellung des Notendruckes und die Equifibrierung des Budgets. durchgeführt, daher eine ganz andere Basis für weitere finanzielle Aktionen gegeben wäre. Da die A u f h e b u n g d e r P f a n d r e c Ii t e und die Rückstellung der F or der u n g.e n voraussichtlich in der nächsten Zeit erfolgen wird, ist kein Zweifel möglich, daß diese geringfügigen. Kredite, die Oesterreich jetztverlangt, in seinen Aktiven eine ganz, unverhältnismäßige Sicherstellung finden. Die öffentliche Meinung in Wien hofft zuversichtlich, daß man in diesen entscheidenden Tagen die österreichische Frage nicht vergessen werde, die die dringendste von allen ist. Mit vollem Recht ist gesagt worden, wenn man Europa wieder aufrichten will, muß man mit dem schwächsten Punkte beginnen, nämlich mit Oesterreich. Wenn man also Europa heilen will, muß man vor ai'iem .den vollständigen Zusammenbruch des eigenti'.-’rir. Zentrums von Mitteleuropa verhüten. Italien und Jugoslawien. Rom, 8. Jänner. Außenminister Marchese della T o r r e 11 a erklärte -in. einer Unterredung mit einem Mitarbeiter des „Popolo d’Italia“, es bestehe keine Spa n n u n g zwischen Italien und Jugoslawien. Die dritte Zonne Dalmatiens werde erst nach Erfüllung aller durch den Vertrag von Rapallo gewährten Sicherheiten für die Italiener in Dalmatien. geräumt werden. Italien verfolge die auf die Zusammenarbeit gerichtete Politik der Sukzessionsstaate n, doch sei die Behauptung, daß diese Bewegung notwendigerweise gegen Italien gerichtet sein müßte, phantastisch. . ■■ ■ / Großdeutsche Konferenz in Leipzig. Leipzig, 8. Jänner. (Wolff.) Ueber die Zusammen* kunft der deutschen, österreichischen und sudetenländischen Parlamentarier in Leipzig meiden die „Leipziger Neuesten Nachrichten“: Die Deutschhätionale Volkspartei war vertreten durch die Abgeordneten Dr. H o e t z s c h und von L i n d e i n e r, die Deutsche Volkspartei durch die Abgeordneten' Doktor Mittelmann und von Kemnitz, die . Groß- - deutsche Partei Oesterreichs durch ihren Präsidenten Dr. Dinghofer, die Deutschnationale Volkspartet; in der Tschecho-Slowakai durch die Abgeordneten Dr. Lodgman, Dr. Brunar qnd Ing. Kallina; Diese Zusammenkunft war im November 1921 anläßlich der Tagung in Linz vereinbart worden. Es wurde die politische Lage der drei Staaten einer eingehendeil Beratung unterzogen. Auch der mittlerweile abgeschlossene Vertrag von Lana bildete den Gegenstand der Beratungen. Wie das Blatt weiter meldet, sollen sich solche Zusammenkünfte regelmäßig wiederholen, So sollen die nächsten Besprechungen anfangs Februar v in Salzburg abgehalten werden. Budapester Studenten. Budapest, 8. Jänner. Eine Gruppe von Hoch* Schülern veranstaltete gestern abends vor dem Gebäude der hauptstädtischen Redoute, in welcher der Juristenball, eine der vornehmsten Faschings v e r a nanstaltungen stattfand, eine Demonstration., weil sich im Ehrenkomitee eine Reihe bekannter 1 e g i t i m i s t i s c h gesinnter Politiker befand. Es wurden auch mehrere Stinkbomben geworfen. Eine Konferenz der Sozialisten Westeuropas. Brüssel, 8. Jänner. (Havas.) Wie „Lc Soh“ meldet, hat Vandervelde nach seiner Rückkehr von Paris, wo er einer Sitzung des. Ausschusses der französischen sozialistischen Partei beigewohnt hatte, berichtet, . daß dieser auf seinen Antrag einstimmig Paul F a u re beauftragt habe, wenn er sich zum Kongreß der unabhängigen Sozialisten nach Leipzig begebe, bei den Delegierten .des* Wiener Bureaus der Internationalen Arbeitsgemeinschaft darauf. zu bestehen, daß zunächst die französische sozialistische Partei unverzüglich eine Konferenz einberufe, die auf die fünf durch die Reparationsfrage in Mitleidenschaft gezogenen westeuropäischen Länder beschränkt wäre; und daß weiters sofort die von der dritten Internationale beantragten Verhandlungen zwischen Wien und der Labour Party über die Vorbereitung einer Generalkonferenz beginnen sollen. Die begrenzte Konferenz dürfte bereits in den ersten DOMMW in Parte abgehalten wden könnso*

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